Die Palästinenser waren allein - Von Daniel Bensaid, 3. September 1982 veunun dsechzig Tage wurde Westbelrut belagert. Mehr als zwei Monate lang, ließ sich die zionistische Armee (Tsahal) an der palästinensischen und libanesischen Bevölkerung aus, Um den Widerstand zu zerschlagen, setzte sie die barbarischsten Methoden ein: von der Sperrung von Wasser und Elektriziät aber Splitterbomben und Beschiessung von Krankenhäusern bis zu den zahllosen Terror- Luftangriffen. Es ist noch nicht möglich, die genaue Zahl der Opfer aufzustellen (17 825 Tote und 30 103 Verletzte nach offiziellen libenasischen Quellen, viel mehr nach den Palästinensem). Ein Massaker, das die Dimensionen des seinerzeit bei der Niederschlagung der Pariser Kommune hatte, nur geschah es diesmal Tag für Tag unter den Fernsehkameras aus aller Welt!
Und dennoch rührte sich diese Welt nicht, fast gar nicht!
Mit dem Habib-Plan, den der Imperialismus durchsetzte und der durch die amerikanischen, französischen und italienischen Truppen in Beirut gesichert wurde, wird diese Isolation sanktioniert: damit wird die Präsenz der israelischen Truppen nicht angerührt und die Einsetzung eines ultra-reaktionären Regimes im Libanon gedeckt, Für alle, die sich an den Seiten des palästinensischen Widerstands mobilisierten, geht der Kampf weiter um den Rückzug der zionistischen und aller imperialistischen Truppen aus dem Libanon sowie um die Verteidigung der demokratischen Rechte und Freiheiten gegen die direkte Bedrohung durch die christlichen Milizen.
Aber eine weitere Mobilisierung ist nur möglich, wenn einem die Lehren aus den beiden letzten Monaten völlig klar sind.
Der Zionismus zeigte ohne jegliche Schminke, welches seine eigentliche Natur ist, welche Aufgabe er an den Seiten des amerikanischen Imperialismus in dieser Weltgegend erfüllt. Von Beginn an konnte er seine militärische Expedition in dieser Gegend nur unter dem diplomatischen Schutz (der im wiederholten Abstimmungsverhalten der Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum Ausdruck kam) und dank der militärischen und wirtschaftlichen Unterstützung der Vereinigten Staaten ausführen. Es wurde deutlich, daß die Existenz des Staates Israel in seinen derzeitigen Strukturen unlöslich mit dem großen imperialistischen Nachschublager verbunden ist.
Der zionistische Staat offenbarte auch vor allen Augen seine koloniale Struktur. Von Beginn an gründete er auf der Vertreibung der arabischen Arbeiter und Bauem aus dem Produktionsprozeß, auf der Enteignung ihrer Ländereien und Menahem Begin, Menatrem Beche, Der israelisere Piemlerminister, drückte den tieten Grund dieser Mentalität in seiner Auseinandersetzung mit dem französischen Präsidenten François Mitterrand mit brutaler Offenheit aus: er ging so weit zu behaupten, die Franzosen kritisierten Israel nur deshalb, weil sie sich als eine Nation, die durch ihre Niederlage im Algerienkrieg (1954 - 62) gedemJtigt worden sei, ärgerten, daß die Israelis gegenüber den arabischen Ländem militärischen Erfolg hätten. Schließlich brachte Menahem Begin auch hinsichtlich des Attentats der Rue des Rosiers am 9. August 1982 in Paris deutlich zum Ausdruck, wie rassistisch der zionistische Staat ist. Zur diesmal fast einmütigen Empörung der französischen Presse schlug er vor, die jungen französischen Juden zu fhrer Selbstverteidigung zu bewaffnen. Diese einseltige Empörung zeugt entweder von völliger Unwissenheit oder von durchtriebener Scheinheiligkeit, Menahem Begin Zu sein. Das in er et deren de ogisch kehrrecht privilegiert die Jugen und diskriminiert die Palästinenser: jeder Jude in der ganzen Welt kann von einem Tag auf den anderen die israelische Nationalität bekommen.
