Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Editorial

Nach Beirut …, 6. September 1982

· Inprekorr Nr. 8 (147), 16. September 1982 · S. 3-5 · 3.390 Wörter

Nahost und Palästina Arabische Welt und Golf USA und Kanada Sowjetunion

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Editorial: Nach Beirut . . • - von Lívio Maitan, 6. September 1982.- Die Schlacht van Beirut endet mit dem Ergebnis, das alle bürgerlichen und imperialistischen Kräfte hatten erreichen DaB die Mit derestd gen KPm0-Tm noen her ithen Ab- der PLO-Truppen vom Libanon schied bereitete und letztere mit dem Getühl abzogen, nit ihrem wochenlangen hartnäckigen Widerstand ihre Ehre gerettet zu haben.

der palästinensische Widerstand erlitt eine große Niederlage, die emsthatteste in seiner ganzen Geschichte. Er verlor die wichtigsten seiner militärischen Positionen, und seine Kämpfer sind in eine Reihe von Ländem zerstreut, seiten ngo ser ka trolle durchRegie. in Ghettos zu leben: sie unterderen Interesse esch est enu einsen mitlich zu neurralisieren, wozu sie Die Imperialisten haben also ihr Ziel erreicht. Der Krieg von Menahem Begin und Ariel Sharon war seit langem vorbereitet worden. Jeder wußte, daß er ausbrechen würde Niem and rührte einen Finger, um ihn zu verhindern, eben weil die ganze Welt damit ein verstanden war, den palastinensischen Widerstand seiner militärischen Kraft zu berauben und die PLO zur Kapitulation zu zwingen. Die Meinungsverschiedenheiten, welche mehrmals zwischen Israels gewissen imperialistischen Mächten, welche auf die arabische öffentliche Meinung Rücksicht nehmen wollten, auftauchten, gingen nie über den taktischen Bereich hinaus. Selbstverständlich bedeutet die Niederlage der PLO, sich das Kräfteverhältis in dieser Weltgegend zugunsten der Imperialisten und aller konservativen Kräfte verschob. Ronald Reagan machte sich sofort daran, diese Lage auszu spielen zu atten: Bezeichnend ist dage mitger erid spielen zu lassen. reaktionären arabischen Regierungen abgestimmtes Manörer aut positives Echo in den Rängen der PLO traf. Seit Zeit schon dämpft die Mehrheit der PLO-Führung über den Fah-Man bereit und aBt sageren union -Plan bereit und faßt sogar eine Lösung ins Ascher Kleinstaat gegründet wird. die nicht unbedingt beinhaltet, daß ein palästinen- Wenn der Widerstand diesen Weg einschlagen sollte, dann wird der militärischen Niederlage unweigerlich eine politische Katastrophe folgen. Schließlich verschob sich auch die innere Situation Libanons zugunsten der reaktionärsten Kräfte. Das sieht man schon an der Tatsache, daß Bechir Gem avel zum Präsiden ten der Republik gewählt wurde. Der Phalange-Führer. sich im eigenen Lager dadurch durchsetzte. daß er seine Rivalen und Konkurrenten massakrieren ließ, und der in den von ihm kontrollierten Gebieten bereits ein autoritäres, aschism us ähnelndes Regime errichten ließ, ist heute guter loffnung. mithilfe des Zionismus und des Imperialismus sowie dem Ein verständnis etlicher arabischer Regime zum Herren des ganzen Landes zu werden. Er kann sích nun der Aufgabe widmen, den libanesischen Staat auf der Basis des militärischen, politischen und administrativen Apparats der Phalangisten neu zu organisieren. Hat West-Beirut wochen lang die mörderischen Bombardements von Begin-Sharon über sich ergehen lassen m'issen, so droht ihm jetzt die Durchsetzung eines "starken" Regimes, das sicher nicht lange fackein wird, systematisch die Massenbewegung. ihre Organisationen und Führer zu reprimieren. Sicher wird Bechir Gemayel noch auf erhebliche Schwierigkeiten bei seiner Aufgabé stoßen. Die zentrifugalen Kräfte sind nach wie vor sehr stark. Es wird ihm nicht leicht fallen, sich selbst im eigenen, zusetzen man braucht nur daran zu denke, telet durch - Brocken Major Haddad, dessen Einflußbereich an der israelischen Grenze sich erheblich ausweitete, für ihn darstellt). Noch schwerer wird ihm fallen, Ihn unterstützen, sowie der Imperialismus es brauchen. Im Ibrigen bedeutet die Verschiebung des Kräfteverhältnisses n dieser Weltgegend keinesfalls. daß der Imperialismus von nun an die Lage völlig in der Hand hat und neue Krisen verhindern kann. Nach wie vor gibt es im Nahen Osten Herde möglicher Explosionen, und sel es nur, well alle arabischen Regime substantiell wacklig sind. Was Israel angeht, so hat das zionistische Regime sich weiterhin mit sehr scharten Problemen herumzuschlagen, von der Wirtschaftskrise bis zur Situation in den besetzten Gebieten. Die großen Demonstrationen, die mitten im Krieg stattfanden, zeigen klipp und klar, daß die Zeit der Einmültigkeit nun endgültig vorbei ist und das zionistische Gebäude Risse sogar in seinen Grundmauem aufweist. In des darf all das nicht dazu verleiten, daß man in irgendeiner Weise das Wichtigste in der Bilanz verwischt. Der palästinensische Widerstand erfuhr eine sehr große Niederlage. und eine ganze Phase seines Kampfes ging damit zu Ende. Daraus der sur aegie aber paren die ce de and bisher verfolgte, zu ziehenn den dramatischen Wochen der Zahlreiche palästinensische Kämpfer begannen schon, Schlacht von Beirut, die Konzeptionen und die Linie der PLO kritisch zu sehen, nicht zuletzt aufgrund der harten Wirklichkeit ihrer Isolation: bei weiteren werden die Zweifel in ihrem neuen Exil kommen.

