• Ich glaube, daß es viel einfacher ist, heute mit Trotzkisten oder Maoisten zu diskutieren. Und ich meine, daß das Hauptproblem bei unseren Beziehungen zur SAP nicht ihre internationalen Beziehungen sind, sondern mehr unsere Meinungsverschiedenheiten über die nationale Politik.
Ich bin der Meinung, daß sie eine sektiererische Einschätzung einiger unserer nationalen Probleme, z.B. zur Friedensbewegung haben. Bei den Linkssozialisten hat es eine kleine Gruppe gegeben, die der Auffassung war, daß die Kommunisten immer noch Stalinisten seien. Doch der Trotzkismus als solcher ist in meinen Augen kein Problem.
• Was ist mit der Frage der EG? • Zu dieser Frage gibt es eine Übereinstimmung unter den drei Parteien. Ich denke, daß sie alle drei aktiv in der Volksbewegung gegen die EG sind. stärker an der breiteren Friedensbewegung beteiligt ist. Die Plattform der Fricdensbewegung ist gegen die Politik der NATO, aber sie fordert nicht den sofortigen Austritt Dänemarks.
Wir haben hier Diskussionen darüber gehabt, ob wir die Liste für Leute öffnen sollen, die gegen die NATO-Politik aktiv sind, aber derzeit den Austritt Dänemarks nicht befürworten. Die Kommunisten wollen die Liste für alle Kräfte in der Friedensbewegung öffnen, die sich aktiv gegen die Politik der NATO wenden. • Die Italienische Kommunistische Partei vertritt eine Position zugunsten des Verbleibens in der NATO und des Versuchs, sie zu verändern. Gibt es für diese Auffassung Sympathien in der DKP?
• Nein. Wir meinen, daß die skandinavischen Länder einen stärkeren Einfluß auf die internationale Friedens- und Abrüstungspolitik außerhalb der NATO haben sollten. Doch wir denken, daß solange Dänemark in der NATO ist, die Volkskräfte in den NATO-Ländern zusammenarbeiten sollten und wir auf die dänische Regierung Druck ausüben sollten, damit sie innerhalb der NATO Vorschläge gegen die militaristische Politik macht. • Einige Kommunistische Parteien vertreten Vorstellungen über die Möglichkeit der Verwandlung der EG, über ihre Demokratisierung und das Ausnutzen ihrer Institutionen für fortschrittliche Politik. Finden solche Auffassungen in der dänischen KP Anklang?
• Nein. Natürlich meinen wir, daß wir die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften, den Werktätigen und progressiven Leuten über die Grenzen hinweg verstärken sollten. Aber wir sind gegen die Stärkung der Institutionen der EG, weil die dänische Arbeiterklasse bessere Möglichkeiten hat, die nationalen Institutionen zu beeinflussen als die EG- Institutionen.
Solange wir nicht in der Lage sind, die Politik der europäischen Integration zu stoppen, können wir natürlich den EG- Institutionen nicht gleichgültig gegenüberstehen. Sie verfügen über eine Menge Geld. Wenn das Nicaragua-Komitee und andere Kräfte Geld und Hilfsmittel aus dem EG-Haushalt haben wollen, dies für die Zukunft als möglich an? • Wenn die Zusammenarbeit gut läuft und die Parteien, die an diesem Prozeß des Dialoges teilnehmen, sich und anderen Kräften näher kommen, dann können wir natürlich den nächsten Schritt tun, um gemeinsame Wahlkampagnen zu führen. Doch wir müssen mit dem Anfang beginnen.
• Aber es wird schwierig werden, unorganisierte Leute dazu zu bringen, die Kampagne aktiv zu unterstützen, wenn es drei verschiedene Komitees gibt. • Ja. Das war ein schwieriger Prozeß. Eine der Schwierigkeiten war, daß SAP und VS auf einer hohen Ebene begonnen haben und sich dann nach unten bewegten. Sie fingen mit der Idee an, daß die drei Parteien die Initiative zu einer vereinigten sozialistischen Liste ergreifen sollten, die eine breite Plattform haben, eine gemeinsame Kampagne führen und gemeinsame Positionen einnehmen sollte. Wir begannen mit der Vorstellung, daß die drei Parteien weiter als drei unabhängige Parteien agieren, eine Minimalplattform finden und von dort aus versuchen sollten, weiter zu gehen. Ein Erfolg war, daß die beiden anderen Parteien gemerkt haben, daß es nicht möglich war, von diesem hohen Grad der Einheit auszugehen. • Was ist, wenn jemand ins Parlament kommt? Welche Haltung würdet Ihr gegenüber der Regierung einnehmen? Würdet Ihr für die Sozialdemokraten als Regierungspartei stimmen? ein, dalle pa dem Same darin, der Königin, empfehlen sollen, den Führer der größten Arbeiterpartei — der Sozialdemokratie —, mit der Führung der Regierung zu beauftragen.
demokrateh unid Radiaten us erstialzen?
