Frauenorganisation Grenadas Die Frauen planen ibre Zukunft
Ullabritt Horn
Rita Joseph
In diesem Artikel wird der Arbeitsplanentwurf Informationen über die Zeit vor der Revolution, zum 1983 bis 1985 der Nationalen Frauenorganisation Familienleben auf Grenada usw. haben wir cinem Interview Ullabritt Horns mit Rita Joseph, Vizepräsi- Grenad as (NWO) vorgestellt, der auf deren erstem dentin der NWO, entnommen und in den Artikel Kogrei am 5./7. Dezember 1982 diskutiert, mit einem eingeschoben; das vollständige Interview erschien in , Bericht über Anderungs- und Ergänzungsvorschläge Courage 3-82 und auszugsweise in Was Tun 324. versehen und beschlossen wurde. Einige zusätzliche 8. März - Internationaler Frauentag, 13. März - vier Jahre Revolution in Grenada. Anlaß genug, einen Blick auf die Situation der Frauen in Grenada zu werfen, denn der Grad der Frauenemanzipation ist bekanntlich ein guter Maßstab des gesellschaftlichen Fortschritts. Der erste Kongreß der grenadischen Frauenorganisation (NWO) Ende letzten Jahres stand unter dem Motto -Frauen für Erziehung, Ausbildung und Produktion. Er war für viele Frauen Gelegenheit, zurückzuschauen, wie ihre Situation vor der Revolution aussah, was sie in Bewegung gesetzt, verändert haben und wo für sie heute die größten Probleme liegen.
U.H.: Kannst du kurz die Lage der Frauen unter der Diktatur Gairys beschreiben?
R.J.: Die Situation der Frauen war furchtbar. Es gab viele Probleme für uns Frauen. Eines davon war die sexwelle Ausbeutung von Frauen durch die Unternehmer, und zwar nicht nur durch private, sondern auch bei staatlichen Stellen. Wenn Frauen sich weigerten, mit ihrem Chef zu schlafen, bekamen sie den Job nicht bzw. wurden entlassen. Abgesehen davon gab es nur ganz wenige Jobs für Frauen. Die Unternehmer weigerten sich oft, eine Frau einzustellen, weil sie ja schwanger werden könnte. Den Arbeitsausfall wegen Krankheit, ungenügende Arbeitsleistung während der Zeit der Schwangerschaft und eine Pause durch die Geburt wollte er nicht riskieren.
Eine andere Sache, unter der wir Frauen sehr litten, war die schlechte Gesundheitsversorgung Grenadas. Wir hatten viel zu wenig Arzte auf der Insel. Die Frauen wurden besonders während der Schwangerschaft oder, wenn sie viele Kinder hatten, oft krank. Vor der Revolution hatten wir insgesamt drei Kinderärzte auf der Insel, und viele Kinder verloren ihr Leben. Man kann wohl sagen, daß die Frauen am meisten gelitten haben. Außerdem hatten Frauen eine sehr schlechte Ausbildung. Es gab nur sehr wenige Stipendien für die höheren Schulen, und die bekamen meist nur Männer. Selbst wenn Mädchen die Möglichkeit hatten, batten sie doch nie die gleichen Chancen wie Jungen. Sie mußten oft zuhausebleiben, um auf die kleineren Geschwister aufzupassen, da es keinerlei Kindergärten Tageschulen oder dergleichen gab Die Frauenorganisation ist Teil der grenadischen Basisdemokratie, zu der die Gewerkschaften ebenso gehören wie die Arbeiterräte in den Bezirken und die Jugendorganisationen. Grundlage der NWO sind ihre 155 Gruppen, die auf Dorf- und Stadtteilebene. arbeiten. Sie treffen sich wöchentlich, um das gemeinsam erarbeitete Programm in die Praxis umzusetzen. Jede Gruppe wählt eine Delegierte für die Bezirkskoordination, die die Arbeit der NWO auf regionaler Ebene überwacht und anleitet. Jede Gruppe wählt außerdem Delegierte für die nationale Leitung, die wöchentlich zusammenkommt, um die Arbeit der Organisation zu verteilen, und die das Nationale Sekretariat beruft, das aus acht Frauen besteht und sich um die organisatorischen Angelegenheiten kümmert. Zweimal im Jahr tritt der Nationale Delegiertenrat zusammen, um die Nationale Leitung bei der Durchführung der Programme zu beraten. Das höchste Organ der NWO ist der Kongreß, der alle drei Jahre zusammenkommt, um einen Arbeitsplan für die nächsten Jahre
auszuarbeiten. Die Vorschläge der Leitung zum Arbeitsplan werden auf allen ebenen diskutiert, Änderungen und Ergänzungen formuliert und schließlich von den Delegierten der Basisgruppen verabschiedet. Im Arbeitsplanentwurf der NWO für 1983 bis 1985 wird zunächst auf die Lage der Frauen vor der Revolution eingegangen. Obwohl Frauen unter der Peitsche der Kolonialisten genauso litten wie Männer, von der Diktatur und vom Imperialismus ebenso arm gehalten wurden wie Männer, „trafen uns die Schläge der Ausbeutung nicht doppelt, sondern dreifach hart" ; denn die Frauen hatten zusätzlich die alleinige Verantwortung für die Kinder.
