Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

IV. Internationale und Arbeiterbewegung: Frankreich

2. Internationales Jugendlager

Inprekorr Nr. 173, Oktober 1985 · S. 38-39 · 1.771 Wörter

Jugend und Studenten Frankreich IV. Internationale Irland

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

Ken Collins / Ellen Haywood

Etwa 800 Jugendliche aus 22 Ländern konnten auf dem zweiten Internationalen Jugendlager vom 21. - 27. Juli in Südfrankreich ihre politischen Erfahrungen austauschen und den 50 kamen aus Belgien, Britannien, Dänemark, Italien, Spanien und Westdeutschland. Zwischen 20 und 50 kamen jeweils aus Österreich, den Niederlanden, Luxemburg und der Schweiz. Etwa ein Dutzend kam aus Schweden, neun aus den USA und jeweils weniger aus Kanada, Irland, Mexiko, Neuseeland und Senegal. Ein besonders gut besuchter Arbeitskreis beschäftigte sich mit dem Kampf gegen das Apartheid-Regime in Südafrika und wurde von Claude Gabriel, einem Afrika-Spezialisten der Ligue Communiste Revolutionnaire (LCR, Revolutionär Kommunistischer Bund, frz. Sektion der IV. Int.) geleitet. Besonderes Interesse richtete sich auf die Antiapartheidbewegung in den USA und deren gro- Be Mobilisierungen zum 11. Oktober.

über die Entsendung internationalistischer Brigaden und die Organisierung von Rundreisen mit sandinistischen Jugendlichen oder solchen aus El Salva- Zwei Kundgebungen wurden während der Woche abgehalten. Bei der ersten ging es um die Verteidigungskämpfe der Arbeitenden Europas gegen die kapitalistische Sparoffensive. Redner waren ein junger bergarbeiter, der am Streik im letzten Jahr in Britannien teilgenom- Nigel Bevan (19), einer von zwei Bergarbeitern aus der Gruppe Penrweiteren Kampf gegen den Im- Fast alle Teilnehmer/innen hiwceiber der NUM in Süd-Wales: perialismus vorbereiten. Das Lager wurden von den europäiwaren zwischen 15 und 25 Jahren alt. Viele waren bis dahin Daheim hab ich mich bei Socialist Action (revolutionäre Tendenz in schen Jugendorganisationen ornoch nicht Mitglied einer revoder Labour Party) engagiert, und wir haben dort schon Diskussionen ganisiert, die in Solidarität zur lutionär sozialistischen Jugenüber die verschiedensten Sachen gehabt, aber man lernt wirklich viel Vierten Internationale stehen. dorganisation oder waren geramehr, wenn man dann die Leute trifft, die tatsächlich an den Kämpfen Das erste Lager dieser Art, voride erst eingetreten. Sie waren teilgenommen haben — mehr als was man in irgendeinem Artikel ges Jahr in Westdeutschland gekommen, um erst einmal etjemals wird lesen können. Viele Verbindungen können zwischen hatte 600 Teilnehmer/innen was über die Aktivitäten und unserem Kampf und anderen gezogen werden — seien sie nun so weit versammelt.

politischen Perspektiven der Jutortgeschritten wie in Nicaragua oder in der Art des Bergarbeiter- „Gastgeber" waren dieses gendorganisationen und der streiks. Ein Ergebnis dieses Jugendlagers ist für mich auch, daß wir Jahr die Jeunesses Communistes Vierten Internationale zu erfaheine gemeinsame Basis gesachaffen haben, um in allen Jugendorganı- Revolutionnaires (CR, Revoren.

sationen die Kampagne für die Amnestierung (der gefangenen und lutionär Kommunistische Ju- Der „Stundenplan" der Woentlassenen Bergarbeiter) führen zu können. gend). Ort war ein großer Zeltplatz im Besitz der französischen Gewerkschaft CGT. Die französische Delegation war che war angefüllt mit einer Fülle von Veranstaltungen, Arbeitsgruppen, Filmvorführungen, Diskussionen zwischen einzel- Maria Hernandez, Mexiko: Die PRT, die mexikanische Sektion der Vierten Internationale, hat mit 200 denn auch die größte. nen Delegationen und dem gezwei Delegierte zum Lager geschickt. Allerdings gab es weitere zehn, Teil derselben waren auch Imgenseitigen Literaturaustausch die gerne gekommen wären. Ich kam, damit Mexiko vertreten ist und migrantenjugendliche aus arabiund -verkauf. An zwei Abenden um über die dortigen Kämpfe zu berichten, aber auch um einmal zu schen, afrikanischen und asiatipräsentierten die Delegationen sehen, wie Europaeigentlich ist und das Leben dort. Undich fand, daf schen Ländern. Die JCR

