Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Peru

Eine Konfrontation ist unausweichlich

· Inprekorr Nr. 196, Oktober 1987 · S. 6-11 · 3.580 Wörter

Bolivien, Peru und Anden Kuba und Karibik Gewerkschaften und Streiks Weltwirtschaft und Krise

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Bislang hat die Politik der APRA nicht die Erfolge gezeitigt, die sich die Regierung davon versprochen hat. Die Lebenshaltungskosten sind gestiegen, die Arbeitslosigkeit wächst. Der Hyperzentralismus der Staatsmaschinerie konnte bisher nicht abgebaut werden. Die Korruption blüht wie eh und je. Alle Versprechungen der APRA, die Führung des Staates stärker an moralischen Kriterien auszurichten, haben nur dazu geführt, daß die APRA einen Sektor der staatlichen Verwaltung nach dem anderen unter ihre Parteikontrolle gebracht hat (1). Die Regierung unter Alan Garcia hat bisher nur die. Verstaatlichung eines Teils des Aktienbesitzes des schweizerischen Nestlé-Konzerns durchsetzen können; das war alles, was sie an Reformen auf die Beine gestellt hat. Nestle hat davon sogar noch profitiert, weil seine Aktienkurse dadurch gestiegen sind. Garcias spektakuläre Ankündigung im vergangenen Jahr, das Land werde Auslandsschulden nur in der Höhe von 10% des Exportwerts zurückzahlen, ist Rhethorik geblieben. Garcia selbst hat zugegeben, daß er sehr wohl mehr als zehn Prozent zurückbezahlt hat. Andere Länder bezahlen weniger und machen nicht einen solchen Theaterdonner darum (2).

Krise in der APRA

Der Rückgang der Produktion, die steigende Inflation und Kapitalflucht, und der von HUGO BLANCO

Hugo Blanco

Neuaufschwung der Massenbewegung seit dem 19. Mai haben zu einer offenen Krise in der APRA geführt. Gegen den Widerstand Alan Garcias ist der Wirtschaftsminister Luis Alva Castro im Juni zurückgetreten. In der Öffentlichkeit wird dieser Schritt als Flucht nach vorn verstanden, denn Alva Castro wird nachgesagt, er strebe die Nachfolge Garcias bei den kommenden Präsidentschaftswahlen 1990 an (eine Person darf nicht zweimal hintereinander für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren), und wolle sich deshalb nicht in dem vorauszusehenden wirtschaftlichen Debakel die Hände schmutzig machen.

Luis Alva Castro, den Garcia öffentlich als „Verräter" bezeichnet hat, ließ sich danach gegen den expliziten Willen Garcias als Kandidat für das Amt des Präsidenten der Abgeordnetenkammer aufstellen — gegen den von Alan Garcia vorgeschlagenen Kandidaten Romulo Leon Alegria, ein Vertreter des traditionalistischen Flügels der APRA, der bekannt ist für seine faschistoiden Ansichten. Die erste Abstimmung fand unter den Parlamentsabgeordneten der APRA statt. Alan Garcia erklärte, wenn er Abgeordneter der APRA wäre, würde er nicht für Alva Castro stimmen. Doch da die Wahl geheim war, gewann Alva Castro sie haushoch mit 60 gegen 38 Stimmen - eine öffentliche Ohrfeige für den erfolgs- verwöhnten Staatspräsidenten.

Doch der sinkende Stern Alan Garcias ist nicht das einzige Anzeichen für die Krise in der APRA. In Trujillo, der Wiege der Partei und einer der wichtigsten Stadte des Landes, wurde die dortige Bürgermeisterin Miriam Pilco, Mitglied der APRA. von einem bekannten APRA-Führer der Stadt, Torres Vallejo, angegriffen, sie sei in den Drogenhandel verwickelt. In Ayacucho liegen sich zwei Fraktionen der APRA, die sich gegenseitig der Korruption beschuldigen, in den Haaren. In Puno liegt der APRA-Bürgermeister in Fehde mit prominenten Funktionsträgern seiner Partei. In La Convencion, in der Provinz Cuzco, hat am 24. und 25. Juli ein Generalstreik stattgefunden, bei dem u.a. der Rücktritt des apristischen Bürgermeisters gefordert wurde. Das Rückgrat dieses Generalstreiks stellten die Bauern, die in

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dieser Gegend sehr gut organisiert sind, aber auch die wichtigsten Teile der städtischen Bevölkerung.

