Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Als die Awami Liga die Macht übernahm

Inprekorr Nr. 25, 1. April 1973 · S. 2-3 · 517 Wörter

Indien und Südasien

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Als die pakistanische Armee sich im Dezember 1971 ergab, bestand die Hauptaufgabe des neuen Regimes in Bangla Desh im wirtschaftlichen Wiederaufbau. Im Laufe des neunmonatigen Unabhängikeitskrieges hat AYaya Khan's Armee mindestens eine Million Bengalis hingemordet. Die Reisernte war vernichtet worden und kaum eine Brücke im ganzen Land war unversehrt geblie ben. Die Haupthäfen waren durch eine große Anzahl versenkter oder seeuntüchtig gemachter In gewisser Hinsicht war die wirtschaftliche Zerstörung für Bangla Desh sogar gefährlicher als eine ähnliche Zerstörung für andere Länder der kolonialen Welt hätte sein können. Das Land ist im wesentlichen ein riesiges Delta, in dem die Flüsse und Ströme beständig ihren Lauf wechseln. Mit ungefähr 75 Mio Einwohnern auf einem Gebiet von kaum mehr als 55 000 Quadratmeilen ist Bangla Desh eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt. Gleichzeitig hat die größte Stadt, Dacca, nur wenig mehr als 500 000 Einwohner. Chittagong, die zweitgrößte Stadt hat ..ungefähr 350 000 Einwohner. Die riesige Landbevölkerung ist in unzähligen kleinen und mittelgroßen Dörfern konzentriert, die zwar sehr nah beieinander liegen, aber meist durch Flüsse voneinander abgeschnitten sind und die deshalb in einem größeren Maße voneinander isoliert sind als es die Entfernungen vermuten lassen würden. Die Kombinatioh einer vernichteten Ernte mit dem Fehlen von Transportverbindungen zwischen den Dörfern und zwischen Städten und Landbevölkerung drohte deshalb zu einer schweren Hungersnot zu führen.

Andererseits hätte die sehr große Rückständigkeit des Landes ein revolutionäres Regime mit gewissen Vorteilen beim Versuch,die Agrar- und Verwaltungsprobleme zu lösen, versehen könman. Der Boden ist äußerst fruchtbar und die bengalische Bauernschaft hat bei der Überwindung von natürlichen Hindernissen immer sehr viel Erfindungsgeist gezeigt. Wenn es darum geht, sich von physischen Zerstörungen zu erholen, ist die Landwirtschaft weitaus elastischer als s. 2

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die Industrie. Darüberhinaus war die bengalische Bauernschaft gerode durch das icuer eines der intensivsten politischen Kämpfe, die es jemals in einem kolonialer Land gegeben hat, gegangen. Sie war bewaffnet, organisiert, mobilisiert und --was das wichtigste war --, sie bereitete das Hinüberwachsen der revolutionären Mobilisierung gegen die freinden Bescizer in einen revolutionären Kampf vor, der die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Bengalen in sei- Es gab noch einen weiteren Vorteil. Die pakistanische Herrschaft hatte die Entwicklung einer ostbengalischen Bourgeoisie blockiert. Was es an Industrie gab, befand sich in nichtbengalischen Händen. Daher schienen die Aussichten auf eine Ausdehnung der Revolution, für die Er richtung der Diktatur des Proletariats ( unterstützt von der riesigen Masse einer inilitanten Bauernschaft) auf den Ruinen des alten, während des Unabhängigkeitskrieges vollständig zer schmetterten Staatsapparates günstig zu sein.

Was fehlte, das war eine revolutionäre Führung. Während des Krieges waren die Mukti Bahini ( Befreiungsstreitkräfte) meist von ehemaligen Offizieren der bengalischen Divisionen der pakistanischen Armee geführt worden. Die politische Kontrolle blieb in den Händen der Awami Liga, die unter pakistanischer Herrschaft eine kleinbürgerliche Oppositionspartei gewesen war. Als die kleinbürgerlichen Politiker der Awami Liga sich an der Spitze der neuen Regierung befanden, handelten sie gemäß dem Charakter, der Moral und den Interessen ihrer Klasse. Und es gibt nichts widerlicheres als eine Kleinbourgeoisie, die sich der primitiven Akkumulation