Iran: Der Krieg gegen den Irak und der Stand der Revolution
Interview mit Saber Nikbin, einem Führer der Sozialistischen Arbeiterpartei im Iran (HKS) Seit über zwei Jahren befinden sich der Iran und der Irak im Krieg. wirkungen dieses Krieges auf die Entwicklung der iranischen Revo- Seit über zwei Jahren befinden sich der Iran und der Irak im Krieg. wirkungen dieses Krieges auf die Entwicklung der iranischen Revo- Nach Monaten verlustreicher Kämpfe auf beiden Seiten gelang es lution wurde Sabe
Führer der Hezb-e-Kargaran-e- Socialist = Sozialistische Arbeiterpartei (HKS), am 16.10.82 interdem Iran, die am 21.9.1980 vom Irak begonnene Invasion zurückzuschlagen und den irakischen Aggressor über die Grenze zurück- viewt. Die HKS ist eine von drei Gruppierungen im Iran, die der zuschlagen und den irakischen Aggressor über die Grenze zurück- viewt. Die HKS ist eine von drei Gruppierungen im Iran, die der zuwerfen. Im Juli 1982 griff Teheran den irakischen Hafen Basra IV. Internationale angehören - die anderen beiden sind die HKE zuwerfen. Im Juli 1982 griff Teheran den irakischen Hafen Basra IV. Internationale angehören - die anderen beiden sind die HKE im Süden des Irak an, ohne ihn jedoch einnehmen zu können. Ge- (Hezb-e-Kargaran-e-Enghelabi = Revolutionäre Arbeiterpartei) im Süden des Irak an, ohne ihn jedoch einnehmen zu können. Ge- (Hezb-e-Kargaran-e-Enghelabi = Revolutionäre Arbeiterpartei) genwärtig hat der Iran eine neue militärische Offensive eingeleitet. und die HVK (Hezb-e-Vahdat-e-Kargaran = Partei der Arbeite- Über die Ursprünge der irakischen Invasion und über die Aus- - Wie schätzt die HKS die politische Bedeutung des iranisch-irakischen Krieges ein? Welches politische Kalkül steckt hinter diesem Krieg? Welchen Stellenwert hat dieser Krieg für die Revolution im Iran? - Der Krieg zwischen dem Regime Saddam Husseins und dem Regime im Iran, das von Khomeini und den Kräften um ihn dominiert wird, geht nun in sein drittes Jahr. In den letzten zwei Jahren war der Charakter dieses Krieges und entsprechend die Haltung der Arbeiter und unterdrückten Massen im Iran zu diesem Krieg beträchtlichen Änderungen unterworfen.
Diese Veränderungen ergeben sich aus der Entwicklung von zentralen politischen Faktoren im Iran, nämlich aus den Entwicklungsetappen der iranischen Revolution und aus dem Prozeß des Wiederaufbaus des bürgerlichen Staates im Iran, nachdem der alte Staatsapparat des Schahs durch die Massenbewegun und die Massenerhebung in den Jahren 1978/79 gestürzt worden ist.
Die auffallendste Änderung macht sich darin bemerkbar, daß Saddam Hussein seine Truppen hinter die »internationale« Grenze zwischen dem Iran und dem Irak zurückziehen mußte, nachdem dieser Krieg als Invasion begonnen hatte und nunmehr die Soldaten Khomeinis massive Offensiven auf irakisches Staatsgebiet tragen. Wenn man diese verschiedenen Etappen im Verlauf des Krieges nicht mitberücksichtigt, sitzt man sehr leicht der Fehleinschätzung oder Vereinfachung auf, daß die gegenwärtigen Kriegsziele beider Regimes einfach eine Fortsetzung der anfänglichen Kriegsziele sind. Es wäre total falsch, dem Geschwätz des iranischen Regimes Glauben zu schenken, daß es sich gegenwärtig immer noch um den ursprünglichen Verteidigungskrieg handelt, nur mit dem Unterschied, daß dieser Verteidigungskrieg jetzt auf irakischem Territorium geführt wird.
Das irakische Volk schenkt solchen »Erklärungen« mit Sicherheit keinen Glauben, besonders dann nicht, wenn Presse und Regierung im Iran wie während der letzten Juli-Offensive lauthals verkünden, daß die »islamischen Kämpfer« hundert Kilometer vor Baghdad stehen (tatsächlich ist dies ungefähr die kürzeste Entfernung zwischen der iranischen Grenze und der irakischen Hauptstadt) oder wenn die iranische Regierung erklärt, daß es ihr erstes Ziel sei, die heiligen Städte der Shiiten im Süden des Irak, Nejaf und Karbala, befreien zu wollen. Tatsächlich führt das Hauptquartier der iranischen Invasionsarmee den Namen »Stützpunkt Nejaf«.
Es steht nun mit Sicherheit fest (zweifelhaft war dies eigentlich nie), daß Saddam Hussein diesen Krieg mit der taktischen Unterstützung der reaktionären arabischen Staaten und dem Weltimperialismus begonnen hatte, um den revolutionăren Prozeß im Iran zu schwächen und die Gefahr, die von dieser Revolution auf die Interessen der Reaktion im Nahen Osten ausging, klein zu halten.
Deshalb konnten revolutionäre Marxisten in diesem Krieg nicht neutral bleiben. Der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak stellte nicht nur einen Krieg zwischen zwei reaktionären bürgerlichen Staaten dar. Er bot für reaktionäre Kräfte die Möglichkeit, die iranische Revolution zu erdrosseln. Was unbedingt verstanden werden muß, ist, daß dieser Krieg nicht nur das Ziel hatte, die iranische Revolution von außen zu vernichten, sondern genauso die Kräfteverhältnisse im Iran selbst zugunsten der Reaktion (inklusive der Reaktion, die in der Regierung von Khomeini sitzt) zu verschieben. Kriege drücken immer tiefe soziale, politische und ökonomische Konflikte aus; sie haben nichts mit Sportwettkämplen gemein. Zwischen bügerlichen Regimen, die sich untereinander im Krieg befinden, herrscht immer eine Art Komplizenschaft, das heißt eine Komplizenschaft gegen ihr eigene Arbeiterklasse und gegen die von ihnen unterdrückte Bevölkerung. Höchst selten versuchen bürgerliche Regime, die bürgerliche Geselischaftsstruktur eines anderen Landes zu zerstören. Vielmehr versuchen sie, damit schrittweise zu einem Konsens zu kommen.
Die Einschätzung, daß Khomeini das Regime Saddam Husseins total zerstören wollte, würde voraussetzuen, dai die Regierung Khomeini tatsächlich den revolutionären Prozess auf die ganze Region ausdehnen will.
