Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Brasilien

Politische Erklärung der POC (Partido Obrero Communista)

Inprekorr Nr. 13, 15. März 1972 · S. 12-19 · 4.926 Wörter

Brasilien Gewerkschaften und Streiks Trotzki und Geschichte

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BRASILIEN: POLITISCHE ERKLÄRUNG DER POC (PARTIDO OBRERO COMUNISTA)

+444+14+4+44 ++++4++++441441+1+++++++++++++ +4444+++++++++++++ I. • Die revolutionäre Linke Brasiliens befindet sich heute in einer der schwierigsten Situatio. nen, die die revolutionären Organisationen bisher kannten: sie wird von der Militärdiktatur erbarmungslos verfolgt, ist von den arbeitenden Massen isoliert und muß einer systematischen Kampagne, die von der Militärregierung an der Macht gegen sie geschürt wird, standhalten. Diese für die revolutionären Kräfte unglaublich ungünstige Situation muß sowohl in ihren objektiven als auch in ihren subjektiven Ursac hen verstanden werden. Unter diesen Ursachen gibt es einige, die entschiedend zur Erklärung der jetzigen Situation beitragen. Woher kommt es, daß die revolutionäre Linke zur Zeit von den arbeitenden Massen isoliert ist, insbesondere von den Industriearbeitern und den Landarbeitern? Die politischen Fehler der revolutionären Linken in der Periode des revolutionären Aufschwungs 1967 - 69 ermöglichten nicht, die strukturelle Schwäche der revolutionären Bewegung Brasiliens, nämlich ihre Iso. lierung gegenüber den Arbeitern in der Stadt und auf dem Lande, zu überwinden. So kam es, daß die im Kampf gegen die Militärdiktatur errungenen Siege sich nicht in einer Akkumulation bedeutender Kräfte am Ende dieser Periode wiederspiegelten, was von Anfang an die Dynamik der revolutionären Organisationen beschränkte.

Diese Isolation stammt schon aus den Zeiten des populistischen Reformismus, der sich aus der Geschichte der Massenbewegung Brasiliens, vor allem der Arbeiterklasse, erklären läßt. Die Landarbeiter und die Bauern standen immer (abgesehen von der kurzen Periode vor dem Staats streich von 1964) am Rande des nationalen Lebens: sie waren nie gewerkschaftlich organisiert, nie im Konsütionsmarkt integriert und lebten als Analphabeten und Überausgebeutete isoliert in den verschiedenen Regionen Brasiliens. Die Arbeiterklasse dagegen diente in all den Jahren populistischer Politik der industriellen Bourgeoisie als Werkzeug, um jener in ihren internen Auseinandersetzungen mit der Latifundisten-Bourgeoisie und mit den monopolisiertesten Teilen der Industrie, die mit dem Imperialismus direkt verbunden waren, mehr Bewegungsfreiheit zu berschaffen. In all diesen Jahren, seit dem Jahre 1930, war die Arbeiterklasse so etwas wie ein Tonverstärker für das politische Leben Brasiliens. Was die brasilianische Arbeiterklasse eigentlich immer daran gehindert hat, eine wichtige Rolle zu spielen, liegt daran, daß sie niemals eine unabhängige Klassenorganisation hatte. Die brasilianische Gewerkschaft ist faschistoid, wurde von 'Estado Novo' (Neuen Staat) als Anhang des bürgerlichen Staats geschaffen und bildete nie eine Klassenorganisation für die Verteidigung ihrer Forderungen. Die populistische Periode und die Tatsache, daß die Bourgeoisie versuchte, die Forderungen der Arbeiterklasse zur Stärkung ihrer Position in den Auseinandersetzungen mit anderen Sektoren der herrschenden Klasse zu benutzen, dies alles ermöglichte eine gewisse Offnung der faschistoiden Gewerkschaftsstrukturen und führte dazu, daß in ihr in gesisser Weise die verschiedenen Strömungen der Arbeiterbewegung, insbesondere die stalinistischen und die bürgerlichreformistischen, Ausdruck fanden. Diese Ausnahmesituation bricht abrupt 1964 ab, als der Mili tärdiktatur die Anwendung ihrer im geltenden Arbeitsrecht bestehenden legalen Vorrechte genü gen, um alle aktiveren Gewerkschaftsführer auszuschalten und die Gewerkschaft in ein richtig gehendes Polizeiorgan zu verwandeln. In der ganzen Zeit, in der die Gewerkschaftsstrukturen offener waren, haben sich die moskauhörigen Kommunisten und die Populisten nie darum gekümmert, die Arbeiter an der Basis zu organisieren. Seit 1964 steht die Arbeiterklasse völlig schutzlos da. Und die politischen Gewerkschaftsführer sind gefangen, der Repression ausgesetz! und haben jeglichen Kontakt mit der Arbeiterklasse verloren.

