Die Parlamentswahlen in der Republik Irland vom 15. Juni ergaben ein Dáil (Parlament) ohne klare Mehrheitsverhältnisse. Das ist das vierte Wahlergebnis ohne klaren Ausgang bei fünf Wahlen seit Juni Die Wahlen waren durch eine Zunahme der Stimmen für die Linksparteien insgesamt gekennzeichnet, aber auch durch eine Marginalisierung der antiimperialistischen Kräfte. ie markantesten Resultate dieser des örtlichen Krankenhauses gewandt D Wahlen waren: hatte, machte Fianna Fáil einen Sitz ab- • Ein Rückgang für Fianna spenstig. Fáil, die regierende bürgerliche Partei, • Ein schlechtes Abschneiden von Sinn die traditionell nationalistische Gefühle Féin, der republikanischen Organisation. am meisten ausgebeutet hat. Fianna Fáil Sinn Féin gewann 1,2% der Stimmen und ging in die Wahlen mit 81 Parlamentssit- keinen Sitz. Dies bedeutet gegenüber den zen von 166. Dieses Mal erhielt sie einen Wahlen vom Februar 1987, wo sie 2,0% identischen Stimmenanteil - 44,1% -, erhielt - was selbst ein schlechtes Resulaber nur 77 Sitze, so daß sie sich als Re- tat ist -, einen Rückgang. Der Verlust gierungspartei einer Gesamtopposition wird zum Teil der Tatsache zugeschrievon 89 Sitzen gegenübersehen würde. ben, daß sie weniger Kandidaten aufge- • Ein noch schlechteres Ergebnis er- stellt hatte, doch Sinn Féin erzielte nirzielte die von einem Pakt aus Fine Gael gendwo eine Wirkung. Angesichts desund Fortschrittlichen Demokraten (PD - sen, daß es einen beträchtlichen Anteil Progressive Democrats) gebildete rechte von Proteststimmen gab, die in eine an- Alternative. Fine Gael gewann zwar vier dere Richtung gingen, ist Sinn Féin iso- Sitze und hat nun 55 Abgeordnete, doch lierter als vor zwei Jahren. die Progressive Democrats erlebten ein Zur der Zeit der Abfassung dieses Arti- Disaster. Ihr Stimmenanteil sank von kels sind Fianna Fáil und die anderen 11,8% auf 5,5%, was ein Verlust von rechten Parteien dabei, miteinander zu acht Sitzen bedeutete, so daß sie nun nur verhandeln, um mit dem ihnen von den noch mit sechs Abgeordneten im Parla- Wählern hinterlassenen Durcheinander ment vertreten sind. Fast alle diese Ver- fertig zu werden. Irgendein Abkommen luste kamen ihren Verbündeten, Fine wird zweifellos dabei herauskommen. Gael, zugute. Aus diesem und anderen Für Fianna Fáil läuft es auf zwei Mög- Gründen, die weiter unten dargelegt wer- lichkeiten heraus: ein Abkommen entweden, scheint die „„Ehe" aus Fine Gael und der mit Fine Gael oder den Progressive Progressive Democrats einem frühen und Democrats. (Sowohl Labour als auch die herben Ende entgegenzugehen. Workers' Party haben für sich jede Koali- • Ein klarer Ruck nach links. Die La- tion mit den rechten Parteien ausgebour Party und die Workers' Party [aus schlossen.) der früheren „Official IRA" hervorgegangen, aber heute proimperialistisch Fraktionskämpfe auf eingestellt] gewannen jeweils drei Sitze. der Rechten Die Grünen sind aus dem Nichts gekommen, gewannen einen beachtlichen Stim- Ein Fianna Fáil/PD-Abkommen wäre menanteil und ziehen nun mit einem Ab- voller Ironie. Die Progressive Democrats geordneten ins Parlament ein. Das sensa- wurden vor vier Jahren gegründet, nach tionellste Ergebnis der Wahl war das Re- einer Abspaltung von Fianna Fáil. Dies sultat in der westlichen Grafschaft Ros- war das Ende eines Fraktionskampfes common. Ein unabhängiger Kandidat, innerhalb Fianna Fáil, der bis auf den der sich gegen die drohende Schließung Ausbruch der Massenkämpfe für die nationale Befreiung in Nordirland 1968 zurückgeht.
