Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Im Feuerofen

· Inprekorr Nr. 179, März 1986 · S. 8-17 · 8.590 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Iran

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Im Feuerofen (Juni 1981 - April 1982)

bliebenen Äußerungen der revolutio- Saber Nikbin nären Bewegung. Nun kamen auch die Kollaborateure in die Schußlinie, denn sie waren nicht mehr gefragt.

Der im Juni und Juli 1981 vom islami- Das eindeutige Resultat dieser Perio schen Regime entfesselte Terror führte de war die fast völlige Zerstörung aller rasch zu einer schweren Niederlage der unabhängigen Organisationen der Masrevolutionären Massenbewegung und sen einschließlich der unabhängigen pot- entiellen Arbeiterräte, der shora. Es einer vollständigen Übernahme der nachrevolutionären Institutionen durch folgten Massenverhaftungen und die die bürgerlich-klerikale Fraktion. Die pauschale Hinrichtung von Tausenden stärksten Kräfte der Linken, die die Ver- von Kämpferinnen und Kämpfern. Die teidigung der Arbeiterklasse auf ihre Lage verschlimmerte sich so rasch, daf Fahnen geschrieben und in ihr auch eine schon vor dem dritten Jahrestag der Rebreite Basis hatten, waren auf diesen volution vom Februar 1979 keine ihrer konterrevolutionären Ansturm nicht größeren Errungenschaften unangetavorbereitet. stet geblieben war. Die Kollaborateure unter ihnen - Nach dieser Niederlage verkündeten allen voran die moskauorientierte Tu- Opportunisten aller Richtungen - die deb-Partei und ihre Trittbrettfahrer aus die ganze Zeit über das konterrevolutioden Reihen der Fedayin (der Mehrheits- näre Potential des islamischen bürgerlioder Ekseriyat-Fraktion) — hielten dem chen Regimes und seiner kleinbürgerli- Regime „kämpferischer Moslems" wei- chen Stoßtruppen unterschätzt hatten ter die Stange, da dieses immerhin „anti- und für die mangelnde Vorbereitung der imperialistisch" sei. Sie denunzierten die revolutionären Bewegung verantwort- lich waren - ihr Fehler habe in einer Gegner des Terrors als „vom Imperialis- Überschätzung der Fähigkeiten der islamus manipuliert". Unter den gegebenen mischen Arbeiterklasse gelegen. Umständen hieß das nichts anderes, als mit den Repressionskräften des bürger- Die Ereignisse der letzten vier Jahre lichen Staates zu kollaborieren: mit den haben jedoch gezeigt, daf die Opportupasdaran, den islamischen andjoman, nisten sich in der Arbeiterklasse so sehr dem basîdj-Korps, den hezb'ollab-Schlä- getäuscht haben wie in der „islamischen" gern, den „Komitees des Imam" usw.[1] Führung. Die Arbeiterklasse bleibt Die Widerstand leisteten - die wich- trotz standig wachsender Repression die tigsten waren die Fedayin-Minderheit einzige nennenswerte gesellschaftliche (Agabliyat) und die maoistische Peykar Widerstandskraft. Die Arbeiterklasse - begingen den schweren Fehler, der hat die kapitalistische Offensive durch- Organisation der Mudjahedın hinter- gestanden, in kleinen Schritten ihre Verherzulaufen. Die Mudjabedin zielten da- teidigungslinien aufgebaut und bereitet mals auf eine rasche Übernahme der sich heute - diese Behauptung ist gerechtfertigt - auf eine umfassende Kon- Macht von oben, sie hofften auf die frontation vor; in einigen wesentlichen Übernahme der Regierung durch die be- Fragen wurde das islamische Regime waffnete Aktion ihrer eigenen Miliz, bei schon zum Rückzug gezwungen. der ihnen eine Fraktion der Armee und selbst des schiitischen Klerus Unterstüt- Wir wollen das Wiedererwachen der zung versprochen hatten. Arbeiterbewegung in seinen unterschiedlichen Phasen beschreiben und ih- Völliger Zusammenbruch re veränderten Züge verständlich machen, damit man ihr heutiges Potential der Arbeiterbewegung in der künftigen neuen allgemeinen Massenbewegung ermessen kann. So wie die Arbeiterbewegung zwischen September Die Folgen dieser Fehler sind jetzt schon 1978 und Februar 1979 zur Radikalisie Geschichte. Die Arbeiterbewegung zer- Suah der akanbee eune die en den fiel in kurzer Zeit. Die größeren linken Organisationen des Widerstands gingen tete Unzufriedenheit gegen Khomeini mit den Mudjahedin unter; sie hatten beflügeln. Diesmal jedoch wird wohl der nicht einmal mehr die Zeit zu verstehen, Aufschwung der Arbeiterkämpfe Katawas vor sich ging. Die Kräfte der Konter. lysator der Massenbewegung sein, nicht revolution wurden schlagartig gestärkt. umgekehrt wie damals. War das Kräfteverhältnis einmal gete- Die neue Rolle der Arbeiterbewegung stet, drängten die Reaktionäre zum ent- hat sich schon bei der Bewegung gegen scheidenden Endschlag gegen alle ver- den Krieg und den Protesten gegen die Armut in den Städten gezeigt. Nach der jüngsten Welle von Arbeiteraktionen kam es schon zu einer deutlichen Zunahme aller anderen Formen des Widerstands der Unterdrückten und Ausgebeuteten gegen die reaktionäre Politik des Khomeini-Regimes.

Wir sollten nicht vergessen, daß der Aufschwung der Massenkämpfe, der in der iranischen Revolution gipfelte, schon im Sommer 1976 mit plötzlichen Aktionen in den Elendsvierteln von Teheran, Isfahan, Tabriz und Ahwaz be- Halbe Million Abbeis Ose und Unterbeschäftigte. Heute sind es über zwei Millionen, und es werden ständig mehr. Jeder größere Erfolg der Arbeiterklasse könnte den Funken der Revolte auf sie überspringen lassen.

So versteht man auch, daß das Mullah- Regime alles auf ständig mobilisierte Repressionsstreitkräfte setzt und jede Bewegung unterdrückt, bevor sie sich ausbreiten könnte. Sie tut dies seit dem Terror vom Sommer 1981.

Die kapitalistische Offensive war nach einer längeren Niedergangsperiode der Arbeiterbewegung im Gefolge des Krieges mit dem Irak eingeleitet worden. Unter dem Vorwand dieses Krieges wurden die islamischen andjoman dazu eingesetzt, die Aktivitäten der shora zu stören undihnen gegenzusteuern. Infast jeder Fabrik gab es bei Einsetzen der Oftensive schon mächtige, regimefreundliche andjoman, die entweder selber bewaffnet waren oder mit einer pasdaran- Einheit außerhalb des Werks zusammenarbeiteten. Die militärischen Ubungen, die meist sogar täglich stattfanden, dienten angeblich der Ausbildung von Freiwilligen für die Front. Ihr wahrer Zweck lag jedoch in der Erzeugung eines Klimas der Furcht und der Spannung in der Fabrik.

Dem kapitalistischen Regime war es gelungen, bei den meisten Belegschaften drastische Lohnsenkungen und längere Arbeitszeit durchzusetzen (entweder direkt oder durch den erzwungenen Verzicht auf Lohnerhöhungen in Vertrauen auf die Wirkung der Inflation). Nur die kampfstärksten Teile der Arbeiterklasse waren noch nicht so weit. Die 40-Stundenwoche wich erst der 44- dann der 48-Stundenwoche. Zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen des Regimes wurden in vielen Fabriken Produktivitätsabkommen durchgesetzt. Alle diese Maßnahmen reichten jedoch nicht, das Kapital zu Investitionen zu bewegen oder die vor der Revolution geflohenen Kapitalisten zurückzulocken. Die Terroroffensive von Sommer 1981 sollte die sen Mangel ausbügeln.

