Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Jean Paul Deleage/Daniel Hemery

Die Internationale: Umwelt und Gesellschaft

Inprekorr Nr. 211, Januar 1989 · S. 19-29 · 9.611 Wörter

Ökologie und Atomkraft Frankreich

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

JEAN PAUL DELEAGE/DANIEL HEMERY eine historische Betrachtung ie folgende Studie ist ein Originalbei- Flammarion).

trag, den Jean Paul Déleage und Da- Die Studie stellt zahlreiche Fragen, auf die niel Hémery für La Brèche, die Zei- zu antworten alles andere als einfach ist: das tung der Schweizer Sektion der IV. Interna- Verhältnis zwischen Mensch und Natur; die tionale, verfaßt haben. Diese beiden franzö- relative Umkehrbarkeit oder Nichtumkehrsischen Autoren hatten zusammen mit Jean- barkeit langfristiger und schwerwiegender Claude Debeir 1986 ein bedeutendes Buch Eingriffe in das Ökosystem; die Bevölkeveröffentlicht: Les servitudes de la puis- rungsexplosion, vor allem in der „Dritten sance. Une histoire de l'énergie (Paris: Welt"

Seite 20

er Mensch benutzt seinen Planeten D nicht ungestraft, er beherrscht ihn nicht, er ist ein Teil davon. Diese Tatsache kann nicht mehr länger ignoriert werden. Es ist nicht mehr möglich, die ökologischen Determinanten für die Zukunft der Gesellschaft zu erfassen und zu verstehen, ohne ihr Gewicht im Verlauf eines langen historischen Zeitraums mit einzubeziehen. Nur befinden sich diese geschichtlichen Betrachtungen noch in den Kinderschuhen. Analog dazu werden auch bei ökologischen Überlegungen oft die wenigen verfügbaren Beispiele ignoriert, die einen Bezug zur Umwelt in der Vergangenheit der großen Kulturen haben. Das Interesse, das eine ökologische Betrachtung haben muß, sollte sich auf ein systematisches Ganzes mit genau analysierten Beispielen aus der Geschichte stützen. Es läßt sich nicht leugnen, daß ein solches Interesse heute eine der Bedingungen ist, die es uns ermöglichen, unsere eigene Geschichte zu beherrschen.

1. Zeitläufe der Geschichte — Zeitläufe der Natur

Die Gesellschaft und ihre Ökosysteme, die Einheit der Biotope und ihrer Umgebung, in der sie einsetzen zu arbeiten und aus der sie ihre Kräfte beziehen, formen ein lebendiges Ganzes, beweglich und miteinander in Wechselwirkung. Es gibt also eine ökologische Dimension der Geschichte, neben der ökonomischen, kulturellen und politischen Dimension. Jede Annäherung an eine historische Ökologie muß also die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt in einer evolutionistischen Sichtweise interpretieren sowie in bezug auf die verschiedenen Zeitstufen die Funktionsweise der sozialen Ökosysteme, die Mechanismen, die ihre Stabilität gewährleisten, und die Prozesse, die — im Gegensatz dazu — die Zersetzung dieser ökologischen Grundlagen verursachen, analysieren.

Die Dauer ist also ein entscheidender Faktor der ökologischen Regulierung der menschlichen Bevölkerung, hinsichtlich dessen, ob dieser Faktor verschwindet oder sich ändert, und ob die Begrenzungen und die Regulierung unterbrochen werden. Die globale Stabilität der menschlichen Ökosysteme ist offensichtlich, nur muß die noch zu schaffende historische Ökologie das Interesse haben, die Hauptstörungen, die ihre Fähigkeit zur Stabilisierung beeinträchtigen, ausfindig zu machen. Was nach unserem aktuellen Wissensstand die Geschichte der Beziehungen zwischen den Gesellschaften und ihren Ökosystemen charakterisiert, ist der ständige Wechsel zwischen homöostatischen Situationen, die eine relative Stabilität in der Reproduktion solcher Beziehungen gewährleisten, und Situationen des Bruchs, die die Fähigkeit zur Anpassung der Gesellschaft an endgültige Veränderungen der Umwelt fördern oder unmöglich machen. Tatsächlich gibt es eigentlich nur dynamische sozioökologische Gleichgewichte in mehr oder weniger langen Perioden.

die Internationale

Drei Hauptbedingungen charakterisieren die geschichtlichen Zeitläufe der Umwelt. Zuerst einmal gibt es kaum eine Gemeinsamkeit zwischen ihrer Dauer und der individuellen Lebensdauer sowie jener der Generationen, nicht einmal jener großer Kulturen. Die Zeit der biophysischen Prozesse liegt außerhalb jeglicher konkreter Erfahrungen der Menschen. So wie auch z.B. bis zur Errichtung von Atomreaktoren die gemeinsame Gewinnung der Energie darin bestand, einen sehr kleinen Teil der aus sehr komplexen Naturzyklen (Vegetations-, Wasser-, Wind- und geologische Zyklen) resultierenden Energie zu erfassen und gewisse Glieder dieser Zyklen oder gewisse Funktionsmomente in sehr langen Energieketten auszunützen. Das ging von der Nutzung von Tieren, Vegetation, Mineralien usw. bis zur Sonnenenergie. Was die ökologischen Zeiträume charakterisiert, ist gleichzeitig das unendlich Kurze und das extrem Lange, woraus auch der Eindruck großer Stabilität resultiert, der die Sinneswahrnehmung aller Generationen in bezug auf ihre Umwelt geprägt hat. Eine langsam verlaufende Geschichte kehrt oft plötzlich um, Zyklen ohne Ende beginnen neu," schreibt Fernand Braudel.' Die Kenntnis der Ressourcen, die zur Verfügbarkeit der Ökosysteme hinsichtlich sozialer Bedürfnisse führt, d.h. ihre soziale Produktivität, hat nur dann wissenschaftliche Bedeutung, wenn sie über einen sehr langen Zeitraum betrachtet wird, der den des menschlichen Lebens bei weitem übertrifft. Man schätzt, daß 400 Jahre nötig sind, bis sich der Regenwald in der tropischen Zone, der heute jährlich ein Prozent seiner Fläche verliert, wieder vollständig regeneriert hat! Die durch Fluor-Kohlenwasserstoffe gefährdete Ozonschicht, die unseren Planeten vor UV-Strahlung schützt, hat ungeflihr zwei Milliarden Jahre gebraucht, um sich unter Mithilfe der Photosynthese zu bilden.

Die großen chemisch-physikalischen Zyklen laufen nach sehr strengen Modalitäten und unter zeitlichen Zwängen ab, die schwer auf der Zukunft der Gesellschaften lasten. ,Der Mensch** , so schreibt Fernand Braudel, ,ist jahrhundertelang abhängig von Klima, Vegetation, Tierbevölkerung, Kultur, von einem langsam entstandenen Gleichgewicht, dem er nicht entfliehen kann, ohne Gefahr zu laufen,alles in Frage zu stellen."* Die klimatischen Zwänge, von Geographen gut studiert, sind nun in ihrer historischen Funktion recht gut bekannt. Sie waren Gegenstand zahlreicher Untersuchungen, die seit den 50er Jahren veröffentlicht worden sind. Diese Untersuchungen zeigen, daß eine sehr starke Wechselwirkung zwischen den Wetterbedingungen und der wirtschaftlichen Konjunktur der Landwirtschaft existiert, ausgehend von der Abfolge landwirtschaftlicher Revolutionen seit dem Neolithikum.

Emmanuel Leroy-Ladurie hat dargelegt, daß die Regenjahre 1646-51 eine der Ursachen für die tiefe wirtschaftliche und soziale Misere waren, die sich in der Fronde ausdrückte. Danach standen den heißen, für die Vegetation günstigen Jahren (1652-87) frische Frühjahre und Sommer (1687-1717) gegenüber, die den letzten zwei Jahrzehnten des 17.Jahrhunderts viel Substanz wegnahmen. Erst kürzlich haben die Arbeiten von Professor Pfister von der Universität Bern die Bedeutung der klimatischen Veränderungen und ihren Binfluß auf die Getreidepreise sowie allgemeiner auf die Wirtschaftszyklen in den vorindustriellen Gesellschaften und darüber hinaus in Kontinentaleuropa bis zum Aufbau der ersten Eisenbahnnetze gezeigt."

Eine Reihe großer klimatischer Schwankungen, die an Veränderungen — im Westen an die Flut, im Osten an große Tiefdruckgebiete - gebunden sind, sind heute bekannt. Höchstund Tiefststände folgten unaufhörlich in einem Europa, in dem die Zeit im Rhythmus natürlicher Zyklen verläuft: ein Temperaturmaximum am Ende der prähistorischen Epoche (von 5000 bis 2300 v.u.Z.), das die ersten Versuche, Land urbar zu machen, begünstigt hatte; eine lange subatlantische Verschlechterung" von der Antike bis zu Anfang des ersten Jahrtausends u.Z., das von einer Wiederbelebung der natürlichen Vegetation und des Waldes begleitet wurde; ein mildes Optimum um das Jahr 1000 (9. bis. 12.Jahrhundert), das mit der Errichtung des Agrarraumes in Westeuropa zusammenfiel; eine „kleine Eiszeit" von 1590 bis 1750; eine Wiedererwärmung im 18 und 19.Jahrhundert, auf die im 20.Jahrhundert eine Feuchtigkeitsperiode folgte. Man kann ebenso auf der geohistorischen Ebene eine Wechselbeziehung zwischen der sich nach dem 13. Jahrhundert im Niedergang befindlichen indianischen Bewässerungslandwirtschaft im Südwesten der heutigen USA, der Versteppung riesiger Regionen im Colo rado-, Gila- und Rio-Grande-Bassin, und der langen Trockenheit in der zweiten Hälfte des 13.Jahrhundert feststellen, die einen langandauernden Bevölkerungsrückgang hervorrief,

Seite 21

von dem sich die indianische Agrargesellschaft niemals wieder erholen sollte.

