Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Kampagne in Frankreich gegen das Verbot der E.T.A.

Inprekorr Nr. 21, 15. November 1972 · S. 4-5 · 831 Wörter

Frankreich Baskenland Spanischer Staat Gewerkschaften und Streiks

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+++++++++++++++++++++++++++++++++ +++++++++++++++++++++++ ++++++++++++++++ Aus ROUGE VOM 4. Nov. :

Seit einer Woche führen etwa 80 baskische Genossen einen Hungerstreik in den Kirchen von Bayonne, St. Palais und anderen Orten in der Region. Sie manifestieren so ihren Widerstand gegen die Verordnung, mit der Marcellin in Frankreich die baskische revolutionäre Organiso tion ETA verbot. Dieses Verbot ist ein neues Kettenglied in der polizeilichen Kollaboration zwischen dem französischen und dem spanischen Staat. Schon im Dezember 1969 hatten 10 Genossen der ETA, denen es gelungen war, aus Francos "Modellgefängnis"' Bassauri zu entkommen, politisches Asyl in Frankreich verlangt. Die französische Regierung, die eben 50 Mirage - Düsenjäger an Franco verkauft hatte, trennte die 10 Basken und wies ihnen den Aufenthalt in verschiedenen kleinen Dörfern im zentralen und nördlichen Frankreich an. Pon pidou sah es also als ein Delikt an, aus Francos Gefängnissen entkommen zu sein! Seither bewies die französische Regierung viele Male ihren guten Willen dem Franco-Regim von der Kollaboration der Polizeien bei der "Säuberung der Grenzen" bis zu den Erklärun gen des Präsidenten für den Eintritt Spaniens in den Gemeinsamen Markt, von der Ausweisung Madarriagas nach Chile bis zum Hausarrest der zwei der Schießerei von Urdax entkomn nen, von der Aufenthaltsverweigerung für den Führer der KP Spaniens, Carillo bis zur Aufen haltsanweisung in Lille von drei Genossen der ETA, die im letzten Frühjahr drei Wochen lai Hungerstreik gemacht hatte.

Indes, in der grenznahen Region Frankreichs wird die Solidarität organisiert. In Bayonne wurde ein Verteidigungskomitee für politische Flüchtlinge, in der eine breite Front von politischen und gewerkschaftlichen Organisationen zusammenfanden, organisiert. Die Militanten agitieren auf den Märkten, vor den Toren der Fabriken, in den Dörfern und vor den Kirchen den Fall und die Forderungen derer, die in den Kirchen in Hungerstreik getreten sin

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Zu einer Demonstration kommen zwischen 2000 und 3000 Personen. In Paris bildete sich ein Kartell von Organisationen, unter ihnen die Ligue Communiste, die Sozialistische Partei, die PSU, die Sozialistischen Studenten, ähnliche Einheitskartelle wurden in Dax, Mont de Das Verteidigungskomitee hat eine Plattform auf folgenden vier Hauptparolen aufgestellt: 1.- Für das Recht der baskischen Flüchtlinge, im nördlichen Baskenland oder in jodem ande- 2. - Für die Aufhebung sämtlicher Ausweisungen und Aufenthaltsanweisungen an bestimmte 3. - Gleiche politische und gewerkschaftliche Rechte für Flüchtlinge wie für französische Bürgerl 4.- Werden wir gegen die Kollaboration zwischen Franco und Pompidou aktiv! Die zweite und dritte Parole wurden bisher von den Nationalisten unter den Hungerstreikenden der Kathedrale von Bayonne abgelehnt, während sie von den revolutionären internationalistischen Streikenden der Saint-André - Kirche akzeptiert wurden, die somit ihre Absicht bekunden, für die Verteidigung aller politischen Flüchtlinge einzutreten und ihren Kampf mit dem der französischen Arbeiterklasse zu verbinden.

Aus ROUGE vom 11. Nov.:

Der baskische Genosse J. Madariaga ist in der Kathedrale von Bayonne mit Gewaltanwendung verhaftet und sofort zu drei Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden. Im Lauf der vergangenen Woche hat die Polizei auch die Kirche von St. André besetzt, um die Hungerstreikenden Iriarte, Uribarri und Aracam zu verhaften, die schon im letzten Jahr 19 Tage im Hungerstreik in der Kirche St. Lambert verbracht hatten mit dem Ergebnis, daß ihre Ausweisung in eine Aufenthaltsanweisung für Lille umgewandelt worden war. Beim ersten Versuch gelang es der Polizei nicht, sich der drei Genossen zu bemächtigen, weil sie von ihren Genossen verteidigt wurden. Ein neuer Anlauf mit herbeigeholter Verstärkung war nötig, um die drei nach einer Schlägerei, bei der diese verletzt wurden, festzunehmen. Die Solidaritätsbewegung dehnt sich weiter aus. Am Dienstag fand in Bayonne eine Kundgebung statt auf einen Aufruf des Verteidigungskomitees für politische Flüchtlinge, der Sozialistischen Die drei Genossen der ETA VI, Uribarri, Aracam und Iriarte, hatten am 8. November Gerichtsverhandlung. Aracam und Uribarri wurden zu 6 Monaten ohne Bewährung verurteilt, Iriarte zu einem Monat ohne und zwei Monaten mit Bewährung. Als sie aus dem Gerichtsgebäude herauskamen, wurden sie von einer Menge von 600 Personen, die zu ihrer Unterstützung geko kommen waren, begrüßt. Sie hatten die Faust erhoben und schrieen Aus ROUGE vom 18. Nov.:

In Bayonne geht der Hungerstreik weiter, seit 21 Tagen. Mehrere Streikende der Kirche St. Andre haben aufgehört, zu trinken und Zucker zu essen. Vier von ihnen mußten schon ins Krankenhaus gebracht werden. Immer mehr Unterstützungsaktionen werden am Ort organisiert. Am Donnerstag fand wieder eine Straßendemonstration von mehreren hundert Personen statt.

In Paris vertrieb die Polizei am Samstag 11. November eine Gruppen von Genossen, die in der Notre-Dame einen Hungerstreik in Solidarität mit Bayonne begannen. In der Nacht von Sonntag auf Montag manifestierten revolutionäre Militanten zweimal ihre Solidarität mit den baskischen Opfern der Maßnahmen von Marcellin. Um 21 Uhr 40 drang eine Gruppe in den Austerlitz-Bahnhof von Paris, bedeckten den Schnellzug Paris-Irun mit Aufschriften und verteilten Flugblätter, die von der Ligue Communiste unterzeichnet waren, an die Fahrgäste: "Freiheit für die Basken! Es lebe das rote Euskadil Franco - Pompidou Komplizen!" Um 0 Uhr 55 wiederholte sich die gleiche Szene auf dem Bahnhof von Aubrais, wo der Schnell- INPOEKADO 151l