Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Erklärung des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale zum Militärputsch in Chile (19.3.1973)

Inprekorr Nr. 28, November/Dezember 1973 · S. 39-43 · 3.219 Wörter

Chile IV. Internationale Bolivien, Peru und Anden

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des Vereinigten sekretariats der IV. Interntionale zum Militarputsch in Chile (16.9.73)

Nach der Niederlage der bolivianischen Arbeiterklasse in systematischerer und rascherer Weise die von frei beim August 1971 war Chile zum Zentrum des Klassen- 4. September und die Wahl Allendes zur Prasiterten Reform weiterzuführen, Dennoch: der Sieg vom wurden von den breiten Massen als eine dem Klassenfeind mit dem Bewußtsein, beigebrachte Niederlage von historischer Dimension emsein würde. Diese Kraftprobe, die während der letzten pfunden. Tatsächlich wurde ein neues Kräfteverhältnis zwei Jahre durch begrenzte Konflikte und durch eine Bes radikalisierte kein bourgeoisie sonstiger als avor die Bauern und wachsende Zuspitzung der Situation vorbereitet wurde, und die sich schon in dem mißglückten Putsch vom in der Vergangenheit war.

29. Juni angekündigt hatte, hat unter dramatischen Umständen am 11, September stattgefunden, Die Streit- Die Verwirklichung der im Programm der Uniad Popular kräfte haben einen kriminellen Angriff gegen die Ar- vorgesehenene Reformen und der Schlag, der dem imperbeiterklasse, gegen ihre Organisationen, alten und neuen erkämpften Errungenschaften, sowie gegen die elementarsten demokratischen Rechte gestartet. Tausende und wahrscheinlich zehntausende von Rahmen des von Allende und seiner Regierungskoalition Toten in Santiago und in anderen Gebieten des Landes propagierten Reformismus hinauszustreben. Die Arbeiter zeugen von diesem neuen Beweis für die Barbarei der wollten Fabriken enteignen, die im privaten Sektor verherrschenden sogenannten nationalen Klassen und des bleiben sollten, die Bauern gaben der Agrarrelorn inre Imperialismus. Diese haben ein weiteres Mal -- indem eigene Interpretation. Die Dynamik des Klassenkampfes sie Blut in Strömen fließen ließen -- unter Beweis ge- entwickelte sich schnell nach der Logik der fundamentalen stellt, daß sie jegliche politische, juristische oder numa- Interessen, was alle vorfabrizierten Schemata zum Binne Erwägung der grausamen und unversöhnlichen Vertei- sturz brachte.

digung ihrer bedrohten Interessen unterordnen.

Selbst diejenigen Sektoren der Bourgeoisie, die der Unidad

Eine zusätzliche tragische Bestätigung der Gefahren, Popular anfangs wohlwollend gegenüberstanden, begannen die der niedergehende Kapitalismus für die Mensch- unruhig zu werden und die Gefahren zu spüren, die nicht die heit darstellt! Welch zusätzliche Bestätigung für die "Freiheit" des chilenischen Volkes oder die elementaren schändlich irreführende Natur der "Prinzipien" und demokratischen Rechte, sondern ihre Ausbeiterinteressen "Werte" einer Ausbeuter - und Unterdrückergesellschaft! bedrohten. Nach zahlreichen Krisen gingen sie otten au Welch zusätzliche Bestätigung der katastrophalen Kon- die Seite der Opposition über. Der rechte Flügel der Unidad sequenzen für die Arbeiterklasse, die die illusorische Popular trat aus der Regierung aus und verließ die Koalition. und unverantwortliche Perspektive eines "friedlichen" Die Christdemokratie nahm cine immer agressivere Halund "demokratischen" Übergangs zum Sozialismus mit tung ein, die von der Obstruktion bis zur Sabotage reichsich bringt, in einer weit, in der seit mehr als einem Jahr- te. In dem Maße wie sich die Kontlikte zuspitzten, wurhundert auf allen Kontinenten sich lokale und allgemei- den Aktionen der faschistischen Stoßtrupps und die Anne Kriege revolutionare Krisen, blutige Repression, fachung einer reaktionären Revolte der kleinbürgerlichen faschistische und Militärdiktaturen einander ablösen! Schichten zu politischen Instrumenten, derer man sich in immer größerem Maße bediente. Der Imperialismus, DAS PROGRAMM DER UNIDAD POPULAR UND DIE DY- in erster Linie der US-Imperialismus, trug das seinige NAMIK DER MOBILISIERUNG DER MASSEN bei, indem er erpresste, drohte, Druck ausübte, liche und finanzielle Manöver aller Art durchführte.

