Die Mainummer von "Cry Out" ist soeben erschienen. Sie wird von den antimilitaristischen Fliegern der amerikanischen Basis Clark (Philippinen) in Form einer 8 Seiten starken Zeiteng veröffentlicht.
Die Titelseite stellt einen verletzten Uncle Sam dar - in Vietnam, wie aus der Text zu ent nehmen ist. "der aber noch nicht begriffen hat, daß er Vietnam den Vietnamesen Über lassen muß". Auf Seite zwei wird in einer Petition, die bald an den amerikanischen Kongreß abgeht, die direkte Verwendung der Basis für den Krieg in Indochina verurteilt. Unseres Wissens haber bereits 200 Mann unterzeichnet (die Kampagne beginnt erst), mit Namen, Dienstgrad und Ein heit. Diesselbe Petition hat schon 400 Unter chriften auf der philippinischen Basis "Subic" ori halten. Fügen wir hinzu, daß mindestens auf zwei Flugzeugträgern im Golf von Ton king, der "'Coral Sea"" und der "Kitty Hawk" vervielfältigte Zeitungen vom gleichen Typus wie "Cry Out" veröffentlicht werden. Auf diesen Schiffen hat sich der "Arbeitsrythmus" der Luftwaffe, die Nordvietnam bombardiert, verlangsamt, und zwar beträchtlich, dank der Aktion del "marines", die gegen den Krieg sind.
Der "Offene Brief an den Präsidenten der Vereinigten Staaten'" (S. 4) ist nicht weniger or staunlich. Ausgehend von einem alltäglichen Ereignis entwickeln die Autoren des Textes Folgande politische Argumentation: Warum unterhäll Washington mehr als 2000 Militärstützpunk te im Ausland? "Als Soldaten , so liest man, "sehen wir nicht ein, inwiefern unsere Anwesen heit auf den Philippinen oder anderswo im Ausland unseren Interessen oder denen unseres Landes helfen könnte. Die Präsenz der amerikunischen Firmen hier, die die Naturschäfze rauben, Festigen den unterentwickelten und feudalen Charakter des Landes hier. Die Präsenz des ameri• kanischen Luftwaffenstützpunktes in Clark hat aus der GeselIschaft von Angeles City das ges. macht, was sie jetzt ist: arbeitslose, verarmte Philippinos sind in dieser Stadt und in den anderen Städten der Militärstützpunkte zusammengepfercht, prostituieren sich, stehlen, handeln auf dem Schwarzmarkt und mit Rauschgiften, um zu überleben.
Seite 5: die Parole lautet, den 20. Mai, den "Tag der bewaffneten Kräfte" (Day of the Armed Forces) in den "Tag der bewaffneten Farcen' (Armed Farces) umzuwandeln: während die mit Ab zeichen behängten Soldaten und Offiziere paradieren, wird man sich im Yap Park amüsieren ( "'Essen mitbringen!"'). Das wird zu einem 'Picknick des Volkes' werden, das dritte dieser Ar seit dem letzten Dezember. Folgt ein außerordentlich heftiger Artikel gegen den Krieg in Viernam, in dem bei Fragen über Truppe7- und Flugzeugbewegungen im Vorbeigehen efliche Milifärgeheimnisse verraten werden. Auf Seite 6 ist "von einem versuchten Völkermord" von amerikanischer Seite die Rede.
Seite 7: Eine Studien über Rechthilfe für antimilitaristische Soldaten und der Anfang einer Ar fikelserie über die Ursprünge des Indochinakrieges (Quelle: die Pentagon-Papers). Auf Seite 8 werden die amerikenischen und philippinischen Militärpolizisten liebenswürdig init "Schweine?! betitelt. Eine Zeichnung zeig! eine weißen Unteroffizier, der - Kokospalmen im Hintergrund zu einer Gruppe von schwarzen Soldaten spricht: "Drüben in den Vereinigten Staaten sind die Schwarzen ganz untenı aber hier in Vietnam ist das anders: man stellt Euch in die ersten Reihes 210 Dieser "Aufschrei" wird weit hallen: es ist nicht Meckern eines einfachen Soldaten, dem die Haxen wehtun, sondern der Schrei von Soldaten, deren Amerika wehtut.