Menahem Begin stellt nur die andere Seite der Medaille heraus: wenn ieder Tude ein möglicher Bürger Israels ist, dann fühlt sich der zionistische Staat für die Sicherheit seiner "Bürger" überall in der Welt verantwortlich... Die israelische "Arbeiterlinke" ihrerhets in erster hinte den Impen Mist =schen Unternehmangen des zionistischen Staates treu und erst in zweiter Linie als Linke. Die Arbeiterpartei stimmte der Operation "Frieden in Galilãa" zu. Und der Chef der Arbeiterpartei, Schimaon Peres, war einverstanden damit, in offizieller Mission der Begin-Regierung der Welt von New York bis Paris die Gründe des zionistischen Staates zu verdeutlichen.
Die Haltung der übrigen Hauptdarsteller im Konflikt kam ebenso deutlich ans Licht. Zuerst die des amerikanischen Imperialismus. Der israelische Verteidigungsminister General Ariel Sharon erklärte mehrmals öffentlich, daß er die Amerikaner lange vor dem Beginn der Operationen über die milítärischen Pläne Israels unterrichtet hatte. Wenn er dies aufdeckte, tat er es nicht etwa aus Naivität, sondern weil er fest entschlossen war, den amerikanischen Verbündeten öffentlich mit einzubeziehen, Die Sowjetunion ihrerseits ging über formale Proteste nicht hinaus. Ihre Passivität wurde von den palästinensischen Führern selbst ausdrüeklich denunziert. So erklärte der PLO Ihrer Abu Ayad zum Beispiel, "Wir haben der Israelischen Armee besser widerstanden als alle anderen arabisehen Armeen. (...) Die sowjetische Haftung Ist noch unerklarlicher, Wir fragten öffentlich und gehelm In Moskau nach, Wir bekamen nur symbollsche Aufmunterungsworte. Wie kann sich die sowjetunion eine derartige Passivitar erlauben, während die Vereinigten Staaten an der schlacht so flagrant tellhaben? Ich verstehe das nicht (Le Monde, 23. Jull 1982). Und die Sowjets schifeben, um Ihre Enthaltsamkelt zu decken, die Schuld auf die arabischen Linder. Zynisch erklärten sie, ste könnten doch nicht "arabischer sein als die Araber selbst" . Nichtsdestoweniger zelgt Ihre Passivität die Grenzen thres Engagements Im Nahen Osten und ihre Motivatfonen dort, Für sie ist die Unterdrückung der PLO der Wahrung stabilerer und vortellhafterer diplomatischer Bündnisse untergeordnet, nicht aus der Sicht revolutionärer anti-imperialistischer Mobilisierung. sondern aus der Sicht der Interessen des Sowjetstaates. Es wird so deutlich, daß die Beschützung des syrischen Regimes, dem letzten gewichtigen Alliierten in der Region, die implizite Grenze des sowjetischen Engagements ausmacht. Dagegen gehört das (berleben der PLO nicht zur Verteldigung ihrer lebenswichtigen Interessen. Sicher wird die Haltung der sowjet!schen Diplomatie in diesem Konflikt den anderen Verbündeten in Latel - und Mittelamerika zur Lehre dienen: die sowjetische "Solidarität" geht nie über ihre "richtig" verstandenen Staatsinteressen hinaus, und wer in Versuchung fernationalismus zu verwechseln. diese mit einem selbstlosen Inder riskiert ganz gehörige Un annehmlichkeiten.
Wie die Sowjets die Palästinenser im Stiche ließen, so wurden sie von den arabischen Staaten offen verraten. Diese haben zur Solidarität mit dem palästinensischen und dem libanesischen Volke auch nicht den kleinsten Liga in Tunis am 26. und 27, Juni, also fünfzehn Tage nach Ausbruch der zionistischen Aggression, mit einem Solidaritätsplan von 14 Punkten, Darin wurde insbesondere gefordert, daß die arabischen Staaten am bewaffneten Kampf im Libanon wirksam teilnehmen, daß die Vereinigten Staaten als "erster Feind der arabischen Nation" wegen ihrer Unterstützung Israels verurteilt werden, daß sie arabischen Botschafter in Washington sofort abberufen, die amerikanischen Institutionen boykottiert, die amerikanischen Lieferverträge mit den arabischen Ländern eingefroren, die arabischen Einlagen in den amerikanischen Banken abgezogen werden usw. Nicht ein einziger
dieser Punkte wurde beschlossen, und Kon junktur für das zionistische Projekt, der Gipfel der arabischen Liga unter- daß Israel losschlug. nahm keinerlel Initiative.