Das Projekt der Unidad Popular wurde als Beginn einer Etappe vorgestellt, in deren Verlauf der Ubergang zum Die Situation mündete somit in einer Klärung der Fron- Sozialismus auf der Tagesordnung steht, und es sah eine ten und stellte die beiden antagonistischen Kräfte vollreformerische Politik im Rahmen des kapitalistischen kommen klar und eindeutig einander gegenüber, wah- Systems vor, Deshalb waren in der Koalition politische rend die kleinbürgerlichen Schichten schwankten und Formationen bürgerlichen Ursprungs vertreten, Die Koa- sich spalteten. Bestürzt von der Dynamik der Massenlition versuchte -- und das ist schlimmer -- mit Sektoren bewegung, verwart die Bourgeoisie von nun an das der Bourgeoisie und der Partei, die deren Interessen ver- reformistische Projekt. Das Proletariat Kämpite, um tritt, zusammenzuarbeiten und betonte immer wieder die Bresche zu erweitern, die dem System schon geschlafassung. Desdil Taben sich die en dereidenen te ler- gen worden war, und die Unidad Popular konnte, wahrend sie verzweifelt nach einem Kompromiß suchte, der Bourgeoisie -- die schon einen gemäßigten reformisti- in die von der Bourgeoisie geforderte Kapitulation nicht schen Kurs unter Frei unterstützt hatten -- entschlossen, einwilligen, ohne sich von den Massen zu trennen und grunes Licht für Allendes Programm zu geben -- aller- damit sich selbst aufzugeben. dings im Rahmen der Bedingungen, lungen bestimmt worden waren, die im Anschlub an die Wahlen vom 4, September 1970 stattfanden, Das schloß die unveränderte Beibehaltung desMilitärapparats mit ein, (zur Entwicklung in Chile siehe auch IN PREKORR Um die relative Kontinuität des reformistischen Unterneh- Nr. 10, 12, 19, und 26. Alle Nummern menszu demonstrieren, schlug die Unidad Popular keine sind noch erhältlich.)

neue Agrarreform vor, sondern sie beschränkte sich darauf,

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#GEOISIE SUCHT DEN WEG FÜR EINEN MILIemoi aten, ten Konfrontationen zur Kapitulation zu zwingen, nien man dadurch einen progressiven Abbröckelungsen der Unfähigkeit, im Juni durch eine demagogische • eragekampagne, mehr als einen lacheruen geringen yachtsatz der Minenarbeiter von El Teniente zu moisieren. Diese Niederlage warf für die Christdemokraten .! ur die bürgerliche Front in ihrer Gesamtheit das ›blem der grundlegenden Strategie wieder auf, War › noch ausreichend, das Spiel des Respekts der Verfasungsnormen und des Ausnützens der Mechanismen des -Irgerlichen Staatsapparates zu spielen, wenn man dem kt Allende's entgegen wirken oder es gar lähmer •le, oder sollte man sich nicht vielmehr auf den Boues Staatsstreichs stellen?

Dar Mißerfolg des Putsches vom 29. Juni spiegelte - abgesehen von Irrtümern und dem technisch undas Zögern der Streitkräfte selbst wieder. des Oberst Souper rief eine imposante Mobilisierung der Massen hervor. Diese erreichten einen beispiellosen Mobilisierungsgrad, Mehr als tausend Fabriken waren von den Arbeitern besetzt worden, die unter Ausnutzung aller Möglichkeiten der "Cordones Industriales" (=Instrumente proletarischer Demokratie, die aus den Oktoberkämpten des vorigen Jahres hervorgegangen sind) ihre politische Kontrolle und ihre Verteidigung organisierten und die ihren Willen zum Ausdruck brachten, sogar die im Prinzip zum privaten Sektor gehörenden Fabriken nicht wieder ihren Besitzern zurückzugeben. Gleichzeistand zu leisten.

