Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Internationale ArbeiterInnenbewegung

Tagung des Vereinigten Sekretariats, Ex-DDR: Hans-J. Fleischer: Ernest Mandel in Halle

· Inprekorr Nr. 236/237, Juni/Juli 1991 · S. 39-43 · 3.920 Wörter

BRD und DDR IV. Internationale Frauen Nahost und Palästina

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Am 17. Mai hielt Ernest Mandel auf Einladung der Vereinigen Linken in Halle einen Vortrag zum Thema "Die Zukunft des Sozialismus"

In seinem Vortrag zog Gen. Mandel eine Bilanz des Wirkens der ArbeiterInnenbewegung. Untermauert durch zahlreiche Fakten stellte er einige Aspekte der Entwicklung von Stalinismus und Sozialdemokratie, die beide aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen sind, dar.

Der Stalinismus war aufgrund seiner Konzeption ein Hindernis auf dem Weg zur Emanzipation der Gesellschaft und brachte millionenfaches Leid mit sich. Die Politik der Sozialdemokratinnen hingegen wurde dem ursprünglichen Anspruch der Sozialdemokratie ebenfalls nicht gerecht. Eine Alternative zu diesen beiden Richtungen besteht für Gen. Mandel (für mich übrigens auch) in einem revolutionären, demokratischen Prinzipien verpflichteten Marxismus.

Ausgehend von der marxistischen Maxime, daß die Befreiung der Arbeiterinnenklasse nur ihr eigenes Werk sein kann, legte Gen. Mandel den Stand der Entwicklung der Arbelierinnenbewegung dar. Er schilderte das Erstarken von Teilen dieser Bewegung und die Erfolge linker Kräfte, so zB Erfolge bei der Entwicklung der Gewerkschaftsarbeit und bei der Initiierung von Volksabstimmungen. Abgesehen vom eigentlichen Ziel besteht die Bedeutung solchen Wirkens darin, das Selbstbewußtsein der abhängig Beschäftigten zu heben und derartigen Tendenzen neue Impulse zu geben.

In der sich anschließenden Diskussion widerspiegelten sich die unterschiedlichen politischen Ansätze der Diskussionsteilnehmerinnen. Beispielsweise waren die Diskussionsbeiträge der Genossinnen der SpAD geprägt von einer (um es vorsichtig auszudrücken) zu optimistischen Einschätzung der Bewußtseinslage der ArbeiterInnenklasse, womit sie im Widerspruch zu der von Gen. Mandel vertretenen realistischeren Einschätzung des Bewußtseins der abhängig Beschäftigten stehen. Ein Widerspruch, der auch offenbar wurde als die Entwicklung der DDR im Herbst "89 (die im Vortrag leider zu kurz kam) Gegenstand der Diskussion war. Ein weiterer wesentlicher Punkt der Diskussion war das Verhältnis von Ökologie und Okonomie.

Einige Aspekte der Bedürfnisbefriedigung und das darin eingeschlossenen Problem der Kritik der Bedürfnisse warfen die Frage auf, inwieweit die Entwicklung persönlicher materieller Bedürfnisse im Widerspruch zu gesamtgesellschaftlichen Erfordernissen steht. Anhand empirischer Daten widerlegte Gen. Mandel die These von der stetig steigenden materiellen Pro-Kopf-Konsumtion. Diesen Daten zufolge ist in den wohlhabenden westeuropäischen Ländern eine Sättigung beim Pro-Kopf- Verbrauch an Konsumgütern und Nahrungsmitteln bereits eingetreten. Da diese Sättigung im Widerspruch zum kapitalismusspezifischen Streben nach Profitsteigerung steht, wäre es interessant, wenn die Frage, in welchem Maße (oder ob überhaupt!) dieser Widerspruch im Rahmen kapitalistischer Produktionsverhältnisse gelöst werden kann, bei zukünftigen Diskussionen einen breiteren Raum einnähme.