im weiszumachen der Hauptfehler der PLO sei, len militärischen Terrain gewählt hat statt dem eigentlic politischen. Diese These ist durch und durch scheinheilig und entbehrt jeder Grundlage. Sicher hat sich die PLO für den m litarischen Bereich entschieden, aber etwas anderes hätte sie gegenüber dem zionistischen Feind, der vom Im bis an die Zähne bewaffnet und rückhaltlos unterstützt wird, gar nicht tun können. Ihre militärische Linie indes war letztlich durch eine politische Strategie diktiert Eine Strategie, in der die elementarsten Interessen der Masdie absolut nichts haben, mit den Interessen der privilegierten palästinensischen Schichten, die in den verschiedenen Ländem der Region installiert sind, versöhnt werden sollen, was äußerst schwierig. ja unmöglich erscheint. Einen politisch-militärischen Staatsapparat im Ansatz aufzubauen, mußte also in entscheidender Weise durch die Geldgeber beeinflußt werden, die existierenden arabischen die nie entschlossen waren, gegen den Zionismus oder für die Unabhängigkeit Palästinas zu kämpfen, und noch weniger dazu, fhre Rechnung mit dem Imperialismus dem Grundpfeiler des Zionismus. Mit den Ereignissen von Beirut wurde jetzt klipp und klar bewiesen. daß diese Strategie in eine tragische Sackgasse führte. Selbst die Naivsten können jetzt keine Illusionen mehr haben: die Palästinenser waren zum entscheidenden Zeitpunkt dramatisch isoliert.

Eben diese Strategie muß jetzt infrage gezogen werden. Sonst sind die Pafästinenser noch abhängiger von ihrer "Freunden" und " Verbiln deten" da sie nicht mehr über ein militärisches Instrument mit einer gewissen Autonomie verfügen.

Die Frage stellt sich nun, mit welchen Orientierungen und welchen Methoden der palästinensische Widerstand sich neu organisieren kann, gestützt im wesentlichen auf die Massenbewegungen, auf ihren Aufbau, ihre Mobilisierunger n allen Ländem und Territorien. wo die mehr als 4 Millio nen Palästinenser leben. Man kann an den Auswirkungen, welche die Massenkämpfe in den von Israel besetzten Ge- Bieten en Schlag vers den den Wees e gehörigen Schlag versetzten, tential hier auszuwerten ist, Mit einer solchen Orientierung kann man ein Problem angehen, das letztlich entscheidend ist: nämlich wie der Befreiungskampf der Palastinenser untrennbar mit dem umfassenden Kampf der ara bischen Massen um die Emanzipierung ihrer Länder vom Imperialismus zu verknüpfen ist, um den Sturz dieser neo- Regime, welche alle, ob sie nun eine fortschrittliche Maske aufsetzen oder ob sie mit den häßlicher Zügen der zynischsten Reaktion erscheinen, nach wie vor die unterdrückten Massen ausbeuten und den Massen die elementarsten demokratischen Rechte verwehren.

