Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Frankreich

Der Kampf von Joint Francais

Inprekorr Nr. 15, 15. Mai 1972 · S. 17-21 · 2.929 Wörter

Frankreich Gewerkschaften und Streiks Jugend und Studenten

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

GEGEN DIE HUNGERLOHNE HILFT NUR DER KAMPF

Diese Löhne liegen um 20 bis 40 % unter denen der anderen Fabrik von Joint Français in Paris. Sie liegen 40 bis 50 % unter denen der Pariser Region. Oft müssen müssen sich die Arbeiter oder ihre Familienangehörigen Kaninchen züchten, um über die Runden zu kommen. Auch ist das Arbeitstempo in diesem Werk sehr hoch, denn viele Arbeiter sind ehemalige Bauern, die keine Tradition in der gewerkschaftlichen Organisierung und keine Kampferfahrung gegen die Repression der Unternehmer haben. Und viele Arbeitssuchende stehen vor der Toren... Aber vor allem seit Mai 68 wurden in der Bretagne Kampferfahrungen akkumuliert: heftige, harte, verzweifelte Kämpfe der Bauern, die gezwungenermaßen das Land verlassen mußten, wurden durchgeführt, und exemplarische Kämpfe in den alten Arbeiterhochburgen: Nantes - La - Range ist nicht weit, wo gerade ein sehr harter Streik bei Penarroya zu Ende gegangen war. FREITAG 10. MÄRZ: UNBEFRISTETER STREIK MIT BETRIEBSBESETZUNG

Seit einem Monat rühren sich die Arbeiter, nachdem die Unternehmer sich weigerte, über die Forderungen überhaupt zu diskutieren. Die Arbeiter legen täglich für zwei Stunden die Arbeit nieder, setzen das Arbeitstempo herab und diskutieren über die Arbeitsbedingungen, über Sicherheit und über die Löhne. Am 10. März stimmen sie auf einer Vollversammlung für den unbefristeten Streik mit Fabrikbesetzung bis zur Erfüllung ihrer Forderungen: - 70 Centimes Lohnerhöhung pro Stunde linear für alle • Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde bei vollem Lohnausgleich • Schichtzulage von 50 Franc unabhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit • 30 Franc Fahrkostenzulage • das 13. Monatsgehalt

Diese für alle gleichen Forderungen sind die Früchte der Lektionen aus dem Mai 68, durch die Agitation der Revolutionäre wurden diese einheitlichen Forderungen bei allen Streiks in der Region übernommen, sogar von den Gewerkschaften. Unter diesen Bedingungen beginnen die Arbeiter von Joint Français und aus der Region einen langandauernden Kampf. Unsere Genossen von der Ligue Communiste agitieren für folgende Ziele:

• massive Teilnahme der Streikenden am Kampf und an seiner Organisierung, Wahl eines Streikkomitees und regelmäßige Streikversammlungen, • Organisierung der Arbeitersolidarität ( die französischen Gewerkschaften haben keine Streikkassen).

Seite 18

DER STAAT, SEINE JUSTIZ UND SEINE POLIZEI IM DIENSTE DES KAPITALS

Auf die Entschlossenheit der Arbeiter antwortet der Unternehmer von Joint - CGE mit einer ka. tegorischen Ablehnung: er rechnet mit der Isolierung des Streiks und mit der Uneinigkeit der bei der CGT und CFDT organisierten Arbeiter. Die von der KPF-Fraktion geführte CGT ist immer schnell dabei, wenn es darum geht, 'abenteuerliche' Kämpfe zu denunzieren, und das ist der Fall für all jene Streiks, die in Sektoren ausbrechen, die nicht vollständig von ihr kontrollier werden. Die CFDT kann zwar die Kampfkraft der Arbeiter kanalisieren, aber da ihr eine Strategie gegen den Staat und die Unternehmer fehlt, hat sie einerseits die Neigung, der Basis nachzugeben, andererseits die, die Arbeiter zu manipulieren, vor allem unter dem Druck der CGT.