U.H.: Fast die Hälfte der grenadischen Frauen ist unverheiratet und lebt ohne Mann mit den Kindern zusammen. wie erklärst du diese für uns westeuropäische Frauen ungewöhnliche Sozialstruktur?
R.J.: Unsere Geschichte ist die der Sklaverei. Damals wurde Heiraten nicht gerne gesehen und Paare, die verheiratet waren, auseinandergerissen. Ein Teil der Familie kam auf ein Gut, der andere auf ein anderes, oft weit entfernt gelegenes. Kinder von Sklaven dienten dem einzigen Zweck, den Bevölkerungsstand und damit die unbezahlte Sklavenarbeit zu sichern. es gab für die Sklavenhalter keinen Grund, Familienstrukturen zu ermuntern. Diese Mentalität tragen wir heute noch mit uns herum. Deswegen, und weil den Männern jegliches Verantwortungsgefühl fehlt, sind heute viele Frauen alleine mit ihren Kindern. Aber es gibt noch eine andere Erklärung. Heiraten war zu einer sehr teuren Angelegenheit geworden, weil man sich zum Beispiel ein eigenes Haus suchen mußte. Deswegen entschlossen sich viele, bei ihren Eltern zu bleiben. der Mann blieb bei seinen Eltern, die Frau bei den ihren, geheiratet wurde nicht. So schlossen sich viele Frauen den Kämpfen von 1973/74 an. , Wir verkauften die illegale Parteizeitung unter Gemüse in unseren Körben am Markt. Nachts schoben wir die Zeitung zusammen mit Flugblättern zu allen möglichen Themen unter den Haustüren durch. Wir versteckten die Druckmaschine. Wir gründeten Spendenfonds für die Partei. In kritischen Momenten versteckten wir die Führung. Wir arbeiteten in den Unterstützergruppen der Partei unter den Kleinbauern und Frauen, um in jedem Dorf die Position der Partei zu erklären..."
1977, also bereits zwei Jahre vor der Revolution, wurde die NWO gegründet. Nach der Revolution tauchte die Frage auf, ob die NWO eine Organisation der schon unter Gairy oppositionellen Frauen bleiben oder sich für alle öffnen sollte. Im Mai 1980 fiel die Entscheidung zugunsten einer Massenorganisation, die bereits ein halbes Jahr später auf 1500 Frauen angewachsen war. Inzwischen umfaßt sie 6500 Frauen und kann angesichts ihrer nur kurzen Existenzzeit eine schon ansehnliche Bilanz ziehen. In den ersten drei Jahren nach der Revolution lag ihr Schwerpunkt auf der Einbeziehung der Frauen in den revolutionären Prozeß. Durch Schulungskurse, Gespräche, Treffen und Wettbewerbe sollten Frauen lernen, ihre Interessen zu artikulieren und sich politisch durchzusetzen. Den größten Erfolg hatte die NWO nach eigenen Angaben mit solchen Aktivitäten, die eine Mitarbeit der Frauen, jedoch keine Geldmittel oder Material voraussetzten — an letzterem fehlt es bis heute ganz gravierend. Politisches Bewußtsein wurde nicht abstrakt vermittelt, sondern z.B. in Solidaritätskampagnen, die die NWO zu El Salvador, Angola und Namibia durchführte.
