Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Claude Sevrac/Jacqueline Allio: Polen

Solidarnosc verboten, 29. Oktober 1982

Inprekorr Nr. 11 (150), 2. Dezember 1982 · S. 4-7 · 2.895 Wörter

Polen Gewerkschaften und Streiks

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Solidarnosc verboten • von Claude Sevrac und Jacqueline Allio, 29. Oktober 1982 Die Untergrundführung von Solidamose korrigierte den Aufsondem acht Stunden dauer. Und am Tage darauf soll es ruf zum Streik, den sie gleich nach dem Verbot der Gewerk- Demonstrationen im ganzen Lan de geben, ruf zum Streik, den sie gleich nach dem Verbot der Gewerk- Demonstrationen im ganzen Lan de geben, schaft (1) herausgegeben hatte, und formulierte ihn schär- Jahresraten un den tagen pm 13 Bis zum 17. Dez Dschaft (1) herausgegeben hatte, und formulierte ihn schär- Jahresraten un den tagen pm 13 Bis zum 17. Dez Dstreik am 10. November soll nicht vier Dieser emeute Aufruf ist sehr wichtig, wurde doch durch den Streik der Werften von Gdansk (als unmittelbare Antwort auf das Solidarnosc-Verbot der Regierung) deutlich, wie wenig die Unter. tion der Wertarbeiter, die gleich an 11. Oktober morgens losging: aber die TKK hüllt sich in Schweigen, Dabei brachen in mehreren Gegenden des Landes Solidaritätsstreiks aus, und die Belegschaft des größten polnischen Betriebes - des Stahlwerks Nowa Huta von Kracow - beschloß, am 13, eine Unterstützungs-Demonstration durchzuführen. Die Arbeiterklasse wartete auf ein Zeichen der TKK, wie man streiken solle: die Streikbewegung ausweiten oder andere Aktionsformen zur Unterstützung organisieren? Als dann verspätet der Aufruf von Zbigniew Bujak eintraf, die Werktätigen sollen am Arbeitsplatz streiken, Wie das in Gdansk gemacht worden war, blieb er ohne Wirkung, denn zu diesem Zeitpunkt drang schon durch, daß die Werftarbeiter die Arbeit wieder En kang die enten war De

Blockierung der In formationskanäle und der Beschluß der Junta, den Betrieb zu militarisieren, hatten I sich als stärker erwiesen.

CDN • A suivre ». titre d'un bulletin clandestin i de Solidarité. (DR)

in den meisten Gegenden brachten die Arbeiter zum Ausdruck, dai sie die mangelnde Koordination der Un tergrundgewerkschaft nicht verstehen konnten, ja oft wie zornig sie darüber waren, Und daß ihnen doch Zweifel kamen, ob die filr den 10. November groß angelegte Aktion gelingen könne, wenn sich die Führung in ihren Anweisungen derart zaghatt und inkohärent zeigt.

Selbst wenn die Machthaber mit Tricks arbeiteten und zum Beispiel extra betonten, daß wie in Nowa Huta ehemalige Mitglieder von Solidarnose an der Spitze der neuen Gewerkschaft stünden, zeigten sich die Arbelter wenig beeindruckt. "Ein armer Teufel, der sich von der SB (Geheim- Femsehen die "große Neuigkeit" bekanntgegeben wurde. Dagegen emtete eine andere Nachricht großen Lacherfolg: eine Kollegin von Solldamosc wurde von einem Mitarbeiter angehauen, doch in die neue Gewerkzum Teuhe fur den Wintereb kauf mir lieber ein paar Schu- Man kann jede wette eingehen, daß diese neue Gewerkschaft - zumindest in den ersten Monaten - massiv boykottiert wird, daß also die "nationale Volksabstimmung" , zu welcher die TKK am 9. Oktober aufgerufen hatte, sehr wohl stattfinden wird, eine Abstimmung. "die zu falschen die Regierenden nicht in der Lage sein werden (2). Schon rauft sich die offizielle Presse über die ersten Resultate die Haare. Neben apologetischen Artikeln, wo man spaltenlang leser kann, wie "demokratisch" und "un abhängig" diese neuen Gewerkschaften sind, findet man auch Leitartikel wie den von "Zycie Warszawy" vom 15. Oktober 1982, wo man aus MAN LÄSST SICH NICHT EINSCHÜCHTERN Dabei fehlt es der Arbeiterklasse bestimmt nicht an Kampfbereitschaft. Im Gegenteil, die werktätige Bevölkerung bewies mit den Wutausbrüchen, welche im ganzen Lande erfolgten, und mit der massiven Teilnahme (30.,000 Leute) an der Beerdigung des jungen Arbeiters, der auf der Demonstration vom 13. Oktober von der ZOMO in Nowa Huta getötet worden war, wie fest entschlossen sie ist, sich nicht zu fügen, ja daß sie oft sogar darauf aus ist, den Ordnungskräften eine aufs Dach zu geben.

