Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Hongkong

Für demokratische Selbstregierung

Inprekorr Nr. 160, 20. Januar 1984 · S. 20-24 · 3.519 Wörter

China Jugend und Studenten Großbritannien

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Für demokratische Selbstregierung aus International Viewpoint 43, 26.12.83 Hongkong ist seit 1842 britische Kolonie. Mit Hongkong wird von einem Exekutivrat verüber 5 Millionen vorwiegend chinesischen waltet, der vom britischen Gouverneur ernannt Einwohnern ist es die volkreichste unter den wird und zu allen die Kolonie betreffenden wichheute noch verbliebenen britischen Besitzungen. tigen Entscheidungen bemächtigt ist. Die Rats- Die Kronkolonie Hongkong besteht aus der mitglieder sind vereidigt, ihre Beratungen gleichnamigen Insel und dem gegenüberliegen- geheim zu halten, und die Sitzungsprotokolle den Festland. Das Territorium wurde „auf fallen unter die „30-Jahre-Regelung" ", die sie der Dauer" von China im Vertrag von Nanking Öffentlichkeit für diesen Zeitraum unzugäng- 1842 an Britannien abgetreten; dieser Vertrag lich macht. Eines der Ratsmitglieder sagte letzwar China im Gefolge des Ersten Opiumkrieges tens sogar gegenüber der Far Eastern Economic aufgezwungen worden. In der Über et unft von Review, dieses System sei notig, da „Hongkong Peking 1860, nach dem Zweiten Opiumkrieg, für freie Wahlen nicht reif sei." Hinter dem wurden Hongkong Kaulun auf dem Festland sprichwörtlichen finanziellen Wunder dieses und die Steinmetz-inseln hinzugefügt. Nach kapitalistischen Regionalzentrums verbirgt sich Chinas Niederlage im Krieg gegen Japan 1894 in Wirklichkeit die Ausbeutung der großen nutzten die Briten diese Schwäche, um schließ- Masse der chinesischen Bevölkerung und deren lich das Abkommen von 1898 durchzusetzen, in Ausschluß von jeder Entscheidung über ihre dem ein weiterer Festlandteil, die New Territories eigenen Angelegenheiten. Das Recht auf Selbstfür 99 Jahre gepachtet wurde. Diese drei Abkom- bestimmung und der Kampf gegen koloniale men machen zusammen den Status der briti- Beherrschung sind für die chinesischen Massen schen Kolonie aus. Hongkongs verknüpft.

Das Ende des Pachtvertrages wirft die Fort- Die chinesische Regierung ihrerseits hat 1997 dauer der Existenz ganz Hongkongs auf, da die- als das Datum festgesetzt, an dem die chinesische ses ohne die Quellen der New Territories als Insel soll.

mit einer der dichtesten Bevölkerungen der Welt Peking hat über verschiedene Kanäle wissen lasnicht lebensfähig wäre. Jenen entstammen bei- sen, seine zukünftige Präferenz sei eine Formel, spielsweise 90 % des ertorderlichen Trinkwassers die Hongkong zu einer „Sonderverwaltungseinfür die Insel, auf der die Mehrheit der Finanz- heit" machen würde. Außer einigen Erklärunund Handelseinrichtungen ihren Sitz hat. gen über die Möglichkeit für die chinesische Es laufen seit dem September 1982 zwischen Bevölkerung, über ihre Zukunft zu entscheiden, der VR China und Großbritannien Verhandlun- hat die KPCh aber ihre genauen Vorschläge gen über die Zukunft der Kolonie. Die siebte über das Schicksal der Kolonie nicht öffentlich Runde der in absoluter Geheimhaltung geführ- vorgestellt.