In Wirklichkeit ist sein Ziel, wie es das Ziel jeder bürgerlichen Regierung in derselben Situation ist, den Aufschwung der Massenkämpfe im eigenen Land zu unterdrücken und nicht, ihn zu fördern. Während von iranischer Seite versucht wurde, die Massenunzufriedenheit im Irak gegen Saddam Hussein in gewisser Hinsicht auszunutzen, war man sehr darauf bedacht, nicht soweit zu gehen, einen Massenaufstand zu unterstützen, der ausser Kontrolle geraten könnte.
Die andere Seite der Medaille ist, daß die Regierung Khomeini vom Angriff der irakischen Invasionsarmee auf die iranische Revolution profitierte und dadurch ihre Position im eigenen Land stärkte. Die Rechte innerhalb des Khomeini/Regmies suchte ebenfalls nach Wegen, um die irakische Invasion zur Stärkung ihres Einflußes zu instrumentalisieren.
Im Ergebnis stellt also dieser Krieg keine zweiseitige militärische Auseinandersetzung dar, sondern eine Auseinandersetzung auf politischer, sozialer und militärischer Ebene, in welcher die Zukunft der Massenbewegung im Iran der wesentlichste Gesichtspunkt ist.
Aus diesem Grund bestand die wichtigste Aufgabe der Revolutionäre im Iran und in dieser Region darin, zu versuchen, die unterdrückten Massen in beiden Ländern zu mobilisieren, um der Aggression der irakischen Baath-Partei entgegenzutreten. Diese Kampagne mußte um die zentralen Forderungen, nämlich der Verteidigung der iranischen Revolution und der Beendigung dieses Krieges, geführt werden.
- War das Regime Saddam Husseins, als es diesen Krieg vom Zaun brauch, nur ein Werkzeug des Imperialismus?
- Nein. Die Beziehung zwischen neokolonialen Regimen und dem Imperialismus ist nicht so einfach. Die Baath-Partei hat ihre eigenen sozialen Interessen, ihre eigenen Ziele und ihre eigene Strategie beim Kungeln mit dem Imperialismus. Auch verteidigte diese Partei die spezifischen nationalen Interessen der irakischen Bourgeoisie. Nirgendwo in dieser Region war die Sprengkraft der iranischen Revolution grösser als im Irak. Sie gab der sogenannten »schiitischen« Opposition im Irak Auftrieb
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(tatsächlich stellt diese Bewegung hauptsächlich eine Bewegung der armen Bauern, besonders im Südirak, dar). Sie machte den Weg frei für die Stärkung der Kurdenbewegung, die gegen ihre nationale Unterdrückung kämpft. Sie gab einer Welle antiimperialistischer Gefühle neuen Auftrieb in einer Periode, in der die irakische Bourgeoisie sich anschickte, sich noch stärker in den kapitalistischen Weltmarkt zu integrieren. Die Reaktion des Regimes Saddam Husseins auf die iranische Revolution machte sich in einem deutlichen Rechtsschwenk auf nationaler wie internationaler Ebene bemerkbar, was auch die Zusammenarbeit mit verjagten Politikern und Generälen des Schahs wie dem Ex-Premierminister Bakhtiar und General Oveissi mit einschloß. Das Baath-Regimes forderte lauthals die Zerstörung des Khomeini- Regimes von rechts und unterstützte systematisch konterrevolutionäre Putsch- und Umsturzpläne im Iran. Die großangelegte militärische Aggression, die im September 1980 gestartet wurde, war nur logischer Höhepunkt dieser Politik.
Bei diesem Angriff profitierte Saddam Hussein von der chauvinistischen und reaktionären Politik der Khomeini-Führung, z.B. von der brutalen Repression gegenüber den arabischen Minderheiten im Iran, von den chauvinistischen Erklärungen zu einem »Groß-Iran«, die vom Khomeini-Regime unter dem rhetorischen Deckmantel des »Panislamismus« vom Stapel gelassen wurden, und von der Weigerung der neuen Regierung im Iran, den einseitigen Grenzvertrag von 1975 zu revidieren, der dem Irak vom Schah aufgezwungen wurde.
Obwohl arabische Staaten und Organisationen nicht offen gegen die Repression, die gegenüber den Arabern im Iran ausgeübt wurde, protestierten, hat diese doch einen tiefen Eindruck hinterlassen. Beispielsweise ordnete Khomeini die Schließung des PLO-Büros in Ahwaz, in einer der größten Städte im von Arabern bewohnten Teil des Iran, an.
Das Baath-Regime hatte auch zum Ziel, sich durch die von den Golfstaaten und Saudi-Arabien gewährte Hilfe zu konsolidieren. In gewisser Hinsicht war geplant, den Platz, der durch den Sturz des Schah als imperialistischer Gendarm in dieser Region freigeworden war, neu zu besetzen und privilegierte Beziehungen zum Imperialismus herzustellen.
Das Baath-Regime hatte ebenfalls die Hoffnung, daß dieser Krieg den Irak bei der Erfüllung seines Plans weiterbrächte, das Bündnis mit der UdSSR zugunsten eines Bündnisses mit den USA zu beenden (diese Entwicklung begann 1979 nach dem Bruch mit dem Regime in Syrien). Schon vor Beginn dieses Krieges empfing der Irak insoweit ermutigende Signale von Seiten des US-Imperialismus, allerdings indirekt über die Machthaber in Saudi-Arabien. Offener boten die französischen Imperialisten dem Irak ihre Hilfe an, um in dieser Region mit Hilfe des Irak wieder einen Fuß auf den Boden zu bekommen.
Jedoch gab es Widersprüche zwischen den Zielen des US-Imperialismus und denen des Baath-Regimes. Einmal mußten die USA nach dem Sturz des Schah immer stärker auf den Zionismus als d e n »strategischen« Alliierten im Nahen Osten setzen. Keinesfalls konnte die USA den Irak als »Gendarm Nr. 1« in dieser Region aufbauen. Außerdem haben die Zionisten in aller Deutlichkeit klargemacht, daß sie ein Wiedererstarken des Regimes im Irak nicht akzeptieren würden.