Das erklärt die enormen Schwierigkeiten, die wir alle, von allen Organisationen, mehr oder weniger hatten, mit den Lohnabhängigen und vor allem mit der Arbeiterklasse Verbindung auf zunehmen. Das heißt nicht, daß die Aufnahmer solcher Verbindüngen unmöglich gewesen wäre. s. 12 INPREKORR 15.3.72

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Aber es wäre etwas mehr notwendig gewesen als ausschließlich empiristisches Arbeiten in der Arbeiterklasse oder leuchtende Beispiele bewaffneter Avantgardeaktionen. Es wäre notwendig gewesen, die Dynamik der Massenbewegung zu verstehen, insbesondere die der Arbeiterklasse in der Schlüsselperiode 1964 - 68, in der die Diktatur noch nicht gefestigt, die Wirtschaftskrise noch : nicht überwunden und die allgemeine Unzufriedenheit aller Klassen noch nicht befriedigt war. In dieser Periode, die ihren Höhepunkt mit einem bedeutenden Aufschwung der Massenbewegung im Jahre 1968 stattfand, wäre es nötig gewesen, eine Massenorganisation als Alternative zur staatsintegrierten Arbeitergewerkschaft in Angriff zu nehmen. Nur mithilfe einer un abhängigen Klassenorganisation wäre es dem Proletariat möglich gewesen, dem Ansturm der Dik tatur größeren Widerstand entgegenzusetzen und sich als organisierte Klasse zu erhalten. Ein solcher Faktor hätte den linken Organisationen ermöglicht, Verbindung mit der Arbeiterbewegur zu halten und, was noch wichtiger ist, die Bewegung weiterhin zu organisieren. Von daher kommt es, daß sich die Linksorganisationen ( und nicht nur die mit avantgardistische oder militaristischen Abweichungen) zum größten Teil aus Elementen kleinbürgerlicher Herkunft zusammensetzen. Denn gerade in der Studentenbewegung und bei den radikalen Kleinbürgern blühte die Linke, insbesondere im Jahre 1968. Das führt uns zu dem Versuch, die jetzige Isolierung der revolutionären Linken zu interpretieren, vor allem ihre Isolierung von dem Klassen teil, der in der Vergangenheit ihre größte Stütze bildete.

Das ganze gegenwärtige Wirtschaftswachstum basiert basiert auf dem Aufschwung der sogenannten "dynamischen Industrien"" (Autos, Chemie, Stahlerzeugung usw.). Das Dilemma, in dem sich die industrielle Bourgeoisie vor 1964 befand, nämlich wie man einen nationalen Ab= sałx markt herstellen könne, um das industrielle Wachstum zu absorbieren, dieses Dilemma wurde auf ungewöhnliche Art und Weise gelöst. Wenn man vorher angenommen hatte, daß nur durch Erweiterung des internen Marktes vermittels Einbeziehung weiter Teile der Bevölkerung in den Konsum - der Arbeiter und vor allem der Landbevölkerung - eine Lösung für die industrielle Entwicklung gefunden werden könne, so ist man später auf eine ganz andere Lösung gekommen. Ein selektiver Absatzmarkt auf der Grundlage von Luxusgütern wurde intensiviert. Und die Bevölkerungsschichten, die von der Entwicklung dieser Dynamik profitierten und diese Produkte konsumierten, setzten sich nicht nur aus den herrschenden Klassen zusammen, sondern auch aus modernen Teilen der Kleinbourgeoisie, nämlich Teile, die in den modernen Zweigen des Wirtschaftlebens Beschäftigung finden und in den wichtigsten Städten Brasiliens konzentriert sind.

Dieser Bevölkerungsteil, der vorher als Saatbeet für Kader und Sympathisanten für die revolutionäre Linke vor allem in der Phase des Aufschwungs der Studentenbewegung 1968 fungiert hatte, wurde nun wirtschaftlich integriert und damit politisch neutralisiert. Genau auf ihn konzentriert die Regierung ihre Kampagne zur Demoralisierung der revolutionären Linken und zur Ausweitung eines reaktionären Nationalismus. Dabei handelt es sich im Grunde nicht um eine politische Kampagne: Alles, was die Regierung diesen Teilen beweisen konnte, ist, daß das Bruttovolkseinkommen anstieg, und daß, wenn irgendeine Bevölkerungsschicht zusätzlich zur Bourgeoisie dieses Wachstum zugute kommt, es eben diese Teile sind, die immer mehr mit immer größerem Luxus konsumieren.