Mit Werbekampagnen für die Miliz hat es die NWO wenigstens teilweise geschafft, die traditionelle Fernhaltung der Frauen von der Armee zu durchbrechen. Die Aktivitäten in der Miliz beschränken sich dabei keineswegs auf den klassischen Frauenbereich, den Sanitätsdienst. Frauen gibt es heute bei der Infanterie, der Flugabwehr, dem Nachrichtenwesen usw.
Frauen werden sich immer mehr bewußt, nicht nur eine abstrakte Revolution zu verteidigen, sondern ihre. Warum es auch gerade die Revolution der grenadischen Frauen ist, wird klar, wenn die NWO aufzählt, was die Frauen bis heute alles erreicht haben:
• jaus bei Garan Sedes Abritalaszes, • gleichen Lohn für gleiche Arbeit. (muß noch breiter in die Praxis umgesetzt werden), * freie Grund- und Hauptschulausbildung für die Kinder, * Zuschüsse für Schulbücher und uniformen, * ein eigenes Frauenministerium. * Inzwischen gibt es 20 Frauen in hohen Regierungsämtern: die Botschafterin bei der OAS, die Ministerin für Soziales, Bildung und Sport, die Vizeministerin für Frauenfragen, die Vizeministerin für Gemeindeentwicklung, fünf Staatssekretärinnen in verschiedenen Ministerien... + U.H.: Im Arbeitsbereich habt ihr inzwischen gleiche Löhne für Manner und Frauen bei gleicher Arbei: durchgesetzt. Wie war die Reaktion der Frauen?
R.J.: In dieser Frage haben wir noch nicht alles erreicht, was wir wollten. Etliche Frauen waren dagegen. Ich habe mit Frauen gesprochen, die mir dann sagten, daß sie nicht so hart arbeiten wie die Männer und deswegen nicht so viel verdienen könnten. Solche Sachen sind mit der ganzen Rückschrittlichkeit zu erklären, gegen die wir noch viel zu kämpfen haben.
Die Frauen haben nicht gesehen, daß der Wert, den sie schaffen, gleich ist. Einen Sack mit Kakao oder Muskatnüssen herumzuschleppen, ist nichts anderes als Kakaobohnen aufzusammeln, sie zu zerbrechen, Öl darauszu machen etc. Sie haben nicht auf den Wert der Arbeit geschaut, sondern auf das Gewicht, das sie zu heben hatten. selbst wenn Frawen nicht genan die gleiche Arbeit machen können, müssen wir beachten, daß sie die Kinder zur Welt bringen, sie stillen
und von daher oft zu krank oder zu schwach waren, bestimmte Arbeiten zu machen. Das hat sie gehindert, ihre Forderungen und Rechte zu beanspruchen.
So selbstverständlich wie der Stolz auf das Erreichte ist in dem Entwurf auch die selbstkritische Reflektion über die geleistete Arbeit. Als Schwächen oder Schwierigkeiten der Organisation werden benannt:
- Die politische Schulung der Mitglieder ist noch sehr mangelhaft. Obwohl alle um die Notwendigkeit der Schulung, und zwar sowohl in politischen als auch in Fragen der Leitung und Organisation von Gruppen, wissen, konnten bisher nur für ein Sechstel der Frauen Kurse abgehalten werden.
- Obwohl die NWO auf vielen Gebieten aktiv war, gibt es bisher zu wenig Anstrengungen und Erfolge in den Bereichen der Rechtsreform, des Sports und der Frauenforschung. « Auch hier ist unter anderem die leidige Geld- und Personalfrage ein entscheidender Grund.
- Nachdem die N WO auf 6500 Mitglieder angewachsen war, wurde die Werbekampagne gestoppt, die ursprünglich 12 000 Mitglieder zum Ziel hatte. Grund war die bei steigender Mitgliederzahl sinkende Aktivität der einzelnen Frauen. Als Ursache dafür wird angeführt, daß die meisten noch nie zuvor organisiert waren und daher mit den ‚Spielregeln", also einer gewissen Disziplin, nicht vertraut sind. Ängste, in Diskussionen einzugreifen, eine inaktive Gruppe eine unsichere Leitung oder einfach ,bad feelings' in der Gruppe werden genannt. Die Devise für die nächste Zeit ist also nicht ,mehr', sondern „aktiver'!