Generell hatte der US-Imperialismus die Absicht, das Regime im Irak in einer schwachen und abhängigen Position zu halten, um seine Achse Israel-Ägypten-Saudi- Arabien nicht zu gefährden. Dies erklärt wenigstens teilweise, warum die sowjetischen Bürokraten weiterhin bereit sind, die hohen und ständig wachsenden politischen Kosten zu tragen, die eine Fortsetzung der Unterstützung des Irak im Krieg gegen die iranische Revolution mit sich bringt. Tatsächlich verurteilt aber die Tudeh-Partei (die iransiche KP) genauso wie die irakische KP die Aggression des Baath-Regimes. Nichtsdestoweniger setzt der Kreml seine Versorgung des Irak mit wichtigen militäri- Ausrüstungsgütern fort. Dieser Schritt ist kaum mit den diplomatischen Interessen der UdSSR zu erklären, weil der Hauptverbündete des Kreml in dieser Re-i gion Syrien ist, ein scharfers Gegner der Baath-Regierung. Außerdem hoffiert Moskau anderweitig die islamische Republik, des Iran.
Als die Revolutionäre in dieser Region die Feststellung trafen, daß dieser Krieg den Interessen des Imperialismus, speziell den Interessen Washingtons, nützt, geschah dies nicht deshalb, weil sie die Einschätzung hatten, daß das Regime im Irak einfach Politik des US-Imperialismus macht. Objektiv diente der Krieg den Interessen des Imperialismus deshalb, weil er seine Lage schuf, in der der Imperialismus seine militärische Position in dieser Region ausbauen und Vorbereitungen treffen konnte, militärisch im Iran zu einem späteren Zeitpunkt zu intervenieren. In diesem Zusammenhang war sogar aus der Sichtweise der Imperialisten eine Schwächung des Irak wünschenswert.
Unter Berücksichtigung der geschilderten Umstände stellte die Frage, wie an die Massenmobilisierung heranzugehen, ist die Revolutionäre vor schwierige taktische Probleme. Während wir betonten, daß wir diesen Krieg zwischen zwei halbkolonialen Ländern verurteilen und für einen bedingungslosen Rückzug der irakischen Truppen hinter die vor dem 21.9.1980 bestehende Grenzlinie ertreten, stellten wir gleichzeitig klar, daß dieser Krieg nicht den Interessen der irakischen und iranischen Massen nützt. Das bedeutete, daß wir die iranischen Massen gegen die irakische Invasion mobilisierten und gleichzeitig davor warnten, den Fehler zu begehen, das Khomeini- Regime zu verteidigen und ihm dabei zu helfen, die Voraussetzungen zur Instrumentalisierung des gegen die irakische Invasion gerichteten Massengefühls im Iran zugunsten seiner eigenen, chauvinistischen Ziele zu schaffen.
Wir mußten uns ebenfalls der Tatsache bewußt sein, daß die Bedrohung der Revolution von innen nicht kleiner war als die Bedrohung von außen und daß zwischen beiden eine faktische Verbindung bestand. Wir konnten die iranische Revolution gegen Saddam Hussein nicht dadurch verteidigen, daß wir uns wehrlos der Konterrevolution im Iran, die auch vom Khomeini- Regime ausging, auslieferten.
- Wie war die Mobilisierung der Massen im Iran unabhängig und in Opposition zum Khomeini-Regime möglich, obwohl dieses doch aus einer revolutionären Massenerhebung hervorgegangen ist?
- Die Einschätzung, daß das Khomeini-Regime Produkt eines Massenaufstands und einer Massenerhebung ist, stellt eine grobe Vereinfachung dar.
Khomeini wollte keinen Aufstand. Er stützte sich auf die Massenbewegung, um die Regierung des Schah zu zwingen, ihm die Macht im Staat zu übertragen. Der Aufstand gegen das Schah-Regime fand hauptsächlich in Teheran statt und wurde entscheidend von den Mudschaheddin und den Fedayin getragen. In Kurdistan haben die Kurden ihre Revolution gemacht, die parallel zu der in den persischen Städten, jedoch unter ihrer eigenen Führung ablief. Sie haben die Führung Khomeinis nie akzeptiert. Das alles erklärt doch, warum Khomeini bereits einen Monat nach dem Sturz des Schah im Februar 1979 militärisch gegen kurdische Städte vorging. Die Selbstverwaltung unter den Massen Kurdistans war im Vergleich zu den Teilen des Iran, in der die Kräfte Khomeinis das Heft in der Hand hatten, viel weiter fortgeschritten. Die Bauern begannen mit der Landnahme zuerst in Kurdistan und im turkmenischen Teil des Iran, einem Gebiet, das von vollständig unterdrückten Mongolen, die eine Turksprache sprechen, besiedelt ist. Publikationen in dieser Sprache waren immer verboten. Das erste Buch, das nach dem Sturz des Schah erschienen ist, war eine kleine Gedichtsammlung in dieser Sprache. Die »Wächter der Revolution« (Pasdaran) verbrannten jedes Exemplar, dessen sie habhaft werden konnte.
Im übrigen hat sich die Massenbewegung, die den Aufstand auslöste, sehr bald nach dem Sturz des Schah gespalten. Zwei Monate nach dem Machtwechsel gelang es den Kräften um Khomeini, die Fabrik- und . Stadtteilkomitees zu zerstören, sie zu isolieren und einzuschüchtern, und blutige Angriffe auf die Errungenschaften der Massen zu führen. Die Massenbewegung wurde dadurch nicht zerschlagen. In der Folgezeit gab es immer wieder Aufstände, und die alten politischen Probleme sind unverändert geblieben.
Es ist falsch und gefährlich, wenn man die Position vertritt, daß die Revolution zum Zeitpunkt des irakischen Angriffs im September 1980 noch denselben Charakter hatte wie im Februar 1979, also zu diesem Zeitpunkt immer noch eine Massenbewegung der Unterdrückten unter der Führung Khomeinis darstellt. Infolge der Angriffe der Khomeini-Garden gegen die Massen und infolge der ständig steigende Erwartungen der Massen hat die iranische Revolution für die große Mehrheit der Arbeiter und Unterdrückten zwei völlig verschiedene Bedeutungen erlangt. Es gab die »wirkliche« Revolution, das heißt den Kampf der
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Arbeiter und Ausgebeuteten für die Erweiterung und Vereinigung der unabhängigen Fabrikräte (Shoras) und für Arbeiterkontrolle. Und es gab die »Revolution«, nämlich die islamische, die die Zerstörung der unabhängigen Shoras und deren Ersetzung durch islamische »shoras«, die nicht gewählt werden, undemokratisch und antikommunistisch sind, auf ihre Fahnen geschrieben hatten, und in der Komitees aus Wachhunden, »Islamische Gesellschaften« genannt (Anjamanhaye Eslami) aufgebaut wurden, die Ableger der Islamisch Republikanischen Partei (IRP) und mit dem staatlichen Repressionsapparat außerhalb der Fabriken verbunden sind.