Streiks und Landbesetzungen

In den ersten Jahren der Amtszeit Alan Garcias waren die Massenkämpfe stark zurückgegangen, jedoch eher in Erwartung einer Reformpolitik des Präsidenten und unter dem Eindruck eines relativen Wiederaufschwungs der Wirtschaft. Eine Niederlage hat die Massenbewegung bisher nicht erlebt, mit Ausnahme der Region um Ayacucho, wo schon die vorhergehende Regierung unter Belaunde Terry ein brutal repressives Regime eingeführt hatte.

In den letzten Monaten hat es einen massiven Wiederaufschwung der Massenkämpfe gegeben:

Am 19. Mai fand der erste nationale Generalstreik gegen die APRA-Regierung statt, er wurde ein voller Erfolg. Nur wenige Tage zuvor waren alle drei Einheiten der Polizei in den Vollstreik getreten, der von einer breiten Mobilisierung begleitet war. Die Polizisten forderten nicht nur eine starke Lohnerhöhung, sondern auch das Recht, ihre Vorgesetzten zu wählen und das Recht auf Ungehorsam, wenn von ihnen gefordert wird, die Menschenrechte zu mißachten.

In der Provinz Puno haben die Bauern, die im örtlichen Bauernverband zusammengeschlossen sind, 300.000 ha Land besetzt. Diese Landbesetzungen fanden vorwiegend am Tag des Generalstreiks und am 24.Juni, dem Tag der Erde, statt. Darüberhinaus haben sie einen wichtigen Achtungserfolg erzielt: Die Bauern sehen sich immer häufiger gezwungen, sich gegen viehraubende Banden zu schützen, vor allem im Norden des Landes. Sie haben dagegen Selbstverteidigungskomitees gegründet,die rondas campesinas, die allerdings keine Feuerwaffen tragen. Diese Selbstverteidigungskomitees sind von der Regierung anerkannt worden. Sie dienen nicht nur der Verteidigung gegen Viehraub, sondern auch der Selbstverteidigung der Bauern gegen die staatlichen Repressionskräfte, die zuletzt wieder gegen die Landbesetzer in Puno vorgegangen ist. Jetzt wird auch in den Städten über die Notwendigkeit solcher Selbstverteidigungsgruppen diskutiert (3).

Vor wenigen Wochen sind die Angestellten bei den Gerichten in den Streik getreten. Sie stellten nicht nur Lohnforderungen, sondern verlangten auch eine moralische Erneuerung" der Justiz. Doch im Gegensatz zur Demagogie der Regierung. die solche Schlagworte als leere Floskeln vor sich her trägt, forderten die Angestellten, daß diese Erneuerung unter der Leitung der CGTP (Confederacion General de Trabajadores del Peru — die größte Gewerkschaft in Peru) und der CCP (Confederación Campesina del Peru einer der drei Bauernverbände, der von der PUM angeführt wird) stattfinden sollte.

Unter dem Eindruck dieser Mobilisierungen hat die Izquierda Unida (4) die Initiative zu einer ersten Asamblea Nacional Popular (ANP - Nationale Versammlung des Volkes) ergriffen. Sie soll vom 27.—30. August in Villa El Salvador, einem Stadtrandviertel von Lima stattfinden. Sie ruft erstmals Organisationen der Bauern, der Arbeiter, der Angestellten im öffentlichen Dienst, der Lehrer, der Studenten, der Slumbewohner in den Städten und der wirtschaftlich vernachlässigten Regionen zusammen, alle unterdrückten Schichten des Landes, um über eine gemeinsame Kampfstrategie zu diskutieren. Obwohl der Kongreß teilweise sehr bürokratisch vorbereitet wurde, ist allein das Zustandekommen dieser nationalen Versammlung ein großer Schritt vorwärts für die Zentralisierung der Kämpfe der Ausgebeuteten in Peru.

