Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

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Inprekorr Nr. 186, Oktober 1986 · S. 45-49 · 4.047 Wörter

Philippinen und Südostasien

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auch die CPP, d. Verf.) bereit zu einem Dialog mit der Regierung Corazon Aquino über einen eventuellen Wattenstillstand zwischen der New Peoples Army und den philippinischen Streitkräften."

Das Kommuniqúe würdigt 17 Jahre Kampf des Volkes gegen die Diktatur und betont die umfangreichen Aufgaben, die noch bevorstehen. Dann fährt es fort: „Indem sie aufruft zu cinem Dialog mit der Regierung Aquino, hofft die National-Demokratische Front, zu einem gegenseitigen Verständnis und zur Kooperation zu kommen und damit dem Willen des Volkes, der beim Sturz der Diktatur so eindrucksvoll zum Ausdruck gekommen ist (eine wirkliche Unabhängigkeit und Demokratie zu erreichen), gerecht zu werden. Die objektiven Bedingungen erlauben es aber nicht, daß das Volk auf sein Recht verzichtet, die Waffen zuergreifen, um die revolutionären Errungenschaften der letzten siebzehn Jahre zu verteidigen."'* Das zweite Kommuniqué, das auf dieser Pressekonferenz von Antonio Zumel verbreitet wurde, gibt die offizielle Position der CPP und der NPA wieder, da es von der Militärkommission der kommunistischen Partei und vom Generalstab der NPA unterzeichnet ist. Es kommt jedoch noch nicht vom Politbüro oder vom Zentralkomitee selbst. Die politisch-militärische Führung der NPA (der bewaffnete Arm der Partei) begrüßt den Sturz von Marcos, anerkennt, daß Corazon Aquino die Unterstützung der Bevölkerung hat, und begrüfst die demokratischen Reformen: , Wir versichern der Präsidentin und unserem Volk, daf der Appell der Präsidentin zu einem Waffenstillstand unter den revolutionären Kräften und in den Reihen der New People's Army nicht ungehört verhallt ist. Wenn richtige, ehrliche, kluge Initiativen von seiten der beteiligten Parteien ergriffen werden, ist ein nationaler Waffenstillstand möglich. Wir glauben sogar, daß mehr möglich wäre als ein einfacher Waffenstillstand, und zwar in dem Maße, wie es substantielle Änderungen , Wir müssen die Vergangenheit vergessen' Regierung und die Militärs die Verantwortung tragen.

Strategiedebatte

Einige Wochen lang hatte die neue Regierung die Initiative in Sachen Verhandlungen. Für die revolutionären Kräfte wäre es sehr gefährlich, keine geschlossene Antwort zu haben und zu schwanken. Jetzt haben sie ihre Haltung festgeklopft. Die nationale Führung der NDF hat öffentlich die Stellungnahme bündig: „Nach dem Sturz des Diktators Marcos durch das philippinische Volk und in Unterstützung der legitimen Forderungen des letzten nach einem demokratischen Frieden, erklären sich die National-Demokratische Front und die ihr angeschlossenen Organisationen (d.h. 12 Vgl. die Stellungnahme des offiziellen Informationsbüros der NDF in Philippine News and Features, vol. II, Nr. 24, 3. März 1986, S. 8. 13 _NDF Standpoint. Elaboration of the NDF position on important issues., Weare open toaceasefire'. NDF announces important policy statements in a press zugunsten der breiten Masse des philippinischen Volkes auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet gibt ... Dies gesagt, müsen wir daraut hinweisen, daß die faschistischen Strukturen zum großen Teil unangetastet geblieben sind. Die Reaktionäre innerhalb und außerhalb der Regierung intrigieren in diesem Moment nicht nur, um die Initiativen der Präsidentin zugunsten conference*, Liberation, Februar-März 1986, S. 3. 14 NDF „We are ready to a dialogue", Kommuniqué ohne Datumsangabe, in: Liberation von Februar- März 1986, S. 4. In Ang Bayan wird dieses Kommuniqué auf Manila, den 21. März 1986 datiert. S. Ang Bayan, vol. XVIII Nr. 2, April 1986.

