I1I. DIE MOBILISIERUNG DES VOLKES
Aden. - "Ahl Sir, die Dinge sind nicht mehr so wie früher.. " Unser jemenitischer Gespräch partner, ein wenig vornübergebeugt, mit weißen Haaren und traurigem Blick, verbirgt in einem kastrierten Englisch nicht sein Heimweh nach der Zeit, wo er frei war, sein Leben
ganz gut zu verdienen, mit Ausländern häufigen Kontakt zu pflegen, aus Geschäftsgründen nach London und in den wohlverdienten Ferien in die libanesischen Berge zu reisen. Das Koguter Patriot hat er es immer verabscheut. Aber dennoch, ist es lonialregime? Sicher, als "
denn nötig, daß die Unabhängigkeit unausweichlich zu einer "kommunistischen Diktatur" und zu namenlosem Elend führt?
Das schöne Leben von früher - das alferdings für eine Klasse von Privilegierten reserviert war - ist nicht mehr. Die Abreise von Zigtausenden von Engländern - Soldaten und ihren Familienangehörigen -, die massive Auswanderung von Bankiers, Reedern, Großhändlern und höheren Kadern haben die Restaurants und Kabarets, die Clubs und Strände von ihrer gewohnten Kundschaft geleert. Die Hotels erster Klasse werden nicht mehr gebraucht; seit ihrer Nationalisierung werden sie mehr oder weniger subventioniert. Sie empfangen keine reichen Geschäfts leute mehr, sondern zumeist sparsame kommunistische Delegationen und Vertreter revolutionärer Bewegungen, die wenig zu Ausgaben neigen. Zahlreiche Pensionen und Herbergen haben kaum Betrieb oder sind ganz geschlossen.
In der Tat scheint der Hafen von Aden, dessen überschäumende Aktivität einst sogar Marseille in den Schatten stellte, wie von einer Teillähmung geschlagen zu sein. Sein riesiger Hafenbahnhof, seine geräumigen Kaianlagen, seine gutausgerüsteten Werften sind praktisch leer: einige Dockarbeiter spazieren ohne Eile vor den seltenen Schiffen, die von Zeit zu Zeit anlegen. Aden war im wesentlichen ein Transithafen und erstickt, seit im Juni 1967 der Suezkanal geschlossen wurde. Der Verkehr ging um 75 % zurück, die Zahl der Passagiere um nahezu 100 %: 1970 empfing Aden 1.613 Schiffe (gegenüber 6.416 1964) und nur 3.000 Transitreisende ( 1964: 198.000). Uberdies leiten viele Reeder ihre Schiffe nach Djibouti und den neuen Hafen Hodeida in der Republik Nordjemen um.