Wenn wir die eben erwähnten Faktoren konstatieren, müssen wir uns jedoch einige Dinge vor Augen halten. Erstens: was der Bourgeoisie die Krise von 1962 - 67 zu überwinden ermöglichte, war die Tatsache, daß es ihr gelungen war, die fortwährenden Lohnerhöhungen der Jahre 1961 - 63 zu stoppen, genügend Kapital für neve Investitionen zu akkumulieren und die Pro- Fitrate zu erhöhen was die Investitionsbedingungen für ausländisches Kapital zu einer Attrakfion für die Imperialisten machte. Das ging dem jetzigen Wirtschaftsaufschwung voraus. Möglich war das nur durch Einfrieren der Löhne seit 1964, seit dem Putsch. Von 1964 bis jetzt verlor die Arbeiterklasse 40 % ihrer Kaufkraft: das zeigt deutlich, wie sehr sie an den Rand des nationalen Konsumtionsmarktes gedrängt wurde. In dieser Periode war für die Arbeiterklas

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se das Fehlen einer unabhängigen Klassenorganisațion, einer Arbeiterorganisation und nicht eines offiziellen, von der Regierung kontrollierten Organs, wie es unsere Gewerkschaft ist, von entscheidender Bedeutung.

Die zweite Feststellung, die man treffen muß, ist die, daß unter diesen Umständen die politi. sche Repression ein wesentliches Moment der gegenwärtigen Regierung bildet, ohne die es ihr nicht möglich wäre, besagte Krise zu überwinden und in die bekannte Phase wirtschaftlicher Ent wicklung zu treten, sie beizubehalten und weiterzutreiben. Die Repression ist die Hauptachse in der Politik der Bourgeosie. Die Umwandlung des Heeres in eine bürgerliche Partei, die das Land regiert und in der alle Meinungsverschiedenheiten ausgeschlossen sind ( durch Eliminie rung und Kastrierung all der typischen bürgerlichen Institutionen), ist kein durch die Verruchtheit dieses oder jenes Gorillas bedingter Zufall. Nur ein bürgerliches Heer mit seinem ganzen Anhang von Gewalt und Repression ist in der Lage, das zu bieten, was eine schwächliche natio nale Bourgeoisie zu tun nie vermochte: eine unterentwickelte Wirtschaft auf Kosten maß loser Ausbeutung der Massen zu entwickeln.

Das ist die Situation, in der die revolutionäre Linke heute lebt. Wir machten zahlreiche Irr fümer, weswegen wir Selbstkritik üben müssen: sowohl die Anhänger der "Avantgardelinie' als auch die der 'Massenlinie' und auch die, die ohne Erfolg versuchten, den bewaffneten Kamp® in die Mobilisierung der Massen zu integrieren. Inzwischen verschlimmern unsere Irrtümer nur die an sich schon ungünstige Situation. Dadurch, daß eine revolutionäre Avantgarde sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene fortwährend fehlte, sind wir bis hart an eine revolutionäre Situation gekommen, in der die subjektiven Bedingungen, der Aufbau einer Avantgarde und deren Verbindung mit breiten Teilen der Massen, erst im Ansatz vorhanden wa ren.

Unter diesen Umständen kann man sagen, daß einige unserer Irrtümer tödlich waren. Was wir an Menschenleben verloren, ist unersetzbar. Wir können diese Irrtümer nur bezahlen, wenn wir uns fähig zeigen, die Lehren aus dieser Periode zu ziehen, um in der nächsten Etappe auf einem höheren Niveau zu intervenieren.

DER AUFBAU DER POC

Die durch unsere Irrtümer noch verschlimmerten objektiven Bedingungen ermöglichten es der Militärdiktatur, die Repression sowohl qualitativ als auch quantitativ immer mehr zu verstärken. Unzählige Organisationen wurden dezimierte, ihre Genossen gefangen und gefoltert, wenn nicht gar getötet. Im Verlauf dieser Verschlechterung des Kräfteverhältnisses zwischen der Regi rung und den revolutionären Kräften hat unsere Organisation - Partido Obrero Comunista, POC erst kürzlich, im Juli dieses Jahres (1971), einen schweren Schlag erhalten. Wir waren dabei, einen langen internen Diskussionsprozeß, der 1969 begonnen hatte, abzum schließen und sowohl in der Praxis als auch in der Theorie die Irrtümer und Abweichungen unserer Organisation zu überwinden. Seit ihrer Gründung im April 1968 war die POC durch die politische Vorherrschaft der alten POLOP - Führung ( die Organisation, aus der wir entstanden sind) gekennzeichnet. Die POLOP war in den 60er Jahren insbesondere in der Zeit der Vor herrschaft der stalinistischen KP der einzige politisch Pol gewesen, der für die sozialistische Re volution und für die Avantgarderolle der Arbeiterklasse sowie für den bewaffneten Kampf zur Machtergreifung eintrat. Aber zur Zeit des Bruches mit der KP sowie mit allen anderen traditionellen Arbeiterorganisationen ( 1966 - 68) zeigt sich die POLOP unfähig, aus ihrer Kampfpropaganda gegen den Reformismus Kapital zu schlagen. Sie übernahm, in ihren theoretischen Schemata gefangen, die Rolle eines "kritischen Bewußtseins' für den Rest der Linken und nahm schließlich eine sektiererische Haltung ein, die sie von den neuen Gruppen isolierte. Dadurch wurden die intellektualistischen Tendenzen, die sich in den langen Jahren propagandistischer Tätigkeit entwickelt hatten, nur verstärkt. Die POC entstand genau in dem Augenblick, in dem das Versagen der alten Führung der POLOP offenbar wurde: die Gründung des POC als Fusion s. 14 INPREKORR 15.3.72

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der Überbleibsel der POLOP mit einem unbedeutenden Teil der KP Brasiliens brachte dieses Ver sagen zum Ausdruck.