Es existierte nie eine absolute Umkehrbarkeit in der Zeitstufe der Natur. Wie schon aufgezeigt, kann sich die Dynamik menschlicher Produktion zutiefst gestört zeigen, manchmal unmittelbar, manchmal mit unterschiedlicher Wirkung. Sie übt eine Rückkoppelung auf die Ökosysteme aus, weil sie mit endogenen physikalischen Faktoren, dem Verfall, der Zunahme der Entropie dieser Ökosysteme, zusammentrifft und diese so verstärkt, daß ihre Auswirkungen nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Wenn die Zeitläufe der menschlichen Geschichte Überhand über die Zeitläufe der ökologischen Geschichte gewinnen, ist die Schwelle endgültig überschritten, hinter der sich die Ökosysteme nicht mehr reproduzieren. Die wilde Welt erhält die Möglichkeit zur Humanisierung der Natur nur einmal.

Aber die Überschreitung der Schwelle, hinter der es keinen Weg zurück mehr gibt, geht nur langsam vonstatten. Die Geschichte der Ökosysteme zeigt tiefe Unstetigkeiten zwischen den Perioden der Anhäufung von Elementen, der Errichtung eines Ungleichgewichts zwischen ihnen und den Momenten des jähen und punktuellen Bruchs in ihrer Grundstruktur. Die ersteren bereiten das Terrain für die letzteren, welche leichter wiederzuerkennen sind, weil sie die ökologischen Krisen in Katastrophen umwandeln: sintflutartige Regenfälle, Dammbrüche, lange Trockenheit in entvölkerten Zonen usw.

So ist heute der durchschnittliche Zustand der Erde der Ort von Entwicklungen dieser Art. Er wurde durch Photosynthese der Lebewesen produziert, und es waren mehrere Millionen Jahre für seine Entstehung erforderlich. Aber seit jetzt etwas mehr als 200 Jahren hat die Zunahme des Gebrauchs von fossilen Brennstoffen (allein 1987 zehn Milliarden Tonnen in Kohle oder verwandten Produkten) in den unteren und mittleren Luftschichten zu einer erhöhten Schadstoffmenge geführt, v.a. von Kohlendioxid (COz), dessen Konzentration in der Luft auf 1,3 ppm/Jahr gestiegen ist, sowie von Schwefeldioxid (SOz), von dem jährlich 110 Mio. Tonnen anfallen.* 2. Ein sozialer, universeller und vieltausendjähriger Konflikt mit der Natur

Die ökologischen Determinanten betreffen die Gesamtheit des gesellschaftlichen Bereichs und beschränken sich nicht auf spezielle Teile. Nur durch das Auftauchen neuer Erkenntnisse der Naturwissenschaften und neuer Formen landwirtschaftlicher und industrieller Produktion entwickeln sich die Formen der sozialen Ausbeutung und der Prozeß der ungleichen Aneignung der Produktionsmittel, des Bodens, des Viehs, des Wassers und der Bodenschätze. Überall, schreibt Maurice Godelier, . erdie Internationale scheint ein enger Zusammenhang zwischen der Art, die Natur zu gebrauchen, und der Art, die Menschen zu gebrauchen."*› In allen Gesellschaften ist es die Aneignung der Natur, bei der die Menschen zusammenarbeiten oder sich ausbeuten, wo sich ihre Produktionsverhältnisse entwickeln und sich ihre gesellschaftlichen Beziehungen organisieren und verändern. Es gibt keine Krise im Gebrauch der Natur, die nicht auch eine Krise der Lebensweise des Menschen wäre. *6 Seit prähistorischen Zeiten haben die menschlichen Aktivitäten für die Produktion zu einer allgemeinen Verringerung und Veränderung der natürlichen oder halbnatürlichen Okosysteme geführt, gemäß einiger bedeutender über mehrere Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende verlaufender Tendenzen. Die gegenwärtigen ökologischen Spannungen haben also sehr tiefreichende Wurzeln; sie sind das Resultat angehäufter Umweltkrisen. Keine Zivilisation war ökologisch unschuldig. Lange vor der europäischen Industrialisierung in der modernen Epoche hat sich die menschliche Aktivität schon als für das Ökosystem zutiefst destruktiv erwiesen. Sie hat dort irreparable Veränderungen bewirkt, deren älteste die Abholzung der Wälder war.

Dies war die Kehrseite und die Bedingung der Entwicklung der Jäger und Sammler, des Akkerbaus, der Viehzucht, des Handwerks und der ersten Anfänge industrieller Tätigkeit. Überall auf der Welt wurden durcheinandergebrachte natürliche Ökosysteme durch Agrosysteme ersetzt, die selbstverständlich zahlreiche natürliche Arten enthielten und zu Ecksteinen aller heutigen ökologischen Komplexe geworden sind. Ihr Entstehen und ihre Verallgemeinerung waren das Resultat der irreversiblen Zerstörung des ursprünglichen natürlichen Gleichgewichts und seine Ersetzung durch ein sekundäres unstabiles Gleichgewicht. Es war in erster Linie der Wald, an dem die vorindustriellen Gesellschaften ihren Raubbau betrieben. Man kann das sehr früh in China verfolgen. Dort war der Mangel an neuem Land von zahlreichen Epochen ökologischen Ungleichgewichts und von Hungersnöten begleitet. Die Abholzung zahlreicher Regionen war eine Folge der ständigen Ausbreitung des Getreideanbaus.

Joseph Needham stellt fest, daß die Abholzung von Wäldern auf den Hochebenen von Shanxi und Gansu im 16.Jahrhundert riesige Ausmaße annahm.? Die Entwicklung wurde um 1580 durch eine energische Politik der Wiederaufforstung unterbrochen, doch die Rodungen wurden Ende des 18. Jahrhunderts wieder aufgenommen und breiteten sich schnell in die Regionen nördlich des Jangtse aus. Die Zerstörung der Wälder der Hochtäler ist also alt. Im Tal des Gelben Flusses geht sie bestimmt bis an die Anfänge des Reiches zurück. Vielleicht war sie sogar der Grund für die langsame Verschiebung der chinesischen Zivilisation von Nord-West nach Süd-Ost, die zwischen der Periode der Tang und derjenigen der Song stattgefunden hat. Das Reich der Song hätte danach seine blühende Entwicklung der Städte und der Seefahrt auf die massive Abholzung der südlichen Berge und den Import japanischen Holzes gègründet. Für die moderne Epoche hat Ashead die Hypothese einer langandauernden Energiekrise in China zwischen 1400 und 1800 aufgestellt.* Was die islamische Welt betrifft, so hat Maurice Lombard eine Holzknappheit im 7.Jahrhundert nachgewiesen, als Folge der großen Nachfrage nach Holz, die den Aufschwung der Städte im Islam begleitete. Man mußte das Holz aus immer größeren Entfernungen holen, aus der christlichen Nachbarschaft im Mittelmeer, was den Brennstoff stark verteuerte. Zu Beginn des 11.Jahrhunderts verfiel die islamische Welt und räumte das Feld, angesichts eines Westens, der noch in den Wäldern eingehüllt war, aber das Holz für seine Schifffe, seine Bauten und seine Industrie selber zu nutzen begann. "** Die Holzkrise traf auch Europa, aber in einem weitaus geringeren Ausmaß. Im atlantischen und mittleren Europa schritten die Rodungen seit Anfang des Hochmittelalters voran. In Germanien hatte der herzynische Wald nach römischen Autoren eine Länge von 60 Tagesmärschen. Von Beginn des 6.Jahrhunderts an nahm er schnell ab. Die Kulturlandgewinnung und die Nachfrage nach Brennstoff und nach Bauholz machten aus dem Urwald einen humanisierten und beherrschten Wald. Der Kulminationspunkt der großen Urbarmachung liegt zwischen dem 11. und dem 13.Jahrhundert. Im 14.Jahrhundert erreichen die europäischen Ökosysteme ihre Sättigung. Das westliche Europa ist eine volle Welt geworden. Es schlägt die Stunde der großen Umweltkrisen, die das ankündigen, was man die „industrielle Revolution" nennt, eine Revolution, die sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt. Vom 16. Jahrhundert an entwickelt sich tatsächlich in England und in den Niederlanden eine schwere und langandauernde Holzkrise,

Seite 22

die sich schließlich über den ganzen Kontinent erstreckt. ° Wenn das Ersetzen pflanzlicher durch fossile Brennstoffe zuerst in England einsetzte, so deshalb, weil dort das Holz zuerst ausging. Der Holzmangel kennzeichnet dramatisch die elisabethanische Epoche und diejenige der Stuarts von 1550 bis 1700. Die Abholzungen hatten schon sehr früh die Wälder im Norden der Insel zerstört, vor allem den ungeheuren kaledonischen Kiefernwald, der das schottische Hochland zu Beginn unserer Zeitrechnung noch bedeckt hatte. Die Holzkrise wurde durch das Bevölkerungswachstum hervorgerufen — die Bevölkerung von England und Wales verdoppelte sich zwischen 1530 und 1690 von drei auf beinahe sechs Millionen Einwohner — und verschärfte sich aufgrund der wachsenden städtischen Nachfrage. Unter Elisabeth I. (1558-1603) und Jakob I. (1603- 1625) kam es zu einer schwindelerregenden Preissteigerung des Holzes, das sich schneller als andere Produkte verteuerte. 1776 schreibt Adam Smith in An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, daß in seiner Vaterstadt Edinburgh „zweifellos kein einziges Stück schottischen Holzes existierte"*. Doch die Holzkrise war nicht auf England beschränkt. Ähnlich wie im China der gleichen Epoche war die westliche Zivilisation zwischen dem 16. und 18.Jahrhundert in eine unstabile Umweltsituation geraten, wo die wachsende Nachfrage nach Subsistenzmitteln in ein wachsendes Mißverhältnis zu den Möglichkeiten der Umwelt geriet. Die Nachfrage stieß auf Grenzen, die vor allem von den Folgen der Waldzerstörung gesetzt wurden.