Die wirkliche Revolution bezog den Kampf der Unterdrückten nationaler Minderheiten für Selbstverwaltung mit ein, genau so wie den Kampf der armen Bauern für den Aufbau von Dorf-shoras, den Kampf der Frauen, Studenten, Soldaten und anderer sozialer Gruppen für die Erweiterung demokratischer Rechte. Khomeinis »Revolution« hingegen bedeutete Völkermord an nationalen Minderheiten, Zerstörung der shoras und die Außerkraftsetzung aller demokratischen Rechte.
Nur die erste Revolution wurde durch den irakischen Angriff bedroht. Die zweite Revolution wurde bereits von der großen Mehrheit der revolutionären Massen mit dem Begriff der Konterrevolution gleichgesetzt. Diese »Revolution« profitierte sogar von der irakischen Aggression.
Zum Zeitpunkt der irakischen Aggression waren bereits große Erfahrungen mit der Mobilisierung der Massen vorhanden. Gleichzeitig hatte man Erfahrungen, wie diese Massenmobilisierungen verraten und von den Garden Khomeinis angegriffen wurden. In diesem Zusammenhang war es möglich, die Reaktivierung der regierungsunabhängigen Fabrik- und Nachbarschaftskomitees zu fordern, um diesen Angriff zurückzuschlagen. Diese Forderung bedeutete nicht unbedingt, dem Khomeini- Regime offen Widerstand zu leisten, sondern die Bedeutung dieser Forderung lag darin, an das Verständnis der Massen für die Notwendigkeit einer eigenständigen Organisierung zu appellieren.
Es gab verschiedene Taktiken, diese Methode anzuwenden. Das Hauptproblem bestand jedoch immer darin, alles zu vermeiden, um nicht in den Aufbau von solchen Komitees involviert zu werden, die ein Werkzeug für politische Kontrolle und Repression in den Händen des Khomeini- Regimes darstellten. Dies war auch deshalb so wichtig, weil der Krieg mit dem Irak dem Khomeini-Regime einen Vorwand lieferte, die staatlichen Repressionsorgane wie die Armee und Milizen zu stärken, die bereits gegen die iranische Revolution zum Einsatz gekommen waren. Außerdem lieferte der Krieg einen Vorwand für das Regime, die Repression gegen die Arbeiter und die übrigen Ausgebeuteten unter dem Deckmantel der »nationalen Verteidigung« und der »nationalen Einheit« zu verstärken. Im übrigen bestand die Gefahr darin, daß der iranisch-irakische Krieg den Boden für die Rückkehr des alten Regimes durch einen mit der Intervention von außen gekoppelten Staatsstreich bereitete.
AS CHIN • KERMANCHAH
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KHANAI
BAQUBA
Ira K MANDALI KHORRAMBAD
BAGHDAD MEHRAN
Iran
DEZFUL
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NAJAF maximaler Vorstoß der SUSSANKERD Iranische Gegenoffensive irakischen Truppen (Jun (September 1981) AHWAZ
November 1981 März 1982 : Mai 1982 MIN Juni 1982 → Operation Ramadan → Oktober 1982 (Juli 1982) BASRAH/ 29] Sumpf / See
Arabie Straße GOLF saoudite - Fluß
KOWEIT
Karte vom Frontverlauf zwischen dem Iran und dem Irak 1981/82 Tatsächlich kam der irakische Angriff den die linken Büros, die noch nicht gezu einem für die iranische Revolution höch- schlossen waren, angegriffen und eine masste gefährlichen Zeitpunkt. Die Massen wa- sive Repressionskampagne in Kurdistan ren im Begriff, mit Khomeini zu brechen, vom Zaun gebrochen. was sich in Stillstand und Spaltung und da- Diesem kurdischen Aufstand folgte mit in einer Schwächung der Massenbewe- erste vergebliche Versuch gung bemerkbar machte und sich ebenfalls Khomeini-Regimes, den bürgerlichen Staat in einer gewissen Skepsis unter den Massen im ersten Krieg gegen das kurdische Volk Die Enttäuschung über Kho- wiederaufzubauen. Dieser Krieg, der im Jumeini drohte in allgemeine Demoralisierung ni 1979 mit aller Härte begonnen wurde, war von einer Repressionskampagne im Außerdem war der Iran während der ganzen Iran begleitet. Das kurdische Volk Besetzung der amerikanischen Botschaft in schlug die Truppen Khomeinis im August- Teheran und der darauf folgenden Geisel- September 1979. Nachdem die Botschaftsnahme international vollständig isoliert. besetzung ihre Verwirrungsfunktion erfüllt Dementsprechend schwanden die Hoffnun- hatte, nahm Khomeini den Krieg gegen das gen aut Proteste aus dem Ausland und auf kurdische Vok wieder auf, und die Represinternationaler Ebene gegen die irakische sionskampagne genauso wie der Versuch, den bürgerlichen Staat wieder aufzubauen, Einerseits war der Iran diplomatisch wurden fortgesetzt. vollständig isoliert. Andererseits hatte das Schließlich brachen bei Beginn des ira- Ablenkungsmanöver kischen Angriffs in der iranischen Armee Khomeini-Regimes, das die Massenbewe- zwischen Offizieren, die unter dem Schahgung auf »symbolische« Aktionen und ei- Regime ausgebildet und befördert worden nen platten Antiamerikanismus orientierte, waren und den Pasdaran, Khomeinis revoeine enorme Verwirrung geschaffen und die lutionären Garden, offene Machtkämpfe von der wirlichen anti-imperialistischen Bewegung auf Welt- Deshalb glaubte der Irak wohl, daß er ebene isoliert. schnell bedeutende Siege erzielen und eine Der irakische Angriff kam nach der Basis für die Rechte im Iran in »befreiten Besetzung und Schließung der Universitä- Gebieten« schaffen könnte. ten im Iran, d.h. nach einer neuen Repressionswelle, die durch die Truppen Khomei- - Was für einen Sieg wollten die Iraker ernis im Frühjahr 1980 initiiert wurde, nach- zielen? Wollten sie nur das Khomeini-Redern der Massenaufstand vom Herbst 1979 gime beseitigen und ein Protektorat errichmit Erfolg abgelenkt und seine Stoßkraft ten über die Gebiete, in denen Öl gefördert wird und wo es historisch eine arabische verpufft war. Zum gleichen Zeitpunkt wur- Minderheit gibt?
