Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Palästina

Ist Zionismus Rassismus?

· Inprekorr Nr. 248/249, Juni/Juli 1992 · S. 61-64 · 3.643 Wörter

Nahost und Palästina Faschismus und Rassismus Arabische Welt und Golf

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daß der Zionismus eine Form des Rassismus sei, erinnerte mich diese schen Staates zurückzuweisen. Dabei stellten Entscheidung an die Konzilien der mittelalterlichen christlichen sie zwei grundlegende Behauptungen auf: Kirche und ihre bizarren Verkündigungen zur Funktionsweise des Erstens, daß die Ideologie, die zur Errichtung des Staates geführt hat, nicht rassistisch war Universums. und daß daher höchstens von einer Regierungspolitik der rassischen Diskriminierung gesprochen werden kann. Zweitens, daß jene, MICHAEL WARSCHAWSKI* die diese Politik bestimmten, keine rassistischen Absichten hatten. Prof. Yosef Gorney verbindet diese beiden Behauptungen, um Es war auch genau diese Definition, auf den rassistischen Charakter des israelischen Die Bischöfe lagen vollstän- die sich all jene beriefen, die der UN-Resolu- Staates zu widerlegen. "Es gibt keinen Rasdig falsch, und doch konnten tion ihre Berechtigung absprachen: Das jüdi- sismus in der zionistischen Ideologie. Es ist diese Konzilien die Wirklich- sche Volk ist keine Rasse, und ZionistInnen wahr, daß die zionistische Politik mehr als keit nicht durch Mehrheitsent- reden nicht von höher- oder minderwertigen cinmal Araber diskriminiert hat, aber nicht scheidungen verändern. Selbst Rassen. Daher sei auch der Zionismus nicht aus rassistischen Gründen..." wenn 90% der Kirchenväter rassistisch.1) Der Zionismus ist keine rassistische Ideomeinten, daß sich die Sonne Doch es gibt eine andere Definition des logie. Er ist eine klassisch kolonialistische um die Erde drehe, blieb es in Wirklichkeit Rassismus, die zwar etymologisch weniger Ideologie, die danach trachtete, das Los der beim Gegenteil. eng ist, dafür aber zweifellos näher an der Jüdinnen und Juden zu verbessern, indem sic Ob der Zionismus rassistisch ist oder umgangssprachlichen Bedeutung liegt. Ras- im Land Israel angesiedelt werden, ohne daß nicht, hängt nicht vom Kräfteverhältnis in der sismus ist die Diskriminierung von Men- überhaupt an das Schicksal der "Ein- UN-Vollversammlung ab und auch nicht schen aufgrund ihrer nationalen, rassischen, geborenen" gedacht wurde. Zionismus ist vom Druck Washingtons oder der Ölstaaten, religiösen oder ethnischen Herkunft. Nach nicht antiarabisch. Er zicht die Araberinnen sondern von der Politik der Zionistinnen dieser Definition des gesunden Menschen- schlichtweg nicht in Betracht und nimmt von selber. verstandes hat das Konzept des Rassismus ihnen im Prozeß des Aufbaus des Staates nur Alles was die UNO tun kann, besteht nichts mit Werten, Absichten oder Zielen zu als "ökologisches" Problem Notiz. Sie fallen darin, entweder aufden Zionismus zuschimp- tun, sondern damit, wie sich eine Person, unter dieselbe Kategorie wie die Sümpfe, wie fen oder ihn reinzuwaschen. Bewegung oder Institution gegenüber ande- Malaria oder ihr Überträger, der Anopheles- Wenn über die Gleichsetzung von Zionis- ren Menschen verhält. Dies war auch die Moskito.