Fianna Fáil behauptet das ihr Hauptziel die Sicherung eines vereinigten Irland der 32 Grafschaften und der Abzug der britischen Truppen aus den sechs Grafschaften im Norden ist. Dieser Anspruch wurde 1968 durch den revolutionären Aufstand der unterdrückten katholischen Minderheit einem harten Test unterworfen. Fianna Fáil geriet ins Trudeln: ein Flügel, einschließlich des jetzigen Führers von Fianna Fail, Charles Haughey, versuchte, den Aufstand durch direkte Verbindungen mit den Aufständischen im Norden unter Kontrolle zu bekommen. Es wurden Vorwürfe erhoben, nach denen eine Reihe von Führern von Fianna Fáil, darunter auch Haughey, am Waffenschmuggel beteiligt gewesen sein soll. Haughey und seine Freunde, insbesondere Neil Blaney, wurden damals erfolglos vor Gericht gestellt. Der heutige Führer der Progressive Democrats, Des O'Malley, war ein führendes Mitglied der Anti-Haughey-Fraktion in Fianna Fáil.
1979 kam Haughey an die Spitze von Fianna Fáil, aber er mußte in den achtziger Jahren eine Reihe von Angriffen O'Malleys abwehren. O'Malley verlor die interne Auseinandersetzung und bildete zusammen mit drei anderen Parlamentsabgeordneten von Fianna Fáil 1985 die Progressive Democrats. Abgesehen von der Differenz in der Frage der nationalen Einheit warfen die Progressive Democrats Haughey auch vor, nicht bereit zu sein, eine ausreichend strenge Sparpolitik durchzuführen.
In Wirklichkeit unterschieden sich die Progressive Democrats dadurch nicht sehr von der anderen großen bürgerlichen Partei, Fine Gael. Doch dies hätte gegenüber dem Wähler ein unattraktives Bild abgegeben, nach dem Motto „Alter Wein in neuen Schläuchen". Daher stellten sich die Progressive Democrats als entschiedene Befürworter von Steuerkürzungen, Privatisierungen und einem heftigen Antinationalismus usw. dar. Sie schnitten bei den Wahlen von 1987 gut ab und gewannen 14 Mandate. Doch ihre Gewinne gingen fast vollständig auf Kosten von Fine Gael. Das Resultat war eine Minderheitsregierung - anstatt einer Mehrheitsregierung — von Fianna Fáil. Diese Regierung — unter Führung Haugheys, der • bête noir der Progressive Democrats erwies sich ihrerseits als die rechteste seit Jahrzehnten. Fianna Fáil führte einen rücksichtslosen Angriff auf das Gesundheitswesen durch, kürzte rigoros bei öffentlichen Ausgaben und institutionalisierte die Auslieferung politischer Straf-
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MOON täter an Großbritannien oder Nordirland genscheinlich wenig gelernt. Fine Gael's - die Liste ist endlos. Stimmenanteil war stets zu gering, um allein eine Regierung zu bilden. Sie benötigte stets Koalitionspartner. Zwischen Fine Gael - ein politischer 1970 und 1987 bildete Fine Gael eine Vampir ständige Koalition mit der Labour Party. Das Ergebnis war, daß die Labour Party Diese Regierung hatte es im Parlament kontinuierlich an Unterstützung verlor leicht, da die einzige wirkliche Opposi- und Fine Gael stärker wurde. 1987 war tion von der Labour Party, der Workers' die Labour Party dermaßen geschwächt, Party und drei unabhängigen Abgeordne- und die Positionen von Fine Gael gingen ten ausgeübt wurde. Zu Beginn der Le- so stark nach rechts, daß die Labour gislaturperiode kündigte Fine Gael-Füh- Party das sinkende Regierungsschiff verrer Alan Dukes an, daß er Fianna Fáil ließ. Sie überlebte kaum die Wahl vom anläßlich wichtiger Fragen nicht stürzen Februar 1987 und erreichte nur 6.7% der würde: Fine Gael's Strategie der „kon- Stimmen - ihr geringster Anteil seit struktiven Opposition" war entstanden. 