Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Großbritannien

Vereinigungskonferenz von I.M.G. und Spartacus League

Inprekorr Nr. 16, 15. Juni 1972 · S. 11-14 · 1.865 Wörter

Großbritannien Irland Gewerkschaften und Streiks Vietnam und Indochina

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ANNIEN: VEREINIGUNGSKONFERENZ VON I. M.G. UND

LEAGUE +++++++++++ +++++ +++ gungskonferenz der IMG (International Marxist Group, der britischen Sektion ationale) mit der Spartacus League vom 27. bis 29. Mai waren über 500 Anwesen- Die Diskussionen auf der Konferenz konzentrierten sich auf fünf zentrale Probleblickliche politische Lage, die Arbeit in den Gewerkschaften, Irland, die Arbeit en und die Unterdrückung der Frau und schließlich die Arbeit unter Studenten. es Diskussionen über die internationale Arbeit der IMG beim Aufbau der IV. Inter er die Zeitung und über die Arbeit unter Farbigen. Die Konferenz erhielt brüder chaften von Sprechern, die Sektionen der IV. Internationale oder sympathisieren- Frankreich, Irland, Deutschland, Peru, Belgien, Kanada, Dänemark und Holland e Solidaritätsbotschaft kam auch von der Socialist Workers Party der USA, die an nicht teilnehmen konnte, weil sie sich dringend mit der amerikanischen Blockade beschäftigen mußte. Ein weiterer Sprecher, vom nordirischen Provisional Repubforderte solidarische Unterstützung für den 20-tagigen Hungerstreik von Billy üheren Chef der Belfast-Brigade der Provisional IRA, der jetzt in der Crumlin Roa itzt und Anereknnung als politischer Gefangener verlangt. Eine Schweigeminute likanern, die in Irland im Kampf gefallen sind, und unseren im letzten Jahr ver ossen Peter Graham und Mairin Keegan.

sandte der Nationalen Befreiungsfront Vietnams eine Solidaritätsbotschaft. Am wurde eine Solidaritätsversammlung für Vietnam abgehalten, auf der Robin ig Ali, Alain Krivine und Stephanie Coombs von der amerikanischen National alifion sprachen. Die Konferenz wurde eröffnet mit einem einstündigen Bericht rnest Mandel über das Vereinigte Sekretariat, worin er die Entwicklung der ale im letzten Jahr und die gegenwärtige Phase des Klassenkampfes in Europa

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Während der Konferenz entwickelten sich vier klare politische Positionen. Eine Minderheit ver trat die Meinung, es solle die Hauptaufgabe der IMG sein, eine Irlandkampagne aufzubauen mit den drei Parolen "Selbstbestimmung für Irland', 'Sofortiger Abzug der Truppen' und "Freihei . Der Schwerpunkt sollte auf der Selbstbestimmung liegen. Aus für alle politischen Gefangenen' serdem sollen Kampagnen über Vietnam und über die Abtreibung lanciert werden. Als Grundlage unserer Arbeit sollten wir die Arbeiter dazu bringen, in die Basis der Labour Party einzudringen und eine "Labourregierung mit einem sozialistischen Programm'' fordern. Diese Position erhielt von den Delegierten 4 Stimmen, 113 waren dagegen und 9 enthielten sich. Die zweite Minderheit vertrat den St. adpunkt, daß die Arbeit der IMS vier Achsen haben solle, nämlich die Probleme im Zusammenhang mit Irland, der Abtreibung, Vietnam und dem Aufbau eines klassenkämpferischen Flügels in den Gewerkschaften. Das Ziel dieser Kampagnen sollte die Mobilisierung von Massen außerhalb der Gewerkschaft und anderen reformistischen Organisationen sein. Der Schwerpunkt in der Irlandfrage sollte auf dem Abzug der Truppen liegen. Der Hauptvertreter dieser Minderheit stellte fest, daß der falsche Standpunkt der Mehrheitsfraktion am deutlichsten an ihrer Unfähigkeit deutlich werde, auf die Entwicklung der Kämpfe in Vietnam rasch zu reagieren. Diese Minderheit erhielt 7 Stimmen gegen 115 Gegenstimmen und 4 Enthaltungen.