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demokratischer Reformen zu blockieren, sondern auch, um sie selbst wieder zu stürzen." Der Aufruf der NPA schließt mit dem Hinweis auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme, die für die Entwicklung der auf ständischen Bewegung auf dem Land verantwortlich sind. Das sog. Problem (des Aufstands, d. Vert.) kann nur gelöst werden, wenn radikale wirtschaftliche un. . Politische Änderungen cintre- Ang Bayan, die Untergrundzeitung, die vom Zentralkomitee der CPP herausgegeben wird, enthält in den Ausgaben von März und April 1986 mehrere analytische Artikel über die jüngsten Ereignisse und die neu entstandene Lage. Der Sturz von Marcos wird beschrieben als Ergebnis einer zivilen Erhebung, kombiniert mit einer militärischen Rebellion. „Dies war das bedeutendste politische Ereignis seit der Verhängung des Kriegsrechts 1972 ... Es ist daher von äußerster Wichtigkeit für die Partei und die nationalde mokratische Bewegung insgesamt, diese Ereignisse, ihre Ursachen und ihre Folgen zu verstehen, damit wir den Kampf vorantreiben können." Zum Abschluß einer Beschreibung der Februarereignisse betont der Artikel von Ang Bayan, daß die politische Situation „sehr im Fluß" ist, daß es neue Aktionsmöglichkeiten gibt, aber die Aufgaben auch komplex sind: „Die globale Situation ist dazu angetan, daß das Volk Druck macht für seine nationalen und demokratischen Interessen ... Gleichzeitig birgt sie Hindernisse für den Fortgang des politischen Kampfs und seine richtige Verbindung und Koordination mit dem revolutionären bewaffneten Kampf Im allgemeinen müssen wir das Hauptgewicht auf die Stärkung der Massenbewegung und auf die Förderung der direkten Massenaktionen legen. Die Arbeit auf nationaler Ebene und in der Regierung muß diese Bestrebungen unterstützen. Wir müssen Masseninitiativen unterstützen und eine engere Kooperation und Koordination zwischen den verschiedenen demokratischen und fortschrittlichen Kräften ermutigen ... Die Partei muß sich stärker konsolidieren denn je, damit sie allen demokratischen und revolutionären Kämpfen unseres Volkes im Lichte der neuen Situation eine richtige und wirksame Führung geben kann".1 „Es liegt jetzt hauptsächlich in der Verantwortung der revolutio. nären und fortschrittlichen Kräfte, die Volksmacht auf allen Ebenen

Kampfs rasch zu konsolidieren und zu mobilisieren, sei es im legalen oder im bewaffneten Kampf, in den Städten oder auf den Dörfern, über den ganzen Archipel hinweg. Dies ist notwendig, damit eine wirkliche Volksmacht Gestalt annimmt."1 30 INPREKORR Nr. 186 LORD

SAVE W

WE

OUR

WE PRAYED FOR :

PEACET

PEOPLE POWER

FACE FLE POIVER

Nicht zufällig richtet Ang Bayan das drei Monate nach dem Sturz von Marcos Augenmerk auf das Problem, in der 900 Menschen das Leben gekostet ha- Übergangsperiode nach dem Sturz von ben. Die Regierungsarmee, die einerseits Marcos die politischen Massenkämpfe in sich uneins ist, andererseits aber auch mit der bewaffneten Aktion der NPA in neues Prestige gewonnen hat, hat den Einklang zu bringen. Die Fortführung militärischen Druck beibehalten, teildes bewaffneten Kampfs hat die revolu- weise sogar verstärkt. tionären Kräfte in den vergangenen Mo- Ang Bayan hat die Losung ausgegeben, naten vor große Probleme gestellt. „den Hauptschwerpunkt auf militäri- Das erste ist die Fortsetzung der militäri- sche Operationen zu legen, die eine groschen Operationen der NPA nach dem Be politische Wirkung haben und dazu Die Initiative liegt jetzt bei den Massenkämpfen in den Städten. Die Fortführung des bewaffneten Kampfs schafft Probleme für die NPA.

