19 Jahre israelische Besetzung und die Spaltung der PLO erfordern eine neue Perspektive für die besetzten Gebiete Die Palästinenser, die in Westjordanien Besetzt auf ewig? und im Gaza-Streifen leben, haben am 5. Juni 1986 an den 19. Jahrestag derisraelischen Besatzungerinnert. Sie habeneini- Es ist verständlich, daß nach 19 Jahren ge militärische Operationen durchge Besetzung die Stimmen sich mehren, führt, Zivil- und Militärfahrzeuge mit diese sei nicht mehr umkehrbar und es Steinen angegriffen und in Ost-Jerusa- nüßten neue Perspektiven für die palä lem den gescheiterten Versuch eines Ge- tinensische Bevölkerung in Westjorda neralstreiks unternommen. nien und im Gazastreifen entwickelt werden. Dr. Meron Benvenisti, früher Der verantwortliche Zivilgouverneur in stellvertretender Bürgermeister von Je- Judäa-Samaria, General Efraim Fneh, rusalem, heute Vorsitzender der Bürger verwies stolz auf die „relative Ruhe an rechtsbewegung, ist der bedeutendste diesem Jahrestag". Die verschiedenen Vertreter dieser These. Auf der Grundpalästinensischen Organisationen ha- lage zahlreicher wirtschaftlicher, sozioben triumphalistische Erklarungen ver- logischer und demographischer Fakten faßt, konnten aber weder vor der lokalen ist er zu der Schlufsfolgerung gelangt Bevölkerung noch vor den Besatzern die daß die israelische Wirtschaft ohne die harte Tatsache vertuschen, daß der Wi- besetzten Gebiete nicht lebensfähig sei, derstand in den besetzten Gebieten heu- daß über 70% des Bodens endgültig be te stark geschwächt ist. Dieser 19. Jah- schlagnahmt wurden, und dais durch die restag ist dennoch ein äußerst symbol- einhundertachtzig Siedlerkolonien eine trächtiges Datum. Seit 19 Jahren sind Rückkehr zum früheren Zustand un- Westjordanien und der Gaza-Streifen möglich und jede Vorstellung von einer besetzt. 19 Jahre lang war Palästina auf- Trennung Klein-Israels von den im Juni geteilt unter das haschemitische Regime 1967 besetzten Gebieten unrealistisch Jordaniens und den zionistischen Staat, sei. entlang der Grenzen, die mit dem Waffenstillstand von 1948-49 geschaffen Die Wahl, die man heute treffen kann, ist wurden. Die israelische Besetzung also die zwischen einem binationalen Westjordaniens und des Gaza-Streifens Staat - das bedeutet die Negation des ist älter als die jordanische Besetzung, Zionismus, oder einer apartheidähnliälter sogar als das Bestehen des Staates chen Situation, die aberim Widerspruch Israel in seinen Grenzen von 1948. stünde zum liberalen und demokrati. 16 INPREKORR Nr. 187 schen Anspruch der Hauptströmung im Zionismus. In beiden Fällen bedeutet das das Scheitern der zionistischen Idee, wie sie die Gründungsväter des jüdischen Staates verstanden haben. Die Schlußfolgerungen, zu denen Benvenisti kommt, sind diskussionswürdig. Sie haben zumindest den Vorzug, daß sie die Lage darstellen wie sie ist, d.h. als anhaltende Besatzung, dauerhaftes Provisorum.
Nicht zufällig ist im vergangenen Jahrin den besetzten Gebieten selbst eine zunehmend offene Kritik an der Strategie der palästinensischen Organisationen laut geworden; sie betont, daß die Besatzung noch einige Jahrzehnte dauern wird, wenn sie nicht gar unumkehrbar ist. Professor Fai Noussaid von der Bir- Zeit-Universität hat z.B. in der palästinensischen Presse einen Artikel veröffentlicht, in dem er seine Landsleute aufruft, sie sollten gleiche Rechte wie die israelische Bevölkerung verlangen. Er fügt hinzu: „Das Problem ist nicht, die Gebiete zu befreien, sondern das Volk zu befreien ... Angesichts der unterschiedlichen Geburtenrate wird es sehr bald zur Mehrheit werden, und damit faktisch Palästina ‚palästinensisch' machen." Solche Positionen sind heute nicht marginal und werden von allen nationalistischen Strömungen heftig als
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