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Die Palästinenser waren allein - Von Daniel Bensaid, 3. September 1982 Neunundsechzig Tage wurde Westbeirut belagert. Mehr als zwel Monate lang, ließ sich die zionistische Armee (Tsahal) an der palästinensischen und libanesischen Bevölkerung aus, Um den Widerstand zu zerschlagen, setzte sie die barbarischsten Methoden ein: von ler Sperrung von Wasser und Elektrizität über Splitterbomben und Beschiessung von Krankenhäusern bis zu den zahllosen Terror- Luftangriffen. Es ist noch nicht möglich, die genaue Zahl der Opfer aufzustellen (17 825 Tote und 30 103 Verletzte nach offiziellen libenasischen Quellen, viel mehr nach den Palästinensem). Ein Massaker, das die Dimensionen des seinerzeit bei der Niederschlagung der Pariser Kommune hatte, nur geschah es diesmal Tag für Tag unter den Fernsehkameras aus aller Welt!

Und dennoch rührte sich diese Welt nicht, fast gar nicht!

lismus durchsetzte und der durch die Mit dem Habib-Plan, den der Imperíaamerikanischen, französischen und italienischen Truppen in Beirut gesichert wurde, wird diese Isolation sanktioniert: damit wird die Präsenz der israelischen Truppen nicht angerührt und die Einsetzung eines ultra-reaktionären Regisch an den seiten des pal stinensis den Widerstands mobilisierten, geht der Kampf weiter um den Rückzug der zionistischen und aller imperialistischen Truppen aus dem Libanon sowie um die Verteidigung der demokratischen Rechte und Freiheiten gegen die direkte Bedrohung durch die christlichen Milizen, Aber eine weitere Mobilisierung ist nur möglich, wenn einem die Lehren aus den beiden letzten Monaten völlig klar sind, Der Zionismus zeigte ohne jegliche Schminke, welches seine eigentliche Natur ist, welche Aufgabe er an den Seiten des amerikanischen Imperialismus in dieser Weltgegend erfüllt. Von Beginn an konnte er seine militärische Expedition in dieser Gegend nur unter dem diplomatischen Schutz (der im wiederholten Abstimmungsverhalten der Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum Ausdruck kam) und dank der militärischen und wirtschaftlichen Unterstützung der Vereinigten Staaten ausführen. Es wurde deutlich, daß die Existenz des Staates Israel in seinen derzeitigen Strukturen unlöslich mit dem großen imperialistischen Nachschublager verbunden Der zionistische Staat offenbarte auch vor allen Augen seine koloniale Struktur. Von Beginn an gründete er auf der Vertreibung der arabischen Arbeiter und Bauem aus dem Produktionsprozeß, auf der Enteignung ihrer Länderelen und Menderem stehen Der Israeliene Premierm nister, drückte den tiefen Grund dieser Mentalität in seiner Auseinandersetzung mit dem französischen Präsidenten François Mitterrand mit brutaler Offenheit aus: er ging so weit zu behaupten, die Franzosen kritisierten Israel nur deshalb, well sie sich als eine Nation, die durch ihre Niederlage im Algerienkrieg (1954 - 62) gedemJtigt worden sel, argerten, daß die Israelis gegenüber den arabischen Ländem militärischen Erfolg hätten. Schließlich brachte Menahem Begin auch hinsichtlich des Attentats der Rue des Rosiers am 9. August 1982 in Paris deutlich zum Ausdruck, wie rassistisch der zionistische Staat ist. Zur diesmal fast einmütigen Empörung der französischen Presse schlug er vor, die jungen französischen Juden zu ihrer Selbstverteidigung zu bewaffnen. Diese einseitige Empörung zeugt entweder von völliger Unwissenheit oder von durchtriebener Scheinhelligkeit. Menahem Begin hat zumindest den Verdienst, logisch zu sein. Das in Israel geltende Rückkehrrecht privilegiert die Jugen und diskriminiert die Palästinenser: jeder Jude in der ganzen Welt kann von einem Tar auf den anderen die israelische Nationalität bekommen.

