Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Brief aus Pamplona

Inprekorr Nr. 28, November/Dezember 1973 · S. 68-70 · 1.484 Wörter

Gewerkschaften und Streiks

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MITTWOCH 13. JUNI, DANK DER UNTERSTÜTZUNGS- nun 18 000 Arbeiter zählt, teilt sich in kleine KOMITEES Gruppen auf, Einige marschieren ins Stadtzentrum von Pamplona, andere in Richtung Pachapea, wo die Kirchic

San Salvador umzingelt worden ist. Es ist 8 Uhr morgens, Die Arbeiter von Motor Iberica besetzen die Fabrik und Die Zusammenstöße mit der Polizei halten den ganzen sperren die Straße ab; dadurch zwingen sie die von der Tag über an. Nachmittags beginnen die Läden zu schlies- Direktion geschickten Lastwagen, die Amten sinten a ligen, dile edie bamit die zu machen, Die Guardia Civil zerstreut die Demonstran- wegtransportieren sollten, unverrichteter Dinge kehrt Büros. Das ist der Generalstreik! ten, indem sie mit Kautschukkugeln, die weh tun, aber nicht töten, auf sie schießt. Die 200 Arbeiter der Fabrik EIN HAUCH VON BÜRGERKRIEG schließen sich in der Kirche San Salvador ein, In einem unserer Flugblätter erklären wir, daß "es sehr wich- Nach dem 14. Juni lösen sich in der sehr erhitzten Atmosist zu brechen endgültig mit den isolierten Ak- phäre Pamplonas Demonstrationen, Barrikaden und Zusamund der aktuellen kämpferischen Stimmung die Perspektive menstöße mit der Polizei ununterbrochen ab. Es kommt lee Conorsletroile au geben. Alle Arhei. zu vielen Verhaftungen. Die Polizei und die lokale ter müssen heute eine gemeinsame Ant- Guardia Civil, die durch die Entschlossenheit der Bevölwort auf die Offensive kerung vollständig überrascht worden sind, erhalten Ver- Diktatur geben(...) Alle auf die stärkung in Form von Spezialeinheiten aus Lagrono und straße! Unsere Parole muß sein: Lähmen Zaragossa, während der zivile wir Pamplona! Die Lähmung Pamplonas Instruktionen aus Madrid holt, Die Verlagerung der Re- *Kommissionsan bene mon dewerden mus. die von den Arbeiter - pressionsstreitkräfte war sehr beeindruckend, díe Zahl der Inhaftierten erreichte sehr schnell indem sie Generalversammlungen, Ar- 3 000. Da die Polizeikommisariate überfüllt waren, beitsniederlegungen, in Teil von ihnen in der Stierarena einquar- Unterstützungskomitees und die Auswei- tiert. Sofort bildet sich ein starkes Sturmkommando, tung des Streiks organisieren". um sie zu befreien, Nach einem sehr harten Zusammenstoß mit der Polizei, muß sich das Kommando zurückziehen. Die Parole "Freiheit für die Gefangenen" wird nun Weit davon entfernt, diese Perspektive zu übernehmen, eine der Hauptachsen des Kampfes. nimmt die Führung der Arbeiterkommissionen eine vorsichtige Abwartehaltung ein und modifiziert ihre Die Behörden, die das schlimmste befürchten, sorgen daftr, Haltung erst unter dem Druck der Mobilisierung. daß alle öffentlichen Gebäude militärisch besetzt werden: Sie begnügt sich dann mit einem verschwommenen Rathaus, Gefängnisse, Lokale der offiziellen Gewerkschaf- Solidaritätsaufruf, während die Solidarität schon schaften (CNS)... der Zivilgouverneur fordert die Kauflängst Realität geworden ist, eine Realität, die nicht leute in einem Radiokommuniqué auf, "ein normales mehr rückgängig zu machen ist (in Imenasa, Super- Leben und die Versorgung der Bevölkerung zu garantie- Ser, Authi...), dank der Unterstützungskomi- ren". In der Vitalität und der Entschlossenheit der Masser Motor Iberica, deren Bildung wir und hinter der Besorgnis des Zivilgouverneurs spürt man zu Anfang des Streiks initiiert hatten. Die Furhung der einet steh de Ka superkr die ganze Provinz dan Traen Arbeiterkommissionen bietet den Arbeitern von Navarra als einzige Perspektive, dort wo es möglich ist, Ar- (Barlada, Villaba, İrurzun, Estella, Tudela etc.) aus, beitsunterbrechungen zu organisieren... sowie auf einen Teil von Guipuzcoa, DONNERS TAG 14. JUNI, DIE DEMONSTRA TIONS- DIE ERSTEN LEHREN

