Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

'Das Land wird nicht gegeben, sondern genommen'

Inprekorr Nr. 18, 15. August 1972 · S. 21 · 357 Wörter

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Was die Landarbeiter von Foa machen, ist nichts Neues. Am 8. Oktober 1970 erlebte die Demokratische Volksrepublik Jemen den ersten einer langen Reihe von Bauernaufständen. An diesem Tag gingen Hunderte von armen Bauern der Gegend von Batis ( im dritten Gouvernorat) mit He galbeln und Sicheln bewaffnet daran, die großen Landbesitzer zu verhaften, ihr Landeigentum zu besetzen und darauf ein Komitee zu bilden, das die Verteilung des Landes, und zwar 3 bis 5 Feddan pro Familie, und die Organisierung der neuen Besitzer in einer Dienstleistungsgenossenschaft übernahm.

Die Explosion schien damals gerechtfertigt. Die Landreform war im März 1968 dekretiert, aber nur teilweise durchgeführt worden. Nur die Besitztümer der Sultane, Emire, Scheichs, großen Feudalherren und anderer "Kollaborateure" der Kolonialzeit waren konfisziert und dann schlecht verteilt worden, oft durch die Vermittlung von korrupten Beamten und manchmal zugunsten der reichen Bauern. Die Machtergreifung des linken Flügels der Partei am 22. Juni 1969 hat zu keiner merklichen Veränderung der Situation geführt. Der Erlaß eines neuen, radikaleren Gesetzes ließ auf sich warten. Unter diesen Umständen beschlossen die Bauern von Batis, sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen. Haben sie spontan gehandelt, oder sind sie von einer Fraktion innerhalb der Partei dazu angestoßen worden? Manche ver teidigen die zweite These und führen dafür an, daß der Bauernaufstand in der Hochburg des Staatschefs ausgebrochen ist, und daß dieser weniger Wochen zuvor aus Peking zurückgekehr war, wobei er sich vom chinesischen Experiment begeistert und von der "Kulturrevolution" stark beeindruckt zeigte.

Präsident Robaya ist ebenso wie die anderen Führer von dem neuen Stil bei der Durchführung des neven Agrarreformgesetzes vom November 1970 befriedigt. "Das Land" , sagte er zu uns, "wird nicht gegeben, sondern genommen. Die Nationale Front muntert zu Bauernund anderen Volksaufständen auf, denn allein die revolutionäre Gewalt macht es möglich, die großen Landbesitzer endgültig von den Landarbeitern zu scheiden und einen unüberwindbaren Graben zwischen den Ausbeutern und den Ausgebeuteten zu schaffen. Außerdem hatte diese Methode äußerst wichtige Konsequenzen: Bauern, Fischer und Arbeiter haben Milizen gebildet, um mit den Waffen in der Hand ihre sozialen Errungenschaften und zugleich die Volksregierung zu verteidigen, die sie ermöglicht hat.