Die Krise, die Mexiko durchmacht, hat sich verschärft, vor allem weil die seit 60 Jahren regierende PRI seit den Wahlen völlig diskreditiert ist.' Ihre Kontrolle über die Massen ist geschwächt. Sie ist mit einer internen Krise konfrontiert, da ihre verschiedenen Gruppierungen recht widersprüchliche politische Projekte vertreten, trotz der scheinbaren Einheit in ihrem Kampf gegen die Bewegung, die sich hinter der Gestalt von Cuauhtémoc Cárdenas sammelt. in Sektor der mexikanischen Bourgeoisie, der durch den am / I.Dezember 1988 in sein Amt eingeführten Präsidenten der Republik, Salinas de Gortari, repräsentiert wird, hält es für notwendig, das gesamte traditionelle politische und ökonomische Schema der PRI zugunsten einer „Modernisierung" , die die Aufgabe des bis dato praktizierten Populismus beinhaltet, zu ändern. Salinas fehlt jedoch die Unterstützung, um sein Modernisierungsprojekt zu verwirklichen, denn die alten gewerkschaftlichen Strukturen sowie die der Bauernschaft, die mit der PRI verbunden sind, stellen sich dem entgegen. Diese Widersprüche haben sich zugespitzt und sind am Tag nach den Wahlen mit dem Erfolg von Cárdenas offen ausgebrochen.
Katastrophale wirtschaftliche Situation
Aber dieses Modernisierungsprojekt stößt auch auf wirtschaftliche Hindernisse. Es ist eine Sache, einen solchen Prozeß in Zeiten der Prosperität auszulösen, und eine andere, mitten in der Wirtschaftskrise zu versuchen, eine Modernisierung durchzuführen. Und Mexiko ist cines der am meisten von der Krise geschüttelten Länder Lateinamerikas, betroffen vom Sinken des Ölpreises und der Rohstoffe und vor allem durch die Last der Verschuldung.
Diese ist auf mehr als 100 Milliarden Dollar gestiegen, und allein der Schuldendienst verschlingt 6% des mexikanischen Sozialprodukts und 45% der gesamten Exporterlöse. Die mexikanische Regierung hat keinen Nutzen davon gehabt, daß sie eine der folgsamsten Schülerinnen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist.
Die Situation ist für die Regierung umso schwieriger, als sie in den Augen eines bedeutenden Teils der Bevölkerung ihre Legitimität verloren hat. Aber dies bedeutet nicht, daß sie keinen Manövrierraum mehr hat. Nach den Wahlen konnte die Regierung einen Teil der Intellektuellen zurückgewinnen, die, nachdem sie für Cárdenas gestimmt hatten, schließlich ihre Unterstützung wieder Salinas gaben. Diese Art der Rückgewinnung hat Tradition in Mexiko, denn der Staat besitzt eine große Fähigkeit die Intellektuellen, die im Land eine bedeutende Rolle spiclen, zu integrieren.
Offene politische Unterstützung Salinas hat zur Legitimierung auch den Besuch Fidel Castros und Daniel Ortegas ausnützen können, die bei seiner Amtseinführung zugegen waren. Binige Tage vor Beendigung seiner Amtszeit hatte Miguel de la Madrid einen offiziellen Besuch in Kuba unternommen. Dies war die erste offizielle Reise eines mexikanischen Präsidenten seit der kubanischen Revolution, und sie hatte nur einen Zweck: die Anwesenheit Castros bei der Zeremonie der Amtsübernahme in Mexiko sicherzustellen.
