In Inprekorr, Nr. 221, November 1989, hatten wir uns an die Lesérinnen und Leser seit langem zum erstenmal wieder mit einer Bitte um Spenden gewandt. Wir hatten dabei auf die Funktion von Inprekorr als internationalistische Zeitschrift verwiesen. Wir schrieben: Die sozialistische Gesellschaft, die wir anstreben, läßt sich im nationalen Rahmen allein nicht verwirklichen - das beweist die internationale Dimension der sog. Menschheitsfragen" ebenso wie die Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterklasse über die Länder- und Systemgrenzen hinweg • gegen den Imperialismus, aber auch gegen bürokratische Bevormundung und Ausbeutung. Ob sich eine solche Einheit herstellen läßt, hat etwas damit zu tun, ob in der Arbeiterklasse eine einheitliche Auffassung darüber hergestellt werden kann, wer der Gegner und welches die Zielsetzung ist. In diesem Sinne kam es uns immer ebensosehr darauf an, in der BRD oder der Schweiz die sozialistische Opposition in Osteuropa zu unterstützen, wie es uns in Polen oder Ungarn darauf ankam, die Befreiungsbewegungen in vom Imperialismus abhängigen Ländern zu unterstützen. Dieser Erziehung im Geiste des proletarischen Internationalismus hat sich die Zeit- reine ratione Mi schrift Inprekorr immer verschrieben — ihr Eintreten für eine revolutionäre Masseninternationale ist die organisatorische Konsequenz davon." Die Ereignisse in der DDR haben diese Sichtweise in einem unmittelbaren Sinne bestätigt. Der vom westdeutschen Kapital anvisierte Ausverkauf der DDR, ihre Überlebensfähigkeit als eigenständiger Staat auf nichtkapitalistischer Grundlage wird auf Dauer nur möglich sein, wenn es grundlegende antikapitalistische Umwälzungen auch bei uns gibt. Die sozialistischen Kräfte in der BRD und die in der DDR sind in einer Art Schicksalsgemeinschaft aneinandergekettet; für eine Formulierung gemeinsamer Zielsetzungen und gemeinsamer Aufgaben im Kampf gegen Kapital und Bürokratie ist das Verständnis für und die Auseinandersetzung mit der jeweils anderen Position eine Grundvoraussetzung. Dazu will Inprekorr einen Beitrag leisten. Mit der Sondernummer zur DDR im Dezember haben wir einen Anfang gemacht, auch in dieser Ausgabe sind wieder eine Reihe von Dokumenten aus der DDR abgedruckt.
Inprekorr wird künftig vermehrt auch Leserinnen und Leser in der DDR haben. breitung zu sichern.
Spenden bitte auf das Konto: isp-Verlag GmbH, Abt. INPREKORR, Postgiroamt Frankfurt (BLZ 500 100 60) 365 84-604.
großen Kräften sein werden: der FREDEMO, die etwas mehr als 30% der Stimmen erhielt, und der IU, die fast 17% erreichte. Die APRA ihrerseits erlitt eine Niederlage großen Ausmaßes: sie siegte in keinem einzigen der 40 Distrikte von Lima, und auf nationaler Ebene gewann sie nur in zwei Provinzhauptstädten: Trujillo und Cajamarca. Die FREDEMO siegte stattdessen in zwölf Hauptstädten, die IU in sieben, darunter vor allem Cuzco, die historische Hauptstadt Perus. In Lima gewannen wir in acht Distrikten.
Diese Resultate lassen uns auf eine Zentralisierung der Kräfte der Linken hoffen, die es erlauben würde, sich unter besseren Bedingungen der FREDEMO entgegenzustellen.
• Welche Position habt ihr bezuglich des Sendero Luminoso!
• Persönlich glaube ich, daß der Sendero eindeutig eine Kraft vom Typ Pol Pots ist, die gemäß einer fundamentalistischen Logik handelt. Der Sendero definiert sich über das pensamiento Gonzalo", das vierte Schwert des Marxismus- Leninismus-Maoismus. Sie betrachten sich zugleich als Leuchtturm der Weltrevolution, in dem Maße wie der Revisionismus die Kontrolle über alle sozialistischen Erfahrungen der Welt ergriffen und sie in den sowjetischen oder chinesischen Sozialimperialismus oder den albanischen, koreanischen, vietnamesischen oder kubanischen Revisionismus verwandelt hat. Von dererlei Beurteilungen werden nicht einmal die FSLN oder die FMLN verschont.