Menahem Begin stellt nur die andere Seite der Medaille heraus: wenn jeder Tude ein möglicher Bürger Israels ist, dann fühlt sich der zionistische Staat für die Sicherheit seiner "Bürger" aberall in der Welt verantwortlich... Die israelische "Arbeiterlinke" threrseits zeigt sich in ihrer großen Mehrheit in erster Linie den imperialistischen Unternehmangen des zionistischen Staates treu und erst in zweiter Linie als Linke. Die Arbeiterpartel stimmte der Operation "Frieden In Galilãa" zu. mader Ces der Anbetstanden damit, maon Peres, war einverstanden in offizieller Mission der Begin-Regierung der Welt von New York bis Paris die Gründe des zionistischen Staates zu verdeutlichen.

Die Haltung der übrigen Hauptdarsteller im Konflikt kam ebenso deutlich ans Licht. Zuerst die des amerikanischen Imperialismus. Der israelische Verteidigungsminister General Ariel Sharon erklärte mehrmals öffentlich, daß er die Amerikaner lange vor dem Beginn der Operationen über die milítärischen Pläne Israels unterrichtet hatte. Wenn er dies aufdeckte, tat er es nicht etwa aus Naivität, sondern weil er fest entschlossen war, den amerikanischen Verbündeten öffentlich mit einzubeziehen.

Die Sowjetunion ihrerseits ging uber formale Proteste nicht hinaus. Ihre Passivität wurde von den palästinensischen Führer selbst ausdrüleklich denunziert. So erklärte der PLO-Führer Abu Ayad zum Belspfel, "Wir haben der israelischen Armee besser widerstanden als alle anderen arabtschen Armeen. (...) Die sowjetische Haltung ist noch unerklärlicher. Wir fragten öffentlich und gehelm In Moskau nach. Wir bekamen nur symbolische Aufmunterungsworte. Wie kann sieh die Sowletunion eine derartige Passfvität erlauben, während die Vereinigten Staaten an der Schlacht so flagrant tellhaben? Ich verstehe das (Le Monde, 23. Jull 1982).

Und die Sowjets schleben, um thre Enthaltsamkeit zu decken, die Schuld auf die arabischen Länder, Zynisch erklärten sie, sle könnten doch nicht "arabischer sein als die Araber selbst" . Nichtsdestoweniger zelgt Ihre Passivitat die Grenzen ihres Engagements Im Nahen Osten und ihre Motivatlonen dort, Für sie ist die Unterdrückung der PLO der Wahrung stabilerer und vortellhafterer diplomatischer Bündnisse untergeordnet, nicht aus der Sicht revolutionärer anti-imperialistischer Mobilisierung. sondern aus der Sicht der Interessen des Sowjetstaates, Es wird so deutlich, daß die Beschützung des syrischen Regimes, dem letzten gewichtigen Alliierten in der Region, die implizite Grenze des sowjetischen Engagements ausmacht. Dagegen gehört das (berleben der PLO nicht zur Verteidigung ihrer lebenswichtigen Interessen. Sicher wird die Haltung der sowjetíschen Diplomatie in diesem Konflikt den anderen Verbündeten in Latei- und Mittelamerika zur Lehre dienen: die sowjetische "Solidarität" geht nie aber thre "richtig" verstandenen Staatsinteressen hinaus, und wer in Versuchung fernationalismus zu vensechseln, der diese mit einem selbstlosen Inriskiert ganz gehörige Unannehmlichkeiten.

Wie die Sowjets die Palästinenser im Stiche ließen, so wurden sie von den arabischen Staaten offen verraten. Diese haben zur Solidarität mit dem palästinensischen und dem libanesi- Liga in Tunis am 26. und 27, Juni, also fünfzehn Tage nach Ausbruch der zionistischen Aggression, mit einem Solidaritätsplan von 14 Punkten, Darin wurde insbesondere gefordert, daß die arabischen Staaten am bewaffneten Kampf im Libanon wirksam teilnehmen, daß die Vereinigten Staaten als "erster Feind der arabischen Nation" wegen ihrer Unterstützung Israels verurteilt werden, daß sie arabischen Botschafter in Washington sofort abberufen, die amerikanischen Institutionen boykottiert, die amerikanischen Lieferverträge mit den arabischen Ländern eingefroren, die arabischen Einlagen in den amerikanischen Banken abgezogen werden usw. Nicht ein einziger

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dieser Punkte wurde beschlossen, und ler Gipfel der arabischen Liga unterahm keinerlei Initiative.

