Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Warum Nixon erneut eskaliert

Inprekorr Nr. 15, 15. Mai 1972 · S. 3-6 · 2.449 Wörter

USA und Kanada Vietnam und Indochina Sowjetunion

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WARUM NIXON ERNEUT ESKALIERTE ++++++++++++++++++++++ ++++++++ Warum hat Nixon weiter eskaliert? In seiner Ansprache vom 8. Mai sagte der Präsident der Vereinig ten Staaten, daß er seine Anweisungen im Interesse, den Frieden zu erreichen, gegeben habe. In Wiklichkeit ist er klar und bewußt das Risiko eines 3. Weltkriegs eingegangen. Das war die Bedeutung seines Entschlusses, die Häfen Nordvietnams zu verminen, alle Nachschublinien, sowohl Straßen als auch Eisenbahnen, bis zur chinesischen Grenze zu bombardieren und des Ultimatums an die sowjetische Regierung, Hanoi und die FNL völlig im Stich zu lassen. Im gleichen Augenblick, als Nixon zur amerikanischen Offentlichkeit und der Welt sprach, wurden seine Anordnungen in die Tat umgesetzt.

In den vergangene: Eskalationen des Krieges hat sich Nixon immer eine Rücızugsmöglichkeit offen gehalten, die ihn bei stärkeren Reaktionen von Peking, Moskau oder der amerikanischen Öffentlichkeit, als es die Pentagonstrategen einkalkuliert hatten, einen Rückzug ohne das Gesicht zu verlieren ermöglicht hat. Invasionen und Bombenangriffe wurden als Aktionen von "begrenzter Dauer" ausgegeben, um Nixon zu gestatten, sich zurückzuziehen, wenn die Wahrscheinlichkeit des politischen Nachteils größer war als der mögliche militärische Gewinn. Diesmal hat Nixon kein solches Schlupfloch. Nixons Entschluß, den Krieg aufs neue zu eskalieren, auf qualitativ gefährlicherer Ebene, ist ein Ergebnis politischer Verzweiflung. Seine Überlegungen sind durchsichtig.

1.- Der Ausgang des Krieges hat die Schlüsselrolle während des Wahljahres erlangt, in dem sein Verbleiben im Weißen Haus auf dem Spiel steht. Er ist konfrontiert mit der Entscheidung, die Niederlage in Vietnam einzugestehen und sofort alle US-Truppen zurückzuziehen, oder den Sieg durch ein militärisches Wunder zu erreichen. Nixon entschied, daß es das kleinere Übel war, alles auf das Wunder zu setzen.

2.- Nixon wurde mit dem Versprechen, den Vietnamkrieg zu beenden, gewählt. "Ich habe einen 'Plan" entpuppte sich als die Vietnamisierung. In Wirklichkeit war es Plan" • sagte er. Dieser seine Antwort auf den enormen Druck der amerikanischen und internationalen Antikriegsbewegung. Durch schrittweisen Rückzug der Bodentruppen hoffte er die Antikriegsbewegung bis nach den Wahlen niedrig zu halten. Die Politik der Vietnamisierung erwies sich als völliger Baynkrott angesichts der Offensive, die unter der Führung von General Giap begonnen hat, Anstatt den völligen Fehlschlag und Bankrott der Vietnamisierung anzuerkennen, beschloß Nixon den Krieg zu re-amerikanisieren.

3. - Der Fehlschalg der Vietnamisierung zeigt, daß die Basis des Saigoner Regimes völlig dahingeschwunden ist. Es würde bei einem amerikanischen Rückzug sofort zusammenbrechen. Genauso offensichtlich aht die FNL die Schlacht um die "Herzen undHirne" der südvietnamesichen Bevölkerung gewonnen. Nixon weigert sich, dies anzuerkennen, weil dies seiner Kampagne zur Wiederwahl schaden würde. Er hofft die politische Realität durch die Eskalation des Krieges zu verdecken, wobei er als Vorwand die "Invasion' nordvietnamesischer Truppen im Bürgerkrieg benutzi.

