den war, macht das Jahr 1989 zu einem Wendepunkt in der Weltgeschichte und deshalb in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung. Es kann erst vollständig ermessen werden, wenn man es vor dem Hintergrund der Geschichte der Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert und ihren entscheidenden Wendepunkten betrachtet.
- 1914 spaltete sich definitiv die internationale Arbeiterbewegung, die bis dahin als vereinte Strömung existiert hatte, als die sozialdemokratischen Parteien mit ihrer Unterstützung für den Ersten Weltkrieg — ein Gemetzel mit 20 Millionen Toten - unwiderruflich auf die Seite der Bourgeoisie übergingen. Von dieser Zeit an fungiert die Sozialdemokratie eindeutig als Stütze des Imperialismus. - 1917 brach die russische Revolution zum ersten Mal die Herrschaft von Kapitalismus und Imperialismus über ein Land. Trotz ihrer Entartung unter Stalin rettete die UdSSR Rußland nicht nur vor der imperialistischen Zerstückelung und industrialisierte es, sondern sie war auch unerläßlich in ihrer Hilfe für den bedeutendsten Befreiungsakt im 20. Jahrhundert, der Zerstörung der Kolonialreiche nach dem Zweiten Weltkrieg.
- 1933 zeigte der Stalinismus seine endgültige Entartung, indem er mit der deutschen Sozialdemokratie für die Machtergreifung Hitlers die Verantwortung teilte. Niemals wurde der Sturz des Kapitalismus in einer Volksrevolution entsprechend der Linie des Stalinismus erreicht. Die jugoslawische, chinesische und vietnamesische Revolution wurde jeweils durch Parteien durchgeführt, die die Linie Moskaus ablehnten - und die kubanische Revolution wurde - gegen die Linie der lokalen KP - von einer Kraft geführt, die vom Stalinismus auch organisatorisch unabhängig war. Aus der katastrophalen Niederlage von 1933 entstand - als eine Minderheit - die trotzkistische IV. Internationale. - 1943 zerstörte die Sowjetarmee in Stalingrad die Macht des Nazismus. Dies war der entscheidende Beitrag für die Befreiung der Welt vom Faschismus. Er konsolidierte auch den Einfluß stalinistischer Parteien oder von Parteien, die sich mit ihnen zusammen als Teil einer Weltbewegung sahen, über die militantesten Teile der Arbeiterklasse in der Welt. Der Sieg über den Faschismus stellte sicher, daß die Kräfte, die links vom Stalinismus eine neue Internationale aufzubauen versuchten, eine winzige Minderheit blieben - denn die Zerschlagung des Faschismus war damals die entscheidende Frage, die sich der Menschheit stellte, und der Stalinismus stellte, dadurch daß er dies erreichte, siher, daß sich international nur kleine Propagandagruppen mit dem Blick auf eine sozialistische Zukunft zu seiner Linken entwickelten, während die Masse der Arbeiterklasse unter dem vorherrschenden Einfluß der Sozialdemokratie und des Stalinismus blieb. 1989 zeigte, daß der Stalinismus nun bis zu einem Punkt degeneriert ist, wo er nicht bloß unfähig ist, den Kapitalismus zu stürzen, sondern nicht einmal die Länder verteidigen kann, in denen der Kapitalismus zerstört wurde. Seine reaktionäre und utopische Politik vom „Sozialismus in einem Land" zerbrach die internationale Dynamik der Arbeiterklasse, zerrüttete die Wirtschaft der von ihm beherrschten Staaten und unterdrückte erbarmungslos die Arbeiterklasse in den Ländern Osteuropas.