Die chilenische Bourgeoisie begriff sofort, daß die Situanon an einem entscheidenden Wendepunkt angelangt war. Sie hatte einen sehr harten Schlag gegen ihre wirtschaftliche Macht hinnehmen müssen, sie sah, daß sich eine Doppelherrschaftssituation abzeichnete, daß sich Keime von Arbeitermilizen herausbildeten. Im Einklang mit den führenden Kreisen des US-Imperialismus beschloß sie, aul partielle Kontrontationen zu verzichten, um sich aut eine größere Machtprobe einzulassen, auf die Ausnutzung aller "legalen" Tricks und Verschleppungsmanöver zu verzichten und die Waffen sprechen zu lassen, Die Verhandlungen vom Juli und August hatten wahrscheinlich zum Ziel, entweder Zeit zu gewinnen oder vollständi auszuloten, ob es möglich ist, Allende zu einer kampilosen Kapitulation zu bewegen. Da Allende auf "kaltem Wege" weder kapitulieren konnte noch wollte und die Massenbewegung nicht zurückging, wurde der Putsch mit groser Entschlossenheit und Grausamkeit ausgelöst; dies war angesichts einer sehr explosiven Situation und einer außerordentlichen Mobilisierung vom Interessenstandpunkt der Ausbeuter aus gesehen zur Notwendigkeit geworden.

Die chilenische Arbeiterklasse hat sich dem Staatsstreich mit einem Mut und einem Opfergeist entgegengestellt, die in die Geschichte der internationalen Arbeiterbewefen in der Hend gegen die Angriffe des Minars verteidigt, Die Fabriken wurden mit den Wafselbst in den Zentren Santiagos und in den Vororten entstanden Widerstandskerne, Gruppen von Soldaten und Marineint anteristen, die aus der Arbeiterschaft oder der Bauernschaft stammen, und die nicht bereit waren, den kriminellen Befehlen ihrer Offiziere zu folgen, haben sich in heroischer Weise aufgelehnt und rebelliert. Trotz des massiven Einsatzes von modernen Waffen und trotz der Durchführung von Massakern, ist der Widerstand nicht vollständig gebrochen. Die Arbeiterklasse aller Kontinente und die demokratische öffentliche Meinung haben ihre Entrüstung und inre Verurteilung mit beispielloser Schnelligkeit und Massivität zum Ausdruck gebracht.

Die lateinamerikanische Arbeiterbewegung, die im Juli große Niederlage erlitten, Fay den Fall, das das Militer- hat eine große Niederlage erlitten.

regime sich konsolidieren sollte, würde diese Niederlage schwerwiegende Folgen für das Kräfteverhältnis auf der Ebene des gesamten Kontinents haben, DIE LEHREN AUS EINER TRAGISCHEN NIEDERLAGE Drei Jahre lang hatten die kommunistischen und sozialistischen Parteien der ganzen Welt das chilenische Beispiel als einen Beweis für die Gültigkeit ihrer Theorien vom Übergang zum Sozialismus in schwärmerischen Worten gepriesen. Das tragische Ende der Unidad Popular erfordert, daß man eine Reihe von grundlegenden Lehren aus dieser Erfahrung zieht. Diese Lehren konnte man schon aus unzähligen Erfahrungen der Vergangenheit ziehen, besonders in Lateinamerika -- vom Sturz des Regimes Arbenz 1954 in Guatemala durch eine Söldnerarmee, bis hin zum von den Imperialisten und den brasilianischen Gorillas unterstützten Staatsstreich vom August 1971 in Bolivien, der Banzer an die Macht brachte. Die Tatsache, daß diese Lehren nur durch die Avantgarden assimiliert worden sind, die noch nicht in der Lage sind, den Verlauf der Ereignisse entscheidend zu bestimmen, ist vom chilenischen Proletariat mit einem extrem hohen Preis bezahlt worden. Es ist die Aufgabe der Revolutionäre dafür zu kämpfen, daß das heroische Opfer von tausenden von chilenischen Arbeitern und Militanten nicht vergeblich gewesen ist, daß die reformistischen und opportunistischen Mystifikationen, die den Massen durch die traditionellen bürokratischen Apparate eingeimpft werden, endgültig zerstört werden.

Die Ereignisse in Chile der letzten drei Jahre zeigen wie illusorisch die Perspektive einer "demokratischenantioligarchischen und antiimperialistischen Etappe" der Revolution ist, an der die nationale Bourgeoisie teilnehmen könnte, illusorisch sowohl von den objektiven Gegebenheiten als auch von den politischen Möglichkeiten her. Eine Bourgeoisie kann über absolut beschränkte Reformen nicht hinausgehen, ohne die fundamentalen Interessen des Imperialismus zu verletzen. Abgesehen davon ist auch keine dieser nationalen Bourgeoisien bereit, sich auf diese Ebene der Politik zu begeben, wenn sie nicht die Garantie dafür hat, daß sie den Prozeß strikt kontrollieren und jegliche autonome Dynamik der Massenbewegung ersticken kann. In dieser Hinsicht ist das peruanische Militärregime ein klassisches Beispiel.