Daß es sich bei diesem Terror in der Tat um eine kapitalistische Offensive handelte, zeigt sich an seiner unmittelbaren Stoßrichtung gegen den Arbeiter-

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widerstand. In praktisch jeder Fabrik wurden die kämpferischen Arbeiterinnen und Arbeiter auf einen Schlag verhaftet und Massenentlassungen durchgeführt. An allen Werkstoren durchsuchten die Wachen der islamischen andjoman und die pasdaran entweder allein oder zusammen die Hineingehenden, damit die Belegschaften keine politische Propaganda mehr erreichte. Die Verteilung nicht vom andjoman genehmigter Literatur wurde untersagt. In vielen Betrieben wurden politische Gespräche mit Entlassung bestraft. In den ersten Tagen des Terrors wandten die andjoman fast überall die gleiche Taktik an: sie lösten irgendeinen Zwischenfall um bekannte militante Führer aus und riefen dann die pasdaran, um die „Verantwortlichen" zu verhaften und „die Ordnung wiederherzustellen". Das andjoman übergab der Betriebsleitung eine Liste der am meisten hervorgetretenen Kolleginnen und Kollegen mit der Aufforderung, diese zu entlassen oder selber zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Betriebsleitung leistete Folge oder übergab die Personen gar den pasdaran. Die Veröffentlichung der Listen kam einer Aufforbetretende sonen zu vergleich, die Einige Beispiele sollen beleuchten, was ab dem 21. Juni 1981 geschah.[2] Der Terror vom 22. Juni 1981 Bei der Bahn in Teheran wurde ein von einem „Rachekommando der hezb'ollahi" unterzeichnetes Flugblatt verteilt, das 23 aktive Führer auflistete, darunter alle aktiven Mitglieder der shora, und ihnen mit der Hinrichtung drohte, wenn sie nicht kündigten. Bis Ende der Woche waren alle entweder verhaftet (einer wurde später hingerichtet) oder in den Untergrund gegangen. Nach der Explosion im Hauptquartier der Islamisch Republikanischen Partei (IRP) wurden noch mal 50 verhaftet. Einige Wochen später wurden 1500 Zeitarbeiter vor die Wahl zwischen Entlassung und neuen Verträgen gestellt, die der Betriebsleitung das Recht auf fristlose Kündigung gaben. Es gab dagegen natürlich Proteste, die unter den gegebenen Umständen jedoch nicht sehr weit führten. In der Industriestadt Alborz nahe Ghazwin überfielen pasdaran am Abend des 21. Juni (an dem Abend, an dem sie auch mit MGs in eine Demonstration von 300 000 in Teheran feuerten) die Häuser aktiver Arbeiter, verhafteten 200 und richteten 17 hin. In den nächsten Tagen besetzten die Repressionskräfte dort zahlreiche Fabriken.

Im Parchin-Werk, das zur Rüstungsindustrie gehört, wurden am 22. Juni 57 Arbeiter verhaftet und die unabhängige shora durch eine von oben eingesetzte reaktionäre ersetzt.

Am 29. Juni wurden bei General Motors in Teheran alle führenden Aktivisten festgenommen. Am 5. Juli standen die pasdaran mit einer vom andjoman aufgestellten Liste am Werkstor und nahmen mehr als 100 Personen fest; eine Woche später noch einmal 100. Im Autowerk Benz-e-Khawar drangen pasdaran in der Nacht zum 29. Juni in die Wohnungen der shora-Führer und verhafteten sie. Einer von ihnen wurde am anderen Tag vor der Belegschaft ausgepeitscht; später wurde er hingerichtet. Außerdem übergab das andjoman 54 Namen an die Betriebsleitung; alle 54 wurden entweder verhaftet oder entlassen. So wurden dort die unabhängigen Strukturen zerstört.

In der Reifenfabrik Iran Y asa wurden alle shora-Mitglieder am 28. Juni ins Arbeitsministerium geführt und zum Rücktritt gezwungen, wobei sie den Grund dafür niemandem erklären durften, wenn sie nicht ins Gefängnis oder hingerichtet werden wollten. Wegen der militanten Haltung dieser Belegschaft zögerte das Regime jedoch mit dem sofortigen Einsatz von Gewalt. Dort begann die eigentliche Unterdrückungerst im Herbst 1981 mit dem Verbot der shora.

Bei der Busgesellschaft von Teheran, wo einen Monat lang ein Arbeitskampf stattgefunden hatte, wurde die Lage ler akaven Me dich di der shara am 4- Juli. Alle Abteilungen wurden der Bewachung von basıdji unterstellt. Diese Angriffe auf die Arbeiterklasse wurden jedesmal intensiviert, wenn ein Angehöriger des Regimes getötet worden war. So fuhr am Tag nachder Explosion im IKP-Hauptquartier eine Kolonne von 40 Bussen zu den Toren der Fabriken auf der Karadj-Straße in Teheran, um alle von den andjoman angezeigten Arbeiterinnen und Arbeiter zu verhaften. Viele von den damals Verhaf teten sind auch heute noch nicht freigelassen, und viele sind hingerichtet worden; wer entlassen wurde, konnte nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehren.

Bei Iran National wurden aus einer 8000-köpfigen Belegschaft 700 entlassen. Einige durften später wieder zurück, nachdem sie einen „ideologischen Test" beim andjoman bestanden hatten. Die mächtigen Ölarbeiter hatten ihre shora behalten. Ein Teil von ihnen in der Raffinerie in Shiraz lag mit dem Ölministerium lange vor der Terrorwelle im Kampf. Sie hatten die XI. Versammlung ihrer nationalen shora geplant, die sich mit dem Konflikt beschäftigen und Solidaritätsaktionen mit den Arbeitern von 1345139-3

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Shiraz einleiten sollte. Diese Versammlung fiel auf den 23. und 24. Juni. So kurz nach Beginn des Terrors zögerten die Delegierten mit einem Aufrufzumallgemeinen Streik und beschränkten sich auf einige vorsichtige Solidaritätsmaßnahmen. Fünf Tage später sahen sich die Arbeiter der Raffinerie von Teheran, als sie morgens aus den Bussen stiegen, den pasdaran und den Wachen des andjoman gegenüber: viele wurden zusammengeschlagen, viele mehr verhaftet, darunter alle aktiven shora-Mitglieder. Bei Pars Elektrik organisierte das islamische andjoman einen Sitzstreik für die Entlassung von 15 Arbeitern. Das Management erfüllte natürlich diese Forderung sofort. Als am folgenden Tag die Arbeiter dagegen protestierten, wurden weitere 150 entlassen. Bis Ende Juli wa-! ren es schon 300 Entlassene und Verhaftete. Am 25. August wurden sechs Führer hingerichtet; um mögliche Proteste zu unterdrücken, besetzten die pasdaran die Fabrik.

Mit Angriffen dieser Art wurde der Arbeiterwiderstand schließlich gebrochen. Nach und nach wurden im ganzen Land die verbliebenen shora zerstört. Danach begann eine weitere Offensive. Gegen die „Heiden"