Castro und Ortega sagten ihr Kommen zu. Die mexikanische Bourgeoisie stand einem Besuch Castros sehr reserviert gegenüber, aber schließlich wurde er von den Machthabern gut genutzt. Viele Leute waren über das, was wie eine offene Unterstützung Castros für Salinas erschien, sehr enttäuscht. Es ist faktisch das erste Mal, dall Castro nach Mexiko kam, und es handelte sich nicht nur um eine symbolische Anwesenheit bei einer Zeremonie. Nach ihr begab sich Castro auch nach Tuxpan, von wo die Expedition der Granma ausgegangen war?, um dort ein kleines Museum über die kubanische Revolution zu eröffnen. Er wurde vom mexikanischen Innenminister begleitet, der damals Castro und Che Guevara verhaftet, aber auch gut behandelt hatte. Nun ist dieser Minister aber der Chef der Polizeikräfte, d.h. er trägt die Verantwortung für alle Menschenrechtsverletzungen in Mexiko, insbesondere für die Verschwundenen.
Die Reaktion der Leute war demnach in Hinblick auf die Anwesenheit Castros und Ortegas sehr aggressiv. Eine Demonstration und Versammlungen wurden organisiert, wo sie ihre Enttäuschung zum Ausdruck brachten. Die Reaktion war jedoch in bezug auf Ortega nuancierter, denn jede(r) war sich der wirtschaftlichen Probleme Nicaraguas und des geringen Manövrierraums der sandinistischen Führer wohl bewußt. Auch wenn die Anwesenheit Ortegas zweifellos ein ebenso großer politischer Fehler war wie die Castros, richtete sich die Kritik im wesentlichen gegen letzteren. In seinen Reden denunzierte Castro die Drohungen des Imperialismus gegen Kuba und Nicaragua und die Gefahren einer militärischen Aggression. Er fügte hinzu, daß z.B. ein revolutionärer Aufschwung in einem wichtigen Land wie Brasilien eine solche Aggression erschweren könne. Doch für Mexiko, das zweite Land Lateinamerikas, in dem die Massen einen ersten Schritt im Kampf gegen die Regierung und den Imperialismus getan haben, zog es Castro vor, der mexikanischen Regierung eine totale Unterstützung zu gewähren, gegen die Massen!
Für die mexikanischen Massen ist dies schwer zu begreifen, und es ist klar, daß diese Haltung Castros sich gegen Kuba
wenden wird. Cárdenas hielt seinerseits eine sehr aggressive Rede gegen Castro, in der er erklärte, daß die mexikanische Bevölkerung die nicaraguanische und kubanische Revolution unterstütze, doch nicht automatisch auch ihre Führer. Auch die Revolutionäre Arbeiterpartei (PRT), die mexikanische Sektion der IV. Internationale, beteiligte sich an der Debatte und erklärte, daß sie Kuba und Nicaragua weiter unterstützen werde, aber dieser Besuch Castros und Ortegas nicht im Interesse der Revolution in diesen Ländern sei.
Denn wer wird Druck auf die mexikanische Regierung ausüben, damit sie Kuba und Nicaragua unterstützt, wenn nicht die mexikanische Bevölkerung, die heute in Opposition zu ihrer Regierung steht?
Die Gewerkschaftsbewegung
In der Gewerkschaftsbewegung behält die Regierung noch einen gewissen Manövrierraum, trotz der Krise innerhalb der PRI. Die wichtigsten Gewerkschaftsführer sind tatsächlich unfähig, mit dem Staat zu brechen, denn ihre gesamten Privilegien beruhen ao ihren zahlreichen Verbindungen zum tsapparat.
Vor einigen Monaten kam es zwischen der wichtigsten Gewerkschaftsorganisation, der CTM und der kleineren CROC, die kürzlich die Unterstützung des Staates erhalten hatte, zu gewaltsamen Zusammenstößen. Diese Form der Konfrontation zwischen gewerkschaftlichen Strukturen läuft Gefahr, in den kommenden Monaten häufiger zu werden, denn der Staat will nicht länger, daß die CTM die Hegemonie in der Arbeiterbewegung behält. Die alte Gewerkschaftsbürokratie, wie sie von Miguel Velásquez symbolisiert wird (der seit 1930 an der Spitze der CTM steht!), ist zu einem Hindernis für die staatlichen Modernisierungsprojekte geworden.
