Das Resultat der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Peru vom 8. April überraschte die meisten Beobachter. Seit langem war der Kandidat der Rechten, der Schriftsteller Mario Vargas Llosa, als überlegener Wahlsieger gehandelt worden. Die regierende APRA, die der II. Internationale angeschlossen ist, hatte nach fünfjährigem Unvermögen, mit der Wirtschaftskrise fertig zu werden, jedes Vertrauen verloren. Stattdessen erreichte mit Alberto Fujimori ein neuer Kandidat einen unerwarteten zweiten Platz.
Fujimori erhielt 29% der Stimmen gegenüber 32,5% für Vargas Liosa. Alva Castro (APRA) bekam 15%, Henry Pease von der Vereinigten Linken (IU) 6,3% sowie Alfonso Barrantes von der Sozialistischen Linken (IS) rd. 4% der abgegebenen Stimmen.
Alberto Fujimori vertritt ein lokkeres Wahlbündnis namens Cambio 90 (Wechsel "90). Er gehört zu keiner der traditionellen Parteien und hat kaum ein politisches Programm, sondern er führte eine Wahlkampagne, die so gut wie ausschließlich aus der Forderung nach Ehrlichkeit in der Politik bestand. Er ist deshalb mit Color de Mello, der kürzlich die Präsidentschaftswahl in Brasilien mit einer ähnlichen Tonlage gewann, verglichen worden.
Fujimoris Wahlerfolg ist ein Grad-
messer für das tiefe Mißtrauen gegen alle etablierten Politiker, aber auch für die Verzweiflung über die Wirtschaftskrise und die zunehmende Gewalt in der Gesellschaft. Jene, die für Fujimori stimmten, taten dies in erster Linie um irgendeiner Veränderung willen.
Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erhalten hat, wird es am 3. Juni zu einem zweiten Wahlgang kommen. Fujimori hat große Siegeschancen, da er mit den meisten Stimmen der Anhänger der APRA und der Linken rechnen kann.
Für die Vereinigte Linke (IU) war das Ergebnis ein großer Rückschlag. Noch vor einem Jahr wurde sie als der natürliche Gegenpol und Mitbewerber von Vargas Llosa angeschen. Aber bereits vor einem Jahr spaltete sich der rechte Flügel von der IU ab und lancierte Limas früheren Bürgermeister Barrantes als seinen Kandidaten. Diese Spaltung hat die Glaubwürdigkeit der gesamten Linken in einer Situation, in der es zu wiederholten Streiks (einschließlich kurzer Generalstreiks) und Massenprotesten kam, vermindert. Die IU war auch von einer massiven Medienkampagne gegen alle Gedanken an sozialistische Veränderungen betroffen, eine Kampagne, die sich nach der Wahl in Nicaragua noch steigerte.
Schließlich war der Wahlkampf der IU Zielscheibe der Gewalt, sowohl seitens der „linken" Guerillaorganisation Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) als auch des Militärs und der Polizei. Unter anderem war während des Wahlkampfs auf Henry Pease ein Attentat verübt worden. Maria Sundvall
TÜRKEI
Ismail Beşikçi