1933 (und ihr zweitschlechtestes Ergeb- O'Malley nis seit dem Bürgerkrieg 1921-23). Manchmal stimmten die Progressive Unglücke wie diese passieren den Koa- Democrats mit den beiden großen litionspartnern von Fine Gael regelmäßig Rechtsparteien und schlossen sich der — Alan Dukes' Partei ist eine Art politi- Strategie der konstruktiven Opposition" scher Vampir, der das Blut seiner „Veran, manchmal gaben sie sich der Opposi- bündeten" aufsaugt. Die Progressive Detionspolitik um ihrer selbst Willen hin. mocrats sind sein jüngstes Opfer. Diese Unbeständigkeit war so eklatant, Nach den letzten Wahlen blieben als daß sie anfingen, bei Meinungsumfragen PD-Abgeordnete nur noch ehemalige schlechter abzuschneiden. Zusätzlich Opponenten Haugheys aus ihrer Zeit in mußten sie zu ihrem Ärger feststellen, Fianna Fáil zurück. Die meisten derjenidaß Haughey zum Liebling der Ge- gen, die ihr Mandat verloren, kamen aus schäftswelt geworden war. Das große Fine Gael, und es ist klar, daß ihre loka- Geld hatte die Progressive Democrats in len Parteiorganisationen sehr schwach der Anfangszeit unterstützt; in den letzten beiden Jahren hat es sich verstärkt Fianna Die ideologischen Gründe für die ur- Fáil zugewandt. sprüngliche Spaltung zwischen O'Malley Angesichts einer sich abzeichnenden und Fianna Fáil sind verschwunden, und Wahl machten die Progressive Demo- Neuwahlen könnten für die Progressive crats eine letzte verzweifelte Anstren- Democrats das Ende bedeuten. Ihre eingung, um ihren Hals zu retten. Sie bilde- zige reale Möglichkeit, Schlimmeres zu ten ein Pakt mit Fine Gael. verhüten, ist ein Abkommen mit ihrem Die Progressive Democrats haben aus alten Gegner Haughey. Für O'Malley der irischen politischen Geschichte au- muß es bitter sein: er ist angetreten, eine IRLAND
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Regierung Haughey zu verhindern, und hat sie doch unvermeidlich gemacht! Verschärfte Angriffe auf Lebensstandard geplant Diese Wahl war auch ein Rückschlag für Fianna Fáil. In den bürgerlichen Medien ist die Partei wegen ihrer strengen" Politik sehr gelobt worden, und sie erzielte bei den Umfragen regelmäßig Stimmenanteile von 50 bis 54%. Die Strategie der „konstruktiven Opposition" garantierte ihre Position im Parlament, doch Haughey befürchtete, daß Dukes und O'Malley ihre Unterstützung schließlich aufkündigen und Wahlen unter für Fianna Fáil ungünstigen Bedingungen erzwingen könnten, und zwar deshalb, weil die Kürzungen anfingen, auf eine Menge zornigen und entschiedenen Widerstand zu stoßen, und daher die Möglichkeit bestand, daß Fine Gael und die Progressive Democrats auf einen Anti- Fianna-Fáil-Zug aufspringen könnten. Außerdem plante Fianna Fáil für den Herbst weitere Angriffe auf den Lebensstandard und rechnete damit, daß sie für vier Jahre eine stabile Parlamentsmehrheit benötigen würde, um vor den wahrscheinlich zu erwartenden Reaktionen sicher zu sein.
Dieses Manöver ist nun auf Haughey zurückgefallen. Die Kürzungen im Gesundheitswesen wurden ein Hauptthema im Wahlkampf, und das Fianna Fáil/PD- Bündnis versuchte, die berechtigte Empörung der Wähler auszuschlachten. Sie machten den Vorschlag, 60 Millionen Pfund in den nächsten zwei Jahren für die Kürzung der Wartelisten auszugeben,
IRLAND und kombinierten dies mit Forderungen nach Einsparung von nichtmedizinischem Personal. Wie man an den Wahlergebnissen sehen kann, überzeugte diese Position nicht viele Leute, sie öffnete vielmehr der parlamentarischen Linken die Tür. Die Strategie der ,,konstruktiven Opposition" fiel auf Fine Gael und die Progressive Democrats zurück.