Aber durch den Aufschwung der Massenbewegung im Jahre 1968 - sowohl bei den Studenten als auch bei den Arbeitern - änderte sich die interne Zusammensetzung der POC, und innerhalb der Organisation tauchten Kräfte auf, die auf eine kritische Revidierung der Art von Praxis drängten, die die Organisation bisher kennzeichnete. Von 1969 an geht ein interner Kampf gegen die traditionelle Führung der alten POLOP aufgrund des Drucks einer neuen Basis, die im Aufschwung von 1968 rekrutiert worden war, vor allem in Sao Paulo. Durch diesen Kampf wollte man unsere Organisation ändern. Und dem Intellektualismus der alten Führung, die korrekte allgemeine Anhaltspunkte lieferte, aber nie daran ging, die Organisation mit den materiellen und organisatorischen Mitteln zu versehen, um diese Punkte in die Praxis umzusetzen, diesem Intellektualismus stellten wir eine neue Position gegenüber: die Organisation mußte in die Lage versetzt werden, ihre Rolle als Avantgarde vollständig auszufüllen und die konkreten Aufgaben der Revolution durchzuführen. Von dieser allgemeinen Kritik gingen wir nach und nach über zu konkreten Vorschlägen: von bewaffneten Enteignungs- und Propagandaaktionen über Veränderungen der organischen Struktur bis hin zu den taktischen Fragen der Arbeiterbewegung. Als die alte Führung der POLOP sah, wie ihre Vorherrschaft durch den konkreten Charakter der diskussion gefährdet war, zeigte sie deutlich ihren konservativen Charakter, indem sie sich weigerte, die Diskussion fortzuführen, und mit den Teilen, die von den neven Ideen noch nicht 'angesteckt' worden waren, einen Spaltungsprozels einleitete.

Yon der Spaltung im Februar 1970 an begann die Organisation, Versuche praktischer und theoretischer Art zur Überwindung der alten POLOP-Konzeptionen, die bis dahin auch die ihren gewesen waren, zu unternehmen. Das Leben der Organisation damals ist von einigen Fortschritten und einigen Rückschlägen gekennzeichnet, und zwar nicht nur in Funktion ihrer inneren Schwäche, die angefangene Revidierung druchzuführen, sondern auch im Zuge der allgemeinen Verschlechterung des Kräfteverhältnisses zwischen der revolutionären Linken und der Regierung, durch die die revolutionäre Praxis immer schwieriger wurde. Die interne Schwäche kristallisier te sich in einem zurückgebliebenen Sektor innerhalb der Organisation, der in dem Maße, wie die Kampfbedingungen immer schwieriger wurden, immer offener und in einer rechtsabweichlerischen und liquidatorischen Art zu den alten Konzeptionen der POLOP zurückkehrte. Im Kampf gegen diese rechte Tendenz, in dem die Schwierigkeiten der Situation, mit denen wir es zu tun hatten, zum Ausdruck kamen, präzisierten wir nach und nach unsere Positionen und gelangen zu den Vorschlägen, die wir heute als Tendenz der POC vorbringen. Mit diesen Vorschlägen wollten wir in die Debatte intervenieren, die im Juli 1971 beginnen sollte. Aber aufunsere Organisation gingen sehr harte Schläge wie die Ermordung von unserem Genossen Luis Eduardo Merlino nieder und machten die Diskussion unmöglich.

Heute stehen wir vor der Aufgabe, die POC wieder aufzubauen. Aber uns ist klar, daß es nicht darum gehen kann, das Rad der Geschichte aufzuhalten und den Wiederaufbau nach der polifischen Linie durchzuführen, wie sie die Organisation offiziell zur Zeit der Repression hatte, einer Linie, die neben unzähligen Schritten nach vorn auch eine ganze Reihe verkalkter Konzeptionen von der POLOP her beinhaltete. Für uns ist es klar, daß der Wiederaufbau nach einer kfaren politischen Linie , die sich in der Praxis ausdrückt, geführt werden muß. Andererseits sind wir der Auffassung, daß wir mehr oder weniger klar sehen, wie dieser Aufbauprozeß vor sich gehen soll und welche Komplexität er mit sich bringt. Etliche Organisationen sind schon von der Repression so schwer getroffen worden, daß kaum oder überhaupt nicht mehr arbeiten konnten und ihre Kraft auf den Wiederaufbau konzentrieren mußten. Einige hatten Erfolg, andere sind noch mittendrin, wieder andere verirren sich oder fallen auseinander. Deshalb sind wir uns bewußt, daß wir auf jeden Fall mit sehr vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben werden. Trotzdem haben wir uns vorgenommen, die Organisation wieder aufzubau-

