Britischer Bergarbeiterstreik 1984 Kampf um Labour
Im zehnten Monat des Streiks der 140.000 Bergarbeiter wird immer klarer, daß wir den wichtigsten Kampf vor uns haben, den die britische Arbeiterklasse seit dem Generalstreik von 1926, der ja auch in Solidarität mit Bergarbeitern stattfand, geführt hat. Schon allein aufgrund seiner langen Dauer stellt der jetzige Streik einen schweren Schlag gegen die konservative Regierung Margaret Thatchers dar. Von seinem Ausgang hängt ab, ob die Regierung in der Lage sein wird, mit einschneidenden Maßnahmen die organisatorische Unabhängigkeit der Arbeiterbewegung Großbritanniens zu gefährden.
Der Bergarbeiterstreik steht vor einem entscheidenden Wendepunkt. Angefangen hatte er am 12. März, ausgerechnet zum ungünstigsten Zeitpunkt, denn im Frühling und Sommer wird ja wenig Kohle verbraucht. Aber genau damals hatte die Nationale Kohlebehörde (NCB) den Beschluß gefaßt, .. nach dem zwanzig Gruben geschlossen und 20.000 Kumpel im nächsten Jahr entlassen werden sollten. Von Beginn des Streiks an bestand die NUM darauf, daß dieses Stillegungsprogramm vom Tisch kommt, und suchte eine Lösung auf der Grundlage des Plan for Cole, der von NCB und NUM nach dem gewonnenen Streik von 1974 miteinander vereinbart worden war. Zweifelsohne hat sich die Lage für den Kampf der britischen Bergarbeiter seit Beginn der Bewegung verbessert. Zunächst war der Streik innerhalb der Arbeiterbewegung ziemlich isoliert. Mit der Zeit errang er die Unterstützung des Gewerkschaftsdachverbands TUC mit zehn Millionen angeschlossenen Mitgliedern, dann die der Labour Party. Für die Regierung beziffern sich die Kosten des Streiks (bis November) auf etwa sieben Mrd. DM; sie sind damit höher als die des Malwinenkriegs....
Die Bourgeoisie macht sich Sorgen über die möglichen explosiven Folgen ihrer Politik.... Die Social Democratic Party (SDP) unter Führung des ehemaligen Arbeitsministers David Owen ist 1981 gegründet worden, um genügend Stimmen von Labour herüberzuziehen und damit deren Regierungsbildung zu verunmöglichen, solange sich diese nicht ihres linken Flügels entledigt hat. Die Wahlerfolge ... der SDP führen etliche Führer der Linken innerhalb der: Arbeiterbewegung zu der Überzeugung, die Labour Party könne nur dann wieder an die Regierung kommen, wenn sie eine Koalition mit der Allianz bildet. Der bekannteste Befürworter dieser Option ist Eric Hobsbawm, ein marxistischer Historiker vom eurokommunistischen Flügel der britischen KP.... Sein Ziel ist, die Labour-Linke davon zu überzeugen, die „abenteuerliche" Linie der „infantilen" Strömung um Tony Benn aufzugeben und auf den ,,curosozialistischen* Weg einzuschwenken, den die siegreichen sozialistischen Parteien von Frankreich, Spanien und Griechenland vorgezeichnet hätten. Inzwischen haben die Eurokommunisten ihr politisches Instrument im Labour Coordinating Committee (LCC) gefunden, das sich aus ehemaligen Anhängern Benns zusammensetzt, darunter dem Parteivorsitzenden Neil Kinnock. Hobsbawm schlägt vor, ... im Mittelfeld" Terrain zu gewinnen. Dieses sei nämlich im Laufe ihrer Entwicklung nach links von der Labour Party aufgegeben worden und werde seither von der Allianz besetzt. Von dieser Strategie hat sich Kinnock leiten lassen, seit er an die Spitze der Labour Party gelangt ist....