Gen. Mandel führte in diesem Zusammenhang aus, daß es für die humane Entwicklung der menschlichen Gesellschaft eine unabdingbare Notwendigkeit ist, sowohl mit der Despotie des Staates als auch mit der des Kapitals zu brechen, also eine Gesellschaft zu errichten, in der die freien Produzentinnen über alle Faktoren der Produktion selbst bestimmen.

Hans-J. Fleischer (VL Halle)

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INTERNATIONALE ARBEITERINNENBEWEGUNG verschärfen sich die Probleme in einem so Format von A. Brie? EX-DDR

Disput

Brie vs Mandel

Der zentrale Dissens im Streitgespräch zwischen A. Brie (PDS) und E. Mandel (IV. Internationale) am 16. Mai im Haus am Köllnischen Park in Berlin war aus meiner Sicht die Frage: Wie ist das menschenverachtende System der Profitmaximierung abzuschaffen bzw zu überwinden?

Beide Partner waren sich in der Diskussion darüber einig. daß die kapitalistische Produktionsweise nicht geeignet ist, eine Alternative zu den globalen Krisen und Katastrophen hervorzubringen.

Die Position von E. Mandel läßt sich folgendermaßen zusammenfassen:

Die Befreiung der Arbeiterklasse und die Überwindung der Ausbeutung kann nur das Werk dieser Klasse selbst sein, die in einem schöpferischen Prozeß des Experimentierens und Lemens eine selbstverwaltete Gesellschaft erzeugt. Nur die Mehrheit der Lohnabhängigen kann diese Aufgabe wahrnehmen. Parteien oder andere Gruppen können dabei als Mittel notwendig sein, treten sie aber an die Stelle dieser Massen, wiederholt sich das Trauma des Stalinismus.

Näher betrachten möchte ich die Position von M. Brie.

Der Autor kommt wie A. Brie aus der im Umkreis des sog. "Neuen Denkens" entstandenen Friedensforschung in der DDR. Er hat selber in Wort und Schrift in den Jahren 1985 - 89 viele der Positionen vertreten, die Ausgangspunkt der Argumentation von A. Brie sind.

Der Keminhalt des "Neuen Denkens" HABt sich folgendermaßen beschreiben: In einer Welt, in der die globalen Probleme (Friedenssicherung, ökologische Krise, soziale Unterentwicklung, Rohstoff- und Energieverknappung usw) ein immer größeres Maß an Rationalität erfordem, regiert weltweit der interessengetriebene Irrationalismus, die Anarchie des Marktes und bis vor kurzem die sogenannte "Logik der Abschreckung". Zugleich kurzem Zeitraum, daß für Handlungsalternativen die Spielräume immer kleiner werden. Die Zeit wird zu einer neuen Dimension bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme. Diesem Szenarium stellt das "Neue Denken" nun die Vision einer rationalen und gemeinsamen Strategie zur Veränderung der Welt gegenüber. Als erster Schritt galt damals die Überwindung des "Blockdenkens", die Einsicht in die Friedens- und Reformfähigkeit des jeweils Anderen. Das Ziel war klar definiert: Die beiden Gesellschaftssysteme sollten durch friedlichen Wettstreit, ja sogar durch "Koevolution", die besten Möglichkeiten zur Überwindung der Probleme finden und durch Lernfähigkeit sollten sich beide Systeme entsprechend den Erfordernissen der Situation veränder. Als oberste Maxime galt: Die jahrtausendealte Logik, das meine Entwicklung nur auf Kosten des anderen (Individuen, Staaten, Natur etc) möglich ist, wird ersetzt durch eine Logik, in der meine eigene Entwicklung nur möglich ist durch die bewußte Förderung der Entwicklung des Anderen.

Wie viele andere Konzeptionen in der Tradition der europäischen Aufklärung wird auch hierbei die Tatsache ignoriert, daß rationale Weltbetrachtungen die "anarchische" Diktatur des Marktes nicht so einfach außer Kraft setzen können.