Sturz von Marcos. Im Artikel von Ang dienen, die faschistische Maschinerie zu Bayan wie auch im Interview von Anto- erschüttern" 1 Aber es ist nicht leicht, nio Zumel wird zugegeben, daß hierin die politische „Wirkung" einer militärigegenwärtig eine der politischen Haupt- schen Operation zu bemessen, wenn schwierigkeiten steckt. Die repressiven gleichzeitig die offene Diskussion in der reaktionären Kräfte sind in zahlreichen CPP über das Scheitern des Boykotts Provinzen immer noch aktiv: die NPA noch nicht beendet ist. Eine Operation, hat auch Order erhalten. eine Reihe von die von der örtlichen Bevölkerung posi- Operationen fortzusetzen, um nicht die tiv aufgenommen wird, weil sie z.B. ei- Initiative zu verlieren. Indem sie dies nen bekannten Folterer hindert, weiteaber tut, läuft sie Gefahr, sich die Ver- ren Schaden anzurichten, kann auf naantwortung für die Fortsetzung der tionaler Ebene eine negative Wirkung Kämpfe aufzubürden, die allein in den haben, weil sie unter den gegenwärtigen

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RAY politischen Umständen der Regierungsarmee den Vorwand liefert, der NPA vorzuwerfen, sie lehne die Perspektive eines Waffenstillstands überhaupt ab. Es scheint, daß die Armee in diesem politischen und psychologischen Krieg gegen die revolutionären Kräfte tatsächlich einige Punkte hat machen können. Die vergangenen Monate bestätigen somit eine Lehre, die schon andere revolutionäre Bewegungen gezogen haben, von China bis El Salvador. In einem Land, in dem die Guerilla eine wichtige Rolle spielt und in dem es eine, wenn auch begrenzte, demokratische Öffnung gibt, oder im Zusammenhang mit der Beendigung eines internationalen Krieges wird die Frage der Verhandlungen und des Waffenstillstandes häufig zum Gegenstand einer wichtigen politischen Konfrontation. Es ist deshalb sehr wichtig, daß die revolutionären Kräfte sich fähig zeigen, auf diesem Gebiet rasch die Initiative zu ergreifen. Die Verspätung, die CPP und NPA hier haben, mußten sie teuer bezahlen.

Das zweite Problem ist, daß auf Grund der komplexen Situation nach dem Scheitern des Boykotts innerhalb der revolutionären Bewegung die Spannungen zugenommen haben. Die Guerilla fronten verfügen über eine groise Fland lungsautonomie - notwendigerweise, da sie mit sehr unterschiedlichen Situationen konfrontiert sind. Das bedenklichste Anzeichen ist die Spaltung der Guerilla in der Cordillera, einer Bergregion im Norden der Insel Luzon, die von Stämmen bewohnt wird und dafür bekannt ist, daß sie der Schauplatz eines langen Kampfes gegen den Bau von Staudämmen für den Chico-Fluß war. Durch die Staudämme wären die Bergstämme Bontoc und Kalinga, die zutiefst mit dem Land ihrer Vorväter verwurzelt sind, zur Auswanderung gezwungen worden. Im Verlauf des Kampfes hat sich die NPA immer stärker in der Region verankert und die Bevölkerung gegen die Repression geschützt.

Zombies, Spaltungen und Repressalien der Armee machen der NPA das Leben schwer.