• Das ist eines der Dinge, über die wir diskutiert haben. Unserer Auffassung nach hängt es von der konkreten Situation ab und von der Bewegung und der politischen Basis in der Bevölkerung. Wir werden eine sozialdemokratische Regierung nur wegen der guten Dinge unterstützen und nicht für alles, was sie tut. Auch das
ist etwas, was wir mit SAP und VS diskutiert haben.
Ich meine, sie machen aus diesen Radikalen eine zu große Sache. Unser wirkliches Problem sind nicht die Radikalen, unser wirkliches Problem ist die Sozialdemokratie. Wollen die Sozialdemokraten eine wirkliche Arbeiterpolitik, eine wirkliche Volkspolitik, eine Politik gegen die NATO, oder wollen sie Zusammenarbeit mit den herrschenden Klassen? Das ist das wirkliche Problem.
Ich glaube nicht, daß die Formel der SAP politisch korrekt ist, denn sie sagen, daß diese kleine Radikale Partei fähig sein wird, die Sozialdemokraten zu dominieren. Ich meine, daß das wirkliche Problem innerhalb der sozialdemokratischen Bewegung selbst liegt.
menarbeit auf den Bereich diese Zewerkschaften auszudehnen?
• Diese Liste ermöglicht es anderen Kräften, die keine Parteien sind, Kandidaten zu nominieren - Individuen, Gewerkschaften, Erwerbslosenbewegungen oder Umweltgruppen. Diese Liste macht es also möglich, gewerkschaftliche Kräfte in neuer Weise in die Politik-einzubringen.
Ich bin sicher, daß die Gewerkschafter, die die Kommunistische Partei oder VS unterstützen, diese Liste mit einer Menge Sympathie betrachten. Und ich bin auch sicher, daß viele Sozialdemokraten und SF-Anhänger dieses Projekt mögen werden, weil viele Leute die kleinen Organisationen DKP und VS dafür kritisiert haben, daß sie verantwortlich seien, daß 4% der Stimmen im Parlament nicht vertreten sind und daß es zwar eine Mehrheit für die Arbeiterparteien in der Bevölkerung, aber nicht im Parlament gibt. unterstützen?
+ Wir glauben nicht, daß Friedensorganisationen sie als solche unterstützen werden, wohl aber, daß Individuen, die in Friedensorganisationen mitarbeiten, an ihr teilnehmen.
• Sollte die Liste eine klare Bezugnahme auf den Sozialismus haben? • Nein, nicht explizit. Diese Kräfte müssen allerdings begreifen, daß die wirklichen Gegner ihrer grünen oder Friedensideale die kapitalistischen Kräfte sind, und sie müssen die entsprechenden Schlußfolgerungen über die Notwendigkeit der Volksmacht und des Sozialismus ziehen. * DÄNEMARK medizinische Hilfe für El Salvador zum Aufbau einer landesweiten medizinischen Notversorgung, zur Unterstützung der Selbstorganisationen der Bevölkerung.
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NACHRUFE
C.L.R.James, Schriftsteller und Revolutionär
Innerhalb von zwei Monaten sind zwei herausragende Pioniere des Trotzkismus in Großbritannien verstorben — Harry Wicks im April und nun C.L. R.James. Doch während Harry bis zum Schluß ein überzeugter Trotzkist blieb, entwickelte James eigene politische und philosophische Auffas- Internationale Arbeiterbewegung sungen, die ihn vom Trotzkismus wegführten. Im Jahre 190i in Trinidad gebo- | Sloan - selbst kein schlechter Redren, galt sein erstes Interesse dem ner - regelrecht nieder. Kricket — ein Sport, der einst als ty- Seine Qualitäten als Redner und pisch englisch galt, doch den sich Schriftsteller spielte James besonders James' karibische Heimat längst zu wirkungsvoll nach dem Einmarsch eigen gemacht hatte. In den hitzigen Mussolinis in Abessinien [1935] aus. politischen Debatten nach dem Er- •Seine Artikel in der Zeitung der ILP. sten Weltkrieg entwickelte er zunch- New Leader, gehören zu seinen gemend eine kritische Haltung gegen- lungensten Beiträgen. über dem Kolonialregime. Insbeson- 1936 erschien World Revolution dere zog ihn die vom. Bürgermei- 1917-1934. Dies war die erste umfasster von Port of Spain, André Cipri- sende Studie des Aufstiegs der ani, geführte Volksbewegung an. III. Internationale unter Lenin und Eine seiner ersten politischen Schrif- Trotzki und ihres anschließenden ten war eine Biographie Ciprianis, Niedergangs unter Stalin. Trotzki die später in einer revidierten Aus- nannte es ein gutes Buch und tadelte, gabe unter dem Titel The Case for daß der Autor die Dialektik nicht ver- West Indian Self-Government er- stehe. Dies führte dazu, daß James schien. ein intensives Studium der Hegel- 1932 kam James nach England, wo schen Methode betrieb. Das Resultat er sich zunächst in Nelson in Lanca- waren seine Notes on Dialectics, shire niederließ, in einer Gegend mit worin er behauptet, daß es Trotzki einer starken radikalen Tradition. sei, der