(gypten berief seinen Botschafter nicht aus Israel ab, und Saudi-Arabien empling Bechir Gemayel, den Chef der erhielt, ten des Libanon anzumelden. Dieser Verrat der arabischen Staaten traf die palästinensischen Kämpfer in Westbeirut tief, und sie drückten das offen aus; aber er ist nicht neu, Eine gerade Linie führt vom Massaker vom September 1970 (dem Schwarzen September), den König Hussein von Jorrien unterstützte Gegenoffensive geen danien organisierte, über die von Sydie Palästinenser ab April 1976 im banon zu den Vereinbarungen von Camp David, mit denen der ägyptische Präsident Anwar El-Sadat Menahem Begin den Rücken freihielt, um gegen die Palästinenser im Libanon vorzugehen. Aber nie wurde dieser Verrat so flagrant begangen, so daß es kurz- oder mittelfristig jetzt zu unausweichlichen politischen Differenzierungen in den Reihen des arabischen Nationalismus kommen wird.

Schließlich hielten die europäischen imperialistischen Mächte zwar gegenuber den Vereinigten Staaten mit ihrem Abstimmungsverhalten in der UNO, das keinerlei praktische Konsequenzen hatte, einen gewissen Abstand, aber sie griffen zu keiner nennenswerten Retorsionsmaßnahme gegen die israelische Aggression: weder zum Boykott noch auch nur zur Einstellung der Waffenlieferungen an Israel.

Mit der Invasion des Libanon verbanden Ariel Scharon und Menahem Begin ausdrücklich drei Ziele:

- Erstens die Infrastruktur und das milinen sich mit den ansteigenden Mobilisie rungen in den besetzten Gebieten kombinierten.

- Dann die Syrer aus dem Libanon zu vertreiben und Syrien zu schwächen. - Schließlich für die Einsetzung eines verbindeten Regimes im Libanon zu sorgen, das gleich einen Friedensvertrag m't Israel unterzeichnet, womit die Ver • in barun Abgesehen von diesen offen proklamierten Absichten gab es noch mindestens zwei weitere: einerseits ging es darum, emeut unter Beweis zu stellen, daß Israel als privilegierter Bündnispartner für den Imperialismus in dieser Region unersetzlich ist, andererseits die heilige Union innerhalb Israels wieder herzustellen und die israelische öffentliche Meinung wie der zu mobilisieren, um die Auswirkunsen derigkete mesozialen Spahungen zu überwinden.

Wenn das die Ziele waren. so ermöglich• te eine besonders günstige intemation ale Konjunktur für das zlonistische Projekt, daß Israel losschlug.

Die Offensive war Teil der imperialistischen Gesamt-Gegenoffensive und lief kaum Gefahr, von den imperialistischen Lün dem eindeutig abgelehnt zu werden, nachdem diese sich eindeutig hinter die britische Koloialexpedition zu den Malwinen gestellt hatten. Die israelische Invasion war zwar Teil dieser Dynamik, erfreute sich aber relativ großer Autonomie aufgrund der Krise der imperialistíschen Führung und dem Schwanken der amerikanischen Diplomatie (Auswechslung des US-Außenministers Alexander Haig durch George Shultz). Sie konnte den Vorteil ausnutzen, daß die Sowjetunion, in ihre eigenen Schwierigkeiten mit Polen und Afghanistan verstrickt, paralysiert war, und sie nutzte auch die Spaltungen und die Ohnmacht all der angeblich "blockfreien" Organismen, die durch die intemationale Polarisierung immer mehr auseinandergerissen werden. So weigerte sich die Arabische Liga an dauerte, und war ste Initiative zu ergreifen. Die Gipfelkonferenz der Organisation Afrikani scher Staaten in Tripoli mußte verschoben werden, weil das Quorum nicht erreicht wurde. Die Bagdader Kam eier de ein den Tige vertagt und nach Neu-Delhi verlegt... Unter diesen Umständen konnte die zionistische Operation jedes ihrer Ziele teilweise, aber keines ganz erreichen.