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en, da wir die Notwendigkeit sehen, wieder unseren spezifischen Weg zu gehen und dabei eine politische Praxis von größerer Bedeutung entwickeln, die positiv für die gesamte revolu tionäre Linke sein wird. Denn etliche der Thesen, die wir heute vertreten, sind weniger aus der Entwicklung politischer Ideen entstanden, sondern stellen vielmehr im Grunde die Theore tisierung einer richtigen Praxis in der Arbeiterklasse und der Bemühungen der ganzen Organi. sation in dieser Art dar. Wir meinen, wenn weite Kreise der Linken heute dabei zu sein schei. nen, einige falsche Probleme wie: soll man in der städtischen Arbeiterschaft oder auf dem Lan. de arbeiten, Massenarbeit oder bewaffnete Aktionen machen, usw., zu überwinden, so haben wir zusammen mit anderen zahlreichen Organisationen viel zu lernen, aber wir haben auch ein Stück Praxis, womit wir den anderen Organisationen helfen können. Auf der anderen Seite ist der Wiederaufbau der Organisation eng mit der Einigung der revolu. tionären Linken verknüpft. Bedeutende Kreise der Linken scheinen heute zu einem höheren Reifegrad zu gelangen und sich vom Sektierertum zu lösen, das uns im allgemeinen charakte. risierte. Es ist unter den heutigen Umständen von wesentlicher Bedeutung, den politischen Einigungsprozeß zu beschleunigen, um die revolutionäre Linke besser zu wappnen. Aber die aufgrund von praktischen Notwendigkeiten erzwungene Einheit muß bekämpft werden, genaus wie eine Einigung ohne ausreichende politische Klärung: Diese Art von Zusammenarbeit muß auf der Grundlage brüderlicher Kooperation mit allen Organisationen geschehen, ohne die eigenen politischen Positionen aufzugeben. Dieses Kriterium ist wesentlich für den Aufbau einer tieferen Einheit, die den harten Bewährungsproben, die auf uns zukommen, standhält. DIE POLITISCHEN THESEN DER POC

Der Erfolg für unsere gegenwärtige Aufbauarbeit der Organisation, die eng mit den Bemühun gen, die ganze Linke zu einigen, verbunden ist, ist politisch nicht neutral. Er wird entschei dend von einigen politischen Schlüsselpropositionen bestimmt, die in unsere fünf Thesen enthalten sind (vergl. 'Combate' Nr. 1) und hier zusammengefaßt wiedergegeben werden: a) Erstens über den Charakter der Revolution, die uns bevorsteht. Für uns gibt es keinen Zweifel daran, daß die brasilianische Revolution in einer antikapitalistisch und antiimperialistischen Dynamik verlaufen muß. Der antikapitalistische und sozialistische Charakter der Revolution leitet sich heute nicht nur von dieser heute augenscheinlichen Eviden ab, daß sich Brasilien kapitalistisch und industriell entwickelt. Er leitet sich auch davon ab, daß die Reife eines Landes für den Sozialismus nicht nationale, sondern international gemes sen und verstanden werden muß: Der Kapitalismus ist heute immer untrennbarer mit der wach• senden Ausbeutung breiter Massen in den unterentwickelten Ländern verbunden. Wir erlebe! mehr denn je den Widerspruch zwischen dem Anwachsen der Produktivkräfte und den Produktionsbeziehungen auf internationaler Ebene. Dieser Faktor bestimmt noch mehr als der letzte wirtschaftliche Entwicklungsstand Brasiliens den sozialistischen Charakter der brasilianischen Revolution und der Weltrevolution. Aber Brasilien bleibt, auch wenn es industrialisiert und kapitalistisch ist, ein unterentwickeltes Land, das in die Wirtschaft des imperialistischen Zen trums integriert und von ihm abhängig ist. Das muß man immer klar vor Augen haben, damit unser antiimperialistischer Kampf mit dem Kampf um die Zerstörung des Kapitalismus zusammer fällt. Es gilt, die Verbindung der brasilianischen Revolution mit all den anderen Kämpfen, die die koloniale Welt gegen das Joch des Imperialismus entwickelt, zu verstehen, und in erster Linie das vietnamesische Volk als Avantgarde der Weltrevolution. b) Zweitens über die Klassen, die für die Durchführung dieser Revo lution mobilisert werden müssen. Den sozialistischen Charakter der Revolution 2 verteidigen bedeutet, für die Arbeiterklasse in dieser Revolution die politische Vorherrschaft zu beanspruchen. Das heißt keineswegs, daß eine sozialistische Revolution allein von der Ar beiterklasse gemacht werden kann Der Sozialismus muß in Brasilien vermittels einer festen Al lianz der städtischen und der ländlichen Arbeiterschaft und mithilfe weiter Kreise radikalisier S. 16 INPREKORR 15.3.72

