Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Frauen

Die Verteidigung der Frauenrechte gegen die Sparoffensive, Dezember 1982

· Inprekorr Nr. 4 (154), 15. April 1983 · S. 17-20 · 3.702 Wörter

Frauen Großbritannien Gewerkschaften und Streiks Frankreich

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In ganze Europa ist das Thema 'Frauen gegen die Krise' zu einem vertrauten Begriff auf Versammlungen, Konferenzen und Demonstrationen geworden. Unter dieser Parole kommen Frauen aus Gewerkschaften, politischen Parteien, Frauengruppen und Initiativen einzelner Bewegungen zusammen, um dagegen zu protestieren, wie die Frauen unter den geballten Auswirkungen der kapitalistischen Krise zu leiden haben, und zu fordern, daß die Arbeiterbewegung endlich zu ihrer Verteidigung in Aktion tritt.

Wahrend sich in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren die Lage der Frauen in Westeuropa merklich verbesserte, besteht nun in mehrfacher Hinsicht das reale Risiko, diese Errungenschaften zunehmend wieder zu verlieren.

Sowohl in der Familie als auch am Arbeitsplatz gehören die Frauen zu den ersten Zielscheiben der kapitalistischen Angriffe. Einschnitte in die Ausgaben für Kinderversorgung, für Gesundheitsversorgung und andere soziale Dienstleistungen oder Einbrüche in das Reallohnniveau - bei all dem tragen die Frauen die größte Last in ihrer Rolle als Stütze des Hauses und der Familie. Als Arbeiterinnen gelten Frauen als beliebig austauschbar, denn schließlich arbeiten sie ja nur für ihr "Taschengeld' und können somit in die Belegschaften eingegliedert oder aus ihnen ausgeschlossen werden, gerade wie es den Bedürfnissen der Unternehmer zupaß kommt. Das alles wird von einer massiven ideologischen Offensive begleitet, die die materiellen Angriffe auf die Rechte der Frauen rechtfertigen und die Errungenschaften der siebziger Jahre zurückerobern helfen soll, einer Zeit, in der die Frauen aus dem Schwunge ihrer Bewegung Kapital schlagen konnten, da die Krise noch nicht so tief war, daß keine Zugständnisse hätten gemacht werden können. Die Angriffe auf die Frauen in der augenblicklichen Situation sind derart massiv, daß die Frage, wie sich die Frauen organisieren sollen, um Widerstand leisten zu können, immer dringlicher in den Vordergrund tritt.

Die Frauenbefreiungsbewegung, sich in den siebziger Jahren über ganz Europa ausbreitete, ist organisatorisch auf dem Abstieg. Diese Bewegung entwickelte sich vor allem außerhalb der Organisationen der Arbeiterbewegung und stützte sich auf reine Frauengruppen, die meist von studentischen oder freiberuflichen Frauen initilert waren.

Die Wirkung dieser Bewegung enorm. In jeder Schicht der Gesellschaft lösten die Ideen der Gleichheit und der Befreiung der Frau Diskussionen aus und fan- - von Penny Duggan, Dez. 1982. den ihren Widerhall. So bleiben doch, obwohl die Frauengruppen und • Organisationen einiges an ihrer Stärke und politischen Perspektive einbüßten, die Ideen stark und sind in viel größeren Schichten der Gesellschaft verbreitet. Das Engagement ac: Massenorganisationen der Arbeiterklasse zur Verteidigung der Frauenrechte kann, obwohl es völlig ungleichmäßig ist, den Anfangspunkt für die gemeinsame Aktion der Frauen zur Verteidigung ihrer eigenen Rechte im Rahmen einer allgemeinen Arbeiterlösung der Krise des Kapitalismus bilder.