Die Offensive war Teil der imperialistischen Gesamt-Gegenoffensive und lief kaum Gefahr, von den imperialistischen Ländem eindeutig abgelehnt rechtsextremen christlichen Phalange, zu werden, nachdem diese sich ein offiziell le er gegenüber dem os- wodurch er die Legitimität deutig hinter die britische Kolonialerhielt, expedition zu den Malwinen gestellt hatten. Die israelische Invasion war te, um seine Kandidatur zum zwar Tell dieser Dynamik, erfreute ten des Libanon anzumelden. sich aber relativ großer Autonomie aufgrund der Krise der imperialistí- Dieser Verrat der arabischen Staaten schen Führung und dem Schwanken traf die palästinensischen Kämpfer in der amerikanischen Diplomatie (Aus Westbeirut tief, und sie drückten das wechslung des US-Außenministers Aleoffen aus: aber er ist nicht neu. Eine gerade Linie führt vom Massaker vom Sie kannte den Vortefl ausnutzen, September 1970 (dem schwarzen sep- die Sowjetunion, in ihre eigenen tember), den König Hussein von Jor- Schwierigkeiten mit Polen und Afghadanien organisierte, über die von Syrien unterstützte Gegen offensive gegen die Palästinenser ab April 1976 im Libanon zu den Vereinbarungen von Camp "blockfreien" Organismen, die durch David, mit denen der ägyptische Präsi - die intemationale Polarisierung imdent Anwar El-Sadat Menahem Segin mer mehr auseinandergerissen werden. den Rücken freihielt, um gegen die Palästinenser im Libanon vorzugehen, Aber nie wurde dieser Verrat so flagrant begangen, so daß es kurz- oder mittel- und war fristig jetzt zu unausweichlichen poli- nicht tischen Differenzierungen in den Rel- ste Initiative zu ergreifen. Die Gipfelhen des arabischen Nationalismus kom- konferenz der Organisation Afrikanimen wird. cher Staaten in Tripoli mußte verschoben werden, weil das Quorum Schließlich hielten die europäischen nicht erreicht wurde. Die Bagdader imperialistischen Mächte zwar gegen- Conferenz der Bewegung Blocktreie über den Vereinigten Staaten mit Th- , ander wurde aufgrund des Kriege: rem Abstimmungsverhalten in der UNO, zwischen dem Iran und dem Irak verdas keinerlef praktische Konsequenzen tagt und nach Neu-Delhi verlegt ... einen gewissen Abstand, aber sie griffen zu keiner nennenswerten Re- Unter diesen Umständen konnte die torsionsmaßnahme gegen die israeli - zionistische Operation jedes ihrer sche Aggression: weder zum Boykott Ziele teilweise, aber keines ganz noch auch nur zur Einstellung der Waf- erreichen. fenlieferungen an Israel.
Zuallererst erlitt die PLO eine schwe- Mit der Invasion des Libanon verbanden re militärische Niederlage; ihre Posi- Ariel Scharon und Menahem Begin aus- tionen im Libanon wurden zerschlagen, drücklich drei Ziele: ihre militärische Speerspitze vertrie ben und zerstreut. Aber es war keine - Erstens die Infrastruktur und das mili- kampflose Niederlage. Mit diesen tärische Rückgrat des palästinensischen neunundsechszig Tagen heldenhaften Widerstands zu einer Zeit zu brechen. Widerstands wurde im Vergleich zur wo die Gefahr drohte, daß dessen Aktio- Feigheit der arabischen Regime umso nen sich mit den ansteigenden Mobilisie - deutlicher. wie legitim die nationalen rungen in den besetzten Gebieten kom- und demokratischen Forderungen des binierten. palästinensischen Volkes sind. - Dann die Syrer aus dem Libanon zu Indes reicht das nicht aus, um die mivertreiben und Syrien zu schwächen. litärische Niederlage in einen politisong und die Truppen der PLO werder zu verwandeln. Die Fah- - Schließlich für die Einsetzung eines verbündeten Regimes im Libanon zu auf acht verschiedene arabische Staasorgen, das gleich einen Friedensvertrag ten zerstreut (Irak, Syrien, Saudi-Aramit Israel unterzeichnet, womit die Ver bien. Nord- und Südjemen Sudan, einbarungen von Camp David mit Agyp- Algerien und Tunesien) und unter ten ihre Ergänzung fänden. strikte Bewachung gestellt. Die arabischen Regime wissen besser denn je Abgesehen von diesen offen proklamier- daß