Linksrutsch in der Izquierda

Unida

Häufig ist es so, daß wenn eine reformistische Politik an Glaubwürdigkeit und Ansehen verliert, die Rechte daraus politisches Kapital zieht. In Peru ist das nicht so. Ein Indiz dafür ist der Ausgang der Kommunalwahlen im November des letzten Jahres. Bei der Bewertung der Wahlergebnisse muß man berücksichtigen, daß die APRA die Wahlen stark manipuliert hatte und ihr Ansehen noch nicht so stark gesunken war wie jetzt.

Die Izquierda Unida hat die Wahlen in drei Provinzhauptstädten gewonnen, die rechten Parteien nur in zwei: in Tacna wurde die Christliche Volkspartei, PPC (Partido Popular Cristiano), stärkste Partei, und in Arequipa gewann die Wahl eine kleine bürgerliche Partei, die sich sehr „links" gibt, die Frente Nacional de Trabajadores y Campesinos. Im Vergleich zu den Präsidentschaftswahlen ging der Stimmmenanteil der APRA zurück und die Izquierda Unida nahm zu. Sie ist heute auf Wahlebene die zweitstärkste Kraft im Land. Es ist also nicht nur so. daß die APRA an Einfluß einbüßt, sondern der Einfluß der Rechten insgesamt geht zurück: die APRA ist ihre letzte re- PERU

Die Bauern müssen sich dreifach zur Wehr setzen: gegen die Armee, die paramilitärischen Banden der APRA und den Sendero Luminoso

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PERU 4512509B BANCO CENTRAL DE RESERVA DEL PERO CINCUENTA INTIS A4512509B formistische Karte.

Innerhalb der Izquierda Unida gibt es heute eine Radikalisierung nach links. Es arbeiten drei große linke Parteien in der Izquierda Unida: die Kommunistische Partei, Patria Roja (der Kaderkern der Front Union de Izquierda Revolucionaria) und die PUM (Partido de Unidad Mariateguista) (5). Von diesen war die Kommunistische Partei die einzige, die dem früheren Bürgermeister von Lima, Alfonso Barrantes, einem Parteilosen, der der APRA nahesteht, die Stange hielt. Auf dem letzten Kongreß der Kommunistischen Partei, der nach dem Generalstreik stattfand, wurde Barrantes ausgepfiffen. Ihm wurde seine Nähe zur APRA zum Vorwurf gemacht. Das ist ein Anzeichen dafür, daß sich die Stimmung innerhalb der KP radikalisiert hat. Barrantes trat vom Amt des Vorsitzenden der Izquierda Unida zurück; jetzt versucht er, seine Anhänger unter den Reformisten zu organisieren.

Der Einfluß der PUM ist gestiegen. Die Partei zeigt sich der gegenwärtigen Situation gewachsen und versteht, daß sich die Auseinandersetzung zu einer großen Konfrontation zuspitzen wird. Patria Roja hat sich gespalten; auf ihrer Linken hat sich eine „bolschewistische" Gruppe gebildet. die täglich größeren Einfluß gewinnt. Die Gruppen Unidad Democratico-Popular und Pueblo in Marcha gewinnen Zulauf. Beide Gruppen stehen sich sehr nahe, haben militaristische Tendenzen und stehen außerhalb und links von Izquierda Unida. Auch die terroristische und sektiererische Guerilla-Gruppe Sendero Luminoso gewinnt im ganzen Land an Einfluß, allerdings geht dieser in Puno unter dem Druck der Bauernmobilisierung, die von der PUM angeführt wird, zurück. Die Verstaatlichung der Banken Am 28. Juli hat Alan Garcia eine sehr wichtige Rede gehalten. Darin hat er angekündigt:

* daß er die Banken verstaatlichen und den Devisentausch unter strikte Kontrolle stellen will. Er begründete das damit, daß die Bourgeoisie die Begünstigungen, die er ihr gewährt hat, dazu mißbraucht hat. Dollars zu kaufen und ihr Geld im Ausland anzulegen, statt es im Land selbst zu investieren; * daß er die Ausgangssperre in Lima und Callao aufheben will; *daß er die Verwaltung der Ausnahmegebiete Zivilbehörden unterstellen will; * daß er einen „Wirtschaftsrat" schaffen will - das ist eine alte apristische Idee. Ein solcher Rat wäre die fleischgewordene Gestalt eines Sozialpakts zwischen Staat, Unternehmern und Arbeitern. Ein solcher Rat wird jedoch nicht zustandekommen, dazu ist das Klassenbewußtsein der peruanischen Arbeiterklasse zu ausgeprägt.

Diese Wende stellt zweifellos eine Reaktion auf den Aufschwung der Massenbewegung dar. In gewissem Sinne ist es auch ein Seitenhieb gegen Alva Castro. In der Bevölkerung soll der Eindruck entstehen, daß diese Reformmaßnahmen wenn sie durchgeführt würden, wären es die ersten wirklichen Reformmaßnahmen dieser Regierung - jetzt verwirklicht werden, wo Alva Castro nicht mehr Premierminister und Wirtschaftsminister ist. Die Ankündigung der Verstaatlichung der Banken hat heftige, unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Die APRA- Führung hält sich bedeckt, obwohl sie von dieser Ankündigung überrascht wurde. Die Basis der APRA hat mit Begeisterung darauf reagiert. Diejenigen, die bislang zwischen der Izquierda Unida und der APRA schwankten, unterstützen nun die APRA. Auf dieser Woge der Sympathie reitend, hat Alan Garcia eine Veranstaltungsrundreise durch das Land unternommen. Überall strömten Massen zusammen. Die Stimmung war so, daß die Leute sagten: ,Keinen Schritt zurück!". Das Vokabular des Präsidenten ist radikal. Er prangert die Banken öffentlich als eine Handvoll Oligarchen an, die zugleich einen großen Teil der Industrie besitzen und nur ihre eigenen Interssen verfolgen, zum Schaden des gesamten Volkes. Er spricht davon, dal durch die Verstaatlichung der Banken der Kredit „demokratisiert" würde, indem er vorzugsweise an die kleinen und mittleren Manufakturbetriebe und Händler vergeben wird. Dazu muß man sagen, daß ein großer Teil der peruanischen Bevölkerung von dieser Beschäftigung lebt: der informelle Sektor umfaßt Hunderttausende von Straßenhändlern, die davon Familien ernähren. Für die in diesem Sektor Beschäftigten wäre Lohnarbeit ein gesellschaftlicher Aufstieg. aber sie finden keinen Arbeitsplatz. Die Regierung verspricht auf die ihr eigene, demagogische Weise auch diesem Sektor Kredite. Doch Alan Garcia hat mit seinem Vorstoß nicht eine wirkliche Umwälzung der gesellschaftlichen Machtpositionen im Sinn. Bevor die beiden Kammern des Parlaments ein entsprechendes Gesetz verabschiedeten, sollte die Verstaatlichung der Banken per Regierungsdekret durchgesetzt werden. Dagegen wurden die Gerichte angerufen, die dieses Vorgehen als verfas-

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sungswidrig erklärten und Garcia anwiesen. die Maßnahmen auszusetzen. Garcia beugte sich dieser Anordnung. Auf einer stark besuchten Veranstaltung der APRA in Lima Anfang August erklärte er dazu: „Ich möchte nicht, daß in Zukunft gesagt wird, diese Regierung habe illegal gehandelt (...) Ich möchte diese Regierung nicht geradewegs in die Diktatur führen. Ich werde nicht zulassen, daß diese Regierung wie die von Allende wird." Daraufhin gab es ein Pfeifkonzert und einige Leute verließen den Saal, was Garcia dazu veranlaßte, sie streng zur Ordnung zu rufen. Die Rechte macht mobil Die Rechte, die bisher dem Präsidenten kaum etwas entgegenzusetzen hatte und PERU

Reaktion setzt in ihrer Kampagne auch nicht gewerkschaftlich organisierte Bankangestellte ein.