Fianna Fáil versuchte sich aus der Klemme herauszuwinden, indem sie be- DRITTE
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Ende oder Durststrecke der Revolution? Basisdemokratie oder Parlamentarismus? Noam Chomsky: Die, sanfte' Erdrosselung. In DRITTE WELT 6/89: - Wirtschaftskrise Lehren für andere Befreiungsbewegungen? • Außerdem: Abrüsten für Entwicklung * Uruguay * Namibia * Mercedes Sosa * Interview mit V. Tirado Solidaritätsbewegung - wohin? Bonn finanziert die innere Front Kurzinfos * DRITTE-WELT LeserInnenservice, Coupon ausschneiden und obsenden an: Dritte-Welt Im linken und alternativen Buchhandel 33% Rabatt ab 10 Exemplaren oder direkt bei Leserionenservice, Gottesweg 54, 5 Koin 51 . Ex. DRITTE WELT 6/89 à 3 DM zzgl. 0,80 Parto Gottesweg 54, 5000 Köln 51 Ich bestelle: O.. • 1 Ex. kostenloses Probehelt Name
Straße WELTLeserinnen-Service, Postfach 510 868, PLZ, OM Datum, Unterschrif 5000 Köln 51, schriflich widerrufen durch meine Unterschrift Datum/Unterschrift hauptete, daß die beiden vergangenen Jahre Bestandteil einer großen Strategie gewesen seien, von der bisher nichts zu hören war. Die Kürzungen seien notwendig gewesen, um die nationalen Finanzen wieder in Ordnung zu bringen", und es würde nun die angeblich nächste Phase" der Entwicklung beginnen.
Dies ist Unsinn. Seit den frühen siebziger Jahren hat sich die Republik Irland immer mehr verschuldet. Seit den frühen achtziger Jahren haben alle bürgerlichen Regierungen eine sehr strenge Sparpolitik durchgesetzt, die angeblich darauf abzielte, die Verschuldung abzubauen. Tatsächlich ist die Verschuldung weiter gewachsen und hat unter Fianna Fáil über 150% des Bruttosozialprodukts erreicht. In dieser Situation wird jede rechte Regierung eine sich stufenweise verschärfende Sparpolitik durchführen, ungeachtet der Wünsche der Wähler.
Dieser fraktionelle Kampf unter den rechten Parteien hat eine materielle Basis: das Kapital fordert weitere Angriffe auf den Lebensstandard, was jedoch die Massenbasis dieser Parteien bedroht, und es gibt einen ständigen Versuch, die Verantwortung von einer Partei auf die andere zu schieben - innerhalb der Parteien auch von einer Fraktion auf die andere. Es ist klar, daß dieser Zank sich fortsetzen und wahrscheinlich verstärken wird.
Die allgemeine Auswirkung ist die, daß über rechte Politik generell ein Fragezeichen zu machen ist und sich eine wachsende Lücke für die Kräfte der linken Opposition auftut. In diesem weiteren Sinne lautete das „wirkliche Wahlresultat": ein Verlust für alle Rechtsparteien (Fianna Fail, Fine Gael, Progressive Democrats) von alles in allem acht Sitzen und ein Reingewinn von acht Sitzen fur die Linke (Labour Party, Workers' Party, andere). Dieser Trend wird wahrscheinlich solange anhalten, wie die Linke sich jeder formalen Koalition mit der Rechten enthält und die Unterstützung kapitalistischer Minderheitsregierungen vermeidet.
Nationale Frage nicht im Vordergrund
Es wäre nicht klug zu glauben, daß die Führungen der Workers' Party und der Labour Party den Erwartungen entsprechen werden, die in sie seitens der Wähler, die einen Kampf gegen die Sparpolitik erwarten, gesetzt werden. Es ist jedoch wichtig, sich klarzumachen, warum sie wachsende Unterstützung finden (zusammen mit den Grünen und Unabhängigen), während Sinn Féin marginalisiert wird.
Wie bereits erwähnt, ging die Labour Party 1987 aus einer fast zwanzigjährigen Koalition mit Fianna Fail als geschlagen hervor. Während dieser Zeit hatte sie cinen beträchtlichen Teil ihrer Unterstützung aus der Arbeiterklasse an die Workers' Party verloren, insbesondere in Dublin. (Tatsächlich übertraf die Workers' Party die Labour Party in der Hauptstadt mit 11,4% der Stimmen, gegenüber 9,5% für letztere.)