der palästinensische Widerstand ten Absichten gab es noch mindestens bei den arabischen Massen ein Anse zwei weitere: einerseits ging es darum, hen genießen kann, wie sie es verloemeut unter Beweis zu stellen, dal Israel ren oder nie gehabt haben. Ein Grund als privilegierter Bündnispartner für den mehr für sie, wachsam zu sein. Imperialismus in dieser Region unersetzandererseits die heilige Union Pressionen werden nicht ausbleiben, innerhalb Israels wieder herzustellen und um bei der PLO eine neue Linie durchdie israelische öffentliche Meinung wie- zusetzen und sie zu einer Hilfskraft der zu mobilisieren, um die Auswirkun- für die großen diplomatischen Manözen der zunehmenden wirtschaftlichen ver der arabischen Staaten zu degra- Schwierigkeiten und sozialen Spannungen dieren. Das kündigte der Führer der zu überwinden. Libanesischen Nationalen Bewegung, Walid Dschumblatt am 26. Juli be- Wenn das die Ziele waren, so ermöglich- reits an: "Die PLO braucht eine neue te eine besonders günstige intemationale Führung, die die Wahrung der palăstinensischen Rechte unter einem an deren Blickwinkel angeht, (...) Das wesendiche ist eine neue palästinensische neue treine neue sta bin mir eine neue Fuhrung. (.. bewußt, daß sich die PLO vielleicht spalter, und daß ein Bürgerkrieg zwischen Palästinensem nicht auszuschliessen ist, " (Interview von Walid Dschumblatt in "Le Monde" vom 26. Juli 1982). Was den Abzug der syrischen Truppen der arabischen Abschreckungs-Streftmacht im Libanon angeht, so hat Israel dies nicht ganz erreicht, Indes scheint es in der Lage zu sein, dieses Ergebnis mit Gewalt durchzusetzen. Seine Truppen stehen in der Bekaa- Ebene den syrischen Kräften direkt gegenüber, und Damaskus liegt praktisch n Reichweite der israelischen Kanonen. Aber eine derartige Kraftprobe könnte diesmal die Sowjetunion zwingen, zu reagieren, well damit thr letzter diplomatischer Verbündeter der Region in Gefahr stünde. Israel kann also versuchen, vorher einen parallelen Rückzug seiner Truppen und der syrischen Truppen auszuhandeln. Aber ein solcher Prozeß hangt natürlich davon ab, wie sich im Libanon ein Regime, das mit Israel verbündet ist, festigt und wie zuverlässig ein solches Bündnis ist, Derzeit beginnen die christlichen Phalange - Truppen von Bechir Gemayel damit, ohne sich zu offen in mifitarischer Operation gegen den palästinen sischen Widerstand zu kompromittieren, den Kem Ihrer Polizei und ihrer Verwaltung in den Fußstapfen der israelischen Armee in den Chouf-Bergen sowie in der Gegend von Saida zu errichten. Sie konnten sich die palästinensischen und syrischen Waffen. die ihnen von der israelischen Besatzungsmacht großzügig gelassen wur den, aneignen, Schlfeßlich wurde Be. chir Gemayel in einer Kaseme und im Schatten der israelischen Bajonette um leime zu ragen ma di Gefahr eines Bürgerkriegs sowie einer Sezession des Nordens zu bannen. Was das vierte Ziel anbelangt, so ist Israel sicher der Beweis gelungen, daR es der eifrigste Verbündete des Imperialismus in der Gegend ist. Und daß es gegebenenfalls unter dem Vorwand der legitimen Verteidigung milltärisch agieren kann, wie das einem amerikanischen Expeditionsheer nur schwer möglich wäre zu einer Zeit, wo der Yankee-Imperialismus sich so schwer tut, das "Vietnam-Syndrom" zu überwinden und in seinem eigenen Jagdgebiet, in Latein- und Mittelamerika, zu agieren. In diesem Sinne sind die zroßmäuligen Erklärungen von Ariel Sharon zu verstehen, die militärische Einflußzone Israels erstrecke sich nun vom Sudan bis zur Türkei...
Das problematische Ergebnis des zionistischen Untemehmens betrifft schließlich die innere Situation in Israel selbst. Nach dem Augenschein erreichte Menahem Begin sein Ziel und mobilisiere die öffentliche Meinung für sich inde August unterstützten bei Mei. nungsumfragen 82% die Operatior "Fríeden in Galilãa". Aber im zio-
nistischen Block entstanden Risse wie nie zuvor zu Kriegszelten.
