Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Südafrika

Sanktionen sollen Botha retten

Inprekorr Nr. 173, Oktober 1985 · S. 4-8 · 3.464 Wörter

Südafrika Gewerkschaften und Streiks USA und Kanada Jugend und Studenten

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Sanktionen sollen Botha retten Gegen ein Land, wo die Herrschenden keine Alternative zum bestehenden Regime sehen und die Abneigung gegen Kompromisse bei den Unterdrückten wächst, hilft den Imperialisten nur Druck, um die Entschärfung der Lage Nathan Palmer

Seit dem 21. Juli sind 36 von 300 Distrikten Südafrikas im Ausnahmezustand Die von Schwarzen bewohnten Gebiete um Johannesburg in Transvaal und um Port Elizabeth in der östlichen Kapprovinz sind von der Entscheidung des südafrikanischen Präsidenten P.W. Botha betroffen, der damit dem Willen seines Polizeiministers Johann Coetzee gefolgt ist, den es verlangte, „die Situation so schnell wie möglich zu befrieden." In diesen beiden Zonen finden seit elf Monaten bedeutende Massenmobilisierungen statt, die nur von kurzen Ruheperioden unterbrochen werden. Aufgrund des Ausnahmezustands kann die Polizei überall eindringen, jeden verhaften und Inhaftierte festhalten, ohne dais irgendeine Anklage vorzuliegen braucht. Auch die Rechte der politischen Gefangenen sind weiter eingeschränkt worden. Die Presse steht unter Zensur. 1000 Personen waren bis zum Ende August im Rahmen des Ausnahmezustands verhaftet worden. Zu den 650 Menschen, die im Zeitraum eines Jahres in Südafrika umgebracht wurden, kommen noch die 20 hinzu, die am 28. und 29. August getötet worden sind, weil sie an dem Massenprotest teilnahmen, der die Befreiung von Nelson Mandela gefordert hatte. Die Verhängung des Ausnahmezustands war für die französische Regierung der Anlaß, Wirtschaftssanktionen zu verhängen, gegen die sie sich bis dahin immer gesträubt hatte. Die BRD, die USA, Japan, Britannien und Frankreich sind die wichtigsten Handelspartner Südafrikas. Nach dem französischen Vorpreschen begann die Debatte unter den Regierungen dieser fünf Länder, die an vorderster Front der Zusammenarbei mit Südafrika stehen, erneut. Vor allem in den USA hatte sich eine breite Kampagne für den Abzug des Kapitals aus Sudatrika und gegen die Reagansche Politik des „konstruktiven Engagements" entwickelt. Die BRD, Britannien und die USA haben sich gegen eine Politik der Sanktionen erklärt — ihr „Engagement" in Südafrika ist ja auch nicht geringfügig zu nennen.

Die Politik der imperialistischen Großmächte

Die Tragweite der französischen Sanktionen ist gering. Sicherlich bedeuten sie auf diplomatischem Gebiet eine Verhärtung gegenüber dem Regime in Pretoria, keineswegs aber ein Ende der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Bestehende Verträge werden erfüllt. Das französische Kapital beteiligt sich unter anderem weiter am Aufbau der weltgrößten Sauerstoff- Fabrik, vermittelt über die Gesellschaft Sasol. Diese südafrikanische Gesellschaft hat dank der westlichen Beteiligung Anlagen zur Kohleverflüssigung entwickelt, um den Energiebedarf einer militarisierten Wirtschaft zu decken. Die führenden Politiker der imperialistischen Mächte haben natürlich ein Interesse daran, sich als Verfechter der Menschenrechte darzustellen. Das ist der innenpolitische Sinn der Diskussion über Sanktionen. Vor dem moralischen Druck der Bewegungen in Solidarität mit den Schwarzen Südafrikas und auch wegen der gewachsenen Autorität einer Person wie Friedensnobelpreisträger Bischof Desmond Tutu wurde es nötig. etwas zu tun. Sicherlich haben die französischen Sanktionen dazu beigetragen, die Waagschale ein kleines Stückchen zugunsten wirksamen Drucks auf Pretoria zu senken.