4. - Ein tieferer Grund für Nixons Grund ist, wie er selbst erklärte, die Wirkung, die von einem Sieg der FNL auf die koloniale Welt ausgehen würde. Obwohl die "Dominotheorie", , auf die er sich bezieht, sich diskreditiert hat, ist es dennoch wahr, daß ein amerikanischer Rückzug den antiimperialistischen Bewegungen auf de r ganzen Welt neuen Auftrieb geben würde. 5. - Ein weiterer Beweggrund für Nixons verzweifelten Versuch, sich an Indochina zu klammern, sind die ungeheuren Bodenschätze dieses Gebiets. Das imperialistische Frankreich kämpfte mit Klauen und Zähnen, um es für sich zu behalten. Als Erbe des französichen Kolonialreiches kämpft der US-Imperialismus noch verbissener darum. Hinzugefügt sei, daß seit 1965 die internationalen Ölkartelle entdeckt haben, daß Indochina noch grüßere Erdölreserven als der Mittlere Osten hat.

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DIE ESKALATICN WAR VORBEREITET

Mit dem Verlust von Quangtri am 1. Mai war Nixen in die schwierigste Lage geraten, die er in dan dreieinhalb Jahren, seitdem er für den amerikanischen Imperialismus den indochinesischen Krieg führt, erlebt hat. Der offensichtlich Fehlschlag der "Vietnamisierung" Führte sofor zu neuen Eskalationsplänen. In der Presse wurden 'Optionen' erwähnt wie Intensivierung der Luftangriffe auf Nordvietnam, Wiedereinführung von US-Bodentruppen im Süden und sogar ais Möglichkeit einer Landung in Nordvietnam.

Der nordvietnamesische Yerteidigungsminister Vo Nguyen Giap kündigte ouf einer Feier zum 19. Jahrestag des vietnamesischen Sieges über die Franzosen in Dien Bien Phu die Niederluge des US-Imperiali-mus mit folgenden Worten an: "Das vietnamesische Volk hat im neokolon: alen Invasionskrie. unter der Eisenhowe--Regiert g gesiegi. Wir habe im 'Spezielkrieg' der Kenne dy - Regierung gesiegt. Wir haben im Teilkrieg vid in den Eskalationen des Zerstörungskriegs unter der Regierung Johnson gesiegt. Jetzt sind wir dabei, den Krieg Nixons zu zerschlagen, und wir werdenvollständig siegen - wir werden all die abenteuerlichen und grausamen Eskalafioren der imperialistischen Vereinigten Staaten volls/indig zerschlagen. Soit dem 5. März hat sich die Gesamtzehl der amerikanischen Flugzeuge auf dem indochinesischen Kriegsschauplatz mehr als verdoppelt. Die New York Tir vom 6. Mai berichtete, caf die Arızahl der B-52 von 80 auf 140 und die der Kampfbomber vor 400 aul 900 gestiegen ist Wo vorher dre: Flugzeugträger waren, sind es jetzt sechs, und die Zahl der Soldaten auf den F'ugzeugträgern und auf anderen Schiffen sprang von 15 000 auf * 000. in der Ausgabe der Parişer Tageszeitung 'Le Monde' vom 4. Mai steht ein anonymer Bericht über Truppenbewegun gen, die von der Nixon-Regierung noch nicht bekanntgegebe:. wurden: "Nach gufinformierten Quellen wurden : 200 Soldaten vor-der amerikanischen Basis Ciark auf den Philippinen nach Vietnam "vorübergehend". • geschickt. Die meisten gehören zum Warter. spersonal des Jagdbom Sergeschwaders 40. 250 weitere Soldaten sollen die Verteiigung von Da-Nang sichern. Gemäl ihrem besonderen juristischer Status zählen diese Truppen nicht zu den offiziell in Sidvietnam stationierten Einheiten. ..ndererseits hat eine unbestimmte Anzahl von 'Marines' am 21. April - auf dem Wege nach Vietn im - auf den Philippinen Station gemacht. Ein Bctaillon von weiteren 500 'Marines' war zuvor noth De Nang geschickt worden. Mehr als 1000 lafanteristen, derunter 200 Angehörige von Hubs hrauberbesatzungen, haben Okiniwa mit dem Schiff verlassen, Ebenfalls war zu erfai.ren, daß 900 Flieger die Búsis von Yokota auf Japan verlassen und sich nach Thailand begeben haben. Auf Yokota sind zur Zeit Manover mit Nuklearwaffen im Gange Nixon legie die diplomatischen Grundlagen für neve Eskalationen, indem er wieder einmal die Pariser Gespräche auf der Sitzung vom 4. Mai aufkündigte. Ein weiterer Faktor in dieser Enischeidung muß die Unsicherheit geivesen sein, die in Saigon durch Geruchte über Geheimver hond'ungen zur Muswechslung von Nguyen Van Thieu hervorgerufen wurde. Am 1. Mai fing Nikon damit an, die öffentliche Meinung der USA auf die Bombardierung der nordvietnamesiachen Deiche vorzubereiten, e ner Aktio:, die weite Uberschwemmungen und höchstwahrschein lich Tausende von Toten zur Folge haben würde. Bei einem Gespräch mit einer Gruppe von Coschäftleuten in Texas hezeichn :te Nixon die Dämme als "ein strategisches Ziel und indirekt ein militärisches Ziel" wobei er hinzufügte: was die Ziele in Nordviernam betriffi, so sind wir auf den Einsatz inserer Boder und Ser -tre tkiäfte gegen mil arische Ziele in ganz Ver 'vietnam vorbereite!, und wir sind der Meinung, daß die Nordvietnamesen ein sehr gros res Risiko auf sich nehmen, wenn sie ihre O. fensive in Südvietram fortführen. " Und der Staase sakretär William Yogers fügte ci? einer NATO-Tagung ir. Brüssel am 5. Mai ährliche Androhungen, Wohngebier ir Nordvietrom z. bombercieren, Niyon - und Johricol. vor ihm - hot sich nie um die Opfer an Zivilleben, die durch die Bonbardu rents in Irdoch a hervorgerefer werden. gekümmer!. außer wein sie weltweite Pretestbave zungen hervurriefen. Aber die Androhui g, soger dis beschränkung auf militärische Ziele bei a ren dns du rele klar darauf ab, on Wer für eine mass. ve Eskalation des Luftkrieges vorzubereiten 4 NPREXORR 15.5.72