Im April hat sich die NPA dort gespalten: es wurde die Cordillera People's Liberation Army (CPLA — Volksbefreiungsarmee der Cordillera) gebildet. Die neue Organisation wird von einem fünfzehnköpfigen Rat geführt, dem auch die beiden Sprecher, die Pater Bruno Ortega und Conrado Balweg (von der Gesellschaft des Wortes Gottes) angehören. Balweg gehört dem Stamm der Tinggian an. 1979 schloß er sich dem bewaffneten Kampf an. Als rebellischer Priester und weil er so bekannt war, war er einer der von der Armee meistgesuchten Mitglieder der NPA. Die CPP hat den „Lokalismus" Balwegs und seine Weigerung, den Kampf in der Cordillera voll und ganz in ‹ den nationalen Kampf zu integrieren, angegriffen. Ein Verantwortlicher der NPA begann jedoch zu verbreiten, Balweg, den die Partei lange Zeit hochgehalten hat, habe Frauen mißbraucht und Geld entwendet." Solche Anschuldigungen rufen sehr böse Erinnerungen in 15 CPP . The call for a ceasefire has not fallen on deaf cars", Liberation, Februar-März 1986, S. 6. 16 _New Political Situation, Coalition Government is in place", Ang Bayan, vol. XVIII, Nr. 1, S. 1-S. 17 _Aquino Consolidates Power; Reactionaries Block Reforms*, Ang Bayan, vol. XVIII, Nr. 2, April 1986, S. 3.

18 . NPA marks 17th Anniversary Amid Opportunities, Challenges", Ang Bayan, vol. XVIII Nr. 1, März 1986 S. 8-9.

der kommunistischen Bewegung wach und sind deshalb besorgniserregend. In Interviews haben Ortega und Balweg erklärt, die Spaltung habe ihre Ursache in politischen Differenzen über die Verteidigung der Stammesgemeinschaften (die sie als ihre Hauptaufgabe betrachten) und über deren Integration in eine (sie lehnen die Bezeichnung halbfeudal" ab und betonen, daß ihre Gemeinschaften kein Privateigentum an Grund und Boden kennen) und über das interne Regime der NPA und der CCP (sie kritisieren den Mangel an Demokratie in der Bewegung). * Es ist möglich, daß zu den „Korrekturen" , die die CCP anbringt, auch Verhandlungen gehören, um die Kräfte der NPA in dieser wichtigen Region wiederzuvereinigen, denn sie ist sehr bedeutend aufgrund ihrer Kampftradition, ihrer geographischen Lage und wegen dem grundsätzlichen Problem des Verhältnisses zwischen den Bergstämmen und dem revolutionären Kampf.

Das dritte Problem ist das der „Zombies" '. So nennt man auf den Philippinen die in die Guerilla infiltrierten oder aus ihr rekrutierten Agenten der Armee. Oftiziell heilen sie deep penetration agents (DPA - Agenten, die in die Tiefe eindringen). Die Armee profitiert von der gegenwärtigen Situation und läfst sie offener agieren. Eine Untersuchung im Auftrag der bedeutenden katholischen Wochenzeitung Veritas hat der Öffentlichkeit den Umfang des Problems enthüllt. Die Journalistin behauptet dort, die Mehrheit der Guerilleros, die sich ergeben, „könnten tatsächlich Agenten sein, die in die Tiefe eindringen (DPA), die von den Streitkräften beauftragt wurden, die Reihen der CPP-NPA- NDF seit Anfang 1972 zu unterwandern" . Nach Angaben von Nico Nabong, einem hohen Verantwortlichen des Operationskommandos von Nord- Mindanao, wurden sich die Guerilleros erst 1985 des Ausmaßes der Infiltration und ihrer Folgen bewußt: „ Wir wurden des Betrugs, des Raubes und des Terrorismus beschuldigt. Wir wurden beschuldigt, mehrere Menschen getötet zu haben, die nicht das geringste Vergehen 19 Der Ausschluß Balwegs wurde am 22. April bekanntgegeben. Die Anschuldigungen wurden von einem Parteikader vorgetragen, der sich als Ka Toto, Operationschef der NPA, vorstellte. S. Chronology of Events, April 1986, Nr. 20, S. 3. Sie bezieht sich auf einen Artikel vom 25. April aus der Manila Times. 20 Vgl. die Artikel von Roy S. de Guzman, _Dictatorship ends Balweg-CPP alliance", Philippine Daily Inquirer, 7. Mai 1986, und _For the Cordilleras, Balweg rebels against Red dictatorship*, Mrand Ms (philippinische Wochenzeitschrift), 9.-15. Mai 1986.