Die Haltung der Izquierda Unida zu den Verstaatlichungen ist folgende: ., Wir sind einverstanden mit der Verstaatlichung. aber wir wollen nicht, daß die Banken von den Händen einer kleinen oligopolistischen Gruppe in die Hände des Nationalen Exekutivkomitees der APRA übergeht." Die Linke fordert, daß die Banken einem Direktorium unterstellt werden, in dem die Massenorganisationen, vor allem die TED SIMES ORAMERICA politisch einflußlos war, nutzt jetzt die Gelegenheit und setzt die Massenmedien, die sie kontrolliert, voll dafür ein, gegen die Verstaatlichung Stimmung zu machen. Am Anfang hat sie vor allem durch die Stimme der Bankiers gesprochen. Seitdem der Vorsitzende der Christlichen Volkspartei (PPC), Luis Bedoya Reyes, jedoch vorzeitig aus seinem Urlaub in Europa zurückgekehrt ist, ist sie zur politischen Gegenoffensive übergegangen. Die Unterstützung für die Rechte wächst jetzt. Sie findet in der Bevölkerung ein gewisses Gehör, weil die Menschen mit der Kon- D trolle der öffentlichen Institutionen durch die APRA Erfahrungen gemacht haben und zu recht befürchten, daß es mit den Banken nicht besser laufen wird, und die APRA sie unter ihre Kontrolle stellen will, um ihre eigenen Interessen damit zu verfolgen.

Die Rechten haben zwei große Massenversammlungen durchgeführt (eine davon fand Ende August in Lima vor 20.000 Menschen statt, d.Red.). Der dabei angeschlagene Ton ist scharf und aggressiv. Sie sprechen von einer „totalitären" Regierung und davon, daß auf die Verstaalichung der Banken die Verstaatlichung der Produktionsmittel folgt". Sie sagen, daß die Regierung jede Legitimität verloren hat. weil sie gegen die Verfassung verstoßen " habe und weil sie jetzt ein Programm durchzieht, das nicht dem entspricht, wofür die Menschen sie gewählt haben. Sie rufen auf zur demokratischen Erhebung" , in anderen Worten zum Staatsstreich, und drohen, sie würden „nicht bis 1990 warten", , bis die Mandatszeit Alan Garcias ausläuft. Der Präsident gebärde sich als .,Massenagitator" . weil er eine Rundreise durchs Land macht. Die Bankiers weisen vorwurfsvoll daraufhin. daß sie mit ihrem Geld die Wahlkampagne der APRA finanziert haben. Die PRIVATE B 907486600 WASHINGTON, D.C.

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Gewerkschaft der Bankangestellten (Federacion de Empleados Bancarios-FEB) und alle politischen Parteien vertreten sind, damit es wirklich eine Demokratisierung der Banken gibt. Sie fordern, daß sofort Kredite an die Kooperativen und comunidades der Bauern und an die Stra- Benhändler ausgezahlt werden. Die FEB. die von der Izquierda Unida geführt wird, hat Demonstrationen zur Unterstützung dieser Forderungen durchgeführt. Die Linke fordert auch, daß die Banken entschädigungslos enteignet werden, bzw. erst dann Entschädigung gezahlt wird, wenn alles, was sie der Bevölkerung geraubt haben, zurückgezahlt worden ist. Am 21. August soll es eine zentrale Veranstaltung der Izquierda Unida zu diesem Thema geben. Die Forderungen der Linken sind richtig, scheinen zur Zeit aber undurchführbar.