(Jacques Decornoy. Aus LE MONDE vom 8. Mai 1972)
mischen und im politischen Kampf um solche Parolen wie "Frieden, Brot, Freiheit, freie Wahlen - heute sieht sich die portugiesische Bourgeoisie auch konsequenten Revolutionären gegenüber, die entschlossen sind, den Kapitalismus, den Kolonialismus und den Imperialismus bis zu ihrer totalen Niederlage zu bekämpfen.
Die Kämpfe der Massen waren in der letzten Zeit von einem beträchtlichen Aufschwung des politischen Bewußtseins breiter Arbeiterschichten gekennzeichnet. Wir brauchen nur den Kampf der Bankangestellten um ihre Forderungen erwähnen oder den der Ärzte, die in den Krankenhäusern von Lissabon, Coimbra und Porto angestellt sind. Die Bankangestellten haben wochenlang einen harten Kampf gegen die Unternehmer und den Staat geführt, in dessen Verlauf es insbesondere zu einer eindrucksvollen Straßendemonstration in Lissabon kam, bei der gewalts ame Auseinan dersetzungen mit der Polizei ausbrachen ( in Portugal sind alle Demonstrationen verboten, und die, die trotzdem stattfinden, werden von den Ordnungskräften brutal niedergeschlagen). Der Kampf der Arzte gipfelte in einem Streik aller Ärzte der Zentral-, Zivil- und Universitätskrankenhäuser der wichtigsten Städte des Landes (Lissabon, Coimbra und Porto) am 22., 23. und 24. November letzten Jahres. Dieser Streik wirkte sich keineswegs nachteilig für die Kranken aus, denn diese wurden wie immer gepflegt, der Streik bestand darin, die Krankenhausverwaltung völlig zu ignorieren und alle Kranken gratis zu behandeln.
Die politische Radikalisierung und die Anwendung höherer Kampfformen wie Straßendemonstrationen, Streiks und bewaffnete Aktionen dürfen aber nicht zu Illusionen führen über die wichtigsten politischen Kräfte, die dahinterstehen, noch über die Möglichkeiten, die portugiesische Bourgeoisie kurzfristig zu stürzen. Was die politischen Kräfte betrifft, die hinter den bewaff neten Aktion, die wir erwähnten, stehen, so muß man betonen, daß zwar die Bildung der Revolutionären Brigaden (die sich an die FPLN, die Patriotische Front für die nationale Befreiung anlehnen) ein positives Faktum darstellt, insofern als sie ein Ergebnis des Anwachsens der politischen Kräfte ist, die sich links von der portugiesischen Kommunistischen Partei plazieren und die zur Schaffung einer wahren revolutionären Bewegung führen können, während dasselbe für die Revolutionäre Bewaffnete Aktion nicht zutrifft. Diese wird von der KP Portugals kontrolliert, einer sehr stalinistischen Partei, deren Beziehungen zur sowjetischen KP ziemlich bekannt sind.
DIE REVOLUTIONÄRE BEWAFFNETE AKTION UND DIE KP PORTUGALS
Die Aktivitäten der Revolutionären Bewaffneten Aktion spielen sich nur auf der Ebene des anti• kolonialen Kampfes ab, wie die Führer der KP Portugals uns versichern, und sie haben nur zum Ziel, die opportunistische Politik der Führung der KP Portugals zu decken. Diese ist in der Stunde des Kampfes für die Bildung einer breiten Einheitsfront (wie das für die KP Portugals seil 40 Jahren Tradition ist), die sich zusammensetzt aus KP, Sozialisten, Sozialdemokraten, Republikanern und endlich alle "Antifaschisten und Antimonopolisten' unter Einbeziehung des "Kleinbürgertums und breiter Sektoren der mittleren Bourgeoisie'. Den Faschismus im Rahmen einer 'demokratischen und nationalen' Revolution durch ein demokratische Regierung ersetzen, die die Monopole nationalisiert, das politische Leben liberalisiert durch die Freiheit politischer Parteien und die Abhaltung Freier Wahlen, das ist im großen und ganzen das Ziel der portugie sischen KP. Es ist interessant festzustellen, daß die Bildung der Revolutionären Bewaffneten Aktion zusammenfiel mit der Spaltung, die sich 1970 im Schoße der Patriotischen Front für die Nationale Befreiung abspielte, als ehemals in der KP organisierte Tendenzen der Linken und der extremen Linken beschlossen, sich von dieser zu trennen und mit ihrer rechtopportunistischel Politik zu brechen. Es ist heute klar, daß die Unterstützung für die Bildung der Revolutionären Bewaffneten Aktion durch die Führung der KP einzig und allein das Ziel hatte, der von der neuen' Patriotischen Front für die Nationale Befreiung verbreiteten Propaganda zugunsten des bewaffneten Kampfes entgegenzuwirken, um weiterhin diejenigen Militanten unter Kontrolle zu haben, die seit langem eine Revision der pazifistischen Politik der Führung der KP forderten und die nach der Spaltung innerhalb der Patriotischen Front für die Nationale Befreiung in im mer stärkerem Maße von der revolutionären Strömung angezogen wurden, die sich dort manifestiert.