Der Arbeiteranteil am Jahresgewinn, der zur Zeit des Shahs auf 20 % festgesetzt worden war, wurde schon 1980 gestrichen. Dagegen gab es zahllose Proteste, die das Regime zum Rückzug zwangen. Die Regierung versprach, bis zum kommenden Jahr einen Plan auszuarbeiten. Nachdem dann im August der Arbeiterwiderstand geschlagen war, wurde der „neue" Plan bekanntgegeben. Darin ging es nicht mehr um Gewinnbeteiligung, die als taghûti bezeichnet wurde, eine „heidnische" Idee. Stattdessen wurde den Arbeitern eine einprozentige Lohnerhöhung bei jeder einprozentigen versprochen, berechnet nach einem „Standardniveau" des Arbeitsministeriums. Beschäftigte in Werken, die nur bis zu 65 % dieses Niveaus erreichten, sollten gar nichts, die in Werken zwischen 65 und 100 % nur je 0,2 % Lohnerhöhung pro 1% Produktionssteigerung erhalten. So wie die Dinge lagen, brauchte die Regierung nicht mit Protesten dagegen rechnen. Am 30. August verkündete der neue Ölminister, der als maktabi (Buchgelehrter" , Absolvent einer fundamentalistischen Schule, maktab) gilt, einen weiteren Plan: der Donnerstag sollte nicht mehr arbeitsfrei sein (da der islamische Sabbath auf dem christlichen Freitag liegt, entspricht dies dem arbeitsfreien Samstag im Westen). In der Olindustrie sollte die 44-Stundenwoche eingeführt werden. Es gab Proteste, aber die Mei- [3] entlassen, und Ende Oktober wurden nung des Ministers konnte nicht geän- Pläne zur Steigerung der Produktivität dert werden. Alle Arbeiter, die diese ohne Lohnerhöhungen verkündet (um Arbeitszeitverordnung mißachteten die „Kriegsanstrengungen" zu unterund donnerstags einfach zu Hause blie- stützen). ben, wurden umgehend entlassen. Am 4. Dezember kam es bei Iran Na- In Teheran, Isfahan und Shiraz wur- restarzeninem die Deren res den viele Ölarbeiter entlassen. Um die testierten gegen die Streichung Ölarbeiter weiter zu schwächen, wurden Rechts, alle paar Jahre ein Auto zu viele pakistanische und südkoreanische Werkskosten zu kaufen. Das andjoman Facharbeiter und Techniker ins Land warnte vor „ Verschwörungen der monageholt und an die Stelle der Unzufriede- faghin" (der „Heuchler", als die die Funnen gesetzt. damentalisten linke und liberale Mos- In den meisten Betrieben wurde eine lems bezeichnen). Der Arbeitsminister „Hausordnung" durchgesetzt, die eine kam mit einigen pasdaran in die Fabrik, umfangreiche Liste von Gründen ent- um die Belegschaft von der Aufgabe des hielt, aus denen man entlassen werden Streiks zu überzeugen. Diese sagte ja kann, darunter „alle Formen der Beleidi- und erklärte, wenn bis zum 13. kein gung der Islamischen Republik" und „al annehmbarer Vorschlag auf dem Tisch e Arten, die Gedanken der Arbeiter wäre, würde der Streik wieder autgeüber die Islamische Republik zu verwir- nommen. Noch am gleichen Tag trat ren" (hier aus der Hausordnung der Na- Arbeitsminister Tawakoli vor die Kational Shoe Co.). meras und beschimpfte die Arbeiter als Trotz allem gab es auch in dieser Pe- „Profiteure", die für den Schwarzmarkt riode eine Anzahl von Streiks (wir wis- verantwortlich seien. Die pasdar-Einhei! sen von 14). Die meisten wurden jedoch ten im Werk wurden um das Doppelte blutig unterdrückt, manchmal nach ei- aufgestockt. Am 13. Dezember begannem anfänglichen Rückzieher der Be- nen die Verhaftungen. 400 Kolleginnen und Kollegen wurden entlassen. hörden. Ordnungskräfte eröffneten das Feuer, Am 15. September gab es bei Starlite töteten einen und verwundeten viele. eine Massenversammlung der 1200 Be- Der einzige erfolgreiche Streik der schäftigten, vor allem Frauen, aus Pro- ganzen Periode fand am 25. August bei test gegen die willkürliche Entlassung Skuip statt. Es ging um einen Protest von Arbeiterinnen, die der Manager, ein gegen die Betriebsleitung, die die Belegmaktabi, der Mißachtung der islami- schaft bei der Bezahlung von Überstunschen hedjab beschuldigt hatte. Sie hat- den nach Strich und Faden betrog. ten sich nicht an die Pflicht einer Frau gehalten, alle Geschlechtsmerkmale zu verdecken (was, streng ausgelegt, heißt, sich mit einer Art schwarzem Zelt zu In dieser ganzen Zeit versuchten die verhüllen). Zuerst unternahm Mullahs, die Wirtschaft zu „normalisie- Werksleitung nichts. Aber biszum Ende ren" und die Kapitalisten zur Rückkehr der Woche wurde eine Frau hingerichtet zu bewegen. Die Krönung sollten die und 58 verhaftet. Antang Oktober wur- neuen Arbeitsgesetze sein, um die seit de die Vertreterin der Belegschaft in der der Revolution im Februar 1979 gebetrieblichen Konsumgenossenschaft kämpft worden war. Wiedererwachen (Mai 1982 - April 1983)

Im Mai 1982 gab es die ersten Zeichen Außerdem wurden viele neue Schichten wachsender Widerstandsbereitschaft in die Streiks einbezogen. gegen die Offensive des Regimes bei den Die Wirkung der Arbeiterproteste Arbeitern. Zwischen Mai 1982 und Mai kann auch daran gemessen werden, dais 1983 sollte es zu wesentlich mehr im September 1982 bei einem Managerindustriellen Kämpfen kom- seminar über die Probleme der iranimen: über 30 Streiks und noch mehr schen Industrie zugegeben werden muls Bummel- und Sitzstreiks. te, dais 50 % der Produktionsaustalle aut Die Form der Proteste war militanter Arbeitskämpfe zurückzuführen waren, als im Jahr davor, als vorwiegend Briefe nicht auf allgemeine Krisenfolgen, Rohan die Behörden geschrieben oder Un- stoffverknappung und den Krieg. Präsiterschriften unter Petitionen gesammelt dent Khamenei warnte: , Wenn die Lage worden waren. Es kam sogar zu Angrif- weiter so bleibt, wird die Regierung gefen auf die islamischen andjoman. zwungen sein, drastische Maßnahmen

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gegen diese Bummelstreiks zu ergreifen." (Etela' at vom 8.11.1982) Zugleich jedoch verschärfte sich auch in dieser Periode die Repression weiter; vor allem die pasdaran griffen in nahezu jeden Arbeitskampt ein. Dennoch gewannen die Beschäftigten bei vielen Auseinandersetzungen. In dieser Zeit begann auch der Stern der islamischen andjoman zu sinken. Sie gerieten in die Isolierung und verloren viele Mitglieder In vielen Betrieben begann man, die islamischen Einrichtungen grundsätzlich zu boykottieren.

Montage bei General Motors in Teheran Die meisten Proteste dieser Periode richteten sich gegen Versuche, mit allen Mitteln die Löhne zu senken, die Arbeitszeit zu verlängern und Kolleginnen und Kollegen zu entlassen. Das zweite Ziel der Proteste waren die andjoman oder ihre einzelnen Mitglieder. Der erste größere Streik kam Ende Mai 1982 in der Stahlindustrie von Isfahan. Tausende Bauarbeiter besetzten das Hauptgebäude des Stahlkomplexes, um gegen das Vorhaben zu protestieren, sie aus der Branche zu verdrängen. Der Streik begann am 17. Mai und dauerte trotz ständiger Übergriffe von hezb'ollahi-Schlägern zwei Tage. Am 19. Mai sah sich die Unternehmensleitung zu einer Werksversammlung gezwungen, um ihre Pläne zu erläutern. Dort kochte die Stimmung der Beschäftigten so hoch, daß der Generaldirektor Ntly die Flucht ergreifen mußte. Es wurde eine Resolution verabschiedet, die den Rücktritt der Unternehmensleitung, des Arbeitsminsters und des Provinzgouverneurs forderte.

Im Industrierevier Fulad Shahr gab es für die Bauarbeiter breite Unterstützung; viele Stahlarbeiter organisierten Solidaritätsaktionen. Am 21. Mai mußte das Regionalfernsehen zwei Stunden zur Erläuterung der Pläne der Regierung abzweigen, die auch zur Einschüchterung der Belegschaften genutzt wurden: Foroutan, der Repräsentant der pasdaran, trat als Redner auf. Am anderen Tag jedoch formierten sich 8000 Arbeiter zu einer Demonstration. Die pasdaran griffen sie an und verhafteten viele (drei wurden später hingerichtet), sie trieben die Menge auseinander. Dennochmußte das Regime nachgeben und die Pläne widerrufen.

Der Kampf der Bauarbeiter machte Eindruck auf die Arbeiterklasse insgesamt. Wegen seines Umfangs erhielt er viel Öffentlichkeit (auch im landesweiten Radio und Fernsehen). Die Zahl der Kämpfe stieg nun deutlich an. In vielen Fabriken fanden sogar mehrere Kämpfe hintereinander statt.