Der Zusammenbruch der Staaten Osteuropas, inmitten einer massiven proletarischen Unterstützung für den Kapitalismus, ist das größte Verbrechen des Stalinismus und Gradmesser seines Bankrotts seit seiner Mitverantwortung (mit der Sozialdemokratie) für den Aufstieg Hitlers zur Macht. Deshalb wird er die Organisationen der internationalen Arbeiterbewegung in ihren Grundfesten erschüttern - denn die militantesten Sektoren der internationalen Arbeiterklasse gruppierten sich um Kräfte, die Illusionen in die stalinistische Bürokratie hatten und die Ansicht vertraten, daß, was auch immer ihre Verbrechen gewesen sein mögen, sie dies durch die Zerstörung der Herrschaft des Imperialismus in Osteuropa und die internationale Hilfe dieser Staaten für den Kampf gegen den Imperialismus wettgemacht habe. Gleichzeitig macht die Sozialdemokratie - der heutige Hauptnutznießer des Zerfalls des Stalinismus innerhalb der Arbeiterklasse - eine scharfe Wende nach rechts, zur Unterstützung der Festigung imperialistischer Herrschaft in Europa. Die sozialdemokratische Politik der Erwerbslosigkeit und der Angriffe auf die öffentlichen Ausgaben nähren unmittelbar den Aufschwung des Rassismus in Europa.
Kurz, die internationale Arbeiterklasse sieht sich der größten Offensive des Imperialismus seit dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt, unter Bedingungen, in den ihre beiden traditionellen Führungen cinen nie gesehenen Bankrott zur Schau stellen.
Welche Alternative?
Was in dieser Situation nicht geschehen wird, ist, daß die internationale Arbeiterklasse den Kampf aufgibt. Jene, die in Lateinamerika von der Verschuldung betroffen sind, in Afrika ihre Länder in Auflösung sehen, in Osteuropa zu Armut und Arbeitslosigkeit bestimmt sind, in derselben Region einer erneuerten oder schlimmeren Unterdrückung aufgrund ihres Geschlechts ausgesetzt sind oder in Europa Opfer rassistischer Attacken werden, sie alle haben keine andere Wahl als
Widerstand zu leisten — denn der Imperialismus wird als Resultat seiner Siege nur noch aggressiver und gewalttätiger werden und nicht friedfertiger und besonnener. Für Sozialisten bedeutet die Weigerung, in dieser Situation Widerstand zu leisten, Komplize zu sein bei den größten Verbrechen, die seit dem Faschismus gegen die Menschheit begangen werden.
Was der Zerfall des Stalinismus und die gleichzeitige Rechtswende der Sozialdemokratie gegenwärtig bewirkt haben, ist die Durchkreuzung der Möglichkeit einer zentralisierten internationalen Führung des Kampfes gegen die imperialistische Offensive. Alle bestehenden Führungen links von Stalinismus und Sozialdemokratie sind entweder zu schwach oder zu sehr fehlorientiert, um gegenwärtig eine zentralisierende Rolle bei der Führung dieses Widerstands zu spielen.
Die autoritativste Führung, die sich dem imperialistischen Angriff noch objektiv widersetzt, ist die Kubas. Die Rolle der kubanischen Führung Kampf gegen das Apartheid-Regime in Südafrika und bei der Hilfe für die Revolution in Mittelamerika ist das größte Beispiel an internationaler Führung seit dem Sieg der Vietnamesen über den US- Imperialismus.
Aber während die kubanische Führung cin großes internationales Anschen und interne Unterstützung genießt, ist der kubanische Staat zu schwach, um den internationalen Einfluß auszuüben - wie es sowohl die UdSSR als auch China könnten - und so die Avantgarde der gesamten internationalen Arbeiterbewegung um sich zu scharen.
Die zweite, winzige, Kraft, die links vom Stalinismus gestanden haben könnte, war der „Trotzkismus" - d.h. die Kräfte, die organisatorisch aus Trotzkis IV. Internationale hervorgegangen sind. Doch 1989 zeigte, was 1914 und 1933 bereits mit weit größeren Kräften demonstriert wurde, nämlich daß, während marxistische Ideen gültig bleiben, das Schicksal von Organisationen eine ganz andere Sache ist. Die Mehrheit der „trotzkistischen" Organisationen hat die Dynamik in Osteuropa vollkommen mißverstanden, indem sie glaubten, daß sie in Richtung auf die politische Revolution gehen würden, als die vorherrschende Dynamik die der Restauration des Kapitalismus war. Die Führung des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale machte dann einen Rückzicher - nachdem sie ursprünglich die Ereignisse in der DDR als eine politische Revolution charakterisiert hatte, stellte sie nun fest, daß das, was wirklich stattfand, eine Dynamik zur Aufsaugung der DDR durch die imperialistische BRD war, und stellte sich dem entgegen.
