Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

HKS im politischen Mittelpunkt

Inprekorr Nr. 106, 28. Juni 1979 · S. 14-16 · 1.342 Wörter

Iran

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Die iranischen Trotzkisten der Sozialistischen Arbeiterpartei (HKS) sind nach wie vor im Zentrum einer landesweiten Diskussion um die Zukunft der Revolution.

Auf einer Demonstration von 100.000 Personen am 19. Mai gegen die Angriffe auf die Pressefreiheit verkauften HKS-Aktivisten 10.000 Exemplare einer Sondernummer ihrer Zeitung Kargar (Arbeiter).

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Titelseite der HKS- Wochenzeitung KARGAR 70.000 Leute kamen am 30. Mai in die Pädagogische Hochschule von Teheran, um die Diskussion zwischen dem HKS-Führer Babak Zahraie und dem Spitzenideologen der „Islamischen Republik", Abu al-Hassan Bani Sadr, zum Thema „Eigentum, nationale Unabhängigkeit und Staat" mitzuerleben. Die drei wichtigsten Tageszeitungen von Teheran wollen die Debatte im Wortlaut veröffentlichen. Das war die zweite Debatte zwischen Zahraie und Bani Sadr. Die erste am 10. April war von der iranischen Fernsehgesellschaft direkt übertragen und von schätzungsweise 22 Millionen Personen mitverfolgt worden. Am 1. Juni sollte Zahraie an der Universität von Täbris im Aserbeidschan sprechen. 7.000 Personen kamen zusammen, aber die Organisatoren entschlossen sich, die Veranstaltung zu verschieben, als eine Meute von etwa 100 Schlägern mit Messem, Schwerten und Revolver auftauchte. Die Genossen von Täbris berichten, daß dieser Abbruch zum Hauptthema der Diskussionen auf den Straßen der Stadt wurde; die Einwohner waren empört über diesen Angriff auf die Redefreiheit. Als einer der Schläger nach Hause zurückkam, wurde er von einer Menge von Nachbarn umringt und aufgefordert, zu verschwinden, weil er „den guten Namen von Täbris beschmutzt habe" Die jüngsten Ereignisse-in Khusistan zeigen klar, warum die HKS-Ortsgruppe von Ahwas zur Hauptzielscheibe für die Behörden geworden ist. • Die Kräfte, welche den bürgerlichen Staat im Iran wieder festigen wollen, fürchten die potentielle Macht der Arbeiter in dieser Gegend ganz besonders, weil sie • wirtschaftlich sehr wichtig ist und weil hier eine bedeutende Konzentration von Industriearbeitem mit den Problemen einer unterdrückten Nationalität zusammentrifft.

+++ Ich hatte im April die Gelegenheit, mit einigen Genoss/inn/en zu sprechen, die dann später verhaftet wurden. Hier, was sie von ihrer Arbeit in Khusistan erzählten:

Hamid Shahrabi berichtete über die Verfolgungen: „Unsere Genoss/inn/en wurden immer wieder festgenommen, wenn sie unsere Zeitung verkauften, manchmal zwei- oder dreimal am Tag. Sie wurden zum imam-Komitee gebracht, erhielten den dritten Grad und wurden venwarnt. "

Die Rechten organisierten auch Angriffe im Stil von Gangstern. Ali, ein weiterer Genosse der HKS in Ahwas, beschrieb, was Anfang März passierte, als HKS-Mitglieder ihre Zeitung vor der Erdölraffinerie verkauften: „Zuerst kam ein Mann in einem Auto und versuchte, uns zu provozieren. Dann kam eine Gruppe in einem Kleinbus und griff uns mit Messern, Äxten und Ketten an. Sie versuchten, unser Auto umzukippen, und sie warfen unsere Zeitungen in den Straßengraben."

Fatima Fallahi, eine Frau der HKS, die sich ebenfalls unter den Verhafteten befindet, sagte: „Der Mann im Auto sagte zu den Frauen „Nutten'. Als sie uns zum Imam-Komitee brachten, sagten sie, es gehöre sich für Frauen nicht, Zeitungen zu verkaufen. Aber obwohl die Haltung Frauen gegenüber im Iran oft sehr zurückgeblieben ist, gab es Aktivisten im Komitee, die unser Recht, Zeitungen zu verkaufen, verteidigten.* Ali erzählte, daß es ähnliche Reaktionen vor dem Tor der Raffinerie gab: „Leute, die wir überhaupt nicht kannten, verteidigten uns. Später erfuhren wir, daß die Arbeiter die Zeitungen aus der Gosse aufgehoben und sie gelesen hatten. Für uns ist es sehr wichtig, daß wir die Arbeit offen fortsetzen. Überall entstehen Gruppen, die ihre demokratischen Rechte durchsetzen wollen. Sie schauen auf uns, weil wir ein Beispiel sind, sogar Soldatengruppen."

Die HKS organisierte eine Pressekonferenz in Ahwas, • um gegen die

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Angriffe des Schlägertrupps zu protestieren, und gab Unterschriftenlisten zur Verteidigung ihres Rechts, ihre Zeitung verkaufen zu dürfen, aus. Vertreter fast aller Zeitungen waren anwesend und nahmen den Fall positiv auf. Aber ihre Berichte wurden aufgrund der scharfen Zensur völlig unterschlagen.