In den Jahren 1983 bis 1985 will sich die NWO ihrem Arbeitsplanentwurf und den Ergänzungsberichten gemäls folgenden Problemen widmen: 1. Arbeitslosigkeit
Während national die Arbeitslosenquote auf 18% gesenkt werden konnte, liegt sie bei Frauen noch um 25%. Sieben von zehn Arbeitslosen sind Frauen. Im Nationalen Entwicklungsplan (NDP) ist für die nächsten drei Jahre die Schaffung von mehr als 6000 neuen Arbeitsplätzen vorgesehen, davon 3000 in der Landwirtschaft, 2000 im Bauwesen und 500 im Tourismus. Die NWO stelle fest, daß der Löwenanteil der neuen Stellen in den traditionell männlichen Berufen geschaffen wird. Ihr zentrales Anliegen ist es daher, Frauen zu überzeugen, in diese Berufe einzubrechen und radikal umzudenken, was das Schema von ‚männlicher' und , weiblicher' arbeit betrifft.
„Und wir wissen, daß es heute keine weiblichen Maurer, Elektriker etc. in Grenada gibt. Aber das sind genau die Bereiche, in denen Arbeiter gebraucht werden! Wenn wir Frauen nicht in diese Bereiche einbrechen- ,werden wir vor einer Situation stehen, in der Jobs zwar vorhanden, Frauen jedoch weiterhin arbeitslos sein werden, weil wir nicht die nötigen Fähigkeiten oder den Willen haben, die Mehrheit der freien Stellen zu besetzen...
2. Bildung und Ausbildung
Eng mit der Arbeitslosigkeit verknüpft ist das Problem der Ausbildung. Frauen sollen stärker in den traditionell männlichen Fächern unterrichtet werden. Die politische Bildung soll zukünftig besser und umfassender organisiert werden. Frauen werden zur massiven Teilnahme an der Erwachsenenbildung aufgerufen.
„Wir wollen nicht hintanstehen, im Gegenteil, wir wollen in vorderster Front, in der Vorhut, die neue Gesellschaft aufbauen!"
Im Bericht über Ergänzungs- und Anderungsvorschläge wirdaußerdem gefordert, daß Studenten, die ein Auslandsstipendium erhalten, zur Rückkehr verpflichtet werden, Berufsberatungen in den Schulen eingeführt und Sonderregelungen für den Schulabschluß von schwangeren Mädchen erstellt werden.
3. Gesundheit
Gerade auf dem Gebiet der Säuglings- und Mütterbetreuung hat sich in Grenada schon viel getan. Aber viele Frauen nehmen die Angebote noch nicht wahr. Hier will die NWO mit freiwilligen Gesundheitsbrigaden Abhilfe schaffen. Eine medizinische Mindestversorgung soll in jedem kleinen Dorf gewährleistet sein. Ähnlich wie in Kuba liegt der Schwerpunkt auf der Vorsorge. Die Aufklärung über Hygiene, Verhütung, Ernährung, Schwangerschaft usw. steht hierbei im Mittelpunkt. Die NWO geht davon aus, daß Frauen, da sie meist alleine die Kinder erziehen, ein besonderes Interesse an der Gesundheit der Kinder haben und daher leichter für die Gesundheitsbrigaden zu gewinnen sein werden als Männer. 4. Kinderbetreuung „Wir stehen einer aufziehenden Krise in der Kinderbetreuung gegenüber. Die meisten Frauen, die heute arbeiten, lassen ihre Babies bei ihren Müttern, Schwestern, Tanten oder Freundinnen. Aber wenn diese Frauen auch Arbeit finden, wird ein ausgedehnter Tagesstättendienst für Kinder lebenswichtig werden. Anderenfalls werden die Frauen daran gehindert, in die Produktion einzusteigen, und das wird auch die Entwicklung des Landes behindern." Aber auch hier: kein Geld, kein Personal. So brauchen sie Spenden und viele freiwillige Helfer und Helferinnen, die die Betreuung der »Blumen der Revolution«, der Kinder, organisieren.
Im Ergänzungsbericht wird darüberhinaus noch gefordert: Versorgung der Kinder während der Miliznachmittage, mehr öffentliche Wäschereien und ,take away-restaurants* , Verbraucherschutz, mehr Preiskontrollen, härtere Sanktionen für Korruption, Steuerhinterziehung und Hamsterei — alles Forderungen, die ihren Ursprung im Alltag der Frauen haben.