mus und Rassismus geredet werden soll, Definition, die im internationalen "Abkom- Doch zwischen einer Bewegung mit einer müssen zuerst die Begriffe definiert werden. men zur Abschaffung aller Formen der rassistischen Ideologie und dem, was Arych Zionismus ist eine politische Bewegung. rassischen Diskriminierung" angenommen Na'or in dem selben Artikel als "moralisch die sich für die Lösung des jüdischen Pro- worden war. Die israelische Regierung hat verwerfliche, ja sogar abstoßende Maßnahblems einsetzt, indem sie die Juden und dieses Abkommen nach langem Zögern 1979 men zur Diskriminierung von Araberinnen" Jüdinnen der Welt in das Land Israel bringt, unterzeichnet. bezeichnet, gibt es eine andere Kategorie, die um dort cine souveräne jüdische Gesellschafl Indem Abkommen heißt es, daß "rassische der Anwalt Avigdor Feldman als "ein Regiaufzubauen. Diskriminierung jede Differenzierung von me, das eine Form des Rassismus darstellt" Rassismus ist laut Even Shoshans autori- oder Ausschluß aus der Gemeinschaft, Ein- bezeichnet. D.h. ein Regime der rassischen tativem Lexikon der hebräischen Sprache die schränkung oder Bevorzugung aufgrund von Diskriminierung (in den Worten des oben "Ansicht, daß die Nationen der Welt in höher- Rasse, Farbe, Abstammung, nationaler oder erwähnten Abkommens), die sowohl instituund minderwertige Rassen geteilt sind". ethnischer Herkunft ist - mit dem Ziel oder tionalisiert als auch beabsichtigt ist. Dies ist Danach hätte der Zionismus überhaupt Ergebnis der Ausschaltung, Einschränkung. vielleicht weniger erschreckend als ein Regikeine rassistische Dimension. Er wäre höch- Nutznießung oder Nutzung - auf gleicher me, das die Position vertritt, es gäbe höherstens eine Utopic, die mehr ins 19. Jahrhun- Basis - der Menschenrechte und grundlegen- und minderwertige Rassen. Es ist aber auch dert. als in unsere Zeit gehört. Der Zionismus den Freiheiten im politischen, wirtschaftli- ein wesentlich ernstzunchmenderes Problem behauptet nicht, daß das jüdische Volk mehr chen, sozialen oder kulturellen Leben oder in als nur eine "Serie von Maßnahmen" oder und die arabische Nation weniger wert sein. jedem anderen Bereich des öffentlichen Le- eine "Politik, die einige rassistische Elemente

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einschließt".

Die Diskriminierung von Araberinnen gegenüber Juden und Jüdinnen ist im Personalausweis und im genetischen Code des Staates Israel festgelegt und hat maßgeblich dazu beigetragen, den Charakter des existierenden Regimes festzulegen, sowie seine Gesetze, nationalen Prioritäten und die vorherrschende Kultur.

UN-Resolution hinterläßt bitteres Erbe

Zuerst ein Exkurs: Die.UNO, die 1975 den Zionismus als eine Form des Rassismus verdammte, trägt nicht wenig Mitschuld am Bestehen des rassistischen Regimes im Staat Israel. Man möge sich ins Gedächnis rufen, daß die Aufteilung des palästinensischen Mandatsgebietes nach der UNO-Resolution von 1947 zur Schaffung zweier Staaten führen sollte:

eines arabischen mit 97% arabischer Bevölkerung und cines jüdischen mit 53% Jüdinnen und Juden und 47% Araberinnen. Ein jüdischer Staat, der fast zur Hälfte aus AraberInnen besteht - gab dies nicht dem institutionalisierten Rassismus von Anfang an grünes Licht? Oder wußten die UN- Delegierten, die für die Teilungstimmten, etwa, daß nicht alle dieser AraberInnen in den Grenzen des jüdischen Staates bleiben würden? Egal wie - durch die Definition des neuen Staates als jüdisch gab die UNO dem rassistischen Charakter des Staates Israel die internationale Legitimation, ja, sie legitimierte vielleicht sogar die Vertreibung der arabischen Bevölkerung.

Jener Passus in der Unabhängigkeitserklärung, in dem es heißt, daß Israel der Staat des gesamten jüdischen Volkes ist, bringt den Charakter des Regimes auf den Punkt. Der Oberste Gerichtshof hat des öfteren betont z.B. kürzlich, als diskutiert wurde, ob die Fortschrittliche Liste für Frieden zu den Knessetwahlen kandidieren darf -, daß dieser Passus nicht nur symbolische oder formale Bedeutung hat, sondern sehr reale Auswirkungen auf alle staatlichen Institutionen und die politische Ausrichtung aller Verwaltungen.