ten Verhandlungen endete am 8. Dezember Diese Haltung wird ihr seitens der chinesi- 1983. schen Bevölkerung Hongkongs keine massen- Sich als „Repräsentant des Volkes von Hong- hafte Unterstützung einbringen. Hinter dem kong" aufspielend hat Sir Edward Youde, der Vorschlag der „Sonderverwaltungseinheit" Gouverneur und Mitglied der britischen Ver- scheint sich eher die Idee ökonomischer und handlungsdelegation, mehrmals Stellungnah- finanzieller Zugeständnisse an die örtliche Bourmen abgegeben, die über Britanniens Wunsch geoisie und das ausländische Kapital zu verbernicht den geringsten Zweifel zulassen, die Kolo- gen als an das Kecht der Volksmassen aul nie in der einen oder anderen Weise unter Kon- Selbstbestimmung. Dieses kann nur durch die trolle zu behalten. Erfüllung einer Reihe von demokratischen For-

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InPreKorr 160, 20.1.1984 revolutionär marxistischen Zeitschrift in Hongderungen oder gar die Ermutigung zur Mobilikong, die die Position unserer Strömung zur sierung gegen koloniale Beherrschung Notwendigkeit der Anerkennung der demokragewährleistet werden.

tischen Rechte der Volksmassen und der Wieder- Nachfolgend drucken wir einen Artikel aus abgabe der Hoheitsrechte an die VR China wider- October Review vom November 1983 ab, einer Auf Einladung des Nationalen Zu Punkt eins vermeldete die Er- Chinesischen Studentenverbandes klärung: „Die befaßten Autoritäten sandte vom 9. - 23. Juli 1983 der klärten auf, Wiedergewinnung der Hongkonger Studentenbund eine Hoheit über Hongkong meine Herr- Delegation nach Peking, Shanghai schaft in Hongkong; Souveränität und Kwangchou. Beiihrer Rückkunft und Herrschaft seien untrennbar... gab die Delegation eine Presseerklä- Eine den Briten übertragene oder eine rung heraus, die „Chinas Politik, was gemeinsame Herrschaft seien un- Hongkongs Zukunft anbelangt" ent- möglich." Es wurde der Delegation hüllte, wie sie ihr von den „Autoritä- auch mitgeteilt, „Der ,angemessene ten, die mit der Handhabung Hong- Zeitpunkt' der Hoheitsübernahme konger Angelegenheiten beschäftigt beziehe sich auf 1997. sind," erklärt wurde. Laut Zeitungsberichten sagte Hu Laut Presseerklärung „betonten Yaobang letztens dem Direktor der die befaßten Autoritäten, daß... diese japanischen Mainichi Shimbun: „Was Linie weder die Versprechungen von die sogenannten drei Abkommen ein oder zwei Personen noch die Be- über Hongkong angeht, so betrachschlüsse untergeordneter Beamter ten wir sie als ungerecht. Aber sie sind oder Behörden seien, sondern die nun mal eine Tatsache, und in ihnen grundlegende nationale Politik." steht, daß sie am 30. Juni 1997 auslau- Bevor wir auf die Politik der KPCh fen. Wir beabsichtigen daher weder, eingehen, wie sie in der Presseerklä- das Datum hinauszuschieben, noch, rung deutlich wurde, ist es nötig, die es vorzuverlegen. Wir werden Hong- Bemühungen der Delegation des kong am 1. Juli 1997 zurücknehmen. Hongkonger Studentenbundes zu Das ist unsere, Chinas, Art, die Gewürdigen. schichte zu respektieren." Es ist eine Vielzahl von Personen So erfährt das Volk zumindest, der Ober- und Mittelschichten nach wann die KPCh die Hoheit wiederzu- China eingeladen worden, die sich gewinnen gedenkt, und dais sie Fremdann über Chinas Vorgehen zu Wort den die Herrschaft nicht abtreten meldeten; aber deren Berichte waren vage und undeutlich, außerdem auf Aber die chinesische Regierung die Sorge um die Interessen der Besit- muls die Macht des Volkes erstmal zenden beschränkt. Die Studenten anerkennen, bevor sie der Welt verdagegen gingen von den Interessen künden darf: Daß China die Hoheit des Landes aus, als sie den chinesi- über Hongkong wiedernimmt, beschen Autoritäten ihre Fragen stell- deutet, die ganze Nation herrscht ten und die Ergebnisse des Besuchs wieder über ihre ehemaligen Territohernach veröffentlichten. rien, während das Volk "Tong So kann die Öffentlichkeit zu ei- kong das Recht auf Selbstbestimnem besseren Verständnis der Politik mung hat. der KPCh Hongkongs Zukunft be- Nur wenn die Souveränität beim treffend gelangen, besonders, welche Volk liegt, sind Souveränität und Richtung sie bezüglich der Verbesse- Herrschaft nicht voneinander gerung der Lebensbedingungen der trennt und gibtes echte Selbstbestim- Bürger von Hingkong angibt, wie mung. Nur dann kann sich die chine- Wahlen, Sozialreformen und Lebens- sische Regierung die Unterstützung haltung. der Nation von China und Hong- Laut Presseerklärung erarbeiteten kong erwerben sowie die der Unterdie Zuständigen zwei Seiten der Poli- drückten der ganzen Welt. tik der KPCh: der Souveränität wäh- Aber weil genau die KPCh das Volk rend der Verhandlungen mit den Bri- aller seiner Rechte beraubt, das Land ten und des Verhältnisses zwischen zu verwalten und zu regieren, und die hina und Hongkong nach der W1 Macht monopolisiert, und wegen ihergewinnung der Souveränitä rer fehlgeschlagenen Politik sind es die Leute gewohnt, Chinas Wiedergewinnung der Hoheit über Hongkong mit Ausdehnung der diktatorischen Herrschaft der KPCh gleichzusetzen.