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ter Kleinbürger eingeführt werden. Die grundlegende Rolle der Arbeiterklasse stammt nicht nur von ihrer politischen Hegemonie: wenn man versteht, in welchem Maße das politische System Brasiliens auf einer von der Industrie bestimmten Wirtschaft basiert, muß man daraus Konsequenzen ziehen. Die Revolution derer, die diesen Wirtschaftsaufschwung tragen, ist entscheidend für den Sturz des bürgerlichen Staatsapparats. Aber daraus lassen sich auch einige taktische Fragen bestimmen. Wenn uns klar ist, von welcher Art das Wirtschaftswachstum Brasiliens heute ist und auf welcher Produktionweise es gründet, dann müssen wir verstehen, daß auch taktisch die Rebellion der Arbeiterklasse gegen die Ausbeutung, der sie unterworfen ist, ein entscheidender Faktor für die Anderung des Kräfteverhältnisses zwischen der Regierung und der revolutionären Li nken ist.

Nur die Unfähigkeit der Arbeiterklasse, ihre Löhne gegen die Politik der Bourgeoisie zu verteidigen, ermöglichte die Überwindung der Wirtschaftskrise und schuf die Vorbedingung für die gegenwärtige Entwicklungsphase. In der Organisierung der Arbeiterklasse für den Kampf liegt der Schlüssel für die nächste Etappe des revolutionären Prozesses. Das heißt, daß es notwendig ist, eine unabhängige Klassenorganisation zu schmieden, eine echte Gewerkschaft, die fähig ist, sowohl ihre unmittelbaren Forderungen als auch ihre historischen Interessen bis hin zur Zerstörung des kapitalistischen Systems zu verteidigen. Und diese Organisation wird nicht •pontan auftauchen, sondern die Avantgarde muß ihre Schaffung anregen. All diese Überlegungen über die strategische und taktische Wichtigkeit der Arbeiterklasse dürfen nicht als Entschuldigung dafür herhalten, die Rolle der Bauernschaft oder der Landarbeiter in der brasilianischen Revolution zu ignorieren oder herabzusetzen. Sie bilden die große Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung, eine vergessene und ewig ausgebeutete Mehrheit: ein enormes Kampfpotential, das wir schon jetzt in unsere Pläne für Massenmobilisierungen einbeziehen müssen. Heute ist es klarer als je zuvor, daß nur der Sozialismus die Bedingungen dafür schaffen kann, die Segregation der Massen auf dem Lande aufzuheben und sie politisch, wirtschaftlich und kulturel| ins nationale Leben zu integrieren. Die Behauptungen der Reformisten früher, die Industrialisierung würde sie in den Verbrauchsmarkt einbeziehen, weshalb ihre Interessen mit denen der ' nationalen' industriellen Bourgeoisie zusammenfielen, so kann das niemanden mehr beeindrucken. Der größte industrielle Aufschwung, der in der "Prosperitätsperiode" 1967 - 68 stattfand, hat nicht zur Integration der ländlichen Massen in den Verbrauchsmarkt, sondern zur Ausstoßung der Arbeiterklasse aus diesen Markt hinaus geführt. Heute stehen fast 80 % der Bevölkerung außerhalb des brasilianischen "Wirtschaftswunyunders": die arbeitenden Massen auf dem Lande und in der Stadt ebenso wie die armen Sekders": die arbeitenden Massen auf dem Lande und in der Stadt ebenso wie die armen Sektoren der Kleinbourgeoisie kennen keine "Prosperitat" . Schon diese Beispiele beweisen, daß für all diese in ihren unmittelbaren Interessen unterdrückten Sektoren die einzige Lösung die Zerstörung des bürgerlichen Systems ist.

c) Drittens über die Notwendigkeit der leninistischen Avantgardeparte Die brasilianische Linke hat schon viel über die Partei, den Guerillaherd, die Armee usw. polemisiert, im allgemeinen mit einem mechanischen, wenn auch nicht völlig falschen Verständnis von der leninistischen Organisationstheorie. Wenn wir die Notwendigkeit der leninistischen Avantgardepartei betonen, dann meinen wir nicht die Strukturform der bolschewistischen Partei Lenins. Wir meinen die von ihm formulierten Organisationsprinzipien, die für jegliche kapitalistische soziale Formation gültig sind. Das Wesen dieser Prinzipien liegt darin, daß die Avantgarde sich fest und sauber von den Massen und ihren Organisationen getrennt organisieren muß Vermittels einer Avantgardeorganisation intervenieren die Revolutionäre in die Massenbewegun versuchen, sie zu führen und ihr politisches Bewußtsein zu heben, aber lösen sich nie in der Masse auf, geben nie ihre unabhängigen politischen Positionen oder ihre Organisation auf. Die Organisation dieser Art wird durch den demokratischen Zentralismus gekennzeichnet, der in ihr PREKORR 15.3.72 S. 17

