Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Frankreich

Der weiße Terror

· Inprekorr Nr. 212, Februar 1989 · S. 15-19 · 2.808 Wörter

Frankreich Frauen Gewerkschaften und Streiks

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DER WEISSE TORNADO

ANNE-MARIE GRANGER

An einem schönen sonnigen Donnerstag im September stürmte, quasi zur allgemeinen Überraschung. die Bewegung der Krankenschwestern auf die soziale Bühne: die netten Schwestern, süß und hingebungsvoll" , strömten zu Tausenden auf die Straßen von Paris, um „Es reicht!" zu rufen. Bei einem Beruf ohne Kampftraditionen, mit geringem gewerkschaftlichen Organisationsgrad, gelang eine 90% ige Mobilisierung, die während der ganzen Woche durchgehalten wurde. Diese Bewegung löste eine wahre Schockwelle aus, die in ihrem Kielwasser andere Gruppen des Gesundheitspersonals mit sich führte. Daraufhin begann diese Welle, andere Bereiche des öffentlichen Dienstes zu ereichen... Sogar die französische Grammatik wurde umgewälzt: „Krankenschwestern in Wut", „Krankenschwestern im Streik" — der ganze Kampf wurde weiblich dekliniert', trotz der männlichen Krankenpfleger, die ebenfalls am Kampf teilnahmen. Dabei hatte sich die Grammatik nur der Realität gebeugt: der sichtbaren kollektiven Kraft der Frauen.

Aber dieser Kampf ist nicht nur durch seine Zusammensetzung weiblich. Es ist auch aufgrund anderer spezifischer Aspekte ein Kampf von Frauen. Der folgende Artikel, den wir der jüngsten Ausgabe (Nr.47) der von der französischen LCR herausgegebenen Cahiers du féminisme entnahmen, geht auf diese Aspekte ein, die bei den meisten Analysen zu oft übergangen werden. ieser Artikel ist die Frucht zahl- stern und Vertreterinnen anderer Berufe Valérie, alle Krankenschwestern im D reicher Diskussionen, die die der Branche aus verschiedenen Kranken- Krankenhaus Pitié-Salpetrière; Nadia, Redaktionsmitglieder der Ca- häusern geführt haben: Anne, Françoise, Schwesternschülerin in Paris; Aurore und hiers du féminisme mit Krankenschwe- Gracic, Myriam, Réjane, Sergine und Malika, Schwestern in der psychiatri-

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FRANKREICH schen Klinik von Ville-Evrard, sowie Mireille, Laborantin in demselben Krankenhaus; Marie-Françoise und Sylvie, Krankenpflegehelferinnen, Claude. Krankenschwester, und Isabelle, Säuglingsschwester, alle vier im Krankenhaus von Agen; Anne-Marie und Catherine, Schwestern im Hospital Grange-Blanche in Lyon, und Françoise, Sozialhelferin in der dortigen psychiatrischen Klinik; Violetta, Krankenschwester in einer Privatklinik in Aix-en-Provence; schließlich Irène und Pascal, Mitglieder des Büros der nationalen Koordination der Krankenschwestern.

Manche von ihnen waren bereits auf gewerkschaftlicher Ebene aktiv, in der CGT oder in der CFDT; Claude, die beiden Françoise sowie Pascal sind auch Mitglieder der LCR. Für die anderen, wie auch für Tausende von Frauen in dieser Bewegung, stellt dies ihre erste Kampferfahrung dar.

Humor, Phantasie, fröhliche Stimmung. Gesang, Zufriedenheit darüber, zusammen zu sein... Dies waren die hervorstechendsten Merkmale der verschiedenen Demonstrationen und Kundgebungen, die diese Mobilisierung durchzogen. Aber die Form ließ keine Unklarheiten über den Anlaß aufkommen. Was da zum Ausdruck kam, war eine sehr tiefe Unzufriedenheit: jahrelang hatten die Krankenschwestern geschwiegen, hatten sie alles eingesteckt, ohne etwas zu sagen. Die Reibungspunkte häuften sich. Heute ist endlich die Stunde der Abrechnung gekommen: sie bringen alles auf den Tisch, und sie reden. Zu niedrige Gehälter: 5800 Francs zu Beginn der Laufbahn, für drei Jahre Studium nach dem Abitur; die letzte Gehaltsaufbesserung reicht zurück bis... 1975, seitdem gab es keine Änderung.