Auf diesen Vorstellungen fußend entwickelt A. Briescine Konzeption. Ihr Kern besteht in einer Transformation des Kapitalismus, die er als "schrittweises Zurückdrängen der politischen Macht des Kapitals" definierte. Er selbst räumt allerdings ein, daß dieses konsequenterweise eine "Demokratisierung des Eigentums [an den Produktionsmitteln - dA] notwendig macht" und weist auf das "Recht des Irrtums" hin, wenn "sich die Bedingungen lindern". Darauf ist auch die Taktik der PDS (besser: des jetzigen Parteivorstandes) gegründet. Es geht um die bewußte Abgrenzung zur klassischen Sozialdemokratie in der Kernfrage, daß "sich die Widersprüche dieser Gesellschaft nicht durch Reformen harmonisieren lassen".

Der Widerspruch in seinem Denken ist offensichtlich (was Mandel auch nicht versäumte anzumerken): er will eine allmähliche Eroberung der politischen Macht, respektiert aber im Grundsatz die vom Kapital gesetzten Grenzen dieser Gesellschaft. Es ist der alte Traum vom freiwilligen Machtverzicht der Herrschenden.

Woher kommt ein solcher Widerspruch im Denken bei einem Genossen von dem Er hat die Antwort selbst gegeben: in den Denkmustern des "Neuen Denkens" verhaftet, stellt er fest: "Soziale, gesellschaftliche und politische Subjekte, die den Wandel vollziehen können, existieren gegenwärtig nicht."

In der Tat haben wir es in West- und Osteuropa mit einem dramatischen Rückgang der Eigenaktivität der Lohnabhängigen zu tun, vielen ex-DDR-Linken sitzt der Schock vom 18. März 1990 noch tief.

Zugleich gibt es in der Geschichte der intemationalen Arbeiterbewegung Dutzende Beispiele dafür, daß die Intellektuellen mit der Reife der Arbeiterklasse in einer bestimmten historischen Situation "unzufrieden" sind. Sicher ist dies bei A. Bric komplizierter - er weiß um die neue historische Dimension des Zeitfaktors, er kennt Lenins Aussagen, daß sich das revolutionäre Bewußtsein in cinem komplizierten Prozeß der Sammlung und Analyse von Klassenkampferfahrungen über einen längeren Zeitraum erst stufenweise herausbildet ... und diesen Weg will er abkürzen - durch Reformen, die den Kapitalismus klüger machen.

Dies ist aber nur, so leid es mir tut, eine neue, wenn auch intelligente Variante jener kleinbürgerlichen Ungläubigkeit an die schöpferischen Fähigkeiten der Massen, die gewollt oder ungewollt zur Ursache für den Reformismus wird. Sachlich muß man entgegenhalten, daß diese Weltsicht auf einer linearen Extrapolation heutiger Bedingungen beruht, so als hätten uns die letzten fünf Jahre nicht gezeigt, wie schnell sich "Ewigkeiten" ändern können.

Eine zweite Schwäche besteht bei dieser Haltung im "Eurozentrismus". ; eine natürliche Folge des in der Realität des Stalinismus immer unterentwickelten internationalistischen Denkens. Sieht man auf die anderen Kontinente, so ist die Arbeiterklasse dort nicht nur als reales Subjekt vorhanden, sondern vor allem auch als ein kämpfendes.

Die PDS muß sich, will sie ihrem Selbstverständnis als politische Kraft links von der Sozialdemokratie gerecht werden, auf die Werktätigen orientieren. Das einzige reale, wenn auch zur Zeit demoralisierte Subjekt, das ein wirkliches gesellschaftliches Gegengewicht zur Bourgcoisie bildet, ist die Masse der Lohn- und Gehaltsabhängigen. Wir stehen für die notwendige Diskussion dieser Frage auch weiterhin zur Verfügung.