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gegen das Volk begangen hatten. Wir Diktatur die unterschiedlichsten For- keine der beiden kann ohne die andere wurden der Erpressung. schlimmer men gegeben. Erfolg bringen. „Die NPA untersteht noch, des Mordes an Zivilisten ange Heute ist die Lage aber besonders der Partei, damit den politischen Zielen, klagt ….. Wir konnten nicht verstehen, schwierig, weiles in der Hauptstadt ganz die von dieser festgelegt werden". Aber was vor sich ging, bis wir eine Untersu anders aussicht als in den Provinzen, und sie bleibt „das wichtigste Instrument des chung über die anstrengten, die die Dis. selbst die Provinzen untereinander, je Volkes, um revolutionäre Veränderunziplin schwer verletzt hatten, und sie uns nachdem ob es sich um aufständische gen herbeizuführen... Der bewaffnete Rede und Antwort stehen mußten. "21 oder „weiße" Gebiete handelt, sich in (ampt ist die wichtigste Form de Das Ziel der Operation Zombies" ist einer sehr unterschiedlichen Situation Kampfes für den Sturz der reaktionärer es, über die NPA Informationen zu sam- befinden. Der Grad der demokratischen und faschistischen Herrschaft"." meln, sie zu diskreditieren und in den Öffnung des neuen Regimes und der Interessant ist, daß dies nach dem Sturz revolutionären Reihen ein allgemeines Fortbestand der Repression variieren von Marcos durch die Massenbewegung Klima der Verdächtigungen zu schaffen. stark von Region zu Region. Die politi- (und nach dem Sturz der Militärjunta in Wie man gegen solche Infiltrationen Thailand 1973, nach dem Sturz des kämpft, die bei einer Massenguerilla Schahregimes im Iran 1979 durch die nicht zu vermeiden sind, ohne daß die Massenmobilisierung in den Städten)

kollektive Moral und die Beziehungen veröffentlicht wurde.

unter den Mitgliedern unterminiert wer- Demokratischer Geist Die politisch-militärische Konzeption den, ist eine der kompliziertesten Aufga- und eine demokratische der CPP hat eine Stärke: sie legt ein ben, die die Führung einer bewaffneten großes Gewicht auf Fragen der Politik, revolutionären Bewegung zu bewältigen Arbeitsweise in der Partei, der Organisation, der gesellschaftlichen hat. Die CPP versucht, die Agenten zu statt Kampf gegen den Verankerung. Dies hat es ihrermöglicht entlarven, indem sie die Biographien der kontinuierlich zu arbeiten, und allmäh Mitglieder der Bewegung studiert. Die Revisionismus und lich, langfristig politische und militäri- NPA protestiert gegen den Einsatz von Studium der Klassiker sche Kräfte zu akkumulieren. Darin ist „Zombies" und gegen die Fortsetzung aber auch ein Element von Starrheit entmilitärischer Angriftsoperationen halten, die eine erforderliche taktische den verschiedenen Regionen. Sie fordert Wende in einer großen politischen Krise von der Präsidentin, daß sie die Umtrie- erschweren kann. In einer solchen Kribe ihrer Armee wirklich kontrolliert, als sche Linie der CPP ist nach wie vor die, senperiode, wie sie das Land gerade er- Beweis dafür, daß es ihr mit Verhandlu- daß der bewaffnete Kampf das Rückgrat lebt, ist die Hauptform des Kampfes gen über einen Waffenstillstand ernst des revolutionären Kampts zu sein hat, nicht der bewaffnete Kampf, obgleich ISt. der Schwerpunkt der nationalen Aktivi- der Schutz der revolutionären Streittrotz der vielfältigen neuen kräfte eine wichtige Aufgabe bleibt. Der