Die Französische Bourgeoisie hat eindeut ige Maßnahmen ergriffen, um den Arbeitern eine Nie derlage zu bereiten, wie z. B. die Anti-Streikkasse der Metallindustriellen. Darüberhinaus tritt der Staat als Garant ihrer Profite auf: das ist das Ziel der Tarifvertragspolitik. So brachte der Unternehmer von Joint Français schon am 14. März vier Gewerkschaftsdelegierte des Betriebs vor Gericht, und der Richter ordnete die Räumung des Betriebs an. Er folgte damit der vom Innenminister Marcellin und der französischen Bourgeoisie gesteckten Verteidigungslinie: vor einem Monat ließ dieser Minister ein Rundschreiben für Polizeipräfekten und Unternehmen direktoren heraus, das deutlich ausdrückt, daß die Poli ei zu ihrer Verfügung steht, um die 'Freiheit der Arbeit' zu sichern.

Am 17. März besetzen die Polizisten im Handstreich den Betrieb von Joint Français und ver treiben die Streikenden. Die Polizisten bleiben dort Tag und Nacht und schlafen im Schichtwechsel in einer Privatschule. Diese Tatsache ist den Schülern von Saint-Brieuc und den Studenten der Region nicht entgangen. Die Arbeiter organisieren Streikposten vor dem Betrieb, aber der Augenblick ist schlecht gewählt. Die Arbeiterbewegung bezahlt den Verrat der KPF, die sich nach der Ermordung von Pierre Overney bei Renault geweigert hatte, die gebührende Antwort darauf zu geben. In Saint - Brieuc warnt die KPF noch vor Abenteurern. Der Unternehmer und seine Bullen haben einen ersten Sieg errungen. Aber eine Woche später werden dei Bullen im 150 km entfernten Dünkirchen von den streikenden Arbeitern mit Schraubenbolzen und Barrieren aus brennenden Reifen empfangen.

DER GEGENSCHLAG DER ARBEITER MUSS AUF BREITER EBENE GEFÜHRT WERDEN

Unmittelbar nach der Intervention der Polizei hat die Ligue Communiste zwei Ziele aufgestellt Sicherung der Solidarität mit dem Streik vom Joint und Lancierung einer regionalen Solidarität kampagne. Zahlreiche Genossen der Region Fühlen die Notwendigkeit einer solchen Kampagne. Nach und nach wächst die Kampfmoral der Streikposten vor dem Betrieb: ""Wir arbeiten nicht mit dem Gewehr im Rücken". "Joint Français wird siegen, CGE wird zahlen!" Am 17. März wird eine Unterstützungskomitee der Schüler gegründet. Die Ligue schlägt ein gemeinsames Komitee aller Arbeiterorganisationen der Region vor, was zunächst von der PSU abgelehnt, dann aber angesichts der großen Solidarität doch gegründet wird. Innerhalb von 3 Tagen werden 3 000 Franc gesammelt, während die Kampagne nur von den Revolutionären ge• führt wird und die Bevölkerung in der Rolle eines Zuschauers verbleibt. Dię Haltung der Strei kenden verhärtet sich: am 20. März bilden sie eine Kette, um die Verbindung zwischen den Bullen im Betrieb und den Streikbrechern außerhalb zu unterbinden. Die Bauern bringen den Streikenden autoweise Nahrungsmittel.

Am 21. März gibt es in der ganzen Stadt Arbeitsniederlegungen, und das Koordinationskomite der verschiedenen Gewerkschaften organisiert eine Unterstützungdemonstration: 6 000 Demor stranten gehen auf die Straße, unter ihnen 1 200 Schüler, die gut organisiert sind, Parolen skandieren und Lieder singen, die bald von dem ganzen Demonstrationszug übernommen wer den. Die Gymnasiasten kehren en bloc in ihre Schulen zurück, um die Internatsschüler vor der Repression zu schützen. Zahlreiche Lehrer wollen den Streikenden täglich 10 Franc geben, so lange der Streik andauert. Gegenüber den Bullen wächst die Solidarität: bei den Bauern, die selbst Familienangehörige unter den Arbeitern haben und die wissen, daß ihre Zukunft Arbeit losigkeit oder Fabrikarbeit heißt, und auch bei den Schülern, die durch die Repression in den