1984 aber konnte man erleben, wie die Labour-Linke wieder spektakulär aufholte. Der Grund dafür liegt im Bergarbeiterstreik. Die Benn-Linke zeichnete sich von Anbeginn ihres Bestehens durch ihre engen Verbindungen mit den Massenkämpfen aus. Zum erstenmal wurde das deutlich, als Tony Benn die Besetzung der Schiffswerften von Glasgow 1971-72 voll unterstützte, .. desgleichen bei den Bergarbeiterstreiks von 1972 und 1974. Die Konsequenz dieses Kampfs der Labour-Linken damals war, daß auf dem Parteitag 1974 das wohl radikalste Manifest seit dem zweiten Weltkrieg verabschiedet wurde.
Die zweite Phase in der Entwicklung der Benn-Strömung begann mit der Bilanz, die man aus der Konfrontation zwischen Labour- Regierung und Gewerkschaften des Öffentlichen Dienstes 1978-79 zog. ... Die Linke legte ein Programm zur Reform der Parteistrukturen vor, damit die Parlamentsfraktion besser von der Basis kontrolliert werden könne. ... 1982 begann Tony Benn seine Kampagne, um auf dem Parteitag zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt zu werden. Auch wenn er sein Ziel schließlich verfehite, zeigte doch die Unterstützung seiner Kandidatur in den Gewerkschaften, daß es eine starke Minderheitsströmung gibt, die sich zu organisieren beginnt, um die gewerkschaftlichen Führungen auszuwechseln....
In der Labour Party gibt es bereits linskradikale Kräfte, so um die Zeitschrift Labour Briefing oder um die Gruppierung, die innerhalb der Labour-Jugend eine Kampagne unter der Losung begonnen hat: Ziel: Labour-Regierung*. Mit ähnlicher Perspektive muß man auch an die Gewerkschaften herangehen, wo die Linke beginnt, Tendenzen zu schaffen ... Wenn solche Entwicklungen stattfinden, dann besteht die Rolle der revolutionären MarxistInnen darin, am Aufbau solcher linken Tendenzen nach Kräften mitzuwirken, sie auf eine kohärente Perspektive des Klassenkampfs zu orientieren und keinesfalls organisatorische Barrieren aufzurichten, durch die eine solche Aufgabe erschwert würde.
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Closures …Wir Frauen machen in diesem Bergarbeiterstreik 1984 Geschichte. Wir setzen den Maßstab für die Zukunft, was die Einmischung von Frauen in die Politik betrifft; und es wird sich dabei noch zeigen, welch wuchtige Kraft wir entfalten können." ... 1926 waren die Bergarbeiterfrauen durchaus auch organisiert. aber ganz anders und mit anderer Wirkung.... Sie waren damals nicht lokal und national organisiert. ... Die Miners Federation bat sie, ein Frauenkomitee zu gründen, um Geld zu sammeln. Zur Aufgabe des Komitees wurde es später auch, als die Hungersnot begann, die Kinder zu füttern. Ein Aufruf an alle Hausfrauen wurde verfaßt, sie sollten die Verstaatlichung der Kohleindustrie fordern, da nur so billigerer Strom und arbeitssparende Haushaltsgeräte möglich gemacht würden. Frauen waren also auch schon früher organisiert. Aber 1984, mit der Erfahrung der Frauenbewegung und den Veränderungen in der Arbeiterbewegung im Rücken, schaffen die Bergarbeiterfrauen etwas Neues. Sie unterstützen den Streik nicht bloß mit Essensverteilung, Geldsammeln und Sozialberatung — sie geben eine politische Führung ab, indem sie eigene Initiativen ergreifen, bei den Streikposten wie auf Massendemos. Die Demo vom 11. August in London war dafür ein Beispiel: es war die erste landesweite Demo, seit der Streik begonnen hatte. .. In ihrer neugewonnenen Stärke verbanden sich die Bergarbeiterfrauen auch mit anderen Frauen. ... „Jetzt müssen wir auch die Frauen der Hafen-und Bahnarbeiter und die der LKW-Fahrer einbezichen. Wir sind dabei, uns national zu organisieren, denn im Streik haben sich die Frauen stark verändert. .. Jetzt müsen wir politische Wesen im vollsten Sinne des Wortes werden. aus: Inprekorr Nr.164, 1984