Die chilenischen Ereignisse zeigen, daß der Arbeiterreformismus, selbst unter sehr günstigen Bedingungen, schnell in einer Sackgasse endet. Die durchgeführten Reformen laufen Gefahr, selbst wieder in Frage gestellt und ihres Inhalts beraubt zu werden, wenn sie nicht verallgemeinert werden. Eine solche Verallgemeinerung führt unvermeidlich an eine Schwelle, man nicht überschreiten kann, ohne den Mechanismus des kapitalistischen Systems selbst zu brechen, Übrigens verletżen die Teilmaßnahmen zahlreiche Interessen, ohne sie zu zerstören. Sie rufen die unvermeidlichen Reaktionen derjenigen Kräfte hervor, die auch weiterhin über Hilfsmittel und mächtige Verbündete verfugen. Und noch einmal ist bewiesen worden, daß man lie Kleinbourgeoisie nicht durch eine versöhnlerische Haltung gewinnen kann, daß man sie nicht gewinnen kann, ohne eine antikapitalistische Perspektive anzugeben, um die Manöver der herrschenden Klasse in entscheidender Weise zu bekämpfen.

Die chilenischen Ereignisse beweisen die Absurdität eines Übergangsprogramms ohne die Zerstörung des Staatsapparates in seiner Gesamtheit, diesen Apparat, den die herrschenden Klassen auf die wirksamste Art und Weise organisiert und strukturiert haben, um die Aufrechterhaltung ihres Ausbeutungs- und Unterdrückungssystems zu sichern, Es handelt sich jedoch nicht darum, jegliche taktische Ausnutzung von legalen Möglichkeiten oder /on außergewöhnlichen Umständen, wie sie durch die -36-

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Massen absolut und dringend notwendig ist, revolutionäre Organe proletarischer Demokratie, Elemente der Doppelherrschaft, Kampfinstrumente für die Eroberung der Macht und Keimformen qualitativ neuer politischer Struk turen des aus de Revolution hervorgehenden Arbeiterstaates auf zubauen.

Die chilenischen Reformisten haben systematischı diese Notwendigkeit geleugnet, sie haben sich darauf bescłu änkt, Organe mit sehr beschränkten Funktionen i Leben zu rufen, die keinerlei wirkliche Autonomie gegenüber den "Vert assungsmäßigen" Organen des Staates hatten. Unter dem Druck der dramatischen Ertahrunger haben die Arbeiter, besonders im letzten Jatur, diese grundlegenden Forderungen wiederentdeckt unu Organc wie die "'Cordones Industriales" geschaffen, die viel.. versprechende revolutionäre Möglichkeiten in sich bargen. Aber ihre Initiativen haben sich verspätet entwickelt und nicht verallgemeinert; schlimmer noch, sie wurden oft durch Manöver der Bürokratie, die entschlossen war, den "Cordones" ihren Charakter von potentiellen Sowjets wegzunehmen und sie nach einer solchen Entmannung in die "konstitutionalistische" reformistische Strategie zu integrieren, teilweise ihres Inhalts entleert.

Die chilenischen Ereignisse haben schließlich ein weiteres Mal bewiesen, daß die These, daß es möglich se), die kapitalistische Macht ohne revolutionäre Gewalt, ohne bewaffneten Kampf zu stürzen, die schimpflichste aller Mystifikationen und die selbstmörderichste aller 11lusionen ist. Es ist unbedingt notwendig, daß man versteht, daß im entscheidenden Augenblick des Kampfes um die Macht der bewaffnete Konflikt in jedem Fall unve: meidlich ist und, um mit Lenin zu reden, "die militarisci• Frage die zentrale politische Frage ist". Die Arbeiterklasse muß sich systematisch auf eine solche Perspektive vorbereiten, indem sie jede spontaneistische Illusion zurückweist und indem sie selbst aut diesem Gebiet, die Notwendigkeit einer zentralisierten Aktion versteht. Sie muß begreifen, daß eine rein defensive Haltung zum Scheitern verurteilt ist, wenn die entscheidende Stunde heranrückt und sie muß dem Feind die Initiative entreißen.