Man kann sogar feststellen, daß bei zahlreichen Werktätigen auf das Verbot von Solidamosc ein qualitative Sprung im Bewußtsein erfolgte. Ausdrücklich wurde nun der Gedanke einer "nationalen Verständigung" verworten, an den vorher noch etliche festgehalten hatten. Man kann sich nicht vorstellen, wie man sich je mit dieser Minderheit von uniformierten Bürokraten "verständigen" könne, denen nichts anderes einfällt, als immer mehr Gewalt und Repression ein zusetzen, um sich an der Macht zu halten.

Außerdem zeigte es sich auch daran, wie die neuen Gewerkschaften in den ersten beiden Wochen nach der Annahme des neuen Gewerkschartsgesetzes boykottiert wurden, daß die Werktätigen sich nicht einschüchtern ließen.

seinen Bedenken über die Ungeschicklichkeit von gewissen Redakteuren keinen Hehl macht, die einem weismachen wollen "ganz im alten Stil, ım ganzen Lande würden spontan, massiv und begeistert Gründungskomitees für die neuen Gewerkschaften eind setz faisch, stolen aut Mit- : Derartige Nachrichtrauen und tragen nur dazu bel, die öffentliche Meinung zu verärgem" (1) Die TKK (Provisorische Kommission von Solidamosc- Untergrundführung) erließ am 9. Oktober einer "Streikaufruf für den 10. November' (2) Siehe den Aufruf der TKK vom 9. Oktober.

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Indes recht es nicht aus, die neuen Gewerkschaften massiv abzulehnen, wie der Leitartikel von "Zycie Warzawy" Implizit zugibt, und kann auch die größte Kampfbereitschaft die Bedenken vieler Leute nicht zerstreuen, ob die Untergrundgewerkschait auch wirklich in der Lage ist, heute schor großangelegte Aktionen, die im ganzen Lande koordiniert werden, durchzuführen.

te Führung von Solidamose ersetzen sondem legt den Schwerpunkt darauf, die Arbeitsmethoden zu indem und kollektiv ein Arbeitsprogramm zu erstellen, mit dem man zur Befriedung DIE BILDUNG DES MKO "Eine unserer größten Schwächen liegt darin, daß es nicht nur an regionalen. son dem sogar an örtlichen und betrieblichen Verbindungen mangelt", behauptete ein aktiver Solidam osc-Kollege am Tage nach dem Verbot der Gewerkschaft, Diese Tatsache erklärt auch, warum die Zahl der Kollegen. die der Gewerkschaft regelmäßige Beiträge zahlen, seit Anfang des Jahdoch damit versucht, daß die verschiedenen Regionen nicht mehr voneinander abgeschnitten sind. Diese Kommission setzt sich aus Kollegen zusammen, die 1981 in verschiedene regionale oder nationale Instanzen von Solidamosc gewählt worden waren; sie will keineswegs die gewählstießen in der Untergrundpresse, welche sie systematisch abdruckt, auf positives Echo. Wenn diese Struktur eingesetzt wurde neben der TKK, die von vielen Seiten kritisiert wird, dann entspricht das offensichtlich den Erwartungen von Arbeitem, die Ihre Initiativen besser koordiniert sehen möchten, well sie der Überzeugung sind, daß sie keinen Erfolg haben können, wenn sie nur zerstreute Kämpfe eingehen.

WAS DER WIDERSTAND KOSTET res merklich abgenommen hat, Die Arbelter spenden zwar großzügig bei Sammlungen für bestimmte Zwecke wie zur Unterstützung von Familien- Aber der Anteil derer, die die Bedeutung einer regelmaßigen Finanzierung der Aktivitäten und des Untergrund- Apparats verstehen, geht bel den Solidam osc-Mitgliedem der Region Warschau nicht über 10%, in Schlesien nicht über 5% hinaus.