Aber ein anderer Teil des ,,Trotzkismus" [eine Minderheit im Vereinigten Sekretariat] unterstützte die kapitalistische Wiedervereinigung Deutschlands und die Zerstörung des ostdeutschen Arbeiterstaats.
Diese letzte Position hat die Klassenlinie überschritten und das Lager der Arbeiterklasse verlassen. Diejenigen, die die Zerstörung von Arbeiterstaaten und ihre Integration in die imperialistischen Mächte unterstützen, stehen außerhalb der revolutionären Bewegung — sie unterstützen Handlungen, die nicht nur der deutschen Arbeiterklasse, sondern dem gesamten internationalen Proletariat historische Schläge versetzen. Solche Kräfte sind objektiv auf die Seite des Imperialismus getreten und zum linken Flügel der proimperialistischen Arbeiterbewegung, d.h. zu linken Sozialdemokraten oder Zentristen mit sozialdemokratischer Tendenz, geworden. Andere Trotzkisten, z.B. jene in Deutschland selbst und andere in Osteuropa, widersetzten sich der imperialistischen Offensive und bewahrten eine revolutionäre Orientierung, indem sie für sozialistische Demokratie, Internationalismus und gegen die Restauration des Kapitalismus kämpfen.
Das Ergebnis ist, daß der „Trotzkismus" als Ganzes - so wie er heute existiert - nicht flähig gewesen ist, international die Rolle zu spielen, die in den bedeutendsten Ereignissen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg erforderlich gewesen wäre. Jene, die im Kampf gegen den Imperialismus stehen, sind nicht die. die Gorbatschow wegen seiner .,Demokratie" preisen und die Ereignisse in Osteuropa unterstützen, sondern jene, die über die Ereignisse in Osteuropa und die Tatsache, daß der Stalinismus die Staaten Osteuropas so untergraben hat, entsetzt sind.
Auswirkungen auf die Linke
Jene, die die Contras in Nicaragua, das Apartheid-Regime in Südafrika, Aquino auf den Philippinen oder die ARENA in El Salvador bekämpfen, verstehen sehr gut, daß die Ereignisse in Osteuropa eine Katastrophe für die Menschheit bedeuten, indem sie den Kampf für deren Zukunft doppelt erschweren — und unmittelbar den Kampf für ihre eigene Befreiung.
Das erste Resultat ist eine wachsende Unruhe in den Kommunistischen Parteien und bei denen in der Sozialdemokratie, die von ihnen beeinflußt sind. International findet innerhalb des ANC, der FMLN, der FSLN und anderer Kräfte die Diskussion mit der Linken in Opposition zu den Ereignissen in Osteuropa statt. All diese Kräfte sind gezwungen herauszufinden, warum Gorbatschow so offen dem internationalen proletarischen Kampf den Rücken gekehrt hat und warum dies zur Katastrophe in Osteuropa führte. Derartige militante Kräfte sehen sich notwendigerweise gezwungen herauszufinden, was geschehen und was schief gelaufen ist.
Die gesunden, linken Kräfte, die daraus hervorgehen, sind jene, die begreifen, daß die Politik der Beschwichtigung des Imperialismus dem internationalen Proletariat einen unkalkulierbaren Schaden zugefügt und die reaktionärsten Mächte in der Welt gestärkt hat. Das Versäumnis der IV. Internationale, sich auf diese Kräfte hin zu orientieren, anstatt die Ereignisse in Osteuropa, die zur Restauration des Kapitalismus führen, radikal mißzuverstehen, ist der größte Fehler ihrer Geschichte.
Aber wenn die internationalen Führungen, die in dieser Situation nötig wären, entweder zu schwach oder gegenwärtig zu desorientiert sind, um die erforderliche Rolle zu spielen, dann heißt das nicht, daß die Arbeiterklasse keinen Widerstand leisten wird. Es bedeutet bloß, daß der Kampf — und die ideologische Diskussion - cine Zeit lang nicht international zentralisiert sein wird und dazu neigen wird, sich in verschiedenen Staaten und Regionen in ungleicher Weise zu entwickeln.