Zuallererst erlitt die PLO eine schwere militärische Niederlage: ihre Positionen im Libanon wurden zerschlagen, ihre militärische Speerspitze vertrieben und zerstreut. Aber es war keine kampflose Niederlage. Mit diesen neun un dsechszig Tagen heldenhaften Widerstands wurde im Vergleich zur Feigheit der arabischen Regime umso deutlicher, wie legitim die nationalen und demokratischen Forderungen des palästinensischen Volkes sind. Indes reicht das nicht aus, um die militärische Niederlage in einen politischen Sieg zu verwandeln. Die Führung und die Truppen der PLO werden auf acht verschiedene arabische Staaten zerstreut (frak, Syrien, Saudi-Ara- Algerien und Tunesien und unter Sudan, strikte Bewachung gestellt. Die arabischen Regime wissen besser denn je, daß der palästinensische Widerstand bei den arabischen Massen ein Anse hen genießen kann, wie sie es verloren oder nie gehabt haben. Ein Grund mehr für sie, wachsam zu sein. Pressionen werden nicht ausbleiben, um bei der PLO eine neue Linie durchzusetzen und sie zu einer Hilfskraft für die großen diplomatischen Manöver der arabischen Staaten zu degradieren. Das kündigte der Führer der Libanesischen Nationalen Bewegung, Walid Dschumblatt am 26. Juli bereits an: "Die PLO braucht eine neue Führung, die die Wahrung der palăstinensischen Rechte unter einem anderen Blickwinkel angeht, (...) Das wesentliche ist eine neue palästinensische Legalitat, eine neue Strategie, .) Ich bin mir spartet, und daß ein Bürgerkrieg zwischen Palästinensem nicht auszuschliessen ist. " (Interview von Walld Dschumblatt in "Le Monde" vom 26. Juli 1982). Was den Abzug der syrischen Truppen der arabischen Abschreckungs-Streitmacht im Libanon angeht, so hat Israel dies nicht ganz erreicht. Indes scheint es in der Lage zu sein, dieses Ergebnis mit Gewalt durchzusetzen. Seine Truppen stehen in der Bekaa- Ebene den syrischen Kräften direkt gegenüber, und Damaskus liegt praktisch n Reichweite der israelischen Kanonen. Aber eine derartige Kraftprobe könnte diesmal die Sowjetunion zwingen, zu reagieren, weil damit thr letzter diplomatischer Verbündeter der Region in Gefahr stinde. Israel kann also versuchen, vorher einen und der syrischen deln. Aber ein solcher Prozeß hängt natürlich davon ab, wie sich im Libanon ein Regime, das mit Israel verbündet ist, festigt und wie zuverlässig ein solches Bündnis ist, Derzeit beginnen die christlichen Phalange-Truppen von Bechir Gemayel damit, ohne sich zu offen in militarischer Operation gegen den palästinen sischen Widerstand zu kompromittieren, den Kem Ihrer Polizel und ihrer Verwaltung in den Fußstapfen der israelischen Armee in den Chouf-Bergen sowie in der Gegend von Saida zu errichten. Sie kannten sich die palästinensischen und syrischen Waffen, die ihnen von der israelischen Besatzungsmacht grobzugig gelassen wurden, aneignen, Schließlich wurde Bechir Gemayel in einer Kaseme und im Schatten der israelischen Bajonette um Legitimität zu erlangen und die Gefahr eines Bürgerkriegs sowie einer Sezession des Nordens zu bannen. Was das vierte Ziel anbelangt, so ist Israel sicher der Beweis gelungen, daR es der eifrigste Verbündete des Imperialismus in der Gegend ist. Und daß es gegebenenfalls unter dem Vorwand der legitimen Verteidigung militärisch agieren kann, wie das einem amerikanischen Expeditionsheer nur schwer möglich ware zu einer Zeit, wo der Yankee-Imperialismus sich so schwer tut, das "Vietnam-Syndrom" zu überwinden und in seinem eigenen Jagdgebiet, in Latein - und Mittelamerika, zu agieren. In diesem Sinne sind die großmäuligen Erklärungen von Ane Sharon zu verstehen, die militärische Ein flußzone Israels erstrecke sich nun vom Sudan bis zur Türkei... Das problematische Ergebnis des zionistischen Unternehmens betrifft schließlich die innere Situation in Israel selbst. Nach dem Augenschein erreichte Menahem Begin sein Ziel und mobilisierte die öttentliche Meinung tur sich ende August unterstützten bei Mei. nungsumfragen 82 % die Operation "Fríeden in Galilăa". Aber im zio-