Parallel dazu entwickelt sich ein bedeutender Prozeß der Mobilisierung im gewerkschaftlichen Sektor, aber außerhalb der unmittelbaren Kontrolle des Apparates. Es sind nicht die Gewerkschaftsführungen, die über Datum und Ort der Kämpfe entscheiden, sondern die spontan mobilisierenden Werktätigen, „neben" den gewerkschaftlichen Strukturen. Lächerliche Lohnerhöhungen
So demonstrierten im Dezember Hunderttausende von Arbeiterinnen und Arbeitern des öffentlichen Dienstes, der fast 2,5 Millionen Lohnempfänger umfaßt, gegen die von der Regierung vorgeschlagene Lohnerhöhung von 8% für das ge- ¡DESAPARECIDOS •- PRESENTACIONT * Revolucionario * Traba jador es LOS QUEREMOS VIVOS" samte kommende Jahr, was angesichts ihre Gegner und Konkurrenten physisch der Inflation und der niedrigen Realein- liquidiert haben. Trotzdem hat diese kommen eine lächerliche Summe ist. Gewerkschaft eine nationalistische, car- Auch diese Mobilisierung fand außerhalb denistische Vergangenheit, der gewerkschaftlichen Strukturen statt, mit der Verstaatlichung des Erdöls in den aber auch außerhalb der der linken politischen Organisationen.* Cuauhtémocs Vater, der immer enge Dies alles läßt vermuten, daß wir in Verbindungen zu den gewerkschaftlichen den beiden kommenden Jahren scharfe Strukturen bewahrt hatte. Bei den Wah- Widersprüche und Krisen, nicht nur zwi- len im Juli 1988 unterstützte die Erdölgeschen dem Staatsapparat und den Ge- werkschaft implizit die Kampagne seines werkschaftsstrukturen, sondern auch in- Sohnes, indem sie ihm finanziell und von nerhalb dieser Strukturen erleben wer- Fall zu Fall auch politisch unter die Arme den. Es ist mit Brüchen in dem Teil der griff. Bürokratie zu rechnen, der am meisten In diesem Zusammenhang entwickelte mit der Gewerkschaftsbasis verbunden sich das, was Salinas den Übergang" und noch dem Druck der Arbeiterinnen nannte. Aber dies ist ein Übergang, der und Arbeiter ausgesetzt ist. sehr verschieden ist von dem, was in an- Tatsächlich haben letztere in den S0er deren Ländern Lateinamerikas geschehen und 60er Jahren einen kontinuierlichen ist, wo es sich darum handelte eine Mili- Anstieg ihrer Einkommen verzeichnet, tärdiktatur durch einen verfassungsmäßiaber die Lage hat sich schroff geändert. gen und mehr oder weniger demokrati- In manchen Bereichen, wie der Erdölin- schen Prozeß abzulösen. In Mexiko verdustrie, betrug der Durchschnittslohn in läuft der Übergang mit derselben Partei den 70er Jahren das Zehnfache des Min- an der Macht, der PRI, und mehr noch, destlohnes, während dies heute nur noch ohne eine Übereinkunft und eine Transdas Doppelte ist. Dies ist eine bedeutende formation der Strukturen dieser Partei. Wandlung, die gut die Veränderungen im Lebensstandard der mexikanischen Der schwierige Übergang Werktätigen widerspiegelt. Von daher ist es auch nicht erstaunlich, daß die Erdöl- Nach dem Wahlbetrug im Juli mußte arbeiter die wichtigste Rolle bei den Aus- die PRI anerkennen, daß sie nicht mehr einandersetzungen innerhalb der Ge- als 52% der Stimmen hatte. Aber die orwerkschaftsbewegung gespielt und eine ganisatorische Tradition und die ideologisehr aggressive Linie gegen die Regie- schen Bezugspunkte dieser Partei erlaurung entwickelt haben. ben keine reale Verlinderung des Systems Ihre Gewerkschaft besitzt 100.000 der Einheitspartei, d.h. es wird in Me- Mitglieder und eine bedeutende ökonomi- xiko keinen Übergang auf Initiative der sche Macht. Sie wird von wirklichen PRI geben. Gewerkschaftsgangstern geführt, die alle Cárdenas hat das verstanden; er reprä-