ZURÜCK AN HEIM UND HERD

Zitieren wir den Staatsekretär für Soziales der momentanen britischen Regierung, Patrick Jenkin: »Nich' wahr, wenn der liebe Gott an ein gleiches Recht auf Arbeit gedacht hätte, würde er doch nicht Männer und Frauen erschaffen haben?« Solche Ansichten sind nicht mal nur für so rechte Leute spezifisch, wie sie in der Thatcher-Regierung sitzen. In der Arbeiterbewegung selbst gibt es viele, die glauben, Frauen sollten ihren Arbeitsplatz opfern, um welche für Männer oder jugendliche Arbeitslose freizumachen Diese ideologische Attacke kommt nach einem Jahrzehnt zunehmender Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen. Sie wird zur Rechtfertigung des Abbaus der Frauenrechte auf jedem Gebiet benutzt - ihres Rechts auf Arbeit, besonders bei qualifizierten und Vollzeitstellen, ihres Rechts auf staatlich finanzierte Kindertagesstätten und ihres Rechts, selbst entscheiden zu können, ob sie Kinder haben wollen oder nicht. So ein Versuch, die Uhr zurückzudrehen, ist nicht neu. Wahrend des Zweiten Weltkrieges wurden die Frauen in vielen Ländern angehalten, arbeiten zu gehen, um notwenige Produktionsaufgaben wahrzunehmen, die vorher von Männern ausgefüllt wurden. In Großbritannien wurden, um das zu erleichtern, Kindergärten, öffentliche Wäschereien und subventionierte Kantinen eingerichtet. Es wurde eine Kampagne geführt, um die Frauen zu überzeugen, daß sie solche Arbeiten verrichten könnten und sollten, die sowohl schwer als auch gefahrlich waren, viele davon in den Munitionsfabriken. Vielen jungen Frauen vermittelte dies einen Geschmack von sozialer und ökonomischer Unabhängigkeit, an den sie sich ihr ganzes Leben lang erinnern. Ais aber der Krieg vorbei war und die Männer ins zivile Leben zurückkehrten, gab es eine dramatische Wende der Einstellungen. Auf einmal wurde ein Dr. Spock als der große Theoretiker über Kindererziehung ausgerufen, der die Position vertrat, Frauen hätten sich in den ersten fünf Jahren des Lebens ihrer Kinder diesen völlig hinzugeben, wenn sie nicht wollten, dal ihre Babies psychologisch angeschlagen aufwachsen würden. Den Frauen wurde gesagt, es sei nun ihre Pflicht, ihre Arbeit für die Männer aufzugeben. Die sozialen Dienstleistungen verschwanden auf einmal von der Bildfläche. Alles änderte sich: die Pariser Modedesigner verlängerten die Röcke und verengten die Taillen, um nach den ziemlich kurzen Röcken der Kriegsjahre zur 'Femininität' zurückzukehren. Diesmal wird es nicht so leicht sein, die Frauen an den Herd zurückzutreiben. Die Errungenschaften der Frauen in den letzten Jahren waren Resultat ihres eigenen Kampfes, und die breiten Schichten von Frauen, die überzeugt sind, das Recht zu haben, über den Lauf ihres Lebens selber zu entscheiden, werden nicht so leicht vom Gegenteil überzeugt werden können. Der massenhafte Eintritt von Frauen in die Reihen der Arbeitenden während des Nachkriegsbooms hat eine strukturelle Wandlung in der Position der Frauen gebracht, die nicht so leicht aufgehoben werden kann. Damit wollen wir aber nicht sagen, der gegenwärtige Angriff auf die Rechte der Frauen sei nicht ernstzunehmen. Es ist lebenswichtig, daß Frauen und Männer als eine einige Arbeiterklasse Zoll um Zoll die Rechte der Frauen verteidigen und ausbauen.

ABTREIBUNGSRECHT UNTER BE- SCHUSS

Eine der Hauptkampagnen der Frauenbewegung in Europa ist die für das Recht auf Abtreibung und freie Verhütung. Frauen wissen, daß viele andere Rechte bedeutungslos werden, wenn sie nicht das Recht haben, zu entscheiden, ob und wann sie Kinder bekommen. Seit Mitte der sechziger Jahre wurden auf diesem Gebiet in fast jedem europäischen Land Fortschritte erzielt. Auch da, wo die Gesetze nicht geändert wurden, hat die Kampagne der Frauen Diskussionen über dieses vorherige Tabuthema provoziert, und oft wurden die Gesetze in der Praxis nicht so streng angewandt.