Lieder und Sketche. Die Freies völlig verschieden von meinem Land ist. Das Lager wirkte auf mich beteiligt sich führend an der zeitmöglichkeiten bestanden in unglaublich; denn ich hatte so eine Art Veranstaltung noch nie erlebt, Massenkampagne gegen rassi- Schwimmen, Mann-/Frauund ich habe mich durchweg daran erfreut. Die Organisation war stische Übergriffe und Abschieschaftsspielen, Ausflügen, Tanz hervorragend genauso wie das Essen! Der Enthusiasmus der europäibungen von Arbeitsimmigrant/inn/en in Frankreich. Eine abenden und informellen Geschen Jugendlichen hat mich begeistert, besonders der für die Kämpfe sprächen.

der Völker in Mittelamerika. Wir sollten alle mit einer Stimme große antirassistische Demon- An jedem Tag hatten die Versprechen: „Todos somos jovenes revolucionarios" stration soll am 1. Dezember in Paris stattfinden, und die JCR ruft alle Gegner des Rassismus in Europa zur Teilnahme auf. Die JCR ist auch in der Orgaanstaltungen und Arbeitsgruppen, die jeweils in sechs Sprachen übersetzt wurden, ein anderes politisches Thema zum Schwerpunkt: der Kampf gegen Gerry Lynch (17), Irland: Die irische Delegation zum Jugendlager der Vierten bestand aus drei nisierung der Solidarität für die Herstellung und Stationierung Mitgliedern von People's Democracy und einem Unorganisierten; ein nicaraguanische Revolution akvon Atomwaffen durch die im- Genosse von Sinn Féin war auch da. Wir fanden, das Lager war tiv, für den Befreiungskampf in perialistischen Mächte: der erfolgreich, interessant und angenehm. Wir nahmen an vielen Ar- El Salvador des kanakischen Kampf gegen den Rassismus beitsgruppen teil: Frauenbefreiung, Iran, Homosexuelle usw. Sie Volks in der französischen Pazi- . und die Angriffe auf die Arbeitswaren für uns alle von Nutzen. Jedoch das beste Gespräch, das wir fik-Kolonie Neukaledonien. Eiimmigration in Europa; die erlebten, war das mit dem Partisanenveteranen André Calves aus der ne Abordnung kanakischer Ju- Kämpfe um Frauenrechte, ins- Bretagne. Allein schon wegen der Parallele zwischen dem von den gendlicher nahm denn auch am besondere der für Abtreibung Nazis besetzten Frankreich und dem britisch besetzten Irland fanden Lager teil.

und Kontrolle über den eigenen wir es interessant. Die irische Delegation leitete auch selber eine Körper. Andere Themen waren Arbeitsgruppe, wo wir die augenblickliche Lage in Irland erklärten. 22 Länder die kapitalistische Umweltzer- Beteiligung und Interesse daran waren lebhaft. Wir freuen uns auf störung, darunter eine Arbeitsnächstes Jahr, wo hoffentlich die Kommunikation untereinander gruppe über die Katastrophe genausogut wie dieses Jahr klappen wird. Große Delegationen von je über von Bhopal in Indien, sowie die

Seite 39

men hatte, Gewerkschafter aus Belgien und Dänemark und weiteren Ländern mit Ertahrungen aus wichtigen gewerkschaftlichen Kampten..

„Wir sind alle Sandinisten"

Die zweite Kundgebung, die zugleich das Lager beendete, gab der Entschlossenheit aller Ausdruck, weiter und verstärkt die Solidaritätsarbeit mit den zen- Fiji tralamerikanischen Revolutionen, aber auch anderen Revolutionen in der ganzen Welt zu betreiben.

Redner der FMLN-FDR aus El Salvador, der FLNKS aus Neukaledonien, von Sinn Féin aus Irland und vom Vereinigten Sckretariat der Vierten Internationale traten auf. Die Grußbotschaft der Sandinistischen Jugend, wurde berthrer Verlesuns immer wieder von Beifall und Sprechchören in allen Sprachen unterbrochen, davon am beliebtesten war: „Somos todos Sandi- die Einschränkung der Abtreinistas!" (Wir sind alle Sandini- bungsmöglichkeiten einserseits sten!). und die Zwangssterilisierung Gayle vom Nationalbüro der andererseits aufruft. JCk rief abschließend alle Jugendlichen auf, sich im Kampf Ein Treffen der Delegationsgegen den Rassismus und für leitungen am letzten Tag gleiche Rechte der Immigration schätzte das Lager als großen zu engagieren und zur Demon- Erfolg in der Vertiefung der Zustration am 1. Dezember in Pa- sammenarbeit und im Aufbau ris zu mobilisieren. Eine Reso- der revolutionär sozialistischen lution wurde verabschiedet, die Jugendorganisationen ein. Man die Freilassung der gefangenen war allgemein der Meinung, in britischen Bergleute verlangt. zwei Jahren sollte das dritte Laund eine, die zum Kampf gegen ger dieser Art stattfinden. Labour Party gegründet Am 6. Juli wurde in Suva auf den Fiji-Inseln eine Arbeiterpartei gegründet, die Fiji Labour Party. Modell hierfür war die britische Labour Party: 35 dem Dachverband Fiji Trade Union Congress angeschlossene Einzelgewerkschaften treten als Trägerinnen der neuen Partei auf. Der FTUCorganisiert 50% der 80 000 Lohnabhängigen der Inselgruppe.