Abwartehaltung

So kommt es, daß heute, wo Britannien unfähig ist, die gewaltsame Besetzung fortzusetzen, die Mehrheit des Volkes in China und Hongkong eine Abwartehaltung einnimmt. Nur eine Minderheit aus Intellektuellen, Jugendlichen, einigen Arbeitern und revolutionären Marxisten steht gegen die Kolonialherrschaft auf. Und die hiesige Bourgeoisie kann im Bündnis mit den Kolonialherren in aller Ruhe von der „Aufrechterhaltung des status quo* reden und sich um die Verlängerung der Kolonialherrschaft bemühen.

Beim Wiederfordern der Hoheit von den Briten steht die KPCh auf schwachen Füßen. Obwohl sie behauptet, die Abkommen über die New Territories nicht anzuerkennen, tut sie dies in Wirklichkeit doch. Hus Rede machte dies völlig klar. Die Einstellung der KPCh zur Erlangung der Hoheit gründete sich auf das Auslaufen der Gültigkeit des Vertrags, im Namen der Respektierung einer historischen Tatsache: der Erpressung Chinas durch die Imperialisten.

Bei so einer Ausgangsposition wird die KPCh wohl am Verhandlungstisch an die Briten Zugeständnisse machen, soweit, daß letztere ihre Interessen werden wahren können, die sie „historisch" erlangten — außer der Übergabe der formalen Gewalt an die KPCh.

Solch ein möglicher für China als Nation unvorteilhafter Kompromif kann nur in Geheimverhandlungen erreicht werden. Das chinesische Volk, besonders aber die Bewohner Hongkongs, muß solche Geheimgespräche ablehnen! Geheimverhandlungen heißen, daß die beiden Parteien die Interessen des Volkes als Objekt für ihre Geschäfte unter'm

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InPreKorr 160, 20.1.1984 Ladentisch benutzen. Wo das Volk heute sogar seines fundamentalen Rechts beraubt ist, Bescheid zu wissen, wie kann es dann Meister seines, Hongkongs, Geschicks werden? »Sonderverwaltungseinheit« Bezüglich der zukünftigen Bezielungen riongkongs und seiner be rohner zum übrigen China — genau er, zur KPCh - äußerte sich das Kommunique so: » Wenn China die Hoheit wiedergewinnt... wird es gemäf Artikel 31 der Verfassung Hongkong für eine Sonderverwaltungseinheit vorsehen," um „in hohem Maise örtliche Selbstverwaltung zu genie- Ben."

