Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

R. Eliasson/'Veikko Saarinen

US-Drohungen gegen Grenada

Inprekorr Nr. 157, 1. Oktober 1983 · S. 9-10 · 839 Wörter

Kuba und Karibik USA und Kanada

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Reagan erneute Drohungen gegen das revolutionäre Grenada aus. Vor einer Gruppe von Geschäftsleuten sagteer, daß Grenada eine Gefahr für die Vereinigten Staaten darstelle. In seiner Rede, die von Voice of America übertragen wurde, behauptete Reagan, daß US-Interessen durch kubanische und sowjetische Militärbasen auf den Karibikinseln bedroht seien. Er gab grünes Licht für eine abgestufte Destabilisierungskampagne" gegen Grenada mit dem Ziel, die Regierung des Landes schließlich zu stürzen. Diese Äußerungen über Militäreinrichtungen auf Grenada sind nicht neu. Seit der Revolution 1979 kursierten ständig Gerüchte über sowjetische U-Bootbasen, kubanische Trainingslager, Spionagezentren u.s. w. Solche Anschuldigungen erwiesen sich stets als grundlos. In den meisten Fällen sind diese Geschichten aufgrund innerer Widersprüche in sich zusammengefallen. Grenada ist eine Insel mit einer Fläche von nur 344 km'. Es gibt keine Möglichkeit Militäreinrichtungen zu verbergen, weder yor den Touristen, noch vor der einheimischen Bevölkerung. Trotzdem hat die Kampagne mit Schreckensgeschichten nicht nachgelassen. Indem sie solche Behauptungen aufstellen, verfolgen die USA zwei Ziele. Einerseits sind sie Teil der Destabilisierungskampagne, die Chaos schaffen soll. Sie dienen zum Beispiel dazu, Touristen vom Besuch Grenadas abzuhalten. Andererseits zeichnen sie das Bild von einem Grenada, das eine künftige militärische Intervention rechtfertigen soll. Noch unter Präsident Carter, gleich nach der grenadischen Revolution vom 13. März 1979, arbeitete der CIA einen Aktionsplan aus, um die Revolutionäre Volksregierung unter Vorsitz von Premier Maurice Bishop ins Wanken zu bringen, Der Plan schlol eine Propagandakampagne, wirtschaftliche Sabotage und andere, nicht näher bezeichnete Aktionen ein. Bei vielen Gelegenheiten hat die Reagan-Administration die Absicht bekundet, „das Problem an der Wurzel zu packen", die drei Staaten zu zerstören, die nach Meinung des Pentagon die ganze Unruhe in Zentralamerika hervorrufen: Kuba, Nikaragua und Grenada.

Die USA haben eine starke Flotte in der Region stationiert. In einem Radius von 300 km rings um Grenada liegen sechs große amerikanische Kriegsschiffe, zwei von ihnen in Trinidad, zwei in Barbados, eines in Dominica und eines in Antigua. Auf Barbados gibt es dazu noch eine Staffel britischer Harrier Flugzeuge. Die militärischen Aktivitäten in der Region sind sprunghaft angestiegen. Südlich von Puerto Rico veranstalteten Einheiten der US-Marine Manöver vor kurzer Zeit Manöver großen Stils. 32 Kriegsschiffe sind daran beteiligt, darunter drei Flugzeugträger, 22 Zerstörer und drei Atom-U-Boote. (Bei einem Manöver im Frühjahr 1982 waren auch Schiffe der Bundeswehr und der Niederlande beteilgt, d.U.). Die Regierung von Grenada glaubt, daß diese Manöver kaum zufällig um die Zeit des vierten Jahrestages der Revolution am 13. März begannen. Ebensowenig ist es ein Zufall, daß Reagans neue Drohrede zur gleichen Zeit gehalten wurde, als der Bericht über das wirtschaftliche Wachstum Grenadas seit der Revolution veröffentlicht wurde. bei der Diskussion des Staatshaushalts konnte man nämlich feststellen, daß das Bruttosozialprodukt um 5,5% gestiegen war, während die Arbeitslosigkeit bis zum Jahreswechsel von 50 auf 14% zurückgegangen war. Finanzminister Bernard Coard prophezeite sogar einen Arbeitskräftemangel in drei Jahren.

Grenada feiert den Jahrestag der Revolution

Am 10. März ritt Reagan seine scharfe Attacke gegen Grenada in der Voice of America. Diese Rede und die Verstärkung der Kriegsmarine in der Gegend sollten die Begleitmusik für die Jahrestagsfeiern der Revolution liefern. Sie verstärkten jedoch nur die Mobilisierung und Einheit des Volkes.

Am 12. März wurde die Sandino- Zementfabrik offiziell eröffnet, die Zement für jährlich 500 Hauser produzieren und gleichzeitig Material für den Bau des neuen Flughafens liefern soll. Nach Reagans Drohungen entwickelte sich die Eröffnungsfeier zu einer großen Kundgebung, auf der der stellvertretende Premier Bernard Coard den US-Imperialismus scharf kritisierte.

Am 13. März fand eine große Militärparade statt. Das Orchester spielte »Capitalism gone mad« (Der Kapitalismus ist verrückt geworden) von Mighty Sparrow, einem Calypsosänger aus Trinidad. danach fuhr eine Autokolonne rund um die Insel. Jeder, der wollte, sprang auf einen Lastwagen und fuhr mit.

Am Abend kam die Autokolonne in die Hauptstadt St. George zurück , und der Oberbefehlshaber der Revolutionären Volksarmee hielt eine Rede, in der er die Bevölkerung aufrief, die Revolution zu verteidigen und die Bedrohung durch den US- Imperialismus zu bekämpfen. Pre-

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BUT..... AREN'T

THEY EVER GOING

ЗТОР ТНЕВАТЕА ING us?

mier Bishop beendete die Kundgebung mit einem weiteren Appell an die Bevölkerung, vorbereitet und wachsam zu bleiben.

Montag, der 14. März, war ein offizieller Feiertag. Am Abend spielten ausländische Calypsobands letztmals im »Dome« in Grand Anse, wo die Kundgebung normalerweise abgehalten wird. Drei Führer der PRG hielten Reden: Maurice Bishop, Bildungsministerin Jacqueline Creft und „Mobilisierungsminister" Selwyn Strachan. Tosender Beifall, als Maurice Bishop beim Auftritt von Blue Boy, einem der beliebtesten Sänger, mit in den Refrain einstimmte — da flog fast das Dach davon, die Begeisterung der Leute erreichte einen Höhepunkt und sie begannen zu tanzen... Die imperialistische Bedrohung erschien jetzt sehr weit weg.

behaupten, die Unterstützung des Volkes für die Revolution sei verschwunden, ist ganz einfach: kommt nach Grenada und seht selbst!! FREE WEST INDIAN Saturday July 9, 1983 Maurice Bishop