Die Kette der Kämpfe reißt nicht ab Nur wenige Monate zuvor hatte das Regime verkünden können, die Arbeiter stünden völlig hinter der Islamischen Republik, alle „Verschwörungen" und „Subversionen" seien vernichtet. Nun mußte es zugeben, daß es da immer noch „kommunistische Unruhestifter" gab und dazu noch mit bedenklich großem Einfluß auf die Werktätigen. In der Textilfabrik Chit-e-Momtaz etwa organisierten die Arbeiter einen Sitzprotest gegen die Korruption in der betrieblichen Konsumgenossenschaft. Die gelbe shora rief die pasdaran, um die Arbeiter und Arbeiterinnen an die Arbeit zurückzuzwingen. Vier von ihnen wurden gefeuert. Einige Monate später, im Juli, gab es Streit mit der Betriebsleitung über den Jahresurlaub. Zusätzlich wurde die Wiedereinstellung der Entlassenen verlangt. Der Betriebsleiter zeigte sich aus Angst vor Übergriffen erst gar nicht im Betrieb. Wieder holte man die pasdaran. Diesmal wurde auch ein Mitglied der regimetreundlichen shora verhaftet. Der Arbeitsminister erklärte daraufhin auch diese shora für illegal und aufgelöst.

Am 6. November begann die Belegschaft den Kampf um die Frage der Coop erneut. Die Betriebsleitung mußte ihre Aufsichtsratswahlen ohne Beteiligung der Arbeiter abhalten. Und Anfang März 1983 kämpften die Kolleginnen und Kollegen von Chit-e-Momtazschon wieder: diesmal gegen die von der Regierung vorgeschlagenen Arbeitsgesetze. In den Renault-Werken (die jetzt Saypa heißen) traten die Arbeiter Ende Mai 1982 gegen die Streichung des freien Donnerstags in Streik. Der Versuch der Betriebsleitung, die Maßnahme zu erläutern, erregte solche Wut, daß der damit beauftragte Manager zusammengeschlagen wurde. Darauthın rückten die pasdaran an und nahmen viele test. Als am 2. Juli die Betriebsleitung die Kürzung des Jahresurlaubs verkündete, organisierten die Arbeiter den Bummelstreik — nach einer Woche war ihr Ziel erreicht.

Im Februar 1983 bildeten die Beschäftigten dieser Fabrik ein Komitee, um eine Liste der Beschwerden hinsichtlich der geplanten Arbeitsgesetzgebung zusammenzustellen. Und im April kam es zu einem Bummelstreik um die Vergütung von Überstunden.

Im Sommer 1981 hatten die Bahnarbeiter schreckliche Unterdrückung erlitten. Aber schon im Frühling 1982 nahmen die Eisenbahner den Kampf wieder auf. Im Mai streikten sie gegen den Transportminister, der schliefslich gezwungen war, sich für seine empörenden und beleidigenden Bemerkungen zuentschuldigen. Im selben Frühjahr gab er einen Plan zur Ausdehnung der Arbeitszeit bei der Bahn bekannt. Die Beschäftigten nahmen das nicht hin und gingen zur gewohnten Stunde nach Hause. Am anderen Tag kamen die pasdaran, sie machten von der Schußwaffe brauch... aber die Bahndirektion mußte nachgeben.

Im Juni verhängten die Arbeitereinen Boykott der Überstunden, da das Management sich weigerte, Überstundengeld für die Arbeitsstunden an Neujahr (21.

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März) zu zahlen. Im Juli wurden fünf Kollegen ins Werk zurückgeholt, die vom Management entlassen worden waren; die pasdaran verhaften die fünf daraufhin. Im August reiste ein Vertreter des Arbeitsministeriums an, um einen islamischen andjoman zu organisieren. Niemand außer ein paar ultrareaktionären Schlägertypen schlug jedoch einen Kandidaten vor. Bis September kam auf diese Weise ein andjoman zustande, ein Anhängsel des Managements. Die Arbeiter wurden zu wöchentlichen Ideologieschulungen gezwungen, es gelang ihnen jedoch, diese zur Diskussion ihrer Beschwerden zu nutzen. Im Oktober setzte das andjoman daraufhin seine Schulungen aus.

Bei Pars Metal, wo die Belegschaft im August 1981 fünf kämpferische Führer verloren hatte, fanden mindestens vier Bummelstreiks statt. Im August kam es zu einem größeren Zusammenstoß mit dem andjoman und einigen der Vorarbeiter, die dort Mitglied waren. Am 25. Oktober fand eine Betriebsversammlung statt, um die Pläne der Betriebsleitung zur Produktionssteigerung anzuhören. Immer wenn einer vom andjoman sprach, verließen fast alle Arbeiter demonstrativ den Saal. Am 14. Februar 1983 streikten die Arbeiter wegen der Produktivitätszulagen. Sie wurden zum Abbruch des Streiks gezwungen, führten ihn jedoch als Bummelstreik weiter. Anfang März gab die Betriebsleitung nach.

Bei General Motors, wo das andjoman für viele Verhaftungen und Entlassungen verantwortlich gewesen war, richtete eine Gruppe von Arbeitern, die sich selbst „Komitee zur Rächung der Kämpferischen Arbeiter" nannte, den Führer des andjoman am 23. Juni 1982 hin. Einige Wochen später wurden die Häuser von weiteren drei Mitgliedern des andjoman niedergebrannt. Im Februar 1983 gab es dort auch einen Streik. Im August und September 1982 und im Januar 1983 gab es bei Monso (Lebensmittelverarbeitung) Streiks. Im Mai gab es bei Ghergherch Ziba (Textil) einen Bummelstreik, im Juni einen kurzen Streik, und im August wurde ein Aufruf zum Boykott des andjoman lan ciert. Im September gab es einen Kantinenboykott. In diesen drei Monaten wurde auch jede Überstunde für „Kriegsanstrengungen" verweigert. Alle Aktionen endeten in Teilsiegen. Bei Pars Elektrik, wo 1981 300 entlassen worden waren, schlugen die Arbeiter im Oktober 1982 andjoman-Mitglieder zusammen. Pasdaran verhafteten daraufhin über 100 Arbeiter. Bei Tolidaru (Chemie) traten am 24. Januar 1983 dic Arbeiter wegen der Produktivitätszulagen in Streik. Über 400 Arbeiter verlangten die Entlassung eines Managers, der Mitglied des andjoman war.

Andere größere Streiks führten im werden, das Gesetz sei unter Dach und August die Taxifahrer in Teheran, im Fach — doch die Regierung zierte sich, September die Beschäftigten der Tehe- den Text zu veröffentlichen. Der Miniraner Busgesellschatt, im Januar 1983 die ster für Schwerindustrie, Nabawi, er- Techniker der Fluglinie, im März die klärte: „Dieses Gesetz befindet sich Beschäftigten der Glasbläserei Shishehin noch in der Entwurfsphase... Es zu ver- Ghazwin und im Februar die Beschäftig- öffentlichen, wäre nicht hilfreich... Wir ten der Reifenfabrik Bridgestone in Shi- dürfen der Konterrevolution, besonders raz. der linken, nicht gestatten, den Entwurf und die Diskussionen darum für ihre Das neue eigenen Zwecke zu nutzen." (Keyhan vom 24.11.1982)