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- Es soll Dokumente geben, die besagen, daß zwischen dem Irak und den Rechten im Iran eine Vereinbarung über die Einsetzung einer provisorischen Regierung existierte. Möglicherweise haben die Rechten die Iraker über die tatsächliche Situation im Iran getäuscht. Sie mußten schon ein völlig falsches Bild von der Lage im Iran abgeben, wenn sie dem Irak Glauben machen wollten, daß das Regime in dieser Art und Weise hätte gestürzt werden können. Die Regierung militärisch vom Irak aus zu beseitigen, hätte ein gewaltiges militärisches Unternehmen bedeutet, man hätte Gebirge überwinden und Wüsten durchqueren müssen. Die irakische Regierung konnte eine solche Perspektive überhaupt nicht ins Auge fassen. Die US-Regierung warnte den Irak vor jedem Versuch, sich die iranischen Ölfelder unter den Nagel zu reißen. Und der Irak hat tatsächlich im Verlauf des Krieges keinen ernsthaften Versuch unternommen, die Ölfelder zu besetzen oder sie unbenutzbar zu machen.
Infolge des Charakters des irakischen Regimes konnte dieses die Araber in Khuzistan nicht mobilisieren. Die Araber hätten für sie genauso wie für Khomeini ein zu großes Risiko dargestellt. Tatsächlich hat der Irak in diesem Gebiet nur militärisch operiert und die Araber vertrieben. Außerdem waren die Araber Opfer von Kriegsgreueln der Iraker.
Auf der anderen Seite bestand eine große Gefahr, daß wenn die Demoralisierung unter den iranischen Massen weiter zugenommen hätte, der Verlust an Menschen und Material infolge des Krieges den Willen der Massen zum Widerstand weiter geschmälert und dadurch den Weg zur schnelleren Konsolidierung des bürgerlichen Staates geebnet hätte.
- Welche politischen Auswirkungen hatte der Angriff im Iran selbst?
- Die unmittelbaren Resultate schienen den Irakern Recht zu geben. Die reaktionären Offiziere wurden freigelassen, um die iranische Armee neu zu organisieren. Sofort wurde ein Komitee eingesetzt, um den Konflikt um die amerikanischen Geiseln durch Verhandlungen beizulegen. Dies führte zur Übereinkunft von Algier, also zu einem Vertrag, der für den Iran bedeutet, daß er über die Hälfte seiner Devisenreserven preisgibt. Die Details dieser Übereinkunft sind im Iran nie veröffentlicht worden. Außerdem begann man, im Ausland Verhandlungen aufzunehmen, um Waffen zu kaufen, egal von wem sie kommen - darunter war wohl auch Israel, von dem wenigstens zwei Käufe gut dokumentiert sind. Streiks waren schon vorher verboten gewesen. Aber nun wird die Armee eingesetzt, um sie in den Fabriken selbst zu ersticken. Um an den Kriegsanstrengungen teilzunehmen, werden die Arbeiter genötigt, »die Produktivität zu steigern«, was manchmal den 15-Stunden-Tag bedeutet; außerdem sollen sie einen Teil ihres Lohnes hergeben, im Durchschnitt drei Tageslöhne im Monat. Darüberhinaus werden die Arbeiter gezwungen, die Militarisierung der Fabriken durch bewaffnete Islamische Gesellschaften (Anjoman-e) zu akzeptieren, die nun gute Vorwände für ihre reaktionäre Rolle in den Fabriken haben.
Alle von den Soldaten bisher errungenen demokratischen Rechte wurden wieder abgeschafft, und eine sehr repressive und strenge Disziplinarordnung wurde in der Armee wieder eingeführt.
Unter dem Vorwand des Krieges wurde der Feldzug gegen das kurdische Volk verschärft. Das Regime verkündete, daß »die Kurden imgrunde den Kriegszielen Saddams dienen«. Dabei hatte die DPK der Regierung einen Waffenstillstand zwecks gemeinsamen Kampfes gegen die irakische Armee angeboten!
Die Einführung des Landreformgeset-i zes wurde ausgesetzt, bis »die Kräfte desi Unglaubens vernichtet sind«. Alle politischen Diskussionen an den Oberschulen wurden verboten, und die Schüler stehen jetzt in jeder Schule unter Kontrolle von bewaffneten Anjoman-Mitgliedern. Die linken politischen Parteien wurden verboten einschließlich der Mudschahidin, die bei den Parlamentswahlen selbst nach den offiziellen Ergebnissen fast 2 Millionen Stimmen bekommen hatten. Der Vorwand war, sie würden die Kriegsanstrengungen sabotieren.
In Opposition zu all dem riefen wir nach Bewaffnung der Massen durch die Shoras, was auch den Sinn hatte, gegen die Bemühungen der Regierung zu kämpfen, diese Organe aufzulösen. Auch traten wir für eine Wiederbelebung der demokratischen Nachbarschaftskomitees ein, die an der militärischen Verteidigungs- und Ausbildungsarbeit teilnehmen sollten; auch hierbei dachten wir, die Unterdrückung der Stadtteilbewegungen durch die Komitees des Imam zurückzudrängen. Wir riefen die Soldaten auf, ihre unzuverlässigen Offiziere über eigene Shoras zu kontrollieren und so die Regierungspolitik, die alte Disziplin der Schah-Armee in den Kasernen wieder einzuführen, zu unterlaufen.
Denn trotz dem Abflauen der Revolution und der Demoralisierung der Massen löste der irakische Angriff eine neue Welle von Mobilisierungen gegen die Aggression und für die Verteidigung der Revolution aus. Nachbarschaftskomitees belebten sich, und in vielen Fabriken wurden unabhängige Verteidigungskomitees der Arbeiter gebildet. In Teheran begannen am Tag der Invasion spontan Massendemonstrationen mit dem Ruf nach Volksbewaffnung; sie wurden von Pasdaran unterdrückt. - War es denn realistisch, zu glauben, spontan gebildete Stadtteil- und Arbeiterkomitees könnten wirklich eine Rolle dabei spielen, die wuchtige Invasion einer großen und wohlgerüsteten Armee zurückzuwerfen! - Allerdings! Die entscheidende Schlacht des Krieges wurde von unabhängig organisierten Kämpfern gewonnen: die Schlacht von Khoramshahr, die den irakischen Blitzkrieg zum Stehen brachte. Die Bevölkerung der Stadt, in ihrer Mehrheit Araber, griff zu den Waffen und hielt die irakische Armee neun Tage lang in Schach; Armee und Pasdaran aber flohen.