Sie sprechen von erschöpfenden Arbeitsbedingungen, von diesen so einengenden Zeitplänen, von diesen Wochen ohne Wochenenden (nur ein freies Wochenende im Monat im Hospital von Agen), von der Schwierigkeit, alles miteinander zu verbinden: „unser Berufsleben, unser Gefühlsleben, unser Familienleben.* Manche arbeiten nachts, gezwungenermaßen* , wie Sylvie und Marie- Françoise aufgrund des Problems der Kinderbetreuung, und manche, wie Aurore, wollen davon nichts wissen, weil dir durch Nachtarbeit das Leben völlig aus der Hand gleitet."

Sie sprechen von der Sparpolitik im Haushalt, die seit mehreren Jahren den öffentlichen Gesundheitsdienst den Gesetzen der Rentabilität unterwirft und die Arbeitsbedingungen noch verschärft: der Personalstand, der abnimmt; wegen Mutterschaftsurlaub fehlende Mitarbeiterinnen, für die keine Vertretung eingestellt wird; aufgrund von Personalmangel ständig aufgeschobene Ruhetage; Dienste, die permanent nur auf „Sparflamme" durchgeführt werden können, mit Spannungen, die daraus unter dem Personal auftreten, und gegenüber den Kranken Schuldgefühle entstehen lassen. ,Wir machen eine dreijährige Ausbildung. aber dann schuften wir wie Roboter" erzählt Myriam. Wir haben nicht mehr Zeit, unsere Kranken zu pflegen; es ist wie in einer Fabrik! Wir geben unser Bestes und sind vollständig erschöpft... Und dann diese Arbeit als solche, mit ihren psychischen Belastungen, die tägliche Konfrontation mit dem Tod, der Krankheit, dem Leiden...

Bei all diesen Problemen, die sich da anhäufen, kann man sich da noch wundern über die bedeutende Wende, die in diesem Beruf festzustellen ist, wo die mittlere Laufbahn sieben bis acht Jahre dauert? „Sogar diejenigen, die standhalten," erklärt Irène, „verspüren das eine oder andere Mal den Drang, alles aufzugeben, wegzugehen. Das liegt an der Mühsal der Arbeit und an der Schwierigkeit, beides zu versöhnen, diese Arbeit und das andere: ein schöner Tag und am Ende bricht man zusammen!"

Aber heute geht es nicht mehr um Krankenschwestern, die individuell „zusammenbrechen* , jede in ihrer Ecke, und flüchten. Es ist der ganze Berufszweig. der zusammenbricht... und sich auflehnt. Über die Fragen der Löhne, der Ausbildung und der Arbeitsbedingungen hinaus werfen sie grundsätzlich das Problem der Anerkennung ihrer Qualifikation und ihres Berufes auf: „Nous sommes dans la rue pour avoir un statut [Wir sind auf der Straße, weil wir einen Berufsstatus haben wollen], " skandieren sie auf den Demonstrationen.

Der rasche Fortschritt der Medizin in den letzten Jahrzehnten hat die Krankenhauslandschaft und parallel dazu die Arbeitsbedingungen der verschiedenen Kategorien des Pflegepersonals, insbesondere der Krankenschwestern, vollständig umgewälzt: von bloßen „Hilfskräften" sind sie zu echten „Pflegetechnikerinnen" geworden. „Heute" , erklärt Catherine, „benutzen wir neue Techniken; unsere Arbeit hat nichts mehr mit der überlieferten Vorstellung davon zu tun. Sie umfaßt heute mehr fachliches Können, mehr Verantwortung. Die Krankenschwestern sind zunehmend allein mit den Kranken, sie machen heute Dinge, die früher den Medizinern vorbehalten waren."

