Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Ein Abkommen zwischen COSATU und ANC. Am 5. und 6

Inprekorr Nr. 181, Mai 1986 · S. 13-15 · 1.266 Wörter

Südafrika Gewerkschaften und Streiks

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Am 5. und 6. März 1986 trafen sich in Sambia Vertreter der COSATU mit dem ANC und dessen Exilgewerkschaft SACTU. Das folgende Kommuniqué ist das Ergebnis dieses Treffens. Delegationen der Exekutive der COSA- TU, des Nationalen Exekutivkomitees der SACTU und des Nationalen Exekutivkomitees des ANC haben sich am 5. und 6. März in Lusaka getroffen. Die Delegationen wurden jeweils angeführt vom Genossen Jay Naidoo, dem Generalsekretär der COSATU, vom Genossen John Nkadimeng, dem Generalsekretär der SACTU, und vom Genossen Oliver Tambo, Präsident des ANC. Im Verlauf der Diskussion trafen sich COSATU und SACTU getrennt, um über die gemeinsamen gewerkschaftlichen Probleme zu beraten.

Das Treffen ist durch die gemeinsame Sorge aller beteiligten Parteien über die tiefe, umfassende wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Krise zustandegekommen, in die das Regime Botha und das System der Apartheid, der nationalen Unterdrückung und der Klassenausbeutung unser Land gestürzt haben. Der gemeinsamen Einschätzung zufolge sind das Regime in Pretoria und die herrschende südafrikanische Klasse unfähig, irgendeine angemessene Lösung für diese allgemeine Krise zu finden. Eine Lösung kann letztlich nur von der nationalen Befreiungsbewegung, die vom ANC geführt wird, und von der Gesamtheit der demokratischen Kräfte in unserem Land kommen, von denen die COSATU ein wichtiger und integraler Bestandteil ist.

Von diesem Standpunkt aus wurde anerkannt, daß das Hauptproblem, vor dem unser Land heute steht — die Frage der politischen Macht — nicht ohne die volle Beteiligung des ANC gelöst werden kann, der heute von der Mehrheit der Bevölkerung Südafrikas als geschlossene Führung und als ihr wirklicher Vertreter betrachtet wird.

Die drei versammelten Delegationen haben anerkannt, daß die Gründung eines so riesigen demokratischen und fortschrittlichen Dachverbandes wie der COSATU in unserem Land ein historisches Ereignis im Einigungsprozeß unserer Arbeiterklasse ist, der die demokratische Bewegung insgesamt ungeahnter Weise stärken wird Nach längeren Diskussionen über die Lage im Inland und international, die von herzlichem und kameradschaftlichem Geist geprägt waren, haben sich die drei Delegationen auf wichtige Punkte verständigt. Sie waren sich darin einig, daß eine Lösung für die Probleme unseres Landes die Einführung der Mehrheitsherrschaft erfordert auf der Basis »Eine Person - eine Stimme«, im Rahmen eines einigen, demokratischen und nichtrassischen Südafrika. Unter den besonderen Umständen in unserem Land kann ein solches System nicht von der wirtschaftlichen Emanzipation getrennt werden. Unserem Volk ist das Land geraubt worden, ihm wurden ein Teil der Reichtümer des Landes und seiner produktiven Fähigkeiten genommen; Armut und Hunger sind alles, was es kennt. Diese jahrhundertealten wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten abzuschütteln, steht im Mittelpunkt unserer nationalen Bestrebungen.

Deshalb waren sich die drei Delegatioen nicht nur einig in der Ablehnung jeder Form von Apartheid, sondern auch in ihrem gemeinsamen Verständnis, daß der Sieg mehr bringen muß als nur die formale politische Demokratie. Die Delegation der COSATU hat erklärt, daß für ihren Dachverband die Hauptaufgabe darin besteht, seine Mitglieder und Anhänger zu konsolidieren, die allgemeinen Gewerkschaften, die Mitglieder der COSATU sind, schnell in Industriegewerkschaften zu verwandeln, den Vereinigungsprozeß voranzutreiben und den Grundsatz »Eine Industrie - eine Gewerkschaft« zu verwirklichen, um so die gesamte Arbeiterschaft unseres Landes unter der Fahne der CO- SATU zu vereinigen. Zugleich ist sie Führerin der Arbeiterinnen und Arbeiter im allgemeinen demokratischen Kampf — sowohl unabhängige Organisation als auch wesentlicher Teil der demokratischen Kräfte unseres Landes ist. Von diesem Gesichtspunkt aus erfordern es die Interessen der Arbeiter und der demokratischen Kämpfe, daf die COSATU durch die Zusammenarbeit mit anderen demokratischen Massenorganisationen verpflichtende Bündnisse aufzubauen versucht, um sicherzustellen, daß durch die Mobilisierung der Bevölkerung in vereinigte Massenaktionen zugleich die organisatorische Basis aller demokratischen Organisationen gestärkt wird.