Aber die Workers' Party kann nicht länger zu Lasten der Labour Party wachsen: beide Parteien sind daran gebunden, keiner Regierungskoalition beizutreten. Der Gewinn von zwei Sitzen für die Workers' Party auf Kosten der Labour Party wird sich wohl kaum wiederholen. In einem Wahlkreis hinterließ der verstorbene Labour-Abgeordnete keinen Nachfolger, in einem anderen gab der Abgeordnete der Labour Party sein Mandat zugunsten einer (erfolgreichen) Kandidatur zum Europäischen Parlament zurück. Somit ging nur eines der drei von der Workers' Party hinzugewonnenen Mandate auf Kosten der Rechten. Im Gegensatz dazu gewann die Labour Party fünf Sitze zu Lasten der Rechten hinzu, was in der Regel auf die Unzufriedenheit der Arbeiterklasse mit der Sparpolitik zurückzuführen ist.
In einer Reihe von proletarischen Wahlkreisen Dublins schnitten die Kandidaten der Labour Party sehr gut ab und werden ihre Position wahrscheinlich bei den nächsten Wahlen festigen.
Obwohl die nationale Frage bei diesen Wahlen nicht im Vordergrund stand, stellt sie für die Workers' Party möglicherweise ein Existenzproblem dar. Die meisten Angehörigen der Arbeiterklasse unterstützen noch Fianna Fáil aufgrund ihrer nationalistischen Herkunft. Dagegen hat die parlamentarische Linke eine erschreckende Bilanz zu dieser Frage aufzuweisen, insbesondere während der Jahre der Koalition mit Fine Gael. Aber auch dies ist dabei, sich zu verändern, seitdem die Koalition aus Fianna Fáil und Labour Party 1987 auseinandergebrochen ist. Persönlichkeiten der Labour Party beginnen nun, gegen die Auslieferungspolitik oder die Verbannung von Sinn Féin aus den Medien sowie zugunsten von Opfern der britischen Klassenjustiz Stellung zu beziehen. Diese Entwicklung erreichte einen vorläufigen Höhepunkt, als der führende linke Labour- Abgeordnete Emmet Stagg bei einer öffentlichen Versammlung verkündete, daß seine Partei für den Abzug der britischen Truppen aus Nordirland eintreten würde. Bis jetzt hat dies nicht zu wirklich handfesten Ergebnissen geführt, doch die Tür ist nun Sozialisten geöffnet worden, die bereit sind, diese Fragen aufzugreifen. Die Wahlen waren durch die Begeisterung der Workers' Party für die „Ein-
heit der Linken" geprägt, und dies traf auf ein zustimmendes Echo. Doch schließt die Workers' Party darin nicht den Norden mit ein: ihr Führer De Rossa nannte Stagg wegen dessen Rede zum britischen Truppenabzug einen ,Faschisten"
In der neuen Phase, in der die Linksparteien nun beide in der Opposition sind, ist die Workers' Party der Konkurrenz von Labour-Kandidaten ausgesetzt, die einen Standpunkt zur nationalen Frage einnehmen. In De Rossas eigenem Wahlkreis hätte ein Labour-Kandidat, der sich gegen die drohende Ausweisung eines dort Ansässigen gewandt hatte, beinahe ein zweites linkes Mandat gewonnen. Solche Vorfälle werden sich wahrscheinlich in Zukunft wiederholen.
Marginalisierung von Sinn Féin
Fast keine olle bei dieser sailE sie Radikalisierung hat begonnen, und die Republikaner stehen im Abseits. Es gab vor zwei Jahren, nach den Wahlen von 1987, eine Reihe von Warnzeichen für Sinn Féin. Damals haben wir geschrieben:
„Die Kampagne legte Schwächen in der Wahlkampfstrategie von Sinn Féin bloß. Die Republikaner haben die Perspektive, durch stetige Arbeit zu Fragen der lokalen Gemeinde eine Basis aufzubauen und als Resultat der akkumulierten Früchte dieser Arbeit schließlich eine nationale Alternative zu werden. Der Ausgang dieser Wahlen sollte diese Illusionen zerstören." (International Viewpoint, Nr. 116, 23. März 1987.) Das war zu optimistisch. Sinn Féin versuchte, genau dieselbe Art der Kampagne durchzuführen, nur in weit geringerem nationalen Ausmaß, mit weniger Mitgliedern und geringerer Begeisterung.