Seit Jahren schon verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage zusehends. Es zibt jetzt chronische Arbeitslosigkeit Die Inflationsrate bewegt sich zwischer 100 % und 130 % jährlich. Mit der neoliberalen Wirtschaftspolitik stehen die Reprivatisierung bestimmter Sektoren sowie Umstrukturierungen und Vemichtung von Arbeitsplätzen auf der Tagesordnung. Zu dieser allgemeinen Tendenz kommen jetzt die Kosten des Harden Dollar kostete, das sind 10411- Kein offizi, da er bereich 1,2te des Staatshaushaltes, Allein im Monat Juli erreichte die Inflation die Rekordmarke von 9,2 %. Die Regierung ergriff Maßnahmen zum Abbau der staatichen Subventionen für wichtige Konsumgüter und zur Anhebung der Preise für öffentliche Dienstleistungen. Die Preise für Heizmaterial, Milch, öffentliche Verkehrsmittel, Telephon und Strom stiegen brutal an. Die Mehrwertsteuer wurde angehoben, Reisen ins Ausland unterliegen einer Sondersteuer, Anlethen wurden aufgenommen, die obligatorisch neun Monate lang von den Bruttolöhnen der meisten Israel! abgezogen werden.
Früher oder später.
muß auf jeden Fall die Rechnung gemacht werden. Ste wird umso schmerzhafter empfunden werden, als Israel zum ersten Mal einen schmutzigen Krieg ohne Allbi und ohne Schminke fuhren mußte. Früher konnten seine Führer thre kriegerischen Unternehmen immer so darstellen, als würde ein tapferer David gegen Golfaths, die sich gegen ihn verschworen haben, nämlich die arabischen Staaten, kämpfen. Diesmal führten sie eine Aggression durch, zertraten die Grenzen und Institutionen eines benachbarten Staates, ohne Ihm auch nur den krieg erklärt zu haben um ein Volk ohne Land und ohne Staa zu zerschlagen, das von allen verlassen wurde und dessen emeute Diaspora die jüdische Bevölkerung von Palästina nur an ihre eigene Vergangenhelt erinnem kann.
Die Proteste, welche in Israel selbst wie auch unter den jüdischen Einwohnem von Frankreich und sobar von den Vereinigten Staaten erhoben wurden, kündigen an, daß diese In fragestellung bereits beginnt.
Mit dem Libanon-Krieg und der Belagerung von Beirut wurden die Besonderheiten des palästinensischen Betreiungskamptes noch einmal deutlich. Ein Kampf, der bislang hauptsächlich Sache eines auseinandergetriebenen Volkes ohne stabile territoriale oder soziale Basıs war. Der palastinens!sche Widerstand schöpft seine Kraf aus der Bevölkerung der Flüchtlingsdie seit zum großen Teil von den Subsidien dieser Emigration und noch mehr von der finanziellen und militärischen Hilfe der arabischen Regime ab. Unter diesen Umständen ist es für ein nicht verwunderlich, daß der bewaffnete Kampf zum Punkt wurde, wo man sich zusammenschloß, und zum wichtigsten Ausdruck einer Menschenwürde, die man mit Zähnen und Klauen verteidigte.
Dennoch støßt der palästinensische Befreiungskampf auf Fragen, die komplizierter sind als bei allen an deren nationalen Befreiungskämpfen. Er stößt nicht auf eine einfach koloniale Besetzung, sondem auf eine andere nationale Gemeinschaft, die gestem noch selbst unterdrückt war und sich als Staat gebildet hat mit dem Vorhaben, die arabischen Werktätigen zu vertreiben, bevor sie sie ausbeutete. Darin liegt im übrigen - über die technologische Hilfe, fe ihm der imperialismus zuteilt, hinaus - auch die Stärke des Staates Israel: immer noch gelingt es ihm, ein Gefühl nationaler Selbstverteidigung, das durch das Trauma des nazistischen Völkermordes genährt wird, für sich zu vereinnahmen, Das ist der Grund, warum der Kampf gegen den Zionismus erst erfolgreich ist, wenn er sich mit der Entwicklung der Klassengegensätze innerhalb der israelischen Gesellschaft selbst und mit der intemationalistischen Begegnung zwischen derpalästinensischen nationalen Befreiungsbewegung und dem jüdischen Proletariat verbindet. Genauso muß der palästinensische Widerstand seine hauptsächliche Unterstützung bei der anti-imperialistischen Mobilisierung der arabischen Massen finden. Das kann er nicht, ohne mit der pro-imperialistischen ı Politik der neisten arabischen Regime zusam nenzustoßen. Die PLO wollte immer an der "Nichteinmischung" in die Innenpolitik der arabischen Staaten festhalten. Dennoch konnte sie es nicht vermeiden, daß diese Staaten sich in brutalster Weise in das Leben des palästinensischen Widerstands einmischten. Jordanien, Syrien, der Libanon intervenierten immer wieder bewaffnet gegen den palästinensischen Widerstand, in den Jahren 1970, 1976, 1982 ... Die arabischen Regime können nicht tolerieren, daß auf ihrem Territorium eine politische und militärische Kraft existiert, die sie nicht kontrollieren und die allein aufgrund ihrer Präsenz die Ausgebeuteten und Unterdrückten in ihren eigenen Lăndem dazu ermutigen kann, sich autonom zu mobilisieren.