Auch die Delegation des ANC hat über ihre Politik, ihr Programm, ihre Strategie und ihre Taktik berichtet. Der ANC hat die Notwendigkeit betont, den größtmöglichen Teil der Bevölkerung unseres Landes in dergemeinsamen politischen Aktion gegen das Apartheid-Regime zu mobilisieren, zugleich verbunden mit dem politischen Kampf der Massen. Der ANC hat auch die Bedeutung des bewaffneten Kampfes betont, um das Volk gegen die bewaffneten Kräfte des Feindes zu verteidigen und um ihm die Möglichkeit zu geben, dem weißen Minderheitsregime die Macht, die es mit Gewalt hält, aus den Händen zu reißen.

Die drei Delegationen waren sich einig, daß es von zentraler Bedeutung ist, mit wachsender Intensität eine Kampagne für die Freilassung aller politischen Gefangenen, darunter Nelson Mandelas zu führen. Die drei Organisationen werden alles in ihrer Macht Stehende dafür Mit der zunehmenden Verschärtung der Krise in unserem Land nehmen auch der Widerstand, der Zorn und die Kampfbereitschaft unseres Volkes zu. Im Verlauf dieses Prozesses sind und werden noch viele zentrale Fragen aufgeworfen, um die herum man Kampagnen führen muls. Zur Zeit steht die gesamte demokratische Bewegung vor der Aufgabe, eine korrekte Basis für eine Kampagne zur Abschaffung des Erziehungssystems in den Bantustans (der getrenntrassischen Schulen) und für ein einheitliches, demokratisches, nichtrassisches, kostenloses und obligatorisches Bildungsystem für alle Kinder unseres Landes zu finden.

Aus demselben Grund ist es unerläßlich geworden, daß die Arbeiter unseres

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Landes zusammen mit allen demokratischen Kräften sich für die Abschaffung der Paßgesetze, diesem Symbol der Sklaverei, und des ganzen Systems der Einwanderungskontrolle einsetzen und auch darauf achten, dal das Botha-Regime dieses verhalte System nicht in anderer Form wieder einführt.

Im Rahmen dieser und anderer Kampagnen müssen die demokratischen Kräfte zusammenarbeiten und miteinander in Verbindung treten, um ein Maximum an Einheit unseres Volkes in der Aktion zu verwirklichen.

Die Delegationen waren sich darin einig, daß es das Botha-Regime ist, das eine Lösung auf dem Verhandlungswege blockiert. Sie sind zu dem Schluß gekommen, daß es keine Verhandlungen geben wird, solange die Führer des Volkes im Gefängnis sitzen und solange das Regime in Pretoria sich weigert anzuerkennen, daß unser Land von seinemganzen Volk, Schwarzen wie Weißen, als Gleichgestellte, als Brüder und Schwestern regiert werden muß. In diesem Zusammenhang hat der ANC erklärt, daß es bisher weder Verhandlungen noch „Verhandlungen über Verhandlungen" gegeben hat. Er hat hinzugefügt, daß der ANC dafür eintritt, daß Verhandlungen, sollte es sie geben, öffentlich geführt werden müssen und die ganze demokratische Bewegung daran beteiligt sein muß.

Im Verlauf ihrer Unterredungen sind COSATU und SACTU übereingekommen, daß die größtmögliche Einheit unter den Gewerkschaften unseres Landes von größter Bedeutung für den Kampf unseres Volkes gegen das Apartheid-Regime und gegen die Unternehmer ist. Beide waren sich einig, daß sich überhaupt kein Widerspruch aus ihrer getrennten Existenz ergibt.

Das Treffen der drei Organisationen war von sehr starkem Optimismus geprägt. Trotz aller Manöver des Botha- Regimes und seiner Verbündeten, trotz der zunehmenden Repression ist der Sieg über das Herrschaftssystem der rassistischen weißen Minderheit nicht weit. Die drei Delegationen haben versichert, daß sie für eine Gesellschaft kämpfen, die sich von den Ketten der Armut, des Rassismus und der Ausbeutung befreit hat; das wird die Umstrukturierung der derzeitigen Wirtschaft erforderlich ma- Jay Najdoo leitete die Verhandlungen in Lusaka BRD: Gute Geschäfte mit der Apartheid O Nationale Frage und Landfrage in der südafrikanischen Revolution • Aufschwung der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung • Dokumente der Diskussion von ANC, UDf und NF C Nation und Ethnie in Südafrika (Neville Alexander) C Wichtige Adressen für die Solidaritätsarbeit DM 14,80 isp-Verlag

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