"Eines der größten Probleme, mit dem selbe Solldamosc-Kollege fort, wir derzeit zu tun haben" fahrt der- "ist das der Sicherheit, In Warschau wurden schon wieder innerhalb von einer Woche über ein Dutzend Leute festgenommen, die eine entscheiden de Rolle bef der Herausgabe unserer täglichen Untergrundzeltungen und der Verbin dungen zwischen den Betrieben spielten. Jeder nimmt sich vor seinem Nachbam in Acht, denn die SB beweist seit Monaten, daß sie sich systematisch einschleust und daß sie in der Lage ist, thre Fallen aufzustellen und dann, wenn sie ein ganzes Netz zu haben glaubt ganze Gruppen verhattet. Viele vor uns sind nur noch bereit, mit solchen Leuten zu arbeiten, die sie aus der Zeit vor dem 13. Dezember kennen. Da in der letzten Zeit derart viele verhattet worden sind, ist das Aktionsfeld viel schmaler und die Koordination viel schwieriger geworden. Man braucht nicht gleich dem Defatismus zu verfallen, und ein derart düsteres Bild vom Zustand der Widerstandsbewegung malen, wie das in manchen Artikeln der westlichen Presse, deren Schreiber auf die "Polizeipsychose " hereinfielen, zu lesen ist. Trotzdem muß man zugeben, daß in Kreisen der Aktivisten, seien es nun Arbeiter oder Intellektuelle, das Mißtrauen zugenommen hat. Was nicht ohne Auswirkungen auf die Aktionsfähigkeit der Bewegung insgesamt bleiben kann.

Unter diesen Umständen ist die Initiative der Arbeiter von Großbetrieben, welche eine "überregionale Kommission zur Verteidigung von Solidamosc" (MKO) vor zwei Monaten grün deten, um organisatorische Strukturen zu schaffen, durch die dann die Nachrichten weitergeleitet und die Kampfbedingungen einander angeglichen werden, umso höher zu bewerten, wird "Wenn man streikt und am nächsten Tag militarisiert wird, ohne daß sich die anderen Betriebe rühren, dann lohnt sich das wirklich nicht" , stellt ein Arbeiter aus dem Süden des Lan des fest. Die meisten Arbeiter mit darauffolgende Repression viel kostet. Viel zu viel. Jeder Streik kostet Dutzende oder Hunderte von Entlassungen, wie das bei dem Strelk vor Gdansk am 11. und 12. Oktober der Fall war. Jede Demonstration bedeutet Dutzende oder Hunderte von Verhaftungen wie in Kracow in der Woche vm 11. bis zum 17. Oktober. Viele werden nach 48 Stunden wieder freigelassen, kriegen aber Geldstrafen zwischen 10. 000 und 40.000 Zloty. Wie kann man eine derartige summe bezahlen, wenn die niedrigsten Löhne noch unter 6.000 Zloty liegen ? Man muß auf die Gewerkschaftskasse zurückgreifen oder auf das Geld, das aus dem Westen geschickt wird, um die Untergrundbewegung zu unterstützen. Aber dann bleibt umso weniger Geld übrig tor die tägliche Arbeit der Gewerkschaft, die ebenfalls sehr viel kostet, denn man muß sich ja alles Nötige (Papier, Matrizen, Farbe usw.) auf dem Schwarzmarkt besorgen. Und dazu kommen die vielen Kollegen, die sondem von Gedie mehrere gen und dann die Reihen der bereits Verurteilten vergrößem (mehr als zweitausend Ende August, vielleicht die doppelte Anzahl heute). Die Haft- ›edingungen sind erbärmlich. Erschreckend viel Intemierte, die diesen Sommer freigelassen wurden, sind krank, oft sehr schwer erkrankt nach "nur" neun Monaten Haft und Unteremährung. Berichte über Mißhandlungen und sogar Folter hauten sich in der Untergrundpresse.