P. F.

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INTERNATIONALE ARBEITERİNNENBEWEGUNG TUNESIEN

Proteste gegen Tötung von Studenten

Nach der Tötung zweier Studenten Anfang Mai während einer Polizeiaktion gegen oppositionelle Aktivitäten in den Unis gab die Organisation Revolutionärer Kommunistinnen (tunesische Sektion der Vierten Internalionale) die folgende Erklärung heraus: In Algerien, in den Ländern Schwarzafrikas, in den Ländern Osteuropas haben die Menschen Pressefreiheit und Mehrpartciensysteme durchgesetzt, freie Wahlen werden zur Regel.

In Tunesien hat die demokratische Maskerade am 7. November unsere Prognose bestätigt. Die Destourian-Partei bleibt de facto die einzige Partei, monopolisiert das Regime, gängelt die Presse und unterdückt die Opposition, auch die legale. Seit fast cinem Jahr versuchen Ben Alis Leute mit äußerster Brutalität, die fundamentalistische Opposition zu zerschlagen oder in die Kniee zu zwingen. Einige Hundert politische Gefangene, systematische Folter, Polizciaufgebote im ganzen Land erinner an das, ja gehen sogar darüber hinaus, was wir in den schlimmsten Tagen des Bourguibismus sahen.

In der Hoffnung von den günstigen Umstünden zu profitieren, beschloß das Regime sofort nach dem Golfkrieg, seine Autorität in den Universitäten wieder zu verstärken, den einzigen Bereich relativer politischer Freiheit, die Reserve, aus der die Opposition, cgal welcher Tendenz, einen Großteil ihrer kämpferischen Unterstützung bezieht, einzuschränken. Im Namen der Freiheit des Studiums und des Kampfes gegen den Fundamentalismus verbot Charfi, der Vertreter des Innenministeriums an den Universitäten, jede politische Aktivität in den Fakultäten und erlaubte deren Besetzung durch die B.O.P. und die Brigaden zur Bandenbekämpfung. Die Spirale der Gewalt begann: Jagd auf StudentInnen, Massenverhaftungen, systematisches Zusammenschlagen. Alle StudentInnen sind davon betroffen; fundamentalistische, linke oder unpolitische. Die ermordeten Studenten gehörten keiner politischen Vereinigung an!

Es ist kein Zufall, daß die Stationierung von Polizei und der Aufruf zum Konsens mit dem Präsidenten zu einer gemeinsamen Front gegen den Fundamentalismus zu einer Zeit kommt, in der das Regime seine Austeritätspolitik verschärft und den ArbeiterInnen eine obligatorische Fünf-Tage-Woche aufzwingt. Darum:

(i) Wir übernehmen die gesamte Verantwortung für die jüngsten Ereignisse, in denen das Regime gezeigt hat, daß es nur durch Unterdrückung und Gewalt herrschen kann. (ii) Wir kennen die falschen und verlcumderischen Pressekampagnen des Regimes gegen seine jeweilige Feindinnen (so die Anschuldigungen gegen den UGTT-Gewerkschaftsverband vor jeder Offensive gegen ihn und deshalb ist es notwendig, bei allen Informationen über die "islamische Verschwörung" äußerst vorsichtig zu sein, mit denen ein Klima der Unsicherheit und Angst geschaffen, die Bevölkerung um Ben Ali versammelt und die Verschärfung der Unterdrückung begründet werden soll. Obwohl wir nur Gewaltakte gegen cinfache BürgerInnen anprangern können, pranger wir auch die Gewaltakte cines Regimes an, das seinerseits nicht davor zurückschreckt, die Opposition mit allen Mitteln auszuschalten. (iii) Der reaktiontre und antinationale Charakter der fundamentalistischen Strömung ist kein Grund für die Repressionsoffensive gegen sie durch das Regime, das die Hauptverantwortung für die Ausbreitung fundamentalistischen Einflusses trägt, indem sie ihn in den 70cr Jahren dirckt förderte und dann jede demokratische und progressive Opposition, vor allem der UGTT, zerschlug. Die von Destour betriebene Repression kann die islamische Gefahr nicht aus der Welt schaffen; wenn sie ihre Augen schließen oder diese Unterdrückung unterstützen, werden die Demokratinnen zu Komlizinnen des Regimes, angefangen beim Ausbau des Polizeiapparates bis zum Entzug der politischen Freiheiten. Es gehört im Gegenteil mit zum Kampf für unbeschränkte demokratische und soziale Freiheiten, dh zum Kampf gegen das Regime vom 7. November und seine Wirtschafts- und Sozialpolitik, daß es möglich ist, den Einfluß der Fundamentalisten entgegenzuwirken. Statt emeut Ben Ali zu unterstützen wie es gewisse scheindemokratische Parteien tun, die sich davon etwas mehr demokratischen Spielraum erhoffen, ist es dringend, eine gemeinsame Mobilisierung aller demokratischen Kräfte für die Durchsetzung politischer Demokratie und vor allem:

- die Freilassung aller politischen Gefangenen; - die bedingungslose und unbegrenzte Presse- und Organisationsfreiheit. Zu diesen Forderungen muß noch die Forderung kommen, daß die Ermordung der Studenten aufgeklärt wird, daß die Verantwortlichen bestraft und den Familien der Opfer Entschädigungen gezahlt werden.

GRIECHENLAND

Üble Kampagne gegen Michael Raptis

Michael Raptis, besser bekannt als Michel Pablo, ehemaliger Sekretär der IV. Internationale und heute Führer der Internationalen Revolutionär-Marxistischen Assoziation, ist zur Zeit Zielscheibe einer reichlich üblen Hetzkampagne. Ein chemaliger Abgeordneter der PASOK (Sozialisten), Dimou Botsaris, der zur Rechten überwechselte, brachte kürzlich ein Buch mit dem Titel "M-17 - der Boß" heraus. Das Buch stellt Pablo, der in Griechenland lebt, als "Dirigenten des geheimen Orchesters" des "17. November" dar, ciner griechischen individualterroristischen Organisation, die für die Ermordung von Richtem, Politikern und US-Militärpersonal verantwortlich ist; dieser Tage trat sie mit Anschlägen auf Einrichtungen der USA wegen der Intervention am Golf hervor. Es wird gesagt, daß Raptis aufgrund seiner "trotzkistischen Ideen" und seiner "organisatorischen Erfahrung" die graue Eminenz. hinter dieser Organisation sei. Diese Anschuldigung ist besonders grotesk, weil jedeR, der/ die Raptis politische Entwicklung von der linken Opposition Griechenlands in den 30er Jahren bis heute verfolgt hat, seine Kritik am Autoritarismus im Sinne der sozialistischen Demokratie und der Selbstverwaltung kennt. Er ist ein aktiver Marxist, der immer offen für seine Ideen eintrat und glaubt, daß nur revolutionäre Massenaktion die Welt verändern kann. Allerdings ist es klar, daß seine Positionen, besonders jüngst gegen die imperialistische Intervention am Golf, ihn bei der griechischen Rechten und äußersten Rechten nicht gerade beliebt gemacht haben können. Diese Verleumdungen sind durchaus geführlich: denn sie geben Faschisten und Agenten

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INTERNATIONALE ARBEITERİNNENBEWEGUNG der Geheimpolizei einen Vorwand für einen Mord, wie es in Frankreich mit Enri Curiel geschah. Dieser war von einer Todesschwadron ermordet worden, kurz nachdem verleumderische Artikel erschienen waren, die ihn als "das Gehirn hinter dem Terrorismus in der Dritten Welt" präsentierten. Solidaritätserklärungen können an Sous le drapeau du Socialisme, 42 rue d"Avron, F- 75020 Paris, geschickt werden; von dort sind auch weitere Hintergrundinformationen erhältlich.

ISRAEL

Politischer

Gefangener

Mahmoud Ahmad Massarwa ist arabischer Palästinenser und Bürger des Staates Israel. Er lebt in Baka al-Gharbiyya, einem Dorf nahe Hadera. Mahmoud ist politischer Gefangener.