Der Begriff "jüdischer Staat" benennt das Kollektiv, dem der Staat Israel dienen und das er schützen soll. Bei diesem Kollektiv han- PALASTINA delt es sich nicht um alle Bürgerinnen des Staates, sondern die gesamte jüdische Nation und vor allem Juden und Jüdinnen, die Bürgerinnen dieses Staates sind, womit natürlich Bürgerinnen dieses Staates ausgeschlossen werden, die keine jüdische Mutter haben oder nach jüdischem Recht zum Judaismus konvertiert sind.

Anders ausgedrückt ist es nicht nur so, daß ein jüdischer Mafioso aus Paris das Recht und die Möglichkeit hat(über zionistische Institutionen), mit über die Prioritäten des Staates zu bestimmen, es ist auch so, daß die wenigen Palästinenserinnen, die die Staatsbürgerschaft bekommen konnten, weder das Recht noch die Möglichkeit haben, Teil des souveränen Kollektives zu werden. Die palästinensischen Bürgerinnen des Staates Israel genießen die Bürgerrechte und können an Wahlen teilnehmen. Doch dies allein macht sie noch nicht zu gleichgestellten Bürgerinnen oder vollwertigen Partnerinnen in dem Kollektiv, dem der Staat dienen soll.

Araberinnen dürfen kein Land besitzen Ein augenfälliges Beispiel dafür findet sich in den Landgesetzen und den Abkommen zwischen dem Staat Isracl und dem Jüdischen Nationalfonds, woarabischen Bürgerinnen des Staates Israel verboten wird "nationales Land" zu besitzen oder staatliches Land zu kaufen oder zu pachten. Damit erweiterte der Staat Israel die rassische Diskriminierung um einen wichtigen Bestandteil, indem er das Konzept des "Staatslandes" durch das "Land der Nationalität" ersetzte natürlich der vorherrschenden Nationalität. Zusätzlich zu den Landgesetzen, die arabische Bürgerinnen aus dem souveränen Kollektiv ausschließen, sollte den Gesetzen, die das Niederlassungsrecht im Staat Israel regeln (Rückkehrgesetz, Gesetz über die Staatsbürgerschaft) und der hinter ihnen stekkenden rassistischen Philosophie, besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Avigdor Feldman stellt keine neue Behauptung auf, wenn er sagi3), daß das Rückkehrgesetz, welches allen Personen, die eine jüdische Mutter haben, oder nach dem jüdischen Gesetz konvertiert sind, automatisch die Staatsbürgerschaft gibt, kein rassistisches Gesetz sei, sondern ein legitimer Akt der positiven Diskriminierung.

Wir könnten dem gelehrten Ratgeber sofort zustimmen, wenn das Rückkehrgesetz alleine stünde und nicht mit dem Gesetz über die Staatsbürgerschaft und der systematischen Politik der Nichtaufnahme von Angehörigen des palästinensischen Volkes eng verbunden wäre. Doch das Rückkehrgesetz ist nur Teil einer Politik, die davon ausgeht, daß nur Jüdinnen und Juden das Recht haben, im Land Isracl zu leben. Ausgenommen sind nur Nichtjuden, die nach den Gesetzen des jüdischen Staates nachweisen können, daß sie das Recht auf einen Wohnsitz nicht verloren haben. Anders ausgedrückt:

Ein Jude oder eine Jüdin, die keine israelischen Staatsbürgerinnen sind, sind potentielle EinwohnerInnen des Staates Israel, wohingegen der Status von Araberinnen, die Bürgerinnen des Staates sind, oder auf seinem Gebiet wohnen, immer ein provisorischer ist. Unabhängigkeitserklärung erlaubt Diskriminierung

Ohne das Recht auf einen Teil des kollektiven Eigentums am Land und nur mit einem provisorischen EinwohnerInnenstatus ausgestattet, haben die arabischen Bürgerinnen des jüdischen Staates nicht einmal die Rechte des "Fremden, der im Land lebt", die die jüdische Torah (fünf Bücher Mosc, A.d.Ü.) anerkennt. Und es ist in der Tat kein Zufall, daß "vergessen" wurde, ein Verbot der Diskriminierung aufgrund der Nationalität in die Unabhängigkeitserklärung aufzunehmen, die als Verfassung fungiert. Wäre solch ein