Gemäß dieser Konzeption ist der Sendero gleichzeitig die Partei, die Front und der Keim sowie das Wesen des neuen Staates. Sein Hauptkennzeichen besteht in der Eliminierung aller „Opponenten" . Einer der „Beiträge" Abimael Guzmáns zur Dialektik ist seine Auffassung, daß das Wesen der Dialektik im Antagonismus des Widerspruchs wurzelt, d.h. in der permanenten Tendenz, den Gegensatz zu eliminieren. Dies führt zu einer ständigen Polarisierung von Widersprüchen und auf sozialem Terrain zur Notwendigkeit einer militarisierten Partei und eines militarisierten Staates. Wir haben ein anderes politisches Projekt als der Sendero. Wir glauben, daß ein Projekt, in dem der Generalsekretär der Partei gleichzeitig der oberste Kommandant ist, dessen Befehlen bedingungslos gehorcht werden muß, nur zu einem System ohne Debatte, ideologische Auseinandersetzung und Demokra- PERU tie führen kann.
Aber der Sendero ist nicht das Hauptproblem in Peru. Das Hauptproblem ist das herrschende System. Der Sendero ist in gewisser Weise ein Kind des Systems. Seine Verirrungen können nur als Spiegel des herrschenden Systems selbst betrachtet werden. Das Problem Sendero zu meistern heißt das Problem zu meistern, das dieses System darstellt. Das Interview führte Renato Sierra. Termine 16.-21. April: Schulung über ,,Revolution und Organisation" in Amsterdam (siehe auch Kasten in diesem Heft).
12.-13. Mai: Tagung zur antirassistischen Arbeit in Paris.
19.-20. Mai: Vollversammlung der Mitglieder der IV. Internationale in der BRD, Frankfurt/M., Haus der Jugend, Deutschherrenufer 12, Beginn Samstag 14.00 Uhr. Teilnahmeberechtigt sind aus der BRD und Westberlin nur die Mitglieder der VSP.
8.-10. Juni: Tagung der Verantwortlichen für die Gewerkschaftsarbeit in Amsterdam.
9.-10. Juni: Europäisches Automobilarbeitertreffen.
23.-24. Juni: Europäisches Treffen der im Gesundheitswesen Beschäftigten (Paris).
21.-29. Juli: Internationales Jugendlager in Belgien (näheres wird noch bekanntgegeben).
31.8.-2.9.: Frauentagung in Amsterdam.
September: Lehrertagung in Amsterdam.
22. September: Für diesen Tag ist eine Veranstaltung in der BRD zum 50. Jahrestag der Ermordung Trotzkis geplant.
29. September: Veranstaltung zum selben Thema in Paris.
Anmeldung für alle Termine (außer Inprekorr-VV und Jugendlager) bei Hans-Jürgen Schulz, Jesselallee 29c, D-2000 Hamburg 73, 2 (040) 6 78 43 87.
FREDEMO und Izquierda Unida
FREDEMO
Dem rechten Bündnis gehören folgende Parteien an:
die Acción Popular (AP - Volksaktion) von Fernando Belaúnde Terry: die Partido Popular Cristiano (PPC - Christliche Volkspartei) von Luis Bedoya Reyes; schließlich die Freiheitsbewegung (MOLI - Movimiento Libertad), deren Vorsitzender der bekannte Schriftsteller Mario Vargas Llosa ist.
Izquierda Unida
Die Vereinigte Linke ist ein Zusammenschluß verschiedener Parteien und Parteienbündnisse, zu dem sowohl revolutionäre als auch reformistische Kräfte gehören:
Die bedeutendsten Organisationen des linken Flügels sind die Union der Revolutionären Linken (UNIR - Unión de Izquierda Revolucionaria) - ein Parteienbündnis mit der maoistischen Kommunistischen Partei Perus/Rotes Vaterland (PC del P/Patria Roja) als Hauptkraft — sowie die PUM. Die PUM entstand 1984 durch einen Zusammenschluß mehrerer Organisationen und Strömungen unterschiedlicher Herkunft. 1986 löste sich auch die peruanische Sektion der IV. Internationale in der PUM auf. Die Hauptkraft des Reformismus innerhalb der IU ist die presowjetische Peruanische Kommunistische Partei (PCP). INDREKORR 226
die Internationale
Nr.37/lI - 1990