Vor seiner Festnahme im Juli 1988 aufgrund falscher Spionagevorwürfe arbeitete er in Tel Aviv. Tagsüber war er als Taxifahrer tätig, nachts als Fabrikwächter. Seine Arbeitgeber waren mir ihm zufrieden. Mit seinen Kolleginnen, sowohl Jüdinnen als auch Araberinnen, hatte er ein gutes Verhältnis. Mahmoud beteiligte sich nicht an gewalttätigen Ausschreitungen und war kein Befürworter von Gewalt. Er ist ein Gewissensgefangener.

Mahmoud ist gegen Rassismus. Er will Freiheit für das palästinensische Volk. Er ist überzeugt, daß die Abwesenheit nationaler Unterdrückung zu den Grundrechten gehört. Mahmoud glaubt an die Möglichkeit friedlicher Koexistenz zwischen AraberInnen und JüdInnen. Er befürwortet den gemeinsamen Kampf von AraberInnen und Jüdinnen, beteiligt sich an gemeinsamen Organisationen und regelmäßig an gemeinsamen Aktivitäten. Er will ein demokratisches, stikulares Palästina, in dem JüdInnen und AraberInnen in Frieden und Sicherheit leben können.

Mahmoud ist Sozialist. Er will, daß die ArbeiterInnen die Gesellschaft im Interesse der Mehrheit umorganisieren. Er setzt sich ein für die politische Organisierung und Ausbildung der ArbeiterInnen.

Mahmoud Massarwa wurde einen Tag vor einer geplanten Reise nach England zu einer Konferenz europäischer SozialistInnen verhaftet. Fünfzehn Tage lang war er im Gefängnis isoliert, durfte nicht einmal mit seinem Anwalt sprechen. Im Polizeigewahrsam wurde ihm systematisch der Schlaf entzogen, er wurde während der Vemehmungen geschlagen und sein Leben bedroht. Alle Vorwürfe gegen Mahmoud beziehen sich auf seine öffentliche politische Aktivität; seine Hingabe für die Sache der palästinensischen Freiheit und seiner Loyalität zur internationalen ArbeiterInnenbewegung. In einem Prozeß wurde er von einem israclischen Gericht zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der israelische Staat ist bestrebt, sich als "einzige Demokratie im Mittleren Osten" zu präsentieren. Im israelischen Staat wurden Mahmoud Massarwa die demokratischen Grundrechte verwehrt. Er hat kein Recht auf Meinungsäußerung und auf Ausübung friedlicher politischer Aktivität. Er wurde für sein konsequentes Eintreten für demokratische Prinzipien verurteilt. Er ist ein politischer Gefangener.

Mahmoud Massarwa kann (auf Englisch) unter der folgenden Adresse erreicht werden: Mahmoud Ahmad Massarwa, Ayalon Prison, P.O. Box 16, Ramich, Israel. AZANIA

Konferenz von WOSA

Die Workers Organisation for Socialist Action veranstaltete ihre ersten nationale Konferenz vom 31. Mai bis zum 2. Juni. Von mehr als 200 Delegierten besucht, stellt sie einen bedeutenden Schritt zum Aufbau einer unabhlingigen sozialistischen Organisation in Südafrika dar.

Die Delegierten diskutierten eine Reihe wichtiger Themen der Befreiungsbewegung: die gegenwärtige Lage im Land, die Forderung nach einer Verfassungsgebenden Versammlung und einer Übergangsregierung. Delegierte wiesen darauf hin, daß der Staat eine Strategie der Reform von Oben bei gleichzeitiger Führung eines "low intensity war" gegen die schwarze Bevölkerung führt und damit die Massen in die Defensive bringt, während de Klerk die politische Initiative ergreifen kann. Der zurückgehende internationale Druck auf die Regierung verschafft dieser mehr Spielraum.