Schweden

Der Generalsekretär Krishna Datt sagte, die Partei wolle sich schon dieses Jahr an Nachwahlen für das Unterhaus beteiligen. Die Gründung der Partei wendet sich auch gegen die Wirkungslosigkeit der traditionellen Oppositionspartei National Federation Party, die praktisch nur von Indern unterstützt wird. Die Briten hatten im vorigen Jahrhundert so viele indische Arbeiter nach Fiji verschleppt und hingelockt, daßsie der Friedenstruppe auf der Siheute über 50 % der Einwohner nai-Halbinsel. Die Politik der stellen. regierenden Alliance Party is: Die Arbeitslosigkeit ist bei im Inland von den Interessen Fehlen einer Sozialversicherung der Unternehmer und der extrem hoch. Die Zuckerbau- Häuptlinge bestimmt. er wurden durch sinkende Deshalb strebt die Fiji Labour Weltmarktpreise und Dürre' Party „eine Politik der Blockschwer getroffen. Und die Re- freiheit" und eine Überwindung gierung verfolgt eine äußerst der Rassenschranken im Sinne proimperialistische Politik. So der Klassensolidarität an; ihr stellt sie einen Teil des UNO Ziel ist der _demokratische So- Kontingents im Libanon und zialismus". Der Wahlkampf der Sozialistischen Partei

Die Wahlen in Schweden am 15. September brachten entgegen den verschiedenen Vorhersagen nur geringe Verschiebungen zwischen den beiden großen Lagern. Die Sozialdemokratie wird mehr als zuvor auf die Unterstützung der Kommunisten angewiesen sein; im bürgerlichen Lager hat sich das Gewicht zu den Liberalen verschoben, die am konsequentesten für eine Sparpolitik eintreten.

Die Socialistiska Partikonnte ihre Stimmen gegenüber ihrem ersten Auftretenauf Wahlebene vervierfachen und erreichte 16 238 Stimmen, was 0,3 % entspricht. Bei den gleichzeitig stattfindenen Kommunalwahlen kam sie in Stockholm auf 0,6 %, in Göteborg auf 1 %, in vielen anderen Orten leider nur knapp verfehlte. Interessant ist die starke Häufung ihrer Stimmen in Arbeiterbezirken, die bis um die 5 % geht.

Die SP hatte ihren Wahlkampf unter dem Motto »Arbeiter- und Jugendprotestwahlgeführt. Gemeint war der Protest gegen die einsetzende Sparpolitik der sozialdemokratischen Regierung. Zu diesem Zweck versuchte die SP, andere Kräfte für eine Teilnahme an den Listen zu gewinnen. Dies war schwierig, weil sogar andere linke Parteien wie die altstalinistische AKP und eine vormals maoistische ihre Kandidatur in letzter Minute wegen der Polarisierung zugunsten der Sozial: demokratie zurückzogen. Auf der Liste der SP standen SVE valj S ARİATAI

ROTEST

WILD

Socialistiska partiet tionale), 5 von der Sozialisti- die in Stockholm überall an die schen Liga (Morenoisten", die Wände gesprüht wird mit sich 1979 von der IV. Interna- Sprechblasen: „Benny will einen tionale abspalteten) und 15 von Job", „Benny will das Glück" einer Jugendorganísation na- „Benny denkt". Benny kann almens Benny. les tun" usw. Benny ist ein neuartiges Phä- Ein weiteres Merkmal der nomen. Diese Organisation er- kleinen, aber unsektiererischen faßt vor allem 14- 18-jährige mit Wahlkampagne war die Untereiner anarchismusartigen Ein- stützung. die ihr sowohl aus • und in Köping aut 2 %. Dort lament vertreten sein, was sie in Ny 173 Obtaher 1995 schließlich 15 Unabhängige, 20 Mitglieder der Jungsozialisten (in Sympathie zur IV. Internastellung. „Benny" selbst ist eine Kreisen der lateinamerikanietwas komisch aussehende Co. schen als auch der polnischen mie-figur mit Häschenzähnen, Immigration zufiel.