Die Selbstverwaltung wird noch in zehn Punkten spezifiziert. Zusammengefaßt sind diese: Das Regierungsrecht wird letztlich von der KPCh wahrgenommen, aber das kapitalistische System aufrechterhalten, die wirtschaftlichen Vorrechte der Kolonialisten werden nicht angetastet, und diese sollen in die Struktur eines „Hongkong, regiert vom Volk von Hongkong" integriert werden. Mit anderen Worten verlangt die KPCh von den Massen, in der Antangsphase der neuen Souveränität von der Unterwertung unter Kolonialherrschaft zur Unterwerfung unter Kolonialherrschaft und Herrschaft der KPCh zu wechseln — ohne eine Änderung des Unterdrückungszustands, eher vom Regen in die Traufe.

FAZ, 16.1.84 n Hongkong er Arschreitungen HONGKONG, 15. Januar (dpa). Bei schweren Ausschreitungen in der britischen Kronkolonie Hongkong sind mindestens 32 Menschen verletzt worden. Nach Angaben der Polizei wurden rund 150 Personen festgenommen; die Ruhe sei inzwischen wiederhergestellt worden. Zu den Ausschreitungen war es am Freitag. und in der Nacht zum Samstag gekommen, nachdem Taxifahrer gegen die Erhöhung ihrer Lizenzgebühren gestreikt und den Straßenverkehr in Hongkong mit ihren abgestellten Wagen lahmgelegt hatten. Mehr als 10 000 Menschen - vorwiegend Jugendliche — zogen plündernd durch die Straßen. Sie warfen die Scheiben von Schaufenstern, Bussen und Autos ein und stießen Personenwagen um. Aus Läden geraubte ider und Schuhe wurden auf, dir beworfen und in Bam

Aber dies schließt die Möglichkeit einer unmittelbaren Herrschaft der KPCh in der Zukunft nicht aus. Die Zuständigen sprechen von ihrer „sehr prinzipienfesten Position" und „gro- Ben Flexibilität" ', was heißen soll, die KPCh könnte, wenn nötig, die Armee nach Hongkong einrücken lassen, um es unter direkte Verwaltung zu stellen.

Obwohl die KPCh „Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Hongkongs, die alle durch das Volk von Hongkong entschieden und gehandhabt werden würden," versprach und dies als die grundlegende Nationalpolitik Chinas betonte, hat die Bevölkerung kein Vertrauen, da sie die vorangegangenen Schwankungen und gebrochenen Versprechen der KPCh kennt.

Damit das Volk von Hongkong in die KPCh Vertrauen haben kann, sind folgende Bedingungen notwendig:

1. Wenn die Bevölkerung von Festlandchina demokratische Reformen und die nationalen Minderheiten Autonomie verlangen, wird die KPCh in der Praxis ihre Ernsthaftigkeit beweisen und die Macht den Arbeitern und Bauern übergeben, den Minderheiten Selbstverwaltung gestatten. Zuerst müssen alle politischen Gefangenen freigelassen werden, das Recht auf freie Rede, das Recht der Arbeiter und Bauern, sich in politischen Organisationen und Parteien zusammenzufinden müssen gewährleistet werden - mit einem Wort: sozialistische Demokra- 2. Die KPCh als augenblicklich größte Partei in China muß sofort die Angehörigen der unteren Schichten Hongkongs ermutigen sich zu organisieren und ihnen dabei helfen, den Kampf um die Gewinnung ihrer Herrschaft zu führen. Zugleich sollte sie zwischen sich und der Bourgeoisie einen Trennungsstrich ziehen. Nur dann kann die breite Masse der Arbeitenden Vertrauen gewinnen und „in hohem Maße örtliche Selbstverwaltung" verwirklicht werden. Aber die Erfahrung sagt uns, die KPCh kann dies nicht tun. Ihre verschärfte Repression gegen die demokratische Bewegung in China zeigt, daß sie bei demokratischen Reformen nicht ehrlich ist.