Eine dritte Minderheit, die im Lauf der Konferenz entstand, war der Ansicht, dal es sich für die Organisation katastrophal auswirken würde, das Papier der Mehrheitsfraktion anzunehmen. Sie drängte deshalb darauf, nicht über die Resolution abzustimmen. Einige Delegierte erklärten, sie würden für diesen Beschluß stimmen, weil es notwendig sei, die Diskussion fortzusetzen. Diese Position erhielt 27 Stimmen, 100 Gegenstimmen und | Enthaltung. Ein weiterer Standpunkt wurde in einer Resolution vertreten, die zwar die Ansichten dieser dritten Minder heit verwarf und im ganzen die Linie der Mehrheitsfraktion unterstützte, aber doch die Kritik in einzelnen Punkten berücksichtigte. Diese Resolution wurde von einer beträchtlichen Mehrheit verworfen.

Die Delegierten verabschiedeten dann die allgemeine Linie des von der Mehrheitsfraktion vor gelegten Grundsatzpapieres mit 86 Stimmen bei 19 Gegenstimmen und 23 Enthaltungen. Eine Zusammenfassung dieses Papiers erschien in "Red Mole' Nr. 39, und eine Resolution, die die wesentlichen Punkte enthält, folgt unten.

Anschließ end wurde über Stellungnahmen zu Irland, Studentenpolitik, der Frauenfrage, der Arbeit in der United Front

Frage der Einheitsfront und der Arbeit in den Gewerkschaften abgestimmt. Folgendes waren die wichtigsten Beschlüsse:

1. - Da die Anti-Internment League ihre Politik geandert hat, war die Konferenz grundsätzlich dafür, daß die IMG in der Irish Solidarity Campaign auf eine Vereinigung mit der AlL drin gen sollte.

2. - Die neue Organisation wird weiterhin das Liaison Committee for the Defence of Student Unions unterstützen.

3. - Unter den Frauen sollten wir weiterhin in den Socialist Woman - Gruppen arbeiten und den Schwerpunkt auf die Parole 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' legen.

4. - Wir unterstützen die Konferenz des Liaison Committee for the Defence of Trade Unions am 10. Juni.

5.- Unsere wichtigste theoretische Aufgabe ist die Analyse der Labour Party und der Kampf geg den Okonomismus.

6. - Unsere wichtigste organisatorische Aufgabe ist die Stärkung und Verbesserungen unserer Publikationen.

Im Hauptreferat wurde festgestellt, daß sich die Kräfte der 4. Internationale in England im let ten Jahr ungefähr verdoppelt haben, daß die Zahl der Arbeiter in der Organisation beträchtlic angestiegen ist und daß es uns gelungen ist, Ansätze von Gruppen in einigen Industriezweigen und Gewerkschaften zu bilden, während die Möglichkeit dazu in einigen anderen besteht. Zu Schiuß der Konferenz wurde eine nationale Leitung von 21 Vollmitgliedern und 14 Ersatzmitgli dern gewählt.

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RESOLUTION 1. - Die wichtigste politische Arbeit der Organisation im nächsten Jahr soll die Verbreitung der Ideen sein, die im 6. Abschnitt des Grundsatzpapers und in dem Papier über die Einheitsfront und die Gewerkschaftsarbeit enthalten sind. Daraus ergeben sich drei wesentlic he organisatorische und politische Aufgaben, die durch die politische Situation bedingt sind: a) hauptsächlich mithilfe der Einheitsfronttaktik die Kämpfe nicht nur der Arbeiterklasse, sonderr aller unterdrückten Gruppen zu organisieren. In der gegenwärtigen Phase beinhaltet dies zwei Hauptstoßrichtungen:

Erstens die Arbeit zur Unterstützung des Kampfes des irischen Volkes gegen die Kräfte des britischen Imperialismus.

