Vor dem Hintergrund erbitterter Fraktionskämpfe und einer schweren Finanzkrise wurde im Januar auf einem außerordentlichen Parteitag der Kommunistischen Partei Dänemarks (DKP) eine neue Leitung (ZK) gewählt. Erst vierzehn Tage zuvor hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Parteizeitung Land og Folk
aus der bürgerlichen Presse erfahren, daß sie kollektiv gekündigt und das Parteihaus verkauft werden sollten, um die Schulden von 35 Mio. Kronen (rd. 10 Mio. DM) zu decken; auch die dänische DKP hatte bislang unter der besonderen „Obhut" der SED gestanden. Die wichtigsten Differenzen bestanden in der Haltung zur „Einheitsliste"* diese wird von den Linkssozialisten (VS - Venstresocialisterne), der dänischen Sektion der IV. Internationale (SAP - Socialistisk Arbejderparti) und der DKP gebildet. Die alte Mehrheit der Internationale Arbeiterbewegung DKP-Führung verweigerte jedoch die praktische Unterstützung: die 30 000 Unterschriften für die Wahlzulassung mußten VS und SAP allein sammeln, während die DKP für die Erneuerung ihrer eigenen, alten Liste sammelte; dies wurde von der Mitgliedschaft jedoch kaum noch umgesetzt, ein erstes Zeichen für den bevorstehenden Umbruch.
Auslöser der seit Monaten laufenden Gewerkschaftsdebatte war cin Diskussionsbeitrag, in dem die „traditionalistische Politik" des Gewerkschaftssekretariats kritisiert wurde, die den Schwerpunkt auf Lohnkämpfe als Teil des Kampfs gegen die bürgerliche Regierung setzt. Stattdessen solle die DKP führend beim Umbau der Gewerkschaften sein, um sie für neue Herausforderungen zu rüsten. Hervorgehoben wurden besonders die Auswirkungen der technologischen Revolution auf die Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse, was Forderungen nach Arbeitsinhalten und -bedingungen, nach Ausbildung und Mitbestimmung in den Vordergrund schieben werde. Das Gewerkschaftssekretariat hatte mit einer sehr scharfen Kampagne dagegenhalten, die kurz vor dem Kongreß in einer kaum verhüllten Spaltungsdrohung gipfelte. Auf dem Kongreß selbst traten die Traditionalisten (.,Beton-Stalinisten*) kaum noch in Erscheinung. Kein einziger ihrer Kandidaten wurde ins 35köpfige ZK gewählt. Eine Mittelgruppierung um Anker Schjerning, die mit ihrem ,,Vorschlag zur Sammlung" die beiden Flügel wiedervereinen zu wollen behauptete, konnte auch nur vier Sitze erreichen. Da die Wahl als Personenwahl durchgeführt und ein Antrag zur Mindestvertretung von Minderheiten abgelehnt wurde, wi- Ole Sohn derspiegelt das Ergebnis allerdings nicht das reale Kräfteverhältnis: die Beton-Stalinisten" erhielten durchschnittlich 25%, die „Mittelgruppe" 48% und der neue Vorsitzende, Ole Sohn, 76% der Delegiertenstimmen. Mit der komfortablen Mehrheit im neuen ZK haben die Erneuerer jetzt die Chance, ihre Politik ohne Gefahr von Repression durch die Betonfraktion zu entwickeln und offen zu diskutieren. Bereits auf dem Kongreß war abzusehen, daß der bisherige Minimalkonsens (Wechsel der Füh- ALGERIEN