Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Italien

Den Gewerkschaften steckt der Sozialpakt im Hals

· Inprekorr Nr. 2 (141), 11. Februar 1982 · S. 27-28 · 1.451 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Italien

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

Den Gewerkschaften steckt der Sozialpakt im Hals von franco Turigliato, Turin, 10. Dezember 1981° Seren Gewerk Kaschet verbandes bes endete Ende November Höhepunkte der Diskussion dar. Bei keiner der drei Zentralen schen Gewerkschaschftsverbandes - beendete handelte es sich im Routinediskussionen, Und das gilt noch mehr im Bereich der Industriebranchen.

haben. Die Kongresse fanden statt in einer regionaler und schließlich schaftskrise, wo die Unternehmer heftige Angriffe auf Benationaler Ebene abgehalten wurden:. und dann die branchen- schäftigung, Löhne und gleitende Lohnskala reiten. übergreifenden Kongresse, die ebenfalls auf der Ebene der die allgemeinen Fragen der gewerkschaftlichen Strategie im- Sektionen, der lokalen und regionalen Verbände und schließ- s engste mit den unmittelbaren Autgaben der Orgalich auf nationaler Ebene durchgeführt wurden. nisationen, mit der Erarbeitung politischer Entscheidungen, um sich der Untemehmeroffensive zu widersetzen, verbunden.

Bereiche umfassenden Kongresse der UIL im Juni, ler CISL im Oktober und der CGIL im November stellten die Als die Gewerkschaftskongresse von größere Akkumulation ermöglichen deren prioritär eingestellt werden sol- 1973 und 1977 stattfanden. stand die sollten, sollten die die Bosse investie- len (aber niemand weiß. von welcher Italienische Gewerkschaftsbewegung ren und Arbeitsplätze schaffen, Diese Fabrik, al alle Bereiche der Industrie auf ihrem Höhepunkt. Bei den dama- utopischen Absichten zerbrachen an außer der Rüstungsindustrie Leute ent- Igen Kongressen handelte es sich vor der harten Wirklichkeit der Tatsachen: illem um Propagandaversammlungen die Investitionen dienten vor allem auf denen die Zentralen ihre organisa- dem Arbeitsplatzabbau, und die Wirt- Angesichts der politischen und organitorische Kraft zur Schau stellten und schaftskrise verschärfte sich; die Un- satorischen Stärke der Arbeiterklasse sich für eine allgemeine Reformpolitik ternehmer organisierten sich, um sich und threr gewerkschaftlichen und poliund eine Wechsel in Regierung und Ge- an den Arbeitern zu revanchieren, um ischen Organisation ist es den Unter sellschaft aussprachen sowie für eine das zurückzunehmen, was diese sich ehmem bisher nicht gelungen andere wirtschaftliche Entwicklung in langen Jahren siegreicher Kämpfe Entlassungen durchzusetzen und damit leren Träger die Regierung und díe Un- erworben hatten. die Front der Arbeiter zu sprengen. ternehmer, beide von den Arbeitern Aber die massive und verlängerte Inunter Druck gesetzt, sein sollten. In diesem Rahmen zeigten sich die Ge- anspruchnahme der "technischen" Arwerkschatten immer weniger fähig. belslosigkeit hat es ihnen ermöglicht, Seit Januar 1978 als das EUR-Treffen die Interessen der Arbeiter zu vertei- eine wichtigen Teil der Arbeitervorhut schaftlichen FUhrungen jede Sessicht stattfand (1), verbanden die Sie wurden von emsten Krisen aus den Betrieben herauszuhalten. Alle wichtigen italienischen Industriekonzerheimgesicht. Es handelte sich noch ne sind bestroffen: die Chemie (Monteaut Veränderung mit der Annahme der nicht um eine vertikale Krise; Austeritätspolitik durch die Arbeiter. dem war sie nicht weniger tief und dison und die Fabriken der ENT), die Im Austausch mit gemäßigten Forde- emsthaft. Autoindustrie (FIAT und Alfa Romeo), rungen, die größere Profite und eine die Elektronik mit einigen weniger Ausnahmen und schließlich das Nach- DIE UNTERNEHMER IN DER OFFENSIVE Seien antetzt reden beg der seit Welches sind die Grundzüge der ge- Fabriken unter dem Druck der Geellschaftlichen Situation in Itallen werkschaf tsführungen abgeschlossen und der Situation in den Fabriken? wurden: in allen Industriebereichen