Man darf also auf keinen Fall die Konsequenzen spontaner Aktionen, die sicher zum Ausdruck bringen, wie mutig die polnische Arbeiterklasse ist und wie stark sie das Regime ablehnt, die aber nicht zum Sieg, auch zu keinein Te Schulter nehmen. führen können, auf die Dabei fehlt es in der Untergrundpresse nicht an Beiträgen von Arbeitem, die behaupten, daß nun ein höheres Stadium im Kampf erreicht werden musse "Die Geduld der Leute ist erschöpft, die Presslonen aufgrund der Armut werden immer stärker und erzeugen die Hoffnung, daß man doch endilch mít den Machthabem Schlur macht. Die Ereignisse der letzten Monate zeigen, daß der passive Wiaditionsreiches Zeichen: Polen im Widerstan Traditionsre derstand dabei ist, in aktiven Widerstand umzuschlager heißt es in einem Beitrag (3). "Welches Ziel die Gewerkschaft Solidamosc hat, das steht in ihrem Programm, wie es in Gdansk verabschiedet worden ist: eine selbstverwaltete Republik. Nur durch die Selbstverwaltung können diejenigen, welche heute den Mund nicht aufmachen dürfen und welche sich im eigenen Haus fremd fühlen, zu den Herren ihres eigenen Landes leben"

die selbstverwaltete Republik von den Kommunisten so angegriffen wird. (3) "DRUK"

Warschau, (4) "Kierunki" Nr. 21 vom 22, September 1982.

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Es geht doch wirklich um einen Kampf, wer die Macht in diesem Lande ausüben wird, die ganze Gesellschaft oder eine kleine Gruppe von Ideologen. Mit einem solchen Ziel wird sofort die Frage des Zusammenstosses aufgeworfen. Wann wird die Gesellschaft die nötige Reite datur besitzen › Wann wird der Feind genügend schwach sein? Heute kann man das schlecht sagen. Um den Reitegrad unseres Volkes einzuschätzen, muß man sich folgende Frage stellen: Wo hat dieses System sein schwaches Kettenglied, seine schwache Stelle, wo man es angreifen muß, damit es zusamın enstürzt? Zweifelsohne ist diese schwache Stelle die Macht selbst. Die stärkste Bedrohung für die Kommunisten in der ganzen Zeit seit dem August, das ist doch die Gefahr, daß die Macht ihnen aus der Hand gleitet, und der aktive Streik ist für sie eine ottene Herausforderung. Sie greilen auf die Gewaltanwendung zurück, um ihre Macht zu verteidigen. Und der zweite wichtige Punkt für den Feind ist der, daß er eben die Kraft hat, sowohl auf der wirtschaftlichen als auch auf der militärischen Ebene". Diese Genossen sind sich bewußt, daß es eine solche Kraftprobe vorzu bereiten gilt, genauso wie der weiter oben zitierte Arbeiter, der an der Effektivität von zerstreuten Streiks und Demonstrationen zweifelt, aber dennoch hinzufügt: "Wenn es uns gelingt, unser Handeln zu koordinieren, wenn der Streik vom 10. November sich nicht auf einige Betriebe da und dort beschränkt dodor sage ind, wenn wir dieses tand einige Stunden lang zum Stillstand bringen können, dann muß man das ohne wenn und aber anpacken, denn damit tun wir einen ersten Schritt zur Schaffung eines Kräfteverhaltnisses, in dem die Machthaber dann gezwungen sind, uns das zuzugestehen, was sie heute verweigem.

an die Gewerk ten, sondern an die westlichen Ar telen, Wir müsder und die Erwartungen derer, welche er Verbreitung tin- Ihn verfassten, nicht enttäuscht. Unsere Initiativen müssen parallel zu den Terminen laufen, welche die So- 1l damose-Führung für die Mobilisierung der nachsten Wochen in Polen festlegte: diese Termine missen wir als Hebel für die breitestmögliche Solldarität ansetzen. Unsere Aktionen können von Demonstrationen bis zu einstündigen Solldarltätsstrelks gehen; dazwischen liegen Vorschlage, einen Stundenlohn für Solldamose Im Untergrund zu spenden oder Kundgebungen und Veranstaltungen abzuhalten, auf denen die Werktätigen im Westen ilber ten und Fortschritte der Untergrundbewegung in ihrer Auseinandersetzung mit der machthabenden Minderheit. DEN ZUSAMMENSTOSS VORBEREITEN Der kürzliche Aufruf der Untergrundführung, in dem eine ganze Reihe von Initiativen zur Vorbereitung eines Generalstreiks im nächsten Frühjahr vorgeschlagen wird, wird diesen Erwartungen gerecht, wenn ihm unmittelbar konkrete Anweisungen und Inıtiativen folgen, mit denen der kampi wirklich koordiniert wird, Denn viele Arbeiter geben sich mit schriftlichen Erklärungen nicht mehr zufrieden. und die radikalsten schätzen oft die Möglichkeiten viel vorsichtiger ein als die TKK, welche den Generalstreik zum nächsten Frühjahr andingungen der milegam und ail der- setzte. Sie denken. daß noch einiges Hindemisse, welche das bedeutet, reguläre Strukturen der Gewerkschaft in den Betrieben aufzubauen und Mittel für die Verbindungen zwischen den Betrieben, den Städten und den Regionen zu finden, was alles un abdingbar 1st daß die Nachrichten umlaufen, daß chen zur Repression gegen die "Rădelsführer" zu bieten, daß die Selbstverteidigung der Betriebe vorbereitet wird, daß man die Armee agittert. um die Soldaten für die Sache der Arbeiter zu gewinnen, usw.