Arbeitsgesetz Als der Gesetzentwurf dann doch veröffentlicht wurde, offenbarte sich der Der bedeutendste Kampf in dieser Pe- Grund des Zögerns. Es ist kaum vorzurode war jedoch der gegen die geplanten stellen, daß er noch reaktionärer hätte Arbeitsgesetze. Herr Tawakoli, der ausfallen können. Einziger Zweck des „schriftgelehrte" Arbeitsminister, ein ganzen schien zu sein, Überausbeutung Anhänger der rechten Fraktion der IRP, zu fördern und zu legalisieren, um den der Hodjatieh, die das Privateigentum Reichen Investitionen anstelle von Spemit religiösen Argumenten begründen, kulation und Hortung schmackhaft zu hatte während der Feiern zum dritten machen. Islamischer Kapitalismus im Ir- Jahrestag der Revolution von der Ein- an hieß also, den Arbeitstag maximal setzung einer Kommission unter seiner auszudehnen, Löhne maximalzusenken 1979: Frauen demonstrieren gegen die islamischen Vorschriften Leitung gesprochen, die ein Islamisches und so wenig wie möglich für Maschinen Arbeitsgesetz anstelle des „heidnischen auszugeben. Gesetzes von 1970, das von den Arbei- Ohnehin waren Investitionen in den tern gehaßt wurde, ausarbeiten sollte. Maschinenpark und eine Rationalisie- Proteste hatte es z.B. gegen die fortdau- rung der Produktion wegen der Knapernde Geltung von S 33 des vom Shah heit von Devisen und des mangelnden erlassenen Gesetzes gegeben, der will- Interesses der Kapitalisten an Langzeikürliche Entlassungen erlaubte. tinvestitionen unmöglich. Um dennoch Am 1. Mai 1982 bezeichnete Tawakoli eine Steigerung des absoluten Mehrlen Entwurf als fertig, er müsse jetz werts zu erreichen, erlaubte der Entwurf noch von den faghib, den Experten des den Kapitalisten (inzwischenin „Arbeitislamischen Rechts, geprüft werden. Zu- geber" umbenannt), Arbeiter (Arbeitsammen mit einer Abordnung des Ar- nehmer") auf der Basis individueller Arbeitsministeriums besuchte er Imam beitsverträge „anzumieten" — jede Art Khomeini, der die Kerngedanken des kollektiver Tarifverträge wurde Entwurfs guthieß und ihn an seinen unislamisch erklärt. Arbeitszeit, Löhne, Kronprinz Ayatollah Montazeri weiter- Zulagen, Altersgrenze, Renten usw. reichte. Auch Montazeri kam zu dem sollten allesamt erst im individuellen Argleichen Urteil und übergab ihn der beitsvertrag festgelegt werden; keine getheologischen Akademie in Oom. die setzlichen Beschränkungen (wie es sic ebenfalls ihren Segen gab. Erst jetzt wur- sogar zu Zeiten des Shah gegeben hatte) de der Entwurf im Kabinett diskutiert sollten dafür gelten. und verabschiedet und dem Parlament, Premierminister Musawi sagte: „Esist dem Madjles, vorgelegt. nur natürlich, daß die Unterstützung Ende 1982 konnte dann verkündet der Bauern oder Arbeiter oder anderer

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Schichten der mostazafin (,Enterbten") Oftmals waren führende Persönlichim Rahmen der islamischen Prinzipien keiten des Regimes gezwungen, Fabriverbleiben muß. Wir können denkarfar- ken aufzusuchen, um die Vorteile des ma („Arbeitgeber") nicht bitten, seinen neuen Gesetzes zu erklären. Damit Arbeitern eine bestimmte Anzahl von konnten sie aber die Proteste nicht dämfreien Tagen zu geben oder einen Min- oten. Die Stimmung wurde so autge destlohn zu zahlen." (Keyhan vom heizt, daß die islamischen andjoman ein 9.11.1982) landesweites Seminar organisierten, um Als Antwort auf den Vorwurf der Be- über das Gesetz zu debattieren und Abgünstigung der Reichen verkündete der änderungsanträge vorzuschlagen. Vizearbeitsminister stolz: „Im Islam fand am 2. und 3. März 1983 statt. gibt es keinen Widerspruch zwischen Die hochwürdigen Ayatollahs, Mon- Reichtum und Armut. Aber es gibt ei- tazeri etwa, die allesamt dem Gesetz die nen Widerspruch zwischen Islam und islamische Rechtgläubigkeit bescheinigt Heidentum." (Keyhan vom 9.11.1982) hatten, zogen es nun vor, damit nichts zu Zum Vorwurf, das Gesetz basiere auf cun gehabt zu haben; einige gingen gar so veralteten Vorstellungen, sagte sein weit zu sagen, es sei wohl doch nicht so Vorgesetzter: „Im wesentlichen haben rein islamisch (Ardabili etwa). Die Resich die Arbeitsbeziehungen seit der gierung sagte nunmehr, sie würde über Zeit, als Imam Ali (im 7. Jhdt.) sich an alle Änderungsvorschläge nachdenken. einen Juden verlieh, nicht geändert; die Und noch vor dem Neujahrstag am 19. der Arbeiter bei Iran National sind nicht März wurde das Gesetz zurückgezogen. viel anders, sie haben sich nur verbrei- (Und Arbeitsminister Tawakoli verlor tert." (Keyhan vom 22.12.1982) wenig später sein Amt.) Proteste gegen das Gesetz waren je- Wieder einmal hatte die Regierung doch so weit verbreitet, daß alle diese der bürgerlichen Mullahs die Arbeiter- Herren und ihre Wasserträger sich eini- unterschätzt. Eineinhalb Jahre ge Monate später nur noch ungern an Blutbäder hatten die Arbeiterinnen und ihre Worte erinnerten. Sogar viele isla- Arbeiter nicht so sehr eingeschüchtert, mische andjoman waren gezwungen, die daß man sie zur Annahme solch drakoni- Arbeitsgesetze zu verurteilen. Zahllose scher Arbeitsgesetze hätte zwingen kön- Petitionen wurden unterschrieben und nen. Die Niederlage des Regimes mit den Behörden überbracht (die Stahlar- diesem Gesetz sollte schwerwiegende beiter aus Isfahan etwa sammelten 20000 Folgen haben. Nicht nur verlor das Regi- Unterschriften!). In vielen Fabriken me seine letzten Hochburgen in der Arwurden Kommissionen gebildet, um das beiterklasse, sondern diese gewann auch Gesetz zu studieren und eine Liste von neues Zutrauen zu ihrer Kraft, auch un- Kritiken zusammenzustellen (wir haben ter Bedingungen der Repression Widervon mindestens 75 Fällen gehört). stand zu leisten. Im Aufwind (Mai 1983 - Mai 1985)

Die Niederlage der Regierung belebte in kung wie zuvor erreichen. Inzwischen den Wochen vor dem 1. Mai 1983 die machte sich kein Arbeiter mehr Illusio Aktivitäten der Arbeiter. Obwohl es im- nen über die bürgerlich-reaktionäre Namer hieß, der Allmächtige selbst ist ein tur des islamischen Regimes und seiner Arbeiter", *hatte sich das islamische Re- angeblich revolutionären Institutionen gime geweigert, den 1. Mai zum Feiertag wie den pasdaran und den andjoman. der Arbeiter zu machen. In diesem Jahr Nach zwei Jahren intensiver und nicht nun hatten die Arbeiter vieler Fabriken nachlassender Unterdrückung waren sie ihre Erfahrungen mit „Kommissionen" sich sicherer als je zuvor, wie wichtig gemacht, die der Diskussion über die eigene unabhängige Organisationen Arbeitsgesetze gedient hatten. Nun gin- sind. Die kämpferischsten Schichten gen sie den Schritt, offen 1. Mai-Komi- traten aus dieser dunklen Zeit mit geheitees zu bilden. In Reaktion auf ihre Nie- men Organisationen in vielen Fabriken derlage und diesen neuen deutlichen und geschult in ausgeklügelten Metho Ungehorsam steigerte die Regierung im den des Kampfes unter den Bedingungen Mai die Repression. Inderzweiten Hälf- schwerer Repression. te des Monats rollte eine abermalige Ter- Um etwa Repressalien gegen ihre Verrorwelle über die Arbeiterklasse hin- treter zu vermeiden, gingen die Arbeiter weg.(4] dazu über, Forderungen nicht mehr von So hart die Repression auch war, einer Einzelperson vortragen zu lassen. konnte sie doch nicht die gleiche Wir- Sobald irgendein Mißstand auftrat, der die Mehrheit der Beschäftigten betraf, wurde die sofortige Einberufung einer Versammlung zum normalen ersten Schritt, der viel schwerer zu unterdrücken ist. Die Kolleginnen und Kollegen wurden auch viel sensibler gegenüber Fällen von Verfolgten aus den eigenen Reihen: sie organisierten finanzielle Hilfe für die Opfer, und, wann immer sich Gelegenheit bot, forderten sie die Wiedereinstellung von Entlassenen.

Es scheint offensichtlich, daß in einer Reihe von Fällen hinter dem Streik ein Geheimkomitee militanter Arbeiterinnen und Arbeiter stand, das die Belegschaft führte und organisierte. Ineinigen wenigen Fallen gaben solche Komitees sogar öffentliche Stellungnahmen und Erklärungen ab. Sie traten mehr oder weniger an die Stelle der unabhängigen shora der vorangegangenen Periode. Wie diese beschränkten sie sich nicht auf eine einzelne Forderung oder Aktion, wenn nötig konnten sie wie eine betriebliche Gewerkschaftsgruppe oder ein Streikkomitee handeln.