Seite 19

Schulen und durch ihre Berufsmöglichkeiten sensibilisiert sind und ure durch die großen Mobilisierungen, die es in Fankreich gegeben hat, in das politische Leben des Landes integriert sind. Der Unternehmer weigert sich immer noch, zu verhandeln, und hofft auf ein Abbröckeln des Streiks. Er hat noch einen anderen Trumpf, jene bewährte Falle, die die Bourgeoisie auf dem Weg der Radikalisierung der Arbeiter aufstellt: Wahlen.

DAS REFERENDUM VOM 23. APRIL: DIE STREIKENDEN GEHEN NICHT IN DIE FALLE Der Unternehmer geht auf Scheinverhandlungen ein und zieht sie in die Länge. Er schlägt zuerst 16, dann 19 Centimes vor, während die Streikenden 70 Centimes fordern. Er hofft auf den Waffenstillstand der Osterferien, um die Streikenden zu demobilisieren. Vor allem soll der Waffenstillstand anläßlich des Referendums ihm einen Trumpf in die Hand spielen, um den Streik von der Region zu isolieren. Die Wah 'kampagne der KPF für das 'Nein' ruft die Arbeiter auf, das Terrain, wo sie mit ihren eigenen Waffen, den Streik und die Solidarität, kämpfen, für einen faulen Kompromiß, in dem die Bourgeoisie alle Trümpfe in der Hand hat, aufzugeben. Auf diese Trümpfe bauend ist der Unternehmer entschlossen, nicht nachzugeben, um ein Exempel zu statuieren - für die ganze Region: die Arbeiter in mehreren Unternehmen und in den Warenhäusern beginnen für ihre eigenen Forderungen und in Solidarität mit Joint zu streiken, die Unternehmer haben sehr schnell klein beigegeben und überlassen di : Aufgabe, den beispielhaften Kampf zu brechen, dem Unternehmer von Joint, • für die Werke des ganzen Trust im nationalen Rahmen: die CGE kann zahlen, aber sie sieht die Entlassung von 500 Arbeitern in Paris vor, um ihre Profite zu steigern; ein weiteres Werk des Trusts beginnt sich zu rühren (Delle Althom - CGE).

Aber die Kampagne der Revolutionäre bildet ein teilweises Gegengewicht gegen die der KPF. Sie propagieren für Joint Français die Boykottierung des Referendums. Am 30. März demonstrie" ren 300 Streikende in den Straßen von Saint-Brieuc. Das gemeinsame Komitee der Gewerkschaf ten (CGT, CFDT, FEN=Lehrergewerkschaft), das Unterstützungskomitee ( Bauernverbände, Unter stützungskomitee der Schüler, Ligue, PSU) und die Gemeinden bauen langsam eine Solidaritätsbewegung auf. Aber die Arbeiter des Betriebs haben keine Perspektive für den Kampf, für neue Parolen, für Kampfformen, denn weder die CGT noch die CFDT machen Vorschläge, selbst wenn letztere aktiv an der Untersfützungskampagne in der Bevölkerung teilnimmt. Die Streikfront scheint aufzuweichen, als Streikende, von den Unterstützungsgaben ermutigt, ihre Kampfkraft voll in die Waagschale werfen: am 6. April, als sie erfahren, daß der Unternehmer auf seinen 19 Centimes beharrt besetzen sie massenhaft spontan den Verhandlungsraum , und während der ganzen Nacht fordern sie vom Betriebsdirektor und von den aus Paris gekommenen Direktoren Rechenschaft: "Legt die Lohnlisten offen auf den Tisch!" und "Wieviel bekommst du für deine Reise an Spesen, während du uns mit Krümel abspeisen willst?".