• Für die dringenden demokratischen Reformen, die jetzt gebraucht werden — Beteiligung des Volkes an der Politikführung, Formulierung von Gesetzen und Herausbildung eines Rechtswesens — sowie soziale Reformen schiebt die KPCh die Verantwortung auf das Volk von Hongkong ab.

Zugleich bleibt die KPCh dabei, daß „Hongkong seine heutigen Gesetze beibehalten dart, außer denen die der Souveränität widersprechen." Die Bourgeoisie und ihre Kolonialisten dürfen also ihre finanzielle Macht behalten, Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung in ihrem Sinne kontrollieren, und es wird auch nach der Wiedergewinnung der Souveränität keine Änderung an der Unterdrückung und Ausbeutung der Massen geben, es sei denn diese entwickeln eigene Kräfte, um für Veränderungen zu kämpfen.

Hongkongs Selbstverwaltung kann nur verwirklicht werden, wenn die Massen dafür selber die Bedingungen schaffen, sich mobilisieren und organısieren und zugleich den Arbeitenden in China bei deren eigenen Erhebung helfen, damit sich schließlich beide die Hand reichen und auf dem Weg zur Selbstherrschaft voranschreiten können.

Daß dieser Weg richtig und dringend gegeben ist, wird dauernd klarer. Denn alle, die Chinas Wiedervereinigung bejahen, aber bürokratische Privilegien ablehnen, verlangen demokratische Reformen auf dem Festland, in Hongkong, Macao und Taiwan des Volkes für die Selbstherrschaft erreicht. Solche Ideen haben schon in Dokumenten einiger Studentenorganisationen und politischer Vereinigungen Eingang gefunden.

Die Mehrheit der Arbeitenden Hongkongs zieht es vor, über die Zukunft ihrer Stadt zu schweigen. Sie findet die Kolonialherrschaft unerträglich, will aber auch nicht unter Bürokratenherrschaft leben. Noch mangelt es ihr an Selbstvertrauen, einen eigenständigen Kampf aufzunehmen, zumal sie nichts von Unterstützung seitens der Massenbewegung in China verspürt.

Soziale Kämpfe

Dennoch kämpft sie um eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen.

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und ihres politischen Status' , wie es sich in den sich ausdehnenden und verschärfenden betrieblichen Kämpfen, Stadtteilkämpfen und im Widerstang gegen Preiserhöhungen und erhöhte Verkehrstarife ausdrückt. Weitere Mobilisierungen zur Vereinigung der verstreuten Kämpfe und eine klare Führung derselben sind nötig, um die soziale Bewegung auf die Ebene des verallgemeinerten Kampfes um Selbstbestimmung zu heben. Fortschrittliche Elemente haben die Pflicht, ihre eigenen politischen Positionen neu zu definieren und demokratische Reformen mit den täglichen Bedürfnissen der Massen zu verbinden. Durch den Kampf um Verbesserung der Lebensbedingungen können das Bewußtsein und das Selbstvertrauen der Massen gesteigert werden. Das bedeutet, progressive Elemente müssen an der Seite der Massen stehen und von unten auf die nationale und demokratische Bewegung vorantreiben.

Da sowohl die KPCh als auch die britische Regierung in Hongkong für sich beanspruchen müssen, jeweils den Volkswillen zu repräsentieren, und beide sich an die Formel von der „Respektierung" desselben klammern, kann und sollte das Volk von Hongkong diese verbalen Versprechungen ausnutzen, um auf seine Rechte zu pochen.

Angewandt auf die „Sonderverwaltungseinheit" hieße das:

1. Wie die Studentenorganisationen schon sagten, ist eine Reform hier und jetzt absolute Vorbedingung der Wiedergewinnung der Souveränität durch China. Anders können Souveränität und Herrschaft nur an die fallen, die den ungerechten Zustand beibehalten wollen. Die chinesische Regierung muß das Hongkonger Volk zur Teilnahme an der Politik ermutigen und Veränderungen in den augenblicklichen Bedingungen unterstützen.