Sendero Luminoso hat sich auf die Seite der Rechten geschlagen. Er prangert die

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Die Verstaatlichung der Banken ist eine Reaktion auf den Aufschwung der Massenbewegung. Aber die APRA hat mit wirklicher Demokratisierung nichts im Sinn

Verstaatlichung als „Versuch (an), die Banken korporativ-faschistisch zu organisieren" , dagegen müsse man sich hauptsächlich wenden.

Die Lage spitzt sich zu einer Konfrontation zu Mit der Verstaatlichung der Banken versucht die Regierung, auf die wirtschaftliche Krise und die Massenmobilisierungen zu reagieren. Zweifellos wird sich die Krise durch diese Maßnahme noch verschärfen. Die Bourgeoisie hat heute natürlich weniger denn je das Vertrauen zu investieren. Andererseits hat die APRA- Bürokratie auch mit einer wirklichen Demokratisierung der Banken nichts im Sinn. Dafür hat sie den Zorn der Rechten provoziert und sie dazu getrieben, daß sie sich offen dazu bekennt, putschen zu wollen. Die Rechten können nicht einmal genügend gesellschaftliche Kräfte mobilisieren, um bei den kommenden Präsidentschaftswahlen den zweiten Platz zu belegen. Aber sie wissen dies und streben es auch gar nicht an, sondern suchen nur nach einer ausreichenden sozialen Basis für einen Staatsstreich.

Bisher hatte die Bourgeoisie versucht, die Militarisierung um die Region Ayacucho und die angrenzenden Provinzen voranzutreiben. Hier ist die Zahl der Toten seit der Regierung Belaunde Terry auf achttausend gestiegen. In Lima herrschte bisher Ausnahmezustand und von 1h bis Sh früh Ausgangssperre. Ausnahmezustand herrscht außerdem in Ayacucho, Cerro de Pasco und Huancavelica. Ende Juli hat die Regierung unter dem Vorwand der Drogen- und Terrorismusbekämpfung mit Hilfe US-amerikanischer Berater Armeeinheiten in die Provinz Uchiza geschickt, die dort Massenverhaftungen vorgenommen und das Gebiet unter militärische Kontrolle gestellt haben. Die herrschenden Klassen werden versuchen, den Zustand, der heute in Ayacucho herrscht, auf das ganze Land auszudehnen, die Interessenvertretungen und politischen Organisationen der Armen zu unterdrücken und die linken Parlamentarier auszuschalten. Die Errichtung eines Terrorregimes ähnlich wie in Chile wäre die einzige Form, den Aufschwung der Massenmobilisierung aufzuhalten.

In welcher Form ein solches Regime errichtet wird, kann man heute nicht sagen. Wenn sich bis zu den nächsten Wahlen nichts ändert, dann braucht die Rechte cinen gigantischen Wahlbetrug, um zu verhindern, daß die Linke die Wahlen gewinnt. Ein solcher Betrug könnte in Anbetracht seiner Ausmaße einem Staatsstreich gleichkommen. Wie sich die Lage in den nächsten Monaten auch entwickelt, die Linke muß sich auf eine zentrale Konfrontation vorbereiten, wenn sie nicht vernichtet werden will wie in Chile. Puno, 16.August 1987 Anmerkungen:

(1) Von den Reformen, die Staatspräsident Alan Garcia Perez zu Beginn seiner Amtszeit versprochen hat, ist bisher nichts realisiert worden. Die bislang bedeutendsten Reformen hat Peru zur Zeit der Regierung des Generals Velasco Alvarado in den 70er Jahren kennengelernt. Unter seiner bürgerlich-reformistischen Regierung wurde im Ansatz eine Agrarreform verwirklicht, wurden die größten ausländischen Unternehmen und ein großer Teil der Banken verstaatlicht und die Arbeiter am Aktienbesitz der Unternehmen beteiligt. Diese Maßnahmen wurden von der zweiten Halfte der 70er Jahre ab, als Velasco von General Morales Bermudez abgelöst wurde, wieder zurückgenommen. (2) Der 10%-Trick Garcias beruhte auf der Schätzung. daß die Exporterlöse von Juli 1985 bis Juli 1986 3,5 Mrd.US-Dollar betragen würden. Davon sollten 350 Mio. Dollar fur den Schuldendienst aufgewandt werden Dabei hat er jedoch verschwiegen, daß Peru zusätzlich die Zinszahlungen für den halbstaatlichen Bereich Bergbau, Erd öl, usw. aufzubringen hat. das sind rund 200 Mio.US--Dollar, und noch die Schulden für die Einfuhr von Weizen aus den USA. die ebenfalls in dieser Rechnung unberücksichtigt sind. Schließlich kommen die international fälligen Ausgleichszahlungen hinzu - 100 Mio.US—Dollar — und die Schulden der Zentralen Reservebank Perus - 70 Mio. US-Dollar. Das macht zusammen für das Jahr 1986 mindestens 800 Mio. Dollar, also über 20% der Exporterlöse. Die linke Zeitschrift Amauta hat sogar geschätzt. daß Peru 1986 über 45% der Exporterlöse für Zins und Tilgung ausgegeben hat.

(3) Die Bauern müssen einen Dreifrontenkrieg führen: sie haben sich nicht nur gegen die Repressalien der Staatsor gane Polizei und Armee zur Wehr zu setzen: sie müssen sich auch gegen die paramilitärischen Banden der APRA schützen, die in den Städten und Dörfern die Arbeiter und Bauern terrorisieren und mit Mord bedrohen, die sich an Streiks oder Landbesetzungen beteiligen. Und schließlich müssen sie sich auch gegen die Kommandos des Sendero Luminoso schützen, der gerade den radikalen Bauern, die fruchtbares Land besetzen und um diese Aktionsperspektive die Land bevölkerung zu Hunderttausenden mobilisieren, den Kampf angesagt und sie zum Hauptfeind erklärt hat. In letzter Zeit hat der Sendero gerade Mitglieder der rondas campesinas gefangen genommen und öffentlich gekopft. (4) Die Izquierda Unida gründete sich anläßlich der Kommunalwahlen von 1980 als Wahlbündnis der Linken. Sie stellt ein Einheitsprojekt dar, das die reformistische Linke links von der APRA und Teile der revolutionären Linken umfaßt. Dieses Projekt folgte auf die Erfahrung. daß die Aufstellung eines Wahlbündnisses der revolutionären Lin ken (ARI) zu den Präsidentschaftswahlen 1980 gescheitert war. In der IU arbeiten heute mit: die Kommunistische Partei (PCP), die Partido Socialista Revolucionario (PSR), die sich cinmal auf General Velasco berufen hat, sowie einige kleinere Gruppen — dieser Teil bildet den gemäßigten Flü gel innerhalb der IU und hat eine ganze zeitlang den chemaligen Vorsitzenden der IU, Alfonso Barrantes, unterstützt, der starke Sympathien für die APRA zeigte. Den revolutio nären Flügel innerhalb der IU bilden die PUM und die maoi. stische Gruppe Parria Roja.

(5) Die PUM (Partido de Undidad Mariateguista) wurde im Oktober 1984 gegründet. Sie ist das Ergebnis eines komplizierten Zusammenschlusses verschiedener Organisationen der revolutionären Linken gewesen. Daran nahmen teil: die Mehrheit von Vanguardia Revolucionaria (VR), eine ideo logisch sehr heterogene Strömung. die in den 70er Jahren cinen großen Teil der Intelligenz organisierte und vor allem bedeutende Massenarbeit unter den Bauern geleistet hat; die Mehrheit der Partido Comunista Revolucionario (PCR). eine maoistische Abspaltung von der VR aus den 70cr Jahren, und etwa die Halfte des peruanischen MIR (Movimiento de Isquierda Revolucionario). der eine selbstkriti. sche Bilanz der Guerillastrategie und der Focus-Theorien der 60er Jahre gezogen hat. Die peruanische Sektion der IV. Internationale, die PRT, hat erst auf ihrem Kongreß 1986 mit Mehrheit ihre Auflösung und ihren Beitritt zur PUM beschlossen.

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