Der Kampf der Arbeiter von FIAT im stürzten sich die Untemehmer in gi- (1) Im Verlaufe einer nationalen Ge- Oktober 1980 gegen die Pläne massi- gantische Umstellungs- und Umstruk- werkschaftsversammlung im EUR-Paver Entlassungen von Seiten der Unter- urierungspläne. Und sie beschlossen. last von Rom im Januar 1978 sprachen nehmer stellte eine Wende dar Bei cai bei bie certscha Arbeitungen sich die Gewerkschaftsführer zugunsten dieser Gelegenheit zeigt sich die Fiat- der Sparpolitik, die damals von der Belegschaft außerordentlichen Kam- taten alles, um zu verhindem, von der Kommunistischen Partei un- ›feswillen: auch die Solidarität der ahnliche Kämpfe wie die von FIAT terstützten Regierung der Nationalen Ibrigen italienischen Arbeiter war sehr ausbrechen könnten. Sie unterzeich- Einheit vorgeschlagen wurde, aus. bedeutend. Aber die reformistischen Gewerkschafts- und Parteiführer zeig- (2) Eine Art "Kurzarbeit": während der ten sich genauso entschlossen jen can Zeit, wo die Betriebe meinen, für sie Kampf durch einen für die Arbeiter gen. Und dies auf unbestimmte Dau- keine Arbeit zu haben, werden die Arkatastrophalen Kompromiß ein Ende er und ohne jede Garantie, beiter von der "Cassa integrazione " bezu setzen, um eine gesellschaftliche ges wieder einen Platz in ihrem Be- zahlt, welche eine Lohnauszahlung zu und politische Krise zu vermelden, die frieb zu finden. Tatsächlich beinhalten 90% für unbestimmte Zelt garantfert zu einem offenen Schlagabtausch mit diese Abkommen eine Verminderung In einigen Regionen befinden sich Arden bürgerlichen Kräften hätte führen des Beschäftigungsstandes, da Ausschei- beiter seit 5 bis 7 Jahren in "technischer" können. den de nicht ersetzt werden, Altere vor- Arbeitslosigkeit. Die Untemehmer beeltig in Pension geschickt und anderer kämpfen dieses System, da es in der Nach den Vereinbarungen von FIAT Mobilitätslisten" aufgestellt wer Krise sehr teuer kommt, und wollen das rab es Dutzende ia Hunderte von den, nach denen Arbeiter, Recht auf direkte Entlassungen wieder Ihnlichen Abkommen, welche in den Fabrik entlassen wurden, von einer an- zugestanden bekommen.

Seite 28

DIE MASSIVE ZUFLUCHT ZUR "TECHVISCHEN" ARBEITSLOSIGKEIT Gegenwärtig gibt es offiziell 2 Millionen Arbeitslose in Italien, Für die ersten sechs Monate des Jahres 1981 betrugen die Stunden der technischen Arbeftslosigkeit, verglichen mit demselben Zeitraum des Jahres 1980. 240 statt 90 Millionen, Im Herbst 1981 beschleunigte sich diese Dynamik noch. Der Süden ist nicht menr das einzige Gebiet, das von der Arbeitslosigkeit betroffen wird. Die Industriehochburgen des Nordens, die großen Industriegebiete Piemonts und der Lombardei wohin die Arbeitslosen des sudens traditionell strömen), die beiden städtischen Zennen Mailand und Turien sind gegenwärtig die Regionen, welche von der Rezession und dem Rückgang der Arbeitsplätze am härtesten betroffen werden. Verglichen mit 1980 stie gen in Piemont in den ersten neun Monaten 1981 die Stunden der technischen Arbeitslosigkeit von 15.S Millionen ait mehr als 110 Millionen an: nicht weniger als 350 Unternehmen sind dort in Krise. Etwa 46 000 Werktätige stehen in totaler "technischer" Arbeitslosig- ‹eit: bei den Arbeitsämtern sind 135 000 eingeschrieben, darunter 67 000 Jugendliche, die ihren ersten Arbeitsplatz sichen.