Man muß sich darüber im klaren sein. daß dieser Druck nie weiter gehen wird, als es die gemeinsamen Interessen der imperialistischen und der in Südafrika herrschenden Klassen zulassen. Es geht ihnen beiden um den Erhalt der kapitalistischen Ordnung und um Verhinderung der Revolution. Dennoch kann das Apartheid-Regime so gezwungen sein, seine verbrecherischen Handlungen ge gen die schwarze Bevölkerung Südafri kas zu rechtfertigen. Neben der wachsenden Antiapartheid-Bewegung in den westlichen Ländern befürchten die imperialistischen Mächte mehr und mehr eine revolutionäre Explosion in diesem für sie strategisch so wichtigen Land Trotzdem haben die USA, die BRD und Britannien auf der letzten UNO-Versammlung gegen Sanktionen gestimmt. Gegenüber dem westlichen Druck auf Veränderungen in Südafrika, sei es über ökonomische Sanktionen oder sei es über „konstruktives Engagement", waren die Reaktionen der Regierung in Pretoria und des Präsidenten P.W. Botha zu erwarten gewesen. Es wurde zwar viel spekuliert, und ein Teil der Medien, der Südafrika besonders wohlwollend gegenübersteht, glaubte sich dazu berechtigt, „substantielle Reformen" anzukündigen. Dies bedeutet, die weiße herrschende Klasse und ihre inneren Meinungsverschiedenheiten und Spannungen falsch zu verstehen. Botha kann sich zwar erlauben, den Glauben an seinen Reformwillen zu nähren, aber muß auf die soziale Basis des Regimes sowie auf den Druck der extremen Rechten Rücksicht nehmen, die die mindeste Einschränkung der Apartheid in aller Schärfe angreifen werden.

Schon am 19. Juni verwarf P. W. Botha vor dem südafrikanischen Parlament jede Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten seines Landes. Diese Rede fand kurz nach dem Uberfall auf Büros und Verantwortliche des African National Congress (ANC) in Botswana

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durch südafrikanische Sondereinheiten statt. Botha war zu diesem Zeitpunkt sogar so arrogant, sich folgende Ausführungen zu erlauben: „Weil wir dabei sind, den Weg der Reformen erfolgreich zu beschreiten und ein stabiles Südafrika in Sicht ist, haben sich die Kräfte, die dieser Entwicklung feindlich gegenüberstehen, dazu entschlossen, die verwirklichten Fortschritte zu zerstören." Nachdem sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 26. Juli 1985 für „freiwillige Sanktionen" *, also nicht für bindende Maßnahmen, gegen Pretoria ausgesprochen hatte — Britannien und die USA enthielten sich der Stimme — antwortete Botha darauf, indem er die besagte Resolution für null und nichtig erklärte und Repressalien gegen die Arbeitsimmigranten in seinem Land androhte: „Ich habe die südafrikanischen Behörden angewiesen, umgehend die Zahl der ausländischen Arbeiter im Land zu ermitteln und ihren Aufenthaltsort festzustellen, damit die Regierung Maßnahmen erwägen kann, sie in ihre Heimatländer zurückzuschicken." Hier arbeitet Botha mit der Drohung, die 1,5 Millionen Arbeiter aus den Nachbarländern, die keine südafrikanische Staatsbürgerschaft haben, als Geiseln zu nehmen. Dazu muß man eine Million schwarzer Südafrikaner zählen, denen die Staatsbürgerschatt genommen wurde, weil sie, ob sie wollten oder nicht, einem der vier sogenannten „unabhängigen" Bantustans zugewiesen wurden (Transkei, Ciskei, Venda und Bophutatswana).

Vor allem aber besteht die Antwort des Rassistenregimes in der Fortführung der Polizeioperationen in den Siedlungen. Am 20. August ist Soweto Hausfür Haus durchkämmt worden. Seit Beginn der Massenprotestaktionen vor einem Jahr ist dies das erstemal, daß diese größte aller schwarzen Siedlungen von ungefähr 2 Millionen Einwohnern diese Art von Polizeiaktion erdulden mußte. Ein Jahr der Massenmobilisierung