"Die Erfahrung anderer Länder, vor allem in Lateinamerika -- so hieß es in der Erklärung vom Dezember 1971 des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale über Chile -- von der Invasion Guatemals im Jahre 1954 bis zu Banzers Staatsstreich in Bolivien im letzten August -zeigen, daß die Arbeiterklasse ihre Bewaffnung als elementare Aufgabe ansehen muß. Diese Erfahrung wurde mit blutigen Buchstaben geschrieben -- mit dem Blut von Arbeitern, Bauern und Studenten, Jegliche Illusion über die guten Absichten" des Feindes ist selbstmörderisch, Angesichts der Klassennatur der Regierung und der Beziehungen zwischen der Koalition der Unidad Popular und der breiten Mehrheit der Massen stehen die Arbeiter und Bauern vor der Aufgabe, sich zu bewaftnen, politische und militärische Selbstverteidigungsorgane zu bilden, eine eigenständige Volksmiliz zu organisieren und revolutionăre Propaganda unter den Soldaten Beginn: man nicht mit diesen Maßnahmen, so würde manpraktisch von der "demokratischen Loyalitat" der Armee und der spezialisierten Repressions- Kräite abhängen. Man würde sich untähig zeigen, den Notwendigkeiten gerecht zu werden, die von immer breiteren Schichten der Massen, von den Ereignissen in Bolivien aufgeweckt, gefühlt werden, Allendes Er klärungen, nach denen die Unidad Popular jeglicher reaktionären Gewalt begegnen wird, sobald sie auftaucht, sind solange nichts anderes als demagogische Prahlerei, solange keinerlei praktische Maßnahmen damit verbunden sind. Statt sich auf Spontaneismus und Improvisationen zu verlassen, müssen jetzt die notwendigen Instrumente geschaffen werden, un der: Klassenfeind daran zu hindern, sich für den entsche!denden Kampf , der in der Zukunft stattfinden wird, ein überlegenes materielles Ubergewicht zu verschaffen. Um jegliches Mißverständnis zu vermeiden, betonen die revolutionären Marxisten, daß die Arbeiter und Bauern ihre Bewaffnung auf die Tagesordnung setzen müssen, nicht gegen Allende, sondern gegen die Bedrohungen von rechts, um jeden Angriff von Seiten des bürgerlichen Unterdrückungsapparates beantworten zu können. Die chiemschen Relormisten haben diese clementaren Wahrheiten bestritten. Die Tatsache, daß viele von ihnen slıren Namen in die lange Liste der Märtyrer der Arbeite bewegung eingetragen haben, ändert nichts daran, dai sie eme niederschmetternde historische Verantworbing tragen. Das Nichtvorhandensein einer revolutionären Fartei, die 1alg ist, unter den Massen eine vorherrschendie Rolle zu spielen, hat sich ein weiteres Mal als entscheidender Faktor für die Niederlage des Proletariats "Chie wird keine historische Ausnahme sein". Delauptete die Erklärung des Vereinigten Sekretariats von! Dezember 1971, das kapitalistische System in Chile wird nicht onne entscheidende Intervention einer revolutonären Partei, der bewußten Avantgarde der Massen, gestürzt worden. Man kann es nicht der Kommunistischen Partei Chiles überlassen, die Aufgaben einer solchen Partei zu übernehmen. Diese Partei ist durch eine lange stalinistische Tradition geprägt und stellt das Instrument einer einheimischen Arbeiterbtrokratic und relativ konservativer Schichten des Proletariats dar, die in der gegenwärtigen Krise nicht mit derselben Dynamik mobilisiert worden sind wie die jüngere Generation. Sie hat all die traditionellen Konzepte beibchalten und in keiıer Weise die Nabelschnur zur Sowjetbürokratic abgechnitten. Auch der Sozialistischen Partei können die Au gaben der revolutionären Partei nicht übertragen werden. Zwar hat die SP größeren Einfluß gewonnen, vor allem unter den jtingeren Arbeitern, und in den von ihr kontrollierten Organisationen linkere Positionen ais die KP, einem echten Sammelbecken des Reformismus, angenommen, aber sie besitzt nicht dic Struktur einer Kampfpartei, sie hat keine soliden und kontinuierlichen Verbindungen mit den von ihr beeinflußten Massen; sie ist mehr ein Konglomerat von Tendenzen und Gruppen als ein homogenes Gebilde, und letztlich agt sie die charakteristischen Züge einer zentristisci en Organisation. Auf jeden Fall ist jedes Korzept abzulehnen, daB aul der Annahme beruht, deß dank der Dynamik des revolutionären Prozesses und dank der Macht der Massenbewegung, sowie dank der Schwäche der Bourgeoisie und ihrer höchstwahrscheinlichen weiteren Auflösung und in einer Situation, in der der Imperialismus gezwungen sein würde, auf militärische Intervention zu verzichten, das Proleatriat ohne eigene revolutionäre Partei zur Macht gelangen könne. Es ist ebenso notwendig. die Variante zurückzuweisen, daß eine revolutionäre Ersatzpartei sich als ausreichend erweisen könne, das heißt eine Arf Front, in der sich die Revolutionäre sammeln würden, oder ein Kartell, in dem sich die verschiedenen Organisationen der äußersten Linken zusammenschließen.