Der zahlenmäßig größte Teil dieser Umgruppierung wird seinen Ausgangspunkt unvermeidlich in den halbkolonialen Ländern nehmen. Dort ist die ökono-
mische und soziale Krise dermaßen zugespitzt, daß die Kräfte keine andere Wahl haben, als gegen den Imperialismus Widerstand zu leisten. Millionen von Menschen können nicht auf die Erarbeitung der korrekten Analyse des Stalinismus warten, bevor sie gegen die Apartheid, die Verschuldungskrise in Brasilien, gegen Aquino, gegen die südkoreanische herrschende Klasse oder gegen die Dikta- Mittelamerikas kämpfen. Eine
Reihe linksnationalistischer, prokubanischer, links,„stalinistischer" und anderer Strömungen wird unvermeidlich auftau- Innerhalb der imperialistischen Länder leisten hauptsächlich vier Kräfte Widerstand gegen die imperialistische Offensive - die kleine Zahl von Castristen, die in diesen Ländern existiert, linke „Stalinisten" , linke Sozialdemokraten und jene Trotzkisten, die Mehrheit, die nicht zur linken Sozialdemokratie übergegangen sind.
ich eine echte linke Opposition gegen innerhalb der Lander Osteuropas na Imperialismus und Stalinismus entwikkelt. Kräfte wie die, deren bekanntester Repräsentant in Polen Jozef Pinior ist, oder wie Boris Kagarlitzki in der UdSSR haben die Unterstützung des Kampfes gegen den Imperialismus in der Dritten Welt* zu einem absoluten Prinzip gemacht. Kagarlitzki hat festgestelit, daß es für die russische Arbeiterklasse eine Ehrensache ist, gegen den Imperialismus zu kämpfen, und Pinior führt öffentliche Gespräche mit Vertretern von FSLN und FMLN. Sie sind vollständige Gegner des Stalinismus aufgrund dieses Kampfes gegen Imperialismus und Kapitalismus. Antiimperialistische
Einheitsfront
Die erste und dringendste Aufgabe besteht darin, diese Kräfte im Kampf zusammenzuführen. Darüber hinaus gibt es angesichts der ungeheuren Zerstörung, die die Politik des Stalinismus angerichtet hat und die in den Rückschlägen von 1989 gipfelte, nicht die Möglichkeit, die ideologischen Divergenzen, die dabei auftreten werden, rasch zu überwinden. Es besteht jedoch die Notwendigkeit, einen Rahmen zu schaffen, in dem diese Differenzen die vereinte Aktion im Klassenkampf nicht behindern.
Zweitens ist es innerhalb dieses Rahmens notwendig, eine ideologische und programmatische Debatte zu führen, die ihre Klärung schließlich erst in neuen gewaltigen Ereignissen des Klassenkampfs findet. Die relevanteste Analogie ist die Situation, die auf die Machtergreifung Hitlers 1933 folgte. Damals erforderte es bedeutende neue Kämpfe — die Debatte über Hitlers Sieg, die Niederlage im spanischen Bürgerkrieg, das Debakel der französischen Volksfront -, um einen neuen ideologischen Rahmen zu schaffen, um die fortgeschrittensten Kräfte in der internationalen Arbeiterbewegung zu gewinnen und zu organisieren.
Alle politischen Strömungen - jene, die von links mit dem Stalinismus brechen, jene, die sich nach links von der Sozialdemokratie abwenden, die Anhänger Castros, linke Nationalisten in den halbkolonialen Ländern, Trotzkisten, die Trotzkis Ideen treu geblieben sind müssen über ihre Entwicklung und Geschichte in diesem Prozeß Rechenschaft ablegen.