Vor etwa einem Jahr begannen die Proteste, ausgelöst durch eine Mieterhöhung für die dem Staat gehörenden Häuser in den schwarzen Ghettos. Diese spontanen Revolten verbanden sich mit dem breit getragenen Unterrichtsboykott der Schülerinnen und Schüler und mit der kontinuierlichen Entwicklung der Aktion der unabhängigen Gewerk schaften. Einer der Höhepunkte dieses Zusammengehens war der Generalstreik in der Provinz Transvaal am 5. und 6. November 1984 [siehe Inprekorr Nr. 168, 4-85). Eins der Kennzeichen der Situation in den Siedlungen ist also die Koexistenz von organisierten Aktions- Nr. 173, Oktober 198S formen wie etwa der Boykott der weißen Geschäfte mit dem unkontrollierten Ausbruch von Massenmobilisierungen. Bei Trauerzügen für Opfer der Polizeirepression finden sich Gemeindeorganisationen und Gewerkschaften mit einer Bevölkerung wieder, die es satt hat, die Apartheid zu erdulden. Kollaborateure des Regimes, Gemeindevertreter oder schwarze Polizisten werden zur Zielscheibe des Volkszorns, und die Gewalt, die gegen sie verübt wird, zeugt sowohl von der Schärfe des Hasses auf die Brutalität des Systems als auch von der Schwierigkeit, eine Strategie zu seiner Zerschlagung zu entwickeln. Wenn man Woche für Woche das Tagesgeschehen in diesem Land verfolgt, so ergibt sich ein tragisches Bild: eine Folge von Demonstrationen, mit denen Opfer des Regimes zu Grabe getragen werden, auf denen weitere Opfer fallen und sich der Zorn der schwarzen Massen zeigt und in Gewalt an Helfershelfern des Regimes entlädt. Damit ist eine der Begrenzungen der Bewegungen angezeigt. So lange sie auf die schwarzen Zonen beschränkt bleiben, können sie nur am Rand liegende Ziele streifen, treffen aber nicht ins Herz des Systems.

Die Ereignisse in Durban am 7. und 8. August bestätigen diese Einschätzung. Die dortige Revolte zielte auf die zahlreichen indischen Händler dieser Region. Die Spaltungspolitik der Apartheid, dieser als asiatisch hervorgehobenen Bevölkerung etwas mehr politische Rechte zu gewähren und ihr Die Patrouillen des Regimes sind allgegenwärtig eine etwas bessere Wirtschaftslage zu ermöglichen, kann so lange eine große Kolle spielen, wie es keine bewulste Führung gibt, die fähig ist, auf die Einheit der nichtweißen Massen hinzuarbeiten, egal ob es sich um „Asiaten" , „Mischlinge" oder „Afrikaner" handelt. Diesen Weg hat die nichtrassische Gewerkschaftsbewegung beschritten. Die potentiellen Konsequenzen, die in einer solchen Einheit liegen, sind offensichtlich. „Inder" und „Farbige" hatten bereits mehrheitlich Bothas Verfassungsreform verworfen.

Es gibt Zeugnisse dafür, daß gewisse Personen im Namen der United Democratic Front (UDF, Vereinigte Demokratische Front) politische Aktivisten der AZAPO (Azania Peoples Organisation, entstammt der Black Consciousness-Bewegung) und Gewerkschafter wie zum Beispiel von der FOSATU (einer der beiden großen nichtrassischen Gewerkschaften) angegriffen haben. Die zentrale Führung der UDF hat diese Handlungen, die in ihrem Namen begangen wurden, dementiert. Die Ereignisse von Durban, wo die Beteiligung von Schlägertrupps der Stammesorganısation Inkatha an den Gewaltaktionen offensichtlich war, legen es nahe, davon auszugehen, daß zu den Auswirkungen der Differenzen innerhalb der Befreiungsbewegung Regierungsprovokationen hinzukommen.

Die Inkatha ist die Organisation Gatsha Buthelezis, des Chefs von kwa Zulu. Dieses Bantustan ist das größte