SCHLANGE WÄCHST VON 50 AUF 18 000 AN

Die Arbeiter von Motor Iberica akzeptieren unseren Vor- der kampf ni weiter ich de sternde ter eche aust leht liche Bilanz ist also noch nicht gekommen, Ich werde achteten. " Das teile kon et, das eine Delen Son von 50 Arbeitern des Betriebs die Kirche San Salvador mich deshalb darauf beschränken, einige Lehren zu un- terstreichen, die wir schon jetzt ziehen können. verlaßt und zur Fabrik Super-Ser marschiert, die daraufhin die Arbeit einstellt. Der Strom war angewach eicht 1.) Angesichts der Unfähigkeit der bürokratisierten Füh- Demonstrationszug der Arbeiter, die "Schlange", rung der Arbeiterkommissionen den Streik von Motor nach Landaben (wo sich25 Fabriken und einige Ateliers Iberica auf die Gesamtheit der Arbeiter Navarras auszubeider aCi en den Aule Dieder ane, den und dehnen, ist und bleibt der Motor für den Kampf von -66-

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Pamplona das Netz von "Komitees zur Ausweitung des Streiks", in denen die kämpferischsten Arbeiter und Studenten mitarbeiten.

2.) Die von unserer Organisation, der ETA(VI) verteidigten politischen Positionen und Perspektiven sind in ihrer Gesamtheit durch den Ablauf der Ereignisse bestätigt worden. Der Kampf des Proletariats verallgemeinert sich nicht durch Dekrete von führenden Bürokraten der Arbeiterkommissionen, was auch immer deren Charakter sein mag. Es ist notwendig, den Kampt an der Basis zu organisieren, die Betriebskommissionen zu koordinieren, ausgehend von diesen Kommissionen Arbeiterversammlungen zu initiieren, sowie Arbeitsniederlegungen, Demonstrationen, Komitees zur Unerstützung und Ausdehnung des Streiks, All dies verlangt ein demokratisches Funktionieren der Arbeiterkommissionen, Die geistige Armut der Führer der Arbeiterkommissionen zwang uns die Verantwortung, die wir von ihnen fordern, selbst zu übernehmen, Wir schlugen daher an der Basis der Arbeiterkommissionen di ler Situation entspringenden Aufgaben vor und ergriffe gleichzeitig zentral die Initiative zur Bildung von Unerstützungskomitees bei Motor Iberica, 3.) Der Generalstreik von Pamlona hat wie diejenigen von El Ferrol, Vigo, Madrid und Barcelona erneut gezeigt, in welcher Sackgasse sich die reformistische Orientierung der KP Spaniens befindet, wenn sie die Bewegung in Richtung auf die legalen von der Bourgeoisie angelegten Wege , wie zum Beispiel die vertikale Gewerkschaft CNS, kanalisieren will, Die Kampfbereitschaft der Massen findet in den Methoden des direkten Kampfes seinen wirksamsten Ausdruck, Tausende von Arbeitern haben vermittels der Selbstorganisation des Kampfes (Selbstverteidigungskomwenn auch nur partielle, er Diktatur, den mandos, Komitees zur Ausweitung des Streiks etc.) die Erfahrung des ein. zigen Weges zum Sturz des revolütionären Generalstreiks gemacht. 4.) Man muß jedoch sehen, daß der Charakter der Selbstorganisation der Kämpfe sich noch in seinem Antangsstadium befindet, Wenn die Komitees zur Ausweitung und die Kommandos zur punktu- Selbstverteidigung der Streiks auch einen klaren Fortschritt bedeuten, so spüren wir doch hier in Pamplona sehr intensiv die Abwesenheit einer zentralisierten Furhung des Kampas in der Lage ist. eines zentralen Streikkomitees, Parolen rasch zu propagieren die sofort on der Gesamtheit der kämpfenden Massen aufgenommen würden. Die Selbstverteidi• gung spielt sich bisher mehr oder weniger auf spontaner Ebene ab und das ist teilweise der Grand, warum es den Sturmkommandos nicht gelungen ist, die Verhaftung von zahlreichen Genossen zu verhindern und die Gefangenen aus der Stierarena zu befreien. 5.) Schließlich bleibt angesichts des Fehlens einer auf der Ebene des spanischen Staates organisierten und verankerten revolutionären Partei der Kampf der Arbeiter von Navarra ohne Gesamtperspektive, während eine solche Partei es erlauben würde den Kampf auf andere Städte und andere Provinzen auszudehnen. Die Schwäche der revolutionären Avantgarde ist in letzter Instanz die Ursache für den lediglich embryonären Charakter der Organisation der Kämpfenden in Pamplona.

SOLIDARITÄT MIT MOTOR IBERICA!

RÜCKKEHR DER MASCHINEN UND SOFORTIGE WIE- DERERÖFFNUNG DER FABRIK!

SOFORTIGE RÜCKNAHME DER SANKTIONEN UND DER ENTLASSUNGEN !

ALLEIN DER OFFENE, VERALLGEMEINERTE UND GENE- RALISIER TE KAMPF KANN DIE BOURGEOISIE ZUM RÜCKZUG ZWINGEN! SORGEN WIR FÜR DIE AUS- WEITUNG DER BEWEGUNG!

NIEDER MIT DEM POLIZEISTAAT!

IRAULTZA ALA HIL! (SIEG ODER TOD)

Pamplona, 19. Juni 1973 ( Militant der ETA VI)

(aus ROUGE Nr. 211 vom 27, Juni 1973) -6 KOMMUNISTISCHE

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