Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Brief von Genossen der Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten-Leninisten)

Inprekorr Nr. 12, 5. Februar 1972 · S. 8-9 · 657 Wörter

Trotzki und Geschichte China Indien und Südasien

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+++++++++++++++++++++++++++ +4+++++++++++++++++++++++++*++ Genossen und Freunde im Ausland, Im Lichte dessen, was in den letzten zwölf Monaten in der süasiatischen Region passiert ist, möchten wir einige Feststellungen treffen und einige Fragen stellen. Erstens sollte absolut klar sein, daß die Revolutionäre diesen Subkontinent als e i n Land betrachten und entschlossen, die "internationalen Grenzen" der Herren Patel, Nehru, Dschinnah und Stafford Cripps mit Gewalt auszulöschen.

Zweitens: Was in Ostbengalen im ersten Viertel des Jahres 1971 geschah, war nichts anderes als eine blutige und mörderische Repression der demokratischen Massenbewegung eines Volkes durch eine Bande von Faschisten, Verbrechern und völlig verkommenen Irren - jedes Wort ist sorgfältig gewählt.

Drittens: Ein gewisses Außenministerium im Ausland, das einzige, von dem wir einen prinzipientreuen Standpunkt erwartet hätten, scheute sich nicht, schwarz auf weiß die wahre Natur seiner faschistischen Freunde vor seinem Volke zu verbergen, den verzweifelten Kampf eines Volkes gegen blutdürstige Menschenfresser als eine "antichinesische Kriegsver schwörung" darzustellen, die Begriffe ""Rebell" und "Sezessionist" als Schimpfworte (!) zu gebrauchen und nicht in die "internen Angelegenheiten unmenschlicher Mörder einzugreifen - nachdem es in die "internen Angelegenheiten" vom Sudan und von Ceylon eingegriffen hat, zugunsten der unmenschlichen Mörder natürlich.

Viertens: Die klugen Reaktionäre in Indien (die nicht mürde wurden bei der brutalen Unterdrückung der revolutionären Bewegung in Westbengalen, Andhra und Pandschab und der nationalen Kämpfe der Bevölkerung von Naga, Mizo und Kaschmir) und ihre sowjetischen Helfershelfer profitierten von der einmaligen Gelegenheit und stärkten ihre Position auf dem Subkontinent ungeheuer - teilweise, wenn nicht sogar ganz, aufgrund der wundervollen Nichteinmischung der Führer der Weltrevolution und aufgrund der Aktivitäten ihrer guten Freunde, der maoistischen Mullahs von Islamabad.

Die innere Krise der revolutionären Bewegung in Südasien wäre Thema einer anderen Diskussion. Aber was hat die "revolutionäre Führung"' unserer Partei (die jetzt zweifellos gespalten ist nach dem Motto "aus eins mach zwei) in Bezug auf die indisch-pakistanische Krise getan? Da ihr proklamiertes oberstes Prinzip ""Loyalität gegenüber der KP Chinas" ist - nicht Loyalität gegenüber den Massen oder dem Marxismus-Leninismus, sondern gegenüber der KP Chinas - haben sie natürlich weitergearbeitet an der heiligen Aufgabe, den Opportunismus und den Chauvinismus des chinesischen Außenministeriums zu rationalisieren. Die quantitative ( oder ist es eine qualitative?) Weiterentwicklung der Gedanken Mao Tsetungs wurde von einem gewissen Führer geleistet, indem er proklamierte, Yahya Khan sei ein "nationaler Bourgeois " (sic !).

Wir wurden betrogen, Genossen und Freunde, und wir wissen, daß wir eine deutliche Spra che sprechen. Das "proletarische Hauptquartier" hat ganz und gar dem Opportunismus und dem Großmachtshauvinismus gefrönt, und wir, die wir bis vor kurzem feurige "Maoisten"' waren, sagen dies mit tiefster Sorge und Bestürzung. Wir fragen die maoistischen Missionare: erwartet ihr jetzt von uns, daß wir vor einfachen Leuten, deren Verwandte durch chinesische Kugeln getötet wurden, das Rote Buch zitieren? Erwartet ihr, daß wir Menschen den bewaffneten Kampf predigen, deren bewaffneter Kampf mit chinesischen Panzern konfrontiert wurde? Gentlemen, wir werden die Revolution nicht aufgeben, wie ihr behaupteti aber wir haben eine sehr bittere und grundsätzliche Lektion gelernt: eine revolutionäre Partei hat dem Volk gegenüber loyal zu sein und dem Marxismus gegenüber, und keines S. 8 INPREKORR 15.2.72

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falls dieser oder jener Partei. Und wir werden den Ausverkauf des proletarischen Internationalismus an Leute vom Schlage Yahyas, Numeirys, Nixons und Bandaranaikes nicht akzeptieren. Von Stalin an haben die sowjetischen Führer die Weltrevolution auf dem Altar ihrer chauvinistischen Außenpolitik geopfert. Wir können nicht erlauben, daß dies wiederum geschieht.

Vielleicht wird Allah uns sagen, warum unser großer Steuermann unser Schiff auf den Felsen führte und uns dann verließ. Aber wie einmal jemand sagte: große Männer brauchen keine Gründer sie überlassen sie den erfinderischen Köpfen ihrer Apologeten. "Eine Attrappe ist und bleibt eine Attrappe, und die Maske muß heruntergerissen werden." :Es ist eine scheußliche Ironie, daß wir jetzt der chinesischen Führung die Maske herunterreißen müssen. Einige Genossen der Kommunistischen Partei Indiens ( Marxisten-Leninisten) (Aus RED MOLE Nr. 36 vom 7. Februar 1972)