Schließlich kommen die Bullen, um die Vertreter des Kapitals zu befreien, während sie am Vorabend Tränengasgranaten auf die Streikposten geschleudert hatten ( ein Verletzter). Die Streikenden von Joint marschieren in einem Demonstrationszug zu einem anderen Betrieb, wo sich die Arbeiter ihnen anschließen, um gemeinsam zur Polizeipräfektur zu ziehen. Dort findet eine improvisierte Kundgebung statt, um die Delegierten bei ihren Verhandlungen mit dem Unter nehmer zu unterstützen und um die individuellen Briefe, die ihnen von der Direktion geschickt worden waren, um sie einzuschüchtern, zurückzugeben. Ein paar Tage später ziehen 7 000 Demonstranten durch Sant-Brieuc.

Die Ligue Communiste propagiert die Parole eines verlängerbaren 24-stündigen Generalstreiks für die ganze Region, um die CGE zum Nachgeben zu zwingen. Aber die CGT bleibt auf ihre Kampagen fürs Referendum konzentriert, und die CFDT behält ihre Nachtrabhaltung gegenüber der Bewegung bei, beide Gewerkschaften zeigen sich unfähig, Perspektiven zu setzen. Der neue Aufschwung der Streikbewegung rührt also von den neuen Kampfmaßnahmen der Streikenden und von der breiten Solidaritätsbewegung her: 450 000 Francs sind nach 6 Wochen Streit zusammengekommen, ganz abgesehen von den zahllosen Lebensmittelspenden der Bauern." Soga Bürgermeister der UDR (der Partei von De Gaulle und Pompidou) treten auf die Seite der Strei- IMIDAEVADOS 21

Seite 20

kenden, wie zum Beispiel Pleven, der Justizminister, der seine Wc arbasis nicht verieren will. 50 Pfarrer setzen ein Unterstützungskommunique in die Lokalpresse, und die KP sieht sich zu dem gleichen Schritt gezwungen. In der Gegend spricht man nur noch von diesem Streik. In allen umliegenden Städten werden Unterstützungskomitees gebildet, von den Studenten, Schülern und den gewerkschaftlichen Koordinationskomitees initiiert. In Saint-Brieuc nehmen die Schüler trotz des Wiederauftauchens von maoistischen Splittergruppen die Vorschläge der Ligue Communiste auf und überschwemmen die Stadt mit Unterstützungskarten. Die Bullen werden nor vös und versuchen die Spendensammler einzuschüchtern: zwei Genossen der Ligue Communiste werden ins Gefängnis gesteckt, dann aber aufgrund der Proteste der Bevölkerung und sogar der KP sehr schnell wieder freigelassen.

NACH DEM MISSERFOLG DES REFERENDUMS DEHNT SICH DIE KAMPAGNE NATIONAL AUS Das Referendum wird für die Bourgeoisie zu einem Mißerfolg: während alle bürgerlichen Parteien sich um Pompidou sammelten, bekommt dieser nur 37 % der Stimmberechtigten. Die Arbeiter parteien sind geteilt: 18% Neinstimmen (KPF), 45 % Enthaltungen (revolutionäre Gruppen, Sozialistische Partei). Der bürgerlichen Regierung wurde ein Schlag versetzt, und das unmittelbare Kräfteverhältnis neigt sich zugunsten der Streikenden von Joint Français. Zwei Tage nach dem Referendum, am 25. April, demonstrieren 12 000 Personen in Saint Brieuc für die Streikenden. Der bürgerliche Staat und vor allem die Pompidou-Clique sehen die Gefahr kommen: der Streik, der zu einer beispielhaften Niederlage für die Arbeiter führen sollten, ist drauf und dran, sich gegen die Bourgeoisie zu kehren und zu einem Beispiel für alle Arbeiter zu werden: zu beweisen, daß es möglich ist, zu kämpfen und durchzuhalten, und daß Wahlen Waffen der Unternehmer, nicht der Arbeiter sind. Hinzu kommt, daß ein anderer Betrieb der CGE in Paris, der von der Stillegung bedroht ist, ebenfalls in Streik tritt.