Über all diese Ziele wird seit zehn Monaten in der Untergrundpresse viel diskutiert, aber bisher kam nur wenig Konkretes dabei heraus. Auf der anderen Seite sind sich diese Arbeiter bewußt, daß die wirtschaftlichen Benur verschlimmem können. Das kann rigsungen die jetzt schon so schwie- . sich in den Wintermonaten zu Ausbrüchen der Wut und des Zoms führen.

ber beim größten Teil der Bevölke. ung kann die Verschlimmerung de Existenzbedingungen eher den gegenteiligen Effekt auslösen. Denn wenn man sich bewußt geworden ist, daß wirklich die Frage der Macht auf dem Spiele steht, dann wird man denken, um so größere Vorsicht ist geboten. SOLiDARNOSC

Zwar kann man heute noch nicht voraussagen, was in den osteuropäischen Ländem passieren wird, aber wir wissen doch zumindest, was wir innerhalb der westlichen Arbeiterbewegung tun können und müssen. Die Demon stration von 20.000 Leuten in Paris len auf riesiges Echo. Der Aufruf der italienischen Gewerkschaften an die europäischen Arbeiterorganisationen, eine gemeinsame Aktion zur Unterder ia von den westlichen Sendem in Polen weit verbreitet wurde, erweckte ebenfalls große Hoffnungen bei den Leuten, die ihn hörten. Der Appell der "Koordination der Großbetriebe von Warschau" den wit nachstehend im Wortlaut abdrucken, richtet sich zum ersten Mal nicht nur Gelegentlich des 10, und 11. November sowie des 13. Dezember, dem "Geburtstag" des Staatsstreichs von Jaruzelski, muß die westliche Arbeiterbewegung, müssen insbesondere die revolutionären Marxisten den polnischen Arbeitern zu verstehen geben, daß sie an ihrer Seite stehen, daß sie diese bei jedem Schritt ihres Kampfes ums Ganze unterstützen.

Wenn man genau weiß, daß die Teilnahme an einem Streik den Arbeitsplatz oder mehrere Jahre Gefängnis kosten kann, dann muß das auf die Dauer Auswirkungen haben auf einen Familienvater, eine Familienmutter, die monatlich 6.000 bis 8.000 Zloty verdienen und für ein Ei 25 Zloty zahlen, für ein Kilo Fleisch 300 bis 400 Zloty und für ein Paar Schuhe 3,000 Zloty auf dem offiziellen Markt (wenn man die erforderlichen Rationierungskarten hat, was zumeist nicht der Fall ist) und 6.000 bis 7.000 auf dem Schwarzmarkt. Die kämpferischen Arbeiter werfen also immer öfters die Frage auf, ob man sich nicht auf den Zusammenstoß vorbereiten muß, und daß man wissen muß, wohin man geht, wie man dorthin kommt und welche Mittel man dazu in der Hand hat. Ein weiteres Problem, das in den Diskussionen immer wieder zur Sprache komınt, bezieht sich auf den intemationalen Kontext, in dem sich der Kampf abspielt. Die Gefahr einer sowjetischen Intervention wird zwar nicht aus den Augen verloren, aber sie ist Zusammenstoß mit der Militärjunta zu diskutieren. Dagegen spielt viel öfters die Frage eine Rolle, welche Haltung wohl die Werktätigen der anderen osteuropäischen Länder ein nehmen werden. Das Gefühl, daß das Schicksal ihrer Revolution zum grossen Teil davon abhängt, daß ihr Kampf sich ausweitet und daß sie auf internationaler Ebene Unterstützung bekommen, ist heute den den polnischen Arbeitem viel stärker als in der Vergangenheit.

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