Schon morgen, wenn die offiziellen Umarmungen vorüber sind, werden die palästinensischen Kämpfer in den acht Aufnahmestaaten nach dem Abzug aus dem Libanon streng überwacht werden.
Kurz, der palästinensische Widerstand braucht, um effektiv die nationalen und demokratischen Rechte seines Volkes zu verteidigen, eine Führung, die sich auf Klassenpositionen stellt gegen über der Politik der arabischen Regime, und die sich auf intemationalistische Positionen stellt, um die Widersprüche innerhalb der israelischen Gesellschaft schüren zu können. Man wird verstehen, daß es schwierig ist, eine solche Führung von den Flüchtlingsla gem her, die keine Erfahrungen im proletarischen Kampf sammeln können, zu schmieden.
Dennoch ist nach den schrecklichen Schlagen, die man in den letzten fünfzehn Jahren einstecken mußte, die Notwendigkelt offensichtlich, eine kritische Bilanz zu ziehen und Klarheit zu erreichen. Was Yasser Arafat dem Joumalisten von "Le Monde" auf die Frage, welcher Fehler seiner Ansicht nach im Verlaufe dieses ganzen Konflikts oline Ende gemacht worden sind, antwortete, ist bezeichnend: "Wir wußten unsere Sache nicht den Israelische Mentale niersa den die " Arafat reduziert eine Frage, die in fhrem wesen politisch ist, auf ein pädagogísches Problem. Dennoch legt er den Finger auf einen entscheidenden Punkt. nämlich auf die Frage, wie der Zement des Zionismus zerschlagen werden kann. Und er gibt eine im Ansatz positive Antwort: Unser Nationalrat nahm mehrere Resolutionen an, eine Diskussion mit den demokratischen Kräften in Israel zu eröffnen, und wir sind bereit, Beziehungen mit allen, die unser Recht auf Selbstbestimmung anerkennen, aufzunehmen. " (Interview von Yasser Arafat in "Le Monde" vorr 10. August 1982). Die Gefahr ist nur, daß mit diesem Realismus der Weg für diplomatische Arrangements im Rahmen der Vereinbarungen von Camp David geöffnet wird statt für eine revolu tionare Strategie.
Was die Beziehungen zu den arabischen staaten angeht, so wurde nicht bekannt, ob und welche Lehren diesbezüglich gezogen wurden. Sie würden nämlich be- Bürgerkrieg von 1975 - 1976 eingeschlagen hatte, insbesondere eine Kritik an den Vereinbarungen, die es Syrien erlaubten, Elias Sarkis am 18. Oktober 1976 zum Präsidenten zu wählen und die Gegenoffensive der Phalange zu einem Zeitpunkt vorbereiten zu lassen, wo die palästinensischen Streitkräfte und die der Libanesischen Nationalbewegung kurz vor dem Siege standen.
Aber diesmal ist der Verrat der arabischen Regime derart flagrant und wird derart tief empfunden, daß es der PLO- Führung schwer fallen wird, sich einer neuen Untersuchung der Frage zu entziehen.
Ob diese Führung nun global entwickelt oder zum Preise von neuen Differenzierungen in ihren Reihen - auf jeden Fall steht sie nach der Belagerung von Beirut vor einer neuen Wende in threr Geschichte, einer Wende, die genausc wichtig ist wie die, als sie nach dem Bankrott der arabischen Staaten gegen En de der sechziger Jahre in die vorderste Reihe des anti-imperialistischen Kampfes geschoben wurde.
Eine entscheidende Rolle in dieser Entwicklung kann durch die Bildung eines pal astinensischen Proletarlats in Israel stad dürch die gin den beter en Te-ritorien gespielt werden.
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