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den höçhsten Grad von Den:okratie ermöglicht und nach außen das i uzip der Aktionseinheit erhält. Aber gerade weil die Avantgarde sich als solche erhalten muß und die Demokratie inne halbesf Organisation mit festgelegten Rechten und Pflichten für jeden Genossen strukturiert ist, wie ist dann diese Partei konkret organisiert? Für keine dieser Prinzipienfragen gibt es fertige Formeln. Es ist eben unsere Aufgabe, diese Prinzipien auf die konkreten Bedingungen und Notwendigkeiten unserer praktischen Arbeit zu übertragen und anzugleichen. Zu diesem Zweck formulierte unsere Organisation eine Reihe von Vorschlägen zur Anwendung dieser allgemeinen Prinzipien (vergl. 'Combate' Nr. 1); aber diese Vorschläge bilden keine magischen Formeln, sondern sind als Antwort auf die konkrete Situation gedacht, in der wir leben, als Ergebnis konkreter Erfahrung und nicht als vollendetes Modell.

d) Viertens über die Strategie der Machtergreifung. Wir sind der Meinung, daß es in der gegenwärtigen Etappe der brasilianischen Revolution nicht möglich ist, absolut klare Vorstellungen von dem Kampf um die Machtübernahme zu haben. Jedoch gibt es einige Grundfragen, die schon klar sind und schon heute unsere Praxis bestimmen. Man kann sie im wesentlichen in dem Satz zusammenfassen, daß der Machtergreifung ein langandauernder Krieg kontinetalen Ausmaßes vorausgehen wird, und daß der bewaffnete Kampf schon heute auf der Tagesordnung steht. Die Konzeption von einem langandauernden Krieg ist das Gegenstück zur Kon zeption des spontanen Aufstands, wie sie in vielen Kreisen der Linken vorherrscht. Die Ano lyse der internationalen Situation zeigt, daß der Imperialismus die reformistischen und popul: stischen Lösungsmöglichkeiten allgeimein erschöpft hat und sich über die Gefahr einer jeden Volksbewegung, auch wenn diese noch nicht den Sozialismus zum Ziele haben sollte, im klaren ist. Deshalb müssen wir mit hartnäckigem Widerstand von seiten des imperialistischen Zentrum und se iner nationalen Gesellschafter, den bürgerlichen Militärregierungen, rechnen. Seit der kubanischen Revolution weiß der Imperialismus, daß jede Volksrevolution die Tendenz hat, sich zu radikalisieren und sich auf den Sozialismus hin zu entwickeln. Deshalb hat er schon be wiesen, daß er bereit ist, jedesmal militärisch zu intervenieren, wenn rekationäre nationale Sektoren einen Aufschwung der Massen unterdrücken. Unter diesen Bedingungen ist das Konzept daß ein revolutionärer Prozeß aus einem Aufschwung der unbewaffneten Massen resultieren kön ne, die sich im letzten Augenblick bewaffnen und die Macht ergreifen würden, nur als sponta neistische Auffassung anzusehen, die zu solchen Niederlagen führt, wie sie das bolivianische Volk im August dieses Jahres (1971) erlitt. Für Brasilien ist es ziemlich klar, daß die Entwick• lung nicht so verlaufen wird. Hinzu kommt, daß es ebenfalls klar ist, daß durch die täglichen kleinen Zusammenstöße der Arbeiter im Kampf um ihre unmittelbarsten Interessen mit den Unternehmern, die von der Militärdiktatur unterstützt werden, der bewaffnete Kampf von jetzt an auf der Tagesordnung steht. Die Avantgarde muß sich bewaffnen, um sich selbst zu verteidigen und ihr Recht auf revolutionäre Propaganda, sowie um den Massen zu helfen in ihrer Verteidigung gegen die reaktionäre Gewalt, die tagtäglich in den Fabriken, auf den Feldern, in den Schulen usw. ausgeübt wird. Der revolutionäre Prozeß ist jetzt schon ein bewaffneter Prozeß, auch wenn ein richtiger revolutionärer Krieg mit den mobilisierten und bewaffneten Massen gegen das Regime noch bevorsteht. Wenn wir uns über den langandauernden Charakter des uns bevorstehenden Krieges nicht im klaren sind, können wir leicht in Versuchung geraten, sebnelle Lösungen von rechtsabweichlerischer oder ultralinker Art vorzuschlagen. Der Sturz der bürgerlichen Regime in Lateinamerika kann nur das Resultat eines langen Prozesses sein, im Verlaufe dessen der Kampf in den verschiedenen Ländern kombiniert und integriert wird zum Kampf um die Vertreibung des Imperialismus.