Damals lief das Gerücht um, die Regierung habe die Armee mit Absicht abgezogen, um Konfrontationen mit den Massen zu vermeiden. Später wurden Dokumente durch die IRP herausgegeben, die beweisen sollten, daß gerade Bani-Sadr den Rückzug als Teil »seiner Verschwörung zur Zerschlagung der iranischen Revolution« befohlen habe. Das zeigt zumindest, daß die Armee sich befehlsgemäß zurückzog, nur daß eben die IRP für ihre eigenen Zwecke Bani-Sadr als Sündenbock hin- Die Massenstimmung war so stark, daß Khomeini selber gezwungen war zuzugestehen, die Massen müßten bewaffnet und außerhalb von regulärer Armee und Pasdaran mobilisiert werden. Basi'j-(Mobilmachungs-)komitees wurden in vieler Stadtteilen eingerichtet, um die Freiwilliger einzuschreiben und die Stimmung zu kanalisieren. Die Komitees wurden dannn der Autorität der Pasdaran unterstellt und benutzt, um Kanonenfutter für selbstmörderische Massenangriffe zu stellen. Auf zwei Wegen schaffte es das Regime, daß die Massenmobilisierung nicht außer Kontrolle geriet. Zum einen wurde das Kriegsgebiet von Zivilisten evakuiert. Zum anderen wurden Militärlager inmitten volkreicher Städte errichtet. Man unternahm keine Anstrengungen, Schutzbunker für die Zivilbevölkerung zu bauen. Die Lebensmittelknappheit bestand fort trotz der massiven Unterstützung des ganzen Volkes für die Front.
In Ahwaz wurde das zentrale Munitionslager in die Innenstadt gelegt. Eines nachts explodierte es; am anderen Tag war mindestens ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht. Die entvölkerten Städte wurden fest unter Kontrolle der Pasdaran gebracht und jede unabhängige Mobilisierung brutal zerschlagen. In den ersten Kriegsmonaten wurden mindestens 20 Mudschahidin, (Khalq), ein Dutzend Genossen der extremen Linken und eine viel größere Zahl Araber im Kriegsgebiet als »bewaffnete Saboteure« hingerichtet - in Wirklichkeit waren sie zum Kampf gegen die Iraker bewaffnet. Auch freiwillige medizinische Hilfe wurde verboten. Mudschahidin - oder Fadayin- Sanitätszelte wurden von Pasdaran angegriffen und ihre Besatzung ins Gefängnis geworfen. Dabei hatten diese Gruppen eine Schlüsselrolle bei der Verteidigung Khoramshahrs gespielt.
Der zweite Grund dafür, daß die Regierung die Situation fest im Griff behielt, ist, daß die wichtigsten Organisationen der Linken ihr in die Hand spielten. Die Tudeh- Partei und die Fedayin (ZK-Mehrheit) verfolgten eine Linie, die von der der Regierung kaum zu unterscheiden war; sie riefen nämlich die Massen auf, härter zu arbeiten, weniger zu fordern und die Regierung bei ihren Kriegsanstrengungen zu unterstützen. Auch die Mudschahidin, die anfangs nach unabhängiger Mobilisierung riefen, ließen dies bald fallen. Sie gingen ein Bündnis mit Bani-Sadr ein, der den Krieg nutzen wollte, seine Fraktion im herrschenden Apparat, gestützt auf die Armee, die Technokraten und einen Teil des Klerus, auf Kosten der IRP zu stärken. Dieses Bündnis erforderte, unabhängige Mobilisierungen sein zu lassen, da Bani-Sadr dagegen war.
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Die Mudschahidin machten also einen nisation nicht gab, konnte diese Bewegung von rief allerdings nicht zu Mobilisierungen auf Fehler ähnlich wie die, welche dachten, Bani-Sadr leicht aufgefangen wreden, der die um dieser Forderung Gewicht zu verleihen. man müsse Khomeini unterstützen, um die Position seiner Fraktion innerhalb der herr- Und er wurde dann ja auch schnell zuerst als Iraker zu bekämpfen. schenden Klasse durchzusetzen versuchte. Armeechef, dann als Präsident abgesetzt Bani-Sadr versuchte, sich auf das zu- Die nächsten drei Monate waren durch die Demonstrationen zur Unterstützung nehmende Bedürfnis nach demokratischen Vorbereitungen des Regimes zum Sturz Bani- Bani-Sadrs, wie sie vor allem die Mudschahi- Rechten zu stützen, eine Reaktion der Mas- Sadrs und zur Eindämmung der Massenbewe din organisierten, wurden rücksichtslos zersen auf die Demagogie und antidemokrati- gungen gegen Unterdrückung und für soziale schlagen. Auf eine Kundgebung vor dem Tehesche Haltung der Mullahs und der IRP Gerechtigkeit ausgefüllt. In dieser Phase wur- raner Parlamentsgebäude wurde MG-Feuer er- Dieser Stimmung verdankte Bani-Sadr sei- de die Propaganda über die panislamischen öffnet, und allein dabei gab es 170 Tote. Kurnen überwältigenden Sieg bei den Präsi- Krieges verschärft. Phantastisch zen Prozeß machte man mit den Armeefühdentschaftswahlen. Er schien den Volkswil- übertriebene Berichte über Massenrevolten ge rern, die man als Bani-Sadr-Anhänger einstuflen zu repräsentieren, vor allem weil die gen das Saddam-Regime wurden dauernd in te; wie der Zufall es wollte, starben sie einige Präsidentschaftswahlen viel weniger ge- den völlig zensierten Medien herausposaunt. Zeit später bei einem Flugzeugabsturz. fälscht waren als die zum Parlament, bei In vielen Städten wurden die gewaltig auf- Die Antwort der Mudschahidin auf diese denen die IRP die Stimmenauszählung un- geblähten Kräfte des Staatsapparats genutzt, Welle des Terrors bestand darin, die Taktik ter Kontrolle hatte und so die Wahl ihrer um die Repression zu verschärfen. Mudschahi- des »bewaffneten Kampfes« einzuschlagen. In Leute sichern konnte. Natürlich war die din-Mitglieder wurden auf offener Straße an- der Praxis hieß das, einzelne Führer der Regie- Präsidentenwahl auch nicht ganz frei, da gegriffen und getötet, allein in Nordiran 100. rung zu ermorden. Sie riefen auch jetzt nicht nichtislamische Kandidaten ausgeschlossen Die Säuberung der Fabriken von Militanten zu Mobilisierungen oder Streiks auf und verwaren, aber im Vergleich war sie geradezu wurde vorangetriebn; in Teheran allein wurden suchten auch nicht, derartiges selber zu organiüber 1500 Arbeiter entlassen oder verhaftet. sieren, obwohl sie damals als Massenorganisa- Die Mudschahidin, die ursprünglich Der Feldzug gegen Kurdistan nahm geradezu tion durchaus in der Lage waren, in ihrem Naunter dem Einfluß des Maoismus und des Züge des Völkermords an: ganze Dörfer wur- men Hunderttausende auf die Straße zu brinden bombardiert, und die Bevölkerung gen, da die ganze Opposition gegen Khomeini schlossen daher, daß Bani-Sadr die »demo- Zonen wie Saghez und auf sie schaute Bourgeoisie repräsentiere und Baneh wurde gewaltsam