Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Italien: FIAT/SEAT

erste internationalistische Initiative

Inprekorr Nr. 113, 22. November 1979 · S. 26-27 · 1.084 Wörter

Italien Gewerkschaften und Streiks Spanischer Staat

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FIAT/SEAT - erste internationalistische Initiative Am ersten Oktoberwochenende fand in Turin ein Treffen von Arbeitergenossen der spanischen und italienischen Sektionen der /V. Internationale statt, die bei FIAT oder SEAT beschäftigt sind. Die Delegation der LCR bestand aus vier Genossen der zwei Betriebe von Barcelona, Zona Franca (26 000 Arbeiter) und Martorell (2500 Arbeiter); drei davon Mitglieder der Arbeiterkommissionen und einer der UGT. Alle gehören zu den jeweiligen Betriebskomitees, einer ist Mitglied der Leitung der CCOO von Katalonien, ein anderer Verantwortlicher der UGT für das Industriegebiet, worin sich die SEAT- Fabrik von Zona Franca befindet. Die italienischen Arbeitergenossen arbeiten in Mirafiori, Lingotto, Rivalta und Materferro. Es nahmen an diesem Treffen auch Arbeiter von /VECO, von Bertone und von Alfa Romeo (Mailand) teil. Die meisten dieser Genossen sind Betriebsräte oder Vertrauensleute.

Der erste Teil der Arbeiten, an denen nur eine beschränkte Anzahl Genossen teilnahm, war der Diskussion über die Errichtung einer stabilen Koordination gewidmet, welche vorher beschlossen worden war, sowie der Vorbereitung einer gemeinsamen Zeitung. Am zweiten Tage fand ein größeres Treffen statt, wo die Situation und die Perspektiven der beiden großen Automobilwerke diskutiert wurden.

Die Konsequenzen der Integration von SEAT in FIAT standen im Mittelpunkt der Debatten. Augenscheinlich handelt es sich dabei um eine Operation, die in der Logik der multinationalen Konzerne liegt und die auf eine Angleichung der Produktionsbedingungen in den zwei Fabriken hinausläuft. Bezeichnenderweise fanden übrigens in der Woche vor dem Treffen in den Lackierabteilungen der Werke von Barcelona und Turin harte Kämpfe statt. weise schon jetzt das Problem einer Ab- In beiden Fällen handelte es sich um An- wehr des Angriffs, den der Automobilgriffe des Unternehmens gegen von den konzern gegen die Arbeiterklasse starten Arbeitern in früheren Epochen erkämpfte will, indem er die Beschäftigtenzahl ver- Rechte, die mit einem Angriff auch gegen ringert und den Ausbeutungsgrad erhöht, das Streikrecht selbst einhergingen. (Die stellen muß. Unternehmer denunzieren den „wilden" Charakter der Streiks, die ihrer Meinung Leider bereiten sich weder die reforminach von einer Minderheit von Ultra- stischen noch die neo-reformistischen linken angezettelt worden seien und sie Parteien noch die Gewerkschaften auf die gingen so weit, zu erklären, die Arbeiter kommenden entscheidenden Auseinanderhätten für die vorgeblichen Schäden, die setzungen vor. Schlimmer noch, einige durch die Streiks entstanden seien, auf- Gewerkschafter sind sogar soweit gezukommen./ gangen, sich zu verpflichten, ihren Part- Die Diskussion über die Perspektiven nern im anderen Land keinerlei Informader beiden Unternehmen brachte zutage, tionen weiterzugeben, welche sie über die daß es in kürzerster Zeit vor allem die anvisierten Operationen der Unternehmer Arbeiter von SEAT sein werden, die besitzen. durch eine grundlegende Umstrukturierung bedroht sein werden, welche die Unter solchen Voraussetzungen haben neuen Herren durchzusetzen gedenken. die Genossen aus Turin und Barcelona In der Tat kann man ausrechnen, daß die Erstellung einer regelmäßigen Zusam- SEAT den bisherigen Beschäftigungs- menarbeit beschlossen, die helfen soll, stand nur halten könnte, wenn es von eine gemeinsame Intervention der revolueiner Produktion von 300.000 Autos tionären Marxisten der beiden Länder zu einer von 500.000 schreiten könnte auszuarbeiten. Die Arbeit soll sich auf (mit Beginn 1981). Eine solche An- folgenden Achsen entwickeln: nahme ist aber völlig unrealistisch ange- a) ein Kampf in den jeweiligen Gewerksichts der Entwicklungstendenzen der • schaftsorganisationen, damit diese ihre Weltautoindustrie, die steigende Schwie- Aufgabe, die Strukturen der Gewerkrigkeiten voraussehen lassen. Das Ziel von schaften in den Unternehmen des inter- 500.000 Autos pro Jahr könnte nur auf. nationalen Automobilkonzerns FIAT in rechterhalten werden, wenn Teile von den verschiedenen Ländern, zunächst anderen FIAT-Betrieben in das katalani- zwischen Italien und Spanien, zu koorsche Unternehmen überführt werden. Ein dinieren, wahrnehmen; konkretes Beispiel: FIAT hat in der Ge- b) die Festlegung der gemeinsamen Kampfgend um Barcelona eine Produktions. bereiche und -ziele für die Arbeiter des stätte für Autogetriebe geplant, die schon Konzerns. Ein erster Schritt dahin wird 1981 600.000 Getriebe produzieren soll, der Kampf um die Hereinnahme der Ford.h. etwa das Doppelte, was SEAT benö. derung der Angleichung der Arbeitstigt. Offensichtlich will FIAT einen Teil bedingungen in den beiden Unternehmen der Produktion von Turin nach Katalo- in die Plattform für die jeweilige Vereinnien verlagern. barung mit dem Unternehmen sein (augenblicklich erfreuen sich die Turiner Arbei- All dies beweist, daß sich die Arbeiter. ter besserer Bedingungen bei Normen und bewegung der beiden Länder notwendiger- Arbeitszeit).