Alle sind sich einig. diese Entwicklung anzuerkennen. Aber ihr Status hat damit nicht Schritt gehalten. Wenn sie fordern „2000 Francs mehr für alle!" und Ein Mindestgehalt von 8000 Francs!", so fordern sie bloß ein Gehalt, das dem Niveau ihrer Ausbildung und ihrer Verantwortung entspricht: Wir wollen anerkannt sein* bestätigt Nadia. „Wenn wir Krankenschwester' sagen, denken die Leute gleich an jemanden, der Spritzen gibt oder die Kranken wäscht. Sie vergessen die dreijährige Ausbildung und die Kenntnisse, die wir haben müssen... Als Rocard im Fernsehen von den 'unterqualifizierten' Berufen sprach, stellte er die Gefängniswärter und die Krankenschwestern auf eine Stufe, wobei mir das Essen im Halse stecken blieb! Wir sind keine Krankenwärterinnen, wir wollen, daß unsere Qualifikation anerkannt wird!" Bei dieser Forderung geht es darum, das ganze soziale Image ihres Berufes zurechtzurücken. Das Bild der ergebenen, immer opferbereiten Krankenschwester, dieses Bild stammt aus der Vergangenheit, in der die Krankenschwester eine Nonne war, die diesen wohltätigen Dienst aus 'Berufung' ausübte," erinnert Valérie. Schon in der Schule hat man uns diese Opferbereitschaft eingeimpft und uns unaufhörlich gesagt: "Wenn ihr Krankenschwestern seid, dann dürft ihr keine Uhr in der Tasche haben; ihr übt diesen Beruf aus, weil ihr ihn liebt, ihr werdet oft gezwungen sein, über eure normale Arbeitszeit hinaus zu arbeiten.'** Gehälter wie die anderen Dies alles wollen sie heute nicht mehr. Denn sie werden im Namen solcher Kriterien ausgenutzt und unterbezahlt, wie Nadia verdeutlicht: „Weil wir die Leute leiden sehen, besteht man auf der 'Berufung'; man sagt uns: 'eure Entschädigung ist es, Leben zu retten.' Einverstanden, aber davon haben wir noch lange nichts zu essen! Unter dem Vorwand, daß wir einen „sozialen" Beruf ausüben, soll die Bezahlung nicht so wichtig sein. Es ist wahr, daß dieser Beruf in der Hoffnung ergriffen wird, Menschenleben retten zu können, aber es ist auch nötig, realistisch zu sein: wir sind wie die anderen, wir arbeiten auch aus finanziellen Gründen, und es ist auch nicht nötig, sich deswegen zu schämen. Wir wollen keinen Heiligen-

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schein. Wir wollen nur, daß unsere Tätigkeit so betrachtet wird wie jeder andere Beruf auch, der eine Ausbildung erfordert."

Und Irène, die von der Misere des Berufs spricht, präzisiert ihrerseits: Es gibt dieses Gefühl, nicht wie echte Lohnempfängerinnen betrachtet zu werden. Der Grund dafür liegt zweifellos darin, daß wir Krankenschwestern sind. Wir erben zwei Dinge: wir sind Frauen, und wir sind Krankenschwestern.

All die traditionellen Gemeinplätze über die typischen Frauenberufe" treffen bei diesem Beruf in geballter Form aufeinander. Davon zeugen einige Äußerungen von männlichen Krankenpflegern, die in Le Monde vom 25.Oktober 1988 zitiert wurden: „Es ist ein Frauenberuf, weil die dazugehörenden Eigenschaften für Frauen typisch sind* • „Frauen erweisen sich als geschickter und sanfter* *; „ein Kranker befindet sich in einer Abhängigkeitssituation, er wird von den Krankenschwestern erwarten, ein bißchen "bemuttert' zu werden... ." Kurz, laut diesen- Stellungnahmen ist der Beruf der Krankenschwester nur die Verlängerung der „Mutterrolle" der Frauen!

Und wenn es nicht das Bild der „„Mutti" ist, das vorgebracht wird, „dann ist es das Gegenteil, das der 'Hure'* , fügt Valérie hinzu, die Frau, die unter ihrer Bluse völlig nackt ist und mit allen Ärzten schläft. ... Aber in jedem Fall, ob als Nonne oder Hure, werden wir nie als qualifizierte Person anerkannt, wie die Technikerinnen. Die Leute denken, daß 'Intuition' ausreicht, um diesen Job zu machen." Es gibt Klischees, die ein langes Leben haben!