In der Lombardei zählt man 800 krisengeschüttelte Firmen und 50 000 Arbei- ' "technischer" Arbeitslosigkeit befinden. ter, die sich für mehrere Monate in Es ist abzusehen, daß zum Jahresende die durch technische Arbeitslosigkeit ausgefallenen Stunden sich auf 60 Millionen belaufen werden: das sind dreimal so viel wie im letzten Jahr. Allein in der Stadt Mailand ist die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Leute von 55 000 im Jahr 1978 auf 13 000 im Dezember 1991 gestiegen. Dabel handelt es sich vor allem um jugendliche. Seit Anfang des Jahres 1981 gingen allein in der metallverarbeitenden Industrie 10 000 Arbeitsplätze verloren.

Natürlich ist die Situation in den Gebieten des Südens und vor allem den Gebieten südlich von Neapel, die 1980 vom Erdbeben getroffen wurden. noch schlimmer. In diesen Gebieten wurde von der Regierung seit einem Jahr nichts getan, die zerstörten Zonen wieder aufzubauen. Dort herrschen die Bosse der Mafia Neapels, die Camorra und die christ emokratische Vetterleswirtschaft.

Noch deutlicher laßt sich der Umfang der Zuflucht zur "technischen" Arbeitslosigkeit abschen, wenn man drei wichtige Branchen untersucht. In der Textilbranche sind von insgesamt 1,5 Millionen Beschäftigten 150 000 davon betroffen: zwischen einem Viertel und einem Drittel der Metallarheiter sind darunt von den 1,5 Millionen Beschäftigten in dieser Branche: dasselbe Los müssen auch ein Drittel der insgesamt ca. 600 000 Chemiebeschäftigten teilen.

- befinden, hatte sehr negative Auswirkungen aut das Funktionieren der Gewerkschaftsarbeit in den Betrieben: bei den Räten gab es große Schwierigkeiten, weil es an Delegierten mangelt und well die Schichten umgestellt wurden. Dadurch verloren sie an Unabhangigkeit gegenüber den gewerkschaftlichen Apparaten.

Trotzdem muß man sagen, daß die Auswirkungen der technischen Arbeitslosigkeit nicht mit denen wirklicher les nicht eureregen der Lotorzahlung (die 90% des ursprünglichen Lohnes ausmacht). Die sich in technischer Arbeitslosigkeit befindlichen Arbeiter bleiben Gewerkschaftsmitglieder und halten mit ihrer Organisation organische Verbindung autrecht mittels Koordinationsstrukturen, welche von der Gewerkschaft anerkannt sind, Sie halten auch ihre Verbindungen - zumindest gelegentlich - mit ihrem Betrieb aufrecht, da sie an den Versammlungen der Belegschaften teilnehmen. Im übrigen ist zu bemerken, daß die gegen wärtige bedrohliche Situation die Arbeiter eher dazu drängt, Ihre Koordinationen zu verstärkten und die Verbindungen mit dem Rest der Gewerkschaftsbewegung noch enger zu gestalten. Auf der anderen Seite versuchen die Untemehmer, ihre bisher erreichten Erfolge zu nutzen, um einen politischen sieg zu erzielen, der die alte Ordnung zu Ihren Gunsten wieder herzusteller vermöchte. Auch versuchen sie, auf allen wirtschaftlichen Gebleten erfolgreich zu sein, also bei der Reduzierung der Löhne, beim Außerkraftsetzen der Kranket alt Auch dem sel er bei