Die KonferenzteilnchmerInnen diskutierten die politischen Aufgaben für WOSA im Kontext ciner defensiven Stellung der Arbciterinnenklasse. Eine Resolution mit dem Aufruf zu ciner einheitlichen Massenkampagne für eine verfassungsgebende Versammlung wurde verabschiedet.

Mit die dringendste Aufgabe der Befreiungsbewegung sei der Aufbau einer "patriotischen Front" für diese Forderung. Die Delegierten betonten, daß cine solche Front nur eine kämpfende Massenbewegung auf örtlicher, regionaler und nationaler Ebene sein kann.

In einer zweiten Resolution wurde darauf hingewiesen, daß die Verantwortung für die jüngsten Auseinandersetzungen in den Townships in erster Linie bei der Regierung liegt, die in den Wohngebieten der ArbeiterInnen Unruhen provozieren will.

Auf der Konferenz wurde gesagt, daß einzig die einheitliche Antwort der ArbeiterInnen in den Wohngebieten dieser Attacke die Stirn bieten kann; das bedeutet den Aufbau unabhängiger, nichtsektiererischer Selbstverteidigungskomitees zur Sicherung des "Friedens von Unten" und die Vermeidung undisziplinierter und undemokratischer Handlungen, die noch mehr Arbeiter Innen in die Arme der Inkatha-Führung und anderer Reaktionăre treiben könnten.

nternational VEWPOINT

A fortnightly review of news and analysis published under the auspices of the United Secretarlat of the Fourth International, in conjunction with the French language Inprecor, which appears on alternate fortnights.

All editorial and subscription correspondance should be malled to: International Viewpoint, 2 rue Richard Lenoir, 93108 Montreuil, France. Fax: 43 79 21 06. Published by Presse-Edition Communication (PEC). Directeur de publication: Christian Lamotte. Comminaion peritaire: 64324. ISSN: 0294-2925. Imprimé par Rotographie.

International Viewpoint is catalogued by the US Alternative Press Index.

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INTERNATIONALE ARBEITERINNENBEWEGUNG KURZMELDUNGEN

Die Resolutionen des 13. Weltkongresses (Februar 1991) sind in englischer und französischer Sprache veröffentlicht worden. An den deutschen Übersetzungen wird gearbeitet.

Die 6. Konferenz des europäischen Forums sozialistischer Feministinnen findet vom 28.-30.6. in Norwich/Norfolk statt. Sie widmet sich dem Thema "Frauen und Staatsbürgerschaft" in Europa. Diskutiert wird über "Frauen als Bürgerin" (Nationalität, Identität, Rassismus), "Staatsmacht" (Familienpolitik, Recht auf den eigenen Körper, Sexualpolitik)und linker/sozialistischer Feminismus.

Women for Socialism (WfS) und das Socialist Movement Trade Union Committee in Groß-Britannien werden im November eine Konferenz über "Frauen in den Gewerkschaften" durchführen. WiS plant überdies öffentliche Foren über Gewalt in der Familie, sexuellen Mißbrauch von Kinder, Frauen und Gesundheit, Erfahrungen kurdischer Frauen und die Zukunft des sozialistischen Feminismus.

Am 9./10. Juni fand in Berlin eine Konferenz der GRS (Gruppe Revolutionäre Sozialistinnen) statt. Neben einer kritischen Bilanz der bisherigen Arbeit wurde die Feminisicrung der Organisation (4 Diskussionsvorlagen) debattiert. Beschlossen wurde die weitere Arbeit an einem Aktionsprogramm, der Aufbau einer Jugendarbeit und Maßnahmen zur Festigung der Organisation. Am 9. Mai war bereits eine "Südkoordination" gebildet worden.

Vom 28.-31.3. 1991 tagte in Dubna erstmals ein unabhängiges Frauenforum in der SU, an dem 172 Delegierte aus 48 Organisationen teilnahmen. Es wurde beschlossen, ein unabhängiges Netzwerk für Frauen zu schaffen.