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Passus aufgenommen worden, hätte er benutzt werden können, um Gesetze zu verhindern, die Mitglieder des jüdischen Volkes bevorzugen. Er hätte dann zur Gleichberechtigung beider Völker beigetragen. Die Unabhängigkeitserklärung ist genau so abgefaßt, daß eine solche Gleichstellung vermieden wird. Um sie auch weiterhin zu verhindern weigert sich die Knesset bis heute stur, eine demokratische Verfassung zu verabschieden. Das Fehlen eines demokratischen Verfassungsrahmens, der jegliche nationale Diskriminierung ausschließt, hat es dem Parlament und der Verwaltung erlaubt, eine vollständige und allumfassende Infrastruktur von Gesetzen und Regelungen zu schaffen, die Araberinnen diskriminieren. Der vorgebliche Liberalismus der Staatsgründerinnen - und die Notwendigkeit, die UNO stillzuhalten - hat es ihnen erschwert, offene Apartheidgesetze wie in Südafrika einzuführen. Da sich das Regime aber de facto auf ein Apartheidsystem stützt, mußten sie nach raffinierten Lösungen suchen, um diese rassische Diskriminierung zu institutionalisieren. Dies wurde hauptsächlich durch die Sicherheit und das Kriegsrecht erreicht. Die Militärregierung über die arabischen Gebiete des Staates bis 1966 und die Weigerung, die Ausnahmeregelungen aus der Mandatszeit aufzuheben, sind nur zwei Beispiele dafür, wie unter dem Vorwand des Ausnahmezustands ein System der Ungleichheit zwischen Araberinnen und Jüdinnen und Juden geschaffen wurde. Durch das Gesetz über das Eigentum Nichtanwesender gelang es z.B. dem jüdischen Staat, enorme Vermögenswerte, vor allem Land, von arabischen Staatsbürgerinnen zu nehmen und jüdischen Bürgerinnen zu geben. Darüber sagt der Anwalt Avigdor Feldman: "Damals hörte der Oberste Gerichtshof Dutzende von Klagen arabischer Einwohnerinnen gegen Landenteignungen. Ihre Anwälte versuchten vor Gericht die Gesamtansicht der Angelegenheit darzustellen: das Land wird immer AraberInnen genommen und Jüdinnen und Juden gegeben, unter "öffentlichem Interesse" wurde immer das Interesse der jüdischen Öffentlichkeit verstanden.

Das Gericht hielt an seiner Linie vollständig fest. Es weigerte sich immer, diese Gesamtansicht in seine Überlegungen aufzunehmen. Es war nie bereit über die Prüfung der Rechtmäßigkeit einer bestimmten Enteignung hinauszugehen. Es machte sich schlicht zum Partner der Diskriminierung." Sollte jemand behaupten, daß dies nur die nicht ganz so angenehmen Geburtswehen des neuen Staates waren, möchten wir ihn daran erinnern, daß das Gebiet um das Dorf Ramayah PALASTINA 1976 enteignet und für die Schaffung von New Yorks redet. Die Jüdische Agentur, die Wohnungen für Einwanderinnen vorgeschen von jüdischen Volk gewählt ist (!) darf wurde (der Fall ist noch nicht abgeschlossen). durchaus Juden zur Übersiedelung nach Ein anderes Beispiel sind die Häuser in Galilãa ermuntern. Doch die israelische Re- Silwan in Ostjerusalem, die aufgrund des gierung, die alle Bürger des Landes repräsen- Gesetzes über das Eigentum Nichtanwesender tieren soll, darf dies nicht. Das Problem an jüdische Siedlerinnen übergeben wurden. besteht darin, daß die Aktivitäten der Jüdischen Agentur und der Regierung kreuz und "Öffentliches Interesse" . quer durcheinandergehen. Dies ist auch beabsichtigt, und zwar um eine Politik der ein Vorwand ethnischen und nationalen Diskriminierung voranzutreiben."5)