Aber heute befinden sich die Frauen auch dort, wo die Gesetze liberalisiert worden waren, in der Defensive. Seit es verab. schiedet wurde, hat das britische Abtreibungsgesetz von 1967 zehn Versuche im Parlament überstanden, ihm einschränkende Zusätze zu verpassen, und zwar dank

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der massiven Verteidigungskampagnen, die von den Gewerkschaften und der Labour Party unterstützt wurden. Dennoch werden die Angriffe durch die Hintertüre fortgesetzt: Ärzte und ihre Patientinnen müssen zunehmend bürokratische Prozeduren mitmachen, von den harten Abtreibungsgegnern werden Prozesse gegen bekannte Arzte angestrengt, eine hysterische Propaganda mit Fötussen, die in den Abflußröhren der Krankenhäuser langsam sterben, läuft, und die Krankenkassenzuschüsse bei Abtreibungen werden eingeschränkt. In anderen "liberalen' Ländern Nordcuropas bereitet sich die Frauenbewegung auf Verteidigungskampagnen vor. Eine Regierungskommission in Schweden arbeitet cinen Bericht über die Wirkung des dortigen Abtreibungsgesetzes aus, und obwohl von ihr keine Anderungsvorschläge erwartet werden, werden die Antiabtreibungsgruppen diese Gelegenheit wohl nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Da, wo Abtreibung sowieso illegal geblieben ist, gibt es sogar die Tendenz, das noch zu verschärfen. In Südirland, wo sie unter keinen Umständen erlaubt ist, soll ein Verfassungszusatz verabschiedet werden, der jedes Gesetz, durch den das Verbot gelockert wird, verfassungswidrig machen und somit die Schwierigkeiten sehr verstärken würde, auf diesem Gebiet einen Fortschritt zu erzielen. In Belgien, wo Abtreibung auch illegal ist, wurden die Verfolgungen von Frauen und Ärzten, die seit 1973 de facto ausgesetzt waren, 1982 wieder aufgenommen. Obwohl die bisher ausgesprochenen Strafen recht milde waren, laufen die Ärzte, die nach wie vor Abtreibungen durchführen, Gefahr, als Wiederholungstäter verurteilt zu werden. Im spanischen Staat wurde ein relativer Sieg errungen, als in den sogenannten Bilbao-Prozessen die Frauen und Arzte, die der Abtreibung angeklagt waren, nur gering bestraft oder freigesprochen wurden. Aber die neugewählte Regierung der Sozialistischen Partei hat zur Abtreibung nur minimale Versprechungen gemacht - seine schwache Milderung der Strafbarkeit der Abtreibung, die auf jedenfall den Frauen das Recht darauf weiterhin verweigert«, wie 'Combate', Zeitung unserer Sektion, am 8. Okt. 82 erklärte. In Portugal legte die Kommunistische Partei kürzlich dem Parlament einen Gesetzesantrag vor, der ein begrenztes Recht auf Abtreibung in den ersten zwölf Wochen beinhaltete. Obwohl er 127:105 abgelehnt wurde, war es doch ein Schritt vorwärts, insofern es das erste Mal war, daß dieses Thema im portugiesischen Parlament aufgegriffen wurde.

Einer der größten Erfolge der siebziger Jahre war die Einführung eines Gesetzes, das Abtreibung gestattet in Italien, einem fast vollständig katholischen Land. Aber dieses Gesetz war in der Praxis immer mit Schwierigkeiten beladen. Die Klausel, die es dem medizinischen Personal erlaubt, die Ausführung von Abtreibungen aus Gewissensgründen abzulehnen, stellt in einem Land wie Italien eine viel größere Behinderung dar als in Großbritannien, obwohl eine überwältigende Zahl von Frauen das Recht auf Abtreibung bei Volksabstimmungen unterstützte. Die 'consultori", die speziellen Frauenkliniken, sind nun in das Staatssystem eingegliedert und der direkten Kontrolle durch die Frauen beraubt worden. Ihnen ist zusätzlich die Verantwortung für Alte, Drogenabhängie etc. zugeschoben worden; sie können also Frauen viel weniger helfen.

Den einzigen wirklichen Fortschritt in letzter Zeit gab es in Frankreich, wo die Mitterrand-Regierung nach vielen Ausfüchten zugestimmt hat, eine 70%ige Rückerstattung der Abtreibungskosten einzuführen. Diese Neuerung war ursprünglich schon vor den Wahlen vom 10.5.1981 versprochen worden, wurde aber erst im Dezember 1982 verkündet.