Zweitens die Bildung von Einheitsfronten und Basisgruppen in den Gewerkschaften. Die dami zusammenhängenden politischen Aufgaben sind die Auseinandersetzung innerhalb der Avantgarde über eine klare Linie in Bezug auf die Selbstbestimmung, die eine klare defätistische Haltung hinsichtlich des bewaffneten Kampfes in Irland notwendig macht, und über das Problem der programmatischen Klarheit in der Frage der Arbeiterkontrolle und der Labour Party. b) die Aufgabe, die Organisation aufzubauen durch individuelle Rekrutierung und besonders durch die Einbeziehung derjenigen fortgeschrittenen Arbeiter, mit denen wir den engsten Kontakt haben. Das wichtigste Mittel dabei ist die Irlandkampagne, und die organisatorische Vor aussetzung ist die Stärkung des zentralen Apparats und der Veröffentlichungen der Organisation.

c) die Aufgabe, die Kräfte innerhalb der revolutionären Avantgarde wieder zu vereinigen. Dies läuft konkret auf das Problem Leninismus gegen Okonomismus hinaus.

Die Zeitung, die Publikationen, die Besetzung der führenden Positionen in der Organisation usw. sollen diesen Aufgaben entsprechen. Die drei Aufgaben müssen in Zusammenhang damit stehen, die wichtigsten Teile der Arbeiterklasse aus der Sozialdemokratie herauszubrechen. Dies wird notwendiger weise zu einer Änderung von Stil und Inhalt der Zeitung führen. Ferner muß die Verbreitung unserer Positionen in die Auseinandersetzung um die Entwicklung einer Über gangsprogramms gestellt werden. Bei der Ausarbeitung eines solchen Programms soll die Leitung sich nach folgenden theoretischen Prinzipien richten:

a) es gibt kein Übergangsprogramm für einzelne Bereiche, sondern nur ein Übergangsprogramm für die ganze Gesellschaft.

b) Jedes Übergangsprogramm hat die Zerschlagung des kapitalistischen Staates zum Inhalt, was praktisch unter jeglichen Bedingungen durch die Propagierung und Durchsetzung der Institutionen der Doppelherrschaft erreicht wird. Soclhe Institutionen müssen der revolutionäre Ausdruck der Arbeiterklasse sein, die die antikapitalistischen Kämpfe aller ausgebeuteten oder unterdrückten Gruppen vereint und so in der Lage sein kann, die Diktatur des Proletariats zu errichten und zu festigen. Die Schaffung von Institutionen der Doppelherrschaft, die die kapitalistische Staatsmaschinerie und Produktionsbedingungen zerschlagen, ist also der strategische Angelpunkt des Ubergangsprogramms.

2. - Unsere politische Arbeit muß mit einer eneryischen ideologischen Auseinandersetzung über die Durchsetzung der leninistischen Parteikonzeption verbunden werden. In England bedeutet diese Auseinandersetzung die Bekämpfung der traditionellen organisatorischen Vorstellungen in der englischen "trotzkistischen"" Bewegung, die von IS, SLL usw. vertreten werden. In dieser Auseinandersetzung müssen wir folgende Punkte beachten:

a) Beim Aufbau der Partei wird vorausgesetzt, daß allein die Intervention in: internationalen Rahmen und nicht nur die Intervention in allen Bereichen der Gesellschaft eines Landes genügend Erfahrungen für die Entwicklung eines revolutionären Programms vermitteln kann. b) Die Aktivierung der Massen wird von der revolutionären Partei durch die Organisierung von Propaganda und Agitation (d. h. durch das Medium von Ideen) unternommen ( Aufrufe zur Aktion ergeben sich entweder logisch aus dem Inhalt der Propaganda und Agitation oder erfü len eine reine Exekutivfunktion).