VANGUARDIA AGRARISTA sentiert einen möglichen Übergang, aber auch das, was er vorschlägt, ist sehr verschieden von dem, was im übrigen La- POPULAR MEXICANA teinamerika gesciicht. Cárdenas zählt nicht auf die Unterstützung des Imperia- RECUERDA A EL HOMBRE QUE LUlismus und der nationalen Bourgeoisie, denn in den Augen der letzteren symboli- •WOZ 04003 CHO POR DARNOS "TERRA Y LIBERTADE siert er den Kommunismus. Die Bourgeoisie ist der Meinung, daß es aufgrund dessen, was er im Bewußtsein der Bevöl- 1c10 /IVA! EMILIANO ZAPATA İ VIVA kerung darstellt, nicht möglich ist, sich auf ihn zu stützen, um den Übergang zu verwirklichen.
Dies ist einer der Gründe, die die Möglichkeiten eines Spitzenabkommens zwischen Cárdenas und Salinas erschweren. Im übrigen verteidigt Cárdenas das alte populistische Konzept des mexikanischen Staates, wie ihn sein Vater aufgebaut hat, in der Frage der Verschuldung, der Löhne, der Verstaatlichungen usw. Er ist daher total gegen die Modernisierungsvorstellungen von Salinas, der die Privatisierungspolitik der vorangegangenen Regierungen fortsetzen will. In sechs Jahren wurden von 1800 staatlichen Unternehmen 1400 privatisiert oder einfach geschlossen, wenn die Bourgeoisie sie nicht kaufen wollte. In diesem Punkt sind also die beiden Projekte unvereinbar. Ein Projekt gegen den Strom
Cárdenas* Projekt hat alle demokratischen und nationalistischen Hoffnungen der Armen Mexikos kanalisiert, aber es geht gegen die allgemeine Strömung. Z.B. in Peru, wo Alan García, der ein ähnliches Projekt hatte, dieses nicht verwirklichen konnte, denn es stand im Gegensatz zur weltwirtschaftlichen Lage. Wir sind nicht mehr in den 30er oder 40er Jahren, als es möglich war, eine Produktion zu entwickeln, die auf dem Ersatz für Importe von Fertigwaren beruhte, was die Grundlage für den Aufschwung nationalistischer Strömungen war.
Inzwischen hat sich die Situation mit der Abhängigkeit vom IWF, der Durchdringung der heimischen Wirtschaft durch das ausländische Kapital dermaßen gewandelt, daß dem Populismus kaum noch Raum bleibt.
Sicher, Cárdenas wird nicht zum Aufstand oder zum Generalstreik gegen die Regierung aufrufen, aber trotz seiner Schwächen und seines Zögerns, kann er keine Spitzenabkommen mehr eingehen, denn die Bewegung, die ihn bis heute unterstützt hat, würde sich dann gegen ihn wenden.
Im Unterschied zu anderen Massenbewegungen in Lateinamerika ist der Radikalisierungsprozeß in Mexiko recht beeindruckend. Die Leute haben z.B. keine Angst vor der Armee. Anderswo hatten es die Leute eilig. die Militärdiktatur los- 346 zuwerden, aber Angst davor, daß die Militärs blieben oder daß es einen neuen Staatsstreich geben würde. Die Bourgeoisie hat so diese Angst vor dem Militär benutzt, um die Bewegung in einen kontrollierten Übergang zu leiten. In Mexiko dagegen hat die Bevölkerung nicht dasselbe erlebt und die Armee nicht als Bedrohung gesehen. Sie übt daher auf Cárdenas einen starken Druck aus, damit er weiter und schneller voranschreitet. Cárdenas ist sich auch bewußt, daß er nicht siegen kann, wenn er nicht zumindest einen Sektor der Bourgeoisie, der Armee und der Gewerkschaftsbürokratie zur Unterstützung gewinnt. Er hat daher eine sehr vorsichtige Haltung eingenommen, besonders in bezug auf die Organisation der Massen.