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Informationsstelle • südliches afrika Blücherstraße 14 5300 Bonn 1 der zehn „homelands", die der südafrikanische Staat geschaffen hat, um seine schwarzen Bürger zu Fremden in der eigenen Heimat zu machen. Aber im Gegensatz zu anderen Chefs von Bantustans hat Buthelezi sich das Profil eines gemäßigten Oppositionellen gegeben, der die von Pretoría offerierte Scheinunabhängigkeit ablehnt und in südafrikanischen und US-amerikanischen. Geschäftskreisen Unterstützung sucht. Er hat kürzlich sogar Israel besucht, um sein internationales Image aufzubauen. Seine Rechnung ist einfach: eine „akzepzur Massenbewegung insgesamt. Zuden Zulus werden in Südafrika sechs Millionen Menschen gezählt — daran ist die Bedeutung der politischen Hegemonie unter ihnen zu bemessen! Die Milizionäre der Inkatha sind, bewaffnet mit Stöcken und Speeren, durch die Siedlungen der Provinz Natal patrouilliert und haben nicht gezögert, die Demonstration zur Beerdigung von Victoria Mxenge, der ermordeten Rechtsanwältin und Führerin der UDF, tätlich anzugreifen. Die Revolte in den Siedlungen scheint die Kraft zum unbegrenzten Andauern zu haben. Ihre Auswirkungen reichen bis in die kapitalistischen Kreise hinein, die in Südafrika wie im Ausland in ihren wichtigsten Fraktionen über die Sturheit des Rassistenregimes besorgt sind. Der Rand, die südafrikanische Währung, ist gegenüber dem Dollar stark gesunken. Er ist heute 0,36 Dollar wert, nachdem er jahrelang mit der US-Währung eins zu eins getauscht wurde. Die südafrikanischen Werte, in erster Linie die Goldminen, sehen sich einem starken Kursverfall ausgesetzt. Wenn man weiß, wie stark die Wirtschaft bereits von der Rezession gebeutelt ist, wundert man sich nicht über den Druck gerade aus Kreisen der Bourgeoisie auf Botha in Richtung auf eine Verhandlungslösung" . Eine Reihe von Geschäftsleuten verlangt von Botha die „nötigen Anpassungen" ', besonders gegenüber der ungebrochenen Entschlossenheit der Gewerkschaftsbewegung. Inzwischen haben sich Prominente aus allen bürgerlichen Lebensbereichen zur Alliance for Change zusammengeschlossen, die gerade mit dem Anspruch auftritt, „initiierend an die Stelle der Regierung, die nun seit Jahren versäumt hat, eine solche Nationalversammlung einzuberufen," zu treten!

Die Rolle der unabhängigen Gewerkschaften Die von den kämpferischsten Teilen der Gewerkschaftsbewegung organisierten Streiks gegen Entlassungen, für Lohnerhöhungen, für die Anerkennung der Gewerkschaft durch den Arbeitgeber sind nicht abgeebbt. Die Bewegung wurde durch Erfolge im Privatsektor wie auch gegenüber einigen staatlichen Gesellschaften ermutigt, darunter Sasol. Die sehr dynamische Bergarbeitergewerkschaft NUM hat auf ihrem außerordentlichen Kongreß vom 3. August 1985 — 450 Delegierte und 2500 Aktivist/inn/en waren anwesend - drei wichtige Entscheidungen getrotten. Sie hat ein in 72 Stunden ablautendes Ultimatum an Botha gerichtet, den Ausnahmezustand aufzuheben, widrigenfalls „alle den Weißen gehörenden Geschäfte in der Nahe der Bergarbeiterstädte boykottiert werden." Die zweite Entscheidung zielte auf einen sofortigen, zeitlich unbegrenzten Generalstreik für den Fall, daß der Präsident der Südafrikanischen Republik seine Drohung wahrmacht, die „ausländischen" Arbeitskräfte auszuweisen. Aber die Entschließung, die am meisten Aufsehen erregte, war die zum Streik in den Bergwerken, um eine Lohnforderung über 22 % gegen die Weigerung der Bergwerkskammer, über 19 % hinauszugehen, durchzusetzen. Dieser Streik sollte am 25. August beginnen und wurde dann aufgrund von Fortschritten bei den Verhandlungen mit der Unternehmerseite verschoben. Er wurde dann erneut für den 1. September ausgerufen — allerdings nur noch in 7 von ursprünglich 29 ins Auge gefaßten Minen; aber erstens war durch die Verzögerungstaktik der Unternehmer eine gewisse Demobilisierung, eingetreten und zweitens konnten in der zwischenzeit die Bergwerke so massiv von der Polizei umstellt werden, daß die Beteiligung am Streik so mäßig ausfiel, daß er abgebrochen werden mußte. Jedenfalls, zusammengenommen ergeben diese drei Beschlüsse eine Synthese elementarer wirtschaftlicher und politischer Forderungen gegen die Regierung. Hierbei ist zu unterstreichen, daß die um die Bergwerke gelegenen Zonen nicht zu den Regionen gehören, über die der Ausnahmezustand verhängt wurde.