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c) Das Bewußtsein der bereits aktivierten Massen, in denen die revolutionäre Partei arbeitet, läßt sich nicht auf die Ideen reduzieren, zu denen sie sich bekennen. Das Bewußtsein der Massen bestimmt sich aus all ihren Beziehungen zu ihren Lebensbedingungen, wobei die wichtigste Bedingung natürlich die gesellschaFtliche Diktatur der Bourgeoisie ist. Nur auf dieser Grundlage versteht man die ungleichmäßige Bewußtseinsentwicklung der Arbeiterklo einschließlich solcher Erscheinungen wie der Sozialdemokratie und des Syndikalismus. d) Die Aufgabe, die Arbeiterklasse aus der sozialdemokratischen Politik herauszubrechen, lal sich nicht lösen sich nicht lösen durch die Entlarvung der Führung der Labour Party, sondern nur durch die Enthüllung des Bankrotts der gesamten sozialdemokratischen Kampfmethoden. e) Bei der praktischen Intervention der Revolutionäre im Klassenkampf muß unsere Aktivität sich auf die grundlegende Überzeugung stützen, dal in dieser Epoche die Bourgeoisie kein historisch fortschrittliche Rolle spielen kann, und daß der Kapitalismus nicht einmal die un telbaren Probleme der Arbeiterklasse lösen kann. Ohne dieses Vorverständnis sind wir hilflo gegenüber den Keynesschen Theorien des 'labourism', der Volksfrontlinie der KP, der Vor stellung einer gradualistischen Entwicklung usw.

3.- Die genannten Punkte bestimmen die wesentlichen politischen Prioritaten der Organisatio aber sie sind natürlich nicht vollständig. Sicher wird es im kommenden Jahr viele konjunktur le Ereignisse geben, denen wir die Kräfte und die Aufmerksamkeit der Avantgarde zuwenden müssen. Früher war es für die Organisation oft schwierig, rasche Entschlüsse zu fassen, beson ders in Bezug auf plötzliche Veränderungen der internationalen Lage wie z. B. in Vietnam und in Bangla Desh. Das muß besser werden.

Unsere Frauenarbeit soll über die Socialist Woman Gruppen vermittelt werden und beruhen au der Entwicklung unserer marxistischen Analyse der besonderen Unterdrückung der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft, der sich ergänzenden Unterdrückung bei der Arbeit, in der Familie und in der Persönlichkeitsentwicklung. Die Auseinandersetzung damit schließt die Bekämpfung der bürgerlichen Ideologie in der Arbeiterklasse und in der revolutionären Bewegung mit ein. Durch ihre Aktivitäten und ihre Zeitung, die weiterhin 'Socialist Woman' heißt, sollen die Socialisi Woman Gruppen wie bisher den besten Teilen der radikalisierten Frauen eine Führun gobon und sic, besonders Arbeiterinnen, in den Kampf der Arbeiter mit hineinziehen und sie mir der rovolutionären Bewegung insgesamt verknüpfen. Im Mittelpunkt soll zur Zeit die Kam pagne •Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' stehen, und die Fortschritte dieser Kampagne sollen nach suchs Monaten überprüft werden.

5.- Unsere Arbeit im studentischen Bereich wird sich in Zukunft hauptsächlich um das Problem cies Aufbaus von Einheitsfronten drehen, besonders in Beziehung zum Liaison Committee, und um den Versuch, dieses an den einzelnen Universitäten im Kampf um die autonome Studenten gewerkschaft aufzubauen.

6. - Die Leitung wird beauftragt, ein Papier über die Frage von Slogans für eine Alternative gierung auszuarbeiten.

7.- Die nationale Leitung soll die interne Diskussion organisieren (u. a. durch Vorbereitung yon Toxten) über die internationalen Probleme der IV. Internationale, und sie soll rechtzei• tig eine Konferenz für die Wahl der Delegierten zum 10. Weltkongreß einberufen. (Aus RED MOLE Nr. 43 vom 5. Juni 1972)

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