UND INTERNATIONALE ARBEITERBEWEGUNG Gouadéloupe
Treffen von Befreiungsorganisationen in den Kolonien Frankreichs
Vom 5. - 7. April fand in Moule auf Gouadeloupe eine Internationale Konferenz der letzten Kolonien Frankreichs auf Initiative der Union Populaire pour la Libération de la Gouadeloupe (UPLG) statt. Folgende antikolonialistische Organisationen nahmen daran teil: die FLNKS aus Neu-Kaledonien, vertreten durch Yann Céléné, Außenminister der Provisorischen Regierung von Kanaky, Mouvement pour l'Independence de la Réunion (MIR), die für Unabhängigkeit eintretenden Abgeordneten von Guyana (Cayenne) sowie die Union des Travailleurs Gwayanais(UTG), Mouvement pour l'Independence de la Martinique (MIM) und ebenfalls aus Martinique der Conseil National des Comités Populaires (CNCP), die Front Democratique des Comores für die Insel Mayotte, die nach der Unabhängigkeit der Komoren weiter französische Kolonie blieb. Zwei Organisationen konnten nicht zugegen sein, die Front de Libération de la Polynesie und die Partei POMARE, auch aus Polynesien.
Von allen eingeladenen Grup en aus dem Mutterland konnten nur die Parti Socialiste Unifié (PSU), die Parti Communiste Marxiste-Léniniste de France (PCMLF) und die Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR, franz. Sektion der IV. Internationale) sowie eine Vereinigung fortschrittlicher Rechtsanwälte teilnehmen. Die französische Regierung hatte polizeiliche Maßnahmen ergriffen und einer großen Zahl von Leuten, die verdächtigt wurden, nach Gouadeloupe zu diesem Treffen zu wollen, das Visum verweigert. Unterstützungstelegramme kamen von der ANC (Südafrika), der SWAPO (Namibia), der Bundestagsfraktion der Grünen, von Jean Ziegler (prominenter Schweizer Sozialdemokrat) und vom Weltkirchenrat.
„Kanaken-Effekt"
Die Presse war auf dieser Konferenz der letzten französischen Kolonien stark vertreten. Immerhin haben die Erklärung des Staatssekretärs für die DOM- TOM (so die Verwaltungsabkürzung für die Kolonien), die die Abhaltung der Konferenz angriff, sowie die Teilnahme des kanakischen Außenministers, mit dazu beigetragen, der Versammlung ein breiteres Echo zu verschaffen. Auch nimmt die Presse, die von den Ereignissen in Neu-Kaledonien im November 1984 etwas überrascht worden war, nun aus rein journalistischen Zwecken einen „Kanaken-Effekt™ vorweg und bauscht ihn zuf obwohl die Auswirkungen auf die anderen französischen Kolonien heute viel bescheidener sind, als die Medien vorgeben. Dennoch bleibt wahr, daß zum Beispiel die antikoloniale Mobilisierung auf Gouadeloupe eine der entwickeltsten ist.
Das Treffen von Loule, das mit einer öffentlichen Kundgebung mit Tausenden Teilnehmern zu Ende ging, war für die Organisatoren zweifelsohne ein Erfolg. Das Getobe der örtlichen Rechtsextremisten, die die Bevölkerung dazu aufgerufen hatten, die Konferenz nicht zuzulassen, war erfolglos. Die UPLG hatte die Sicherheit der Versammlung gut vorbereitet. Es wurde beschlossen, ein Verbindungskomitee für alle DOM-TOM einzusetzen. Seine erste, der UPLG anvertraute Aufgabe wird darin liegen, die Beschlüsse des Wochendes zu verbreiten. Eine gemeinsame diplomatische Demarche gegenüber der UNO wurde ins Auge Französischen Kolchen wieder auf die Liste der zu entkolonisierenden Länder kommen. Die FLNKS hat schon für Neu-Kaledonien eine ähnliche Initiative ergriffen.
Auch wenn das Echo in den Massenmedien groß war und wichtige Verbindungen geknüpft wurden, ist es doch fraglich, ob diese Konferenz schon so bald zu permanenten Koordinationsstrukturen für die Mobilisierungen in allen DOM. TOM führen wird. Schon allein deshalb, weil die einladende UPLG in Guadeloupe selbst unsere Genossinnen und Genossen von der Groupe Révolution Socialiste sowie die Groupe Combat Ouvrier (Antillen-Sektion der IV. Internationalebzw. Schwesterorganisation von Lutte Owvrier in Frankreich) von der Teilnahme ausgeschlossen hatte. Dadurch waren auch die Diskussionen in den Arbeitsgruppen etwas arm. So wurde übergangen, konkreten Inhalt die nationale Unabhängigkeit haben sollte, denn sozialistische Strömungen waren kaum vertreten.
Welche nationale Unabhängigkeit?
Trotz widersprüchlichen Aussagen etlicher UPLG-Führer zu programmatischen Fragen und zur Einheitsfront wurden von ihr doch interessante Vorschläge formuliert. Es ist nicht unerheblich, von einer nationalistischen Strömung, die vor wenigen Jahren noch proklamierte: „Ein Volk, eine einzige Organisation, ein einziger Weg — die Unabhängigkeit!" ", heute zu hören, daß „die nationale Revolution nicht das Werk einer einzigen Partei sein wird. [...)Sie muß auch eine Volksrevolution sein und die Interessen der Arbeiter und Bauern befriedigen... Die politische Macht muß notwendigerweise Vertreter der Arbeiter und Bauern umfassen. Sie muß das Recht auf Kritik, das Streikrecht und das Demonstrationsrecht der Massen wahren." Sicherlich haben hier die Erfahrungen von Grenada und Nicaragua eine Rolle gespielt. Auch die Tatsache, daß die L.CR eingeladen und das ein Interview mit dem LCR-Vertreter über Radio Tambou, dem freien Sender der UPLG, ausgestrahlt wurde, sind positive Zeichen für die Verbesserung der Beziehungen der LCR zu den antikolonialen Kräften. Nicht alle auf der Konferenz vertraten eine breite Bewegung. Schließlich sind auch die Unabhängigkeitsideen und -bewegungen in den DOM-TOM noch sehr unterschiedlich entwickelt. Dennoch kann man die Konferenz als ein kleines historisches Ereignis bewerten, alseinen „ersten Schritt zu einer noch breiteren Sammlung der antikolonialistischen Kräfte der DOM-TOM", wie es die Grußbotschaft der LCR wünschte. Außerdem nutzten unsere Genossinnen und Genossen von der GRS die Anwesenheit eines Vertreters der LCR zu einer öffentlichen Veranstaltung auf Martinique über Neu-Kaledoniewn, zu zahlreichen Radiointerviews darüber, darunter auch bei den Stationen der Partei des Bürgermeisters der Hauptstadt des bekannten Schriftstellers Aimé Césaire, sowie der KP von Martinique, sowie zu weiteren Veranstaltungen zum Buch der LCR •Nouvelle-Calédonie, la révolte kanake*, von dem schon über 200 Exemplare auf den Antillen verkauft wurden.
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