Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Indien

Textilstreik von Bombay, Juni 1983

· Inprekorr Nr. 157, 1. Oktober 1983 · S. 30-32 · 1.297 Wörter

Indien und Südasien Gewerkschaften und Streiks

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

Juni 1983 Textilstreik von Bombay erlitt schweren Rückschlag

Arbeiterbewegung, (siehe:/nPreKorr, Nr. 150, Am 18. Januar 1982 begannen über 250 000 Textilarbeiter in Bombay einen Streik. Es ging Jetzt, nach 18 Monaten, sind mehr als die um Lohnerhöhungen, bezahlten Urlaub, diefeste Hälfte der Textilarbeiter, die ursprünglich dabei Anstellung von ungefähr 100 000 Reservearbeiwaren, wieder an die Arbeit zurückgekehrt. Und tern und die Anerkennung ihrer Gewerkschaft, obwohl noch über 100 000 Arbeiter den Kampf der Maharashtra Girni Kamgar Union. weiterführen, ist doch klar, daß es einen schweren Aufgrund der hohen Zahl der beteiligten Rückschlag gab. Nachfolgender, gekürzter Arti- Arbeiter, des zunehmenden Maßes ihrer Selbstkel aus Proletarian Politics, der Zeitung der Comorganisierung, der breiten Solidarität seitens munist League, der indischen Sektion der Vierten anderer Arbeiter und seitens der Bauern wurde Internationale, geht auf die Ursachen dieser Entdieser Kampf zu einem der bedeutendsten in der Geschichte der indischen und der internationalen Der Textilarbeiterstreik war Aus- tenden Massen in Indien den druck des Zorns, aber auch der Ent- Arbeitskampf bekannt zu machen, schlossenheit der Arbeiter. Indes klar zu machen, daf Solidarität notfehlten zu seiner Führung Faktoren, tut und eine breite Untersützungsbedie für einen erfolgreichen Abschluß wegung aufgebaut werden muß. Und nötig gewesen wären: zwar muß dies so aggressiv wie nur • Der Streik der Textilarbeiter war möglich geschehen, denn die Reforein Ergebnis der Selbstaktivität und misten, seien sie nun Stalinisten, Zen- Selbstorganisation der Arbeiter. tristen oder sogenannte Sozialisten, Aber das allein sichert noch nicht den werden immer bemüht sein, ihre eige- Sieg. Eine politisch bewußte Führung ne Basis von kämpfenden Arbeitern ist unabdingbar. abzuschirmen. Deshalb ist, damit ein • Wenn seitens der Führung keine Streik solchen Ausmaßes auch Erfolg klare politische Strategie da ist oder hat, eine Strategie zu seiner Ausweischae sichen Normen the, dann is- tung in andere Bereiche der Arbeiterschaftlichen Normen hält, klasse Vorraussetzung. ein Sieg nur äußerst schwer möglich • In den letzten zehn Jahren konnund kann nur unter ungeheuren ten wir diese Art der Spontaneität menschlichen und materiellen Op- und Selbstorganisation schon mehfern errungen werden. rere Male miterleben. Aber solche * Zu dieser Strategie gehört ein kla- Erfahrungen hätten ausgewertet und res Konzept, wie man einestarke Soli- verankert werden müssen. Sonst daritätsbewegung auf die Beine stellt. flauen die Kämpfe immer wieder ab Das heißt, es müssen aggressive und enden in Niederlagen. Anstrengungen unternommen wer- Die extreme Linke, die die kleinste den, bei weiten Bereichen der arbei- der politischen Kräfte Bombays ausmacht, versuchte wohl, mit einer politischen Perspektive in diesen Streik einzugreifen. Aber ihre (gewerkschaftliche, d.Red.) Einheitsstruktur Kamgar Ekta Sangharsh Samiti (KESS) verzeichnete keinen Erfolg, und Ende Februar wurde klar, daß nur die Communist League und die Sharmaik Mukti Dal in der Lage waren, sich bedingungslos für den Streik der Textilarbeiter einzusetzen.

So konnten denn zrotz des Heldenmuts der Textilarbeiter und der Tatsache, daß sie der gesamten Arbeiterklasse mit ihrer Selbstorganisation in Fabriken und den Stadtteilkomitees den Wege voran zeigten, diese Errungenschaften nicht konsolidiert und verbreitet werden.

Die Rolle Datta Samants und der traditionellen Gewerkschaftsführungen

Datta Samant kristallisierte sich als

Seite 31

der Streikführer heraus, da er allgemein dafür bekannt ist, an so eine Aufgabe kämpferisch ranzugehen. Indes konnten weder er noch die Führung der traditionell von der Linken geführten Gewerkschaften diesem Streik eine Perspektive bieten außer der, ihre eigene Gewerkschaftsbasis zu verteidigen. Samants Rolle als Streikbrecher beim Transportarbeiterstreik vom Oktober 1982 führte zur offenen Spaltung der Gewerkschaftsführung. Die langfristig negativen Auswirkungen davon wurden in der Euphorie nach dem erfolgreichen Autruf zu Solidaritätsstreiks nach den Verhaftungen, ebenfalls im Oktober, noch nicht deutlich. Aber denen, die aktiv an der Solidaritätsbewegung teilnahmen, wurde klar, daß sich die Textilarbeiter allmählich isolierten und daran ihre Führung kräftig anteilhatte.