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c) allgemeiner der Kampf um die notwendige internationale Antwort auf die allgemeinen Angriffe der Unterehmer in der Perspektive, der Krise des Kapitalismus eine Arbeitera/ternative entgegenzusetzen.

Die Koordination wird eine Zeitung herausgeben und in Turin und Barcelona verteilen. Ihr Titel wird ein gemeinsamer sein: FIAT SEAT Stessa lotta-Misma lucha (ein Kampf). Die Nullnummer soll noch im Oktober erscheinen. Sie wird einen gemeinsamen Teil und einen Informationsteil enthalten, der jeweils verschieden sein wird (die Informationen über SEAT stehen nur in der italienischen Ausgabe und umgekehrt) und soll zweimonatlich erscheinen.

Im Vorwort der ersten Nummer steht: „Angesichts der wachsenden Internationalisierung des Produktionsprozesses haben die Führungen der Arbeiterbewegung häufig mit einer kurzsichtigen, nationalistischen Strategie geantwortet und sind soweit gegangen, die Interessen der Arbeiter der verschiedenen Länder gegeneinander auszuspielen. Es ist kein Zufall, daß die Gewerkschaften eine Verbesserung der Positionen ihrer eigenen nationalen Industrie begünstigen gegen jene der konkurrierenden Länder, und daß sie bereitwillig die Parole ihrer Bourgeoisien akzeptieren, die heißt: mehr aus- und weniger einführen. Im Falle von Entlassungen sehen sie es am liebsten, wenn ausländische Filialen oder Gastarbeiter betroffen sind. Eine solche Politik spaltet die Arbeiter angesichts einer Unternehmerschaft, die ihrerseits geeint dasteht.... Das Ziel dieser Zeitung ist es, einen Beitrag zu leisten auf der Grundlage unserer noch sehr bescheidenen Kräfte, daß sich die Arbeiterbewegung unserer beiden Länder und ganz Europas einer anderen Strategie zuwendet, einer Strategie des antikapitalistischen Klassenkampfes. Angesichts des Internationalisierungsprozesses des Kapitals wollen wir aufzeigen, daß Organisationen verschiedener Länder, wenn sie nur zu einer gemeinsamen internationalistischen Konzeption greifen, eine einheitliche Antwort finden können, die es ermöglicht, die Kräfte der Unternehmer in ihrer Gesamtheit zu bekämpfen." Zum Schluß des Treffens fand eine öffentliche Versammlung statt, an der etwa hundert Arbeiter teilnahmen, wobei je zwei Arbeiter von SEAT und FIAT das Wort ergriffen, um die Bedeutung der Initiative zu erklären. Ein Redebeitrag des Genossen Livio Maitan, Mitglied des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale, in dem er die Probleme analysierte, die sich der Arbeiterbewegung im kapitalistischen Europa stellen und die Schwerpunkte des Kampfes der revolutionären Marxisten umriß, stand am Schluß des Treffens.

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