Der Angriff auf das Abtreibungsrecht ist das Herzstück des ideologischen Angriffs auf die Frauen, ihnen jede Rolle ausser der traditionellen Stütze von Haushalt und Familie zu verweigern. Da dieses Recht immer die Hauptsache der Frauenbewegung war, ist der Kampf um dieses Recht zu dem am umfassendsten diskutierten Punkt in der Arbeiterbewegung und den politischen Arbeiterparteien geworden. In Großbritannien unterstützen TUC und Labour Party das Recht auf Abtreibung und sind bereit, gegen die Änderung des bestehenden Abtreibungsgesetzes in Aktion zu treten. Die britische Arbeiterbewegung ist also der Mehrheit der europäischen Länder weit voraus. Dennoch haben auch die meisten sozialdemokratischen Gewerkschaften und Parteien sowie die kommunistischen Parteien und die mit dieser verbundenen Gewerkschaften einige Schritte dahin getan, die Forderungen der Frauen auf diesem Gebiet zu unterstützen. Dies ist jedoch z.B. in den Niederlanden nicht der Fall, wo Frauen mit 20% einen ganz besonders geringen Anteil an der Zahl der Lohnabhängigen stellen. In Belgien dagegen hat sich die Diskussion sogar bis in die katholischen Gewerkschaften hinein ausgedehnt. Dazu kam es, als beschlossen wurde, die Frage der Abtreibung wegzulassen, um zwischen dem sozialdemokratischen und dem katholischen Gewerkschaftsdachverband die Einheit für einen Marsch 'Frauen gegen die Krise' am 8. März zu wahren. Genau das löste aber besonders unter den Frauen an der Basis der katholischen Gewerkschaften Debatten aus.

FRAUENARBEITSLOSIGKEIT

Aber es überrascht sicherlich nicht, daß die Probleme der Frauen als Arbeiterinnen in der Arbeiterbewegung viel mehr ins Gespräch gekommen sind.

Parallel zu der Forderung auf Kontrolle über den eigenen Körper geht für Frauen die Forderung auf das Recht, bezahlter Arbeit außerhalb des Haushalts nachzugehen. Je mehr durch die Krise der Reallohn der Arbeiter gekürzt wird und je schwerer die Arbeitslosigkeit lastet, desto augenfalliger wird es, daß die Löhne der Frauen, auch der verheirateten, nicht bloß für unwichtige Extras und Luxusgüter ausgegeben werden, sondern einen essentiellen Bestandteil des Einkommens darstellen. Na- Türlich wurde das für die ständig wachsende Zahl der alleinlebenden oder für cine Familie verantwortlichen Frauen niemals in Zweifel gezogen. Und für alle Frauen ist ein eigenes Einkommen immer schon eine Garantie ihrer Unabhängigkeit gewesen. Wahrend der Wirtschaftskrise ist die Arbeitslosigkeit der Frauen schneller als die der Männer gestiegen, z.B. in Großbritannien auf die doppelte Rate der Männer von 16,2% auf 29% der Gesamtarbeitslosigkeit von 1973 bis 1978. In Belgien war 1982 die Arbeitslosigkeit der Männer erstmals höher als die der Frauen.

