Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Inprekorr 1986: Philippinen

Marcos Sturz

Inprekorr Nr. 200, Februar 1988 · S. 32 · 618 Wörter

Philippinen und Südostasien Südafrika Gewerkschaften und Streiks

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Der Sturz von Ferdinand Marcos cröffnet auf den Philippinen eine neue Phase der Politik. Viele Stützpfeiler des alten Regimes sind noch erhalten, und der Siegerin Cory Aquino stehen konservative wie reformistische Wege offen.

Die antiimperialistische Linke hat zeitweise die Initiative verloren. Die außergewöhnliche demokratische Massenbewegung, die bei den Präsidentschaftswahlen vom 7.Februar 1986 den Rücktritt des Diktators gefordert hat, hat ihre Hoffnungen auf die Kandidatur Aquino gesetzt. Die ersten Nutznießer des Sturzes von Marcos sind daher die politischen Kräfte, die am unmittelbarsten an der Machteroberung Aquinos beteiligt waren, seien sie nun reformistisch oder konservativ....

Seit dem Ende der 70er Jahre haben die philippinischen Bischöfe und Teile der US-Administration Alarm geschlagen: die Fäulnis des Marcos-Regimes war zu offensichtlich. Wirtschaftlich versank das Land in einer Krise. Politisch trieb der Marcos-Clan wachsende Teile der Blite in die Opposition und die kom- Gründung der COSATU

Ende November 1985 fand der Gründungskongreß des neuen Dachverbands südafrikanischer Gewerkschaften COSATU statt. CO- SATU kombiniert die organisatorische Kraft einer Einheitsgewerkschaft vom Typ des DGB mit programmatischer Radikalität. Mit der Schaffung der Einheitsgewerkschaft geht die Phase der zersplitterten Entfaltung unabhängiger Gewerkschaften in Südafrika zu Ende. Ihre Vereinigung zu einem Verband, der 500.000 Mitglieder zählt, schafft eine neue Situation, die Gewerkschaftsbewegung verändert ihr Gesicht. Die wichtigen organisatorischen und politischen Fragen müssen jetzt aber im neuen Verband erst diskutiert werden.

Organisatorisch steht die reale Vereinigung auf der Ebene der einzelnen Wirtschaftszweige erst noch aus, bis das beschlossene Prinzip „eine Branche, eine Gewerkschaft" erfüllt ist. Das bedeutet, daß die verschiedenen Arbeitsstile und Traditionen der einzelnen Gewerkschaften miteinander verschmolzen werden müssen. Politisch steht die COSATU vor der Aufgabe, die Haltung des Dachverbands und seiner Einzelgewerkschaften zu wichtigen politischen Fragen zu klären, z.B. zum gewerkschaftlichen Eingreifen in politische Kampagnen, ihren Beziehungen zu Bürgerrechtsvereinigungen oder zur United Democratic Südafrika: COSATU * munistische Erhebung formierte sich in Gestalt der Neuen Volksarmee (NPA). Aber erst nach dem Mord an Benigno Aquino im August 1983 begann Washington sich ernsthaft Sorgen zu machen. Nach einigem Hin und Her entschlossen sich die USA zu einer Politik der Reform in der Kontinuität. Marcos, der Teil des Problems war, sollte auch Teil der Lösung sein. Das Regime mußte sich öffnen, die unbeweglichsten Elemente wie Generalstabschef Fabian Ver mußten beseitigt werden, die oppositionelle Bourgeoisie mußte integriert und die Elite wieder zuammengeschweißt werden. Das Ziel dieser Operation war, die Bedingungen für den Kampf gegen die Aufständischen zu verbessern.., Die Armee sollte reformiert werden, damit sie eine begrenzte demokratische Offnung kontrollieren konnte. Das neokoloniale Regime sollte eine neue Legitimität erhalten und sollte im Einklang mit der Kirchenhierarchie handeln. ...Doch das Projekt ist gescheitert. ... Es scheiterte an der Unnachgicbigkeit von Marcos. Aber auch die US-Administration war gespalten....

Der Mehrheitsflügel der antiimperialistischen Linken, die CPP und die NDF, hatten bei den Präsidentschaftswahlen zum Boykott aufgerufen: Sich daran beteiligen bedeutet, die US-gestützte Marcos-Diktatur zu unterstützen ... dem Regime neues Leben einzuhauchen." ... Innerhalb der CPP war die Boykottlosung umstritten. ... Mitglieder der CPP geben heute zu, daß diese Fehleinschätzung sie in eine schwierige Lage gebracht hat und daß sie ihre Taktik überdenken müssen.

aus: Inprekorr Nr.180, April 1986 Front. ...

Mit der Gründung der COSATU belebt sich auch die Debatte über die Beziehungen zwischen der Gewerkschaftsbewegung und dem African National Congress (ANC). Während es in der Vergangenheit eine Trennung zwischen den Gewerkschaften gab, die mit der Charta-Strömung sympathisierten, sich teilweise sogar offen auf die SACTU beriefen, und denen, die unabhängige oder gar kritische Positionen gegenüber dem ANC bezogen, sind heute alle Mitglieder ein und derselben Organisation.