3. Ökologische und soziale Krisen Die Geschichtswissenschaft ist heute noch nicht in der Lage, die genauen Beziehungen zwischen ökologischen Engpässen und dem Schicksal der Zivilisationen nachzuzeichnen, mit Ausnahme vielleicht der Auswirkungen, die die großen Naturkatastrophen auf die Entwicklung der Zivilisation hatten, und diese sind keineswegs zu vernachlässigen. Klimatische Schwankungen haben in Agrargesellschaften einen großen Binfluß auf soziopolitische Krisen gehabt. So waren in Frankreich die vier heißen Sommer der Jahre 1778-1781, die optimal für die Getreide- und Weinproduktion waren, an der berühmten Krise der Agrarpreise schuld (von Ernest Labrousse untersucht), welche die Revolution von 1789 vorbereitet hat. Umgekehrt führten der heiße Sommer und die Trockenheit von 1788 zur Verbrennung der Ähren, und die Sache wurde durch ein verheerendes Hagelunwetter am 13.Juli 1788 im Norden des Pariser Beckens noch verschärft. Die folgende katastrophale Ernte führte zu sehr hohen Getreidepreisen, was die Angst der Bauern Anfang Sommer 1789 nährte, die durch den Verfall der Böden in manchen Regionen Europas noch verstärkt wurde."

Haben die großen Krisen des Waldes und der die Internationale

Ökosphäre beim Entstehen und Verschwinden der alten Kulturen eine Rolle gespielt? Diese Hypothese sollte den plötzlichen Zusammenbruch der Maya-Kultur in Guatemala und Honduras Anfang des 10.Jahrhunderts erklären: Die Verschlechterung des Ökosystems des Waldes und des Wasserzyklus habe die Landwirtschaft der Mayas ruiniert, die aus den Milpas bestand, einer Maiskultur auf Terrassenfeldern mit vier- bis achtjährigem Brachfeld. Jedoch konnte diese Hypothese noch nicht bestätigt werden. "

Es ist dagegen erwiesen, daß die Desorganisation des Wasserzyklus eine wichtige Rolle bei der Schwächung der mesopotamischen Kulturen gespielt hat, insbesondere die Bodenerosion, die eine Folge der Abholzung und der Übernutzung der Euphrat- und Tigristäler mit Viehwirtschaft war. Beschleunigte Abholzung für Bau- und Brennholz, die Rodungen für die Viehweiden und die Ausdehnung der Baumkulturen an den Abhängen führten zur Überbelastung der beiden Flüsse mit Schwemmaterial. Die Reiche der Babylonier und Assyrer konnten nichts gegen die Verstopfung des riesigen Bewässerungsnetzes des unteren Mesopotamien unternehmen, und die chemals so fruchtbare Gegend trat in eine Periode des Niedergangs ein, der von der Zerstörung der Bewässerungskanäle durch die mongolischen Invasoren im 11.Jahrhundert u.Z. gekrönt wurde. " In den vorangegangenen drei Jahrtausenden hatte das gemeinsame Delta der beiden Flüsse mit Schwemmaterial dem Meer mehr als 250 km abgetrotzt. Eine ähnliche Theorie (über die Verschlammung der künstlichen Bewässerungsreservoire und die Sättigung des kultivierbaren Bodens) könnte den Untergang des Reiches von Angkor erklären. "* Im Mittelmeerraum wurde ebenfalls seit der Antike das ursprüngliche natürliche Gleichgewicht durcheinandergebracht. Die Abholzung der Wälder in der römischen Epoche hat riesige Gegenden verändert. Auch der islamischen Welt drohte ab dem .Jahrhundert eine Holzknappheit. Aber sie war nicht so dramatisch, weil die islamischen Staaten des Machrek und des Maghreb über sudanesisches Gold verfügten, mit dem sie die Holzeinkäufe finanzieren konnten. Doch mit der Ankunft der Hi- Tal-Araber wurden die Goldstraßen durch die Sahara, die bis zu diesem Zeitpunkt die Blüte des fatimidischen Ägypten gesichert hatten. unterbrochen und der ganze islamische Orient geschwächt.!

Aus diesen seltenen historischen Untersuchungen über die Umweltzerstörungen (die schon sehr alt und über viele Regionen verbreitet sind) läßt sich schließen, daß diese nicht unmittelbar und direkt gewirkt haben, sondern cher als allgemeine Einschränkungen im Zusammenspiel mit anderen Faktoren (ökonomischen, technischen, kulturellen usw.) wirksam wurden. Über die Vermittlung dieser Faktoren führte jede schwere Umweltkrise zu einem zeitweiligen oder dauernden Niedergang der Zivilisation, die sie verursacht hatte. Der Niedergang führte entweder zu ihrem Untergang oder zu ihrer tiefgreifenden Veränderung. Aber dieser Niedergang vollzieht sich gewöhnlich nur im Zeitraum von langen Perioden und vollendet sich nur, wenn die jeweilige Zivilisation nicht in der Lage ist, kompensatorische Mechanismen zu entwickeln, wie die Erschlie- Bung von weitläufigen Handelswegen oder die Erfindung von technischen und ökonomischen Mitteln, die ein anderes Wachstum ermöglichen. 16 Bei den meisten der angeführten historischen Fälle haben die Vorstellungen, die sich eine Gesellschaft von ihren Beziehungen zur Umwelt machte, eine wichtige Rolle gespielt, denn sie handelte auf dem Hintergrund dieser Vorstellungen. Diese konnten die Umweltzerstörung entweder begünstigen oder umgekehrt ihre verheerenden Auswirkungen begrenzen. Verallgemeinert ausgedrückt wurde bis zur Industrialisierung Europas zwischen dem 16. und dem 19.Jahrhundert das Verhältnis zur Okosphäre als ein Austausch mit den natürlichen Kräften gesehen, was sich oft in religiösen Mythen oder Kosmologien ausdrückte, und nicht als eine Transformation der Natur" aufgefaßt, und noch weniger als eine Transformation der „Natur" des Menschen; letztere war vielmehr Bestandteil der kosmischen Na- Dabei wurde die Natur selbstverständlich nicht nur in ihren sinnlichen, erfahrbaren Aspekten erfaßt, sondern als ein Ensemble unsichtbarer Kräfte und Mächte, die das Los der Menschen lenken. Alle Formen der konkreten Tätigkeit, die der Mensch erfand, um sich die Wirklichkeit der Natur anzueignen", schreibt Maurice Godelier, enthielten und kombinierten zugleich und notwendigerweise "materielle" Handlungen und Verhaltensregeln, die auf die sichtbaren und berührbaren Aspekte gerichtet waren, sowie Handlungen und Verhaltensregeln, die wir heute "symbolisch" nennen und die den unsichtbaren Hintergrund betrafen. **17 In dieser Kultur, in der der Mensch die wich-

Seite 23

tigste Produktivkraft ist, ist die Anpassung an das Ökosystem die wichtigste Grundlage für das Funktionieren der Gesellschaft, aber dieses Prinzip funktionierte entsprechend einer sehr ausgedehnten Skala, die an die konkreten Bedingungen angepaßt war. In dieser Bezichung war die Entwicklung der Landwirtschaft im Neolithikum gewiß eine wichtige historische Schwelle, indem sie die Möglichkeit eröffnete, das Verhältnis Mensch/Natur auf eine andere Art zu sehen. André Haudricourt hat gezeigt, daß der Mensch seit dem Neolithikum gegenüber der Pflanzen- und Tierwelt nicht mehr einfach ein Sammler und Konsument ist, sondern daß er von nun an hilft und schützt. Er lebt weitgehend mit den Arten zusammen, die er "domestiziert' hat. Es entwikkeln sich neue Beziehungen 'freundschaftlicher Art, die an die Beziehungen innerhalb der eigenen Gruppe erinnern. *15 Von da an beginnen sich verschiedene Modelle der Behandlung der Natur zu unterscheiden. Wie Haudricourt zeigt, stellte sich den eher indirekten Methoden der Pflanzenkulturen im Rahmen des Anbaus von Reis und Knollenfrüchten der Melanesier die direktere und domestizierendere Einwirkung in der westlichen Landwirtschaft entgegen. „Es gibt keine mögliche Freundschaft zu unbelebten Dingen," lehrt Aristoteles, ,nicht mehr, als es eine solche zwischen Mensch und Pferd oder Ochse, oder sogar zwischen Herr und Sklave als Sklave gibt."