Aber er hat sich dafür entschieden, diese Schlacht außerhalb der PRI zu schlagen und seine eigene Partei aufzubauen, was eine sehr widersprüchliche Situation schafft. Tatsächlich ist dieser Bruch mit der PRI im Bewußtsein der Volksmassen, angesichts der Beziehungen zwischen der PRI und dem Staat, ein Schritt nach vorn in Richtung auf die Klassenunabhängigkeit.
Cárdenas hat erklärt, daß der Aufbau seiner Partei, der Partei der Demokratischen Revolution (PRD), notwendig sei, um dem Wahlerfolg vom 6.Juli Ausdruck zu verleihen. Jedoch nicht alle Sektoren und alle Parteien, die damals seine Wahlkampagne unterstützt hatten, befinden sich heute in der PRD. Einige von ihnen unterhalten Verbindungen zu Cárdenas, verweigern aber die Teilnahme am Aufbau der PRD.
Die Bestandteile der PRD
Dagegen haben die Mexikanische Sozialistische Partei (PMS) - in ihr enthalten ist auch die ehemalige KP — und die gesamte extreme Linke, mit Ausnahme der PRT, sich dafür entschieden, der Partei Cárdenas' beizutreten. Somit gehören zur PRD: eine maoistische Organisation, die sich Organisation der Revolutionären Linken/Massenlinie (OIR/LM) nennt; Punto crítico, eine Organisation der Linken, zu der die wichtigsten Führer der Studentenbewegung von 1968 gehören; die Revolutionäre Nationale Bürgerunion (ACNR), ein Teil der revolutionären und nationalistischen Linken; Genossen und Genossinnen, die die PRT verlassen haben; Führer der Studentenbewegung von 1986; schließlich zahlreiche Intellektuelle und Unabhängige, die zum ersten Mal an einem solchen politischen Prozeß teilnehmen.
Cárdenas' Partei stellt sich als eine „Partei der Bürger" und nicht der Klasse dar. Aber diese „Partei der Bürger" ist voller Widersprüche, die bereits an den Tag getreten sind. Kurze Zeit nach der Gründung streikten die Angestellten der größten Universität des Landes, der UNAM, Die Mehrheit der Gewerkschaftsführer dieser Universität nimmt am Aufbau der PRD teil. Aber gleichzeitig gehört auch ein Teil der Verwaltung und der Behörden zu dieser Partei. Die ersteren nahmen am Streik teil, letztere bekämpften ihn heftig und erklärten, dieser Streik sei eine „Provokation"* Die PRD wird ständig mit Situationen dieser Art konfrontiert werden: z.B. sind
viele Mitglieder der Partei Bauern, aber zu ihr gehören auch zahlreiche Großgrundbesitzer. Die Debatte über die Agrarreform läuft daher Gefahr, explosiv zu werden! Denn auch hier stehen sich zwei unvereinbare Positionen gegenüber. Die Lage der PRT
Für die PRT ist die Lage ziemlich kompliziert. Nach 1982 haben wir geglaubt, daß ein Prozeß der Umgruppierung und Neuorganisierung der extremen Linken, auf der Grundlage einer Krise der Kmmunistischen Partei, eröffnet wird. Heute hat sich fast die gesamte extreme Linke vereinigt... hinter Cárdenas. Letzterer hat die totale Hegemonie über die Leitung des Prozesses — darüber gibt es keinen Zweifel, auch wenn manche, die ihm folgen, denken, dabei manövrieren und mit ihm über die Führung der Politik streiten zu können.