Aufgrund ihrer Verantwortung für die Familie stellen Frauen die Mehrheit der Reservearmee des Kapitalismus mit Kurzzeitverträgen, mit Teilzeitarbeit oder indem sie einfach verschiedentlich ihre Arbeitsplätze ganz verlassen, ganz wie es den Bedürfnissen der Unternehmer und den Zwängen der Familie entspricht. Frauen gibt es vor allem an weniger qualifizierten Arbeitsplätzen; sie finden damit schwieriger eine neue Arbeit, haben sie einmal ihre alte Stellung aus was für Gründen auch immer aufgegeben. Eine der Hauptquellen für Frauenbeschäftigung, der öffentliche Dienst, nahm bisher stetig zu, stagniert aber jetzt. Das trägt auch zur rapiden Zunnahme der Frauenarbeitslosigkeit bei, da für die zunehmende Zahl der Frauen auf dem Arbeitsmarkt die sich früher bietenden Möglichkeiten im staatlichen Bereich austrocknen. Aber die Zahlen zeigen nicht das tatsächliche Ausmaß der Frauenarbeitslosigkeit. Besonders viele verheiratete Frauen melden sich nicht arbeitslos, weil ihnen kein Arbeitslosengeld zusteht oder weil sie sich selber gar nicht als wirklich arbeitslos empfinden. Das Recht der Frauen auf Arbeit kann nur verteidigt werden, wenn es im Rahmen der Verteidigung der Arbeitsplätze durch die Gesamtarbeiterklasse als eine spezifische . Aufgabe angeschen wird. Die 35-Stundenwoche, die die Zahl der Arbeitsplätze steigern würde, und die gleitende Lohnskala wären für Frauen ein enormer Vorteil, da für sie die Arbeitslosigkeit hoch und der Lohn niedrig ist; in Großbritannien beträgt der durchschnittliche Frauenlohn immer noch erst 60 % des durchschnittlichen Männerlohns. Darüberhinaus muß Frauen ein positiver Anreiz und vermehrte Gelegenheit gegeben werden, in neue Arbeitsgebiete vorzustoßen, die traditionell männlich dominiert sind. In vielen europäischen Ländern sind die aus den USA stammenden 'Affirmative Action'-Programme (bevorzugte Einstellung, d.Red.) mit Interesse studiert worden, die den Unternehmer gesetzlich zwingen, eine bestimmte Quote weiblicher Beschäftigter - auch sogar im Bergbau - einzustellen.

WIE MAN DIE SACHE RICHTIGSTEL- LEN KANN

Frauen ist schon immer die Ausbildung verweigert woren, die ihnen Zugang zu qualifizierten Arbeiten in der Industrie oder anderswo gegeben hätte. Wenn nicht Schritte unternommen werden, diesen historischen Nachteil abzubauen, dann bleibt der Begriff 'Chancengleichheit bei der Einstellung' eine Floskel. Frauen sind für bestimmte Arbeiten schlicht nicht zugelassen. In Großbritannien zum Beispiel gehören zu

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vielen Facharbeiterberufen im Maschinenbau, bei der Stromversorgung, bei der Eisenbahn eine Lehrlingsausbildung; aber Frauen findet man nur als Friseurlehrlinge. Die Idee einer ausdrücklichen Aktion dafür, Frauen in alle Arten von Arbeitsplätzen zu kriegen, wird zunchmend diskutiert. In Österreich machte die Sozialdemokratie einige zaghafte Schritte, Frauen zur Ausbildung als Elektrikerin zu ermutigen, und sprach sich im allgemeinen für weitere solche Schritte aus. In der BRD wurde in ciner Fabrik in Köln ein Ausbildungsprogramm für Mädchen eingerichtet, aber es stellte sich nach der Ausbildung heraus, daß es fast unmöglich war, eine Arbeit zu finden. Das ist auch in anderen Ländern, wo eine einzelne Firma oder Behörde solche Kurse eingeführt hat, geschehen, wenn es nicht einen allgemeinen Plan gab, der die Unternehmer zu positiver Diskriminierung bei der Einstellung zwingt. Das ist eine der vielen Schwächen des britischen Gesetzes gegen sexuelle Diskriminierung: es erlaubt eine positive bei der Ausbildung, aber nicht bei der Arbeitssuche. Jedoch haben TUC und Labour Party auch hier eine positive Haltung eingenommen, und sogar einige Arbeitgeber, vor allem Labour Stadtverwaltungen, haben sich zu "Gleiche Chancen'-Arbeitgebern erklärt und sind nun verpflichtet, Frauen auf der gleichen Grundlage wie Männer für deren traditionelle Arbeiten einzustellen.