In dieser Periode kam es zu wesentlich mihr Streiks (über 100) als in der davor — und auch zu viel mehr Erfolgen. Die Proteste gegen die islamischen andjoman griffen um sich. Proteste gegen den Krieg und seine Folgen für die Arbeitenden kamen auf und entwickelten sich zu einem neuen Faktor. Insgesamt verbreitete sich eine rebellische Stimmung, die den Boden für einen Generalstreik fruchtbar machen könnte. Jetzt fanden Streiks und andere Kämpfe auch in Fabriken statt, die früher im Hintergrund der Kämpfe geblieben waren.

Zum Beispiel trat bald nach der Repression vom Mai 1983, am 27. Juni, die Fabrik Kontor Sazy-e-Ghazwin, die Gas- und Stromzähler herstellt, in den Streik. Seit ihrer Eröffnung zwölf Jahre zuvor hatte es dort noch nie einen Streik gegeben, nichtmal während des Generalstreiks vor der Februarrevolution 1979. Mehr als 70 % der 1700 Beschäftigter beteiligten sich. Trotz allen Machen schaften des andjoman, die Kolleginnen und Kollegen einzuschüchtern, bröckelte der Streik nicht, bis die Betriebsleitung die Forderungen erfüllte.

Im Chemiewerk Razy in Mahshahr hatte die Regierung ein Sondergericht eingerichtet, um mit Hilfe des andjoman Arbeiter zu verhören. Bis Anfang Juni hatte das Gericht 130 Entlassungen angeordnet; auf seiner Liste standen 300 weitere Personen. Eine Welle von Protest zwang das Management aber zum Rückzug, und das Gericht wurde schließlich aufgelöst.

Im Werk Kladj in Ghazwin führte die Repression zu vielen Entlassungen. Im Juli trat die Belegschaft in Streik. Etwa 240 wurden verhaftet, die Proteste setz-

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IRAN

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In den ersten Monaten nach dem Mai gab es aufser den erwähnten noch Streiks bei Pars Metal, Neeting in Ghazwin, Parlon, der Teheraner Busgesellschaft, Bridgestone, General Steel, Khaneh Sazy in Ahwaz etc. und anderswo andere Formen des Kampfes. Die Anzahl der Kämpfe stieg aber erst Ende November wirklich steil an. Zuvor wurden jedoch am Jahresstimmung sichtbar.

Bei Pars Metal verweigerten die Arbeiter kürzere Sommerferien zugunsten der Kriegsanstrengungen. Am 13. und 14. August versuchte der islamische andjoman beim Petrochemischen Industrieentwicklungskomplex Khomeinis Befehl , Geld für die Front zu sammeln, umzusetzen. Fast niemand gab etwas, und, noch viel wichtiger, niemand meldete sich freiwillig für die Front (mit Ausnahme der Eiferer vom andjoman selbst natürlich). Anfang September traten die Arbeiter von Parlon in den Streik, weil man ihnen einen Tageslohn für die Front abgezogen hatte. Bei Pars Metal wiederum versuchte das Management die Verpflichtung zu einer halben Stunde Mehrarbeit während der haftiyeh djang (der , Woche des Krieges") durchzusetzen. Die Belegschatt rührte keinen Finger. Bei Tran National wurden sogar die, die freiwillig Uberstunden machten, heftig geschmäht.

Im November und Dezember gab es zahlreiche Auseinanderstzungen über Eingruppierung und Arbeitsplatzbewertung. Bei FIAT, wo etwa 1500 Leute arbeiten, entsandten islamische shora und andjoman zwei Arbeitervertreter in das gemeinsame Komitee von Arbeitern, Management und Arbeitsministerium zur Arbeitsplatzbewertung. Die Arbeiter protestierten dagegen, sammelten Unterschriften für eine Vollversammlung, die echte Vertreter wählen sollte. Eine Versammlung wurde zugesagt. 22 Kandidaten wurden vorgeschla. gen. Das andjoman akzeptierte nur 12 von ihnen (10 waren ihre eigenen Leute). Am 23. November fand dann die Versammlung statt; die Belegschaft protestierte gegen die Entfernung der echten Kandidaten von der Liste. Der Vertreter der islamischen shora nannte die Kollegen Konterrevolutionäre. Die Mehrheit der Versammelten zog aus dem Saal und hielt eine Gegenversammlung ab, wo eine Resolution angenommen wurde, die die islamische shora, das andjoman und die undemokratischen Wahlen verurteilte (sie wurde mit 750 Unterschriften bei 200 für das andjoman angenommen). Der Arbeitsminister mußte das Wahlergebnis annullieren und die Wahl auf unbestimmte Zeit verschieben. Eine Wo che später kamen pasdaran ins Werk, verhafteten die kämpferischen Führer und drohten bei Fortführung der Proteste mit weiteren Verhaftungen. Im Dezember kam der Streik in der Tabakindustrie zu großer Publizität. Diese Branche war als Bastion des Regimes bekannt. Die Arbeiter protestierten gegen Lohnsenkungen infolge neuer Arbeitsplatzbewertungen. Dagegen verhängte der Manager Montazami das UItimatum: „12-Stundentag oder keine Lohnerhöhungen!" Da traten auch diese Arbeiter in den Streik. Das andjoman holte einen Mullah, um die Arbeiterinnen und Arbeiter von der Wiederaufnahme der Arbeit zu überzeugen. Er wurde tätlich angegriffen und mußte das Weite suchen. Dann kamen die pasdaran, verhafteten über 100 Personen und beendeten damit die Aktion. 68 Personen wurden in das Gefängnis Gohar Dasht in Karadj geworfen (wo laut Zeugen drei hingerichtet wurden); die meisten wurden ausgepeitscht und wieder freigelassen.

In der gleichen Zeit kam es zu mehreren Streiks bei Indamin (Achslager und Federn), in der Mineralwasserabfüllerei in Teheran, bei Profil-e-Sabok (Baumaterialien), Azmayesh (Haushaltsgeräte), Philips, Madar (Textil), General Plastics, Luleh Sazy-e-Ahwaz (Stahlröhren) usw. Bei Azmayesh nahmen die Beschäftigten auf einer Versammlung eine Resolution an, die den Rausschiß aller andjoman-Mitglieder verlangte. Bei Indamin boykottierten die Arbeiter die von Betriebsleitung und andjoman anberaumten Wahlen. Einige Tage darauf wurden die Anführer des Boykotts verhaftet, jedoch zwangen viele Proteste die Betriebsleitung zum Nachgeben. Bei Madar endete ein erster Streik am 10. Januar 1984 mit einer Niederlage und Repressalien. Ein neuer Streik zwei Tage später brachte jedoch den Sieg.

Im Februar und März 1984 setzten sich die Proteste gegen die Arbeitsplatzbewertung fort. Hinzu kamen jetzt Streiks und Bummelstreiks über die Frage der Produktivitäts- und Neujahrszu-

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lagen. Solche Aktionen fanden statt z.B bei Mazda (Autos), Shinwa (Petrochemie), Naset (Rasierklingen), Sepehr (Elektro), Alamtik und Sina Darou (Chemie), Iran Yaya, Chimiko Farma, Igar und Chit-e-Rey (Textil), Santap, Karún (Agrarprodukte), Luleh va Machin Sazy Iran und Abyek (Zement). Bei Chit-e-Rey löste die Nachricht eines geringeren Jahresbonus für März 1984 ausgedehnte Proteste aus, bei denen mit Streik gedroht wurde. Das andjoman verkündete am 10. März: „Gott hat den Arbeitern Gehirne und Intelligenz gegeben, auf daß sie denken können und Probleme verstehen und, wenn die Regierung einen kleinen Abzug von ihren Löhnen anordnet, nicht auf Verräter hören, die protestieren wollen." Diese Äußerung brachte die Arbeiter in Rage: am nachsten Tag wurde gestreikt, und die Betriebsleitung gab klein bei; das andjoman nahm die Außerung zurück. Bei Luleh Sazy entstand am 11. März eine interessante Situation. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen einem Manager und dem islamischen andjoman über die Veruntreuung von Stahl aus der Fabrik. Die Arbeiter nutzten die Gunst der Stunde und traten für eigene Interessen in Streik. Dieser wurde unterdrückt, und viele Arbeiter, darunter auch Mitglieder des andjoman, wurden verhaftet.

