Bücherkiste ein größeres Gewicht. Er relativiert die Autor die ETA auch nach dem Franquis- Rolle der Arbeiterbewegung und gleich- mus als „organischen Ausdruck"* des Nazeitig seine frühere Kritik am bewaffneten tionalismus und „strukturellen Teil" Kampf gegen die nationale Unterdrük- eines unterdrückten Volkes. Gleichzeitig kung. Damit zusammenhängend und an- lehnt er deren Konzept einer „bewaffnegesichts des „tiefen Grabens zwischen ten Avantgarde** ab, fordert deren Unter- Euskadi und Spanien* unterstützt er die ordnung unter die gesellschaftliche Unabhängigkeitsforderung. Gerade weil Selbstorganisierung* und hofft auf eine der jüngste Teil weniger mit Zahlen und „Entmachtung" der militärischen Logik Ereignissen belastet ist als die Disserta- durch die politische. tion und weil schlüssige Selbstkritiken immer spannend sind, liest er sich leicht Der Konflikt zwischen der Zentralregieund gibt er viele Anregungen - auch für rung und den Basken hat sich nach der das Verständnis anderer Länder. Zuerst NATO-Abstimmung vertieft, wo außerzerzaust Jo Lang all jene, welche vor Jah- halb Euskadis der Nein-Anteil gut ein ren die Basken bejubelten (weil sie ihnen Drittel, im Baskenland fast zwei Drittel die Kastanien aus dem Feuer holten?) und betrug. Seit diesem Urnengang vom heute verhetzen. Viele chemalige Anti- 12. März 1986 zweifelt Jo Lang an seiner franquistinnen und Antifranquisten erlä- bisher vertretenen Position einer ,,freien gen einem „doppelten Mißverständnis" Föderation souveräner Nationalitäten**: Erstens bedeute für die Basken Demokra- ,,Die politische soziokulturelle und betie mehr als Abwesenheit von Diktatur wußtseinsmäßige Kluft zwischen Euskadi und das Veranstalten von Urnengängen. und den anderen Völkern des Spanischen Ihr brennendstes Anliegen" sei der Staates ist derart tief, daß den Basken Wegzug der — immer noch schlag- und nichts anderes als die Unabhängigkeit schießfreudigen - Repressionskräfte. übrig bleibt. " Für diese Forderung spre- Und zweitens gehe es in Euskadi nicht nur che weiter, daß sie deutlicher denn je „die um die individuellen Freiheiten, sondern Bedeutung von sozialer Rebellion* habe vor allem um das kollektive Recht auf und „allgemeiner Ausdruck von politi- Selbstbestimmung. Spanische Staatsrai- scher Radikalität" sei. Allerdings schließe son oder baskisches Volksrecht und nicht die Unabhängigkeit eine spätere Vereinietwa Gewalt oder Gewaltlosigkeit", das gung nicht aus. Wohl um orthodoxere sei die Frage, über die sich die Geister tat- Geister in den eigenen Reihen zu besänftisächlich schieden. Daß Euskadi eine Na- gen, bringt er ein Zitat Lenins, der am tion ist, erhärten Umfrage- und Wahler- Beispiel der in einen Einheitsstaat gegebnisse, warum Spanien keine werden zwungenen Schweden und Norweger konnte, erklärt ein aufschlußreicher Ver- sagte: „Um sich enger und ehrlicher zu gleich mit der Geschichte Frankreichs. verbinden, ist es oft nötig, sich zuerst zu trennen."
Gerade die sozialen Netze sind es, welche den nationalen vom sozialen Befreiungs- Das für die Zweitauflage gemachte Nachkampf unterscheiden und erklären, wa- wort bedeutet nicht nur eine quantitative, rum die ETA und die IRA mit der Action
Directe oder der RAF nicht zu verglei- sondern auch eine qualitative Bereichechen seien. Der Nationalismus könne sich rung des Buches. Schade, daß die vitale - im Unterschied zum Klassenkampf - Kultur und das „französische" Basken- ,auf ein bereits bestehendes gesellschaft- land weiterhin zu kommen. Aber auch so liches Netz stützen" und habe es leichter, bleibt Das baskische Labyrinth ein Muß dieses „zu verdichten und zu verteidi- für die Euskadi- und Iberien-Interessiergen*. Zudem erfahre eine unterjochte ten und ein Soll für alle Befreiungs-Be- Nation den Staat leichter als Fremdkörper wegten. * Roland Brunner als eine unterdrückte Klasse und stelle das Josef Lang. Das baskische Labyrinth. staatliche Gewaltmonopol „natürlicher" Unterdrückung und Widerstand in Eusin Frage. Diesen strukturellen Unter- kadi, Frankfurt: isp-Verlag. 2., aktualischied zwischen nationaler und sozialer sierte und erweiterte Auflage, 1988. 432 Befreiung zu unterschätzen, sei ,,eine der Seiten, 39,00 DM, ISBN 3-88332-073-0 Hauptschwächen des linken Diskurses auch meiner Dissertation - zur nationalen Frage und zum bewaffneten Kampf."
Aufgrund dieser Erwägung betrachtet der
• ir wollen uns mit diesem Beitrag aut zwel Fragen konzentrieren: was sind heute die Ten- Griechenland:
FRAUENBEWEGUNG
Frauenbewegung denzen der Frauenbewegung in Griechenland? Was sind ihre Konzeptionen und Aktivitäten? Zweitens wollen wir die Notzwischen Tradition wendigkeit der Aktionseinheit der verschiedenen Strömungen betonen. und Moderne
Beginnen aber wollen wir mit einer kurzen Einleitung über den Rahmen, in dem unsere Kämpfe seit 1974 stattgefunden haben. Die Periode seit dem Ubergang Der folgende Artikel ist ein Beitrag der autonomen Frauengruppe zum Parlamentarismus, in der wir die Lamia [Hexe] zu dem Frauenforum, das am 26.Juni im Athener Entstehung der modernen Frauenbewegung und einer Frauenbewegung, die in Der Text stellt eine erste kritische Bewertung des Kurses, der die politischen Parteien integriert war, gesehen haben, war für den Feminismus Fehler und Errungenschaften der modernen Frauenbewegung dar schwierig. Es gab einen Zusammenstoß und zeigt für die weitere Entwicklung der Frauenbefreiungsbewe-