In allen antiken Gesellschaften, die Landwirtschaft gekannt haben, haben sich ungeheure empirische Kenntnisse über die Natur angesammelt, die zu den ersten großen Denksystemen führte. Wir erkennen heute den ursächlichen Zusammenhang zwischen der ökologischen Entwicklung und diesen großen Denksystemen über die Natur. Aber die Umweltsituation bleibt undurchsichtig. Ihr Verständnis erschließt sich nur über die Pläne der Kosmologie, der Metaphysik oder der Theologie. Man kann unter diesen Umständen diesen Kulturen im ganzen keine Umweltstrategie zuschreiben. 4. Das Aufkommen des industriellen Kapitalismus

Aufkommen und Verbreitung des Industrickapitalismus seit dem 16.Jahrhundert haben im kollektiven Bild der Natur geradezu eine Revolution ausgelöst. Die Idee von der Solidarität zwischen Mensch und Universum wurde von der Idee der Beherrschung der Natur durch den Menschen abgelöst.

Seit dem 16.Jahrhundert wurde die prometheische Vorstellung der Unterwerfung der Natur in der abendländischen Kultur vorherrschend. Zwischen 1500 und 1800 wurde die biblische Aufforderung Füllet die Erde und macht sie euch untertan" (1. Mose 1, 28) durch die doppelte Wirkung der Reformation und Gegenreformation sowie des Szientismus des 18. bis 19. Jahrhunderts ein grundlegendes Axiom dieser Kultur, und damit behauptet der absolute die Internationale

Anthropozentrismus sein Recht. Wenn wir die letzten Ursachen suchen, so kann der Mensch als das Zentrum der Welt betrachtet werden," erklärt im 16.Jahrhundert Francis Bacon.

Die Natur muß dazu gebracht werden, ihre Schuldigkeit zu tun," schreibt zwei Jahrhunderte später Isaac Newton. Von nun an hat der Mensch gegenüber der Ökosphäre die absolute Überhand. Die Natur wird zwar gepriesen, aber nur als Freizeitraum, Träumerei, Nostalgie, vermenschlichter Raum. " Marx beschwor den großen zivilisatorischen Einfluß des Kapitals (..the great civilising influence of capital"*) und drückte damit in positiven Begriffen die kulturelle und ideologische Abwertung der Natur aus, die seit drei Jahrhunderten überall den Industrialisierungsprozeß gerechtfertigt hat: Das Kapital produziert eine „Gesellschaftsstufe, gegen die alle frühren nur als lokale Entwicklungen der Menschheit und als Naturidolatrie erscheinen. Die Natur wird erst rein Gegenstand für den Menschen, rein Sache der Nützlichkeit. *20 Diese Wandlung in den Vorstellungen der gesellschaftlichen Beziehungen mit der Welt ist offensichtlich nicht trennbar vom Wandel dieser Beziehungen in seiner Stofflichkeit selbst, d.h. in erster Linie vom Rückgriff auf den Ersatz von Rohstoffen und - v.a. fossilen - Brennmaterialien, was den Industriegesellschaften, die sich mit großen Umweltproblemen konfrontiert sehen, einen Handlungsspielraum wie nie zuvor gibt.

Diese Geschichte ist längst bekannt, aber vielleicht ist es sinnvoll, das Wesentliche schematisch in Erinnerung zu rufen." Englands Holzkrise wurde zunächst durch Wiederaufforstung und massive Holzimporte aus Skandinavien und Nordamerika gemildert, dann mit dem Abbau fossiler Energie — überall unter britischem Boden - im großen Stil gelöst. Seit Mitte des 17.Jahrhunderts breitet sich die Verwendung von Kohle schnell aus, dank der Möglichkeit, sie von Newcastle nach London auf dem Seeweg zu transportieren, des weiteren, im 18.Jahrhundert, dank der Schaffung eines Kanalnetzes, was eine radikale Senkung der Kohlenpreise im Binnenmarkt gestattete. In der Epoche des Bürgerkrieges, gegen 1640, wurde die mit Schiffen transportierte Kohle die „sea coal!" — für die Heizungen der Londoner Bevölkerung unentbehrlich. Die intensive Küstenschiffahrt verzwanzigfachte sich zwischen 1550 und 1700, die Londoner Brennstoffeinfuhren wurden verdreißigfacht, und gegen 1700 wurden in Großbritannien jedes Jahr mindestens 3 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe, das alles auf den Kopf stellen wird, ist eröffnet - und damit auch das Zeitalter der industriellen Umweltverschmutzung. In Frankreich wird das Problem der Transportkosten im 19.Jahrhundert mit der Errichtung von Eisenbahnen gelöst. Naturwissenschaftliche und technische Kenntnisse stehen also zu einem guten Teil an der Wiege der Substitution, die die Überwindung der Holzkrise ermöglichte. Diese Substitution wiederum war im England schon im 17.Jahrhundert die Urheberin eines außerordentlichen technischen Fortschritts in den meisten Bereichen der industriellen Produktion: der Gebrauch von Kohle in der Glasherstellung ab 1610, die Erfindung des Rückstrahlofens zum Schmelzen von Nichteisenmetallen gegen 1660, Ziegelsteinöfen für Kohleverbrennung, die Entwicklung des Darby-Verfahrens für das Schmelzen mit Koks im Jahre 1709, des Puddelverfahrens im Jahre 1784 und schließlich eines revolutionăren Energieumwandlers mit den Dampfmaschinen von Newcomen (1712) und Watt (1784). Mit einem Wort: Die Großindustrie wurde aus den ökologischen Spannungen geboren. Aber die Antwort auf letztere brachte wieder neue Formen der Umweltgefährdung mit sich — und eine riesige zeitliche und räumliche Verschiebung der Umweltbelastungen. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, daß mit dem Aufkommen des Industriekapitalismus eine historische Schwelle in der Schädigung des Ökosystems überschritten wurde. Mit der massiven Industrialisierung findet eine allgemeine Verschmutzung und Belastung der Umwelt statt. Das wird zu einem bedeutenden Faktum der Zivilisation und erreicht im 20.Jahrhundert, ganz besonders seit dem II. Weltkrieg, globale Ausmaße.

5. Einer Weltökologie" entgegen Am Ende des 20.Jahrhunderts bringt die Schaffung eines weltweiten Produktionsraumes die ökologische Vereinheitlichung der Erde mit sich. In erster Linie triumphiert die Tendenz zu künstlichen pflanzlichen Okosystemen. Wald und Wiesen werden von nun an „gepflegt", die Naturpflanzen gezüchtet und vereinheitlicht, der Hochwald wird gärtnerisch" betreut. Die Künstlichkeit erfaßt auch die Fauna des Süßwassers, bevor sie selbst auf die Meeresfauna übertragen wird. Die künstli-

Seite 24

chen Agrarsysteme treten an die Stelle der „Natur". Alle sind durch ihren großen Energiebedarf und ihre geringe Stabilität gekennzeichnet. Einer der potentiell gefährlichsten Faktoren der Änderung der Ökosysteme hängt mit der Hochzüchtung der Pflanzen zusammen, die von einer ständigen Zufuhr veränderbaren Erbguts abhängt. Das Erbgut für solche Züchtungen stammte bis zum II. Weltkrieg vorwiegend aus Zentren der Dritten Welt. Aber seither wurden gerade in diesen Ländern die Zuchtplantagen aufgebaut und die neuen, ertragsreichen Varietäten traten an die Stelle der alten, verschiedenartigen lokalen Nutzpflanzen.

Für eine Anzahl von Kulturpflanzen, v.a. Getreidearten, ist der Punkt überschritten, von dem es keine Rückkehr mehr gibt. Die Bevölkerungszunahme ist in der Tat so groß, daß die massive Verwendung der neuen ertragreichen Sorten nicht mehr rückgängig zu machen ist, wenn man künftig chronischen Nahrungsmangel vermeiden will. Diese Situation bringt aber enorme ökologische Risiken mit sich: ,I. Die ersetzten vielfältigen Populationen können für immer verloren sein, wenn man sie nicht sammelt und beizeiten aufbewahrt. 2. Das Ersetzen gemischter und angepaßter lokaler Populationen durch genetisch einheitliches Material ist eine Einladung für verheerende Epidemien verschiedener Krankheiten und Parasiten". schreibt J.R.Harlan. 22 In der Neuen Welt" wurde der Wald vom 19.Jahrhundert an in einem nie gekannten Tempo zerstört, um Rodungsland oder Brennholz zu gewinnen. In den USA existieren heute nur noch etwa 10 Millionen Hektar der 170 Millionen, die der riesige Urwald aus Laubbäumen zwischen dem Atlantik und dem Mississippi einst bedeckte. In Kanada machen die Nadelwälder nur noch ein Drittel der Fläche aus, die sie vor der Ankunft der Europäer bedeckten. Die den Böden des Mittelwestens nicht angepaßte Rodung hat Winderosionszyklen ausgelöst und die Bedingungen für das Entstehen der dust bowls" [Staubschüsseln] geschaffen.