Wir haben damals auch unsere Beunruhigung über das Auftauchen „ultralinken militaristischen Abenteurertums" zum Ausdruck gebracht, und dies erwies sich als wohlbegründet. In den letzten Monaten hat die IRA ein Katz-und-Maus-Spiel mit der britischen Armee gespielt und Sprengstoffanschläge auf die Eisenbahnlinie Dublin-Belfast verübt. Abgesehen von dem Ärger, der den Fahrgästen gemacht wird, wird dabei auch das Leben der Streckenarbeiter gefährdet. Diese Operation hat es proimperialistischen Kräften wie der Workers' Party ermöglicht, in der Gewerkschaftsbewegung der Republik gegen die Republikaner in die Offensive zu gehen. Die „Kampagne"* wurde von der IRA einige Tage nach den Wahlen wieder aufgenommen. Es gab in den letzten Jahren weit schlimmere „Irrtümer", und sie geschehen regelmäßig. Es besteht kein Zweifel, daß dies die Isolation von Sinn Féin in der Republik verstärkt. Damit einher geht ein Versagen im Kampf um die Führung der Gewerkschaftsbewegung. Kurz nach der 1987er Wahl handelte Haughey ein Abkommen mit der Gewerkschaftsbürokratie aus, daß ihm eine vollkommene Rükkendeckung für seine rechte Politik gab. Man kann gut verstehen, warum Reformisten wie die Workers' Party oder die Labour Party, die mit der Gewerkschaftsbürokratie materiell verbunden sind, dieses heikle Thema umgehen. Es steht im krassen Gegensatz zu ihrer Wahlpropaganda.
Doch was ist mit Sinn Féin? Während der Wahlen war darüber nichts von ihr zu hören, und in den vergangenen Monaten hat sie in einer sehr ernsten Sache kläglich versagt. Der Gewerkschaftsaktivist John Mitchell war zuerst aus dem irischen Gewerkschaftsverband (ICTU) und dann aus seiner eigenen Gewerkschaft, der Irish Distributive and Administrative Trade Union (IDATU), nach einer Hexenjagd ausgeschlossen worden. Der Grund dafür war die Opposition gegen seine Bemühungen, die schlecht bezahlten katholischen Arbeiterinnen und Arbeiter im Norden gewerkschaftlich zu organisieren, sowie gegen seine praktische Tätigkeit zu Fragen wie der Auslieferung politischer Straftäter. Mitchell hatte politische Differenzen mit Sinn Féin, wobei es strittig ist, wer Recht und wer Unrecht hatte. Doch für jeden Aktivisten, der nicht blind vor Sek- IRLAND tierertum und Opportunismus ist, war es klar, daß Mitchell gegenüber einem Angriff der Bürokratie verteidigt werden mußte. Sinn Féin enthielt sich in diesem Kampf und gab ihre politischen Differenzen mit Mitchell als Ausrede an. Letzten Endes verlor Mitchell seinen Kampf und schloß mit der Gewerkschaft einen finanziellen Vergleich ab. Dies rief seitens der Sinn Féin-Aktivisten einen sektiererischen Spott hervor. Augenscheinlich war es ein „Ausverkauf für Mitchell, einen Vergleich abzuschließen, nachdem der Kampf verloren war. Es ist jedoch schade, daß die Initiatoren der Hexenjagd nicht die gleiche Feindseligkeit seitens der Republikaner auf sich zogen wie Mitchell.
Diese Heuchelei wird Sinn Féin teuer zu stehen kommen: sollte eines ihrer Mitglieder einer solchen Hetzkampagne ausgesetzt sein, haben dann andere Sozialisten das Recht, politische Differenzen" als Begründung für eine Nichtbeteiligung an der Kampagne zu ihrer Verteidigung anzugeben?
Langfristig ist dies ein unheilvolles Symptom, denn jede Weiterentwicklung des politischen Kampfes wird eine direkte Konfrontation mit der Gewerkschaftsbürokratie zur Folge haben — eine Bürokratie, die sogar die Idee der „kritischen Unterstützung" einer Fianna Fáil-Minderheitsregierung in Umlauf gebracht hat. Die Wähler haben jedoch gezeigt, daß sie auf mehr Appetit haben. Das sollte all diejenigen ermutigen, die sich für eine Arbeiterrepublik in Irland einsetzen. *
SUDAFRIKA