Die italienischen Arbeiter bei FIAT haben in dieser Sache einen bedeutenden Schritt nach vorne gemacht. Die dortige Gewerkschaft zwang das Management zur Übereinkuft, daß 59% aller Neueinstellungen Frauen sein müssen. In Schweden müssen Firmen, die sich in besonders krisengeschüttelten Gebieten ansiedeln, mindestens 40% Frauen einstellen. Darüberhinaus können schwedische Firmen mit umfangreichen Subventionen rechnen, wenn sie Frauen in traditionellen Männerberufen einstellen. Das sind einige der auffalligsten praktischen Maßnahmen, die durchgesetzt wurden. Bezeichnenderweise wird dieser Frage in ganz Europa erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt, von Spanien, wo eine Konferenz der Frauenkommission der Comisiones Obreras (KP-Gewerkschaft) Recht auf Arbeit und bevorzugte Einstellung zum Haupttagesordnungspunkt machte, bis nach Schweden. Wie schrieben doch italienische Frauen, die eine europäische Konferenz zur Frauenarbeit anregen wollten? »Seit dem massenhaften Auftreten von Frauen auf dem Arbeitsmarkt haben sich sogar die Themen des Feminismus geändert. 'Welche Arbeit?' ist die zentrale Frage geworden.«

TEILZEITARBEIT IST TEILZEITAR- BEITSLOSIGKEIT

Teilzeitarbeit wird oft als positiv für Frauen angeschen, da sie ihnen ermögliche, ein bescheidenes Ausmaß von Unabhängigkeit durch eigene Arbeit und ein wenig Zusatzgeld für persönliche Anschaffungen mit der Verantwortung für Kinder und Familie in Einklang zu bringen.

Die Wahrheit ist dagegen ganz anders. Erstmal haben alle Frauen das Recht auf einen vollen Lohn und eine befriedigende Arbeit. Zweitens ist Teilzeitarbeit im interesse der Unternehmer. Sie gestattet ihnen, Arbeitskraft flexibler einzusetzen, so wie es von ihrem Bedürfnis, die Profite zu steigern, diktiert wird. Sie macht die Beschaftigungslage noch unsicherer und schwächt die Organisation und Solidarität der Belegschaften. Unternehmer können die von Frauen gebotene Arbeitskraft benutzen, ohne direkt oder durch den Staat für soziale Dienste wie Kinderbetreuung zu zahlen, die Frauen eine Vollzeitarbeit erleichtern würden.

In vielen Ländern haben Teilzeitarbeiter nicht den gleichen Rahmentarif wie die übrigen Kollegen, was Urlaubstage, Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle oder Sicherheit am Arbeitsplatz betrifft. Z.B. bekommen in Frankreich Teilzeitarbeiter im Durchschnitt umgerechnet 15 bis 20% weniger als normale Arbeiter. Und das nach einer Verbesserung der Teilzeitarbeiter, die vor kurzem per Regierungsdekret durchgeführt wurde.

Oft erscheint Teilzeitarbeit im Gewande von "job-sharing', oder sie wird als ein neuer und emanzipatorischer Weg dargestellt, der den Menschen mehr Zeit für andere Tätigkeiten lassen würde. Aber im Gegensatz zur Forderung nach Aufteilung der Arbeit auf alle Hände ohne Lohneinbußen heißt Teilzeitarbeit nichts anderes als Lohneinbuße. Und wenn man sich die Statistiken anschaut, dann sicht man, daß es nicht die freie Entscheidung der Frauen ist, Teilzeit zu arbeiten. Kann es denn sein, daß 40 % aller britischen Frauen, die arbeiten, freiwillig schlechtbezahlte und unsichere Arbeiten angenommen haben?

Viele Gewerkschaften haben formal gegen die Schritte der Institutionalisierung der Teilzeitarbeit Stellung bezogen, aber herzlich wenig Aktivitäten an den Tag gelegt. Zum Beispiel hat die CGT in Frankreich, die ursprünglich gegen Teilzeitarbeit war, ganz anders reagiert, als die Mitterrand-Regierung, in der KP-Minister vertreten sind, sie in den Arbeitsgesetzen kodifizieren wollte. CGT-Führer Krasucki wurde gefragt, was er zu tun beabsichtige; die Antwort war, daß er eine Pressekonferenz organisiert habe, und darüberhinaus wurden die Kollegen in den Betrieben schon wissen, was sie dort zu tun hatten! Eine solche Passivität angesichts der neuen Angriffe auf die Frauen trotz formaler Beschlüsse kennt man ja schon. FRAUEN GEGEN DIE KRISE

Das Ausmaß des heutigen Angriffs auf die Frauen stellt einige scharf umrissene politische Fragen. Wie verteidigen wir die Rechte der Frauen als Teil der Rechte und des Lebensstandards der ganzen Arbeiterklasse? Steht das Recht der Frauen auf Arbeit zu dem der Männer im Widerspruch? Trotz den Fortschritten, die in der Arbeiterbewegung bei den Rechten der Frauen formal gemacht wurden, ist es oft offensichtlich, daß es sich dabei nur um Rhetorik handelt und in den konkreten Kämpfen zur Erhaltung von Arbeitsplätzen die Bürokratie schnell bei der Hand ist, die Frauen zu opfern.

