Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die militärisch-politischen Erfolge der Revolutionäre auf dem Kriegsschauplatz

Inprekorr Nr. 20, 15. Oktober 1972 · S. 14 · 476 Wörter

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Nach den militärischen Überrschungserfolgen der Revolutionäre ( Befreiung von Quang- Tri) war es - wie die westliche Presse berichtete - dank dem amerikanischen Bombeneinsatz gelungen, die militärische Situation zu "stabilisieren" . Wir haben in WAS TUN immer darauf hingewiesen, daß das eine vordergründige Täuschung war, und im VIET- NAM - INFO brachten wir Dutzende von Berichten und Analysen über die tatsächliche Lage in Südvietnam: Bei den "erfolgreichen"' Schlachten um An Loc, Kontum und Quang Tri wurde der größte Teil der südvietnamesischen Elitetruppen aufgerieben. Wichtige ländliche Gegenden wie das Hochplateau und die dichtbesiedelten Provinzen des Deltagebiets und van Binh-Dinh wurden ohne spektakuläre Schlachten von den Revolutionären befreit. Seit dem Spätsommer ziehen sich die regulären Einheiten der Befreiungstruppen um Saigon, Danang, Hue und My-Tho, den wichtigsten Zentren, zusammen. Auch die frenetischen Flächenbombardements der amerikanischen B 52 können nicht verhindern, daß die Befreiungsstreitkräfte in der Lage sind, sehr effektive Überraschungsschläge auszuführen (z. B. Zerstörung von annähernd 200 Flugapparaten auf dem Luftstützpunkt Bien Hoa), die eine neue militärische Offensive ankündigen. Die politischen Auswirkungen der Offen:ive sind in einem revolutionären Krieg so entscheidend wie die militärischen. Das Thieu-Regime erkannte den psychologischen Effekt der revolutionären Siege auf die südvietnamesische Bevölkerung. Er antwortete mit panischen Repressionsmaßnahmen. Anhänger cer sogenannten "dritten Kraft" , die weder für Thieu noch für die FNL sind, werden systematisch ausgeschaltet, viele ins Gefängnis geworden und gefoltert. Zwischen Thieu und den Kommunisten darf es keine "Zwischenlösung " geben! Aber seine soziale Basis wird dadurch an die Null- Marke herangebracht. Zwar ist für dieses ausgesprochene Militär- und Polizeiregime eine soziale Basis nicht lebenswichtig, aber swine Verteidigung wird sinnlos für alle, die nicht als Offiziere und Polizei- oder Regierungsbeamte an das Regime auf Gedeih und Verderb gebunden sind. Auf die Dauer kann ein solches Regime für die USA weniger Rechtfertigung denn je abgeben, den Krieg weiterzuführen.

Oberflächlich betrachtet blieben die Städte während der Offensive "ruhig", im Gegensatz zur Tet-Offensive. Genauere Analysen bringen allerdings zutage: die katastrophale wirtschaftliche und politische ( besser: polizeiliche) Lage wird nur deshalb ertragen, weil jeder der Überzeugung ist, daß jetzt das Ende des Thiev-Regimes naht. Die wichtigsten Veränderungen gehen freilich auf dem Lande vor sich. Nach Angaben der FNL sind seit dem 1. April des Jahres 2, 5 Millionen Menschen befreit worden. In den nicht befreiten Orten ist die Situation die, daß das Marionettenregime tagsüber herrscht, nachts aber die FNL. Und letztere bereitet sich und die Bevölkerung auf die Machtübernahme vor. Bis in die Vororte der Städte hinein sieht man morgens die Embleme der Befreiungsfront an Wänden und Mauern, und die Marionettentruppen haben täglich Arbeit, sie wieder zu überp-nseln. Vor kurzem hielt es Thieu für opportun, daran zu erinnern, daß auf dem Verbrechen, Fahnen der Befreiungsfront aufzubewahren, die Todesstrafe stehe.

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