GEGEN DIE MILITÄRDIKTATUR KÄMPFEN MILITANTE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT ORGANISIEREN!

Ein Militaroutsch in einer Situation wie der Chiles der Oetz in einer te krenze sich nichon f "kaltem Wege" oder in einer begrenzten Repression durchsetzen. les sprach fir die Hypothese eines mutigen und hartnäckigen Widerstandes des Proletariats; es war nicht auszuschließen, daß Teile der Armee, die an ihrer Basis aus Arbeiter - und Bauernsöhnen zusammengesetzt ist, die ihren Militärdienst ableisten, gegen die Befehle der reaktionären Offiziere rebellieren würden, was eine Bürgerkriegsdynamik ausgelöst hätte. Der Widerstand hat sich in heroischer Weise entwickelt und ist nicht vollständig zerschmettert. Die zweite Hypothese hat sich nicht verwirklicht, oder doch nicht in ausreichend starker Maße, daß die Voraussetzungen für einen sofortigen Bürgerkrieg geschaffen worden wären.

Auf der Tagesordnung steht die Frage des Kampfes gegen die Militärdiktatur, Die revolutionären Avantgarden haben die Pflicht, schnellstmöglich die notwendige Wendung vorzunehmen. Die Frage des bewaffneten Kampfes stellt sich heute nicht mehr in derselben Weise wie sie sich seit September 1970 gestellt hatte. Die vorhergehende Orientierung -- in dessen Zentrum die Bewaffnung der Massen stand -würde für den Fall eines Bürgerkriegs mit Besetzung ver schiedener Gebiete des Landes durch die Arbeiter- und

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Bauernkräfte im Prinzip weiterhin gültig biciben. Für diesen Fall würden die Revolutionäre auf Weltebene die Losung nach Bildung von Internationalen Brigaden ausgeben..

s ist notwendig,in der ganzen Welt eine aktive Solldaritätskampagne zu führen, die an die besten Traditionen der Mobilisierungen für Vietnam anknüpft. Chile muß verteidigt werden gegen die Barbarei der Putschisten und ihrer Arbeitgeber von der "nationalen Bourgeoisie" und aus dem imperialistischen Lagerd FÜR DIE SOFORTIGE, MASSIVE UND MILITANTE SOLIDARITÄT MIT DEM CHILENISCHEN PROLETA- RIAT! STOPPEN WIR DIE KRIMINELLE HAND DER MÖRDER! FORDERN WIR DIE WIEDERHERSTELLUNG DER ELEMENTAREN DEMOKRATISCHEN RECHTE DES CHILENISCHEN VOLKES! VERTEIDIGEN WIR DAS ASYLRECHT DER POLITISCHEN GEFANGENEN AUS DEN ANDEREN LATEINAMERIKANISCHEN LÄNDERN UND IHR RECHT IN EIN LAND IHRER WAHL ZU GEHEN ! UNTERSTÜTZEN WIR POLITISCH UND MATERIELL DEN HEROIRSCHEN WIDERSTAND DES CHILENISCHEN PROLETARIATS !

Der Imperialismus und die sogenannte nationale Bourgeo sie ben eherischen Artensch zu dem schlage ganzen lateinamerikanischen und internationalen Bewegung der Arbeitern und Bauern zugefügt haben. Aber die Monstruosität des Verbrechens und der Heroismus der Widerstandskämpfer werden unberechenbare Rückwirkungen haben. Die Ereignisse in Chile werden den Reifeprozeß des revolutionären Bewußtseins beschleunigen, ähnlich wie es durch den kriminellen Krieg des Imperialismus und den heroischen Kampf des vietnamesischen Volkes geschehen ist. Der Kapitalismus wird seinen -- historisch gesehen nur vorübergehenden -- Erfolg in Chile durch eine dramatische Vertiefung seiner Widersprüche bezahlen müssen.

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