Demgegenüber standen Frauen oft in der vordersten Reihe des Kampfes. Besonders in der Textilindustrie hat es bemerkenswerte Kämpfe gegeben. Die Frauen der Lee Jeans-Fabrik in Schottland besetzten ihren Betrieb, als klar wurde, daß er geschlossen würde und sie damit all ihre Arbeit verloren hatten. Sie organisierten in der ganzen britischen Arbeiterbewegung

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einc Solidaritätskampagne mit dem Erfolg. werkschaften und Frauengruppen gleicher- Unter dem Eindruck der Krise komdaß der Betrieb von einer anderen Firma maßen miteinbezichende nationale Kund- zunehmend Frauen verschiedenster gebung für die Rechte der Frauen durchzu- politischer Standpunkte zusammen, um ih- Vorgehen wurde von vielen anderen Arbei- führen, nachdem im Jahr zuvor das 'Wo- re Rechte zu verteidigen. Und es zeigt sich, tern im ganzen Land begrüßt und als Speer- men Against the Toris'-Festival und die Se- daß es die Frauen in den Massenorganisaspitze im Kampf gegen Arbeitslosigkeit rie der von der Labour Party selber organi- tionen der Arbeiterklasse sind, die ihr orgaempfunden. In Schweden, wo Frauen von Arbeitslosenmärsche sie in diese nisatorische Stärke dazu nutzen können, al- Lee Jeans einen Besuch abstatteten, gab es Richtung drängten. le Frauen anzuziehen und ihnen eine Fahdanach auch eine Fabrikbesetzung durch In einigen Ländern hat die Gewerk- rung zu geben. Dieser Prozeß ist außerst Frauen im Textilsektor, auch hier mit einer schaftsbürokratie diese Art von Einheit er- ungleichzeitig: in einigen Ländern werden folgreich abgeblockt. Das ist zum Beispiel sogar die Frauenkommissionen den übrigen Gewerkschaftern; eine Diskus- in Westdeutschland der Fall. Der DGB hat- werkschaften und politischen Arbeiterparsion über den Nutzen von te festgestellt, daß sich zunehmend mehr teien in die Ecke gedrängt. Aber der histobeim Kampf gegen Arbeitslosigkeit wurde Gewerkschaften rische Erfolg in Großbritannien, wo der und organisierte daraufhin erstmalig eine Gewerkschaftsdachverband TUC zu einer Die Frauen schicken sich an, jeden Veranstaltungsreihe zum Internationalen nationalen Demonstration rief, um die An- Angriff der Kapitalisten zurückzuweisen Frauentag 1982, damit ihm die Kontrolle griffe auf das Recht der Frauen auf Abtreiund nicht nur gegen akute Bedrohungen in bung zurückzuweisen, weist den Weg vor- Aktion zu treten. In Belgien brachte der in- an. Dieser Erfolg konnte nur durch den ternationale Frauentag 'Frauen und Arbeit' April 1982 eine der er- entschiedenen Kampf der Frauen innerhalb 'Frauen gegen die Krise' in den letzten bei- folgreichsten Ereignisse der letzten Jahre, der Gewerkschaften, die Führung zur Verden Jahren viele Frauen mit den Gewerk- wo sich 2000 Frauen und Männer, darunter teidigung ihrer Interessen zu zwingen, erschaften zusammen. Die britische Labour viel Gewerkschafter, trafen, um über alle zielt werden. war durch ihre wachsende, aktive Fragen zu sprechen, die die Frauen in der und zum linken Flügel gehörende Frauen- Krise betreffen (siche Inprekorr Nr. 7/1982 organisation gezwungen, 1982 eine Ge- vom 26. Juni 1982).