Diejenigen, die glaubten, daß der Stalinismus, was auch immer seine Verbrechen gewesen sind, doch zumindest die Staaten behaupten würde, die den Kapitalismus gestürzt hatten, müssen erklären, warum dies nicht eintrat. Sozialdemokraten müssen sich damit befassen, warum ihre Parteien, zusätzlich zu ihrer vergangenen Entwicklung, nun durch ihre Politik einen Aufschwung des Rassismus in ganz Europa fördern. Trotzkis Ideen liefern den besten Leitfaden zu dem, was geschehen ist; tatsächlich erweist sich seine Analyse des Stalinismus mehr denn je als eine geniale Leistung. Doch organisatorisch gesehen, muß sich die trotzkistische" Bewegung darüber Rechenschaft ablegen, warum ein Teil von ihr degenerierte und auf die Seite des Imperialismus übergetreten ist, indem sich dieser Teil aus einer Kraft, die gegen den Imperialismus kämpfte, in eine Kraft verwandelt, die gegen die Bürokratie zugunsten des Imperialismus kämpft und mit Trotzkis Auffassungen bricht. Gorbatschows Politik:
Desaster für die UdSSR
Die Ereignisse, die sich jetzt unmittelbar entfalten, werden eine düstere Seite in der menschlichen Geschichte bilden nit schrecklichen Konsequenzen für di Verktatıgen und Unterdrückten in de Welt. Der Imperialismus wird dazu ermutigt werden, und ist es bereits, seine größte Offensive gegen die Unterdrückten in der Welt seit den dreißiger Jahren zu lancieren. Hunger, Tod und Verelendung aus der imperialistischen ökonomischen Offensive werden sich vervielfachen, ebenso imperialistische Invasionen und Militäraktionen, gedeckt von Vorwänden wie Drogen, Waffenlieferungen oder (linken) „Diktaturen" . Die Menschen in der „Dritten Welt" werden einer imperialistischen Offensive von einem Ausmaß ausgesetzt sein, das sie ein Münchener
Manuskripte zur Geschichte der Arbeiterbewegung 1/2 Februar 1990 Martin Clemens
Dershimorda
Lenin gegen Stalin 151 Seiten, 16,- DM.
Die marxistische Studie rekonstruiert Lenins systematischen, leidenschaftlichen, ja sogar verzweifelten Kampf gegen die großrussisch-chauvinistische Clique um Stalin. Sie enthält alle wichtigen Dokumente.
Briefe und Zitate, die als historische Spuren Zeugnis von diesem für das Schicksal der russischen Revolution 1922/23 entscheidenden Kampf ablegen.
Verlag Münchener Manuskripte
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halbes Jahrhundert nicht gekannt haben, und das exakt zu einem Zeitpunkt, wo selbst die beschränkte materielle Hilfe, die sie aus Osteuropa erhalten haben, zurückgezogen wird. Der reaktionäre Abschaum der Welt, angefangen mit Südafrika und Israel, versammelt sich bereits in Osteuropa. Kuba wird direkt bedroht werden.
Schließlich ist die Politik Gorbatschows eine Farce, denn an ihrem Endpunkt wird der imperialistische Würgegriff gegen die Sowjetunion enger werden — mit der Eingliederung eines vereinigten Deutschland in die NATO und die Schaffung proimperialistischer Regime in Osteuropa. Mit dem Ende des kommenden Jahrzehnts wird die militärische Bedrohung der UdSSR die größte in der Geschichte sein.
Gorbatschows Politik, sich der Gnade der Imperialisten auszuliefern, hat nicht nur die internationale Arbeiterklasse, sondern auch die Sowjetunion in ihr größtes Desaster seit 1941 geführt. Dies ist die schwere Erblast des Stalinismus und seines Zerfalls. Aber die Arbeiterklasse hat keine Möglichkeit zu fliehen. Um den Ausweg zu verstehen, ist er-• neut eine Analogie nützlich. 1941, als die Sowjetunion überfallen wurde, hatte Stalin die Bevölkerung der Ukraine und anderer Teile der Union derartig abgesto- Ben, daß sie die Nazi-Invasoren als Befreier begrüßten. Erst als sie die wahre Natur der Bestie, die in ihr Land gekommen war, erkannten, schwenkten sie um und vernichteten sie - und dabei auch in halb Europa das System, das zum Aufstieg des Faschismus geführt hatte. Jetzt hat Gorbatschow, wie vor ihm Stalin, die internationale Arbeiterklasse und die UdSSR in die Katastrophe geführt. Keine Analogie ist jemals exakt. Die volle Wucht des imperialistischen Angriffs wird heute nicht in erster Linie auf Osteuropa fallen, auch wenn Verelendung und Rassismus dort bereits zunehmen und sich nach Westeuropa verbreiten werden.