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Auf demselben NATO-Treffen unterstützte Rogers öffentlich Nixons Kampagne, Druck auf die Sowjetbürokratie auszuüben, damit diese ihre Materialhilfe an Nordvietnam reduziert. Die Hoffnungen auf Erfolg in dieser Kampagne wurden durch die kriminelle Passivität des Kremls Nach den Luftangriffen vom 16. April ( auf Haiphong und Hanoi) gewaltig gestärkt. In einem Artikel von William Beecher in der 'New York Times' vom 3. Mai wird gesagt, daß während dieser Luftangriffe zum ersten Mal ein sowjetischer Frachter im Hafen von Haiphong versenkt wurde. Vorher war berichtet worden, daß nur vier sowjetische Schiffe beschädigt worden waren. Statt auf Nixons Angriffe mit einer Verstärkung von Hanois Verteidigungs anlagen zu antworten und mit der Warnung, daß sie die sowjetischen Schiffe verteidigen würde, versuchte die sowjetische Bürokratie, zu verheimlichen, daß ein Frachter versenkt worden war. Eine solche Friedfertigkeit ermuntert Nixon nur zu weiteren Eskalationen. Max Frankel beschreibt in der 'New York Times' vom 7. Mai einige der 'Optionen', die Nixon offenstehen: systematische Zerstörung nordvietnamesischer Wohngebiete'' , eine Invasion Nordvietnams durch amerikanische 'Marines', gezielte Angriffe auf sowjetische Frachter und die Verminung oder Blockade des Hafens von Haiphong. Franke! bezeichnet diese Aktionen als "'Optionen für den äußersten Fall" , die dann eingesetzt würden, wenn "Hanois Armeen nicht daran gehindert werden können, Südvietnam zu zerstören und die Streitkräfte Saigons zu zerschlagen. Aber in vielen Teilen Südvietnams war die Armee Thieus selbst dabei, sich in panikartiger Flucht und weitverbreiteter Desertion selbst zu zerstören.