Gegenwärtig geht die Entwaldung sehr viel schneller vor sich als die Erneuerung der Waldressourcen auf dem ganzen Planeten. In den sibirischen Wäldern werden jährlich 150% mehr geschlagen, als das Wachstum der sogenannten Produktionswälder beträgt. Seit dem Anfang der 80er Jahre beträgt die Netto-Zerstörung der Tropenwälder laut FAO jährlich 15.7 Millionen Hektar; das entspricht dem französischen Wald, dem größten Europas." Seit Mitte des 20.Jahrhunderts stellt man eine kontinuierliche Zunahme Ökologischer Katastrophen fest, die von Menschen verursacht werden. 2 Das hängt mit der Flucht nach vorn in nicht beherrschte technische Innovationen zusammen: z.B. die Minamata-Krankheit in den 50er Jahren, Langzeitwirkungen der Verteilung von Insektiziden wie DDT und anderer Giftstoffe in der Biosphäre, schwarze Fluten" von Rohöl aus verunglückten Tankern die Internationale (Amoco Cadiz", 1978), Ölplattformen usw. Vor allem die Verschmutzung der Biosphare und der Atmosphäre nimmt das Ausmaß einer Katastrophe an. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieb sie auf die Industriestädte beschränkt, wo sich seit dem 17. Jahrhundert in der Arbeiterbevölkerung die Rachitis entwikkelt, die den prähistorischen Völkern offenbar unbekannt war und durch zu schwache UV- Strahlung verursacht wird. Sie wird erstmals 1650 in England erwähnt und eine Karte von 1889 zeigt als Hauptherde dieser ,,englischen Krankheit* die Städte Aberdeen, Dundee. Glasgow, Edinburgh, Newcastle, Manchester, Liverpool, Birmingham, Cardiff und London. In den Industrieländern ist die Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid altbekannt, doch beschränkte sie sich auf die unmittelbare Umgebung der Verursacher. Einer der bekanntesten Fälle ist der der metallurgischen Fabrik von Sudbury in Ontario (Kanada). Seit ihrer Inbetriebnahme 1888 zerstörte sie die 200.000 Hektar des sie umgebenden Nadelwaldes. Seit den 50er Jahren wirkt das Industriesystem wie eine Anzahl künstlicher Vulkane, die nicht nur ununterbrochen, sondern in zunehmendem Umfang aktiv sind. Zwei Arten von Verunreinigungen entwickeln nun eine besonders zerstörerische Wirkung auf die ganze Biosphäre. Erstens die ungeheure Menge gasförmiger Verbrennungsprodukte verschiedener fossiler Kohlenstoffträger (Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas). Dazu gehören:

O mengenmäßig bei weitem überwiegend das Kohlendioxid (COz), das gegenwärtig in einer Menge von rund 25 Milliarden Tonnen jährlich in die Atmosphäre gelangt, wo die Konzentration dieses Gases ununterbrochen wächst, was im 21.Jahrhundert zur künstlichen Erwärmung des Erdklimas führen kann; • das unmittelbar giftige Kohlenmonoxid (CO), von dem jährlich 350 Millionen Tonnen ausgestoßen werden; • unverbrannte Kohlenwasserstoffe (Krebserregend):

• Stickoxide (NOr u.a.) und Schwefeloxide (SOz und SOs) in Mengen von 100.000 Tonnen pro Jahr, Hauptverursacher des sauren Regens.

Zweitens die nicht weniger unheilvollen atmosphärischen Mikro-Verunreinigungen aus ungezählten Reaktionen, seien das nun z.B. organische Peroxy-Azyinitrate, die durch Ozonbildung den Wald schädigen oder ,,harmlose"* Partikel, die die Sonnenstrahlung abhalten. Diese Verunreinigung ist fortschreitend global geworden, wie die Zunahme der Ablagerung fester Partikel in den neueren Schichten des antarktischen Inlandeises beweist, die ja von den Verschmutzungsquellen weit entfernt sind.

Dieser bereits langen Liste muß man noch die weltweite Ausbreitung der Radioaktivität hinzufügen, die aus militärischen Versuchen oder aus Unfällen von Atomkraftwerken stammt, für die Tschernobyl das beunruhigende Symbol geworden ist.

Eine der auffallendsten Folgen ist das Phänomen des sauren Regens. Bis zur industriellen Revolution war das Regenwasser auf den Kontinenten praktisch neutral. So weist geschmolzenes Eis aus Kernbohrungen im Eis von Grönland einen pH-Wert von 6 bis 7,6 auf, wenn das Eis von vor 1800 stammt. Genau zwischen 1950 und 1979 nimmt der pH-Wert dann in den schwedischen Seen sprunghaft ab, während er vorher in den 12.500 Jahren seit der Würmeiszeit stabil geblieben war. Seit 1960 durchgeführte Studien? zeigen, daß der mittlere pH-Wert des Regens in ganz Mittelund Nordeuropa stark zurückgegangen ist und heute unter 5 liegt. In den USA ist er von 5,9 im Jahr 1939 auf heute 4,2 im Sommer gefallen. 2 Die Versäuerung des Regens erfaßt heute die ganze nördliche Hemisphäre und die Linie, welche Orte mit einem pH-Wert von 5 verbindet, erreicht seit 1980 Singapur. Das ist eine beispiellose Umweltkatastrophe mit dem ökologischen Tod von Hunderten von Seen und Flüssen in Europa und Nordamerika durch die Zerstörung des biologischen Gleichgewichts ihrer Pflanzen- und Tierwelt sowie mit der Degenerierung immenser Waldflächen, die heute manche großen tropischen Regenwälder in China und Brasilien umfassen.

Aber es ist die Dritte Welt, in der die Umweltkrise des 20.Jahrhunderts ihre am meisten be unruhigenden Formen annimmt. Hier kombinieren sich die Umweltzerstörungen des vorindustriellen Zeitalters mit denen des industriellen, in Verbindung mit Überbevölkerung und Unterentwicklung. 27 Der Staudamm von Assuan bezeugt dies beispielhaft: indem er den Nilschlamm zurückhält, verhindert er die frühere natürliche Düngung durch die Nilüberschwemmungen und ruiniert auch die Fischerei im Nildelta.

Was die von der Industrie verursachten Umweltkrisen betrifft, so sind sie heute in den Ländern der Dritten Welt vielleicht schlimmer, als sie je in den zuerst industrialisierten

Seite 25

Gesellschaften auftraten. Eine Realität, die 1983 von der inmitten eines übervölkerten Elendsviertels gelegenen ultramodernen Chemiefabrik von Bhopal symbolisiert wird. Dazu kommt, daß die Häufigkeit der Naturkatastrophen in der Dritten Welt zwar nicht zugenommen, ihre Folgen für die Menschen sich aber ständig verschlimmert haben — als Folge der Bevölkerungsexplosion, die die landlosen Bauernbevölkerungen dazu treibt, in Zonen hohen Risikos, insbesondere auf fruchtbare vulkanische Erde, zu siedeln. Die beeindruckende • Zunahme der Umweltzerstörung ist des weiteren ein immer aktiverer Faktor der Naturkatastrophen. Die Zerstörung der Wälder in den Einzugsgebieten der Ströme erhöht die Zahl der Überschwemmungen. Dieser Zusammenhang zeigt sich überall in der Dritten Welt. So hat auf dem indischen Subkontinent die Entwaldung der tiefer gelegenen Hänge des Himalaya häufigere Überschwemmungen in den Ebenen zur Folge gehabt. Zwischen 1955 und 1975 stiegen die durch sie verursachten Kosten um das Vierzehnfache."

Im allgemeinen hat die Entwicklung der Unterentwicklung die Verarmung der Okosysteme und in manchen Regionen den Beginn einer dauernden Krise aufgrund der Schere zwischen der Verminderung der natürlichen Ressourcen und der Bevölkerungsexplosion bewirkt. Das zahlenmäßige Wachstum der Ethnien, die Brandrodungswirtschaft in den tropischen Feuchtwäldern betreiben (1975 auf noch beinahe einem Drittel ihrer Fläche), hat das allgemeine Gleichgewicht dieser Landwirtschaft gestört: die durchschnittliche Dauer der Brachzeit ist auf gegenwärtig weniger als 15 Jahre gesunken; es kommt zur Auslaugung der Böden, zur Urbarmachung der Hangbewaldungen, zu einer irreversiblen Bodenerosion usw. Vor allem hat eine rücksichtlose Politik der Großausfuhr von Holz durch Holzverwertungsgesellschaften im 20. Jahrhundert und besonders seit den 50er Jahren die Regenwälder in einen schrecklichen Kreislauf fortgesetzter Zerstörung gezogen.

In der Dritten Welt erreichen auch die alten Umweltbelastungen im 20.Jahrhundert ihren Honepunkt. Das Abholzen, die Uberausbeutung kultivierter Böden und die Überweidung rufen wie schon vor Jahrtausenden die Versteppung hervor. Man schätzt, daß sie 1984 ein Drittel der Fläche aller Kontinente und mehr als 850 Millionen Menschen betraf, d.h. mehr als 20% der Weltbevölkerung.2 Seit 1930 schreitet die Thar-Wüste jährlich um durchschnittlich 130 km? in Richtung auf den Nordosten des indischen Subkontinents voran. Im Laufe der letzten 50 Jahre wuchs die Wüste in der Sahelzone mit einer auf 2 km pro Jahr geschätzten mittleren Geschwindigkeit. Brasilien hat die Hälfte seiner Waldfläche aus der Zeit der europäischen Kolonialisation verloren, und der Zerstörungsrhythmus (im Amazonaswald offiziell gestattet) ist jetzt so, daß der Wald bis zum Beginn des 21.Jahrhunderts vollständig zerstört sein könnte. China hat schätzungsweise nur noch 6 bis 13% die Internationale

Waldfläche und hat zwischen 1949 und 1980 ein Viertel bis ein Fünftel einer bereits unzureichenden Waldfläche verloren.3° Im selben Zeitraum verschwanden in Szetschuan, heute mit 100 Millionen Einwohnern die am dichtesten besiedelte chinesische Provinz, ein Drittel ihrer Wälder, und die Behörden sehen darin einen Hauptgrund für das neuerliche Ausmaß der Überschwemmungen des Jangtse, von dem befürchtet wird, er könnte ein neuer Gelber Fluß werden: er führt jetzt 2,5 Milliarden Tonnen Schwemmerde jährlich mit, bei einer im Vergleich zum Huangho höheren Wachstumsrate.