Das sogenannte "öffentliche Interesse" Mit allem nötigen Respekt muß aber doch ist nichts weiter als eins der vielen Mittel, um gesagt werden, daß dieses von Asa Kasher Ressourcen von einem Teil der Bevölkerung beschriebene Durcheinander unvermeidbar auf den anderen umzuverteilen. Ein anderes und, wie er selbst sagt, beabsichtigt ist. Daher ist es auch vollständig unangebracht und von einem liberalen Standpunkt aus nicht zu che rassische Diskriminierung legitimiert. So rechtfertigen, wenn man von "Recht" der schreibt Arych Dayan4): "In jenen gar nicht Jüdischen Agentur redet, die Judaisierung so seltenen Fallen, wo die Politik der Diskri- Galilãas voranzutreiben. Dies gilt gerade minierung trotz allem Eingang in die Gesetz- dann, wenn man weiß, daß die Jüdische bücher fand, geschah dies verdeckt, als ob es Agentur als Verschleierung der offiziellen dem Gesetzgeber peinlich wäre... Diskriminierung dient. Bei genauerer Untersuchung des gesam- Wir haben bereits am Anfang gesagt, daß ten Gesetzeswerkes zeigt sich, daß es bis auf ein Regime nicht absichtlich oder offen das Rückkehrgesetz keine Bestimmungen diskriminieren muß, um als rassistisch begibt, die Juden und Jüdinnen allein privilegic- zeichnet zu werden. Wenn es um ein Regime ren. Bei allen anderen diskriminierenden geht, ist Rassismus eine objektive Situation, Gesetzen und Regelungen heißt es statt "Ju- die weder Haß noch böse Absicht erfordert. den" immer "chemalige Soldatinnen" (in Doch neben den Institutionen und Gesetzen, Isracl sind auch Frauen wehrpflichtig, A.d.Ü.) die die Diskriminierung von Araberinnen oder "jemand, auf den das Rückkehrgesetz aufrechterhalten (dabei ist es auch egal, ob angewendet würde, wären er oder sie keinE wir die Diskriminierung als "zusätzliche Pri- BürgerIn des Staates Isracl". vilegien für Juden" bezeichnen) hat sich eine Und sollte irgendjemand behaupten, daß ganze rassistische Kultur in Israel entwickelt. cine Person, die drei Jahre in der Armee dient, Präziser ausgedrückt, läßt sich von einer mehr Privilegien verdient hat als jemand, der ganzen Anzahl rassistischer Herangehensdies nicht getan hat, so wird es schnell heißen, weisen sprechen, die das Verhältnis der daß mit "ehemalige Soldatin" nicht nur Per- Juden und Jüdinnen gegenüber den Araberinsonen gemeint sind, die für einen bestimmten nen charakterisieren. Zeitraum Soldatinnen in Uniform waren, Wir haben bereits die rassistische Heransondern auch Leute, deren entfernte Ver- gehensweise der zionistischen Bewegung an wandte gedient haben - also alle Jüdinnen und die arabischen EinwohnerInnen des Landes Juden. Der Oberste Gerichtshof hat solchen beschrieben. Wir beschrieben sie als "ökolo- Spitzfindigkeiten den legalen Segen gege- gischen Rassismus": AraberInnen wurden ben, wie Avigdor Feldman erklärt: "Als klar nicht in menschlichen Kategorien geschen wurde, daß Jüdinnen und Juden, die nicht (einschließlich Haß), sondern in ökologigedient hatten, auch alschemalige Soldatinnen schen: sie sind Teil der Landschaft, manchbezeichnet werden konnten, unterstützte der mal folkloristisch interessant, doch meistens Oberste Gerichtshof diese betrügerische Pra- ein Ärgernis.6) xis dennoch weiterhin. Das Gesetz wurde Diese Sichtweise blieb auch nach der zum Vehikel für rassistische Ziele." Gründung des Staates: die Araberinnen "ver- Der Gebrauch von Institutionen wie dem schwanden". Auch aus dem Gedächnis. Jene Jüdischen Nationalfonds oder der Jüdischen Minderheit, die blieb, wurde in "Reservate" Agentur für diskriminierende Politik bietet gesteckt - in der Hoffnung, daß auch sie bald selbst chrlichen Liberalen wie Asa Kasher verschwinden würden (das Kafr Osem-Maseinen bequemen Ausweg: "Eine israclische saker fand nur fünf Jahre nach Beendigung Regierung, die von der Judaisierung Galilãas der Massenvertreibung von Araberinnen statt, redet, ist genauso wie eine amerikanische die, wie bekannt, bis 1951 andauerte). Die Regierung, die über die Christianisierung verbleibenden Araberinnen bekamen zusam-

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PALASTINA legitim angesehen wurde, war nicht das sche Werte bemüht sind. men mit dem Wahlrecht den Status provisorischer Staatsbürgerinnen.