DIE FEUERPROBE DER VIETNAMISIERUNG

Sydney H. Schanberg beschreibt in der 'New York Times' vom 3. Mai die Flucht der Marionertentruppen von Quangtri: "Heute flohen Tausende von südvietnamesichen Soldaten - von denen die meisten offensichtlich nicht viel Kontakt mit den vorrückenden Nordvietnamesen gehabt zu haben schienen - völlig durcheinander und in Panik aus der Provin Quangtri auf der Straße Nr. I wie ein außer Kontrolle geratener Mob in Richtung Süden. Die Regierungstruppen der Dritten Infanteriedivision liefen in einem der größten Rückzüge des Krieges vor dem Kampfgeschehen weg, requirierten mit dem Gewehr zivile Fahrzeuge, täuschten nichtvorhandene Verwundungen vor, nahmen ihre Lebensmittelrationen, nicht aber ihre Munition mit und über schütteten westliche Berichterstatter, die Aufnahmen von der Flucht machten, mit Schimpfwör tern. 'Niemand versuchte, sie aufzuhalten, ihre Offiziere liefen auch davon. Ein großer Teil der zurückflutenden Truppen machte nicht einmal in Hue 60 km südlich von Quangtri Halt, sondern setzte seinen Weg fort und nahm die Gewehre, Artilleriegeschütze, Panzer und Panzerfahrzeuge mit sich.

In der Nacht des 2. Mai brannten die Truppen, die in Hue Halt gemacht hatten, den zentralen Markt der Stadt nieder. Schanberg berichtete, daß sie "betrunken ein wildes Gefecht" einer Einheit von Thieus 'Marines' lieferten.

Die Situation war von Washington her gesehen ernsthaft genug, daß die Nixon-Regierung öffen lich von der Möglichkeit sprach, US-Marines hinzuschicken. Gegenwärtig befinden sich etwa 5000 'Marines' auf Schiffen im Golf von Ton king. Am 5. Mai ließ Pentagon-Sprecher Jerry Friedheim durchblicken, daß sie eingesetzt werden könnten - natürlich um "abziehende amerikanische Truppen zu schützen Benjamin Cherry bringt in einem Bericht aus Saigon, der in der 'Far Eastern Economic Review' vom 29. April erschienen ist, einige Einzelheiten über die Versorgungsquellen der Befreiungsstreitkräfte: •.. es ist jetzt offensichtlich, daß die konventionelle Art der Offensive stark über trieben worden ist. Wenn Hanoi seine Truppen wirklich so offen in den Kampf geworfen und damit den Schlägen der amerikanischen Luftwaffe ausgesetzt hätte, wie das von Saigon behauptet wird, dann hätte die Offensive nicht so lange nahlten können. Viel Proaganda wurde Über die Zerstörung zahlreicher nordvietnamesischer Panzer gemacht. Aber verschiedene vietnamesicche Offiziere, die vom Felde zurückkamen, behaupten, daß viele, wenn nicht alle von der anderen Seite benutzten Panzer amerikanische Modelle sind, die sie wohl in den letzten

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zwei Jahren in Kambodsch und Laos eingenommen hatten. Ein Oberstleutnant sagte sogar, daß viele der "Panzer' sich als Jeeps herausgestellt hätten, die mit Pappdeckel verkleidet waren... Es zeigt sich, daß in ganz Südvietnam die Marionettenarmee mindestens genausoviel durch Desertionen als druch tatsäcl liche Kämpfe dezimiert wird. Sowohl Offiziere als auch Eingezogen weigern sich - was verständlich ist - für Thieu und für Nixon zu sterben. Craig R. Whitney beschreibt in einer Artikelserie in der 'New York Times' vom 2. zum 4. Mai die Situation in der Provinz Binh-dinh. Seit der Aufgabe der Stadt Hoaian am 19. April hatte sich das 40. Regiment der Saigoner Armee, das normalerweise 3000 Mann zählt, auf ein Viertel seiner Stärke reduziert. Etwa 30% der Einheit waren als Verluste registriert und mehr als 40% als Deserteure. Whitney schreibt vom 'Erstaunen' eines amerikanischen" Beraters", der erzählte: "Als der Vietcong in der Gegend auftauchte, fuhr der Distriktenef in einem Jeep mit seinem Kühlschrank zusammen mit dem Kommandeur des 40. Regiments weg.