Jederzeit war auch die Ausdehnung der Armut — mehr als eine Milliarde Menschen lebt heute laut Weltbank in einem Zustand absoluter Armut - ein wesentlicher Faktor für die Verletzbarkeit der Umwelt. ,Diese absolut Armen** *, schreibt F.Ramade, ,leben heute mehr oder weniger ständig im Katastrophenzustand. ... Sie können sich überhaupt nur auf Grundstücken von geringem Wert niederlassen, und diese sind oft gefährlich: die favelhas in Südamerika, an starken Hanglagen erbaut, also rutschgefährdet; die slums von Kalkutta, an Flußufern oder auf Überschwemmungsland errichtet; verelendete Bauern in Bangladesh, von denen heute mehr als zehn Millionen in Delta-Zonen mit einer Höhe von nicht mehr als drei Metern über dem Meeresspiegel hausen, was sie jedem Wirbelsturm und jeder Sturmflut aussetzt. *31 Am Ende des 20.Jahrhunderts stehen wir also vor einer kombinierten Umweltkrise, ein erhebliches Risiko, das schon seit jeher die Menschheit bedroht hat. Die Industrialisierung mit ihrem enormen Bevölkerungswachstum und das weltweite spektakuläre Wachstum der Agrarproduktion haben eine wachsende Kluft zwischen der Kapazität der Biosphäre und ihren Gleichgewichten einerseits und der Belastung durch den Menschen andererseits aufgerissen. Wenn es zwei Millionen Jahre gedauert hat, bis die Weltbevölkerung auf vier Milliarden Menschen (1975) wuchs, so dauert es beim heutigen Rhythmus bloß weitere vierzig Jahre bis zur Verdoppelung dieser Zahl. Dies setzt in dieser Zeit ein ebenso großes Wachstum der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion voraus wie im Zeitraum vom Neolithikum bis heute! Die Belastbarkeit der Ökosysteme stößt bereits heute an zahlreichen Orten an ihre Grenzen.

Die Industrialisierung in ihrem heutigen Zustand führt nicht nur zu irreversiblen Prozessen der Umweltzerstörung und erweist sich als unfähig, die klassischen Umweltbelastungen zu bremsen; es ist absehbar, daß sie sogar die Existenz der Biosphäre gefährdet. Diesbezüglich scheint 1960 eine Schwelle überschritten worden zu sein. Bis dahin lag die Weltbevölkerung unter drei Milliarden Menschen, die Produktion der wichtigsten biologischen Ressourcen hielt Schritt. Danach tat sich in verschiedenen Gebieten die Schere auf: das Bevölkerungswachstum wurde schneller als die Versorgung mit Ressourcen.

Waren die durch das Ungleichgewicht zwischen der Bevölkerung und der Belastbarkeit der Umwelt erzeugten ökologischen Krisen früher regional oder lokal, so läßt sich mit der weltweiten Verbreitung des Industriekapitalismus die Perspektive einer weltweit kritischen Umweltsituation nicht mehr hinwegreden. Eine um so beunruhigendere Situation als keinerlei vorgeblich sozialistischer Versuch des Bruchs mit der herrschenden Produktions- und Konsumtionsweise, Resultate gebracht hat. * Anmerkungen:

1. F.Braudel, La Méditerranée et le monde méditerranéen à l'époque de Philippe 1I, Paris -1966, S.XIII, XIV 2. F.Braudel. La longue durée", Annales E.S.C., Oktober/Dezember 1958.

3. Siche besonders .Leroy-Ladurie, Histoire du climat depuis l'An Mil, Paris 1967, und Le territoire de l 'historien. Paris 1973: J. Labeyrie, L'homme et le climar, Paris 1985: C. Pfister, Fluctuations climatiques et prix céréaliers en Europe du XVIe au XXe siècle", Annales E.S.C., 1/1988, S. 25-53.

4. F. Ramade, Les catastrophes écologiques, Paris 1987. S.183-184.

5. M.Godelier, L'idéel et le matériel. Pensée, économies, sociétés, Paris 1984, S. 155.

6. P.Gourou, Leçons de géographie tropicale, Paris 1971. 7. J.Needham, Science and Civilization in China", IV. Physics and Physical Technology. 3, S.240f. 8. S.A.Adshead, An Energy Crisis in Early Modern China", Ch'ing-shih Wen-t'i, Vol.III, Dezember 1974. 9. M.Lombard, Espaces et réseaux du haur Moyen-Age. Paris/Den Haag 1972.

10. L.Febvre, La terre et l'évolution humaine. Introduction géographique d T'histoire. Paris 1922, S.158; R.Dion. Usines et forêts. Conséquences de l'ancien emploi du bois comme combustible industriel", Revue des Eaux et forèts. Oktober 1938, S.771-782; L. Trénard, Le charbon avant l'ère industrielle", in: Charbon et Sciences humaines, Paris/Den Haag 1966; J.U.Nef, ..Les conséquences historiques d'une crise historique de l'énergie", Pour la Science, Februar 1978 11. P.Blaikie/H.Brookfield, Land Degradation and Society, London 1987; für Frankreich siche insbesondere die Arbeiten von J. Vogt.

12. J.B.S.Thompson, Grandeur et décadence de la civilisation Maya, Paris 1973 13. F.Ramade, a.a.O., S.127.

14. B.P.Groslier. Agriculture et religion dans l'empire Angkorien, Erudes rurales, Januar/Dezember 1976. 15. M.Lombard, a.a.O

Seite 26

die Internationale 16. K.Pomian, Les limites écologiques des civilisations"*, siche die bemerkenswerte Arbeit von P.Brimblecombe, The Social Science Information, 1/1976: L. White, .The Histori- Big Smoke, London 1987. cal Roots of our Ecology Crisis", Science, Nr. 155. 1967. 22. J.R.Harlan, Les plantes cultivées et l'homme. Paris 17. M.Godelier, a.a.O., S.66. 1987 18. A.Haudricourt, Domestication des animaux, culture 23. F.Ramade, a.a.O., S.191-193. des plantes et traitement d'autrui. L. Homme, Januar/März 24. Ebd., S.4 1962. 25. Ebd.

19. K.Thomas, Dans le jardin de la nature. La mutation des 26. Ebd., S.193. sensibilités en Angleterre à l'époque moderne (1500-1800). 27. Ebd., S.4. Diese Krise ist in Afrika besonders schwer: Paris 1985. Oft ist auf die Beziehung zwischen der Herr- siche L. Timberlake, Africa in Crisis: The Causes, the Cures schaft über die Natur und der des Mannes über das weibli- of Environmental Bankruptcy. London 1985 che Geschlecht hingewiesen worden, siche insbesondere 28. F.Ramade, a.a.O., S.IS. C.Merchant, The Death of Nature, Women, Ecology and the 29. Ebd., S.13. Scientific Revolution, New York 1983. 30. C.Henry, ,La spécificité de la politique chinoise de 20. K.Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökono- l'environnement", Revue française d'administration publimie, Berlin 1953, S.313. que. Juli/September 1985; V.Smil, The Bad Earth. Environ- 21. Siche dazu insbesondere unsere Arbeit: J.C.De- mental Degradation in China, New York 1984. beir/J.P. Deléage/D.Hémery, Les servitudes de la puis- 31. F.Ramade, a.a.O., S.15; dieser gesellschaftliche Aspekt sance, une histoire de l'énergie. Paris 1986; hinsichtlich der der Umweltprobleme wurde erst im Februar 1988 wieder daraus entstehenden Probleme der Umweltverschmutzung durch die tragischen Folgen der Überschwemmungen in Brasilien deutlich.

STUDIENHEFTE

Die STUDIENHEFTE sind die deutschsprachige Ausgabe der CAHIERS D'ETUDE ET DE RECHERCHE/NOTEBOOKS FOR STUDY AND RESEARCH (CER/NSR) Sie werden im Rahmen der Aktivitäten des INTERNATIONALEN INSTITUTS FUR FORSCHUNG UND SCHULUNG (IFS) veröffentlicht. Die STUDIENHEFTE wollen einen Beitrag zur theoretischen Entwicklung des revolutionären Marxismus leisten. Die STUDIENHEFTE erscheinen in drei verschiedenen Versionen: * als Kurshefte, die Vorlesungen am IIFS oder Ergänzungen dazu enthalten; * als Untersuchungen mit systematischen Studien über ein Land oder ein spezielles * als Dossier und Debatte, in dem Dokumente. Artikel und Interviews erscheinen, die einen Beitrag zur Klärung kontroverser Fragen leisten sollen. Ab Januar 1989 sollen die STUDIENHEFTE vierteljährlich beim isp-Verlag in Frankfurt veröffentlicht werden. Folgende Hefte stehen auf dem Programm: * Ernest Mandel: Die Stellung des Marxismus in der Geschichte * Daniel Bensaid: Revolutionäre Strategie heute Michael Löwy: Uber die permanente Revolution Pierre Rousset: Die chinesische Revolution I und Il Mutuo Ichiyo: Klassenkampf und technologische Erneuerung in Japan Michael Lowy (Hg.): Populismus in Lateinamerika * Catherine Samary: Plan. Markt und Demokratie Weitere Themen sind in Bearbeitung. Die STUDIENHEFTE sind auf die inhaltliche und finanzielle Unterstützung aller ihrer künftigen Leserinnen und Leser angewiesen. ABO-BESTELLUNG 0 Ich abonniere die STUDIENHEFTE ab Nr. ../ ab sofort zum Preis von DM 20.pro Jahr (4 Ausgaben).