Aber die Bewegung der Krankenschwestern hat angefangen, diesen alten ideologischen Plunder hinwegzufegen. Sie fordern Gleichberechtigung und Würde: Schluß mit den Zeiten der folgsam Ausführenden, die zum Verbinden da war, aber der man kaum das Recht zu denken zugestand. Sie stellen ihren Platz als Frauen in einer sehr hierarchischen Welt in Frage, in der die Macht männlich bleibt (85% der Ärzte sind Männer). Dies analysiert Irène in folgenden Worten: „Die Tatsache, daß dieser Beruf überwiegend von Frauen ausgeübt wird, erklärt auch, warum sich da so lange nichts bewegt hat. Es ist für Frauen nicht immer selbstverständlich, sich in der Gesellschaft in den Vordergrund zu schieben und zu revoltieren. Aber ich glaube, es erscheint nun eine neue Frauengeneration, die sich von jetzt an weigert, unter der Vormundschaft eines Arztes zu stehen — eines Arztes, der die meiste Zeit ein Mann ist. Es gibt - und ich glaube, daß dies etwas wesentliches bei der Mobilisierung ist — einen Willen, sich ihnen gegenüber als gleich zu betrachten, nicht gleich hinsichtlich der Funktion (wir fordern nicht, Medizinerinnen zu sein, das ist nicht unser Pro- BTO6 blem), aber wir wollen, daß unsere Stellung im Bereich der Gesundheit anerkannt wird, eine wichtige und zu lange vernachlässigte Stellung. * Anerkennung ihrer Qualifikation und ihrer Würde bei der Arbeit, Ablehnung der Hierarchie und der männlichen Macht, die Forderung nach Gleichberechtigung: unüberhörbar ist dies ein Echo der von der Frauenbewegung aufgeworfenen Fragen. Was in diesem Kampf auf dem Spiel steht, über das Recht auf Arbeit hinaus, das ist das Recht auf einen Beruf, der anerkannt wird, mit einem Lohn, der nicht mehr nur als „Nebenverdienst" betrachtet wird, vor allem ist es die Stellung der Frauen in der Arbeitswelt und, allgemeiner, ihr Status in der Gesellschaft auch wenn dies nicht explizit ausgedrückt wird.

Ein provokatorisches Dekret

Die aufeinanderfolgenden Regierungen, weit davon entfernt zu versuchen, eine Antwort auf die wachsende Misere des Berufs zu geben, haben seit 1978 Jahr für Jahr die Sparpläne fortgesetzt, die insbesondere Stellenstreichungen und Schlie- FRANKREICH

Bungen von Schulen im Gefolge hatten. In einem zweiten Zeitabschnitt haben die bedeutende Senkung der für die soziale und berufliche Förderung reservierten Kredite sowie die Einschränkung der Möglichkeiten während der Ausbildung zur Krankenschwester eine ernste Krise der Rekrutierung zur Folge gehabt (in vier Jahren ist die Zahl der in die Schwesternschulen Eingetretenen um 11% ge- H05 TERS sunken). Die einzige Lösung, die dazu von der Regierung vorgeschlagen wurde, war die Lockerung des Auswahlverfahrens für den Zugang zu den Schulen, der bis dahin für Abiturientinnen reserviert war, auf jede Person, die eine fünfjährige Berufstätigkeit vorweisen kann, welcher Art auch immer. Diese Maßnahme (das berühmte „Barzach-Dekret" vom 23.Dezember 1987) wurde von allen als eine zusätzliche Demütigung empfunden: anstatt auf die Krise der Rekrutierung durch eine reale Aufwertung des Berufs zu antworten, wurde das Niveau der Rekrutierung gesenkt. ,Darüber hinaus," fügt Catherine hinzu, ,wurde dieses Dekret im Hinblick auf die Öffnung nach Europa ausgearbeitet. Man muß wissen, daß Frankreich das Land ist, in dem die Krankenschwestern in ihrer Arbeit die meiste Verantwortung zu tragen haben und wo die Ausbildung die größten Anforderungen stellt. Unsere europäischen Kolleginnen werden noch schlechter bezahlt als wir. Das Dekret bereitet so die Nivellierung nach unten vor."

Zu dieser Zeit, im Februar 1988, führten die britischen Krankenschwestern einen massiven Streik für die Anerkennung ihrer Verantwortlichkeiten und ihrer Aus-

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FRANKREICH bildung. „Warum nicht auch wir?", ha- lich das Gefühl, kollektiv zu existieren. ben hier daraufhin zahlreiche Kranken- .Die Koordination widerspiegelt auch schwestern gedacht. diesen starken Wunsch nach der Anerkennung ihrer Würde". betont Dann folgte die Demonstration vom Françoise. 25.März auf den Aufruf einer Berufsvereinigung, der UNASIF, später die Ent- Wegen des berufsständischen Aspekts stehung der Koordination der Kranken- dieses Kampfes wurde bereits viel Tinte schwestern. Das war das Auftauchen ei- vergossen, wurde manche Debatte gener Bewegung, die sehr schnell alle Ge- führt, sowohl innerhalb als auch außergebenheiten des traditionellen politischen halb der Bewegung. Die Anschuldigung Spiels umstürzen sollte. des „Korporatismus" wurde mehrmals erhoben. Diese Frage, die bereits in der Zunächst durch ihren massiven und re- Diskussion über die Koordination der präsentativen Charakter: während die Eisenbahner im Winter 1986 aufgekom- Gewerkschaften sehr wenig in diesem men war, soll hier kurz untersucht wer- DES RESPONSABILITES DU TONNERRE DES HORAIRES D'ENFER = UN SALAIRE DE MISERE..