Am 1. Mai 1984 gab es landauf, landab Bummelstreiks. Wie schon im Jahr zuvor wurden Komitees gebildet, um die Feier des Tages zu organisieren. In vielen Fabriken wurden in den Tagen vor dem 1. Mai Erklärungen verbreitet, die das Regime angriffen, weil es den 1. Mai nicht zum nationalen Feuertag erklärt hatte. Bei vielen dieser Betriebe postierten sich am 1. Mai die pasdaran vor dem Tor, um mögliche Zwischenfälle zu verhindern Der nächste größere Streik fand am 15. Juli in der Limonadenfabrik Sasan statt. Das Management bezeichnete den Ausstoß als zu gering, außerdem gebe es Krieg und daher könne es für den vergangenen Monat keine Produktivitätszulage zahlen. Die aktivsten Elemente spornten alle zum Protest an. Das andjoman griff ein, um einen Streik zu verhü ten, es kam aber doch dazu. Am 18. Juli kamen die pasdaran und verhafteten vier Kollegen. Im Gegenschlag nahmen die Arbeiter einen Vertreter des Staatsanwalts als Geisel. Die pasdaran eröffneten daraufhin das Feuer, töteten zwei Personun und verwundeten viele. Trotzdem gingen Angegriffenen die Offensive und trieben die pasdaran aus dem Werk. Der Streik wurde fortge führt. Am 24. Juli kam der damalige oberste Islamische Staatsanwalt, Ayatollah Saneii, in die Fabrik und belehrte lie Streikenden. Die griffen ihn an unc ahmen seine vier Leibwachen als Gei seln. 500 pasdaran marschierten nun auf, töteten viele und verhafteten über 300 Arbeiterinnen und Arbeiter. Am anderen Tag verkündete das Management den Beginn der Sommerferien und machte mit Hilfe der pasdaran das Werk dicht. Nach den Ferien errichtete das Büro des Islamischen Staatsanwalts in der Fabrik eine Abteilung, um herauszufinden, wer die Rädelsführer der Vorfälle waren. Schläger und Folter wurden im Werk praktiziert, zugleich befanden sich noch viele Arbeiterinnen und Arbeiter im Gefängnis. Einen Monat später wurde in der gleichen Fabrik ein Meister und Mitglied des islamischen andjoman dabei erwischt, wie er Arbeiterinnen belästigte. Er wurde aus dem andjoman ausgeschlossen — aber die Frauen verloren ihre Arbeitsplätze, ja das Management nutzte diesen Vorfall als Vorwand zur Entlassung weiterer Frauen.

Der Haß auf die Andjoman

Die Nachrichten vom Streik bei Sasan und der schrecklichen Repression dort verbreiteten sich in viele Fabriken und in einigen benachbarten (General Steel, Shisheh va Gaz) gabes Solidaritätsaktionen. Die Repression hielt den Aufschwung der Arbeiterkämpfe jedoch nicht mehr wesentlich auf. Streiks gegen die Kürzung des Sommerurlaubs, die Senkung von Produktivitätszulagen, den Druck, Überstunden zu machen, oder Lohnabzüge für den Krieg häuften 1984 wurde die fehlende Unterstützung für den Krieg deutlicher. Bei Iran Termus spendeten die Arbeiter unter den Augen der pasdaran fast nichts (die Spenden des Managements werden immer mitgezählt). Bei Ghoweh-e-Pars (Batterien) weigerten sie die Arbeiter ab Juni, weiter einen Tageslohn pro Monat zu spenden. Im Werk von Sepanta, wo sich 1981 360 Personen freiwillig zum basidj gemeldet hatten, waren es dieses Jahr nur vier. Am 14. Juni sollte die Belegschaft auf einer Versammlung ermutigt werden, mehr beizutragen; die Veranstalter mußten sie aber abbrechen, da die Belegschaft sie in ein Forum der Anklage gegen die arbeiterfeindliche Politik des Regimes verwandelte. Bei Farsh-e-Pars kam am 14. Juli ein Mullah, um Freiwillige für die Front zu registrieren. Nur ein paar Leute gingen zu der Versammlung, von freiwilliger Meldung ganz zu schweigen. Bei Saypa sollten die Beschäftigten in der „Kriegswoche" ab dem 22. September Überstunden machen. Sie machten stattdessen Dienst nach Vorschrift. Bei Jam (Schuhe), Barf Kar (Textil), Wagon Sazy Pars (Waggons) und Mina(Glas) wurden Parolen gegen den Krieg angemalt. In dieser Zeit häuften sich auch die Zusammenstöße mit den andjoman. Bei Sentab, Sowiran und Tolidaru (Chemie), Khaneh Sazy in Ahwaz und Kermanshahr, Raf Alborz(Elektro), Benz-e- Khawar, Barf Kar, Momtaz und Gherghereh Ziba (Textil), Kafsh-e-Melli (Shuhe), Roghan Pars (Speiseöl), Machin Sazy-e-Arak und vielen anderen Betrieben gab es Proteste gegen die andjoman.

Bei Sentab und Sowiran wurden andjomani verprügelt. Bei Alborz und Tolidaru wurden die andjomani aus den Kommissionen über die Arbeitsplatzbewertung verdrängt. Bei Benz-e- Khawar und Khaneh in Kermanshahr entwickelten die Arbeiter einen solchen Haß auf die andjomani, daß sie, immer wenn diese mit dem Management in Konflikt kamen, die Partei des Managements ergriffen. Im zuletzt genannten Betrieb entließ der Direktor einen Führer des andjoman, weil dieser sich in die Werksleitung einmischte. Vom Büro des Gouverneurs kam der Befehl zur Wiedereinstellung. Der Direktor weigerte sich: „Entweder er oder ich." Als der Entlassene wieder in den Betrieb kam, nahmen die Arbeiter ihn fest, pasdaran kamen, ihn zu befreien sher seine Entlassung mußte schließlich bestätigt werden.

Bei Gherghereh Ziba entdeckte die Betriebsleitung, daß der Vorsitzende des andjoman Betriebswagen für sich privat benutzte. Die Arbeiter nutzten die Gunst des Augenblicksundriefen: „Tod dem islamischen andjoman!" Bei Roghan Pars wählte die Belegschaft zur besonderen Verhöhunung des andjoman einen jüdischen Kollegen als Vertreter! Bei Momtaz verhafteten die Arbeiter cinen andjomani, den sie beim Klauen von Werkseigentum erwischten, und übergaben ihn der Werksleitung.

Während des letzten Streiks bei der Textilfabrik Fumenat bei Rasht am Kaspischen Meer hatten die Arbeiter gemerkt, dal Betriebsleitung und andjoman bei der Abzweigung von Stoffen aus dem Werk unter einer Decke steckten. Der Arbeitervertreter, der dies aufdeckte, wurde entlassen. Am 10. Juli 1985 trat die Belegschaft deswegen in den Streik, es kam zu Zusammenstößen mit Managern und andjomani. Pasdaran kamen, schossen und verhafteten 80 Menschen. Der Streik lief jedoch zwei Wochen weiter, bis die andjomani entlassen, die anderen Kollegen jedoch wieder eingestellt waren. Einige Tage nach dieser Ubereinkunft überfielen die pasdaran die Häuser vieler aktivistischer Arbeiter und nahmen elf fest, sie umzingelten am nächsten Tag die Fabrik und brachten die andjomani wieder zurück. Bei Chimiko Farma kam es zur Spal- Seite 1S