Die Geschlagenen werden vergessen Es war klar, daß die Araberinnen Bürgerinnen dritter Klasse sein würden. Der Kriegszustand mit der arabischen Welt und die relativ kleine Zahl der in Israel verbleibenden Araberinnen machten cs auch für die liberalsten israelischen Jüdinnen und Juden cinfacher, sie aus dem Kollektiv, dem der Staat dient auszuschließen. Staat und Gesellschaft waren nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis (fast vollständig) jüdisch und zu dieser Zeit war der Widerspruch zwischen einem jüdischen und einem demokratischen Staat nicht so offensichtlich. Daher war es möglich, eine diskriminierende Politik ohne Haß, ohne Gewissensbisse oder moralische Bedenken zu verfolgen. Die israelische Gesellschaft der 50cr und 60er Jahre konnte sich leicht von rassistischen Ideologien frei fühlen.

In den späten 60ern revolutionierte eine Reihe von Faktoren das Verhältnis der israelischen Gesellschaft zu den Palästinenserinnen innerhalb des Staates: die internen Bedürfnisse (wirtschaftlich und politisch) der israelischen Gesellschaft, die zur Beendigung der Periode der Militärregierung und zu einer weitergehenden Integration der palästinensischen Minderheit in die Gesellschaft führten; die Tatsache, daß nach dem Sechs-Tage- Krieg 1967 weitere eineinhalb Millionen PalästinenserInnen auf israelisch kontrolliertem Gebiet lebten; und die Entwicklung einer palästinensischen Nationalbewegung nach der Gründung der Fatah und ihrer Nachfolgerinnen nach 1967.

Diese drei Faktoren zusammen verhinderten die Weiterführung einer Politik, die die Nichtjuden innerhalb der jüdischen Gesellschaft einfach ignorierte. Sie legten den rassistischen Charakter des Regimes offen und gaben verschiedensten Formen des rassistischen Verhaltens und offen rassistischen Ideologien eine soziale Legitimation. Haß wurde legitim, weil es jemanden gab, vor dem man Angst haben, den man hassen konnte. 1967 wurden die Palästinenserinnen zum "Problem" und dieses "Problem" aktivierte den potentiellen Rassismus, der in einer ausschließlich jüdischen Gesellschaft angelegt ist.

Daß die offen rassistische "Umverteilungs"-Philosophie rechtsextremer Gruppen wie der Moledet, Kach, T'hiya und den Yesha Rabbis in den 1980cm immer mchr als Ergebnis der "Korruption der israelischen Gesellschaft durch die Besetzung", , wie die treuen Anhängerinnen der "verlorenen Unschuld des Zionismus" behaupten, sondern der Unmöglichkeit, weiterhin die Augen davor zu verschließen, daß der Konflikt zwischen der zionistischen Siedlungsbewegung und dem nationalen Befreiungskampf der Araberinnen eine Realität war.

Es war möglich gewesen, die Vertreibung von 1948-51, die "Mini-Vertreibung" von 1967 und die versuchte Vertreibung von 1956 aus dem kollektiven Gedächnis zu streichen, weil die Opfer nicht mehr vor unseren Augen waren und jene, die übriggeblieben waren, waren zu entsetzt, um aufzuschreien und uns wachzurütteln. Die Diskriminierung der 50er und 60cr konnte aus dem Gedächnis verdrängt werden, da das Opfer nicht viel mehr als ein Steinchen im "Minderheiten"-Mosaik war, über keine vereinheitlichende Identität verfügte und keine wirkliche Möglichkeit zum Widerstand hatte. So konnte man umverteilen und sich gleichzeitig für fortschrittlich halten, man konnte diskriminieren und sich gerechtfertigt fühlen.