Außerdem soll eine große Kampagne für einheimische Produkte angekurbelt werden. „Buy local" heißt das Motto, unter dem die Frauen die grenadische Landwirtschaft unterstützen wollen. Insgesamt ist der Arbeitsplanentwurf das Ergebnis eines sehr ernsthaften Nachdenkens über die grenadische Revolution und über die Rolle und die Zukunft der Frauen. Es ist kein Jubelbericht, keine Selbstbeweihräucherung, sondern ein kritischer Rückblick. Aus ihren Schwächen und Fehlern folgt nicht Resignation, sondern einzig der Ansporn und die Aufforderung, es besser zu machen, das nächstemal schlauer zu sein.
Einen Bereich allerdings habe ich in diesem Papier vermißt, die sogenannte Privatsphäre. Es wird kein Wort darüber verloren, wie mit dem Problem der Beziehungen zwischen Männern und Frauen umgegangen werden soll. So z.B. die Frage, was machen wir, wenn Männer ,ihre' Frauen an der Teilnahme an den ganzen hoffnungsvollen Aktivitäten der
NWO hindern wollen, und zwar nicht öffentlich, sondern ganz privat Ich denke, auch für die grenadischen Frauen gibt es hunderte solcher Fragen, die eben nicht privat und vereinzelt gelöst werden können, sondern als gesellschaftliche Probleme erkannt werden müssen. Auch das Thema Sexualität ist mit der Forderung nach besserer Aufklärung über Verhütungsmittel nur in seiner Konsequenz angeschnitten.
Die Arroganz einer westeuropäischen Feministin? Ich meine nicht. das Papier geht sicher über ökonomische Frauenforderungen hinaus. Aber zu einer allseitig entfalteten Frauenpersönlichkeit gehört eben auch die Revolutionierung der Beziehungen und der Sexualität. Qualifizierte Bauarbeiterinnen, Traktorfahrerinnen und Fischerinnen garantieren eben für sich noch nicht die tatsächliche Emanzipation der Frau. Im Gegensatz zu anderen revolutionären Bewegungen haben die Frauen allerdings eine wichtige Stütze. Die revolutionären Männer Grenadas haben die Frauenbefreiung von Anfang an als zentrales Problem gesehen und nie als Widerspruch abgetan.
Die grenadischen Frauen haben sich in ihrem Arbeitsplan auch nicht nur Gedanken über ihre Geschichte und ihre gegenwärtigen Probleme gemacht. In kurzen Zügen skizzieren sie auch ihr Zielfür Grenadas Revolution unter der Überschrift: „Der Aufbau der neuen Gesellschaft in einer Welt des Friedens!"
„Wir müssen uns bewußt sein, daß unser Ziel mehr ist als die Verbesserungen für unser arbeitendes Volk unser Ziel ist wirkliche Macht für alle arbeitenden und armen Menschen. Deswegen müssen noch viel mehr Frauen in den Organen der Volksmacht, einschließlich der Miliz, mitarbeiten, denn der Imperialismus... wird nicht danebenstehen und der glücklichen, freien Gesellschaft, die wir aufbauen, Beifall klatschen... Wir Frauen bringen die Kinder zur Welt. wir müssen die Kinder der Welt verteidigen. Wir müssen die Zukunft der Menschheit verteidigen. Wir müssen alle Freiheitskämpfe verteidigen. Und wir müssen auch für ein Ende des Rüstungswettlaufs und einen dauerhaften Weltfrieden kämpfen." (Fortsetzung von Seite 11) Wir verzeichneten im letzten Jahr auch ein Wachstum der Produktion im öffentlichen Sektor um 34%, während gleichzeitig die Arbeitslosigkeit stark zurückging, von 49% im Jahre 1979 auf 14,2% im April 1983. Im letzten Jahr wuchsen die Löhne wieder um durchschnittlich 10%, während die Lebenshaltungskosten nur um 7% stiegen. Diese Entwicklung wird von einem weiteren Anwachsen der Sozialleistungen begleitet, jener Unterstützung, die unser Volk bekommt, ohne zu zahlen. Zum Beispiel ist die Gesundheitsfürsorge jetzt ebenso kostenlos wie das Erziehungssystem.