Bereich verankert sind, hat die Koordina- den. tion sofort fast 90% der Beschäftigten Es wäre vergeblich, die Probleme zu (einschließlich einer Anzahl von Gewerk- leugnen. Wenn die berufsständische Orschaftern und Gewerkschafterinnen) mit ganisation des Kampfes eine der Gründe sich gezogen. Es gibt dabei kein Geheim- für seinen Erfolg war, so hat sie auch nis: außer ihrer sehr demokratischen andererseits bei manchen Krankenschwe- Funktionsweise, auf die wir weiter unten stern Vorbehalte hervorgerufen: Annezurückkommen werden, wird dieser Er- Marie z.B. fühlte sich anfangs vom befolg durch die Tatsache erklärt, daß die rufsständischen Aspekt gestört, ebenso Koordination, während sie die spezifi- von der Forderung nach Aufhebung des schen Forderungen eines Berufsstandes Barzach-Dekrets", das in ihren Augen aufgestellt hat, es allen Berufszweigen mehr eine Chance für die soziale Fördedes Gesundheitswesens ermöglicht hat, rung darstellte, z.B. für Pflegehelferinsich mit ihr zu identifizieren, sich dabei nen. wiederzuerkennen. Zum ersten Mal wurden unsere Forderungen vertreten Vor allem wurde dieser berufsständische und nicht unter denen des übrigen Pflege- Charakter des Kampfes oft - zumindest personals versteckt." Dank der Koordi- am Anfang - von den anderen Personalnation haben die Krankenschwestern end- gruppen als negativ empfunden: „Zu unserer ersten Demonstration am 29.September sind Pflegehelferinnen mit uns aus Solidarität zu den Krankenschwestern gekommen, " erzählt Valérie. Ihnen ist bewußt geworden, daß ihr Berufsstand gleichfalls etwas zu fordern hatte. Aber auf der Vollversammlung, die der Demonstration folgte, vor dem Gewerkschaftshaus, fühlten sie sich ausgeschlossen. Von ihren Problemen wurde überhaupt nicht gesprochen. Und es ist wahr, daß es seitens mancher Krankenschwestern ziemlich korporatistische Verhaltensweisen gegeben hat." ,,Das kommt auch bei der Arbeit zum Ausdruck* *, fügt Gracie hinzu. Es gibt Spannungen, eine gewisse Aggressivität. Dies zeigte sich auf der Betriebsversammlung im Krankenhaus: Ihr laßt uns fallen.' Die Koordination hat daraufhin den Pflegehelferinnen vorgeschlagen, ihre eigene Koordination zu bilden, mit ihren eigenen spezifischen Forderungen."

Wenn die korporatistischen Tendenzen auch bei manchen Krankenschwestern nicht zu leugnen sind, wenn es auch oft ziemlich starke Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb ein und derselben Einrichtung gibt (kaum erstaunlich angesichts der extrem starken Hierarchisierung im Krankenhaus), so kann die Linie der Koordination jedoch keineswegs als korporatistisch bezeichnet werden: während sie ihren für die Krankenschwestern spezifischen Charakter bekräftigt hat, hat sie sich nie in Gegensatz zu anderen Gruppen gestellt. Sie hat sogar im Gegenteil zu ihrer Mobilisierung beigetragen, woran Irène erinnert: Die Bewegung der Krankenschwestern war wirklich der Motor neuer Entwicklungen im Gesundheitswesen. Sie hat andere Gruppen des Personals dazu gebracht, über ihre Arbeitsbedingungen nachzudenken - die ebenso beklagenswert sind -, und die Schaffung weiterer Koordinationen nach sich gezogen. Dies enthüllt gut die allgemeine Misere im Gesundheitswesen. Die Aufwertung unseres Berufes haben wir stets mit einer Aufwertung des Gesundheitswesens verbunden. Und wir werden heute immer mehr, so daß wir überzeugt sind, in dieser Einheit aller Berufsgruppen dazu zu gelangen, daß die Regierung zurückweicht. Es bleibt nur, die anderen zu überzeugen."

„Das alles wird nicht so schnell gehen, wie wir es uns wünschen", bemerkt Françoise. Die Existenz verschiedener Gruppen ist eine Tatsache, man darf nicht gleich aufs Ganze gehen. Es ist wahr, daß anfänglich der Kampf der Krankenschwestern als eine Quelle der Spaltung emp-

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