Die Gruppierung dieses Teils der Linken um Cárdenas wirft auch das Problem der politischen Orientierung auf. Heute entwickeln diese Gruppen eine vollkommen elektoralistische Vorstellung und weisen die radikale Perspektive der mexikanischen Linken zurück — nicht so sehr, weil sie der PRD beigetreten sind, sondern weil sie sich seinen Vorstellungen von der Massenbewegung und den Massenmobilisierungen angepaßt haben. Sie sagen z.B., daß es nicht möglich sei, gegenwärtig dem Staat entgegenzutreten, und man daher eine Periode von drei bis sechs Jahren durchmachen müsse, um die Dinge zu ändern.
Vom Standpunkt der PRT befinden wir uns im Vergleich zur Zeit der Wahlen in einer neuen Situation. Wir haben eine bedeutende politische Kampagne gegen den Wahlbetrug geführt. Wir haben dazu eine taktische Allianz mit Cárdenas und anderen Teilen gebildet, die den Sieg des Cardenismus verteidigt haben. Die Partei ist als in der Massenbewegung präsent und trotz ihrer Weigerung, der PRD beizutreten, nicht marginalisiert. Das Bündnis mit Cárdenas
Heute müssen wir zu zwei Arten von Fragen ein Bündnis mit Cárdenas bilden. Einerseits müssen wir die Schlacht um die Illegitimität der Regierung von Salinas führen und seinen Rücktritt fordern. Dies ist ein Punkt, den Cárdenas bei einer bedeutenden Mobilisierung vorgebracht hat und den wir verteidigen. Andererseits müssen wir auch zu einer Reihe von demokratischen Fragen zusammen handeln, Löhne, Verschuldung, Arbeitsplätze, demokratische Freiheiten usw. Das ist die minimale Grundlage für ein Eingreifen in die Massenbewegung. Das ist die Plattform für ein politisches Abkommen mit Cárdenas. Wir werden sehen, ob sie in die Praxis umgesetzt werden kann. Aber wir müssen diese Linie des Aufbaus einer politischen Front mit einer selbständigen Präsenz und Aktion der Partei verbinden. Die PRT ist nun nicht nur die einzige revolutionäre, sondern auch die einzige sozialistische Partei in Mexiko.
Wir haben also nicht mehr die Möglichkeit, Allianzen mit anderen Strömungen der extremen Linken einzugehen, um Druck auf die bürgerlich nationalistische Strömung auszuüben.
Dagegen müssen wir eine Front mit der nationalistischen Strömung bilden, und die Aktivisten der extremen Linken, die dieser bürgerlichen Partei beigetreten sind, werden sich gegen eine solche Front wenden, denn für sie stellt die PRT ein Hindernis dar.
Diese Sektoren sind gegen die Aufrechterhaltung einer unabhängigen Partei der Linken, denn ihre Basis zweifelt und zögert hinsichtlich der Politik, für die sie sich entschieden haben. Die PRT übt also durch ihre bloße Existenz auf diese Sektoren Druck aus.
Unsere Lage wird noch komplizierter durch die Notwendigkeit, unsere legale Registrierung wiederzugewinnen." Wir haben eine Kampagne zur Werbung von Unterstützern begonnen. Wir brauchen 65.000 Unterstützer für die Registrierung. Das Gesetz verlangt nicht nur, soviele Unterschriften zu sammeln, sondern die betreffenden Personen müssen auch erklären, daß sie mit dem Programm und dem Statut der Partei einverstanden sind. Wir glauben jedoch, daß dies möglich ist, denn die PRT hat in verschiedenen ist eine solche Kampagne nicht nur eine Anhängerwerbung, sondern auch ein Mittel zur Rekrutierung.