Der verlängerte Volkskrieg Kampfformen, die in den letzten 15 Jah- Ort der unmittelbaren politischen Aus- Das vierte Problem ist das der Kombina- ren dazu gekommen sind. Deren Bedeu- einandersetzung ist die Hauptstadt getion der verschiedenen Kampfformen tung ist jedoch nachgeordnet. wesen, nicht die ländlichen Gebiete. auf nationaler Ebene. Die Stärke der In der Ausgabe vom März 1986 — in Die CPP versucht, die verschiedenen CPP beruht vor allem darauf, daß sie sich diesem Monat wurde 1969 die NPA ge- Formen und Teilbereiche des Kampfs zu in allen Massensektoren hat verankern gründet - wiederholt Ang Bayan noch integrieren und in den Rahmen eines können. Sie organisiert gewaltfreie Ak- cinmal die „Grundprinzipien". Zwei verlängerten Volkskrieges zu stellen. tionen ebenso wie militärische und ist in Aufgaben stellen sich demnach parallel: Dennoch erreicht ihr strategisches Denallen wichtigen Regionen mit Ausnahme die Entfaltung des bewaffneten Kampts ken nicht das Niveau der Kommunistider moslemischen Gebiete verankert. und der „Aufbau einer nationalen Ein- schen Partei Vietnams (CPV). Die CPV Sie hat dem Massenwiderstand gegen die heitsfront". Die zweite ergänzt die erste; konnte zurückgreifen auf die historische Anzeige südostasien Inhalt u. a.: Schwerpunkt des nächsten Heftes:

4/86 RELIGION UND KULTUR informationen • NRO'S IN Schwerpunkte der vergangenen Hefte:

Thailand 3/86 - SOZIALE BEWEGUNGEN

Nichtregierungs- Malaysia 2/86 - ÖKOLOGIE UND

Organisationen und Indonesien INDUSTRIALISIERUNG • Die philippinische Linke 1/26 - MILITARISIERUNG *soziale Bewegungen und die Februarrevolution 4/85 •- REGIONALE KONFLIKTE südostasien und wie immer: informationen Heft Nr. 3/86 Nachrichten und Literaturhinweise, zusamerscheinen verteljährlich Herausgeber und Vertrieb:

mengestellt aus z.T. schwerzugänglichen Einzelverkaufspreis: Südostasien- Publikationen zur Gesamtregion und zu ein- 16. - DM Informstionsstelle

Ländern: Thailand, Jahresabonnement: Josephinenstr. 71 Malaysia, Singapur, Brunei, Indonesien/Ost- 20. - DM für Einzelpersonen 4630 Bochum 1 timor, Philippinen. 40. — OM für Institutionen Tel.: (02 34) 502748 32 INPREKORR Nr. 186

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Erfahrung sehr unterschiedlicher Masenkämpfe, die zur Revolution vom August 1945 geführt haben; sie konnte damit den Begriff der Krise" in die Strate- Kriegs einbauen. Im politisch-militari- des verlängerten revolutionären schen Denken der vietnamesischen Kommunisten spielen die Begriffe „günstiger Moment" : politische Krise und revolutionäre Krise eine zentrale Rolle. Damit haben sie die Gefahr eines gradualistischen militärischen Denkens vermieden, das so viele Parteien des bewaffneten Kampfs geprägt hat (darunter auch die Partido Revolucionario de Argentina — PRT in den 70er Jahren, die damalige Sektion der IV. Internationale).