Die NUM hat sich gegenüber der Bergwerkskammer bewußt einen Spielraum zum Manövrieren erhalten. Es ist klar, welchen Schaden ihr eine größere Niederlage zufügen würde, angesichts ihrer Entwicklung seit der Gründung vor fünf Jahren. Ihr Wachstum war das spektakulärste in der ganzen neuen Gewerkschaftsbewegung. Diese Entwicklung der NUM ist aber kennzeichnend für den Verlauf des gesamten Aufbaus von Gewerkschaften. Die Trauerfeierlichkeiten für Andries Raditsela, einen Führer der Federation of South African Trade Unions (FOSATU), der unmittelbar nach seiner Freilassung durch die Polizei gestorben war, entwickelten sich zu einer beeindruckenden Demonstra- Nr. 173. Oktober 1985

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tion. 20 000 Menschen wohnten am 14. Apartheid weg, Andere westliche Kräfte gehen in ih- Mai 1985 den Feierlichkeiten bei. Allge- Kapital gerettet? rem Realismus so weit, die Freilassung mein sind die T-Shirts und Transparen- von Nelson Mandela zu fordern, des te der Gewerkschaften neben denen der 1963 zu lebenslanger Haft verurteilten kommunalen Basisorganisationen und Die schwarze Arbeiterklasse und ihre Führers des ANC, so sehr glauben sie an der politischen Organisationen anläß- Organisationen stellen ein Potential dar, die Notwendigkeit, füher oder später lich von Demonstrationen für Opfer des welches das Regime mehr als nur beun- mit dieser Organisation zu verhandeln. Regimes häufig zu sehen. ruhigen kann. Nur die schwarzen Arbei- Sogar die Regierung von Margaret That- Darin ist mehr als nur ein Symbol zu ter Südafrikas können aufgrund ihrer cher hat sich für seine sofortige Freilassehen. Es zeigt sich die Verankerung und Stellung in der Gesellschaft den Kampf sung ausgesprochen. Aber Mandela hat Tiefe einer Gewerkschaftsbewegung, für die völlige Zerschlagung der Apart- jede Verhandlung mit dem Regıme zudie nach der offenen Repression von heid bis in ihre Grundfesten hinein an- rückgewiesen, solange dieses nicht ein- 1960 völlig von der Bildfläche ver führen. Dies wird in Teilen der weißen deutig die Apartheid aufgebe. schwunden.war, und ihre Strukturen auf Bourgeoisie ebenso verstanden wie in Der ANC, dessen Einfluß in den Siedsich allein gestellt neu hatte knüpfen den Kirchen. lungen gewachsen ist, hat auf seiner müssen. Ebenso deutlich ist auch das Hier ist auch der Grund dafür zu su- zweiten Konferenz seit dem Verbot im sehr fortgeschrittene Denken innerhalb chen, warum Persönlichkeiten wie der Jahre 1960, die im Juni 1985 stattfand, der Bewegung über den Aufbau einer anglikanische Erzbischof Desmond Tu- beschlossen, den bewattneten Kampt zu Führung der Arbeiter und über die tu und der reformierte Reverend Allan intensivieren, auch gegen zivile Objekte. Erfahrungen der Arbeiterklasse anderer Boesak, der zugleich der Präsident des Der militärische Flügel des ANC, Um- Länder. Diese Retlektionen gewinnen Weltbundes der reformierten Kirchen khonto we Sizwe (Speer der Nation), hat lesto mehr an Gewicht, je mehr die un- ist, so sehr in den Vordergrund rücken. Aktionen dieser Art unternommen, die abhängigen Gewerkschaften der Bil- Die westlichen Mächte machen sie zu zwar sein Prestige in der Bevölkerung dung eines einheitlichen Dachverbands privilegierten Dialogpartnern, erhöht haben, aber bislang nicht ihre näherkommen, der bis Ende dieses Jah- denn sie sind die einzigen, die gleichzei- Nützlichkeit bei der Abwehr der Streitres realisiert werden könnte. tig als Verweigerer jeder Zusammenar- krätte des Regimes unter Beweis stellbeit mit der Apartheid, als konsequent ten. Man muß auch festhalten, daß die Die Suche nach einer strategischen Oppositionelle gegen das Regime von südafrikanische KP wieder den Versuch Orientierung, nach einer Führung des Pretoria und als hartnäckige Gegner der eines öffentlichen Auftretens gewagt Kampfes und nach der richtigen Beant- marxistischen Ideen erscheinen können hat; dies wurde durch ein entsprechenwortung der Bündnisfrage sind die typi- und die bei den schwarzen Massen be- des Transparent im Trauerzug in Craschen Probleme, die in jeder Situation achtliches Gehö. finden. Das starke Ge- dock am 20. Juli 1985 bezeugt. der Zuspitzung von Klassenwidersprü- wicht der der UDF angeschlossenen Kir- Heute sind sich alle darüber einig, daß chen zur Lösung drängen. Südafrika ist chen in diesem Verband zeigt, daß sie Südafrika, selbst wenn die Revolution hierbei keine Ausnahme von der Regel begriffen haben, daß ein Wettlauf um nicht unmittelbar ansteht, eine Stunde - trotz der Besonderheit des hohen den Einfluß auf die schwarzen Massen der Entscheidung erlebt — in dem Maße Stellenwerts der nationalen Befreiung begonnen hat und es nicht ratsam ist, wie sich die Kraftprobe mit dem Regime im Rahmen des Gesamtprozesses. dazu verspätet anzutreten. ausweitet und intensiviert. SONDERANGEBOT! Anzeige