Zu diesem Zeitpunkt ging die Bourgeoisie zur Offensive über, denn sie konnte die Isolierung ausnutzen. Samant wollte die Arbeiter nicht permanent auf die Straße mobilisieren, um die Regierung zu lähmen. Und die anderen Gewerkschaftsführungen hatten es nur daraufabgesehen, mit Samant, der für sie alle eine Bedrohung bedeutet, Schluß zu machen und den Streik zu verraten. Daß sie damit Erfolg hatten wurde deutlich, als sich der Aufruf zum (Solidaritäts-, d.Red.)streik am 13. Dezember 1982 als erbärmlicher Schlag ins Wasser erwies.

sehen, Ven dies der Strenentanaute. La gau nur einen Weg, wieder voranzukommen: die Kampfbereitschaft der Arbeiter nicht mehr abzubremsen und eine breite linke Aktionseinheit in Solidarität mit dem Streik zu Bilden. Die KESS versuchte im Januar 1983, eine solche Front aufzubauen. Aber die zu diesem Zweck einberufene Versammlung wurde von der Lal Nishan Party, derCommunist Party of India und derCommunist Party of India - Marxist sabotiert. Eine einmalige Gelegenheit, eine breite Arbeitereinheitsfront auf der Grundlage der Selbsttätigkeit und Selbstorganisation der Textilarbeiter aufzubauen, wurde versäumt. Die politischen Implikationen des Streiks wurden nicht wahrgenommen. Was beweist, daß jeder Versuch, einen offen politischen Streik mit den traditionellen gewerkschaftlichen Mitteln zu führen, scheitern muß.

Ein Rückschlag für die Textilarbeiter

Es hat einen schweren Rückschlag gegeben. Mehr als 50% der Arbeiter nahmen die Arbeit wieder auf, und die meisten Fabriken laufen wieder. Wenn welche noch nicht arbeiten, dann aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Eigentümer und nicht mangels Arbeitern. Viele derer, die nicht zur Arbeit zurück sind, sind es deswegen nicht, weil die Fabrikherren sich weigern, sie wieder einzustellen, da sie als Aktivisten bekannt sind oder weil es keine Arbeit mehr für sie gibt, da die Eigentümer inzwischen ihre geplanten Rationalisierungen, gegen die sich der Streik ja auch gerichtet hatte, durchgeführt haben. Samant und die Lal Nishan Party sind nicht bereit, sich dieser Realität zu beugen. Wir sind auch der Meinung, daß der Kampf weitergeführt werden müßte. Aber es ist Abenteurertum, von einer massiven Offensive zu sprechen, wenn die Arbeiter eben einen schweren Rückschlag erlitten haben. Die Aufgabe besteht jetzt darin, die noch gehaltenen Positionen zu verteidigen, einen Plan für die Neuorganisierung auszuarbeiten und sich um eine stärkere Mobilisierung an der Basis zu bemühen. Und zugleich muß man die Diskussion über die Strategie des Streiks anregen. Die Führung muß für Kritik zugänglich sein und die freie Diskussion fördern.

Auf andere Art, ,den Kampf fortzuführen" hieße nur, die Arbeiter (der einzelnen Fabriken, d.Red.) schrittweise im Stich zu lassen, ohne formal den Streikaufruf zurückzunehmen. Diesen Weg begeht man, wenn man in der Öffentlichkeit große Töne spuckt und die Arbeiter auf Wahlkämpfe orientiert, ohne sich der Mühe zu unterziehen, den Stand des Kampfs richtig zu analysieren oder ihm neues Leben einzuhauchen. Wir unterstützen kritisch den Kandidaten der Lal Nishan Party gegen den Ministerpräsidenten von Maharashtra bei den Nachwahlen in Sangli. Der Wahlkampf ist positiv, soweit er die Aufmerksamkeit aut den Textilstreik lenkt und zur Massenmobilisierung beiträgt.

Aber da gibt es einige Fallstricke, welche darauf hindeuten könnten, daß die Führung eine andere Orientierung hat. Seit dem Oktober 1982 hat die Führung systematisch von allen Reden über militante Aktionen, Straßendemonstrationen, Streikposten abgeschworen. Samant hat wiederholt klargestellt, nicht zu wollen, daß der Streik zu einer Frage von „Gesetz und Ordnung" wird. Wenn man in einer solchen Lage die Arbeiter auf Wahlen umorientiert und weg von der konkreten Aufgabe, ihre grundlegenden Interessen zu wahren, dann wird das Ergebnis fatal sein. Wang Fanxi

Erinnerungen eines chinesischen Revolutionärs (1919-49)

Wang war In den 20er Jahren In der KP Chinas aktiv, schloß sich 1927 in Moskau der Postton Trotzkis an, und blleb bis heute revolutionärer Marxist sel es In den Kerkem Chlang Karsheks oder in der polltschen Opposition gegenüber der KP-Führung unter Mao.

•Die einzigartige Autoblographie eines Veterans der chinesischen Revolution. Tamarc Deutscher

ISBN 3-88332-066-8 336 Seiten, 26,- DM

Leinenausgabe 32,- DM isp-Verlag intemationale sozlalistische publikationen Postfach: 11 10 17 6000 Frankfurt/M. 1

Seite 32

George Cranston

Eine neue Kampfetappe USA