Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Das von London eingegangene Risiko

Inprekorr Nr. 18, 15. August 1972 · S. 19 · 256 Wörter

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Südarabien wird zur Hölle für die britischen Truppen: durch Hinterhälte, Bombenattentate, Entführungen und Ermordungen, Sabotageakte, Generalstreiks, Demonstrationen und Revolten kamen Hunderte ums Leben, wurden Tausende verletzt. Das Protektorat löste sich auf. Im August 1967 waren 17 von 14 "Staaten" der Föderation sowie mehrere Viertel von Aden befreit. Die Besatzungstruppen zogen nach 129jähriger Anwesenheit ab. Die Stunde war gekom men, das Land zu übergeben, aber wem? Dem FLOSY, der zwar reformistisch, aber nach Ägypten orientiert war? Oder aber dem F. N. L., der äußerst radikal, dafür aber völlig ungebunden war? Die Regierung von London, die Nasser über alles mißtraute, entschied sich für die zweite der Organisationen, die in Wirklichkeit sowieso schon die Herrschaft hatte. Trotz des Risikos, das die Londoner Regierung damit einging, stand die Sache für sie gar nicht so schlecht: Ein Staat so arm wie Hiob, dessen Haupteinnahmequellen nach der Liquidierung der britischen Militärbasis und der fast völligen Stillegung des Hafens nach der Schließung des Suezkanals versiegt waren, ein Staat, der mit feindlichen Nachbarn leben mußte und eine eher konservative Armee besaß, würde so ein Staat nicht "vernünftiger" sein als ein minoritäres und schwaches Regime, das sich notgedrungen völlig auf Nassers Ägypten stützen müßte? Die Rechnung schien aufzugehen, aber nur kurzfristig. Die "gemäßigte Phase - die unabhängige Republik war am 30. November 1967 entstanden - dauerte nur 18 Monate. Am 22. Juni 1969 übernahm der linke Flügel der Nationalen Front die Alleinherr schaft. Damit begann ein revolutionärer Prozeß, der in seiner Art in der arabischen Welt einzig dasteht.