Socialist Outlook führt seine diesjährige Sommerschule vom 24.-29 August in Nord- Available now: number 14 of the Notebooks for Study and Research The Gulf War and the New World Order by André Gunder Frank & Salah Jaber This special issue of the NSR provides thorough analysis of the international framework of the Gulf War and its meaning for the Third World, detailed assessments of Western policies and a survey of the changing scene in the Middle East. This timely 72-page, A-4 format publication can be obtalned for USS6 or L3.50. Among forthcoming issues of the NSR: Livio Maitan on the Italian Communist Party; José Iriarte "Bikila" on the national question. Subscriptions to the NSR: 5 Issues, surface: C10 or US$16; 10 Issues, surface: C20 or US$32. Add 20% for almail.

Notebooke for Study and Research Sand ordere to IIRE in Amsterdam. All (NSR) are sponsored by the payments to Pierre Rousset. Intemational Institute for Proforred: postal giros to CCP Research and Education (IRE). The NSR Paris 11 541 97T, France; or: Postbus 53290, 1007 RG fan Us or checke in sterling payable chocks in dollars payable in the Amaterdam, The Motherlands. In Britain. Please avoid (Fax: 33 20 6732106). Eurochocko. wales durch. Auf dem Programm stchen Sta- Peter Waterman: Understanding Socialist and linismus, politische Revolution, Kuba und Proletarian Internationalism (nr. 20) und Sergio Nicaragua, Grundfragen des Marxismus Rodríguez Lascano: Las organizaciones po- (Staatskapitalismus, Permanente Revolution, lítico - militares en América Latina. Kopien Okologie, Frauenbefreiung, nationale Frage) können bezogen werden bei Hans-Jürgen und Arbeitsgruppen (Gründung der 4. Inter- Schulz, Jesselallee 29 c, W-Hamburg 73 gegen nationale, Naher Osten und Palästina, Entko- Vorcinsendung von 4 DM (nr. 19) oder 6 DM lonialisierung von Algerien, China, Vietnam, (alle anderen) in Briefmarken. Frauenbefreiung, bewaffneter Kampf, Ge- Vom 15.-17 Juli findet in London die werkschaftsarbeit). Die Kosten betragen 60 Jahrestagung der Regierungschefs der 7 reich- Pfund (Arbeitslose und wer in Ausbildung sten kapitalistischen Länder statt. Aus diesteht: 30 Pfund). Für Kinder wird georgt. sem Anlaß fand am 13.7. cine internationale Anmeldung über Socialist Outlook, PO Box Demo und am 15./16. Juli ein alternativer 1109, London N42UU. Wirtschaftsgipfel statt. Informationen können eingcholt werden über: Cancel the debt. In Kürze erscheinen zwei neue Ausgaben c/o IFAA, 23 Bevenden St., London, NI (Nr. 13 und 14) der "Notebooks for Study and Research" ("Cahiers d'étude et de recherche). Es handelt sich um Miguel Romero: Anfang Juni fand die Jahrestagung von The Spanish Civil War in Euskadi and Cata- Socialist Movement in GroB Britannien statt. lonia sowie Andre Gunder Frank/Salah Ja- Unter anderem wurde beschlossen, ab Sepber: Gulf War and the new International tember die Zeitschrift Socialist herauszuge- Order. Bestellungen an: Notebooks for Study ben. and Research, 2 rue Richard Lenoir, 93 108 Montreuil/France.

Im Alter von 69 Jahren starb kürzlich Eric Heffner, Abgeordneter der britischen Labour In loser Folge werden Arbeitspapiere Party. Zusammen mit Tony Benn hatte er (working papers) des International Institute for Research and Education herausgegeben. 1987 gegen die Rechte um die Parteiführung kandidiert. Er hat unter anderem die soziali- Es handelt sich um Pierre Rousset: La révostische Arbeit in Osteuropa unterstützl, so lution vietnamienne (nr. 16), Peter Water- auch Labour Focus on Easter Europe. man: Social Movement Unionism: Beyond Economic and Political Unionism (nr. 19),