Dieser Luxus wurde der israelischen Gesellschaft am 7. Juni 1967 genommen. Das Augen- und Ohrenverschließen machte der wirklichen Beziehung zum anderen Platz, einer Beziehung des Hasses und des offenen Rassismus. "Tod den Arabern! " ist die 1990cr Version des alten Slogans der Mapam ("sozialistische" Zionistinnen] Kibbuzim "Bruderschaft der Völker!". Diese Kibbuzim wurden auf gestohlenem Land, auf niedergebrannten Dörfern auf Plünderei und Mord aufgebaut. Die heutige Version ist nur offener und weniger verlogen...

Die israclische Gesellschaft der 9er ist in ihren offenen Meinungsäußerungen rassistischer, egal ob es sich um ideologisch Statements, Gesetze, Handlungen der Regierung oder Entscheidungen der Knesset handelt. Letztendlich jedoch handelt, atmet und funktioniert sie genauso wie in den ersten beiden Jahrzehnten des Staates, nur, daß dies heute weniger Doppelzüngig und verleugnend geschicht.

Für Völker wie für einzelne Personen gilt, daß das Umgehen mit der Realität, so wie sie wirklich ist - auch mit der Vergangenheit eine notwendige Voraussetzung für die Lösung ihrer existentiellen Probleme ist. Die Leugnung der Realität ist ein schlimmerer Feind als der offene Haß. Die Existenz der PalästinenserInnen ist in der Tat ein Problem für die Verfechterinnen eines jüdischen Staates und ganz besonders für jene Zionistinnen, die chrlich um demokratische und humanisti- Anfang der Weisheit

Weisheit beginnt mit der Anerkennung der Existenz der PalästinenserInnen und des Problems. Das Problem besteht nicht darin, daß es palästinensische Araberinnen gibt, die darauf bestehen, hierherzugehören und die ihre Rechte auf das Land einklagen, sondern in dem Widerspruch zwischen einer demokratischen Herangehensweise und einer, die an einem Platz ausschließt, woesauch andere Menschen gibt.

In früheren Tagen war die Mapam in der Lage, sich gleichzeitig für den Zionismus und die Brüderlichkeit der Völker einzusetzen, weil sie schlichtweg die Existenz eines anderen Volkes leugnen konnte. Die Ratz Jugend (Jugendorganisation der Mapam] von heute kann die Existenz von israelisch beherrschten Araberinnen ohne Grundrechte und Gleichheit nicht mehr leugnen. Viele Mitglieder dieser Organisation wollen dieses Faktum auch gar nicht leugnen und wie ihre Pionierväter und -Mütter die Augen davor verschlie- Ben, da sie wissen, daß solche eine Haltung nichts bringt und weil sie wissen, daß das Leugnen der Realität rassistischen Demagogen wie Rechav'am Ze'evi und Rabbi Dov Lior Tür und Tor öffnet.

Diese Ratz Jugend und andere, die sich selbst als fortschrittliche Zionistinnen sehen, müssen sich heute mit dem Dilemma auseinandersetzen, das ein Rabbi Kahane für sie aufwirft: Ein jüdischer Staat oder ein demokratischer Staat. Bis jetzt haben alle zionistischen Parteien gesagt: "ein jüdischer Staat" um den Preis mangelnder Demokratie. Die neue Generation versteht besser, daß Israel für seinen ausgrenzenden Charakter nicht nur mit einem Mangel an Demokratie bezahlen muß, sondern damit, daß es sich in eine Mischung aus Südafrika, Nordirland und des Wilden Westens verwandelt. Einfacher ausgedrückt: Wir müssen uns heute zwischen einem demokratischen Staat und Massada entscheiden.

Anmerkungen • Dieser Artikel erschien zuerst in der Mirz/April-Ausgabe von News from Within. Diese Publikation wird vom Alternativen Informationszentrum in Jerusalem berausgegeben. 1) Siehe u.A. Yosef Gomey, The Arab question and the Jewish problem (Die arabische Frage und das jodiscbe Problem), Tel Aviv University Press.

2) Aryeb Dayao, "Racist? Us?", in: Ha'aretz, 27.12.1991. 3) a.a.О.

4) a.a.O.

5) a.a.O.

6) Ioterview mit Tikva Honig-Parnass in Motzpen, Milrz 1988