Das Heranreifen eines günstigen Augenblicks kann dazu führen, daß die Zeit sich verdichtet und die Ereignisse sich überstürzen. Darauf muß man sich vorbereiten; das kann bedeuten, daß neue Kampffronten und Kampfformen gefunden werden müssen, und daß z.B. die politische Massenaktion die wichtigste Rolle spielt. In Vietnam hat sich die Kampfführung durch große Flexibilität und den Sınn für die konkrete Analyse der Situation ausgezeichnet, weil sie diese Momente verstanden hat.

Wahrscheinlich hat die relative Starrheit der Konzeptionen der CPP dazu geführt, daß sie sich Ende 1985 auf den Wahlboykott festgelegt hat. Hätte sie den wahren Charakter der Krise erkannt, hätte sie ihre fertigen Pläne für eine politisch-militärische Expansion, mit der sie bis zum Ende des Jahrzehnts „eine Pattsituation" erreichen wollte, über den Haufen werfen müssen.

Selbstkritik der CPP

Die Selbstkritik, die das Politische Büro der CPP in der Mai-Ausgabe von Ang Bayan veröffentlicht hat, und die auszugsweise in der philippinischen Presse wiedergegeben wurde, läßt sich wiefolgt zusammenfassen:

1. Die Führung der CPP unterzieht die Analyse der politischen Lage, die sie im Dezember 1985 vorgenommen und auf die sie ihren Boykottaufruf gestützt hat, einer ausführlichen Kritik. Die Widersprüche zwischen Washington und Marcos wurden nicht richtig eingeschätzt. Die Tatkraft der oppositionellen Bourgeoisie wurde unterschätzt. Die wachsende Selbstisolierung des Regimes wurde nicht zur Kenntnis genommen. Die Stimmung im Volk gegen die Diktatur wurde nicht richtig erfaßt.