Die Ligue Communiste bearbeitet seit Wochen die anderen linken Organisationen, um ein natio nales Unterstützungskomitee für die Streikenden in Paris und in den anderen großen Städten auf die Beine zu bringen. Aus ganz Frankreich kamen schon Spenden. Uberdies naht der 1. Mai) die Unterstützung für Joint Français sollte zu einer der zentralen Parolen der 30 000 linken Demonstranten in Paris werden, und Streikende von Joint Français sollten den Zug anführen. Deshalb zeigt die Bourgeoisie jetzt auf einmal große Eile, diesen Streik, durch den die Arbeiter in ganz Frankreich auf schlechte Gedanken kommen konnten, zu beenden. Erneute Verhand• lungen werden für den 1. Mai einberufen. Man scheint sich schon auf ein Ergebnis geeinigt zu haben, als von den Gewerkschaftsdelegierten verlangt wird, die Arbeiter aufzufordern, dem Kompromiß zuzustimmen und die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Delegierten lehnen ab: sie haben noch nicht den Streik von Batignolles 1971 vergessen, wo ein von der CGT ausgehandeltes und befürwortetes Verhandlungsergebnis von den Arbeitern abgelehnt worden war. Für die Regierung ist dieser Punkt sehr wichtig, da ihre Politik der Konzertation und Mitbestimmung darauf basiert, daß die Gewerkschaften für den Frieden in den Betrieben sorgen, eine Rolle, die sie bisher sehr oft übernommen haben und sich auch anschicken, im kommenden Streik der Beschäftigten der Elektrizitätswerke zu übernehmen.

Die Verhandlungen scheitern also vorläufig, und die Welle der Unterstützung erreicht einen neuen Höhepunkt. Am Mittwoch 3. Mai demonstrieren wieder 10 000 Personen in Saint Brieuc. Sie sind von der CFDT und den Unterstützungskomitees mobilisiert worden. Zu einem gleichzeitigen Solidaritätsstreik der ganzen Region kommt es dank der Bemühungen der CGT nicht. Sie erhält ihre Quittung auf der Demonstration, auf der ihre Spruchbänder durch Abwesenheit glänzen: der KPF-Führer der Lehrergewerkschaft FEN kann nicht zu Wort kommen, da ihn die "FEN in den Streik!" übertönen. Ein Nationales Unterstützungskomitee kommt schließlich Rufe zustande. Bis zum 5. Mai wurden insgesamt 1 Million Francs gesammelt: dank dieser Solidarität haben die Arbeiter von Joint Français praktisch ohne Lohneinbußen 8 Wochen lang gestreikt! DAS ENDE DES STREIKS: EIN HALBER SIEG

Die CGT- Bürokratie unternimmt nun offen eine regelrechte Kampagne zur Beendigung des Streik Sie hält das Angebot der Unternehmer für einen Sieg und fordert die Arbeiter auf, es anzunel men und wieder an die Arbeit zu gehen. Der oberste Boß der CGE kommt persönlich aus Paris nach Saint Brieuc , und nach nochmaligen Marathonverhandlungen kommt man zu folgendem Er gebnis:

Seite 21

Die Streikenden forderten 70 Centimes/ sie erhalten 45 ab sofort una 20 zusätzlich im Oktober, d.h. 80 bzw. 35 Francs monatlich mehr: verglichen mit ihren Hungerlöhnen (800 Francs) ist das nicht zu verachten, aber wir sind noch weit entfernt vom durch den letzten Kongreß der CGT geforderten Minimallohn von 1000 Francs sowie vom von derselben CGT geforderten Lohn von 1500 Francs für die Hilfsarbeiter und die angelernten Arbeiter von Renault-Billancourt. Sie forderten auch ein 13. Monatsgehalt. Sie erreichten eine Jahresabschlußprämie von mindestens 325 Francs) verglichen mit der Nasenprämie, die der Unternhmer bisher ausgab, ist das eine solide Basis, um in Zukunft das 13. Monatsgehalt durchzusetzen; aber augenblicklich sind wir noch weit entfernt von diesem 13. Momtsgehalt. Was die anderen Prämien angeht, so sind das nur Krümel. Aber der schwache Punkt sind die Arbeitsstunden. Für die meisten verkürzt sich die Woche von 47,5 auf 47 Stunden! Das erklärt sich aus der gewöhnlich langen Arbeitszeit in ländlichen Gebieten; aber darum ist das nicht weniger unerträglich. Und mit dieser Arbeitszeit aus dem 19. Jahrhundert werden die Unternehmer versuchen, das wieder reinzuholen, was ihnen an den Löhnen verloren geht.

Es lohnt sich daher kaum, über die Ergebnisse zu diskutieren: die Arbeiter stehen nicht mit leeren Händen da, aber das ist auch kein Sieg, der eines zweimonatigen Kampfes, des Echos, den er gefunden hat und der Solidarität, die Taupe Rouge' vom Montag 8. Mai erklart. Man er hervorgerufen hat, würdig wäre. Das hat die "Ligue Communiste" in ihrer Betriebszeitung hätte viel mehr über die Möglichkeiten diskutieren müssen, die man hatte, um den Kampf unter guten Bedingungen fortzusetzen: hätte man eine höhere Ebene der Mobilisierung erreichen, die Bewegung verstärken und so die CGE noch mehr in die Enge treiben und zum Rückzug zwingen können? Wir haben sehr klar gesagt, daß dies wenig wahrscheinlich war: die regionale Mobilisierung hatte mit der von den Gewerkschaften CGT und FEN boykottierten Demonstration vom Mittwoch 3. Mai ihren Höhepunkt erreicht. Der Ausweg konnte daher nur die Ausweitung des Kampfes auf den ganzen Trust sein. Nun hatten aber weder CGT noch CFDT ernsthaft während der neunwöchigen Streikzeit diese Perspektive vorbereitet. Man lief daher Gefahr, die Streikenden zu spalten und damit den Streik zum abbröckeln zu bringen. Das wurde noch deutlic her, als die CGT-Führung ihre Absichten klar zu erkennen gab: Am Montagmorgen, noch vor der Abstimmung, konnte man in der 'Humanité' auf der ersten Seite folgende Überschrift lesen: "Erfolg für die Arbeiter"

Es war vorrauszusehen, daß die Masse der Arbeiter, die den Streik wohlwollend verfolgt hatten, ohne sich ernsthaft zu engagieren, am Ende eines achtwöchigen Streiks die Vorschläge des Unternehmers annehmen würde. Aber die 181 Neinstimmen lassen für die Zukunft hoffen. Das sind mehr als nur die während des Streiks aktiven Militanten. All diejenigen, die behauptet hatten, dieser Streik sei die "Sache einer handvoll Wildgewordener , die von auswärtigen, in der Umgebung der Fabrik herumgestikulierenden Elementen manipuliert werden" , müssen ihre Verleumdungen stumm hinunterschlucken. Diese 181 Nein repräsentieren die breite Strömung derjen nigen Arbeiter, die die CGE zum Nachgeben gezwungen haben, die sich nichts vormachen ließen, welche Mittel angewendet werden müssen, um einen harten Unternehmer zum Nachgeben zu zwingen, denen es gelang, die Unterstützung ihrer Gewerkschaftsorganisationen zu gewinnen oder zu erzwingen, und die sich keine Märchen über die Ergebnisse eines Streiks erzählen lassen, selbst wenn sie verstehen, daß es kaum möglich war, den Kampf fortzusetzen. KANARA: ARBEITERAUFSTAND 17, SEPIAS ES+/PROVIN7,94.58F+++++++ Nach mehreren Streiks der Angestellten im Offentlichen Dienst in der französischsprachigen Pro-