• Ich möchte ein Förderabonnement der STUDIENHEFTE für DM ... pro Jahr bezichen. Name: .....

Anschrift:

0 Wir möchten... Exemplare der STUDIENHEFTE bezichen. Gruppe:

Name der/des Verantwortlichen: Anschrift:

Oberweisungen bitte auf: isp-Verlag. PGA Frankfurt, BLZ 500 100 60, Konto-Nr. 188 16-600. Begriffserläuterungen

Biosphäre: Gesamtheit der mit Lebewesen besiedelten Schichten der Erde: die Atmo-. Hydro- und Pedosphäre. Auch Ausdruck für die Gesamtheit dieser Lebewesen.

Biotop: Lebensstätte; Gebiet mit bestimmten Eigenschaften, das einer spezifischen Pflanzen- und Tiergemeinschaft (Biozönose) relativ stabile (oder zyklische) Lebensbedingungen bietet (z.B. Wald. Flußufer, Geröllhalde, Teich usw.)

Endogen: Aus inneren Ursachen entstanden.

Fatimiden: İslamische Herrscherdynastie, die von 973 bis 1171 in Agypten regierte.

Herzynischer Wald: Antiker (keltischer) Name des rechtsrheinischen Mittelgebirgslandes bzw. dessen Bewaldung. Hilal-Araber: Kriegerische Araberstämme, die zuerst auf der arabischen Halbinsel Mekka-Pilger ausraubten, dann und für kriegerische Einfälle gegen Feinde in Ostafrika eingesetzt wurden. Hydrologie: Gewässerkunde. Hier die Bewässerungsverhältnisse und -anlagen. Kosmologie: Lehre vom Weltall und seinen Gesetzmäßigkeiten. Auch Bezeichnung für frühere Schöpfungsgeschichten, -legenden und -theorien.

Minamata-Krankheit: Chronische, schwere Quecksilbervergiftung durch Genuß von Fischen aus der Minimata- Bucht (Japan), in die eine Fabrik massiv quecksilberhaltige Abwässer eingeleitet hatte.

Neolithikum: Jungsteinzeit; die auf die Alt- und Mittelsteinzeit folgende Epoche der Menschheitsgeschichte, sie dauerte in Mitteleuropa von etwa 6000 bis 1800 v.u.Z. und wurde von der Bronze- und Eisenzeit abgelöst.

Ökosystem: ökologische Grundeinheit, bestehend aus dem Biotop und den darin lebenden Pflanzen und Tieren, den Lebensgemeinschaften (Biozõnosen). pH-Wert: Index für die Konzentration (Aktivität) von Wasserstoffionen in einer Lösung. Er gibt mit einer logarithmischen Skala von 1 bis 14 den Säuregrad an: Reines Wasser hat einen pH-Wert von 7. saure Lösungen haben einen kleineren, alkalische einen größeren pH-Wert als 7. Säuregrade um 4 bis 5 sind noch schwach, aber für manche Fische schon tödlich. Population: Gesamtheit der Individuen einer Art in einem umgrenzten Gebiet. ppm: Teile pro Million. I ppm ist z.B. ein Gramm pro Tonne oder 1 cms pro ms.

Seite 27

werden. Diese könnten zusammen mit den • demokratisch gewählten Sowjets das Netz einer funktionierenden sozialistischen Demokratie bilden.

Natürlich haben wir keine praktischen Erfahrungen, mit denen wir beurteilen könnten, wie realistisch unsere Vorschläge sind. Aber was auch wichtig ist, ist daß wir wollen, daß die Losung Alle Macht den Räten" durch ein System freier Wahlen Wirklichkeit wird • * Ist diese Losung heute in der Sowjetunion populär?

* Ja, sehr. Das bedeutet nicht zwangsläufig, daß die Leute gegen die Partei sind, sondern sie sind ihre unmittelbare Herrschaft leid, das gilt selbst für Parteimitglieder.

* Sprechen wir über zwei Punkte: die Partei und die Sowjets. Was uns erstaunt, ist, daß man vor zwei oder vielleicht drei Jahren hätte denken können, daß die Sowjets in der Sowjetunion in den Augen der Leute so diskreditiert seien, daß der Weg der Demokratie und der Außerung von Forderungen in eurer Gesellschaft daran vorbei gehen und etwas neues aufgebaut werden würde. Hat der Einfluß der Losung taktische Gründe?

* Nein, denn die Losung Alle Macht den Sowjets" ist nicht von den radikalen Moskauer Intellektuellen erfunden worden. Sie hat uns aus den Provinzstädten erreicht. Sie kommt aus dem background unserer Kultur, denn die Leute geben, in gewisser Hinsicht unbewußt, die Losungen und Modelle der letzten jemals in der Sowjetunion geschaffenen Demokratie wieder und diskutieren darüber. Das letzte Modell, das versucht worden ist, war das der Sowjets. Das ist etwas, das die Leute. wissen. Es gibt zumindest cinige romantische Ideen darüber, was geschah, als es Arbeiterräte gab, die wirklich die Macht hatten. Selbst wenn diese Ideen nicht zutreffend sind, so gibt es sie doch, und wenn die Leute sagen „Alle Macht den Sowjets", denken sie nicht an die gegenwärtigen Sowjets, sondern an wirklich gewählte Sowjets. Wenn wir sagen „Alle Macht den Sowjets" , so bedeutet das: freie Wahlen zu den Sowjets. * Und die Frage der Parteien?

* Im Prinzip sind wir praktisch alle der Meinung, daß ein Mehrparteiensystem für die Demokratie notwendig ist, daß für die Demokratie mehr als eine Partei erforderlich ist. Aber es gibt zwei Dinge, die man nicht vergessen sollte. Zunächst ist die Demokratie nicht einfach ein Mehrparteiensystem, was bedeutet, daß man ein ganzes Netz von Grundregeln der Demokratie wie eine Habeas-Corpus-Akte, Wahlgesetze und Meinungsfreiheit haben muß, ohne die die Bildung eines Mehrparteiensystems nichts ändert. In manchen unterentwickelten Ländern ist das Mehrparteiensystem auf dramatische Weise gescheitert; es wurde korrupt, unwirksam und diktatorisch, weil es praktisch kein organisiertes Netz in der zivilen Gesellschaft und keine Bedingungen dafür gab, somit auch keine Basis für die Schaffung eines Mehrparteiensystems mit einem wirklichen demokratischen Inhalt. Das Problem ist heute, die Voraussetzungen für eine wirkliche Demokratie zu schaffen, d.h. dieses Netzwerk in der zivilen Gesellschaft. Für die Mehrheit der Leute ist die Hauptsache nicht die Errichtung eines Mehrparteiensystems, sondern die Änderung der lokalen und nationalen Verhältnisse durch freie Wahlen und Aktionen, denn sie denken nicht in den Begriffen des westlichen Vielparteiensystems. Als zum Beispiel die Demokratisierung in Spanien die Legalisierung der Kommunistischen Partei brachte, hatte diese Partei bereits viele Jahre existiert, das gleiche gilt für die Sozialistische Partei. Wenn also die Zeit gekommen ist, ein System mit mehreren Parteien zu schaffen, müssen sie bereits vorher existiert haben, zumindest in embryonaler, elementarer Form.

* Das bedeutet in der gegenwärtigen Situation, daß größere Kräfte erforderlich sind, die in politischer Weise agieren...

* Das ist der dritte Punkt, der für uns genauso wichtig ist. Wir denken, daß die Kommunistische Partei selbst nicht homogen ist; es gibt widersprüchliche Kräfte in ihren Reihen. In letzter Instanz müßte eine gewisse politische Differenzierung entstehen, die langfristig das Auftauchen konkurrierender politischer Parteien zur Folge hat, in der Weise, daß der politische Pluralismus nicht aus einer Herausforderung der KPdSU entsteht, sondern aus dem Inneren der Partei selbst. Dies scheint heute vielen unwahrscheinlich, aber manche Parteimitglieder in der Volksfront schen darin auch den Hauptkurs in Richtung auf ein Parteienpluralismus.

* Kannst du uns eine Vorstellung von der Anzahl der Parteimitglieder in der Volksfront geben und in allgemeiner Form das Problem der Beziehungen SOWJETUNION zwischen der Volksfront und den offiziellen Institutionen erklären? * Ich muß zugeben, daß es nicht so viele Mitglieder der KPdSU in der Volksfront gibt; auch wenn sie in allen Initiativgruppen vertreten sind, bleibt ihre Anzahl doch beschränkt, aber sie sind einflußreich. Die Parteimitglieder - wenn sie keine Karrieristen sind, und die, die der Volksfront beitreten sind keine Karrieristen - sind älter und haben mehr Erfahrung und ein größeres politisches Bewußtsein.