Wenn Reagan also sagt, daß wir keine Menschenrechte und keine Demokratie in Grenada haben, dann muß Grenada in die Offensive gehen: wir haben die Bestleistungen der Region. Demokratie bedeutet nicht, alle fünf Jahre zu wählen. Für uns bedeutet sie fünf Dinge, und wenn eines davon fehlt, dann gibt es keine Demokratie. Sie bedeutet Rechenschaftspflicht; sie bedeutet Verantwortlichkeit; sie beinhaltet Mechanismen zur Beteiligung der Bevölkerung, um diese instandzusetzen, selber die Herrschaft zu übernehmen; sie bedeutet soziale Unterstützung, denn man kann nicht von Demokratie reden, wenn die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht befriedigt, sondern unterdrückt werden; schließlich bedeutet Demokratie auch Wahlen. Wenn diese Masche nicht zieht, dann behauptet Reagan, daß Grenada die winzige Insel Grenada, eine Bedrohung für die mächtigen Vereinigten Staaten darstellt. zufällig kommen die Hälfte der Ölimporte und 60% der Bauxitimporte der USA vor der Küste Grenadas vorbei. Vielleicht wäre er zufrieden, wenn wir jetzt unsere Insel verlegen würden. Aber unsere Leute wären damit nicht einverstanden; uns gefällt es gerade da, wo wir sind.
Dann sagt er, daß unser neuer internationaler Flughafen, der hoffentlich im nächsten März zum 5. Jahrestag der Revolution fertig wird, in Wirklichkeit ein Militärflughafen ist. Im Fernsehen zeigt er Fotos von unserem Flughafen, die ein Aufklärungsflugzeug gemacht hat. Warum extra ein Spionageflugzeug? Er soll doch auf den Flughafen gehen und dort die Fotos machen. Denn der Flughafen ist das beliebteste touristische Ausflugsziel. Am Ende des Rollfelds liegt eine medizinische Universität, an der 650 Amerikaner zu Ärzten ausgebildet werden. Die joggen jeden Morgen auf dem Rollfeld. Schließlich behauptet er, daß wir hochentwickelte Sendeanlagen aufbauen; dann „hochentwickelte" sowjetische unterirdische Anlagen und Kasernen. Mit welchem Hirngespinst wird er als nächstes anrücken?
Derzeit sind 77 Kriegsschiffe und 300 Flugzeuge vor Grenada im Manöver. Wir müssen die internationale Öffentlichkeit auf diese Bedrohung aufmerksam machen, so wie wir im Inneren dagegen mobilisieren. Diese ganzen Fakten haben wir unserer Bevölkerung mitgeteilt, die sich in der Miliz organisiert, um angesichts dieser Bedrohung strategisch wichtige Einrichtungen und die Fabriken zu bewachen.
Unser Luftraum wird beinahe täglich von US-Spionageflugzeugen verletzt. Fünf nicht identifizierte Kriegsschiffe sind in unsere Meeresgrenzen eingedrungen, eines davon ignorierte unsere Küstenwachen un^ patroullierte dreieinhalb Stunden längs eines Küstenstreitens. Angesichts dessen müssen wir eine leistungsfähige Wirtschaft aufbauen und unsere Verteidigungsanstrengungen aufrechterhalten, wenn wir den Namen Revolutionäre verdienen wollen.
Gleichzeitig erkennen wir die Bedeutung der vollen Solidarität mit dem Volk von Nikaragua. In Grenada haben wir einen Nikaragua-Solidaritätsmarsch veranstaltet, wir haben Kundgebungen abgehalten und Stellungnahmen zur Unterstützung abgegeben. den 1. Mai haben wir dem Frieden und der Solidarität mit Nik2ragua gewidmet.
Nikaragua, Kuba und Grenada sind eine Revolution. Wer Kuba angreilt, greift Grenada an! Wir wissen auch, daß die Kämpfer der FMLN in El Salvador in der vordersten Reihe des Widerstands gegen Reagan stehen, dessen größtes Anliegen es jetzt ist, die salvadorianische Revolution zu besiegen. Wir müssen klar machen, daß es in ganz Zentralamerika und der Karibik noch mehr Kämpfe wie in El Salvador geben wird."
Pat Kane aus Intercontinental Press, 7.6.82