""Viel ähnliches ereignete sich nördlich von Kontum am 24. April" , fährt Whitney fort, . "als die Nordvietnamesen Tausende von Soldaten der 22. Division aus dem Hauptquartier in Tancanh trieben, wobei sie auf nur wenig Widerstand stießen. Man glaubte, daß der Divisionskommandeur Oberst Le Duc Dat gefallen oder gefangen war, aber aus befugter amerikanischer Quelle war zu erfahren, daß er heute in sein Heim in Saigon zurückgekehrt sei. "Ein Offizier der Saigoner Regierung in der Provinz erklärte Whitney folgendermaßen die Erfolge der Befreiungskräfte: "Als die Kommunisten früher hier waren, von 1945 bis 1954, hatten die Leute nicht viel zu essen und waren nicht gut gek leidet, aber moralisch waren sie glücklich, weil die Kommu nisten für 10 Jahre Gerechtigkeit ins Land brachten, ohne die Korruption, die wir jetzt hier haben.

Einige der wichtigsten Erfolge der Befreiungskräfte sind eher in kleineren Kämpfen als in den überall publizierten Schlachten zu sehen. Peter Osnos berichtete in der Washington Post' vom 3. Mai: "Auf dem Lande sind viele Beraternoch entmutigter, wenn sie mit ansehen, wie die Arbeit jahrelanger Pazifizierung und Militärtrainings innerhalb von wenigen Wochen zunichte gemacht wird. Diese Art von Erosion findet augenscheinlich nicht nur dort statt, wo große, be rühmte Schlachten geschlagen werden, sondern auch in ruhigeren Provinzen, wo Vorposten und nicht ganze Regimentskasernen aufgegeben werden.

Diane Jones berichtet in der 'Far Eastern Economic Review' vom 29. April aus der Provinz Quangngai, daß "praktisch die ganze Provinz unter Kontrolle der FNL steht" , obwohl in dieser Gegend keine größeren Schlachten stattgefunden haben. Das befreite Gebiet schließt den Ort ein, wo 1968 die Mylai-Massaker stattfanden. Jones schreibt, daß die Regierung von Saigon am 17. April vorhatte, das Umsiedlungslager mit den Überlebenden von Mylai zu bombardieren Jones sieht in der politischen Unterstützung, die die FLN gewonnen hat, den vielleicht wichfigst in Aspekt der Offensive der Befreiungskräfte: "Es ist gut möglich, daß die tatsächliche Bedeutung der gegenwärtigen kommunistischen Angriffswelle nicht in den großen Schlachten von Dong Ha und An Loc liegt, sondern in der Rekonstruktion der Machtbasis der FLN in den ländlichen Gegenden Zentralvietnams, wenn nicht des ganzen Landes.

Genau diese Machtbasis - das Volk - ist das Ziel von Nixons Eskalation sowohl in Süd- als auch in Nordvietnam. Die Politik des US-Imperialismus in Indochina bleibt das, was sie seit dem Beginn der amerikanischen Intervention gewesen ist: ein Versuch, die Bevölkerung so zu terrorisieren, daß sie sich unterwirft. Bis der Imperialismus gezwungen ist, alle amerikanischen Truppen, Waffen und "Unterstützung' zurückzuziehen, solange wird der Terror - und die Absichtzu immer gefährlicheren Maßnahmen zu greifen - weiter eskalieren.

(Allen Myers, Aus INTERCONTINENTAL PRESS, 15. Mai 72)

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