Immer noch und aus gegebenem Anlaß aktuell:

Sondernummer zu Kurdistan (enthält keine nur damals aktuellen Texte) Sondernummer zu Afrika

Livio Maitan: Die kurdische Frage (enthält damals aktuelle Artikel zu den Gesprä- Scheich Ezzedin: Der Kampf der Kurden in Iran chen Angola - Südafrika und zum Ogaden-Krieg Bericht aus befreiten Gebieten Der Erdölboom in Nigeria und Gabur

Kurden in der Türkei/ im Irak Claude Gabriel: Sind die „marxistisch-leninistischen" Regime leninistisch? (Es geht um Kongo und Athiopien)

Resolution des Vereinigten Sekretariats der IV.

Internationale:

Nationale Frage und Landfrage in der südafdrikanischen Revolution (dieser Text macht die Hälfte des Heftes aus)

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HAITI

Auch der kleine Tiger ist ein Tigepr

Die Furcht der Imperialisten vor einer Zusammenbruchskrise zwingt den Diktator „Baby Doc" zur Systemkosmetik. Das heißt, es bleibt, wie es ist. David Singer

Mit den Massenunruhen, die vor einem Jahr mehrere Städte Haitis erschütterten, wurde klar, wie erbittert ein grolse Teil der Bevölkerung über die Diktatur von Baby Doc ist. Und es handelte sich nicht um Eintagsfliegen. Zu Beginn des Jahres 1985 brachten Zehntausende auf den großen Märschen, die von der Kirche im Rahmen des Internationalen Jahres der Jugend organisiert wurden, ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck. Danach folgte im April ein sogenanntes "Jugendkonzil" , zu dem sich acht Tage lang Tausende von Leuten versammelten und das Gelegenheit bot, eine Liste von Forderungen an die Machthaber aufzustellen. Ganz bezeichnend für den herrschenden Gemütszustand ist auch, daß in Petit-Goâve 20 000 Leute zusammenkamen, um in einer Demonstration die Freilassung von jungen Christen zu verlangen, die einige Tage zuvor verhaftet worden waren.

Seit einem Jahr kursieren auch Unterschriftensammlungen unter Aufrufe und Petitionen. So veröffentlichte Ende Mai die Presse einen offenen Brief an einen der Hofdichter des Regimes. Die Jugendlichen die ihn unterzeichneten, drohen ihm mit dem „Los, das Verrätern reserviert ist", und denunzieren „die Henkersknechte und die Monster der Regierung Duvalier". Ein weiterer Schritt wurde getan, als Antang Juni 1984 fünf junge Leute einen „Aufruf an die Jugend" richteten, diese zu einer Demonstration zum Nationalpalast für den 21. Juni einluden, um dort zu verlangen, daß „unsere politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte respektier werden" . In anderen Texten drücken sie noch viel deutlicher aus, daß es darum geht, die Aufhebung der Präsidentschaft auf Lebenszeit und die Abhaltung von Wahlen mit allgemeinem direktem Stimmrecht zu fordern" *. Das Echo auf diesen Aufruf war umso größer, als ein von drei Ministern unterzeichnetes Kommuniqué über Rundfunk und Fernsehen verlesen wurde, das die Demonstration verbat. Am 21. Juni durchkämmten Tausende von bewaffneten Männern die Hauptstadt Port-au-Prince, und die Demonstration fand nicht statt.