Die fortschrittlichen Massen von Hongkong kämpfen heute für demokratische Reformen wie - Aufhebung aller Gesetze und Verordnungen, die die Menschenund Bürgerrechte verletzen, Ausarbeitung von Gesetzen und Verordnungen, die diese Rechte garantieren; - Verbesserung der Lebensbedingungen, darunter Festlegung eines Mindesteinkommens und Schaffung InPreKorr 160, 20.1.1984 einer sozialen Absicherung; 3. Die schwammige Stellungnah- - Schulbildung in der Mutterspra- me, daß „alle inneren Angelegenheiche, elf Jahre kostenloses Bildungssy- ten Hongkongs vom Volk von Hong stem und seine Demokratisierung; werden sollen, ment so konkreisere beschlossen geregelt Kontrolle der großen Industrie- Handels- und Finanzeinrichtungen, werden: Demokratische Herrschaft Abschöpfen der großen Profite und über Hongkong durch das Volk. Die- Unterdrückung der Spekulation; se sollte mittels eines mit allen Voll- Ausweitung der politischen Be- machten ausgestatteten Deputierteiligung der Bürger und Reform der tenkongresses und einer von den ganzen politischen Struktur. Bürgern überwachten Regierung be- Mit einem Wort kämpfen die Mas- werkstelligt werden. Das bedeutet sen heute schon um das Recht zu - Eine allgemeine Volksmobilisieherrschen und warten nicht bloß, bis rung zur Teilnahme an der Politik die Souveränität wiedererlangt ist. mithilfe allgemeiner Wahlen und der 2. Heute verschärfen die Regierung Festlegung des Volksrechts auf Teilvon Hongkong und die Bourgeoisie nahme an der Beschlußfassung, auf ihre Übergriffe auf das Volk mittels Überwachung und Abwahl der Regieihres Systems der Privatwirtschaft. Angesichts des Versuchs der Regie- - Öffnen von Kanälen, auf denen rung, öffentliches Eigentum privat das Volk alle nur möglichen Ideen verfügbar zu machen, ist zu fordern, vorbringen kann, durch die Ausdaß alle beweglichen und festen Gü- übung voller Redefreiheit, Pressefreiter, die unter dem Namen der Regie- heit, Versammlungsfreiheit, Organirung geführt werden, der Allgemein- sationsfreiheit etc., heit zustehen, der Reservefond nach Beschränkung der Zugriffsmög- Hongkong transferiert und die Priva- lichkeiten der Polizeiorgane, ihre Betisierung aller öffentlichen Einrich- schränkung auf das Vorgehen gegen tungen verboten werden sollen. echte Verbrecher; die Alltagsord- Wegen der Bestrebungen der aus- nung des Volkes soll durch Selbstdisländischen Konzerne, über ihre Mo- ziplin und Selbstverwaltung, vor alnopolstellung in wichtigen Zweigen lem durch Nachbarschaftsorganisader Wirtschaft den Lebensstandard tionen aufrechterhalten werden; der Leute zu kontrollieren, ist zumin- - Alle Vorschläge Gesetzgebung, dest diese Forderung notwendig, daß Rechtsprechung, Verwaltung und soalle öffentlichen Einrichtungen auch ziale Sicherheit betreffend werden wirklich öffentlich betrieben werden. zuerst im ganzen Volk frei diskutiert Lo Wu Sheung Shui Mire Bay

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InPreKorr 160, 20.1.1984 und schlieislich von einem mit aller Macht ausgestatteten und aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Volksdelegiertenkongreß beschlossen. Auch die höchsten Beamten sollten nur von diesem Kongreß ernannt werden.