In diesem langen Kampf müssen die Revolutionäre ein für die Zerstörung des bürgerlichen Stad apparats unbedingt notwendiges Instrument schaffen: die Revolutionäre Armee der Arbeiter. In Brasilien wird das Land der hauptsächliche Schauplatz in diesem langandauernden Krieg sein, nicht nur weil es geradezu ideale Bedingungen für eine langsame Akkumulation militärischer Kräfte und für die Formation des revolutionären Heeres biete, sondern weil im Verlauf dieses langen Kriegs auf dem Lande die ländliche Bevölkerung in den revolutionären Kampf integrier wird und die wichtigste Rekrutierungsbasis für das entstehende Heer bildet. s. 18

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.) Fünftens die frage des proletarischen Inter nationalismus. Für uns kann der Internationalismus nicht ein vages Solidaritätsgefühl und die Intuition sein, daß der Kampf in allen Teilen der Welt gegen den gleichen Feind geht. Die nationalen Revolutionen sind nicht Miniaturausgaben der Weltrevolution. Die Weltrevolution ist ein Ganzes aus ungleichen Teilen, die sich kombinieren und integrieren. Das heißt, daß die Niederlage oder der Sieg einer nationalen Bewegung die allgemeinen Kampfbedingungen eines jeden Landes beeinflußt. In den letzten Jahren kannte die Massenbewegung Rückschlägen in allen Regionen, mit Ausnahme einer Kampfesfront, der es, obwohl allein gelassen, gelang, den Vormarsch des Imperialismus aufzuhalten: der heldenhafte Kampf des vietnamesischen Volkes. Und wie die Niederlagen auf internationaler Ebene die Reaktion begünstigen, so ist der Krieg in Indochina und der Sieg der Befreiungsfront unter den günstigsten Umständen eine große Hilfe für die Revolution in jedem Lande. Ein klares Verständnis der Zwischenbeziehung unter den verschiedenen Sektoren der Weltrevolution macht uns auch die Notwendigkeit einer internationalen Strategie klar, die die schwachen Punkte des Imperialismus zu analysieren und den Kampf in den verschiedenen Ländern zu koordinieren weiß. Und zu einer internationalen Strategie gehört auch eine internationale Organisation, die diese Strategie ausarbeitet und anwendet. In dieser Einsicht kämpfen wir für den Aufbau einer Masseninternationale. Unserer Meinung ist es die effektivste Art, für diese Masseninternationale zu kämpfen, wenn man sich auf internationaler Ebene in einer Kaderin- ¡ernationale organisiert. Die Vierte Internationale ist unserer Meinung nach die Organisation, die uns als Mittel für einen qualitativen Sprung dienen und zusammen mit anderen revolutionären Kräften eine richtige Masseninternationale bilden kann mit einer internationalen Kampf strategie. Sie stellt dieses Mittel auch deshalb, weil sie das Erbe des Leninismus und des Trotzkismus bewahrt und heute in fast allen Gegenden versucht, praktisch revolutionär tätig zu sein, in vielen Gegenden in bescheidenem, in anderen in bedeutenderem Maße; aber in allen Fällen handelt es sich um eine von einer internationalen Konzeption der Revolution hergeleiteten Praxis.

für die Einigung der revolutionären Linken.

f) Letztlich die Kriterien

Wir meinen nicht, daß es notwendig sei, daß die von uns skizzierten politischen Vorschläge vllständig geteilt werden, um zu einer tiefen politischen Einigung zwischen uns und anderen Organisationen zu gelangen. Sowas zu fordern hieße,die besondere Entwicklung einer jeden Organisation völlig zu mißachten (wie auch die unserer eigenen) und sektiererische Kriterien für eine Einheitsfront aufzustellen.

Im Gegenteil, wir sind der Auffassung, daß unter all den politischen Elementen, die das stralegische und taktische Konzept einer jeden Organisation darstellen, es bestimmte gibt, die für die gegenwärtige Etappe wesentlich, und andere, die zweitrangig sind. Wenn man zum Beispiel die Frage, ob die brasilianische Revolution eine sozialistische sein wird oder nicht, für das Hauptkriterium zur Bidlung einer Einheitsfront nimmt, dann beweist man, so meinen wir, daß man kein Gefühl für die Notwendigkeiten der gegenwärtigen Etappe besitzt. Was für uns heute entscheidend ist, das ist ein Ubereinkommen über die Formen, um die gegen: wärtige negative Konjunktur für die revolutionäre Linke und ihre Isolierung von den Massen zu durchbrechen und Bedingungen zu schaffen, um politisch und organisatorisch den nächsten Aufschwung der Massenbewegung zu führen, der dem Schweigen der Arbeiterklasse ein Ende setzen wird. Ein solches Übereinkommen bedingt Einverständnis über die Notwendigkeit organisierter Arbeit der Avantgarde unter den Massen und stetiger Arbeit in der Art militärischer Aktionen, insbesondere der bewaffneten Propaganda. Die Ubereinstimmung mit dem oben erwähnten Kriterium scheint uns das Schlüsselelement für die Entwicklung einer Praxis zu sein, in der die übrigen Meinungsverschiedenheiten überwunden werden können. Die Überwindung der klassischen Abweichungen der brasilianischen Linken heißt für uns: Überwindung des "masismo" (Mas senlinie) und des 'vanguardismos' (Avantgardelinie).

Darin besteht also das grundlegende politische Kriterium für uns in der gegenwärtigen Etappe. Dezember 1971 ( Die Zwischentitel wurden von INPREKORR eingefügt. )