ZWEI ARBEITER VON DER POLIZEI IN EL FERROL ERMORDET ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ ++++++ "Etwa um 8 Uhr 30, als die Masse der Demonstranten - zwischen 2000 und 3000 - auf der Nationalstraße sich in Richtung auf die Astano-Fabrik in Bewegung setzte in der festen Absicht, die 7000 dort beschäftigten Arbeiter zum Solidaritätsstreik aufzufordern, versperrten ihnen zwei von Leutnants geführten Sektionen der Policia Armada auf der Höhe der Kreuzzung mit der 'Pias' - Straße den Weg. Die Demonstranten beachteten die wiederholten Warnungen nicht und stießen bei ihrem Vormarsch auf die 60 bewaffnete Polizisten, die ihnen den Weg versperrten. Diese versuchten zuerst, die Angreifer durch Schießen von Gummikugeln zurückzuschlagen, aber der dichte Steinhagel und der schnelle Zusammenstoß machte ihre Bemühungen zunichte und zwang sie, mit ihren Feuerwaffen in die Luft zu schießen. Darauf zogen sich die Demonstranten zurück. Aber nachdem sie sich gesammelt hatte, griffen sie von neuem die Polizisten an, versuchten, sie zu überwältigen und ihnen die Waffen zu entreißen. Da beschlossen die Ordnungskräfte, das Feuer direkt auf die Demonstranten zu eröffnen. Dann mußten sie in ihre Kasernen flüchten und einen Verteidigungsring aufstellen. Das ist der Bericht der monarchistischen Zeitung ABC über die blutige Schießerei, die am Frei tag 10. März zwei Tote in der galizischen Stadt El Ferrol gekostet hat. Zwei Tote und mehr als 30 Verletzte, von denen zwei sich in einem hoffnungslosen Zustand befinden. Daß die Demonstranten dreimal eine Polizeisperre mit nackten Händen angegriffen haben, die Straße nach der Schießerei eingenommen und die Mörder der Ordnung gezwungen haben, sich in ih• ren Kasernen zu verbarrikadieren, das zeigt deutlich die Gereiztheit der Arbeiter, ihre wilde Am darauffolgenden Samstag war El Ferrol eine tote Stadt. Die meisten Unternehmen stander in Streik. Aus Solidarität hatten die Kleinhändler ihre Läden geschlossen. Die Polizei behert schte wieder die Straße: bedeutende Spezialeinheiten zur Aufstandbekämpfung waren herbei geschafft worden, und die Marinetruppen befanden sich im Alarmzustand. Die Arbeiter der Bazan-Werft, auf die die Polizei geschossen hatte, weigerten sich auch weiterhin, die Arbei wieder aufzunehmen: sie kämpfen weiter bis zur Erfüllung ihrer Forderungen, gegen den vor Unternhmer aufgezwungenen Kollektivtarifvertrag. Die Arbeiter des Astano-Werks sind jetzt an ihrer Seite. Und in ganz Spanien kommt es zu Solidaritätsaktionen in einer Situation, in der die Universitäten und Fabriken seit Jahresbeginn von Kämpfen erschüttert werden. Die Spannung steigt stetig seit bald zwei Monaten. Die mächtige Studenten- und Oberschüle bewegung, deren plötzlicher Ausbruch zu massiven Zusammenstößen in den Universitätszentren geführt hat, konnte weder durch breitangelegte Polizeioperationen noch durch einige von der Regierung zugestandene Konzessionen, die als Siege empfunden werden, entwaffne werden. Die Arbeiterkämpfe gegen die Bemühungen der Unternehmer, die Erneuerung der Kollektivverträge durchzusetzen, werden zahlreicher und breiten sich aus. Die Bourgeoisie in ihrer Unfähigkeit, die geringsten Konzessionen zu machen, die elementarsten Forderung
der Arbeiter zu erfüllen, sah sich genötigt, selbst die Bedeutung der 'Verhandlungen' mit den Vertretern der offiziellen Gewerkschaften zu offenbaren: sie schickt ihre Polizeitruppen gegen alle radikalen Kämpfe. Ob diese kaltblütig morden wie in Granada vor zwei Jahren oder in Madrid im letzten Herbst, ober ob sie in einem Moment der Panik schießen, wie es vielleicht in El Ferrol der Fall war - die bewaffneten Banden erfüllen eine bestimmte Funktion: sie sind zur Zeit die der spanischen Bourgeoisie einzig mögliche Antwort auf eine soziale Situation, die sie gefährlich bedroht.
Die prioritäre Aufgabe zur Stunde ist die Vorbereitung der Arbeiter zur Selbstverteidigung, die Bildung von Trupps durch die Streikkomitees und der Aufbau einer Arbeitermiliz. Die Arbeiter können nicht mit der bloßen Hand die Milizen des Kapitals zerschlagen. (Paco Rops. Aus ROUGE Nr. 149 vom 18. März 1972)