die Dialektik. mißverstehe, Die Arbeitskämpfe dieser Zeit sollten und daß seine Geschichtsphilosophie einen nachhaltigen Eindruck bei ihm fehlerhaft sei. hinterlassen. Wie er später sagte, , Sary y andren specte t waren die Arbeiter von Lancashire seine Lehrer im Klassenkampf. mes eine bedeutende Rolle im Komi- In. Lancashire las er auch Trotzkis tee zur Verteidigung Trotzkis gegen Geschichte der Russischen Revolu- die Verleumdungen im Zusammention, die ihn zum Studium von Marx, hang mit den Moskauer Prozessen. Engels und Lenin führte. Von dieser Obwohl er sich weiter an trotzkisti- Zeit an identifizierte sich James mit schen Zirkeln beteiligte, konzender sozialistischen Revolution. 1934 trierte er sich zunehmend auf seine trat er der Independent Labour Party Tätigkeit als Schriftsteller und For- (ILP) bei, wo er in der trotzkistischen scher. Marxist Workers Group aktiv war 1936 erschien sein Roman über das und ihr führender Polemiker wurde. Elend des Alltagslebens in der Kari- Diejenigen von uns, die in jenen bik, Minty Alley, und er arbeitete an Tagen mit ihm zusammen waren, er- seinem magnum opus, seiner Studie innern sich noch gut an seine große des ersten erfolgreichen Sklavenaufeindrucksvolle Gestalt und seine hef- standes der Geschichte, der Revolte tigen Angriffe gegen den Stalinis- von Santo Domingo. The Black Jacomus. Nur einmal hatte die Kommuni- bins wird heute als die klassische stische Partei den Mut, mit ihm in Arbeit über dieses epochale Ereignis eine Debatte zu treten. In der Isling- angesehen. 1938 veröffentlichte er ton-Bibliothek im Norden Londons auch A History of Negro Revolt. machte er den Vertreter der KP, Pat Nach der Vereinigung der meisten der britischen trotzkistischen Gruppen 1938, war James einer der Delegierten der Gründungskonferenz der IV. Internationale und wurde in das Internationale Exekutivkomitee gewählt. 1938 ging James in die USA und warf sich sofort in die Arbeit der US-amerikanischen trotzkistischen Organisation, der Socialist Workers Party (SWP), wobei er sich vor allem mit Fragen beschäftigte, die die Schwarzen betrafen. Er verbrachte einige Wochen bei Trotzki in Mexiko, wo sie über die Frage einer autonomen Bewegung der Schwarzen diskutierten. Innerhalb der SWP setzte er sich für eine Wende zur schwarzen Bevölkerung ein.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und die Krise in der SWP, die sich um ihre Position zur Sowjetunion drehte, führten James dazu, seine Differenzen mit Trotzki weiter zu entwickeln. Für James war die Unterzeichnung des Hitler-Stalin- Paktes der Beweis, daß die UdSSR nicht länger ein Arbeiterstaat sei, den es zu verteidigen galt. Zusammen mit Raya Dunayevskaya bildete er die Johnson-Forest-Tendenz, die theoretische Positionen entwickelte, die ihn immer weiter von den Positionen Trotzkis und der IV. Internationale entfernten. Sie vertraten die Auffassung, daß die stalinistischen Parteien außerhalb der Sowjetunion nicht mehr länger „Werkzeuge des Kremls" seien, sondern „ein organisches Produkt der kapitalistischen Produktionsweise unserer Epoche" Die UdSSR sei kein deformierter Arbeiterstaat, in dem die Bürokratie die Staatsmacht usurpiert habe, sondern staatskapitalistisch. Sein Bruch mit dem Trotzkismus war nun vollständig.
James beteiligte sich auch aktiv an der zunehmenden Revolte gegen die Kolonialherrschaft, besonders in Afrika. Kwame Nkrumah war sein Schützling, und er hatte die Hoffnung, daß Nkrumah den Kampf für ein freies und sozialistisches Afrika anführen würde. Er zögerte nicht, mit Nkrumah zu brechen, als er die Richtung sah, die dieser einschlug. In seinen letzten Jahren wurde CLR - wie er allgemein genannt wurde - fast zu einer lebenden Legende. Sein Heim in Brixton wurde zu einem Wallfahrtsort schwarzer Revolutionäre aus der ganzen Welt. Seine Interessen waren weitgestreut und kosmopolitisch. Eine leidenschaftliche Liebe zu Shakespeare und
Beethoven wetteiferte mit seiner Hingabe für Kricket und sein unverändertes Interesse für revolutionäre Politik.
Sein ganzes Leben lang war er ein Optimist. An seinem achtzigsten Geburtstag sprach er zu einer jungen Zuhörerschaft in Chicago: Ich werde die südafrikanische Revolution noch erleben. Ich glaube nicht, daß ich die amerikanische Revolution noch erleben werde, aber wenn ihr eure Revolution macht, dann werde ich schon einen Weg finden, hierher zu kommen und mich euch anzuschließen."
Dieser revolutionäre Optimismus, dieser ungebrochene Glaube an die Zukunft der Menschheit war der kennzeichnendste Zug von Cyril Lio-