deportiert. Ihr bewaffneter Kampf leitet sich nämdamit die demokratische Alternative über- Jene politischen Gruppen, die nicht am lich direkt aus ihrer Linie der Klassenzuhaupt. Dabei war dieser genauso entschlos- Kampf für unabhängige Mobilisierungen teil- sammenarbeit ab. Sie dachten, wenn sie die sen, die unabhängige Mobilisierung auszu- nehmen wollten und die Instrumente der Mul- Khomeini-Fraktion physisch schwächten, löschen, die unter den Bedingungen der re- lah-Repression mit linkem Flankenschutz stär- würde der Weg zur Macht für die »progresvolutionären Krise Grundlage jeder wirkli- ken geholfen hatten, hatten nun der Unter- sive« liberale Fraktion in Verbindung mit chen Demokratie war. drückung aktiv zu helfen. Die Fedayin (ZK- der Armee freigemacht und die Massen Die Mudschahidin benutzten also die Mehrheit) und die Tudeh-Partei waren ja in würden eine solche Alternative dann beja- Repression der Regierung als Vorwand, um den Anjomans vertreten, die kämpferische Ar- hen. Ihre bourgeoisen Freunde innerhalb sich aus den Massenbewegungen zurückzu- beiter bespitzelten und sie den Behörden mel- des Apparats wären von Generalstreik und ziehen und ihr ganzes Gewicht für die Lö- ähnlichem auch nicht so begeistert gewesung in die Waagschale zu werfen, Anfang Juni 1981 war die Khomeini- sen. Diese Taktik spielte dem Regime aber Bani-Sadr vorhatte: eine Palastrevolte. Fraktion bereit, zuzuschlagen. Bani-Sadr sah nur in die Hand. Die Massen wurden noch Khomeinis Regime konsolidierte Schritt für das Mentekel und forderte ein Referendum, mehr demoralisiert und demobilisiert. Die Schritt seine Macht durch das IRP-domi- damit das Volk zeigen könne, ob es ihn oder Repressionskräfte, einmal entfesselt, stelnierte Parlament, die qualitativ verstärkten das IRP-dominierte Parlament vorziehe. Er gerten sich zu roher Barbarei. Am Tag nach Pasdaran und eine IRP-Regierung. In Verbindung mit den sogenannten Massenkomitees - den Komitees des Imam, dem Basi j und dem Djihad Sazendaji (Heiliger Krieg zum Wiederaufbau, gemeint ist: Alphabetisierung), die alle Instrumente der Repression geworden waren - begann sich Khomeini-Regime für den Endkampf mit der sogenannten liberalen Fraktion vorzubereiten, da sie die Linke schon zerschmet- - Wie wirkte sich das auf die Haltung der Massen zum Krieg aus?
- Seit dieser Zeit, etwa sechs Monate nach Kriegsausbruch, begannen ständig größere Teile der Massen, die Kriegsanstrengungen der Regierung einfach als Manöver zu betrachten, mit denen die IRP-Macht konsolidiert und die Revolution abgewürgt werden sollten. Was nicht hieß, daß sie nicht gerne die Niederlage der irakischen Armee gesehen hätten; nur hatten sie erkannt, daß die Regierung selber die Kriegsanstrengungen sabotierte, indem sie alle Bewegungen zerschlug und somit nicht gegen die imperialistischen Absichten ankämpft.
Zu dieser Zeit sagte nur noch die Regierung: »unsere Hauptaufgabe ist der Krieg mit dem ungläubigen Saddam«.
Die Massen waren schon dabei, sich in allen größeren Städten um demokratische Forderungen und soziale Reformen zu mobilisieren. Da es eine machtvolle revolutionäre Orga- — 31 -
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ider Explosion im IRP-Hauptquartier wur- Iden mindestens 15 000 Leute in Teheran verhaftet, davon allein 3000 Arbeiter aus :allen Betrieben. Vom Evin-Gefängnis aus i fuhr eine ganze Kolonne Busse bei jeder Fabrik vor und nahm die vorher schon von den Anjomans Benannten mit. Erschießungen auf offener Straße, Hausdurchsuchungen, Durchkämmen von Stadtvierteln, weitere Massenverhaftungen und Massenhinrichtungen folgten. Im Laufe eines Jahres sind 20 000 politische Personen im Iran hingerichtet worden, und 60 000 werden aus politischen Gründen weiter gefangen gehalten. Es war eindeutig, daß solcher Terror gegen die Massenbewegung insgesamt gerichtet war. Alle unabhängigen Organisationen zerbrachen oder wurden in den Untergrund getrieben. Die wichtigsten Errungenschaften der Revolution sind aufgehoben. Daran liegt es, daß wir trotz den Siegen an der Front keinen neuen Aufschwung der Massenbewegung erlebt haben und die Repression nur zugenommen hat. Das ist der traurige Beleg für unsere anfangs genannte Position, daß der einzige Weg, auch nach außen die Revolution zu verteidigen, bedeutet hätte, im Land selbst nicht in die Falle zu laufen und politisch entwaffnet zu werden.
Es zeigte sich: den Krieg können wir gewinnen, aber dabei die Revolution verlie. War einmal die wirkliche Revolution zum Stillstand gebracht und zurückgedränkt, begann das Regime, auch von seinen demagogischen Nationalisierungen und Landreform-Plänen abzugehen. Nur der Krieg gegen den Irak wurde weiter geführt. Aber dieser nahm einen immer chauvinistischeren Charakter an; dauernd erklärte man offen seine Absicht, dem Irak eine »wahrhaft islamische« Regierung überzustülpen. Die Massen wurden angehalten, die ständig steigende Rechnung menschlicher und materieller Opfer zu zahlen. Die irakische Armee wurde in einigen größeren Schlachten geschlagen, aber auf Kosten von 70 000 Toten, 150 000 Verkrüppelten und zwei Millionen Flüchtlingen. Die meisten Grundnahrungsmittel sind heute rationiert. Der Lebenstandard ist um 50 % gefallen im Vergleich zu den letzten Jahren des Schahs. Ein ausgedehnter, von Pasdaran und Beamten betriebener Schwarzmarkt hat sich jetzt etabliert. Und das ganze Land trauert um seine Toten. Unter solchen Umständen errungene Siege konnten nicht vom Jubel der Massen begleitet werden. Die Antwort war nur ein Seufzer der Erleichterung und die Hoffnung, daß der Krieg bald enden werde. Nicht einmal der Sieg von Khoramshahr wurde mit Massendemonstrationen gefeiert. Die von der Regierung einberufene Demonstration zog nicht mehr als 100 000 Teilnehmer an, für diesen Anlaß und unsere Verhältnisse eine vergleichsweise geringe Angesichts der Niederlage und der demoralisierten Armee stand Saddam inzwi- 'schen unter großem Druck, den Krieg zu beenden. Auch hatten die Kapitalisten im Nrak die meisten Ziele ihres Krieges erreicht. Viel Geld konnte durch die zahlreichen Abschlüsse mit westlichen (imperialistischen) Interessenten im Werte von circa 145 Mrd. DM gemacht werden. Und die meisten dieser Verträge sollten erst nach Kriegsende in Kraft treten.