Demokratische Reformen in China

Während sich um Hongkongs

Rückkehr an China bemüht wird, müssen demokratische Reformen in China durchgeführt werden. Die Chinesen in Hongkong wollen einen demokratisch gewählten, mit der ganzen Macht ausgestatteten Kongreß von Arbeiter- Bauern- und Soldatenabgeordneten in China. Sie sind bereit, ihren Hongkonger Kongreß einem solchen nationalen Volkskongreß unterzuordnen. Aber sie sind nicht allzu bereit, ihn einer beliebigen „Versammlung" oder Regierung untergeordnet zu sehen, die die Rechte des Volkes mit Füßen treten, von der Bürokratie manipuliert werden und dem Volk feindlich gegenüber stehen. Wenn es in China keine demokratische Reform gibt, behält sich das Volk von Hongkong das Recht vor, selber zu entscheiden, wann und wie Hongkong an China zurückkehrt. Die das Land mit der Partei gleichsetzen, mögen da „Separatismus" rufen. Aber, wie viele politische Organisationen in Hongkong betont haben, Identifikation mit einem Land ist nicht identisch mit Identifikation mit einem Regime. Möglicherweise wird es bis zur Wiedergewinnung der Souveränität zum von der KPCh festgesetzten Datum 1997 demokratische Reformen in China gegeben haben. Wenn das der Fallist, braucht es keine Sorgen um „Separatismus" zu geben. Im übrigen gestattet der heutige Plan der KPCh der Bourgeoisie sogar das Recht, sich vom Wirtschaftssystem Chinas zu „separieren."

Laut Kommunique sagte die KPCh, daß „die Rechte, die Trotzkisten und alle religiösen Persönlichkeiten" an Wahlen werden teilnehmen können und daß „der Kuomintang, den Trotzkisten und jedermann mit einem besonderen politischen Hintergrund ihre Aktivitäten nicht eingeschränkt werden, solange sie nicht auf Sabotage verfallen."

Daß die KPCh das sagte, ist einerseits ihrem Bedürfnis geschuldet, Gegner auf ihre Seite zu ziehen, andererseits eine Spiegelung des Drucks der Massen. Im Falle der Trotzkisten muß die KPCh eingestehen, daß sie eine Kraft sind, da sie über Jahre hinweg ihre Stellung halten konnten und einen gewissen Einfluß unter den Massen ausüben.

Das sollte letzteren zu etwas mehr Mut verhelfen. Andererseits sind Illusionen unangebracht, denn es sitzen immer noch zahllose Dissidenten in China im Gefängnis. Die demokratischen Rechte können nur durch die Anstrengung des Volkes selber garantiert werden.

Wir müssen verstehen, daß es die Taktik der KPCh ist, die Führungsschichten von Hongkong zu umgar- Wang Fanxi

Erinnerungen eines chinesischen Revolutionärs (1919-49)

Wang Fanxi

Erinnerungen eines chinesischen Revolutionärs 1919-1949 ISP nen, indem sie diesen den Schutz ihrer wesentlichen Interessen verspricht. Gegenüber der Intelligentsia, der Jugend und der breiten Masse der Arbeitenden weiß sie nur den „Nationalisauszuspielen, damit auch diese die neue Herrschaft akzeptieren könnten.

Um diese Taktik der KPCh zu durchkreuzen, müssen wir eine Einheitsfront aller Kräfte der Unterdrückten bilden, aller Volksgruppen, Parteien und Organisationen, die unter dem gemeinsamen Banner »Demokratische Herrschaft über Hongkong durch das Volk von Hongkong« antreten sollte. Es muß eine vereinte Aktion für dieses allgemeine Ziel geben. Sonstige Meinungsverschiedenheiten unter diesen Kräften sollten sie an einem solchen Bündnis nicht hindern.

Wang war in den 20er Jahren in der KP Chinas aktv, schloß sich 1927 In Moskau der Posttion Trotzkis an, und blieb bis heute revolutionärer Marxist sei es in den Kerkem Chlang Kai-sheks oder in der politschen Opposition gegenüber der KP-Führung unter Mao.

*Die einzigartige Autoblographie eines Veterans der chinesischen Revolution*. Tamara Deutscher.

ISBN 3-88332-066-8 336 Selten, 26,- DM

Leinenausgabe 32,- DM