„Nach der Pressekonferenz", erzählte Fatima Fallahi, „eilte eine unserer Genossinnen zur offiziellen Presseagentur, ohne ihr Haar zu bedecken. Der Mann dort sagte ihr, sie solle besser auf sich Acht geben, denn die Sozialistische Arbeiterpartei ist so wichtig für uns' ". „Am nächsten Tag", fuhr sie fort, „sprach ich mit einem alten Bauern. Br gibt uns immer Tee. Ich sagte ihm, daß er bedroht werden könne, weil er immer mit uns spricht. Er antwortete: ,Sorge dich nicht um mich; ich habe nichts zu verlieren. Paßt nur auf euch selbst auf, denn wir wissen, daß die Savakis hinter euch her sind'".

Es sind die früheren Savak-Agenten im Komitee, nicht die ganze Gruppe, die immer stören, sagte ein anderer Genosse. „Die Leute, die uns angreifen, behaupten, sie seien Kämpfer für den Islam. Wir meinen, daß das nicht stimmt, sonder daß sie von früheren Savakis angestachelt werden.

Es gibt auch wirklich militante Aktivisten in den Imam-Komitees, Leute, die zwanzig Stunden am Tag auf den Beinen sind, um der Bevölkerung Schutz zu geben und ihr zu helfen. Aber es gibt auch eine andere Gruppe, die, das kann ich ohne Zögern sagen, aus früheren Savak-Agenten besteht.

Um einen weiteren Vorfall anzuführen: Wir gingen zu einem dieser Komitees, um einen Ayatollah zu bitten, eine Erklärung abzugeben. Einer von uns, ein Elektriker, sah altbekannte Savakis wieder. Sie waren es, die derzeit das Komitee führten und den Leuten, die hereinkamen, Anordnungen gaben.

Die radikalisierten Komitee-Aktivisten sind empört über die Rolle, die Ex- Savakis in ihnen spielen. Mitglieder von Komitees erzählten uns, sie hätten eine Liste von Savak-Agenten von der Polizei bekommen", sagte Ali. „Sie übergaben eine Kopie dieser Liste dem Komitee", fügte Fatima hinzu, aber das Komitee tat überhaupt nichts damit. Sie erwischten auch einen Savak-Agenten und brachten ihn zum Komitee, aber dort ließ man ihn laufen. Die Leute waren verrückt vor Wut. * „Fatima ist in den Komitees sehr bekannt", sagte Shahrabi, denn sie geht dorthin und erklärt, was Sozialismus ist, macht die Zeitung auf und sagt: schau, in diesem Artikel steht, warum wir für die Nationalisierung der Banken sind, warum wir die derzeitige Art, wie die Armee organisiert ist, für schlecht halten, warum wir für die Wahl der Offiziere sind." Der große Einfluß der Rechten im Komitee hat zu einem Klima der Verängstigung in der Stadt geführt, erklärte Shahrabi, und deshalb ist das Beispiel, das die HKS gibt, wenn sie für ihre Rechte eintritt, auch so • wichtig. Wir haben den Ruf, die einzigen zu sein, die aggressiv um ihre Rechte kämpfen. Es gibt ein Gerücht, daß unsere Partei in Ahwas 4.000 Mitglieder und 20.000 Sympathisanten zähle. Der Grund dafür ist, daß sich die Leute einfach nicht vorstellen können, wie eine so kleine Gruppe diesem Druck widerstehen kann. Sie wissen nicht, daß die Kraft hinter uns im Vertrauen in unser Programm liegt." Vor allem die unterdrückte arabische Bevölkerung ist darauf aufmerksam geworden, daß die HKS sich für die Rechte der Araber einsetstv, Unsere Arbeit mit den Arabern ist sehr wichtig", , sagte Shahrabi. „Sie sind richtige Kämpfer. Wir wollen hier eine Ortsgruppe der Partei aufbauen, in der die Mehrheit aus arabischen Arbeitern besteht. Bis jetzt waren sie allen Parteien gegenüber mißtrauisch. Aber sie sagen, uns mögen sie; weil wir ihre Rechte verteidigen. Um ein Beispiel vom Geiste dieser. Arbeiter-Militanten zu geben: wir haben vor kurzem einen rekrutiert, dessen Vater ihm ein Haus überlassen hai.e. Das war alles, was er besaß. Er kam zu dem Schluß, daß er es verkaufen und das Geld der Partei geben sollte. Er sagte zu uns: ;Ich habe mein Haus gefunden, das ist die Sozialistische Arbeiterpartei. Ich brauche kein anderes. ' Sowas gibt uns gewaltigen Auftrieb. "

„Die Araber, die unter dem alten Regime doppelter Unterdrückung ausgesetzt waren, sind besonders aufgebracht über diesen Angriff auf die demokratischen Rechte", sagte Shahrabi. „Ein arabischer Arbeiter sagte mir: , Wir wurden in dieses heiße Gebäude eingeschlossen (Ahwas liegt in einer heißen Wüstengegend). Schließlich gelang es uns, zum Dach rauszukommen, und da will man uns zurückstoßen. Aber wir lieben viel zu sehr die freie Luft. Wir werden es nicht mehr zulassen, daß sie uns wieder einschtießen."

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