Für die PRT stellt sich also die Aufgabe, eine Partei von Zehntausenden von Anhängern aufzubauen, um eine autonome Kraft gegenüber der PRD zu werden, aber auch eine reale politische Kraft, die fähig ist, gegenüber dem Cardenismus in der Aktion Druck auszuüben. Die PRT ist im Prozeß der Reorganisation der Massenbewegung präsent. Z.B. hat sich in der Hauptstadt Mexiko, wo Cárdenas 48% der Stimmen erhalten hat - die PRI nur 23% -, gegenüber der offiziellen Stadtverordnetenversammlung eine parallele Versammlung konstituiert, an der neben den Cardenisten auch die PRT teilnimmt. Bei der Eröffnung dieser Versammlung hielten Cárdenas und [PRT-Präsidentschaftskandidatin] Rosario Ibarra de Piedra die Hauptredebeiträge.
Die PRT ist auch in der Bauernbewegung und in der Bewegung der Slumbe wohner aktiv. Sie ist in der Führung der Bauernorganisation UGOCEP vertreten. Dabei kommt es darauf an, sie mit allen anderen Bauernorganisationen, die sich außerhalb der UGOCEP befinden und die z.T. cardenistisch sind, zu vereinen, was zu einer Organisation von mehr als zwei Millionen Bauern führen würde. Ein solcher Vereinigungsprozeß würde auch einen starken Druck auf die mit der Macht verbundenen Bauernverbände ausüben.
Die Verstärkung der Bauernstrukturen
Die Intervention der PRT in manchen Regionen des Landes und ihre auf die Einheit hinzielende Politik haben die Gesamtheit der Strukturen der Bauernschaft gestärkt. Im Grenzgebiet zwischen den Staaten Veracruz und Oaxaca z.B. führt die PRT eine Bauernorganisation von 30.000 bis 40.000 Mitgliedern. Diese Arbeit erhält auch eine politische Dimension.
8000 Bauern haben an einer von der PRT organisierten Versammlung teilgenommen, auf der die Mitglieder des lokalen Parteikomitees vorgestellt wurden. Und es stellte sich heraus, daß sich diese Bauern als Mitglieder dieses Parteikomitees betrachteten! Die Partei mußte also ihre Strukturen neuorganisieren und mehrere Komitees in der Region einrichten. Ein weiterer Vorteil für die PRT ist die Diskreditierung der Wahlen und des Wahlsystems in den Augen eines bedeutenden Teils der Bevölkerung, infolge des Wahlbetrugs und der Mißachtung des Wählerwillens durch die Regierung, was sich in einem ständig größer werdenden Anteil an Stimmenthaltung ausdrückt. Bei den Regionalwahlen im Staat Tabasco betrug die Rate der Enthaltung 80%! Aber dies ist jedoch nicht das Zeichen für eine Entpolitisierung, denn die Demonstrationen und Versammlungen sind vor und nach den Wahlen keineswegs zurückgegangen. Allerdings beruht die gesamte Strategie von Cárdenas auf dem Aufbau und den Einsatz seiner Partei für die Teilnahme an Wahlen, und dadurch eröffnen sich für die PRT ungeheure Möglichkeiten. * Anmerkungen:
1. Siehe dazu Inprekorr. Nr.207, September 1988, S.3 2. Granma war der Name des Schiffes, auf dem Fidel Ca stro und Che Guevara im Dezember 1956 nach Kuba fuhren, um dort in der Sierra Macstra den bewaffneten Kampf gegen die Diktatur Batistas zu beginnen. 3. Bei den Wahlen vom 6. Juli 1988 erhielt die PRT offiziell 0,38% der Stimmen, was den Verlust der legalen Registrierung als Partei bedeutete, die sie durch ihr offizielles Wahl. ergebnis von 1,5% bei den Wahlen von 1985 erhalten hatte (siche auch Inprekorr, Nf.207, September 1988. 5.40).
KUBA
DIE REVOLUTION