Wir haben im Organisationskomitee eine Gruppe von Parteimitgliedern aus verschiedenen Klubs, die bei Entscheidungen und der Ausarbeitung von Konzepten sehr einflußreich ist. Die Gruppe existiert nur in Moskau. Aber z.B. in Krasnojarsk dominieren die Parteimitglieder auch das lokale Komitee. In Leningrad sind sie wahrscheinlich nicht dominierend, aber einflußreich. Es gibt eine demokratische Tendenz in der Partei.

* Ist es vielleicht auch ein Versuch, die Volksfront zu kontrollieren?

* Nein, nein. Es ist schwierig, sich Tausende von Parteimitgliedern vorzustellen, denen man in bürokratischer Weise befohlen hat, der Volksfront beizutreten, nur um sie von innen heraus zu zerstören. In Wirklichkeit ist es nicht so, denn die Funktionäre werden niemals in die Volksfront gehen. Die Leute, die zur Volksfront kommen, müssen konkreten Gruppen beitreten, an einer konkreten Aktion teilnehmen; die Leute sehen sie in diesen Gruppen und auch, ob sie Sabotage begehen wollen.

* Glaubst du, daß sich in der KPdSU eine Art Umgruppierung entwickeln kann?

* In ein oder zwei Jahren, ja. Wir warten auf die nächste Wahlkampagne in der Partei. Wir glauben nicht, daß sie sensationelle Ergebnisse haben wird, aber auf jeden Fall wird sich die Lage in der Partei ändern. Die wichtigsten Schlachten werden im Laufe des nächsten Jahres stattfinden. Im Oktober 1989 sollen sowohl lokale als auch innerparteiliche Wahlen stattfinden. Ungefähr ein Jahr nach der Entwicklung der Volksbewegung kann dies zu sehr ernsten Auseinandersetzungen führen.

* Wie ist die Situation in den Gewerkschaften?

* Ich möchte nicht übermäßig pessimi-

Seite 28

SOWJETUNION stisch sein, aber bis jetzt haben wir keinerlei Zeichen von Bewegung bemerkt. Die aktiven Arbeiter sprechen von der Schaffung einer Bewegung bei den Werktätigen, aber nicht im Sinne einer freien Gewerkschaft. Sie denken mehr an die Schaffung einer Art Arbeiterlobby in der Volksfront und den Organisationskomitees, indem sie Arbeiterforderungen aufstellen und darauf achten, daß die Interessen der Arbeiterklasse in den Aktionen der Volksfront zum Ausdruck kommen. Andererseits versuchen sie, die Werktätigen für die Unterstützung der Volksfront auf der Ebene der Fabriken zu mobilisieren. Manche Gruppen wollen, ohne ouvrieristisch oder intellektuellenfeindlich zu sein, spezifische Gruppen der Arbeiterklasse haben, die sich mit ihren eigenen Problemen beschäftigen, so z.B. die Union Kommunistischer Arbeiter. Das ist eine Gruppe, die Arbeiter aus sechs Moskauer Unternehmen sowie aus einigen Unternehmen in verschiedenen Stätten umfaßt. Aber sie sind nicht schr zahlreich, zweifellos weniger als hundert Leute. Sie nehmen auch an Aktivitäten der Gruppe Sozialistische Initiative teil, woran ich auch beteiligt bin. Aber sie haben ihre eigene getrennte Gruppe. * Begreifen sie sich als Sozialisten oder Kommunisten?

* Wie ihr Name sagt, als Kommunisten, d.h. sie treten für kommunistische Ideen ein, aber sie sind keine Parteimitglieder. In Swerdlowsk gibt es eine ouvrieristische Tendenz, die versucht, sich außerhalb der Initiativgruppe der Volksfront zu konsolidieren. Es sind junge intellektuelle Anhänger einer Art Arbeiterpartei, getrennt von allen anderen Bewegungen. Das Resultat ist, daß ihnen keine Arbeitergruppe beigetreten ist.

* Hast du eine Vorstellung von der Auswirkung der polnischen Erfahrung. soweit sie bekannt ist, auf die sowjetischen Arbeiter und die Bürokratie? * Es ist schwierig, ernsthaft darauf zu antworten, denn weder die Leute noch die Bürokratie sind im Besitz von Material für eine ernsthafte Analyse der polnischen Situation. Jetzt arbeiten manche daran; sie studieren z.B. die Strukturen von Solidarnosć, um ihre Irrtümer zu vermeiden. Deshalb waren wir von Anfang an daran interessiert, ein wirkliches idcologisches Programm für die Volksfront zu haben. Denn falls eine populistische Tendenz ohne klar definierte ideologische Grundlage siegen sollte, was nicht schr wahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen ist, wäre das Resultat die politische Wirkungslosigkeit der Bewegung - unfähig, die Dinge wirklich zu ändern, nur in der Lage, auf der Basis von Eingebungen zu handeln, taktisch und strategisch impotent, unfähig, eine ernsthafte Initiative zu ergreifen. Solidarnosć hatte keine ideologische Basis, weder eine linke noch eine rechte. Weder eine Partei noch eine Gewerkschaft, war sie nicht zur strategischen Initiative fähig. Sie hatte keine Strategie und ist deshalb in gewisser Hinsicht gescheitert.

Ich glaube aben. denn wir haben ehr Chancen Solidarnosé ist in einigen Wochen zur Massenbewegung geworden, es war eine ungeheure Explosion. Damit rechnen wir hier nicht.

* Glaubst du, daß ihr mehr Zeit haben werdet und daß es keine soziale Explosion oder Reaktion geben wird? * Ich meine, wir haben mindestens noch ein Jahr der, sagen wir, normalen Entwicklung: wir wollen die Lage nicht selber destabilisieren. Wir wollen solange gegenüber dem Experiment Gorbatschows loyal bleiben, wie es progressiv ist und mehr Demokratie bringt. Auch dann wenn es nicht alles erfüllt, was wir möchten, ist es immer noch besser als die Reaktion. Es gibt heute bürokratische oder technokratische Alternativen zu Gorbatschow, aber diese würden in eine Art Diktatur, entweder technokratischer oder stalinistischer Art, münden.

die Gorbatschow-Führung ist heute fü ins die bestmögliche Variante. Ohne si könnten die Basisbewegungen zwar eine eine diktatorische Gruppe, durch ein Polizeiregime, gäbe es für die Bewegungen an der Basis nicht mehr länger die Möglichkeit zu einem wirklichen Eingreifen. * In der gegenwärtigen Situation seid ihr mit einer konservativen Bürokratie konfrontiert, die sich einer sozialistischen Linken und einigen technokratischen Strömungen gegenübersieht. Natürlich gibt es auch größere Differenzierungen, aber viele Leute denken sicher an eine Allianz mit den technokratischen Strömungen — wie in Jugoslawien, Polen usw.

* Ja, ich bin einverstanden. In einem gewissen Maße sind wir zu einer Allianz mit den Technokraten bereit, aber alles hängt davon ab, wie weit wir bereit sind. sie zu unterstützen. In der Frage der Geschichte, des Stalinismus, unterstützen wir viele ihrer liberalen Zeitungen und ihrer liberalen Intellektuellen, wenn sie das stalinistische System auf politischer und ökonomischer Ebene kritisieren. Aber wenn die Technokraten sich mit den Stalinisten verbünden, ,um die Ordnung wiederherzustellen* , um ihre eigenen unpopulären Projekte durchzusetzen, werden wir sie nicht unterstützen. * Heißt dies, daß ihr angesichts der Situation die Entwicklungs- und Ausdrucksmöglichkeiten der Volksfront im Rahmen eines Kompromisses mit den bestehenden Strukturen seht?

* Wir sind Realisten, wir fordern nicht das Unmögliche. Wir erheben radikale, aber realisierbare Forderungen. Auch wenn wir nur ein Minimum erreichen, wird die Bewegung radikaler. Je mehr wir also erreichen werden, desto mehr wird sich die Bewegung radikalisieren. Es gibt zwei Elemente in dieser Radikalisierung. Das eine ist die organische Radikalisierung der Bewegung selbst, die durch die innere Dynamik der Bewegung hervorgerufen wird. Die Leute verstehen, daß man, um etwas zu erreichen, mehr fordern muß. Das zweite ist eine negative Radikalisierung, wenn die Leute sich aufgrund des Fehlens konkreter Resultate radikalisieren.

Anmerkungen:

1. Siche die Grundsatzerklärung der Föderation Sozialistischer Klubs in Inprekorr, Nr. 198, Dezember 1987, S.8-9. 2. Inprekorr. Nr.208, Oktober 1988, veröffentlichte seinen ursprünglich in New Left Reviewerschienenen Aufsatz ..Pcrestroika - Dialektik des Wandels** 3. B.Kagarlitsky. The Thinking Reed: Intellectuals and the Soviet State from 1917 to the Present, London: Verso, 1988 Siche die Rezension in Socialist Outlook, Nr.9. Oktober 1988.

EI SALVADOR LIBRE

SPENDENAKTION

Waffen für El Salador

Postgiroamt Berlin-West

Sonderkonto 288 59-107 Bankleitzahl 10010010 Freunde der alternativen Tageszeitung e.V.

1000 Berlin 65 Kontostand 12.12.88:

4.142.243,34 DM

Seite 29

GROSSBRITANNIEN