Die iranische Regierung versteifte sich aber darauf, den Krieg zu verschärfen, und sprach davon, im Irak eine islamische Republik zu errichten und die panislamische Revolution in der ganzen Region auszubreiten. Es gab noch Schwierigkeiten bei dieser Linie, da einige kommandierende Militärs nur davon sprachen, soweit in den Irak einzudringen, daß iranische Städte nicht mehr von irakischen Stellungen aus beschossen werden könnte. Diese Schwankungen wurden durch den Imam selber beseitigt, sobald Israel in den Libanon eingebrochen Viele Leute meldeten sich freiwillig, in den Libanon zu gehen und die Palästinenser zu verteidigen. Die Regierung fürchtete, selbst dies könne ihre reaktionären Absichten durcheinanderbringen. Khomeini erklärte, die Invasion in den Libanon sei »eine imperialistische Verschwörung, um die Aufmerksamkeit von den iranischen Siegen abzulenken«, und »die Kräfte des Islam sind bereit, in den Libanon zu gehen, aber der Weg dahin führt über Bagdad.« Es ist nicht schwer, die Motive der Regierung zu verstehen. Das Ende des Krieges würde eine explosive Situation im Iran hervorbringen. Außerdem beginnt bald die Regenperiode, die an der Südfront Operationen verunmöglicht. Das kalte Wetter in den nördlichen Bergen bewirkt das gleiche. So könnte die Regierung für einige Zeit einen Scheinkrieg weiterführen. Würde der Krieg enden, könnten die Flüchtlinge nach Khuzestan zurückkehren. Eine neue Bewegung für soziale und ökonomische Reformen könnte im ganzen Iran beginnen. Außerdem wäre es schwieriger für die Regierung, die in diesem Krieg geschmiedeten militärischen Instrumente wie das aufgeblähte Pasdaran-Korps beizubehalten. Drittens betrachtet die Regierung eine schiitische Erhebung im Irak bei einem Vormarsch der iranischen Armee als eine gute Lösung all ihre eigenen politischen und sozialen Probleme.
Daher hat sich das iranische Regime auf einen gefährlichen Kurs eingelassen, der nur noch größere materielle und menschliche Verluste und damit früher oder später eine tiefere politische Krise für das Regime mit sich bringen kann. Ein Kurs, der auch die Gefahr einer imperialistischen Intervention in der ganzen Region einschließlich des Iran erhöht. Denn der Krieg spaltet die unterdrückten Völker der Region gegenüber dem Imperialismus, da vor allem seitens der großen Mehrheit der Iraker der iranische Vormarsch als Bedrohung ihrer nationalen Souveränität, der Errungenschaften ihrer nationalen Revolution und der Bestrebungen des arabischen Volkes gesehen wird. Es hilft dem reaktionären Baath-Regime, sich wieder zu konsolidieren, und liefert die Rechtfertigung für die Passivität der arabischen Regime während der imperialistischen Angriffe im Libanon. Darüberhinaus kann die militärische Niederlage des Irans, die bei Fortführung des Krieges wahrscheinlich ist, bei gleichzeitiger Desillusionierung einer wach- 32• senden Mehrheit der Iraner Ober das Khomeini-Regime eine radikale Veränderung des Kräftegleichgewichts zugunsten des Imperialismus und seiner ergebensten lokalen Agenten auslösen. Das heißt, die Niederlage Irans könnte für die alten konterrevolutionären Kräfte im Iran günstige Bedingungen bringen. Khomeinis »islamische« Konterrevolution ebnet nur den Weg für die endgültige Vernichtung der iranischen Revolution einschließlich des Sturzes seines eigenen Regimes.
Das ohne Zweifel massive Ausmaß der Repression zeigt den wirklichen Zustand der Massenbewegung und das reale Verhältnis der Kräfte im Lande. Effektive demokratische und Gewerkschaftsrechte sind immer das Ergebnis eines günstigen Kräfteverhältnisses für das Proletariat. Wer die Demagogie des Regimes für Ausdruck de Massenradikalisierung hält, der macht den Fehler, die Politik aus dem Kalkül des Kräfteverhältnisses zu streichen. Um effektiv zu kämpfen, müssen die Massen eine konkrete politische Perspektive haben und eine Führung, die tatsächlich ihren Interessen Rechnung trägt. Es gibt genügend historische Beispiele, wie mächtige Massenbewegungen zusammenbrachen, wo diese entscheidenden Faktoren fehlten. Während des zweiten Weltkrieges z.B. hatten die lokalen PCI-Führungen aufständische Massenbewegungen in Italien aufgebaut, da sie annahmen, dies entspräche Stalins Linie. Als Moskau sich nach dem Krieg dagegen wandte, brachen Partei und Bewegung auseinander, obwohl sie 100 000 bewußte revolutionäre Kämpfer umfaßte.
Ich habe geschildert, wie die Herausbildung einer politischen Führung der Massen fehlgelenkt und schließlich gestoppt wurde. Diejenigen, die heute noch entgegen überwältigender Tatsachen daran festhalten, die Massenbewegung würde ununterbrochen voranschreiten, sind gezwungen, Khomeini und die IRP als eine Art revolutionäre Führung (wenn auch mit Einschränkung) zu präsentieren. Das mag in sich logisch sein, aber es ist politischer Wahnsinn.
- Was sollten Revolutionäre in dieser Situation tun?
- Wir müssen ein sofortiges Ende des Krieges fordern und ein Programm sozialer und ökonomischer Forderungen vortragen, das die Interessen und tiefempfundenen Bedürfnisse der Arbeitenden und Unterdrückten wiederspiegelt. Wir müssen die Massen aufrufen, auf jedem nur möglichen Wege diesem Regime von Henkern und Betrügern Widerstand zu leisten und zu der Tradition und der Erfahrung der Bewegung zurückzukehren, die den Schah stürzte, und die von diesem Regime in keiner Weise repräsentiert werden; es ist eher der Totengräber jener Bewegung.
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