s. 10 INPREKORR 15.5.72
DIE REVOLUTIONÄREN BRIGADEN UND DIE FRONT FÜR EINE VOLKSAKTION
Die Aktivitäten der Revolutionären Brigaden sind in dem Sinne ein wichtiges Ereignis, daß es einem Teil der revolutionären Strömung zum ersten Mal gelungen ist ( wenn man von der Grür dung der Front für eine Volksaktion, einem mißl ungenen Versuch der Maoisten, absieht), sict zu organisieren und in wirksamer Weise zu handeln. Für die revolutionären Brigaden ist der Kampf gegen die faschistische Regierung von Marcelo Caetano ein Aspekt des Kampfes für die sozialistische Revolution, und sie verkünden, daß der Kampf gegen den Kapitalismus, gegen den Kolonialismus und gegen den Imperialismus zwar nur mit gewaltsomen Mitteln geführt we den kann, daß man aber darüber keineswegs den globalen politischen Kampf unterschätzen da (legalen, halblegalen, geheimen, ökonomischen oder politischen Charakters). Nichtsdestoweniger ist die politische Linie der Patriotischen Front für die Nationale Befreiung noch nicht sehr bekannt, mit Ausnahme von einigen manchmal ziemlich widersprüchlichen Stellungnahmen, die vom Radiosender 'Stimme der Freiheit' aus Algier ausgestrahlt wurden. Dennoch spricht sich die PFFNB nach den Dokumenten, die wir kennen, und besonders in der Zeitı 'Portugal Informacão" , gegen bürokratische und stalinistische Methoden aus und denunziert dadurch - vorerst nur in begrenztem Ausmaß - die Degeneration der sozialistischen Staaten. Andererseits verteidigt sie eine Politik der aktiven Solidarität mit den Befreiungskräften in de portugiesischen Kolonien und zeigt, daß die Revolution, die es in Portugal zu machen gilt, eine sozialistische Revolution sein muß, die nur durch eine bewaffnete, revolutionäre, vom Proletariat geführte Bewegung verwirklicht werden kann.
Heißt dies, daß wir am Vorabend der sozialistischen Revolution in Portugal sind? Wenn man d Frage Frage mit Ja beantworten würde, hieße das, daß man das heute in Portugal bestehende Kräfteverhältnis verkennt, ein Verhältnis, das für die Bourgeoisie gürstig ist, mehr durch die Unorganisiertheit der Arbeiterklasse als durch die Kraft der Bourgeoisie selbst. Von Grund auf ausgerichtet auf eine Politik der Union mit allen "antifaschistischen und antimonopolistisc Kräften vergeudet die KP Portugals ihre Energie damit, daß sie kurzlebige 'Bewegungen der demokratischen Opposition' bildet, deren Existenz im allgemienen auf die Wahlperioden beschränkt bleibt. Ihre Aktivitäten auf Betriebsebene zielen beinahe nur auf die Eroberung der Führungsstellen in den staatlichen Gewerkschaften ab, die sie sehr schnell wieder einbüßen, da die Regierung alle Gewerkschaftsführer, die über das hinausgehen, was die Bourgeoisie er laubt, sofort absetzt. Diese Gewerkschaftsführer werden regelmäßig abgesetzt, verhaftet und eingesperrt. All dies muß sich ändern, wenn man die Voraussetzungen für eine sozialistische Revolution in Portugal schaffen will, und beim derzeitigen Stand der Dinge dürfen die Revol fionäre nicht vergessen, wie das übrigens die Revolutionären Briga den schon sagen, daß be-