2. Folglich hat sich die Linie der CPP an eine kleine Avantgarde gerichtet, nicht an die Massen, die im antifaschistischen Kampf aktiv waren: „Deutlich wurden das mangelhafte Verständnis der politischen Führungsaufgaben in ciner sol- vorherrschende falsche ideologische chen Zeit und die falsche Einschätzung Tendenz, anch ciner Periode, in der im des aktuellen Niveaus der Beteiligung Gegensatz dazu der Dogmatismus die der Massen an den revolutionären vorherrschende falsche Tendenz war. Kämpfen, sowie Verwirrung über die Unsere Partei ist politisch im Kampf wirklichen Erfordernisse des bewaffne- gegen den Revisionismus und gegen die ten revolutionären Kampfes", schreibt verschiedenen Spielarten des Reformis- Ang Bayan. mus, die mit ihm verbunden sind, ge- 3. Das Studium der politischen Proble- wappnet worden. Der Fortgang des gesunden Wachstums der Partei hängt in me, die in dieser Zeit aufgeworfen wur- großem Maße von unserer Wachsamkeit den, muß in den Reihen der Bewegung fortgesetzt werden. Es wird eine theore- und unserer Opposition gegen konterrevolutionäre und nicht-proletarische Idetische Schulungskampagne begonnen, en ab, innerhalb wie außerhalb unserer um vor allem das demokratische Funk- Reihen. * 20 tionieren der Partei zu stärken; das Politische Büro ruft zur Entwicklung eines Es ist äußerst schädlich, gegen „konter- „demokratischen Geistes und einer de- revolutionäre und nicht-proletarische mokratischen Arbeitsweise in der Par- Ideen" unter kritischen Aktivisten in der tei"2 auf ... Die nationale Führung wird Partei und in anderen Strömungen der unter ideologischen, politischen und or- fortschrittlichen nationalen und inter ganısatorischen Gesichtspunkten scharf nationalen Bewegung zu Felde zu ziekritisiert. Die Eiberutung eines natio- hen. Diese Art Sektierertum nach innen nalen Kongresses ist in Bälde vorgesehen wie nach außen hat international unter (seit ihrer Gründung 1968 hat die CPP der extremen Linken schon enormen noch keinen Kongreß abgehalten). Schaden angerichtet. Sic dominierte in 4. Die CPP kündigt an, daß sie bereit ist, den 60er und 70er Jahren. Glücklicherin der Frage der Verhandlungen über den weise ist dieses politische und ideologi- Waffenstillstand wieder die Initiative zu sche Sektierertum in vielen Ländern ergreifen. Das Politische Büro analysiert heute nicht mehr die Regel. Es war schadie Widersprüche in den Reihen der Re- de, daß es auf den Philippinen cinen gierung über diese Frage, zwischen der solchen dogmatischen und sektiereri- Verhandlungslinie, die Corazon Aquino schen Rückschlag gab, während die Entvertritt, und der harten Haltung des wicklung in zahlreichen Ländern positiv Verteidigungsministers und chemalsen- war und die CPP zugleich große kämpfegem Mitarbeiter von Marcos, General rische Fähigkeiten bewies. International Enrile. Es erklärt sich bereit zu Kontak- hat sie dies teuer bezahlt, weil es die ten auf höchster Ebene (die NDF gabam von Solidaritätsinitia- 28. Mai bekannt, daß sie ihren Vertreter tiven oft behindert hat. Es hat den benannt hat). In der kommenden Zeit Anschein, als sei ihr dies auch auf den soll die NPA sich auf defensive Reaktio- Philippinen selbst zu einem Hindernis nen auf die Vorstöße der Armee be- geworden, obwohl die Bewegung sich schränken. Das in Ang Bayan veröffent- dort ausgebreitet hat. lichte Dokument kündigt darüberhin- Der politische Umgruppierungsprozeß, aus an, daß die Partei die politische In- der nach Februar eingesetzt hat, ist noch itiative zurückerobern will, um „unver- nicht abgeschlossen. Noch Ende Mai züglich und deutlich ihre Führung im haben sich verschiedene Gruppen der politischen Kampf wiederherzustel- unabhängigen extremen Linken, vor allen". 2 Die Führung der CPP zeigt sich lem aus dem Independant Caucus, zu zuversichtlich, daß nach dieser Selbst- einer neuen politischen Bewegung vereikritik die neue Situation der Partei er- nigt, der Bukluran sa Ikanunklad ng laubt, quantitativ und qualitativ einen Sosyalistang /sip at Gawa (Bisig-Gruppe Schritt vorwärts zu machen. ür die Entfaltung sozialistischer Ideen Es hat den Anschein, als werde die sek- und Aktionen). Insgesamt beginnt für tiererische Wende von 1982—83 infra- die Linke jetzt aber eine neue Periode der gegestellt. Diese Wende war von der Aktion und des Kampfes. Alle revolu- Führung der CPP durcheine Resolution tionären und fortschrittlichen Aktivizum 15. Jahrestag der Partei eingeleitet sten und Aktivistinnen werden in dieser worden: „Die Klassiker Marx, Engels, neuen Phase an der Seite der philippini- Lenin, Stalin, Mao werden heute nicht schen Genossen stehen. so breit und intensiv gelesen wir vor 1972 ...Der Empirismus war eine Zeitlang die 5. Juni 1986 21 Carolyn O. Arguillas The Zombies", Veritas, 3. 24 Zit. von Monica Feria, Malaya, 1. Juni 1986. April 1986, S. 10. 25 Zit. von Guy Sacerdoti, Far Eastern Economic Re- NPA marks 17th Anniversary Amid O hallenges, 17°g Bayar, vol. Avil Nort, Mie view, 12. Juni 1986, S. 46. 26 _Our Party has Completed 15 Years of Leadership". 1986, S. 6. Ang Bayan, vol. XV Nr. 10, Dezember 1983 S. 4-5. 23 Ang Bayan, Mai 1986, zit. von Juan Lopez in Malaya, 30. Mai 1986.