Es sind die Menschen der ,,Dritten Welt" , die heute der vollen Wucht des imperialistischen Angriffs ausgesetzt sind. Millionen von Menschen sind dort bereits gestorben, und viele Millionen weitere werden aufgrund der imperialistischen Offensive sterben. Aber genau weil der Kapitalismus der überwiegenden Mehrheit der Menschen in der Welt nichts zu bieten hat - und heute weniger als jemals in den letzten vierzig Jahren -, wird sich die Arbeiterklasse aus diesen Niederlagen wieder erheben. Die Arbeiterklasse besiegte Hitler und Stalin. Sie wird Bush und Gorbatschow besiegen. Indem sie dafür kämpft, wird sie die internationale Arbeiterbewegung völlig reorganisieren und eine neue proletarische Führung schaffen, die sie aus ihrer Sackgasse führen kann. Denn letztlich ist, wie Trotzki zurecht behauptete, die Arbeiterklasse mächtiger als jede Bürokratie.
Doch das Jahr 1989 steht mit dem Rang der Geschehnisse, die sich dort ereigneten, mit seiner Enthüllung des totalen Bankrotts des Stalinismus, mit der Ermutigung, die dieser dem Imperialismus gab, seinen Angriff auf die Weltbevölkerung zu verstärken, und mit der Bedeutung für die zukünftige Reorganisierung der Arbeiterbewegung gleichrangig neben 1914, 1917, 1933 und 1943. Es markiert einen Wendepunkt in der Weltgeschichte.
Perestroika, Europa
TRANVIA
Revueder|berischen Halbinsel
Heft 16 (Frühjahr 90): Südwest-/Mittelost-Europa, Europäische (Friedens-)Perspektiven, "Transición' in Spanien und Ungarn, Perestroika und die KPen Spaniens u. Portugals, PCE u. Hitler-Stalin-Pakt, Portug. Literatur in der DDR. Macau. Filme. Alternativprojekte. Innenpolitik u.v.a. 84 Selten (A 4); für 7,- + 1,- Porto Tranvia, Postf. 303626, 1 Bin 30 Studienhefte
Nr. 1 Emer Mandel
Die Stellung des Marxismus in der Geschichte
In einer Zeit, in der viele „reumütige" Linke den Marxismus für unfähig halten. die neden Phänomene des gegenwärtigen letzten Vierteh des 20. Jahrhunderts zu erklären, erinnert Er nest Mandel in diesem Text daran, daß sich der Marxismus von Beginn an auf Fortschritte der Sozialwissenschaften und der emanzipator schen Bewegungen seiner Epoche gestützt hat Der Verfasser gibt einen Uberblick über die vielfältigen Quellen der Theorie, die Marx und -ischen Beitrei der beiden arendt den spi mischen Beitrag der beiden ti verschiedenen Gebicten heraus, mit denen sie sich beschäftigt haben: Philosophie. politische Okonomie, Sozialgeschichte, revolutionäre Organisation, Selbstorganisation der Arbeiterklasse, Emanzipationsbewegungen, Internatio nalismus. Ernest Mandel stelle fest: Der Marxismus „lernt beständig von der Wirk lichkeit, die unauthörlich in Entwicklung be griffen ist"; er ist der bewußte Ausdruck der realen Bewegung der Selbstemanzipation der Lohnarbeiter. Damit liefert der Autor eine For mel. die ein dialektisches Gleichgewicht zwi schen Neuerung und Verifizierung der als gesichert geltenden Kenntnisse ermoglicht. _Diese kleme Arieu con Ernest Mandel ist michr nur eine Schulung grandlage con an/serordent lich hober Quahtat sondern auch en Organal beitrag der de Debatte aber die Stellung des Marxismus in der Geschiehte bereichert und er nenert." (Michael Lowy)
32 Sciten (im Zeitschriftenformat), mit Zeita teln. Glossar zu wenig bekannten Personen und Begriffen, Literaturhinweisen Bestellung
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