Nasser, dem es darum ging, gegen den britischen Feind, der die königstreuen Stämme unte stützte, eine "zweite Front" zu eröffnen, bot den Nationalisten vom Südjemen Waffen un Ausbilder. Am 14. Oktober 1963 brach in den Bergen von Radfan unter dem Schlachtruf "Sie oder Tod!" der bewaffnete Aufstand los. Unter der Führung der Nationalen Befreiungsfront die zur selben Zeit gegründet worden war, breitete sich die Revolution wie ein Buschfeuer in den ländlichen Regionen aus, wo die Nationalistische Arabische Bewegung schon über ein feste Untergrundorganisation verfügte.
Indessen verschlechterten sich die Beziehungen der Partisanen mit ihren ägyptischen Freunde rasch. Die Geheimdienste Nassers, die " mokhabarat" , wollen ihren Schützlingen unbeding ten Gehorsam aufzwängen. Die Kämpfer der Front müssen mit Bestürzung entdecken, daß si es - nach den Worten eines Mitglieds - mit "korrupten, zynischen und intrigierenden Part nern, deren politische Ungebildetheit so groß wie ihr reaktionärer Instinkt ist* • zu tun ha ben. (Nasser hat - allerdings erst spät - dieses Urteil bestätigt, als er nach der Niederlage vom Juni 1967 eine große Säuberung in den Reihen der "mokharabat" durchführte. ) Die Vertreter der nasseristischen Ordnung in Arabien werden durch den marxisierenden Radikalis
mus des "Nationalen Paktes", wie er auf dem ersten Kongreß des F. N. L. im Juni 1965 angenommen wurde, in Unruhe versetzt. Sie drücken mit verschiedenen Mitteln im Januar 1966 durch, daß die Front mit der reformistischen Konkurrenzorganisation FLOSY sowie mit oppositionellen Notabeln fusionieren. Aber diese "Heilige Union " ist von kurzer Dauer. Sechs Monate später nehmen sich die Kämpfer des F. N. L. ihre Freiheit wieder. Sofort schneidet ihnen Kairo den Lebensmittelnachschub ab und bricht eine heftige Verleum dungskampagne gegen sie vom Zaum. Die ganze arabische Welt kehrt ihnen den Rücken. Der prosowjetische Teil des sozialistischen Lagers, für den Nasser der "Papst" des nahöstlichen Progressismus ist, zeigt ihnen deutlich die kalte Schulter. Von einem Tag auf den anderen stehen die Partisanen von Südjemen ohne Freunde und ohne Hilfsquellen da. Durch diesen Bruch mit dem Nasserismus und die totale Isolation werden die Partisanen dazu gebracht, neue Wege zu erforschen. 'Uns wurde damals klar" , erzählte uns der Staatschef, "daß wir nur auf uns selbst zählen konnten. " Die einen verschlangen die Werke von Lenin, Mao Tse-tung und Liu Shao-tschi. (Die marxistischen Werke wurden in Jemen in arabischer Sprache verbreitet, sobald sich nach dem antimonarchistischen Staatsstreich eine chinesische Botschaft in Sanaa etabliert hatte. ) Andere zogen Schlüsse aus der Niederlage der Kommune von Paris.
Während eine Volksverwaltung in den befreiten ländlichen Gebieten aufgebaut wird, beginn! der F. N. L. vor allem in Aden sowohl gegen die Engländer als auch gegen die Konkurrenzbewegung FLOSY, deren Einfluß in der Hauptstadt vorherrschend ist, die Stadtguerilla. Spektakuläre Banküberfälle füllen die leeren Kassen der Front wieder.