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tung des andjoman. Der Vorsitzende ließ ein Mitglied der gegnerischen Fraktion mit Tricks aus dem Betrieb werfen; als dieser am anderen Tag ans Werkstor kam, wurde ihm der Weg versperrt. Es kam zu Schlägereien unter den andjomani. Die Arbeiterinnen und Arbeiter nutzen die Chance und verlangten die Entlassung des Vorsitzenden des andjoman. Er wurde von der Betriebsleitung mit einer Abfindung in Frührente geschickt. Der bedeutendste Sieg der ganzen Zeit wurde jedoch im Streik der mehrals 1000 Bauarbeiter in der Stahindustrie beiter aus der Branche vorgeprescht. Nun wollten sie es noch einmal versuchen. Am 11. November traten die Arbeiter in den Ausstand und versammelten sich, um ihre Forderungen zu formulieren. Dem Management setzten sie eine Erfüllungsfrist von 15 Tagen. Am 28. November mußte der Streik wieder aufgenommen werden. Die Wirkung in Isfahan, einer Hochburg der hezbollahi, war groß. Die Familien der „Märtyrer" (Gefallenen), die basidji und andere Schichten der hezb'ollahi mobilisierten gegen den Streik. Am 6. Dezember trat der Gouverneur von Isfahan im Fernsehen auf und drohte den Arbeitern mit einer allgemeinen Mobilisierung der „Partei Gottes" (hezb' ollab), wenn sie den Streik nicht beendeten. Die Geschichte, daß das Management die Bauarbeiter entlassen wolle, sei nur ein „Gerücht, das von Konterrevolutionären ausgestreut wurde. ." Es gehe nur um die Versetzung eines Teils der Arbeiter in andere Betriebe. Auch beim Freitagsge bet am folgenden Tag appellierte der höchste Mullah von Isfahan, Taheri, an die Arbeiter, den Streik zu beenden. Aber er ging weiter. Die wachsende Sympathie der übrigen Arbeiter von Isfahan (besonders der Stahlarbeiter) und die Entschlossenheit der Streikenden zwangen das Management zum Rückzug. Der Plan zur Entlassung der Bauarbeiter wurde ad acta gelegt, Versetzungen aus der Nationalen Stahlindustrie sollten rein freiwillig geschehen. Am 10. Dezember endete der Streik mit einem Sieg Ist die Lage reif?

Der Streik von Isfahan hatte eindeutig seine Wirkung auf die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse. Allein in den folgenden viereinhalb Monaten bis zum 1. Mai 1985 fanden zwanzig weitere Streiks statt, z.B. bei Bella (Schuhe). Madin Sary-e-Arak, Samara (Vertragsfirma beim Stahlprojekt von Mobarakeh), Kafsb-e-Melli und Profil-e-Pars. Angesichts der sich verschlimmernden wirtschaftlichen und politischen Krise des islamischen Regimes wird jedes weitere Zunehmend der Arbeitskämpfe für dessen Stabilität Folgen haben. Dies gilt umso mehr, als zur Normalisierung der bürgerlichen Ordnung weitere Angriffe auf die Arbeiterklasse notwendig sind. Die vor uns liegende Zeit wird für das Schicksal des Regimes von entscheidender Bedeutung sein.

Es gibt viele Anzeichen dafür, dafs sich die Stimmung der Massen seit dem Sommer 1981 gewandelt hat. Eine allgemeine Unzufriedenheit nähert sich dem explosiven Stadium. Die allergeringsten Anlässe führen manchmal zu gröferen Zusammenstößen mit den Repressionskräften des Regimes. Folgendes Beispiel aus dem Fußballstadion von Amdjadeh Anfang Oktober 1984 spricht Bände. Nur weil die Veranstalter mehr Karten verkauft hatten, als es Sitze gibt, und Leute daher nicht mehr reinkonnten, ballte sich in einigen Stunden eine Masse von 60 000 Menschen zusammen, die randalierend umherzog, hezbollahi verprügelte, beinahe das Stadion niedergebrannt hätte und aut der Straise bis spat in die Nacht demonstrierte.

In den Siedlungen der Armen kam es oft zu Zusammenstößen mit den Ordnungskräften des Regimes über Fragen der Wasser- und Stromversorgung oder der Wohnqualität - zuletzt im Juni in Teherans Stadtteil Ghaleh-e-Hasan Khan. Dort ging es um das Wasser. Zehn Tage lang kam es zu ununterbrochenen Gefechten zwischen den Bewohnern und den pasdaran und der Polizei. Sie fanden ihr Ende, nachdem 200 Personen verhaftet und 80 Häuser zerstört waren. Wir werden so etwas sicher noch oft erleben. Das Regime versucht zur Zeit, die Armen aus den Slums zu vertreiben, die in den letzten Jahren errichtet wurden. Bei solchen Versuchen ist es z.B. in Z.ûrabad vor Karadj und Shak-e-Ahmadiyeh, Khak-e-Sephid, Nazirabad und Afsarich außerhalb von Teheran zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.

Alle diese Probleme werden durch die wachsende Unbeliebtheit des Kriegsmit dem Irak verschärtft, dessen Beendigung sich das Regime nicht leisten kann. Im März und April dieses Jahres gab es in Teheran, Ahwaz, Tabriz und anderen Städten mehrere Demonstrationen gegen den Krieg. Am 10. April wurde in Kuy-e-Sizdah-e-Aban im Süden Teherans ein Jugendlicher von einem Schliger aus den Reihen der basidji getötet. Die Anwohner gerieten in Wut, zündeten Autoreifen an und blockierten damit die Straßen. Bis in die folgende Nacht hinein ertönten die Parolen: « Niedermit Khomeini! Schluß mit dem Krieg!" Hunderte wurden von den pasdaran verhaftet.

All dies läuft parallel zur Zunahme der Arbeiterkämpfe. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird das schlagartige Auftreten einer Massenbewegung gegen Khomeini immer wahrscheinlicher. Die Terrorwelle des Sommers 1981 hat der revolutionären Bewegung wahrlich einen schweren Schlag versetzt. Aber in den letzten vier Jahren hat sicherwiesen, daß diese Niederlage nicht schwer genug war, um ein erneutes Aufflammen revolutionärer Kämpfe der Massen zu verhindern.

(1] Andjoman: Islamische _Gesellschaft" der überzeug ten Fundamentalisten in einem Betrieb, die an die Stelle der unabhängigen, von den Arbeitern gewählten shora (_Ratschlag") treten sollte.

Basidj: _Mobilisierung" — unter diesem Namen wurden Freiwilligenkorps zu verschiedenen Zwecken ausgehoben (Ernteeinbringung. Alphabetisierung), heute nur noch für die Front.

Hezbollahi: „Partei Gottes" die aus den Reihen der Armen rekrutierten Schlägerbanden der Rechten, die die Kundgebung -gottloser" Parteien angriffen. Pasdaran: _ Wächter"; die vom Klerus organisierte Miliz, die praktisch an die Stelle der Polizei trat. _Komitees des Imams": Gruppen vor allem im Milieu der Studenten und Schüler, die auf die Einhaltung der Wünsche Khomeinis achten; ähnlich wie die Freiwilligen in den anderen islamischen Einrichtungen waren sie auch anfangs von antiimperialistischen Motiven durchdrungen; von ihnen ging die Besetzung der US-Botschaft aus. (2) Alle ab hier im Artikel aufgeführten Beispiele basieren entweder auf Berichten von Mitgliedern der IV. Internationale oder von Zeitschriften anderer linker Gruppen. Immer wurden die verschiedenen Berichte über gleiche Geschehnisse miteinander verglichen. [Anm. des Autors] [3] Auf Anraten seiner US-Berater hatte der Shah ein _christdemokratisches" Modell der Arbeiterbeteiligung in der Industrie eingeführt. Dazu gehörten Vertreter im Aufsichtsrat, eine «Gewinnausschütrung" von 20 % und die Bildungvon Konsumgenossenschaften in den Betrie. ben.

[4] In dieser Zeit wurde auch die letzte im Untergrund erscheinende Arbeiterzeitung im Iran zum Schweigen gebrachr. Nazm-c-Kargar (_Arbeiterordnung") stützte sich auf Fabrikkomitees und war gemeinsam von der İranischen Organisation der IV. Internationale Hezb-e- Kargaran-e Sosialist (Sozialistische Arbeiterpartei) und einer Gruppe von Genossinnen und Genossen der Fr dayin-Minderheit initiert worden. (5) Siehe Inprekorr Nr. 171. Juli 1985, Ali Sahand, -Erster Widerstand-. Dort wird der Streik in İsfahan ausführlicher dargestelle und besonders sein Übergreifen auf die Bauern der Umgebung hervorgehoben.

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Nr. 24/1I - 3/86 die Internationale